Wenn das Kind Eltern aggressiv schlägt, tritt und beißt


wütendes KindUm den dritten Geburtstag herum bemerken einige Eltern eine Änderung des Wutverhaltens ihres Kindes - es wird aggressiver und überschreitet massiv die Grenzen derer, an die sich der Ärger richtet. Zunächst sind das meist die Eltern. Dieser Artikel richtet sich deshalb vornehmlich an Eltern, die immer mal wieder in Situationen geraten, in denen ihr 3-6- jähriges Kind versucht, sie zu hauen, treten oder beißen.

Im jüngeren Alter konnten wir Eltern die Wutausbrüche unserer Kinder meist noch gut nachvollziehen. Sie waren frustriert darüber, etwas noch nicht richtig zu können, nicht gut verstanden zu werden oder etwas nicht zu dürfen, das sie unbedingt wollen. Das daraus resultierende Hauen, Kneifen, Beißen und Spucken war ein hilfloser Versuch, dies mit Nachdruck auszudrücken. Auch, wenn wir Eltern diese Ausbrüche anstrengend fanden, konnten wir relativ gut empathisch darauf reagieren, denn unsere Kinder waren schließlich noch klein. Wir verstanden, dass ihre Impulskontrolle noch nicht soweit ausgereift war, als dass sie sich in solch überwältigenden Momenten adäquat unter Kontrolle hätten halten können.

Ab 3 Jahren aber steigert sich die Wut unserer Kinder plötzlich noch einmal, die Ausbrüche erreichen ein neues Level. Eins, das uns Eltern erschreckt und ratlos macht. Das Hauen passiert nicht mehr nur im Affekt, sondern wird von unseren Kindern gezielt eingesetzt. Wenn wir uns dem entziehen wollen und weggehen, kommen sie hinterher, um uns weiter zu hauen. Dinge werden mit voller Absicht zerstört, nach Tieren wird getreten, andere Kinder werden mit dem Finger oder einem Stock "totgeschossen", die eigene Mutter wird verbal aus dem Fenster geworfen und ein "und dann bist du tot, so!" gibt dem Wunsch noch einmal besondere Schwere.

Selbst Eltern, die bis dato mit voller Überzeugung Attachment Parenting lebten und den Ablöseversuchen ihrer sicher gebundenen Kinder mitfühlend und verständnisvoll entgegentraten, bekommen es nun in der Regel mit der Angst zu tun. Wenn meine Vierjährige mich mit voller Absicht haut, wenn sie versteht, was sie da tut und dass mir das weh tut und sie auch nicht aufhört, wenn ich mit klaren Worten darum bitte - ziehe ich mir dann nicht vielleicht doch den vielfach beschrieenen Tyrannen heran, wenn ich das weiterhin zulasse? 

Die Angst der Eltern 


Eine kleine Umfrage in meinem Lieblingsforum ergab, dass Eltern aggressiver Drei- bis Sechsjähriger große Ängste umtreibt: Dass ihre Kinder diese Methode des Wutablassens für immer beibehalten und auf jede kleine Irritation mit Gewalt reagieren. Dass sie deshalb von anderen Menschen abgelehnt werden und schon im Kindergarten zum Außenseiter werden. Oder dass sie zu erwachsenen Schlägern werden - solche, die Asylbewohnerheime anzünden und jene, die abends wehrlose Opfer auf dem U-Bahnsteig krankenhausreif treten. Diese Gedanken sind mir nicht fremd, auch mich ergreift diese Angst in schwachen Momenten. Ich möchte, dass meine Kinder glücklich sind. Sie sollen dazugehören und Freunde haben und nicht so wütend sein müssen, dass sie den Wunsch haben, anderen weh zu tun oder sie gar zu töten. Deshalb mache ich mich nun in diesem Artikel auf die Suche nach der Ursache von Gewalt und Hass: Was muss passieren, damit ein Mensch böse wird und gibt es etwas, das wir Eltern tun können, um dem entgegenzuwirken? 

Wie wird ein Mensch zum aggressiven Schläger? 


Wenn ein Kind geboren wird, ist es zunächst völlig abhängig von den Eltern und darauf angewiesen, dass sie aus Liebe zu ihm seine grundlegenden Bedürfnisse erfüllen. Zu Zeiten unserer Urgroßeltern, Großeltern und Eltern ging man davon aus, dass diese Bedürfnisse vor allem aus Schlafen, Essen und sauberer Windel bestehen. Erst nachdem die Bindungstheorie einer breiteren Masse an Eltern zugänglich wurde und die Auswirkungen einer nicht bindungsorientierten Erziehung zur Genüge an den älteren Generationen erkannt werden konnte, wurde klar, dass das wichtigste grundlegende Bedürfnis eines Menschen eigentlich darin besteht, für einen anderen Menschen wertvoll zu seinund zwar genau so wie man ist. Kinder wie Erwachsene möchten für andere wertvoll sein, ohne sich verstellen zu müssen.

