Freitag
Es ist 15 Uhr. Die bessere Hälfte und ich
haben freitags gleichzeitig Feierabend, treffen uns unterwegs und laufen
gemeinsam zur Kita. Es ist heute so heiß, puh! Die Kinder sind im
Kita-Garten und kugeln einen kleinen Berg runter. Sie sind voller Erde,
die an den Klamotten und der schweißnassen Haut klebt. Während die
bessere Hälfte zur Garderobe hoch geht, um die Sachen aus den Fächern zu sammeln, bespreche ich mit den Kindern unten, was sie heute machen wollen. Alle drei haben keine Lust auf den Spielplatz, sondern wollen lieber in unseren Garten,
um auf dem Trampolin zu springen und mit Wasser zu planschen. Das ist mir sehr recht, denn dann können wir gleich auch grillen und ich liebe,
liebe, liebe Grillen!Wir laufen alle gemeinsam nach Hause. Fräulein Ordnung rennt vor und schließt die Tür auf. Im Hinterhof angekommen, teilen wir uns. Die bessere Hälfte läuft mit den Mädchen nach oben, um das Grillfleisch, Gemüse und die Meerschweinchen zu holen und ich laufe mit Herrn Friedlich durch den Keller des Hinterhauses, um dort im 2. Hinterhof in unseren Garten zu gelangen. Wir haben wirklich ein großes Glück, dass wir so nah und mitten in der Stadt ein kleines Fleckchen Grün mieten konnten. Besonders oft nutzen wir ihn zwar nicht - meist bleiben wir im ersten Hinterhof, weil dort auch die anderen Kinder des Mietshauses spielen. Doch bei heißem Wetter ist der Garten schöner - dort ist es so geschützt von allen Seiten, dass die Kinder nackt herumrennen können.
Ich schließe also die Kellertür auf. Herr Friedlich macht mir klar, dass er bitte die Gartentür aufklinken möchte. Ich lasse ihm den Vortritt, und er müht sich mit dem Gartentor ab, schafft es aber und freut sich. Schnell ziehe ich ihm alle Sachen und die Windel aus und er freut sich über die Abkühlung. Er möchte aufs Trampolin gehoben werden und die Zeit zum Hüpfen nutzen, bis seine Schwestern wieder da sind. Ich schließe das Schutznetz ganz fest zu und beginne dann, den Grill vorzubereiten und die Tische und Stühle aufzustellen.
Schon kommt der Rest der Familie. Die Mädchen tragen unsere drei Meerschweinchen
in drei Transportboxen. Sie lassen sie im Freigehege laufen und
entscheiden nach einem Blick ins Häuschen, dass dort ausgefegt werden
müsse. Sie suchen sich also den Kinderbesen und beginnen ihr Werk.
Die Meerschweinchen mümmeln Gras auf der Wiese. Herr Friedlich ist
fertig mit hüpfen und möchte heruntergehoben werden. Da die bessere
Hälfte den Grill anfeuert, mache ich das und helfe dem Kleinen gleich
noch, den Wasserhahn aufzudrehen, damit er mit dem Gartenschlauch
spielen kann. Sichtlich stolz läuft mein Sohn im Garten herum und wässert den Rasen. Dabei kann es passieren, dass eine Stelle unendlich viel Wasser erhält und sich ein Matschloch bildet. Besonders schön
ist unser Rasen daher nicht mehr, eher im Gegenteil. Das stört uns
allerdings nicht - uns ist es wichtiger, dass die Kinder hier so spielen
können, wie sie wollen.
Die Mädchen möchten nun das Meerschweinhaus mit Moos auspolstern. Sie rupfen es also aus dem Rasen und hinterlassen ebenfalls erdige Stellen. Ich hoffe, dass da jetzt vielleicht wieder Gras wächst, nun, da das Moos weg ist. Schön wäre es ja. Vielleicht sollte ich nachsäen? An mir ist wirklich keine Gärtnerin verloren gegangen.
Die Mädchen möchten nun das Meerschweinhaus mit Moos auspolstern. Sie rupfen es also aus dem Rasen und hinterlassen ebenfalls erdige Stellen. Ich hoffe, dass da jetzt vielleicht wieder Gras wächst, nun, da das Moos weg ist. Schön wäre es ja. Vielleicht sollte ich nachsäen? An mir ist wirklich keine Gärtnerin verloren gegangen.
Wir Erwachsenen kümmern uns um den Grill, das Fleisch und das Gemüse. Fräulein Chaos kommt auf die Idee, die Zwillinge aus unserem Haus einzuladen.
