Kritik am Baby-led weaning - einfach haarsträubend!


Die DGKJ und die FKE üben Kritik am Baby-led weaning - es bestehe Erstickungsgefahr und die Gefahr einer Mangelernährung wegen fehlender Nährstoffe

 
Baby isst MeloneDie Deutsche Fachgesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat ihre Empfehlungen für die Ernährung im Säuglingsalter aktualisiert. In einer Pressemitteilung  war vor ein paar Wochen zu lesen: "Dabei wurden auch neue Trends in der Babykost kritisch betrachtet". Aber dazu später mehr - nur so viel: es wird interessant! 

Zunächst einmal möchte ich aber die aktuellen Empfehlungen kurz zusammenfassen. Sie wurden als kurzes Faltblatt und als ausführlicher Artikel aufbereitet. Man fragt sich aber schon ein bisschen, was jetzt eigentlich wirklich so neu ist. Aber lest selbst:

 

Die Empfehlungen zur Ernährung gesunder Säuglinge

 

Stillen

 
Innerhalb von 2 Stunden nach der Geburt soll das Kind angelegt werden und die Brustwarze möglichst selbst finden. Es erfolgt eine nähere Untersuchung des Kindes, wenn es mehr als 7-10% des Geburtsgewichtes abnimmt oder über 7 Tage nicht zunimmt. Danach wird nach Bedarf gestillt. Am besten 4 bis 6 Monate lang ausschließlich - auch kürzeres Stillen oder Teilstillen sind sinnvoll. Ab Beginn der Beikostgabe kann weiter gestillt werden, so lange Mutter und Kind wollen. Es erfolgt keine Zufütterung, sofern keine medizinische Indikation vorliegt.
 

Säuglingsanfangsnahrung

 
Im gesamten ersten Lebensjahr kann Pre- oder 1er-Nahrung gefüttert werden. Folgenahrungen werden erst gegeben, wenn das Kind Beikost erhält - sie sind nicht zwingend notwendig. Liegen allergische Erkrankungen in der Familie vor, kann HA-Nahrung bis zur Beikosteinführung gefüttert werden. Nahrung mit Sojaeiweiß soll nur bei besonderer Indikation verwendet werden. Selbst zubereitete Nahrungen aus Tiermilch dürfen nicht gegeben werden. Der Zusatz von LC-PUFA hat mögliche Vorteile, die Wirkung von Pre- und Probiotika sind nicht erwiesen.
 
Flaschennahrung muss frisch zubereitet werden, Reste werden verworfen. Flaschen und Sauger sind sorgfältig zu reinigen und trocken aufzubewahren. Auskochen und Sterilisierbäder sind nicht erforderlich. Pulvernahrung wird mit frischem Wasser zubereitet, über Nacht in der Leitung gestandenes Wasser wird nicht verwendet. Wasserfilter sind wegen der Keimbelastung zu vermeiden. Bei einem hohem Nitratgehalt (über 50 mg/l) und Bleileitungen soll auf abgepacktes, besonders gekennzeichnetes Wasser zurück gegriffen werden, das speziell als für die Zubereitung für Säuglinge gekennzeichnet.
 
Die Nahrung kann mit auf Trinktemperatur erwärmtes oder abgekochtes und auf Trinktemperatur abgekühltes Wasser zubereitet werden. Von der Zubereitung mit kochendem Wasser oder mit Wasser das heißer als 70°C ist, wird abgeraten.
 

Beikost

 
Beikost soll im Alter zwischen 17 Wochen (4 Monate) und 26 Wochen (6 Monate) eingeführt werden. Der individuelle Zeitpunkt ergibt sich durch das Gedeihen und die Essfähigkeit des Kindes. Allergene sollen zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat eingeführt werden (also auch im Alter von 4 bis 6 Monaten). Gluten soll in diesem Zeitraum in kleinen Mengen und möglichst noch während des Stillens gegeben werden.
 
Kind wird mit Brei gefüttertFür die Beikost kann diesem Ernährungsschema gefolgt werden. Etwa monatlich wird dabei eine Milchmahlzeit ersetzt. Die erste Mahlzeit sollte aus Gemüse, Kartoffeln und Fleisch/Getreide bestehen. Beikost ist mit dem Löffel zu füttern und soll nicht aus Flasche oder Becher getrunken werden.
 
Es eigenen sich selbst hergestellte und industriell gefertigte Mahlzeiten. Fett ist in ausreichender Menge und in guter Qualität zuzugeben. Die Verwendung von Honig ist zu vermeiden. Beikost soll abwechslungsreich sein und eine positive Geschmacksprägung des Säuglings fördern. Auf den Zusatz von Salz und Zucker soll verzichtet werden.
 
Für den Milchbrei können 200 ml Kuhmilch verwendet werden. Als Getränk soll Kuhmilch erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres gegeben werden, um nachteilige Wirkungen - bspw. auf die Eisenabsorption - zu vermeiden. Nachdem drei Breimahlzeiten eingeführt wurden, sollen Wasser und ungesüßte Tees angeboten werden. Davor ist Muttermilch/Säuglingsmilch ausreichend.
 
Alle Säuglinge erhalten 3 mal Vitamin K. Ab der zweiten Lebenswoche wird Vitamin D zugeführt und mit Fluorid kombiniert - in Abhängigkeit vom Gehalt des Trinkwassers. Eine vegetarische Ernährung ist möglich bei sorgfältiger Auswahl der Lebensmittel, eine vegane Ernährung ist abzulehnen.
 
 

Einschätzung

 
Grundsätzlich gibt es nicht allzu viel Neues zu empfehlen - das meiste wird so seit Jahren in die Welt getragen. Nach wie vor recht starr ist der Plan, in festem Rhythmus Mahlzeiten komplett zu ersetzen. Relativ neu ist die Aussage, dass man Flaschen und Sauger nicht mehr auskochen oder sterilisieren muss - eine gründliche Reinigung reicht aus (darüber hatte ich ja schon im Artikel über Hygiene geschrieben). Bezüglich der Fluoridgabe habe ich vor kurzem darüber geschrieben, warum meiner Ansicht nach die Gabe durch eine Tablette eher nicht empfehlenswert ist - erst recht nicht von Geburt an in Kombination mit Vitamin D. Neu ist meines Wissens auch die Aussage, dass man Wasser für das Pulver von Flaschenmilch nicht mehr kochen muss - man kann auch einfach nur auf Trinktemperatur erwärmtes nehmen.  
 
 

Die kritische Betrachtung neuer Trends wie Baby-led weaning

 
Die da neu kritisch betrachteten Trends sind vegane Ernährung und Baby-led weaning. Es wird festgestellt, dass eine vegetarische Ernährung durchaus möglich ist, man müsse nur besonderes Augenmerk auf die Auswahl der Lebensmittel legen. Das ist nachvollziehbar - worauf genau man dabei achten muss, habe ich in diesem Artikel zusammengefasst. Eine vegane Ernährung von Babys ist laut DGKJ jedoch abzulehnen.
 
Erstaunt war ich von der Aussage, dass man vom Baby-led weaning explizit abrät. Bei dieser Methode entscheidet das Kind ganz allein, wie schnell es sich abstillt und was es in welchen Mengen verzehrt. Die Nahrung wird nicht als Brei gegeben, sondern in handlichen Stücken, von denen das Baby selbst "abbeißt".

