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Spielen - kindliches Spielverhalten in den ersten Jahren


 

Warum spielen Kinder?


Kinder spielen um des Spielens willen - sie verfolgen mit ihrem Tun dabei keinen bewussten Zweck oder ein bestimmtes Ziel. Dennoch eignen sie sich dabei nach und nach bestimmte Fähigkeiten an und vertiefen sie. Das Spielverhalten von Kindern spiegelt in der Regel ihren Entwicklungsstand wider. Die Abfolge der Entwicklung ist dabei interessanterweise bei fast allen Kindern rund um den Globus gleich. Das Spielen wirkt sich positiv auf das seelische Gleichgewicht aus, weil es dabei hilft, Erfahrungen zu verarbeiten und Emotionen auszuleben. Das stärkt das Immunsystem und fördert die Entwicklung der synaptischen Verbindungen im Gehirn.

Arten des Spielens

 

Erkunden von Eigenschaften


Vor allem im ersten Lebensjahr sind Kinder vor allem damit beschäftigt, die physikalischen Eigenschaften der Gegenstände in ihrer Umwelt zu erkunden. Dabei werden vor allem die Hände und die Zunge genutzt - das Sehen spielt zunächst eine untergeordnete Rolle. Erst im zweiten Lebensjahr wird das Auge primäres Sinnesorgan zum Erkunden.

 

Fähigkeitenerwerb durch Nachahmung


Ein Kind benötigt etwa 10 bis 20 Jahre, um sich die wesentlichen Verhaltensweisen anzueignen, mit denen es sich in der komplexen menschlichen Beziehungsstruktur und Gesellschaft zurecht findet. Erlernt werden diese vor allem durch Nachahmung.

Schon in den ersten Lebensmonaten ahmen Babys die Mimik ihrer Eltern nach. Später werden Laute, im zweiten Jahr dann vor allem die Sprechweise der Bindungspersonen nachgeahmt. Auch Handlungen wie Winken oder Klatschen werden dann imitiert, ebenso das mit Besteck essen oder andere einfache Bewegungsabläufe.

Erkunden räumlicher Beziehungen


Türme bauen, Wasser von einem Behälter in den anderen füllen, Becher stapeln - diese Tätigkeiten dienen der Erkundung des Raumes. Das Kind lernt spielerisch die ersten physikalischen Grundlagen.

Erkunden von Gesetzmäßigkeiten


Schon nach dem 26-Wochen-Sprung begreift ein Baby, dass es an der Schnur ziehen muss, um die Spieluhr zum klingen zu bringen, also den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Nach dem ersten Geburtstag beginnt es Dinge nach Eigenschaften zu kategorisieren. Das bildet die Grundlage für das logische Denken.

Wie Eltern "richtig"mitspielen


Kinder spielen mehr oder weniger ausdauernd allein, am liebsten spielen sie jedoch mit ihren Bindungspersonen. Während wir mit Babys noch recht unbefangen und intuitiv spielen, geht uns diese Fähigkeit mit zunehmendem Alter leider teilweise verloren. Eltern neigen dazu, ihren Kindern beim Spiel aktiv etwas beibringen zu wollen oder zu helfen, wenn es eigentlich unangebracht wird. Das kindliche Spiel dient zwar dem Erwerb von Fähigkeiten, das heißt aber nicht, dass wir unser Kind anleiten müssen. Es probiert von ganz alleine immer und immer wieder geduldig aus, wie etwas funktionieren könnte. Helfen wir (ungefragt) dabei, entmutigen und behindern wir es sogar - mehr dazu könnt ihr im Artikel Gesunde Kinder müssen nicht gezielt gefördert werden nachlesen.

Nicht unnötig beim Spielen eingreifen 


Jedes Kind beginnt vollkommen selbstmotiviert irgendwann, Türme zu bauen. Es ist wichtig, das Spiel des Kindes nicht ständig zu bewerten. Eltern neigen dazu, den Erwerb neuer Fähigkeiten ausgiebig zu kommentieren und überschwänglich zu loben.  Ohne unseren Einfluss probiert das Kind in der Regel ausdauernd immer und immer wieder verschiedene Bauweisen und entdeckt nach und nach, welche Umstände die Stabilität des Turms beeinflussen. Hat es nach vielen Fehlversuchen endlich einen beachtlich großen Turm aufgebaut, freut es sich riesig über die eigene Leistung. Wenn wir ihm hingegen ausführlich erklären, wie das am besten geht, immer wieder korrigieren, eingreifen und Ratschläge geben, dann erreicht es das Ergebnis zwar schneller, aber der Weg ist für das Kind zutiefst unbefriedigend. Es braucht die Fehlversuche, um zu lernen, nicht unsere Anweisungen! Zudem betrachtet es am Ende das Ergebnis nicht als eigene Leistung und wird sich sehr viel weniger darüber freuen, als wenn es das Bauwerk aus eigener Kraft erschaffen hat.

