Für die Autorin Nora Imlau - selbst Mutter eines gefühlsstarken Kindes - war es beruhigend zu erfahren, dass es in allen Kulturen Kinder mit diesem ganz speziellen Temperament gibt. Das Gefühl, nicht alleine zu sein, mit Kindern, die Verhaltensweisen zeigen, über die andere verständnislos den Kopf schütteln, war enorm erleichternd für sie. In ihrem neuen Buch „So viel Freude, so viel Wut“ teilt sie ihre persönlichen Erfahrungen und hat viele Ideen und Tipps gesammelt, wie man gefühlsstarke Kinder verstehen und liebevoll begleiten kann.
Ich kann mich noch erinnern, wie ich mit meiner großen
Tochter damals in der Krabbelgruppe saß. Um mich herum schienen alle zufriedene
Kinder zu haben. Die meisten schliefen unkompliziert alleine ein und relativ
schnell durch, saßen geduldig auf Mamas Schoß und beobachteten alles interessiert und vorsichtig.
Legte man sie ab, spielten sie fröhlich vor sich hin. Mein Kind hingegen schien
nie richtig zufrieden zu sein. Mein Kind wollte nicht einschlafen, alleine sowieso nicht. Auch nicht spielend rumliegen
– nein, es wollte getragen werden, unterhalten werden und wenn es schrie, dann schrie es lange und laut und war in den ersten Monaten kaum zu beruhigen. Jede motorische
Entwicklung war mit Ungeduld und Unruhe begleitet, alles schien ihr zu langsam zu
gehen. Mein Baby wollte immer mehr, als es konnte und wenn es nicht so
funktionierte, wie es sich das vorgestellt hatte, dann wurde es richtig
sauer.
Als meine Tochter 10 Monate alt war, bin ich nur haarscharf an einer
späten Wochenbettdepression vorbeigeschlittert. Ich fühlte mich als schlechteste
Mutter der Welt. Dabei dachte ich immer, ich sei so gut vorbereitet! Hatte so viele Bücher über Erziehung gelesen! Und
dann war mein Kind einfach anders, als alle anderen… Woran sollte das sonst
liegen, als an mir? Meine Ärztin damals führte ein ernsthaftes Gespräch mit
mir. Das Kind sei vollkommen normal, nur eben etwas aktiver und ungeduldiger, als
der Durchschnitt. Sie schlug mir vor, eine andere Krabbelgruppe zu besuchen,
von der sie wusste, dass sie auch von zwei ähnlich temperamentvollen Kindern regelmäßig besucht wird. Ich
kann mich noch so gut daran erinnern, wie erleichtert ich war, als ich feststellte,
dass es tatsächlich einfach spezielle Temperamente gibt.
Ein solches haben auch gefühlsstarke Kinder. Sie haben ein sehr vielseitiges emotionales Empfinden, bei ihnen ist immer alles „etwas mehr“ – sei es die Begeisterung,
der Ehrgeiz, Verzweiflung, Aggression oder Lebensfreude. Gefühle werden immer außerordentlich intensiv empfunden, die kindlichen Reaktionen darauf fallen vergleichsweise heftig aus. Das Gehirn gefühlsstarker
Kinder reagiert besonders stark auf den Anstieg von Stresshormonen, was dazu
führt, dass im limbischen System sehr schnell heftige Stressreaktionen hervorgerufen werden. Solche
Kinder werden oft als schwierig empfunden, als wild, fordernd, anstrengend. Man
sagt ihnen Sturheit, Überempfindlichkeit und Weinerlichkeit nach. Sie haben
Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle und ihrer Fähigkeit zur
Selbstregulation. All diese Zuschreibungen sind immer sehr negativ und sie
verdrängen leider, was mit einem solchen besonderen Gefühlsleben auch verbunden
ist – eine außerordentliche Kreativität und Leidenschaft, ein enormer
Forschungsdrang oder ausgeprägtes Mitgefühl.