Ich persönlich halte das ja für eine vollkommen artgerechte alternative Ernährungsweise, daher war ich gespannt, was man an dieser denn auszusetzen haben könnte. So las ich verblüfft im ausführlichen Konsensuspapier (S. 533):
 
"In einer jüngeren Publikation des Forschungsinstitutes für Kinderenährung wurde die vorhandene Datenlage zum Konzept "Baby-led weaning" systematisch erfasst und beurteilt. Hilbig und Mitarbeiter folgern, dass eine konsequente Verfolgung der Selbstfütterung von Beikost mit der Hand zu einer nicht erwünschten verzögerten Einführung erst im Laufe des 2. Lebenshalbjahres führte, mit möglichen Nachteilen für die Allergie- und Zöliakieprävention sowie das kindliche Aspirationsrisiko. Des Weiteren folgern die Autoren, dass die Selbstfütterung von Beikost mit der Hand in der Regel zu geringen verzehrmengen an Beikost und insbesondere einer niedrigen Zufuhr an nährstoffreicher Energiedichte und somit zu erheblichen Risiken für eine angemessene Nährstoffversorgung führt".

Um es kurz festzuhalten: die Ablehnung von BLW basiert ausschließlich auf einem Artikel von Hilbig, Alexy und Kersting "Beikost: Breimahlzeiten oder Finger Food" und in der Monatsschrift Kinderheilkunde erschien. Es werden folgende Gründe gegen das BLW angeführt:

  1. Fehlende Allergie-/Zöliakieprävention wegen zu spätem Beikoststart
  2. Aspirationsgefahr
  3. zu niedrige Energiezufuhr und Risiken für einen Nährstoffmangel
 
Ich habe mir diesen Artikel genauer angesehen und war doch sehr überrascht. Schauen wir uns die Punkte und vor allem ihre Begründung doch mal im Einzelnen an:
 

Fehlende Allergie-/Zöliakieprävention durch Baby-led weaning

 
Statue stillt KindBis zum Jahr 2010 galt in Deutschland die Empfehlung Babys 6 Monate voll zu stillen, so wie die Weltgesundheitsorganisation auch noch immer tut. Diese Empfehlung wurde 2010 geändert - seitdem heißt es, dass der ideale Zeitraum für die Einführung von Beikost und von potentiell allergenen Lebensmittel das Alter zwischen vier und sechs Monaten ist.
 
Fragt man sich, warum diese Empfehlung eigentlich geändert wurde, würde man doch eigentlich vermuten, dass die Wissenschaft durch Studien zu der Erkenntnis gelangt ist, dass die frühere Einführung Allergien wirksamer verhindert, als ein Beikoststart erst nach 6 Monaten. Das ist aber gar nicht der Fall - tatsächlich erwiesen ist nach wir vor nur, dass vor allem das Stillen eine protektive Wirkung bei der Allergievermeidung hat. Leider wird in Deutschland nur sehr kurz gestillt - mit 4 Monaten werden noch etwa 60 % der Kinder gestillt, bis zum Alter von 6 Monaten sinkt die Quote auf 40-50 %. Also hat man einfach den Beginn der Beikosteinführung nach vorne gezogen, damit möglichst beides noch zusammenfällt. Das wird auch hier vom Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft bestätigt:
 
"Neuere Daten [...] ergaben, dass im 6. Monat nur noch 52% der Kinder gestillt werden. [...] Würde eine Einführung der Beikost erst ab Beginn des 7. Monats empfohlen, müssten demzufolge knapp die Hälfte der [...] Säuglinge die Zeit bis zum empfohlenen Beikoststart mit Säuglingsmilchnahrung „überbrücken“. Die oben angeführte risikomindernde Maßnahme würde diese Kinder nicht erreichen".
 
Bei der Allergieprävention kommt es also nicht auf den Zeitpunkt der Beikosteinführung an, sondern darauf, dass gleichzeitig noch gestillt wird. Denn die Muttermilch schützt vor Allergien - im 5. Monat genau so, wie im 8. Monat. Daher ist die (ohnehin nur) vermeintliche spätere Einführung von Beikost durch das BLW im Grunde gar kein Problem - so lange dabei noch gestillt wird (was bei BLW ja üblicherweise der Fall ist).  
 
Ein Sonderfall ist jedoch Gluten. Aktuell hat eine Untersuchung niederländischer Forscher ergeben, dass der Erstkontakt für die Zöliakieprävention entscheidend ist. Dieser sollte zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat erfolgen. Nun - das "Problem" lässt sich ja nun wirklich unkompliziert lösen. Wenn ein 5-monatiges Baby einmalig an einem Brötchen lutscht, hat man im Grunde schon alles getan, was für die Vorbeugung einer Zöliakie erforderlich ist.

Verwirrt hat mich außerdem die Annahme, dass BLW-Kinder automatisch viel später Beikost bekommen.  Wie heißt es so schön im DGKJ-Papier?
 
"Hilbig und Mitarbeiter folgern, dass eine konsequente Verfolgung der Selbstfütterung von Beikost mit der Hand zu einer nicht erwünschten verzögerten Einführung erst im Laufe des 2. Lebenshalbjahres führte".
 
Ein Baby ist jedoch schon mit 3 bis 4 Monaten - rein körperlich - in der Lage, Nahrung zu greifen, zum Mund zu führen und darauf rumzulutschen. Eine Befragung in meinem Lieblingsforum ergab, dass die Babys mit etwa 6 Monaten in der Lage waren, stückige Nahrung zu halten und das auch taten.

Außerdem wird beim BLW - ebenso, wie bei der "normalen" Beikosteinführung - auf die Signale des Babys geachtet. Der Zeitpunkt der Beikostreife ist vom Fütterungsverfahren völlig unabhängig. Es gibt Babys, die wollen im ganzen ersten Lebensjahr nichts anderes als Milch. Es gibt Babys, die können rein gar nichts Stückiges essen und würgen bis ins zweite Lebensjahr. Und es gibt Babys, die hassen Brei und essen nur Fingerfood. All das kann man als Elternteil überhaupt nicht beeinflussen - alle diese Kinder werden essen, was sie möchten, wenn der Zeitpunkt gekommen ist - und nicht, weil ich es innerhalb irgendwelcher bestimmten Zeiträume anbiete.

Im Artikel  "Beikost: Breimahlzeiten oder Finger Food" sind sogar einige (alle?) Studien zum Thema zusammenfasst. Eine davon hat ergeben, dass 56,48 % der BLW-Kinder vor dem 6. Monat (also mit 5 Monaten) schon nach Lebensmitteln griffen. Vor dem 8. Monat (also bevor die Babys 7 Monate alt waren!) aßen bereits 90 % der Babys Fingerfood. Von einer stark verzögerten Beikosteinführung kann also nicht wirklich die Rede sein.

Lustigerweise endet die Pressemitteilung mit den Worten:
 
"Insgesamt bestätigt die Ernährungskommission in ihrer wissenschaftlichen Publikation die Empfehlung, Säuglinge in den ersten 4 bis 6 Lebensmonaten ausschließlich zu stillen".

Es wird also kritisiert, dass BLW-Kinder erst im zweiten Lebenshalbjahr mit Allergenen und Gluten in Kontakt kommen, aber man empfiehlt trotzdem generell auch bis 6 Monate ausschließlich zu stillen.
 

Zu niedrige Energiezufuhr und Risiken für einen Nährstoffmangel durch Baby-led weaning

 
Gemüse und GewürzmühlenIn der Empfehlung heißt es: "Das Risiko einer verzögerten Einführung nährstoffreicher Lebensmittel mit ausreichender Energiedichte bei konsequenter Verfolgung des Selberessens der Beikost kann somit derzeit nicht ausgeräumt werden".

Das Risiko kann "nicht ausgeräumt" werden? Ja hat es denn mal einer überprüft, ob so ein Risiko besteht? Schließlich essen BLW-Kinder im Grunde das gleiche, wie Breikinder - allenfalls die Konsistenz unterscheidet sich. BLW-Kinder essen zwar durchschnittlich weniger, trinken dafür aber mehr Milch (die ja alle Nährstoffe enthält).