Ständiges Eingreifen wirkt sich nachteilig auf die Entwicklung des Selbstbewusstseins und des Selbstbildes aus und kann Resignation und Angst vor dem Versagen fördern. Auch wenn wir es gut meinen und eigentlich ja nur helfen wollen - wir signalisieren unserem Kind damit unterschwellig, dass wir ihm nicht zutrauen, das Vorhaben alleine zu bewerkstelligen. Da unsere Kenntnisse in Bezug auf den Turmbau recht umfassend sind, gelingt es mit unserer Hilfe recht schnell, in kurzer Zeit tolle Bauwerke zu erschaffen. Probiert es das Kind dann alleine, ist ein Scheitern im Grunde programmiert. Das, was mit uns zusammen scheinbar ganz mühelos erschaffen wurde, will dem Kind allein überhaupt nicht gelingen. Bleibt dann auch noch das Lob aus, mit dem wir es motivieren wollten, kann das unter Umständen dazu führen, dass das Kind seine Bemühungen frustriert einstellt.

Das Kind beim Spiel nicht über- oder unterfordern 


Um Kinder beim Spiel weder zu über- noch zu überfordern, sollten wir wissen, welchen Entwicklungsstand es in Bezug auf sein Spielverhalten gerade hat. Wenn wir es zu einem Spiel animieren wollen, das noch nicht seinem Entwicklungsstand entspricht, wird es wütend und schmeißt ggf. (je nach Temperament) die Spielsachen durch die Gegend. Wenn wir etwas spielen wollen, das das Kind unterfordert, wird es möglicherweise ebenfalls mit Missfallen reagieren. Am interessantesten sind immer die Spiele, die dem aktuellen Entwicklungsstand entsprechen. Da dieser sehr dynamisch ist, kann es sein, dass Kinder Spiele, die sie gestern noch mit Hingabe spielten, plötzlich vollkommen uninteressant finden.  Wenn wir Spielangebote machen möchten, erkennen wir an der Reaktion des Kindes meist ganz gut, wie gut das Spiel gerade passt. Ist das Kind interessiert und freudig, haben wir eine gute Wahl getroffen. Am sinnvollsten ist es, die Kinder einfach selbst wählen zu lassen, was wir mit ihnen spielen sollen.

Die Entwicklung des kindlichen Spiels


Die ersten Monate 


In den ersten Lebensmonaten können Kinder ihre Lage aus eigener Kraft nicht verändern. Sie sind außerdem noch nicht in der Lage, Gegenstände zu halten, so dass sie fast ausschließlich durch ihre Mimik und Gestik mit anderen spielen können. Mütter spielen ganz instinktiv mit ihren Babys. Sie positionieren ihr Gesicht so, dass das Kind sie gut erkennen kann und arbeiten stark mit ihrer Mimik. In der Regel schauen sie das Kind mit dem Ausdruck eines freudigen Erstaunens an. Sie sprechen langsam in relativ hoher Tonlage, machen große Augen und wiederholen sich oft. Kinder reagieren auf diese Ansprache, indem sie zappeln und glucksen. Die Eltern nehmen diese Reaktionen auf und spiegeln sie, woran das Baby große Freude hat. Auch andere Personen können auf diese Weise schon Kontakt mit dem Baby aufnehmen. Allerdings fehlt ihnen das instinktive Kommunikationsverhalten der Mutter, so dass das Spiel meist von kürzerer Dauer ist.

Das Spiel ermüdet Kinder schnell, weil die Reize sie überfordern. Dass ein Kind genug vom Spiel hat und seine Ruhe braucht, erkennt man daran, dass es den Kopf abwendet und den Augenkontakt unterbricht. Meist schaut es dann auf einen unbestimmten Punkt im Raum und wirkt irgendwie abwesend. Dann sollten wir die Ansprache unterbrechen und warten, bis sich das Baby wieder uns zuwendet - meist ist es dann für eine weitere Spielrunde bereit. Diese ist aber oft deutlich kürzer, als die erste.