Sie läuft durch den Keller ins Vorderhaus, um bei ihnen zu klingeln. Die bessere Hälfte geht mit, um bei uns auf Toilette zu gehen. Die
Zwillinge sind noch nicht da und kommen erst um 19 Uhr nach Hause. Ihre
Mama verspricht aber, sie dann zu uns hinter in den Garten zu schicken.
Weil es noch ewig bis dahin ist, entscheidet sich Fräulein Chaos spontan, nun einen Kuchen für uns alle backen zu wollen
und überfällt die bessere Hälfte mit der Idee. Sie hat ein einfaches
Rezept, das super schnell geht. Ich hätte ihr diesen Wunsch wohl aus
Bequemlichkeit abgeschlagen, aber die bessere Hälfte stimmt zu und schreibt mir eine SMS, damit ich Bescheid weiß.
Fräulein Chaos bereitet den Kuchen ganz selbständig vor, nur das Backen
selbst überlässt sie dem Erwachsenen. Sie ist nach einer halben Stunde
wieder bei uns unten im Garten, während die bessere Hälfte noch darauf
wartet, dass der Kuchen fertig wird und auch zu unser runter gebracht
werden kann.
Derweil wässert Herr Friedlich noch immer Teile des Gartens,
diesmal mit einer Wasserpistole. Er hat den Mechanismus des Auffüllens
kapiert, nur klappt es nicht immer so, wie er möchte. Er bleibt aber
dran und freut sich wie Bolle, wenn er Wasser herausspritzen kann.
Fräulein Ordnung kuschelt sich neben mich auf die Hollywoodschaukel und
lässt sich die Haare kraulen. Sie erzählt mir ihre verworrenen,
manchmal lustigen, Gedanken, denen ich zu folgen versuche. Ein, zwei Mal
frage ich nach, aber es wird klar, dass sie eigentlich keinen Inhalt
transportieren möchte, sondern einfach nur reden und dass man ihr zuhört. Ab
und zu muss ich aufstehen, um das Fleisch zu wenden oder neues raufzulegen, danach komme ich wieder und schaukle und kraule meine Tochter. Es ist wunderbar entspannt.
Nachdem Fräulein Chaos wieder da ist, kommt neues Leben ins Spiel. Die Mädchen
ziehen sich nun auch aus und hüpfen durch den Rasensprenger. Herr
Friedlich kennt das Spiel noch nicht und ist laut kreischend begeistert.
Alle kichern und giggeln und beschießen sich zusätzlich mit den
Wasserpistolen. Ich sitze ungünstig und werde auch nass, sage aber
nichts, weil meine Hose ja wieder trocknet. Ich denke, damit ist das heutige Duschen der Kinder schon etwas unkonventionell abgehakt. Total nass sind sie in jedem Fall, selbst die Haare. Ich lächle, als ich sehe, wie viel Spaß die Kinder mit dem eiskalten Nass haben.
Die Würstchen und das
Fleisch sind fertig, auch die Zucchini sind gegrillt, die Paprika
geschnitten und auf die letzte Glut lege ich Weißbrotscheiben. Nun kommt auch die bessere Hälfte mit dem heißen Kuchen in der Silikonbackform.
Ich freue mich angemessen über die "Überraschung" von Fräulein Chaos
und schneide mir gleich ein Stück ab, damit es abkühlen kann. Ich liebe
Kuchen!
Herr Friedlich ist ordentlich nass und etwas kühl, er kommt und
klettert auf meinen Schoß, um ein Würstchen zu ergattern. Ich gebe ihm
ein schon abgekühltes und er mampft gleich los. Auch den Mädchen füllen
wir nach Wunsch die Teller, sie setzen sich aber nicht an unseren Tisch,
sondern ziehen damit in ihre "Steinzeithöhle". Dieses Projekt ist noch
nicht ganz fertig - wir haben einen sehr schiefen Baum im Garten, der so
günstig steht, dass wir mit ein paar zusätzlichen Stöckern eine Art
Unterschlupf bauen konnten. Wir werden noch viel daran tun müssen, damit
er wirklich regen- und winddicht ist, aber für den Moment reicht es und
die Mädchen setzen sich dort auf den Boden und verdrücken ihr
Abendessen. Sie unterhalten sich angeregt, wer Ayla und wer Iza ist und
phantasieren über Verloren-sein, Gefunden-werden und das Leben in der
Steinzeit. Der nackte Herr Friedlich kuschelt sich an mich an und isst
ein zweites Würstchen mit Ketchup. Ich bekomme mein Fleisch und meine
Zucchini von der besseren Hälfte geschnitten,
damit ich den Sohn auf dem Schoß balancieren und trotzdem essen kann.
Weil er mir wirklich kühl vorkommt, frage ich den Kleinen, ob er sein
T-Shirt wieder anziehen will, doch er verneint vehement. Nun gut.