Man müsste doch eigentlich ganz einfach nur ein mal Blutbild bei BLW-Kindern zu machen - da würde man doch dann sehen, ob ein Mangel besteht oder nicht. Und wie kann man eigentlich behaupten, dass überhaupt ein Risiko besteht, wenn man im selben Artikel schreibt:
"Es gibt nur wenige Studien, die die Energie- und Nährstoffzufuhr sowie Wachstum und Gesundheit bei Säuglingen mit BLW untersucht haben. [...] In 2 Studien wurde das Wachstum von Säuglingen mit BLW mit dem Wachstum traditionell gefütterter Säuglinge verglichen: In einer Studie gab es keinen Unterschied im Körpergewicht, in der anderen wurde die Tendenz zu einer erhöhten Inzidenz von Untergewicht beim BLW und von Übergewicht bei traditioneller Fütterung beobachtet. Ob diese Assoziationen kausal sind, kann aus diesen Studien nicht entnommen werden."

Untergewicht kann man nicht pauschal gleichsetzen mit Unterernährung oder Nährstoffmangel. Die Kinder wiegen schlicht weniger, als die Breikinder. Bezüglich der Nährstoffe stellt man im Artikel ganz klar fest: 

"Vergleichende Studien zum Versorgungsstatus von Eisen oder anderen möglicherweise kritischen Nährstoffen im Beikostalter wie Jod oder Zink liegen nicht vor".

Es gibt also tatsächlich nicht eine einzige Studie, die einen Mangel bei BLW-Kindern festgestellt hat. Wie man trotzdem auf einen vermeintlichen Nährstoffmangel kommt, wird wie folgt erklärt:  

 "Dagegen zeigen Berechnungen unter realistischen Annahmen, dass bei ausschließlichem Stillen im 2. Lebenshalbjahr die Versorgung mit Nährstoffen defizitär wird, in der Reihenfolge Eisen, Vitamin B6, Zink, Phosphor, Magnesium und Kalzium und schließlich auch die Energieversorgung".
 
Die Autoren argumentieren also, dass beim BLW ein Nährstoffmangel zu erwarten ist, weil das bei ausschließlichem Stillen schließlich auch möglich ist. Wie soll das denn gehen? Beim BLW wird ja nun gar nicht "ausschließlich gestillt". Es wird einfach nur unverarbeitetere stückige Kost statt Brei angeboten - die kann kaum weniger Nährstoffe enthalten, als Brei - und schon gar nicht als solcher, der monatelang im Gläschen haltbar gemacht wurde. 

Dann gab es noch das Argument der "niedrigen Zufuhr an nährstoffreicher Energiedichte". Schauen wir doch mal in den Abstract der Quelle, auf die bei dem obigen Zitat zum Vollstillen im 2. Lebenshalbjahr verwiesen wird:

"If a mother nurses on demand and is well nourished, her milk supply probably can keep pace with her infant's energy needs for considerably longer than 6 months".

Die Milch einer Mutter, die sich gut ernährt, kann also wahrscheinlich mit dem steigenden Energiebedarf das Kindes mithalten.
 

Aspirationsgefahr beim Baby-led weaning

 
Der weiterer Punkt, der dazu führte, dass vom DGKJ vom Baby-led weaning abgeraten wird, ist die Aspirationsgefahr. Das verwunderte mich - denn liest man das Fazit des Artikels, auf dem diese Empfehlung basiert, heißt es: 

"Beikost als Fingerfood und traditionelle Breieinführung schließen einander nicht aus".

Besteht denn nun eine gefährliche Aspirationsgefahr oder nicht? Wenn ja, dann muss man doch vom Verzehr jedweder stückiger Kost generell abraten und kann nicht sagen, beides ergänzt sich doch prima - oder? 
In dem Artikel heißt es zur Aspirationsgefahr weiter:
 
"Ein Vorbehalt des BLW ist das Risiko, feste Stücke zu aspirieren (z. B. Wurzelgemüse). In einer qualitativen Studie mit 20 Müttern berichteten 30% von einer oder mehreren Episoden, in denen sich das Kind verschluckt hatte. Allerdings hatten die Säuglinge in diesen Fällen auch ohne Eingreifen der Eltern die Speisen ausgehustet".
 
Es wird also generell vom BLW abgeraten, weil bei einer  Studie mit 20 (!) Müttern insgesamt 6 (!) Mütter angegeben haben, dass sich das Kind an der Nahrung verschluckt (!) habe? Was wäre denn gewesen, wenn man mal zum Vergleich Mütter von Breibabys befragt hätte- wie viele von denen haben sich schon mal am Brei verschluckt? Ich möchte wetten, dass es mehr als 30 % waren! Denn an Babybrei verschluckt man sich viel schneller, da bei stückiger Kost der Würgereiz, der zu große und unpassende Stücke umgehend aus dem Mund befördert, bei Kindern noch recht weit vorne in der Mundhöhle ausgelöst wird. Saugen sie den Brei vom Löffel, landet viel schneller etwas in der Luftröhre, als bei BLW. Das Heraushusten ist eine natürliche Reaktion des Körpers, das bei jeder Fütterungsmethode am Anfang auftritt. Eine Erstickungsgefahr besteht vor allem bei runden, die Luftröhre komplett verschließenden Nahrungsmitteln wie Nüssen und Weintrauben - das weiß man aber, wenn man BLW praktiziert. 

 

Jetzt wird es interessant: Lauter seltsame Zusammenhänge


Ich fasse nochmal kurz zusammen:
 
Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin überarbeitet ihre Empfehlungen zur Ernährung gesunder Säuglinge. Im Zuge dessen wird festgestellt, dass der neue Trend des Baby-led weaning kritisch zu betrachten ist. Es wird auf den Artikel "Beikost in Form von Breimahlzeiten oder Fingerfood" verwiesen und

"weiterhin die Anwendung des Ernährungsplanes für das 1. Lebensjahr mit Verwendung von Breien" 

empfohlen. Warum dieser Artikel bei der Empfehlung der DGKJ berücksichtigt wurde, erklärt sich bei der Betrachtung der Autoren beider Werke - in beiden hat Prof. Dr. Mathilde Kersting mitgewirkt.

Cover Buch KerstingNeben Frau Dr. Kersting haben an dem Artikel auch Annett Hilbig und Ute Alexy mitgewschrieben. Die beiden letzteren haben ganz frisch ein Buch publiziert: Die beste Ernährung fürs Baby und Kleinkind: Alle Basics - Fingerfood - Allergieprävention. Da scheint "Fingerfood" nun ein durchaus positiv besetztes Thema zu sein. Auf Basis des Artikels der beiden wird offiziell vom BLW abgeraten, in ihrem Buch ist es aber Bestandteil?

Aber die Autoren haben auch noch etwas gemeinsam - Annett Hilbig und Mathilde Kersting sind für das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) tätig. FKE? Das waren doch die mit der peinlichen "Stillkinder brauchen unbedingt fleischhaltige Gläschenkost"-Geschichte. Wer das ausführlich nachlesen will, kann das in diesem Artikel tun - hier schnell die Kurzfassung:
 
Mit einer Pressemeldung verkündete das FKE, eine seiner Studien habe folgendes ergeben:

"Mütter, die ihre Kinder voll stillen, sollten nach vier bis spätestens sechs Monaten damit beginnen, eisenreiche Breinahrung zuzufüttern. Ansonsten droht ein möglicherweise gefährlicher Eisenmangel".
 