Relativ häufig überschätzen Eltern die Aufnahmefähigkeit ihrer Babys und überfordern sie unbeabsichtigt. Die meisten Babys sind nach ein paar Minuten intensiven Spiels schon erschöpft und wenden sich müde ab. Ist ein Kind unruhig, dann wird ein Spiel es in der Regel noch weiter überreizen - meist ist es am sinnvollsten, dann eher für Ruhe zu sorgen (am wohlsten fühlen sich Kinder dann eng am Körper getragen). Schreit das Baby abends sehr viel, sollte besonders darauf geachtet werden, dass es während des Tages viele Ruhephasen hat, ohne dass ständiger Kontakt gesucht wird.

Lieblingsspielzeug Hände - die Entwicklung des Greifens 


Das liebste Spielobjekt (neben den Eltern) sind die Hände des Babys. Sie werden ausgiebig begutachtet und mit dem Mund erkundet. Die übliche Reihenfolge beim Spiel mit den Händen ist:
  • Hände in den Mund (etwa mit einem Monat)
  • Hände betrachten (mit zwei bis drei Monaten)
  • Hände betasten (mit drei bis vier Monaten)
  • beidhändiges Greifen (mit etwa sechs bis sieben Monaten)
Die Zeitangaben sind nur ungefähre Angaben - jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Die Reihenfolge ist jedoch bei fast allen Kindern gleich.
Etwa im vierten bis fünften Lebensmonat beginnen Babys dann, Gegenstände gezielt zu greifen. Anfangs greifen sie Gegenstände mit beiden Händen und beugen dabei alle Finger. Erst im zweiten Lebenshalbjahr können Kinder Dinge mit nur einer Hand greifen. Mit etwa acht bis neun Monaten werden mit dem Scherengriff nur die Basis von Zeigefinger und Daumen verwendet, um etwas in die Hand zu nehmen, um den zehnten Lebensmonat herum wird dieser Griff nach und nach zum Pinzettengriff verfeinert, bei dem nur noch die Daumen- und Fingerkuppen verwendet werden.

Das ist die Zeit der Rasseln und Greiflinge. Babys haben in der Regel viel Freude an Greiflingen - vor allem sehr farbenfrohe und solche mit abwechslungsreichen Oberflächen sind sehr beliebt. Obälle sind das Spielzeug, das Babys in der Regel als erstes relativ sicher greifen können. Es fällt ihnen jedoch sehr schwer, einmal ergriffene Gegenstände wieder loszulassen - diese Fähigkeit entwickelt sich üblicherweise erst am Anfang des zweiten Lebensjahres. Die Hände öffnen sich vorher nur dann, wenn das Kind einen anderen/weiteren Gegenstand greifen möchte. Einige Kinder versuchen, Gegenstände durch schütteln loszuwerden, wenn sie ihrer überdrüssig werden - daher sieht es manchmal so aus, als würden Kinder ihre Spielzeuge unkontrolliert durch die Gegend werfen, dabei versuchen sie einfach nur, sie irgendwie abzulegen.

Das kindliche Erkundungsverhalten 


Das Greifen ermöglicht endlich das ausgiebige Erkunden von Gegenständen. In den ersten Monaten  besteht das Spielen hauptsächlich aus dem sogenannten "Funktionsspiel". Alle Gegenstände des Alltags werden ausgiebig untersucht - Temperatur, Festigkeit, Oberflächenbeschaffenheit, Material, Größe, Gewicht, usw. Auch hier ist die Reihenfolge bei allen Kindern gleich - zunächst benutzen sie dafür fast ausschließlich den Mund, später wird mit dem Gegenstand herumhantiert, erst im zweiten Lebensjahr wird vorrangig mit den Augen betrachtet. Aber auch dann wandern unbekannte Gegenstände oft noch gerne in den Mund. Mit etwa 18 Monaten "mundelt" dann kaum noch ein Kind.