Es
ist 19 Uhr, die Zwillings-Nachbarmädchen kommen und werden mit großem
Hallo begrüßt. Sie bekommen Kuchen und die restlichen Würstchen, wollen
aber erst einmal Trampolin springen. Es entspinnt ein Streit, wer zuerst
raufgeht, da wir die Sicherheitsregel haben, dass immer nur ein Kind
springen darf. Fräulein Ordnung weint. Sie will aufs Trampolin. Ich bin
innerlich genervt, denn sie hatte ja nun mehrere Stunden, in denen sie
hätte allein springen können, aber ausgerechnet nun, da die anderen
Kinder wollen, ist ihr Wunsch riesengroß. Als ich merke, dass die Kinder
in ihrem Streit nicht weiterkommen, greife ich doch ein, obwohl ich
mich eigentlich raushalten wollte. Ich verweise darauf, dass bei uns Gäste das Vorrecht haben
und die Zwillinge einigen sich untereinander, wer von ihnen zuerst
springt. Danach darf die andere, dann meine Kinder. Fräulein Ordnung
zieht sich laut weinend in eine Gartenecke zurück. Ich bin so gemein,
findet sie!
Fräulein
Chaos geht mit dem anderen Zwilling in die Steinzeithöhle und zeigt ihr
die Steinaxt und den Fauskeil. Sie entscheiden sich, Erdsuppe zu kochen
und beginnen mit dem Matschen. Nach einer Weile wechseln die Zwillinge,
nun kocht die andere mit Fräulein Chaos. Fräulein Ordnung sitzt immer
noch schluchzend in ihrer Ecke. Ich übergebe Herrn Friedlich der besseren Hälfte und gehe zu ihr. Erbost schleudert sie mir ein lautes:
"Geh weg!" entgegen und ich drehe mich auf dem Absatz um und setze mich
wieder an den Tisch.
Die bessere Hälfte und Herr Friedlich spielen "Buufball". Nach einer Weile ist auch der andere Zwilling mit dem Springen fertig und das Trampolin wäre frei. Fräulein Ordnung wäre an der Reihe. Sie bleibt aber weiterhin lamentierend in ihrer Ecke sitzen. Daran merke ich, dass es ihr nicht um das Trampolin an sich gegangen ist, sondern ein anderes Bedürfnis im Hintergrund stand. Während ich noch darüber sinniere, welches Bedürfnis das ist, macht Fräulein Ordnung durch wimmerndes Quietschen auf sich aufmerksam. Sie streckt ihre Arme nach mir aus. Aha, jetzt darf ich trösten. Ich nehme sie auf den Arm und kuschle sie. Da auch sie etwas kühl ist, schnappe ich mir ihr Kleidchen und frage sie, ob sie sich anziehen möchte. Statt einer Antwort, hebt sie die Arme wie ein Baby und da ich das als "Ja" interpretiere, ziehe ich sie an. Ich drücke sie fest und küsse sie, dann trage ich sie zum Trampolin. Glücklich klettert sie durch die Öffnung. Alle ihre Sorgen sind schlagartig vergessen, sie beginnt zu hüpfen und lacht.
Auch Fräulein Chaos bringe ich ihre Anziehsachen, einen kurzen Jumpsuit, und sie zieht ihn dankbar über. Es ist 19.30 Uhr, ich finde, so langsam könnten wir die Zelte abbrechen und nach oben gehen. Ich räume das Geschirr zusammen und packe es in unsere Tragetüte. Auch der restliche Kuchen kommt hinein. Die Zwillinge fanden ihn sehr lecker, es ist nicht mehr viel da. Im Grill glühen noch die letzten Kohlen. Ich nehme eine Wasserpistole und spritze die Kohlen nass. Es zischt. Das erregt die Aufmerksamkeit der vier Mädchen. Sie fragen, ob sie auch mal dürfen. Gut, dass wir genügend Wasserpistolen haben. Sie spritzen alle gemeinsam die Glut aus, bis ein kleiner See im Grill entstanden ist. In der Zwischenzeit fange ich eins der Meerschweinchen ein und hieve es in die Transportbox. Fräulein Ordnung löst sich vom Grill und kommt, um mir zu helfen. Sie fängt die anderen beiden Schweinchen ein. Herr Friedlich sieht, was wir tun und kommt angerannt. Er besteht darauf, die Box mit seinem Meerschwein "Tifftoff" (Christoph) zu tragen, obwohl es für ihn ganz schön schwer sein muss. Sobald er den Henkel angefasst hat, stürzt er los zum Kellerdurchgang. Huch - das geht mir ein bisschen schnell! Ich schnappe mir eilig die gepackte Tragetasche und renne hinter meinem Sohn her. Den Rest muss die bessere Hälfte übernehmen.