Tatsächlich sollte diese Studie eigentlich untersuchen, ob es in Bezug auf die Eisenversorgung einen Unterschied macht, ob man Flaschen- und Stillkindern Fleischgläser mit 8 oder 1mit 2 % Fleischanteil gibt. Die Studie ergab, dass es völlig egal ist, wie viel Fleisch in einem Glas ist - ein Unterschied bei der Eisenversorgung konnte nicht festgestellt werden. Total blöd für den damaligen Auftraggeber - die CMA - ihres Zeichens Vermarkter landwirtschaftlicher Produkte. Denen hätte es sehr gut gefallen, wenn sie mehr Fleisch an die Gläschenhersteller verkaufen könnten. Um die Studie dann doch noch gewinnbringend zu vermarkten, hat man die Eisenspiegel der gestillten Kinder und der Flaschenkinder verglichen und festgestellt, dass er sich unterscheidet. Was nun aber gar nicht verwunderlich ist, da den Flaschennahrungen in wirklich rauen Mengen Eisen zugefügt wird (zehn mal mehr, als Muttermilch enthält!). Daraus nun aber zu schlussfolgern, dass Stillkinder unterversorgt sind und nun dringend Fleischgläser verzehren müssen, ist mehr als abenteuerlich. Und das wurde tatsächlich genau so in der Pressemitteilung geschrieben:
 
"Dabei sollten Eltern möglichst zu fleischreichen Gläschen greifen."

Warum eigentlich explizit zu "fleischreichen Gläsern"? Zudem das fleischhaltigste Glas auf dem Markt nur 0,4864 mg Eisen enthält - das sind gerade mal 6 % des Tagesbedarfes. Müsste eine seriöse Empfehlung nicht vielmehr sein: "Füttern sie generell eisenreiche Kost"? Die Empfehlung ist auch deshalb vollkommen absurd, weil die Kinder in der Ursprungsstudie ja mit den Fleischgläsern gefüttert wurden und trotzdem niedrigere Eisenspiegel hatten, als die Flaschenkinder.

Was mir auch ganz und gar unverständlich wäre: Die Muttermilch hat sich in hunderttausenden von Jahren perfekt an die Bedürfnisse der Babys angepasst. Sie enthält alle Nährstoffe in genau den Mengen, die erforderlich sind. Warum sollte das nun ausgerechnet beim Eisen anders sein? Und man kann ganz sicher davon ausgehen: In den letzten mindestens 199.500 Jahren des homo sapiens konnten es sich Mütter nicht leisten, Kinder möglichst schnell und effektiv abzustillen. Beikost war da wirklich noch Beikost und nicht - wie heute - Anstattkost. Da wurde deutlich mehr und deutlich länger gestillt - und offenbar hat der Eisengehalt der Muttermilch völlig ausgereicht. Tatsächlich war bis zu dieser Studie ein Eisenmangel bei Stillkindern gar nicht bekannt.

Dass Studien gerne mal das ergeben, was dem Geldgeber am besten in den Kram passt, ist leider keine Seltenheit. Hier kann man lesen, dass eine Untersuchung ergab, dass Stillen angeblich nun doch keinen langfristigen Einfluss auf das spätere Gewicht habe... Geldgeber waren die Nestlé Nutrition Institute.

Ach ja - und Leiterin der FKE-Eisen-Studie war übrigens Mathilde Kersting, eben jene Frau Kersting, deren Artikel nun dazu geführt hat, dass von offizieller Seite von einer Ernährungsform abgeraten, bei der man eben nicht zu Gläsern greift. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Besonders bizarr - Frau Dr. Kersting ist auch Mitglied der Nationalen Stillkommission – eine Institution, die eigentlich die Aufgabe hat, das Stillen zu fördern und nicht den Gläschenabsatz.

Mann schaut in ein Mikroskop
Das FKE gibt sich gerne den Anschein einer unabhängigen Institution, die das Wohl unserer Kinder im Auge hat. Seit der Geschichte mit dem Eisenmangel bin ich doch sehr skeptisch geworden. Und je mehr ich recherchierte, umso mehr wunderte ich mich. Wenn ein Institut Gelder von Dritten bekommt, möchte ich die Unabhängigkeit doch in Frage stellen. Erst Recht, wenn eine Institution, die sich mit der gesunden Ernährung von Kindern befasst, Gelder oder Produktspenden von der Firma Hipp und Nestlé entgegen nimmt. Die seltsame Eisenstudie wurde freundlicherweise von Hipp unterstützt, indem die Gläser zur Verfügung gestellt wurden. Wie praktisch, dass das Ergebnis den Gläschenproduzenten genau recht kam. 

In der Empfehlung der DGKJ steht auf der letzten Seite, dass nur 4 der 10 Autoren keine Interessenskonflikte bezüglich des Themas haben - alle anderen geben an, dass sie die eine oder andere vergütete Tätigkeit für Firmen wie Hipp und Nestlé durchgeführt haben.

Und auch ein Blick auf die Ausstellerliste der DGKJ-Jahrestagung 2014 ist sehr interessant: neben Hipp und Humana findet man auch Milupa und Nestlé. Da fließen lukrative Standgebühren - auf der FSA-Liste kann man nachlesen, dass die Standgebühren zwischen 2.220 und 14.800 EUR betragen - mir wurde geschrieben, dass die Nahrungsmittelhersteller nicht die kleinen Stände haben. Und zusätzlich (!) fließen auch noch Sponsorengelder - wieder von Hipp und Milupa und Nestlé... Aber auch bei anderen DGKJ-Veranstaltungen lässt sich Hipp nicht lumpen - hier sind es mal 1.800 EUR von Hipp für ein Repetitorium, hier sind Hipp, Nestlé und Milupa "Silbersponsor", usw. usf.

Noch ein kleiner Exkurs zum Schluss: Wie gut sich das FKE bei der Ernährung auskennt, beweist es mit einem selbst entwickelten optimiX-Gütesiegel. Dieses Siegel - so verkündet das FKE hier vollmundig:
 
  • beruht auf einem wissenschaftlich begründeten Präventionskonzept
  • trägt zu einer Verbesserung der Kinderernährung bei und steht für 
  • optimierte Speisen der Gemeinschaftsverpflegung, z. B. Mittagsmahlzeiten, Pausensnacks
  • optimierte Nahrungsprodukte des Handels, z.B. Fertigmahlzeiten, Tiefkühl- oder Kühlprodukte und schafft
  • Transparenz und Sicherheit und
  • einen erleichterten Zugang zu gesunden Nahrungsprodukten für Kinder.

Nach der Einführung im Jahr 2009 wurde auch sogleich ein geeigneter Kandidat für das Siegel gefunden -  ausgezeichnet wurde das Produkt "Fruchtzwerge". Das FKE sagt dazu allen Ernstes, dass ein Fruchtzwerg doch Teil einer ausgewogenen Zwischenmahlzeit ist - wenn man den Snack zusammen mit einem kleinen Roggenbrötchen mit Butter, einem Stück Gurke, einem halben Apfel und einem Glas Wasser verzehrt.
 
Schaut man sich mal die Geldgeber des optimix-Projektes an, finden sich dort Namen wie Hipp und die Metrogroup. Mitglied der Metrogroup ist übrigens auch Danone. Die, die fleißig Fruchtzwerge produzieren. Danone gab nach einem Entrüstungssturm im Jahr 2011 übrigens hier bekannt, dass sie das Siegel nicht mehr verwenden wollen. Weil "das Forschungsinstitut für Kinderernährung GmbH (FKE), das das Siegel vergibt, derzeit über die weitere Kommunikationsweise des Siegels und dessen Ausrichtung berät". Aha.