Das manuelle Erkunden setzt mit ungefähr einem halben Jahr ein. Das Baby beginnt, Gegenstände gegeneinander oder auf Unterlagen zu schlagen, sie zu betasten, zu befühlen, sie hin und her zu schütteln und zu werfen. Was für Erwachsene wie reine Zerstörungswut aussieht, ist völlig normales kindliches Spiel - dabei sammelt das Kind Informationen über die Beschaffenheit der Gegenstände. Diese Phase endet ebenfalls mit etwa 18 Monaten und wird fast vollständig vom visuellen Erkunden abgelöst, das etwa im Alter von acht bis neun Monaten begonnen wird.

Zum Thema Spielzeug gibt es ein sehr interessantes Interview von Snowqueen zur Frage: Wieviel Spielzeug braucht ein Kind? Viele Eltern machen die Erfahrung, dass spezielles Babyspielzeug für ihre Kinder eher unattraktiv ist oder schnell uninteressant wird. Babys interessieren sich tatsächlich vorrangig für Alltagsgegenstände. Wann immer es möglich ist, sollte man ihnen solche zum Erkunden überlassen, wenn sie keine scharfen Ecken oder Kanten haben, unkaputtbar und groß genug sind, damit sie nicht vollständig in den Mund genommen werden können.

Das Erkennen von Zusammenhängen 


Nach dem ersten Geburtstag erkennen Kinder zunehmend Zusammenhänge. Das Spielzeug bewegt sich, wenn ich an der Schnur ziehe. Wenn ich einen Knopf drücke, gibt es ein Geräusch. Kaum ein Kleinkind wird in dieser Phase nicht magisch von Wasserhähnen angezogen. Auch hier geht es nicht ums Grenzen testen, wenn Kinder immer und immer wieder an Lichtschaltern spielen oder ständig zum Waschbecken wollen. Sie folgen dabei einfach nur ihren natürlichen Interessen. Am schnellsten und vor allem konfliktärmsten geht diese Phase vorbei, wenn man sein Kind einfach gewähren lässt. Um den Wasserverbrauch im Rahmen zu halten, kann man die Intensität des Wasserstrahls vorgeben - die meisten Kinder sind diesbezüglich sehr kompromissbereit - vor allem, wenn sie es auch gelegentlich mal richtig doll sprudeln lassen dürfen. Am wenigsten Sauerei gibt es, wenn man Kinder in der Wanne am Hahn spielen lässt.

Stapeln, Reihen, Füllen, Leeren, Kategorisieren - die Erkundung des Raumes 


Zu Beginn des zweiten Lebensjahres lieben es Kinder, Gefäße zu füllen und zu leeren, Gegenstände zu stapeln oder Dinge aneinander zu reihen. Sie erobern so nach und nach spielerisch den Raum.  In der ersten Hälfte des zweiten Lebensjahres spielen Kinder häufig Inhalt-Behälter-Spiele - sind also damit beschäftigt, Dinge in andere Dinge zu legen. Sie lernen dabei Größenverhältnisse oder Mengen einzuschätzen. Behältnisse werden unermüdlich mit Dingen befüllt und wieder ausgeleert. In dieser Phase lieben Kinder alle Gegenstände, in die man irgendetwas hinein tun kann - Büchsen, Kisten, Plastikflaschen. Sand und Wasser werden besonders gerne verwendet. Kinder beschränken sich dabei oft nicht auf ihr Spielzeug - sehr gerne werden auch CDs, DVDs, Bücher oder Schubladen ausgeräumt.


Das führt häufig zu Konflikten, weil Eltern dieses Verhalten gerne Unterbinden wollen. Sie haben das Gefühl, Kindern jetzt Grenzen aufzeigen zu müssen und daher bei unerwünschten Verhaltensweisen deutlich "Nein!" zu sagen und es durchzusetzen. Wichtig ist zu wissen, dass das Ausräumen quasi genetisch beim Kind programmiert ist - es KANN gar nicht anders, als ständig Dinge ein- und auszuräumen. Sinnvoll ist es daher, genügend Möglichkeiten anzubieten, damit das Kind seinem Ein- und Ausräuminteresse nachkommen kann. Ein ausrangierter Nachttisch, an dem allerlei Öffnungsmechanismen (Schubladen/Türen)ausprobiert werden können mit verschiedenen Öffnungen zum Hereinstecken und Herausholen ist das ideale Spielzeug in dem Alter. Außerdem eignen sich in dieser Phase Spielzeuge wie einfache Sortierformen, Schälchensätze oder Klopfkästen.