Herr Friedlich und ich gehen nach oben. Ich frage ihn, ob er ins Bett will, doch er schüttelt den Kopf. Ich würde ihm gern jetzt die Zähne putzen, damit er später dafür nicht zu müde ist, doch er verneint auch das.
Ich seufze. Herr Friedlich rennt ins Mädchenzimmer und kommt gleich
darauf mit einem dicken Paket Streu zurück: "Sauba mache!" ruft er. Er
liebt es, mit mir den Holzkäfig der Meerschweinchen auszumisten. Da das
sowieso dran ist, stimme ich zu, obwohl es mir eigentlich dafür schon zu
spät ist, und wir machen uns an die Arbeit. Mein Sohn steht mit einer
Kinder-Kehrschaufel auf dem Stuhl neben mir und schippt nasses Streu in eine Mülltüte. Dabei geht eine Menge daneben, aber das passiert mir auch. Ich werde es nachher zusammenfegen.Die bessere Hälfte kommt hoch - mit den restlichen Meerschweinchen, aber ohne die Mädchen. Sie wollen noch mit den Zwillingen unten spielen. Das ist okay, finde ich. Es ist noch hell und sie sollen sich ruhig auspowern, dann schlafen sie besser ein. Als Herr Friedlich sieht, dass seine Schwestern nicht mitgekommen sind, bricht er die Säuberungsaktion ab. "Hof gehn, ich!" ruft er aufgeregt. "Hö? Du willst nochmal runter? Willst du nicht weiter saubermachen?", frage ich erstaunt zurück. "Nein sauba mache. Piele, Hof!", antwortet er mir. Ich nicke. "Okay, aber warte, ich ziehe dir eine Windel und ein T-Shirt an. Und deine Sandalen." Herr Friedlich kooperiert. Als ich ihm jedoch auch noch seine Strickjacke anziehen will, stoppt er mich. "Ich mitnehme! Rie anziehe." Er möchte, dass eine der Zwillinge, Marie, sie ihm unten anzieht. So ausgestattet klettert er die Treppen hinunter. Ich wende mich wieder dem Meerschweinchenkäfig zu und bitte die bessere Hälfte, doch mal den Müll runterzutragen, um zu gucken, ob Herr Friedlich die schwere Tür zum Hof aufbekommen hat. Hat er - die Mädchen haben ihm geholfen und tatsächlich zog Marie ihm gerade die Strickjacke über. Super.
Wir Erwachsenen haben nun etwas Zeit für uns. Wir unterhalten uns über den Tag und räumen nebenher die Wohnung auf. Morgen kommt die Putzfrau, da muss möglichst alles vom Boden weggeräumt sein. Wir werfen auch noch eine neue Waschladung an und die nasse Wäsche in den Trockner. Was man halt als Eltern so macht, wenn man ein paar Minuten ungestörte Zeit hat ;-).
Um etwa 20 Uhr klopft es an der Tür. Marie und Herr Friedlich stehen Hand in Hand davor: "Bett geehn!", ningelt der Kleine mich an. Marie fragt, ob die Mädchen noch ein bisschen unten bleiben können. Ich schaue aus dem Fenster auf die Lichtverhältnisse. Hell genug. "Ja, können sie", sage ich und trage meinen Sohn ins Bad, um ihm die Zähen zu putzen. Er ist nicht erfreut. "Ohne!", protestiert er. - "Nee, ohne kommen doch die Zahnmännlein und hämmern ein Loch, Herr Friedlich." widerspreche ich. Ich behalte ihn auf dem Arm und bereite seine Zahnbürste vor. Er jammert zwar weiterhin, macht aber freiwillig den Mund auf, so dass ich putzen kann. Endlich liegen wir im Bett und mein Sohn kann stillen. Ich lese in meinem Handy die neuen Posts in unserem Forum und fange an, einen zu beantworten. Gleich wird Herr Friedlich einschlafen. Es war ja auch ein langer Tag.
Gerade, als ihm die Augen zufallen, klingelt es an der Haustür. Die Mädchen sind da. Noch beschwingt vom Spielen reden sie laut und übersprudelnd im Flur, während sie sich die Schuhe ausziehen. Sie sind deutlich im Schlafzimmer zu hören und Herr Friedlich schreckt wieder hoch. "Piele!", ruft er und krabbelt in Richtung Bettende. "Warte mal, Herr Friedlich! Du bist doch müde! Bleib mal hier", versuche ich ihn, zurückzuhalten. Manchmal funktioniert das und er kuschelt sich wieder ein. Heute aber nicht: "Müde nein! Piele!", erklärt mir mein Sohn. Er krabbelt aber nicht weiter, sondern wartet auf meine Antwort. Ich nicke und sage: "Na gut, dann los." Er krabbelt freudig vom Bett, winkt mir fröhlich, ruft: "Düüüüß! Beta!" (Tschüß, bis später!), und schlüpft aus der Tür.