Ich frage mich: Wie sehr kann man offiziellen Empfehlungen eigentlich noch vertrauen? Wie kann es sein, dass ein eigentlich unabhängiges Forschungsinstitut Gelder von Hipp und Danone bekommt, "Gütesiegel" an Produkte der Geldgeber verteilt und Studien erstellt, von denen Gläschenproduzenten profitieren? Und um allem die Krone aufzusetzen, wird jetzt mit völlig abstruser Argumentation vom BLW abgeraten. Für mich persönlich ein Skandal!

© Danielle 

 

Quellen





Kommentare:

  1. Ähmmm ja, ich komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus...
    Meine Twins waren Brei Verweigerer, und unterversorgt sind sie nicht im Gegenteil der Bub ist auf der 90er perzentile und das obwohl es Frühchen (31.ssw) sind.

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  2. Danke für den Artikel. SPätestens bei diesem Abschnitt: "Nach der Einführung im Jahr 2009 wurde auch sogleich ein geeigneter Kandidat für das Siegel gefunden - ausgezeichnet wurde das Produkt "Fruchtzwerge". Das FKE sagt dazu allen Ernstes, dass ein Fruchtzwerg doch Teil einer ausgewogenen Zwischenmahlzeit ist - wenn man den Snack zusammen mit einem kleinen Roggenbrötchen mit Butter, einem Stück Gurke, einem halben Apfel und einem Glas Wasser verzehrt." ist mir die Kinnlade runtergefallen!!!

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  3. Unglaublich. Jede Mutter deren Kind BLW praktiziert, kann bezeugen, dass diese diffusen Argumente ggn BLW absolut hahnebüschen sind.

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  4. Herzlichen Glückwunsch zu diesem großartigen, hervorragend recherchierten Artikel!

    (von der Mama eines BLW-Kindes, das mit 12 Monaten voll vom Familientisch mitgegessen hat und in diesem Alter nur noch einmal täglich gestillt wurde)

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  5. Ich liebe deine wohlrecherchierten Artikel, du machst dir da eine unfassbare Mühe mit. Wir haben auch BLW betrieben und dann zusätzlich abends mal einen Hirsebrei gefüttert, weil Madame offentsichtlich mehr im Magen haben wollte. Das war herrlich unkompliziert. Unser Kinderarzt hat übrigens auch die "Eisenkarte" gezogen.Ich hab dann gebeten, zur nächsten U ein Blutbild zu machen, wenn die Mahlzeitenaufnahme dann noch problematisch (seiner Meinung nach) sein sollte. Bei der besagten U6 war der Arzt dann begeistert, als ich aufzählte, was das Kind alles unpüriert isst und sein Hinweis war dann, dass es ab dem 1. Geburtstag keiner Breis mehr bedarf und das wäre ja toll, dass unsere Tochter schon so weit war.....

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  6. Unglaublich. Von Dir hätte ich mehr erwartet, als falsche Übersetzungen ("probably" heisst nicht "ohne weiteres"!) und falsche Umkehrschlüsse ("Risiko von Nährstoffmangel ist aufgrund der aktuellen Datenlage nicht auszuschliessen" heisst nicht "Nährstoffmangel ist zu erwarten" und "wird zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfohlen" heisst nicht dasselbe wie "wird explizit abgelehnt"). Honi soit qui mal y pense.
    Wer anderen Unsorgfalt vorwirft, sollte nicht im Glaushaus sitzen oder so.

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    1. Liebe Katharina,

      nun, Englisch ist nicht meine Muttersprache - vielen Dank für Deinen Hinweis - Du kannst davon ausgehen, dass es sich nicht um eine vorsätzliche Falschübersetzung handelt. Ich habe es geändert. Allerdings ändert das am Kontext nicht wirklich etwas - oder? Die Milch reicht wahrscheinlich aus. Das Gegenteil ist nicht bewiesen.

      Und ich habe genau das geschrieben: Dass gesagt wird, dass ein Risiko nicht auszuschließen ist. ICH erwarte, dass wenn man sich explizit GEGEN etwas ausspricht, dieses Risiko auch belegt oder untersucht. Außerdem heißt es doch ganz explizit: "Des Weiteren folgern die Autoren, dass [BLW] zu erheblichen Risiken für eine angemessene Nährstoffversorgung führt". Das heißt für mich sehr deutlich: Ein Nährstoffmangel ist zu erwarten - oder lese ich das so falsch??

      Und "nicht empfohlen" heißt für mich ganz deutlich: "abraten" - auch wenn das Wortklauberei sein mag. Es wird hier vorsätzlich Angst geschürt auf einer definitiv nicht ausreichenden Datenlage. Und mit den Hintergründen ist das für mich immer noch ein Skandal. Wenn Du das nicht so empfindest, ist das Dein gutes Recht :-).

      Vielen Dank fürs Lesen!
      Danielle

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    2. Ich lese die Empfehlungen bzw. nicht-Empfehlungen definitiv anders als Du, Susanne und Anja.
      "Nicht belegt, dass es unschädlich ist" lese ich nicht als "gut" (siehe die ganze Diskussion um die Nanopartikel in Sonnencrèmen - dort ist die Unschädlichkeit auch nicht belegt) und "nicht belegt, dass es gut ist" lese ich dem entsprechend auch nicht als "schlecht".
      Eher so als: "BLW gibt es erst seit Kurzem und solange wir nicht in Langzeitstudien mit hohen Teilnehmerzahlen abgeklärt haben, ob es nicht schadet, werden wir es auch nicht als gut empfehlen".
      Für mich widersprechen sich auch die Fütterungsempfehlungen nicht mit BLW. Problematisch finde ich, dass hier verschiedene Dinge vermischt werden und als "BWL" bezeichnet. Der Begriff ist ja nicht geschützt und mit Puntk 6 Monaten abstillen und direkt das Kind selber essen lassen kann man genau so darunter verstehen (und DAS wäre definitiv schädlich, hier wäre definitiv der Nährstoffgehalt nicht gegeben) wie das langsame Einführen von Nahrungsmitteln (nach Plan oder nicht) weichgekocht zum selber Essen.
      Die Pressemeldung selber ist schon unklar (und unsorgfältig formuliert, siehe die Sache mit dem Veganismus, wo in der Langversion steht "Veganismus ohne Supplementierung von B12 und Eisen ist abzulehnen" und in der Pressemeldung dann nur noch "Veganismus ist abzulehnen" was für mich nicht ganz dasselbe ist). Aber was die Medien dann aus der Pressemeldung gemacht haben, da stehen ja dann die haarsträubendsten Dinge, was BLW sein soll. So gesehen haben die Leute der DGKJ schon Recht, wenn sie konservativ formulieren. Denn wenn sie anders schrieben, würden Spon und Co. garantiert "DGKJ gegen Brei, fortan müssen Babys selber kochen" oder sonst einen Mist schreiben.
      Anyway, ich gehe davon aus, dass die DGKJ die Sache im Auge behält und in zwei, drei Jahren ihre bisherige Aussage realtivieren wird.

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    3. Ich verstehe, was Du meinst. "Wir sehen das kritisch" kommt bei mir eher an wie: "Nicht machen!"

      Nach meinem Empfinden gibt es BLW eben nicht erst seit kurzem, sondern schon immer. Es wurde in den letzten 500 Jahren möglicherweise durch Brei und in den letzten 20 Jahren durch starre Beikostpläne überdeckt - aber im Grunde haben in den hunderttausenden Jahren davor Babys doch schon immer stückig bei der Familie mitgegessen.

      Dass es beim BLW nicht um das punktgenaue Abstillen zum 7. Monat geht, versteht sich doch aber eigentlich von selbst - oder? Naturgemäß wird kein gesundes Baby die Brust ignorieren, wenn es BLW-Nahrung vorgesetzt wird. Das kommt in der Praxis m. W. nach auch nicht vor.