Mit etwa 1,5 Jahren entwickelt sich die Merkfähigkeit bei Kindern. Bis dahin gelten Gegenstände, die das Kind nicht sieht, als nicht vorhanden. Mit Entwicklung der sogenannten Objektpermanenz ergeben sich vielfältige Spielmöglichkeiten. Das Wissen, dass Dinge, die nicht sichtbar sind, dennoch weiter existieren, wird vertieft, in dem das Kind Dinge gezielt fallen lässt - z. B. vom Hochstuhl oder  vom Esstisch. Leider gehen viele Eltern davon aus, dass es den Kindern darum geht, Grenzen auszutesten, dabei erkunden sie nur, ob die so "verschwundenen" Gegenstände auch wieder verlässlich auftauchen. Sie beginnen außerdem, Sachen zu verstecken - in Schachteln, unter Decken, usw. Die meisten lieben es, wenn sich die Eltern hinter einem Tuch verstecken und dann unvermittelt wieder auftauchen.

Zur gleichen Zeit, also mit etwa 18 Monaten entwickeln Kinder dann das Gestaltungs- und Funktionsspiel. Kinder entwickeln zunächst eine Vorliebe fürs Stapeln - , aber auch alles andere wird gerne immer wieder gestapelt. Für diese Entwicklungsphase eignen sich zum Spielen am besten Bauklötze, Ringpyramiden, Scheibentürme und Stapelbecher, aber auch alles andere im Haushalt wird eifrig gestapelt.

Ab dem zweiten Geburtstag beginnen Kinder  es allmählich, Gegenstände aneinander zu bauen. Alles Greifbare wird aufgereiht, viele entwickeln nun eine große Vorliebe für Eisenbahnen. Sowohl das Aneinanderreihen der Waggons als auch der Gleise bereitet Kindern große Freude. Wirklich sehr robust und flexibel erweiterbar sind Holzeisenbahnen (z. B. von Brio, günstiger mit weniger Gestaltungsmöglichkeiten und Zubehör die Lillabo von Ikea), aber auch die elektrischen Eisenbahnen von Duplo sind für diese Altersklasse schon gut geeignet (irre teuer, aber quasi unkaputtbar und mit hohem Wiederverkaufswert).

Wenige Monate später (etwa mit 2,5 Jahren) bauen Kinder dann sowohl horizontal, als auch vertikal. Bspw. mit Duplosteinen oder Mega Bloks werden dann Tunnel oder Treppen gebaut - vorerst zweidimensional, das dreidimensionale Bauen beginnt dann etwa im Alter von drei bis vier Jahren.
Mit 1,5 bis zwei Jahren entdecken viele Kinder ihre Leidenschaft fürs Kategorisieren. Sie erkennen, dass es Eigenschaften gibt, die verschiedene Gegenstände gemeinsam haben. Das Spielzeug wird gerne entsprechend sortiert. Mit zwei Jahren können Kinder Farben und Formen zuordnen. Steckspiele oder Zuordnungsspiele werden oft ausdauernd bespielt.
Am Anfang des dritten Lebensjahres entwickeln sich die Fähigkeiten weiter, so dass Kinder auch mit komplexeren Sortierformen gerne spielen. Auch einfache Formenpuzzle sind sehr beliebt.
Mit zwei bis drei Jahren beginnen Kinder auch kreativ gestalterisch mit Knete oder Playmais tätig zu werden. Wenn sie keine Gelegenheit bekommen, zu modellieren, kann es jedoch sein, dass die kreative Gestaltungskraft recht schnell verkümmert.

Spielen durch Nachahmung 


Ab dem zweiten Lebensjahr beginnen Kinder zunehmend zu beobachten und nachzuahmen. Sie haben großes Interesse an den Tätigkeiten der Erwachsenen und wollen am liebsten immer mit dabei sein. Sie freuen sich riesig, wenn sie mithelfen können - in der Regel gibt es immer einige Arbeitsschritte, bei denen sie uns helfen können. Sehr beliebt sind in dieser Zeit Miniaturversionen richtiger Haushaltsgeräte. Kinder beschäftigen sich teilweise stundenlang mit Nachbildungen von Küchen, Bügeleisen, Waschmaschinen, Wäschetrocknern, Staubsaugern, und Küchengeräten, wie Toastern, Mixern und Kaffeemaschinen. In unserem Artikel über Geschenkideen für zwei bis drei Jahre alte Kinder findet ihr Empfehlungen für Produkte, mit denen wir besonders gute Erfahrungen gemacht haben.