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieb der amerikanische Psychologe William James, dass
"es tödlich ist, wenn ein Mensch von den anderen nicht anerkannt wird in seinem Sein, dass er sogar noch als Erwachsener daran verrückt werden kann. Menschen können daran sterben" [vgl. Gruen, A. 2001: S. 14]. 
Schon allerkleinste Babys streben danach, für ihre Eltern wertvoll zu sein und tun ihr bestmögliches, um den unbewussten Wünschen ihrer Eltern zu entsprechen, damit sie in Kontakt mit ihnen bleiben können. Denn ohne echten emotionalen Kontakt müssen sie eingehen. Den Eltern ist das oftmals nicht bewusst, auch nicht, welch fatale Rolle sie dabei spielen. Denn ihre Erwartungen und Wünsche an das Kind drücken sich oft unbewusst aus, sie werden von den Kindern mit an ein Wunder grenzender Präzision erspürt und erfüllt, denn sonst - auch das läuft oftmals unbewusst ab - werden die Eltern kalt und emotional nicht mehr verfügbar.

Da aber, wie gesagt, diese emotionale Verbindung, überlebenswichtig für unsere kleinen Kinder ist, verbiegen sie sich und ihre eigenen Bedürfnisse manchmal bis zur Unkenntlichkeit, um den Kontakt zu ihrer primären Bindungsperson aufrecht erhalten zu können. Der Psychoanalytiker Arno Gruen schreibt in seinem Buch "Hass in der Seele. Verstehen, was uns böse macht":
"Kinder können nicht überleben, wenn sie keinen Zugang zu ihren Eltern haben. Deshalb tun sie alles, um den guten Willen der Eltern auf sich zu ziehen, um das aufrecht zu erhalten, wovon sie glauben, dass es Liebe ist. Kinder brauchen Liebe und Zuwendung, um zu überleben und weil sie das so dringend brauchen, können sie es nicht aushalten, wenn Eltern kalt und ablehnend werden" [Gruen, A., 2001: 13].
"Wenn wir ganz früh zum Opfer gemacht wurden, weil die Eltern uns ja in unserem Sein nicht entgegenkamen, bleiben wir gefangen in einem Schuldgefühl. Es geht ja um unser Überleben. Deshalb können wir gar nicht glauben, dass die Eltern uns nicht lieben, dass sie nicht fähig dazu sind. Wenn wir das als Säuglinge erkannt hätten, dann wären wir in eine tiefe Depression versunken und gestorben. Also deuten wir das Geschehen um, um am Leben zu bleiben, nehmen wir also die "Schuld" auf unsere Schultern, wir deuten die Situation gegen uns selbst um, so dass wir fühlen, dass die Kälte der Eltern aus unserem Versagen emporsteigt. Wir sind schlecht. Paradoxerweise rettet diese Schuld aus einer für ein Kleinkind unmöglichen Situation, nämlich aus der Situation, nicht geliebt zu werden. Wir überleben, indem wir uns die Schuld anlasten, indem wir glauben, wir haben etwas nicht richtig gemacht [...] und indem wir glauben: Wenn wir daran schuld sind, wie wir behandelt werden, dann werden wir eines Tages den Schlüssel finden, um uns ändern zu können. [...] Aber wenn wir den Schlüssel haben, dann können [...] die Eltern endlich ihre Liebe zu uns ausdrücken" [vgl, Gruen, A., 2001:45f]. 
Dieses Verbiegen und Unterdrücken eigener Bedürfnisse, um die Bedürfnisse der Bindungspersonen so gut es geht zu erfüllen, ist der entscheidende Schlüssel zu der Frage, warum Menschen böse werden. Zu Schlägern, zu Nazis und Neonazis, zu Mördern. In kleinerem Maße führt das Verbiegen auch zur Oma, die andauernd hinter dem Fenster lauert, um die spielenden Kinder im Hof zu vertreiben, zur Mutter, die am Sandkasten ein fremdes Kind maßregelt, weil seine Mutter in ihren Augen nicht hart genug durchgreift und zum Opa, der sich in der Straßenbahn darüber aufregt, dass das Kind mit Schuhen auf dem Sitz steht.
Cover Wie Frau B so böse wurdeNicht ganz wissenschaftlich präzise kann man sagen, dass das, was man einst kurz nach der Geburt war und was die primären Bindungspersonen jedoch mit unbewusst kalten Reaktionen unterbunden haben, zu dem wird, was man als Erwachsener dann mit Vehemenz in anderen Menschen bekämpft. Dann wird das laute, fröhliche und ungestüme Mädchen, das von allen Seiten hörte, Kinder solle man zwar sehen, aber nicht hören können, zu der verbitterten alten Frau, die es nicht aushalten kann, wenn die Kinder in ihrem Haus auf dem Hof vor Freude kreischen oder sich laut und lebendig miteinander streiten. Diese Lebensfreude der Kinder berührt auf unangenehme Weise das, was sie hätte sein können, aber nicht durfte und das sie aus Liebe zu ihren Eltern tief in sich vergraben hat.  
"Der Fremde in uns ist [...] der Teil, der uns [...] abhanden kam, weil wir kein Echo dafür bekamen, schlimmer noch: weil dieser Teil aus irgend einem Grund von den Eltern, den Erwachsenen, die uns umgeben, nicht angenommen wurde, weil sie sich davor fürchteten oder weil sie davon nichts wissen wollten. Der Fremde in uns ist der Teil, der eigentlich mit uns, wie wir hätten sein können, am meisten zu tun hat. Und das ist unsere Tragödie: Wenn dieser Teil von uns selber zum "Fremden" wird, dann sind wir für den Rest unseres Lebens Getriebene, wir sind auf der Jagd nach diesem Teil, aber nicht in einem positiven Sinn. Wir suchen immer wieder den Kontakt zu diesem uns abhanden gekommenen Teil, um ihn zu bestrafen, um ihm Gewalt anzutun, was wir in unserer eigenen Geschichte erlebt haben. Wir geben andauernd weiter, was uns angetan wurde" [vgl. Gruen, A. 2001: 11].
Dass Kinder von Eltern, die schlagen, oftmals selbst zu Schlägern werden bzw. sich Partner suchen, die sie schlagen, weil sie das für Liebe halten, ist hinlänglich bekannt. Doch dieser Mechanismus wirkt nicht nur im Extremen, sondern in fast allen von uns. Ich kann mich nicht an meine eigene frühe Erziehung erinnern, sie lief wohl ab, wie für die 70er Jahre typisch in der DDR. Ich erinnere mich jedoch sehr genau daran, dass meine Mutter sich zum Weinen immer zurückgezogen hat. Dass niemand sie "so" sehen sollte und dass es mich als Kind schier zerrissen hat, nicht zu ihr gehen zu dürfen, um sie tröstend in den Arm zu nehmen.