      Ich hätte mir vielmehr gewünscht, wenn die Empfehlung gelautet hätte: Achten sie auf bestimmte Nährstoffe und geben sie vor dem 7. Monat Gluten. Das hätte doch völlig ausgereicht?

      Ich hoffe sehr, dass es endlich ein paar Studien gibt, die belegen, wie es mit der Nährstoffversorgung beim BLW aussieht. Bis dahin muss sich m. E. niemand sorgen, wenn sein Kind den Brei verweigert.

      Viele Grüße!
      Danielle

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    4. Nö Du, wirklich ursprünglich wäre der so genannte "Futterkuss", wo die Mutter das Essen vorkaut und dem Baby mit ihrer Zung ein den Mund schiebt. Die südafrikanischen San beispielsweise machen das von Geburt an (neben dem Stillen versteht sich).
      Nein, beispielsweise Susanne Mierau schreibt ja, dass Beikosteinführung vor dem 6. Monat keinen Sinn macht: "Auch wenn es Hinweise gibt, dass Babys schon vor sechs Monaten feste Nahrung zu sich nehmen könnten, ist die Beikosteinführung erst nach dem ersten Halbjahr dennoch sinnvoll [...]" ("Breifrei durch die Babyzeit", Seite 10). Das kann man durchaus als "punktgenaue Altersempfehlung" lesen.
      Und die DGKJ ihrerseits schreibt sinngemäss (in der Langfassung der Empfehlungen), mit der Beikost anzufangen wenn a) der Zungenstossreflex nachlässt und b) das Baby mit Unterstützung sitzen und so essen kann, was normalerweise zwischen 4 und 6 Monaten der Fall ist.
      Beides lese ich als: "Achtet auf Eure Babys und beginnt, wenn sie bereit sind" aber beides könnte man auch so lesen, dass man genau am Tag nach dem 4. Monat bzw. nach dem 6. Monat damit anfangen müsse, egal wo das Kind steht.

      Von wegen Abstillen nach Beginn des Fingerfoods komme nicht vor, schau mal was T-Online aus der Pressemeldung macht: ""Baby lead Weaning" heißt ein aus den USA übernommenes Konzept der Babyernährung, bei dem die Kleinen nach dem Abstillen nicht mit Brei vom Löffel gefüttert werden. Stattdessen bietet man ihnen Beikost in kleinen Happen an, die sie selbst zum Mund führen. Es spricht nichts dagegen, Babys in der Beikostphase öfter ein Stück Obst, gekochtes Gemüse, weiches Fleisch oder Nudeln anzubieten. Aber von der reinen "Selbstfütterung" raten deutsche Ernährungsexperten ab. "
      http://www.t-online.de/eltern/baby/id_69956808/babyernaehrung-dgkj-aktualisiert-empfehlungen-.html
      ...bei dem die Kleinen NACH DEM ABSTILLEN nicht mit dem Löffel gefüttert werden...!
      Es gibt Menschen, die nehmen das für bare Münze!

      "Ich hätte mir vielmehr gewünscht, wenn die Empfehlung gelautet hätte: Achten sie auf bestimmte Nährstoffe und geben sie vor dem 7. Monat Gluten. Das hätte doch völlig ausgereicht?" - Naja, so ungefähr steht es ja auch in der Langfassung. Angereichert mit gaaaaanz viel Blafasel von sog. Experten, das nicht viel mehr besagt als "eine Ahnung haben wir noch nicht aber damit das keiner merkt spekulieren wir mal ein bisschen rum und tun ganz gescheit weil sonst wären wir ja das irrsinns Honorar nicht wert, das uns der Steuerzahler dafür bezahlt, dass wir mal ein Bisschen warme Luft herumschwenken"
      Oder so.

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    5. leider nicht die Zeit ALLES zu lesen. ABER BLW ist doch nicht ALT. Wer glaubt denn so einen Quatsch. Es hat nur jetzt einen "Namen" - ich bin über 30 und meine Geschwister und ich sind mit "BLW" sehr groß und gesund geworden! Immer unter dem Schutz der Muttermilch und ohne Kuhmilch unter 2 Jahren

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  7. Wir praktizieren auch BLW - schließlich und einfach weil meine Tochter den Brei verweigert. Es gibt somit drei Alternativen 1. ich gebe ihr Fingerfood 2. ich stille sie ausschließlich 3. ich zwinge sie den Brei zu essen. 2 und 3 widerstreben mir - also bleibt mir nur 1 übrig. Ich persönlich möchte diesen Instituten gar nicht so viel Verschwörung unterstellen - ich denke, es ist oft einfach nur mit viel Angst verbunden. Wenn man Brei empfiehlt, kann man nichts falsch machen, weil es ja schon immer so funktioniert hat und es die herkömmlich Meinung ist. Meine Kinderärztin empfiehlt mir auch alles nach Schema F und ich denke es passiert aus Angst, etwas falsch zu machen und dann verantwortlich dafür zu sein...

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  8. Ich hab noch nicht alles durch, muss am Abend noch mal ran. Du stellst alles sehr schlüssig dar und überzeugt werden brauche ich eh nicht, da meine Maus etwa 2 Wochen Brei gewürgt hat und dann viel lieber selbst zugegriffen hat, bzw. Brei verweigert hat. Dafür war alles, was wir aßen leckerst. Wahrscheinlich hätten wir auch Brei essen müssen, damit sie das akzeptiert...

    Ein paar Ideen der anderen Seite verstehe ich aber auch. Sie müssen allgmein gültige Empfehlungen abgeben und informierte Mamas (euer Blog ist ein Segen) wissen eh mehr als das. D.h. es müssen auch bildungsferne Leute erreicht werden, die evtl. nicht mitdenken. Wenn dann ein Baby (zugespitzt) nur Stückiges zum Selberessen bekäme, und kaum noch gestillt werden würde (Abstillen), kann ich mir schon vorstellen, dass irgendwann Unterernährung ein Thema wäre.

    Bei mir hatte das von Mausi erzwungene BLW als Folge, dass ich ewig weiterstillen musste, weil sie zwar enthusiastisch Spargel usw. aß, doch mengenmäßig recht wenig. Wollte jetzt Mama x abstillen, könnte dann das 7monatige Baby alleine den kompletten Bedarf an Nährstoffen decken? Evtl. sogar ohne Milch? Brei ist narrensicher. BLW verlangt doch nicht nur eigenständige Informierung, sondern auch viel Mitdenken und viele potentiell gefährliche Entscheidungen (ist rohe Karotte zu stückig oder nicht usw.). Ich glaube, das war der Hintergrund der Empfehlung. Solche Empfehlungen sehe ich immer kritisch, weil man davon ausgeht, dass man als Mutter nicht mitdenkt und weil man individuelle Situationen nicht abdeckt.
    Also nicht aufregen. *Wir* tun doch eh, wie wir das für gut halten, Empfehlungen hin oder her. :)

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    1. Danke für Deinen Kommentar!

      Bei meinem Sohn war es auch so, dass er nur Minimengen aß und im ersten Jahr hauptsächlich Muttermilch wollte. Ich war total verwirrt, weil meine Tochter damals wahnsinnig gern und auch vieeeeel Brei gegessen hat. Man macht sich dann schon Sorgen. Und wenn man sich dann mit dem Thema befasst und sich solche Empfehlungen zu Herzen nimmt, dann quält man sich und das Kind mit Brei. Mich sorgt immer etwas, dass die Beziehung zu Nahrung so wirklich nachhaltig Schaden nehmen kann.