Ich überlege, ob ich auch aufstehe, entscheide mich aber dagegen und schreibe die Antwort für das Forum fertig. Ich höre, wie die bessere Hälfte den Mädchen die Zähne putzt und der Sohn seine Autokiste auskippt. Normalerweise müsste nun bald Fräulein Chaos zu mir kommen. Sie mag Einschlafbegleitung und ist eigentlich immer früher müde, als ihre Schwester. Doch sie kommt nicht. Nach einer Weile faulen Rumliegens entscheide ich mich, mal nachzugucken und mich auch bettfertig zu machen. Die beiden Mädchen haben sich jeweils eine kleine Ecke in den Kinderzimmern gesucht, diese mit Schaffellen und Decken ausgelegt und scheinen dort heute schlafen zu wollen. Fragend schaue ich die bessere Hälfte an und ziehe die Augenbrauen hoch. "Sie sind Ayla und Iza...", bekomme ich zur Antwort. Natürlich, das Steinzeitprojekt. Ich bin gespannt, ob sie es die ganze Nacht auf dem harten Fußboden aushalten. Ich schaue noch um die Ecke, um zu gucken, was Herr Friedlich macht und sehe ihn mit seinem Kran hantieren. Dann gehe ich duschen und Zähne putzen.
Während die bessere Hälfte nach mir das Gleiche macht, lege ich mich ins kleine Kinderzimmer aufs Bett. Sollte eins der Kinder noch Aufmerksamkeitshunger haben, wäre ich bereit, diesen nun zu stillen. Sie sind aber alle drei mit ihren Dingen beschäftigt und beachten mich nicht. Nach einer Weile ziehe ich mich zurück ins Familienbett und warte dort lesend auf die Kinder, die da kommen mögen. Da Herr Friedlich noch wach ist, bleibt die bessere Hälfte im Mädchenzimmer auf dem Bett und liest auf dem Handy, um in der Nähe zu sein, wenn der Kleine etwas braucht. Doch es bleibt alles ruhig.
Es ist 20.45 Uhr, als mein Sohn selbständig ins Bett gekrabbelt kommt. Ultra-spät für ihn! Ich denke, als er vorhin fast an meiner Brust eingeschlafen war, hat er kurz Energie gesammelt, deshalb ist es heute so spät geworden. Normalerweise schläft er früher ein - im Winter, wenn es draußen dunkel ist, sogar zwischen 18 und 19 Uhr. Er wirft sich schnell an meine Brust und ist innerhalb einer Minute eingeschlafen. Ich warte auf die Töchter, doch keine kommt. Sie schlafen relativ schnell auf dem Boden ein. Eine, Fräulein Ordnung, wird tatsächlich die ganze Nacht dort bleiben. Die andere kommt gegen 4 Uhr ins Familienbett gekrochen und kuschelt sich zwischen uns Erwachsene. Ich surfe noch bis 23 Uhr auf dem Handy im Netz und weiß jetzt schon, dass ich mich morgen früh dafür hassen werde. Aber manchmal muss man auch als Erwachsene mal unvernünftig sein...
Kindern Verantwortung übergeben
In meinem Artikel über den Unterschied zwischen Wünschen und Bedürfnissen
hatte ich geschrieben, dass es wichtig ist, Kindern Verantwortung zu
übergeben. Verantwortung für sich selbst - wenn sie Entscheidungen
fällen, die sie selbst betreffen - und Verantwortung für das Wohl der
Gemeinschaft, wenn sie freiwillig Dinge tun, die eine echte Hilfe für
ihre Familie darstellt.
Das Thema Verantwortung wird
von vielen Eltern aus Unwissenheit oft falsch verstanden. Eine Freundin
von mir überlegte, ob sie ihrer großen Tochter (sie ist 6) die Aufgabe
übertragen solle, die Blumen in der Wohnung regelmäßig zu gießen. Sie
war sich jedoch unsicher, was sie tun sollte, wenn das Mädchen das
vergisst. Sollte sie die Blumen absichtlich vertrocknen lassen, damit das
Mädchen lernt, dass es wichtig ist, seine Aufgaben gewissenhaft
auszuführen? Sie wolle sie auf keinen Fall bestrafen, wenn sie das
Blumengießen vernachlässige, aber wie solle man seinem Kind denn sonst
beibringen, Verantwortung zu übernehmen und zum Wohl der Gemeinschaft
beizutragen? Meiner Meinung nach zäumt man so das Pferd von der falschen
Seite auf.