Kind sitzt draußen auf dem Boden
Ich selbst habe lange Zeit dasselbe Muster wiederholt, habe mich bei Traurigkeit und Schmerz von meinen Liebenden zurückgezogen und wollte es "mit mir selbst ausmachen". Es hat mich einiges an Kraft und viel Geduld seitens meiner Partner gekostet, das einigermaßen zu überwinden und mich zu öffnen und trösten zu lassen. Trotzdem schaffe ich es nicht, wahrhaftig emotional zugewandt zu bleiben, wenn meine Kinder (scheinbar grundlos) weinen. Ich wünsche es mir und ich arbeite daran, und doch...

Ein paar Monate nachdem unser drittes Kind geboren wurde, hatte eine meiner Töchter eine Phase, in der sie morgens aufwachte, kurz glücklich schien, aber nach ein paar Minuten plötzlich anfing zu weinen. Jeder Morgen wurde zum Drama. Sie stand auf und weinte. Sie zog sich an und war unglücklich. Sie putzte Zähne und schluchzte. Sie sollte sich entscheiden, was sie frühstücken wollte und brach in Tränen aus.... Das brachte mich wirklich, wirklich an meine Grenzen. Ich wollte sie so gern annehmen, ich wollte sie trösten und im Arm halten, bis es vorbei war. Aber mit jedem Tag, der verging, mit jedem Tag, an dem sie wieder weinend aufstand, wurde ich ungeduldiger, ja, sogar innerlich aggressiv. Sätze wie "Nun ist aber mal gut!" und "Es gibt doch gar keinen Grund zum Weinen!" flogen mir über die Lippen, ohne, dass ich sie bewusst im Gehirn geformt hatte. Ich wollte kein weinendes Kind - ich wollte ein glückliches. Denn das Weinen meines Kindes machte mir ein schlechtes Gewissen und diesen Schmerz konnte ich einfach nicht aushalten.