Nora Imlau ist es mit ihrem Buch ein Anliegen, dass wir anfangen, diese Kinder mit anderen Augen zu sehen, indem wir uns auf ihre Stärken fokussieren. Dass wir uns innerlich verabschieden, von dem Kind, das wir uns immer erträumt haben und die Aufgabe annehmen, auf spezielle Bedürfnisse zu treffen. Gefühlsstärke ist angeboren, daher ist es aussichtslos, das Naturell eines Kindes ändern zu wollen.
Nora Imlau ist es mit ihrem Buch ein Anliegen, dass wir anfangen, diese Kinder mit anderen Augen zu sehen, indem wir uns auf ihre Stärken fokussieren. Dass wir uns innerlich verabschieden, von dem Kind, das wir uns immer erträumt haben und die Aufgabe annehmen, auf spezielle Bedürfnisse zu treffen. Gefühlsstärke ist angeboren, daher ist es aussichtslos, das Naturell eines Kindes ändern zu wollen.
Es gibt einige Eigenschaften, die bei gefühlsstarken Kindern
oft gemeinsam zu beobachten sind. So erleben alle, ihre Gefühle besonders
intensiv. Sie sind willensstark, ausdauernd und meist so sensibel, dass sie
bspw. als Babys ständig aus dem Schlaf hochschrecken oder ständig unzufrieden
mit der Kleidung sind, weil diese immer kratzt oder als zu eng empfunden wird.
Gefühlsstarke Kinder neigen auch dazu, die Emotionen anderer aufzufangen und zu
spiegeln. Schlägt sich bspw. ihr Geschwisterchen das Knie auf, weinen sie
herzzerreißend mit. Oft verfügen sie auch über eine besonders ausgeprägte
Auffassungs- und Beobachtungsgabe. Selbst die kleinsten Details werden
wahrgenommen, was immer wieder dazu führt, dass diese Kinder sich von Kleinigkeiten
schnell ablenken lassen.
Den Kindern fällt es in der Regel auch sehr schwer, wenn Alltagsroutinen nicht planmäßig ablaufen. Wenn sich Abweichungen von den üblichen Strukturen ergeben, kommt es schnell zu Wutausbrüchen und Verzweiflung. Dadurch führen besondere Ereignisse dann oft zum Chaos – Weihnachten in der Familie oder der eigene Geburtstag überfordern so sehr, dass das Kind weinend zusammen bricht. Eltern sind dann oft enttäuscht, dass solche schönen Momente am Ende irgendwie "verdorben" werden. Veränderungen sind grundsätzlich ein Problem für gefühlsstarke Kinder. Sie neigen auch zu einem gewissen Grundpessimismus, da sie sich oft auf Probleme und alles Schwierige und Negative fokussieren.
Den Kindern fällt es in der Regel auch sehr schwer, wenn Alltagsroutinen nicht planmäßig ablaufen. Wenn sich Abweichungen von den üblichen Strukturen ergeben, kommt es schnell zu Wutausbrüchen und Verzweiflung. Dadurch führen besondere Ereignisse dann oft zum Chaos – Weihnachten in der Familie oder der eigene Geburtstag überfordern so sehr, dass das Kind weinend zusammen bricht. Eltern sind dann oft enttäuscht, dass solche schönen Momente am Ende irgendwie "verdorben" werden. Veränderungen sind grundsätzlich ein Problem für gefühlsstarke Kinder. Sie neigen auch zu einem gewissen Grundpessimismus, da sie sich oft auf Probleme und alles Schwierige und Negative fokussieren.
Gefühlsstarke Kinder haben die selben Grundbedürfnisse, wie
alle anderen Kinder auch – die Erfüllung mancher ist jedoch besonders wichtig. Das
sind neben dem Bedürfnis nach Halt und Orientierung auch das Bedürfnis nach
Nähe und Bindung. Solche Kinder wollen auch besonders selbstwirksam sein und weitestgehend autonom Handeln.
Auch Wertschätzung und Akzeptanz sind für sie von hoher Bedeutung.
Um die intensiven Emotionen gut begleiten zu können, ist es
erforderlich, sich mit dem Temperament des Kindes und auch dem eigenen
Gefühlsleben auseinander zu setzen. Je nach Konstellation können manche
Verhaltensweisen besonders günstig sein. Um mit den Gefühlen gut
umzugehen zu können, ist es zunächst wichtig, dass Kinder lernen, sie konkret zu benennen
und dass jedes Gefühl auch gefühlt werden darf.