Wie ihr im Text an den hellgrünen
Hervorhebungen erkennen konntet, tragen meine drei Kinder relativ viel
am Tag zum Wohl der Familie bei. Sie tun das aus Freude daran, den
anderen helfen zu können, aber natürlich suchen sie sich erst einmal -
sie sind ja noch klein - nur das aus, was ihnen auch Spaß macht.
Fräulein Ordnung übt gerade so furchtbar gern das Aufschließen von Türen
und hat es sich eben zur Aufgabe gemacht, das für uns zu tun. Dabei
kommt es vor, dass sie relativ lange darauf warten muss, bis wir auch an
der Tür angekommen sind. Diese Wartezeit schult jedoch gleichzeitig
ihre Abwarte-Kompetenz. Es kommt auch vor, dass wir abwarten müssen, bis
sie es geschafft hat, aufzuschließen, aber ich sehe das nicht negativ:
So lernen auch ihre Geschwister, abzuwarten und nicht an der falschen
Stelle Zeitdruck auszuüben.
Fräulein Ordnung kümmert sich außerdem wirklich gern um die Meerschweinchen. Sie ist stolz darauf, dass diese sich von ihr einfangen lassen und nicht weglaufen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mich darauf verlassen kann, dass sie sich jeden Tag um sie kümmert. Das erwarte ich auch gar nicht - ich bin die Erwachsene, d. h. es ist meine Verantwortung, dass es den Tieren gut geht. Aber ich freue mich natürlich über jede Arbeitserleichterung. Fräulein Chaos dagegen liebt es, zu kochen und zu backen. Sie weiß, dass wir beiden Erwachsenen das nicht soooo mögen und ich nur einfache Gerichte kochen kann. Deshalb hat sie schon recht früh diese Nische in unserer Familie erobert. Sie hat bei Freunden regelmäßig Kochstunden und werkelt total gern mit scharfen Messern. Das bedeutet nicht, dass sie hinterher auch alles abwäscht oder aufräumt - das übernimmt die bessere Hälfte für sie, denn es würde noch ihre Durchhalte-Kompetenz überfordern. Es bedeutet auch nicht, dass sie jeden Tag für uns kocht oder backt - auch hier liegt die Gesamtverantwortung bei uns Erwachsenen.
Selbst Herr Friedlich mit seinen zwei Jahren trägt
schon aktiv zum Wohl der Gemeinschaft bei. Er pflückt das frische Grün
für die Meerschweinchen, säubert mit mir ihren Käfig, gießt Blumen und
Gras. Auch er steht schon liebend gern am Herd und rührt z. B. heiße
Suppe vorsichtig um. Er merkt, dass uns das hilft und gleichzeitig
macht es ihm Spaß. Wenn das keine Win-Win-Situation ist, dann weiß ich
auch nicht.
Ich denke, dass hier der Schlüssel zur Ausbildung von Verantwortung liegt: Wenn die Kinder sich selbst aussuchen dürfen, wie sie der Gemeinschaft helfen und auch kein Druck dahinter steht, es immer tun zu müssen, dann tun sie es gern und im Gehirn verbindet sich das mit einem beglückenden Gefühl. Dieses Gefühl bringt sie dazu, es immer wieder tun zu wollen. Es wird für sie zu einer angenehmen Selbstverständlichkeit, ihren Beitrag zu leisten, und Verantwortung zu übernehmen. Ich merke schon jetzt bei meinen großen Mädchen, dass sie Dinge übernehmen, um die ich sie bitte, auch, wenn sie nicht immer Lust dazu haben. Wenn man einem Kind jedoch eine Aufgabe überträgt, die es sich vielleicht nicht selbst ausgesucht hat, nur damit es "Verantwortung lernt", kann das schnell nach hinten los gehen. Denn dann verbinden die Kinder mit "Verantwortung" eine beleiernde Schwere. Etwas, was man tun muss, weil es sonst irgendwelche Konsequenzen gibt. Der vielleicht anfängliche Stolz über die übertragene Aufgabe wird überlagert durch den Zwang, der dahinter steht, und auch durch das Gefühl des Scheiterns, wenn z. B. die Grünpflanzen verdorren. Man erreicht als Eltern damit eigentlich genau das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte. Weil die Kinder das Wort Verantwortung dann möglicherweise mit dem Gefühl von Überwindung und ungeliebter Arbeit verbinden, drücken sie sich darum, so oft es geht.