      Ich kann Deine Gedanken nachvollziehen, kann mir aber nicht so wirklich vorstellen, dass irgendein Kind ein sofortiges Abstillen akzeptieren würde (sie machen doch ja sehr deutlich klar, was sie wollen *g*). Und auch nicht so richtig, dass die bildungsfernen Schichten tatsächlich BLW praktizieren. Daher sehe ich nicht wirklich die Gefahr, wenn man einfach gesagt hätte: BLW (ordentlich definiert) kann man machen, muss aber auf X, Y, und Z achten.

      Liebe Grüße!
      Danielle

      PS: Dein Baby aß gerne Spargel? Das habe ich ja noch nie gehört! Interessant - ich dachte, der wäre für jedes Kind zu bitter.

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  9. kann nur sagen meine tochter wurde ab dem 5.monat mit blw zum essen herangeführt. brei war nach 5 löffel tabu und nachdem sie 7,5monate alt war und wir ihr schon 5x täglich 4-5löffel brei gaben und sonst nur fingerfood stiegen wir ganz auf blw um und siehe da meine tochter aß innerhalb von 2 wochen derartige mengen an fingerfood und zwar dann wenn sie komplett das gleiche erhielt wie wir - ungesalzen versteht sich und ab und zu mal etwas nicht wie würstel,...

    nach 9monat begann ich abzustillen und es war nie ein problem und mit 11 monaten habe ich komplett abgestillt auch das abendstillen. sie hat nie extra danach verlang tund isst nach wie vor sehr sehr viel und nur mehr am familientsich sie ist nun bald 13monate alt. sie ist gewichtsmäßig auf der 25.perzentile und war schon darunter warum das so ist hat eher etwas mit dem bewegungsdrang als mit dem essen zu tun

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  10. Wenn ich mir hier und anderswo die Diskussionen "Brei vs. BLW" durchlese, bin ich heilfroh ein Baby ( 9,5 Monate ) zu haben, dass beides mitmacht. Er hat mit 5 Monaten wunderbar vom Löffel gegessen und liebt es mittlerweile genauso Nahrung aus der Hand zu erkunden und zu verputzen. Es gibt zwar des Öfteren eine Sauerei vom Feinsten, aber dafür ist er schließlich ein Kind, oder? Mir ist es egal, ob er Mama's Selbstgekochtes und Zerdrücktes vom Löffel isst oder sich 3 ganze Kartoffeln selber in den Mund stopft. Er wird satt und bekommt dank Abwechslung im Speiseplan m.E. alle Nährstoffe die er braucht.
    Und zum Verschlucken : Er hat sich sowohl am Brei, am Zerdrücktem als auch an Stücken verschluckt. Es kam alles hustend und prustend wieder raus, nur beim Brötchen musste ich bisher zweimal eingreifen, da die Stücken gerne am Gaumen hängen bleiben. Es ist also egal wie Kinder die Nahrung bekommen, am Anfang verschlucken sie sich so oder so mal, wie ja auch schon oben geschrieben wurde.

    Warum gibt es für manche Mütter nur eine richtige Lösung? Jedes Kind is(s)t unterschiedlich und jede Mutter wird doch wohl in der Lage sein zu erkennen, ob ihr Kind lieber Brei vom Löffel oder handlich zubereitetes mag.

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  11. toller artikel! meine beiden kinder haben brei gegessen, beim kleinen hab ich aber auch zusätzlich fingerfood angeboten und auch das dritte kind wird essen dürfen, was es will und auch ab wann es will. dass siegel "gekauft" sind, das wundert mich nicht, dass aber eine ernährungsempfehlung so daneben ist und nicht auf echten erkenntnissen beruht, das finde ich erschreckend. noch schlimmer finde ich allerdings, dass kinderärzte oftmals so eine empfehlung einfach weiterpropagandieren, ohne sie - wie du - hinterfragt zu haben.

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  12. Interessanter Artikel! Ich find's ganz lustig, wie sehr sich die Empfehlungen von Land zu Land unterscheiden. Ich wohne in Kanada und hier wird ausschliessliches Stillen bis 6 Monate empfohlen (nach WHO). Danach geht's mit Brei und Finger Foods weiter, wobei zwischen 6-8 Monaten die Beikost 1/5 der Energiezufuhr ausmacht und zwischen 9-11 Monaten knapp die Haelfte. Dass Babies finger Foods essen, wird ausdruecklich empfohlen. Die Vorteile werden ja beim BLW beschrieben. Wenn die Kleinen auf Finger Foods rumknuspern, hilft das auch der Entwicklung der oralen Motorik. Ich weiss die Empfehlung ist fuer gesunde Kinder, aber aus ganz persoenlicher Erfahrung weiss ich, dass Muttermilch bzw Flaschenmilch (natuerlich mit Vitamin D bei Muttermilch und u.U. Eisen extra) das erste Jahr ausreicht. Meine 9 Monate alte Tochter wird naemlich per Sonde ernaehrt (sie hat eine Schluckstoerung) und laut Ernaehrungsberaterin deckt das Milchpulver alle ihre Beduerfnisse ab (bis sie 12 Monate alt ist, dann braucht sie Sondennahrung). Sie bekommt noch Eisen-Tropfen extra, weil sie eben ein Fruehchen war. Meine Kleine war bei der Geburt klein fuer ihr Alter (small for gestational age wegen intrauterine growth retriction, sorry, keine Ahnung wie das auf Deutsch heiss) und ist jetzt auf dem 3. Perzentil. Also ganz so grauenvoll kann's nur mit Milch ja nicht sein :) Zwecks Allergie- und Zoeliakiepraevention hat die Kleine vielleicht ein erhoehtes Risiko. Ich kann nur sagen: egal ob eure Babies Brei essen oder lieber Finger Foods, geniesst es, wenn sie mit Freude dabei sind!

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  13. Baby lead weaning heißt doch eigentlich nur, dass ein Baby selbst entscheidet wann es keine Mami-Milch mehr mag.. was man da füttert, ob Fingerfood oder Brei oder gar nix speziell sondern einfach schaut was der Essenstisch zu hergibt ist da doch im Grund Nebensache. Nur damit lassen sich natürlich keine Bücher verkaufen und so hat man aus BLW leider mal wieder eine Art Religion gemacht (tu dies, und das ja nicht!) und Mütter kochen um die Wette spezielle Rezepte die sie in Internetblocks austauschen.. Was ich da schon gelesen habe..
    Ich habe z.B. ehrlich gesagt keine Zeit eigenes Brot mit selbstgemahlenem Bio-Mehl zu backen.. das klappt nämlich nicht so gut wenn man einen sehr lebhaften Zwerg (10 Monate) hat, der tagsüber kaum schläft dafür aber umso lieber auf Mami rumturnt und sehr vehement alles fordert was Mami grad in die Hand nimmt ;)
    Wir machen BLW.. dh. mein Kind klaut mir mein Essen vom Teller.. und wir stillen so lange sie mag und es klappt :)
    PS: Spargel und Rettich gehören auch zu ihrem Repertoire ;)

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  14. Katharina, weil Dir die richtige Übersetzung aus dem Englischen so wichtig ist:
    BLW steht für Baby led weaning und heißt auf deutsch "vom Baby gesteuertes abstillen". Das kann also gar nicht als plötzliches Abstillen verstanden werden. Wenn man es aber so verstehen will, hat es auch nicht mit BLW zu tun.

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  15. Ich danke euch für diesen Artikel! Meine Kleine war auch Brei-Verweigerer und dann steht man erst mal im Dschungel von BeKi und Co. ziemlich allein da... Von allen Seiten wird man verrückt gemacht über diverse Defizite der Muttermilch ab dem x. Stillmonat für die Entwicklung des Kindes... Bei mir hat es einige Zeit gedauert, auf Durchzug zu stellen und das alles gelassen zu sehen. Aber irgendwann ist man soweit, zu entgegnen "Schau dir mein Kind an - sieht sie/er irgendwie krank oder unterernährt aus? Ich finde nicht..." Schade, dass ich euren Artikel erst jetzt gelesen habe, sonst hätte ich diese Lockerheit mit BLW wohl schon früher gehabt!