Ich ahnte, dass es wohl meine Entscheidung für ein weiteres Geschwisterchen und die darauf folgende Beschneidung meiner Zeit mit meiner ältesten Tochter waren, was sie unglücklich machte. Also bemühte ich mich redlich darum, Trost zu spenden. Ich nahm sie in den Arm, ich ließ sie weinen. Doch je länger sie in meinen Armen weinte - ihr Schmerz schien nicht enden zu wollen, ihre Tränen versiegten nicht - desto stärker spannte sich in mir ein Band. Ich kann es nicht anders beschreiben als das: In mir brannte der Wunsch, für sie da zu sein, doch dieses Da-Sein zog an meinem Herzen wie ein Gummiband und verursachte mir unsägliche Schmerzen. Irgendwann war das Band bis zum Zerreißen gespannt, mein Gehirn schaltete auf Autopilot: Das Gummiband schnappte zurück, mein Mund sagte: "So, und nun hör mal auf mit dem Weinen, wir müssen endlich losgehen." und der Schmerz in meinem Herzen verging.
Aber nicht in ihrem.  
Cover das RegenmädchenTrotzdem tat sie mir den Gefallen - ihr Weinen wurde von Tag zu Tag weniger. Sie kam nicht mehr zu mir, wenn sie weinte, sondern schluchzte in ihr Kissen. Sie versteckte ihre Traurigkeit, lächelte mich tapfer an, während ihre Augen noch rot waren. Sie fing an, brav mit dem Kopf zu nicken, wenn mir mal wieder ein "Nun ist aber gut..." entwischte.

Mich machte das traurig - und erleichterte mich zugleich. Ich konnte sehen, dass ich ihr die Möglichkeit beschnitt, echte Traurigkeit ohne Schuldgefühle auszudrücken und doch genoss ich es, nicht jeden Morgen ein Häufchen Elend begleiten zu müssen, während noch zwei andere Kinder um meine Aufmerksamkeit buhlten. Meine Tochter opferte ihren Zugang zu einem Teil ihrer Gefühle, damit es mir besser ging. Das Band in meinem Herzen musste sich nicht mehr spannen - sie zog nicht mehr daran...

Wir Menschen reagieren also besonders aggressiv und wütend auf das, was wir in frühster Kindheit von uns selbst verleugnen mussten, damit unsere Eltern uns zugewandt blieben. Jemand, der keine Schwäche zeigen durfte, reagiert besonders heftig auf Menschen, die schwach sind. Jemand, der immer leise sein musste, um nicht zu stören, reagiert ungehalten auf laute Kinder. Jemand, der als Baby resigniert mit dem Schreien aufgehört hat, wird besonders aggressiv, wenn das eigene Baby schreit. Nun sind wir, unsere Eltern, Großeltern und sicherlich auch schon die Generation unserer Urgroßeltern ja erwiesenermaßen nicht besonders bedürfnisorientiert aufgewachsen. Wir sind nach der Uhr gefüttert worden, haben uns in den Schlaf geweint und wenn wir uns weh taten, hörten wir mehrheitlich: "Ist doch gar nicht schlimm, hab dich mal nicht so! Ein Indianer kennt keinen Schmerz" - trotzdem sind wir nicht alle zu U-Bahn-Schlägern und Mördern geworden. Wie kommt das? 

Resilienz und andere positive Faktoren 


Selbst, wenn die echten Bedürfnisse eines Kindes so massiv missachtet werden, wie in der Zeit des dritten Reiches, kann das Gute im Menschen weiterhin siegen. Etwa 30% der Kinder heutzutage wachsen so auf, dass sie ununterbrochen negative Erfahrungen machen [vgl. Gruen, A., 2001, 65]. Sie müssen sich in den Schlaf weinen, werden nicht gefüttert, wenn sie Hunger haben, sondern wenn es "an der Zeit" ist, ihre Bindungspersonen gehen nicht feinfühlig auf sie ein und schon früh werden ihnen böse Eigenschaften zugeschrieben: "Der schreit nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen", "Der tanzt uns auf der Nase rum", "Du bist ein böser Junge", "Immer machst du Quatsch, ich kann mich echt nicht auf dich verlassen".....