Fräulein Ordnung kümmert sich außerdem wirklich gern um die Meerschweinchen. Sie ist stolz darauf, dass diese sich von ihr einfangen lassen und nicht weglaufen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mich darauf verlassen kann, dass sie sich jeden Tag um sie kümmert. Das erwarte ich auch gar nicht - ich bin die Erwachsene, d. h. es ist meine Verantwortung, dass es den Tieren gut geht. Aber ich freue mich natürlich über jede Arbeitserleichterung. Fräulein Chaos dagegen liebt es, zu kochen und zu backen. Sie weiß, dass wir beiden Erwachsenen das nicht soooo mögen und ich nur einfache Gerichte kochen kann. Deshalb hat sie schon recht früh diese Nische in unserer Familie erobert. Sie hat bei Freunden regelmäßig Kochstunden und werkelt total gern mit scharfen Messern. Das bedeutet nicht, dass sie hinterher auch alles abwäscht oder aufräumt - das übernimmt die bessere Hälfte für sie, denn es würde noch ihre Durchhalte-Kompetenz überfordern. Es bedeutet auch nicht, dass sie jeden Tag für uns kocht oder backt - auch hier liegt die Gesamtverantwortung bei uns Erwachsenen.
Selbst Herr Friedlich mit seinen zwei Jahren trägt
schon aktiv zum Wohl der Gemeinschaft bei. Er pflückt das frische Grün
für die Meerschweinchen, säubert mit mir ihren Käfig, gießt Blumen und
Gras. Auch er steht schon liebend gern am Herd und rührt z. B. heiße
Suppe vorsichtig um. Er merkt, dass uns das hilft und gleichzeitig
macht es ihm Spaß. Wenn das keine Win-Win-Situation ist, dann weiß ich
auch nicht.Ich denke, dass hier der Schlüssel zur Ausbildung von Verantwortung liegt: Wenn die Kinder sich selbst aussuchen dürfen, wie sie der Gemeinschaft helfen und auch kein Druck dahinter steht, es immer tun zu müssen, dann tun sie es gern und im Gehirn verbindet sich das mit einem beglückenden Gefühl. Dieses Gefühl bringt sie dazu, es immer wieder tun zu wollen. Es wird für sie zu einer angenehmen Selbstverständlichkeit, ihren Beitrag zu leisten, und Verantwortung zu übernehmen. Ich merke schon jetzt bei meinen großen Mädchen, dass sie Dinge übernehmen, um die ich sie bitte, auch, wenn sie nicht immer Lust dazu haben. Wenn man einem Kind jedoch eine Aufgabe überträgt, die es sich vielleicht nicht selbst ausgesucht hat, nur damit es "Verantwortung lernt", kann das schnell nach hinten los gehen. Denn dann verbinden die Kinder mit "Verantwortung" eine beleiernde Schwere. Etwas, was man tun muss, weil es sonst irgendwelche Konsequenzen gibt. Der vielleicht anfängliche Stolz über die übertragene Aufgabe wird überlagert durch den Zwang, der dahinter steht, und auch durch das Gefühl des Scheiterns, wenn z. B. die Grünpflanzen verdorren. Man erreicht als Eltern damit eigentlich genau das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte. Weil die Kinder das Wort Verantwortung dann möglicherweise mit dem Gefühl von Überwindung und ungeliebter Arbeit verbinden, drücken sie sich darum, so oft es geht.
Auch
Eigenverantwortung, also das Treffen von Entscheidungen, die einen
selbst betreffen, gehört zu den Grundbedürfnissen eines Menschen und
macht uns glücklich. Die im Text orange hervorgehobenen Sätze sind die
Momente, in denen meine Kinder in diesen drei aufgezeichneten Tagen
selbst entscheiden konnten. Wie ihr vielleicht herausgefiltert habt,
sind das vor allem Situationen, in denen es um ihren eigenen Körper
geht. Sie essen so viel oder wenig, wie sie wollen. Ich stelle zwar vor
allem gesundes Essen zur Verfügung, aber ich interventiere nicht, wenn
sie z. B. am Abend kein Brot essen, sondern nur Joghurt, auch wenn ich
denke, dass das eigentlich zu wenig ist. Auch das Schlafengehen ist
selbstbestimmt. Ich weiß als Mutter zwar, wann die einzelnen Kinder so
in etwa müde werden und sehe auch zu, dass sie bis dahin möglichst schon
gewaschen sind und Zähne geputzt haben, aber ich schreite nicht ein,
wenn sie länger aufbleiben wollen oder im Bett merken, dass sie doch
noch nicht müde sind.