Ebenso wichtig ist es, Stressfaktoren möglichst früh zu erkennen, so dass man die Chance hat, sie zu regulieren, bevor die Emotionen überkochen. Es gibt verschiedene Faktoren, die langfristig Einfluss auf den Stresslevel gefühlsstarker Kinder haben. Nora geht in ihrem Buch ausführlich darauf ein, ebenso wie auf die verschiedenen Herausforderungen, die sich im Alltag mit den herausfordernden Kindern stellen. Klassische Problemfelder sind das Schlafen, das Essen und Kleidung. Aber auch Abschiede, Trennungen, ungewohnte Situationen können im Zusammenleben mit gefühlsstarken Kindern außerordentlich schwierig sein. Ein besonderes Problemfeld ist häufig der Umgang mit anderen Kindern. Durch die Heftigkeit der Gefühle ist die Fähigkeit zur Selbstregulation sehr eingeschränkt. Infolgedessen hauen gefühlsstarke Kinder vergleichsweise schnell, was natürlich vermehrt zu Konflikten führen kann.
Ebenso wichtig ist es, Stressfaktoren möglichst früh zu erkennen, so dass man die Chance hat, sie zu regulieren, bevor die Emotionen überkochen. Es gibt verschiedene Faktoren, die langfristig Einfluss auf den Stresslevel gefühlsstarker Kinder haben. Nora geht in ihrem Buch ausführlich darauf ein, ebenso wie auf die verschiedenen Herausforderungen, die sich im Alltag mit den herausfordernden Kindern stellen. Klassische Problemfelder sind das Schlafen, das Essen und Kleidung. Aber auch Abschiede, Trennungen, ungewohnte Situationen können im Zusammenleben mit gefühlsstarken Kindern außerordentlich schwierig sein. Ein besonderes Problemfeld ist häufig der Umgang mit anderen Kindern. Durch die Heftigkeit der Gefühle ist die Fähigkeit zur Selbstregulation sehr eingeschränkt. Infolgedessen hauen gefühlsstarke Kinder vergleichsweise schnell, was natürlich vermehrt zu Konflikten führen kann.
Das Buch "So viel Freude, so viel Wut" befasst sich auch mit den Schwierigkeiten
gefühlsstarker Kinder im Kindergarten oder in der Schule. Hier gibt es bei der
Wahl der Einrichtung einiges zu bedenken. So sollte beispielsweise die Eingewöhnung auf die
speziellen Bedürfnisse des Kindes eingehen, da hier langfristig eine gute Basis
für die Betreuung geschaffen wird. Thematisiert wird außerdem, wie man Geschwisterkonflikte
mit sehr emotionalen Kindern begleiten kann. Gerade in Familien mit einem gefühlsstarken Kind kommt es
schnell zu der Situation, dass sich das andere Kind immer wieder zurück gesetzt
fühlt.
Fazit
Wenn ihr Euer Kind als gefühlsstark wiedererkennt, kann ich
Euch das Lesen dieses tollen Buches nur wärmstens empfehlen. Wenn ihr das über diesen Link tut,
unterstützt ihr uns gleichzeitig dabei, weil wir dann eine kleine Provision
bekommen (natürlich ohne Mehrkosten für Euch). Wir freuen uns aber natürlich
auch sehr, wenn ihr den stationären Buchhandel unterstützt und das Buch vor Ort
im Laden erwerben wollt.
Weitere wunderbare und lesenswerte Bücher von Nora Imlau sind übrigens "Das Geheimnis zufriedener Babys" und "Schlaf gut Baby" (über die ich an anderer Stelle hier im Blog schon schrieb).
Weitere wunderbare und lesenswerte Bücher von Nora Imlau sind übrigens "Das Geheimnis zufriedener Babys" und "Schlaf gut Baby" (über die ich an anderer Stelle hier im Blog schon schrieb).
Nora war auch bei uns im Podcast zu Gast und hat mit uns über gefühlsstarke Kinder gesprochen.
© Danielle
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