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  16. Hast du die Autoren der Empfehlungen mal angeschrieben? DIE Reaktion würde mich mal interessieren!

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  17. Viiielen Dank für den Artikel!
    Ich bin mal wider verunsichert, was hat es mit dem Kontakt zu Gluten auf sich? Heisst das, ich soll ihm ein altes Brot zum Lutschen geben und dann verhindere ich eine eventuelle Glutenunverträglichkeit?

    Wir haben jetzt angefangen mit dem ersten Brei, mein Kleiner ist jetzt 6 Monate alt und ich habe auch soviel gelesen, welche Sorte sich am Besten eignet (wir kochen selber den Brei), und bin da immer wieder auf die Karotte gekommen. Nur jetzt habe ich gelesen, das "alles was unter der Erde wächst", sehr nitrathaltig ist und man das am Anfang nicht geben soll. Ich bin dann ausgewichen auf Zucchini, aber wat nu? Es wäre toll, wenn es hier eine kleine Übersicht geben würde, was man alles nehmen kann und vorallem, wann fange ich mit dem Abendbrei an usw. Hab zwar schon alle eure Artikel zu dem Thema mehrmals verschlungen, nur meine Fragen hat es leider nicht ganz dazu beantwortet.

    Liebe Grüsse
    Tanja

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    1. Liebe Tanja,

      vielen Dank für Deinen Kommentar!

      Ja - einmaliges (!) lutschen an Brot reicht völlig aus - idealerweise noch während des Stillens.

      Karotten sind wirklich kein ideales Beikoststart-Gemüse. Weniger wegen des Nitrits, sondern weil sie nicht so gut verträglich sind und ganz oft zu Verstopfung führen. Sie sind halt billig, weswegen sie von den Glasherstellern als ideales Gemüse geprisen werden. Zucchini ist super - das schmeckt meist den Kindern auch sehr gut. Du kannst auch Blumenkohl oder Brokkoli nehmen - ich würde recht schnell auch Kartoffel/Süßkartoffel einführen. Fenchel ist auch gut - schmeckt aber manchen nicht so gut. Kürbis ist auch toll - vor allem Hokkaido.

      Es gibt recht starre Pläne für die Beikosteinführung - ich bin da nicht so der Fan von und halte das stufenweise Eingeführe für recht umständlich. Als ungefähre Empfehlung kann man sagen: 4 Wochen Abendbrei, 4 Wochen Getreide-Obst-Brei und dann auch Getreide-Milch-Brei.

      Aber vielleicht schreibe ich doch noch mal was zur Beikosteinführung... Wobei im BLW-Artikel auch eine Tabelle mit geeignetem Gemüse steht: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/08/baby-led-weaning-und-fingerfood-beikost-breifrei-blw.html

      Viele Grüße!
      Danielle

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  18. Da frage ich mich doch glatt ob die DGKJ vor Ihrer Meinungsbildung über BLW nicht eine freundliche Spende der Gläschenindustrie erhalten hat...

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  19. Danke für diesen so profunde recherchierten Artikel!
    Ich bin Kinderärztin und dreifach stillende Mutter (nacheinander ;-) ) und freue mich, für mein privates und berufliches Leben etwas dazu z u lernen.
    Liebe Grüße
    Kate

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  20. Auch ich habe diesen Artikel gerade mit großen Interesse gelesen. Dass viele "Empfehlungen" in Bezug auf Beikost mit Vorsicht zu genießen sind war mir bereits bekannt. Trotzdem war es schön einen so gut recherchierten Artikel dazu zu lesen.
    Vielen Dank dafür.

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  21. Scheinbar gibt es solche und solche Ärzte. Unser Arzt unterstützte uns mit der späten Beikosteinführung egal in welcher Form, so lange zusätzlich gestillt wird und das Kind seinen Energiebedarf so ausreichend deckt und es keinen Knick im Wachstum gibt. (Beikost (Brei) ab 12. Monat, da Essensverweigerer)Da unser Sohn nicht blass aussieht hat er auch bisher keinerlei Bedenken geäußert, was Eisen angeht. Allerdings hat er uns empfohlen noch in der Stillzeit so viele Lebensmittel wie möglich anzubieten und da einfach auf das Bauchgefühl zu hören. Weiterhin hat unser Kinderarzt uns aufgeklärt, das es im Prinzip egal ist wann mit der Beikost begonnen wird, wichtig ist allein, das das Kind mit der Beikost weiter gestillt wird und gut gedeiht.
    Wir haben uns einfach auf unser Gefühl verlassen. Mein großer Sohn war begeisterter Breiesser schon mit 3 Monaten und ich habe insgesamt 2 Jahre zusätzlich gestillt. Er hat mit 6 Monaten schon ganz normal an der Familienkost teilgenommen und allein gegessen. Mein Kleiner Sohn wollte die ersten 11 Monate nichts von Beikost egal in welcher Form Wissen und lies sich dann mit 12 Monaten mit sehr fein püriertem Brei füttern, während er mit Fingerfood nur rumspielte und mit 1,5 Jahren noch Probleme mit Stücken hatte.
    So unterschiedlich sind die Kinder, wichtig ist doch nur das sie gut versorgt sind egal in welcher Form und das man weiter stillt... Es heist ja nicht umsonst BEIkost.

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  22. Ich lese diesen Blog sehr gerne und finde gerade diesen Artikel zu unterschiedlichen Ernährungsempfehlungen sehr spannend.
    Etwas unglücklich ist aber die Wahl des letzten Links bei den Quellen. Das Zentrum der Gesundheit mag ja in diesem Fall sinnvolle Dinge schreiben, fällt aber sonst eher negativ durch die Leugnung von HIV/Aids und die Verbreitung von Märchen wie Chemtrails auf. Also da wäre etwas Quellenkritik angebracht.

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  23. Sehr gut hinterfragter Bericht. Ich hoffe, mehr und mehr Eltern verstehen Ernährungsempfehlungen auch nur als Anregung und nicht als Muss. Kinder sind individuell, so auch ihr Nahrungsbedarf. Es muss nicht strikt mit 6 Monaten angefangen werden Brei einzuführen oder auch Fingerfood. Herumprobieren und auf das Kind mitzuhören schafft nicht nur Entspannung, sondern auch Bindung.
    Vergessen werden darf wirklich nicht, was du im Artikel auch ansprichst, dass viele dieser Forschungsberichte finanziert werden von großen Marktführern im Bereich Kindernahrung aus Gläsern. Natürlich versuchen sie ihr Gebiet zu schützen. Man stelle sich vor immer mehr Eltern würden sich entscheiden ihre Kinder früh vollständige unpürierte Lebensmittel anzubieten oder Brei selbst zu machen? Das schadet der Industrie, also schön dagegen argumentieren. Leider auf Kosten der verunsicherten Eltern und Kindern.

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  24. Den Artikel fand ich sehr hilfreich und gut fundiert. Man kann sich als Mutter echt verloren fühlen angesichts der verschiedenen Möglichkeiten das Baby zu füttern. Ich bin zwar noch schwanger und freue mich auf mein erstes Kind in September, aber mir schien das Konzept von BLW sinnvoll, deswegen finde ich es seltsam, dass es so schlecht bewertet wird. Da hast Du mich auf jeden Fall in meiner Intuition bestärkt. Tolle Arbeit!

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