Hier gibt es allerdings einen wichtigen Unterpunkt: Ich stehe am Abend zwar zur Einschlafbegleitung bereit, nicht aber zum Spielen, denn ich brauche die Zeit zur eigenen Erholung. Das Meerjungfrauen-Angeln ist dabei eine temporäre Ausnahme, da Fräulein Ordnung in letzter Zeit viel zurückgesteckt und kooperiert hat und wir Eltern gemerkt haben, dass es wichtig ist, dass wir ihr exklusiv den Aufmerksamkeitstank füllen. In dem Fall wog ihr Bedürfnis mehr als das Bedürfnis der Erwachsenen. Das Einführen dieser "Alleine-Spiel-Zeiten" (wir haben mehrere am Tag) war zunächst etwas mühselig, da unsere Kinder natürlich gern ununterbrochen mit uns zusammen gespielt hätten. In etwa lief das wie bei Herrn Friedlich jetzt, der zwar murrend akzeptiert, dass wir unser Abendbrot gern in Ruhe aufessen wollen, oft jedoch etwa alle 5 Minuten gucken kommt, ob wir schon fertig sind. Manchmal findet er aber schon allein ins Spiel, ich bin also guter Hoffnung, dass auch er bald sein Bedürfnis für unser Bedürfnis zurückstecken kann.
Ab und zu gibt es jedoch Entscheidungen, die ich für meine Kinder treffe, auch wenn diese nicht immer wohlwollend aufgenommen werden. Das Zähneputzen ist so eine Sache - ihr habt das bei den roten Markierungen gesehen. Ich hatte als Kind viele Löcher in den Zähnen und war leider Dauergast bei meiner Zahnärztin. Diese war nicht sehr empathisch, so dass ich noch heute wirklich ungern zu meinem (total einfühlsamen!) Zahnarzt gehe. Da ich das meinen Kindern ersparen möchte, achte ich aufs Zähneputzen. Ich erzwinge es jedoch nicht. Es gab Momente, in denen Herr Friedlich es verweigert hat, weil er neue Zähne bekam und ihn das schmerzte: Da ging er dann ohne Putzen ins Bett. Ich bemühe mich jedoch am Abend ausgiebig darum, alle Kinder von der Wichtigkeit der Zahnhygiene zu überzeugen.
Hier gibt es allerdings einen wichtigen Unterpunkt: Ich stehe am Abend zwar zur Einschlafbegleitung bereit, nicht aber zum Spielen, denn ich brauche die Zeit zur eigenen Erholung. Das Meerjungfrauen-Angeln ist dabei eine temporäre Ausnahme, da Fräulein Ordnung in letzter Zeit viel zurückgesteckt und kooperiert hat und wir Eltern gemerkt haben, dass es wichtig ist, dass wir ihr exklusiv den Aufmerksamkeitstank füllen. In dem Fall wog ihr Bedürfnis mehr als das Bedürfnis der Erwachsenen. Das Einführen dieser "Alleine-Spiel-Zeiten" (wir haben mehrere am Tag) war zunächst etwas mühselig, da unsere Kinder natürlich gern ununterbrochen mit uns zusammen gespielt hätten. In etwa lief das wie bei Herrn Friedlich jetzt, der zwar murrend akzeptiert, dass wir unser Abendbrot gern in Ruhe aufessen wollen, oft jedoch etwa alle 5 Minuten gucken kommt, ob wir schon fertig sind. Manchmal findet er aber schon allein ins Spiel, ich bin also guter Hoffnung, dass auch er bald sein Bedürfnis für unser Bedürfnis zurückstecken kann.
Ab und zu gibt es jedoch Entscheidungen, die ich für meine Kinder treffe, auch wenn diese nicht immer wohlwollend aufgenommen werden. Das Zähneputzen ist so eine Sache - ihr habt das bei den roten Markierungen gesehen. Ich hatte als Kind viele Löcher in den Zähnen und war leider Dauergast bei meiner Zahnärztin. Diese war nicht sehr empathisch, so dass ich noch heute wirklich ungern zu meinem (total einfühlsamen!) Zahnarzt gehe. Da ich das meinen Kindern ersparen möchte, achte ich aufs Zähneputzen. Ich erzwinge es jedoch nicht. Es gab Momente, in denen Herr Friedlich es verweigert hat, weil er neue Zähne bekam und ihn das schmerzte: Da ging er dann ohne Putzen ins Bett. Ich bemühe mich jedoch am Abend ausgiebig darum, alle Kinder von der Wichtigkeit der Zahnhygiene zu überzeugen.
Insgesamt glaube ich, dass
Verantwortung und Eigenverantwortung einen wichtigen Beitrag zur
Grundzufriedenheit von Kindern machen, insbesondere von Kindern ab dem
5. Lebensjahr. Wenn euch also eure Vorschul- oder Grundschulkinder
notorisch unzufrieden vorkommen, dann versucht, ihnen mehr von beidem zu
geben. Möglicherweise befriedigt ihr damit ein Bedürfnis, das eure
Kinder bei sich selbst noch nicht einmal geahnt haben.
© Snowqueen
© Snowqueen