Das Nachahmen nimmt im Laufe des zweiten Lebensjahres zunehmend größeren Raum ein - das Kind imitiert Verhaltensweisen  und sogar den Tonfall der Eltern. Es werden zunehmend erlebte Situationen nachgespielt. Kinder beobachten auch das Spiel anderer Kinder und ahmen dieses später im eigenen Spiel nach. Miteinander in Kontakt treten Kinder erst sehr viel später - es kann gut sein, dass drei Zweijährige seelenruhig im Buddelkasten auf dem Spielplatz sitzen und völlig vertieft spielen, ohne voneinander groß Notiz zu nehmen.

Bei der Nachahmung gibt es einen bestimmten Entwicklungsablauf, den alle Kinder gleich durchlaufen. Zunächst gebraucht das Kind Gegenstände im funktionellen Spiel. Es nimmt z. B. eine Bürste und kämmt sich allein die Haare. Sehr beliebt sind Nachbildungen von Haushaltsgegenständen (z. B. Bügelbretter, Staubsauger, Kaffeemaschinen) aber auch einfache Haushaltsgegenstände, wie Löffel, Becher oder Geschirr.

Zwischen 12 und 18 Monaten entwickelt sich zunächst eine innere Vorstellung von Tätigkeiten - d. h., dass es versteht, dass es die Handlung nicht nur an sich selbst, sondern auch an anderen vorgenommen werden kann. Im sogenannten repräsentativen Spiel werden dann auch Puppen oder Kuscheltiere gekämmt. Das repräsentative Spiel entwickelt sich weiter, indem das Kind sich vorstellt, dass jemand anderes Handlungen an sich selbst vornimmt - es legt der Puppe einen Kamm in die Hand und spielt, dass diese sich selbst kämmt.

Mit 21 bis 24 Monaten beginnen Kinder mit dem sequentiellen Spiel. Sie spielen komplette Handlungsabläufe nach. So wird bspw. erst die Puppe gewaschen, dann gekämmt und anschließend die Zähne der Puppe geputzt. Wenn Kinder in der Entwicklungsphase des sequentiellen Spiels sind, dann sind als Spielzeug bspw. Puppenstuben, Ställe oder Küchen.

Eine weitere Form des Spiels zu diese Zeit ist das symbolische Spiel. Dabei nimmt das Kind Gegenstände und verleiht ihnen eine andere Bedeutung. Es nimmt z. B. einen Schuhkarton und verwendet es als Boot für seine Puppe. Sehr gerne werden Gegenstände aus der freien Natur zu Haushaltsgegenständen umfunktioniert - viele Kinder werden zu Sammlern und können sich ausdauernd mit Steinen, Stöcken, Schneckenhäusern usw. beschäftigen. Diese Spielform entwickelt sich zwischen dem dritten und dem fünften Lebensjahr dann zum Rollenspiel.
Auch das soziale Spiel ist weiter wichtiger Bestandteil des kindlichen Spielverhaltens. Besonders interessant für die Kinder sind Spiele mit "geben" und "nehmen" - Bälle hin und her rollen, etwas irgendwo einfüllen und die Eltern holen es wieder heraus. Das Kind erforscht damit, ob der Spielpartner seine Erwartungen erfüllt.

Eine ebenfalls sehr wichtige Rolle im zweiten Jahr spielen Wasser, Sand und Erde. Kinder lieben es, die Elemente hautnah zu erleben, sie tollen stundenlang im Wasser umher, lieben es meist, ausgiebig zu baden. Das Spiel in der freien Natur, in Wäldern, auf Feldern oder an Bächen und Flüssen sorgt am besten für den wichtigen Flow beim Spielen.


Während Kinder neue motorische Fähigkeiten erwerben, spielen sie übrigens auffällig weniger. Sie sind so konzentriert dabei, Krabbeln oder Laufen zu lernen, dass das fast ihre gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

© Danielle

Quellen

 


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1 Kommentar:

  1. Danke für diesen ausführlichen Artikel!
    Ganz besonders wichtig erscheint mir der Hinweis für die mitspielenden Eltern - einfach mitspielen ohne gleich ein "um etwas zu lernen" einfließen zu lassen!
    Liebe Grüße, Vera

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