40 % der Kinder haben sowohl positive als auch negative Erfahrungen: Sie haben vielleicht einen feinfühligen und einen weniger feinfühligen Elternteil  [vgl. Gruen, A., 2001, 65].  Oder sie wurden zwar im ersten Jahr bedürfnisorientiert behandelt, aber ab dem ersten Geburtstag immer stärker in ein Regelkorsett gezwungen und bei Verstößen vielleicht zur Auszeit ins Kinderzimmer geschickt o. Ä. Möglicherweise werden diese Kinder zwar mit "Wenn... dann..." erpresst, aber die Mutter schafft es trotzdem in anderen Situationen, auf ihr Kind zugewandt zu reagieren. Zu diesen Kindern gehören meine - und ich denke, auch eure. Mit einer Erziehungsvergangenheit wie unserer, ist es uns schlicht unmöglich, immer richtig zu reagieren und das ist auch nicht nötig. Eine "good enough mother", wie Donald Winnicot beschreibt, zu sein, reicht völlig aus.

Wichtig zu wissen ist, dass die positiven Aspekte möglichst überwiegen sollten. Wenn man unter der Dusche steht und 10 Minuten lang nicht hört, dass das Baby aufgewacht ist, und weint, ist das noch lange kein Grund, sich selbst zu geißeln und zu vermuten, die Mutter-Kind-Bindung sei nun zerstört, solange man die überwiegende Zeit des Tages die Signale des Kindes richtig entschlüsselt und beantwortet. Wichtig ist auch, dass das Kind sich selbst im "Strahlen der Augen der Bindungsperson" wiederfindet, d. h. dass die Mutter oder der Vater es voller Stolz und Liebe betrachten und sie ihr Kind, im Großen und Ganzen, ganz und gar knorke finden, wie der Berliner sagt. Dieses echte Glänzen in den Augen der Eltern, wenn sie ihr Kind ansehen, wirkt viel stärker als jedes verbale "Ich liebe dich!"

Cover Ich war die in der SchuleDie letzten 30% der Kinder haben nahezu ideale Eltern und werden wirklich bedingungslos geliebt und in ihrem Selbst angenommen und bestätigt  [vgl. Gruen, A., 2001, 65].  Wer ein gutes Beispiel für diese Art Aufwachsen sehen möchte, dem sei die Familie Stern ans Herz gelegt, insbesondere Andre Sterns Bücher  "Mein Vater, mein Freund" und "...und ich war nie in der Schule". Alles, was ein Kind tut, wird von den Eltern als richtig und notwendig auf dem Weg des Erwachsenwerdens gedeutet. Sie haben ein großes Vertrauen in die Fähigkeit der Kinder, zu kooperieren, so dass ein erzieherisches Eingreifen in den allermeisten Situationen unnötig ist. Die breite Skala aller Gefühle darf bei diesen Kindern zum Tragen kommen und wird liebevoll begleitet. Kinder, die so aufwachsen, entwickeln ein gesundes Selbstwertgefühl und haben als Erwachsene selten Probleme mit Aggression [vgl. Juul, J., 2013: 80].

Zu erwachsenen U-Bahn-Schlägern und Mördern können die Kinder werden, deren echte Bedürfnisse schon früh massiv missachtet, die im Zuge dessen von ihren eigenen Gefühlen quasi abgeschnitten sind. Jene, die früh internalisiert haben "Ich bin schlecht. Weil ich andauernd etwas falsch mache, müssen meine Eltern mich bestrafen." Doch nicht alle werden zu Schlägern! Auch unter diesem 30% der Kinder gibt es jene, die über sich hinaus wachsen und ihre Kindheit hinter sich lassen. Man nennt dieses Phänomen Resilienz - wir werden darüber noch einen ausführlichen Artikel schreiben. Bei wieder anderen bricht die Aggression nur in Zeiten von Unsicherheit aus, bspw. wenn es der Nation gerade wirtschaftlich schlecht geht, bei einer hohen Arbeitslosenquote und schlechten Jobaussichten. Diese Unsicherheit aktiviert die früh verinnerlichten Ängste, welche die Menschen jedoch nicht ertragen können, weil sie sich in solchen ängstlichen Momenten als schwach erleben. Der Ekel über die eigene aufsteigende Schwäche wandelt sich in Aggression um. Man denke nur an den Ausländerhass, der immer dann am stärksten zu tragen kommt, wenn ein extremer politischer Wandel oder hohe Arbeitslosenzahlen die Grundfeste erschüttern [vgl. Gruen, 2001: 67ff].

Insgesamt kann festgestellt werden, dass eine ganze Menge schief laufen muss, bevor ein Mensch böse wird. Leider geschieht das heutzutage immer noch viel zu oft, da sich die breite Masse der Eltern nicht bewusst ist, welche Verantwortung sie gerade in den ersten drei Jahren tragen. Immerhin bemühen sich die jüngeren Generationen der Eltern immer stärker, einen bedürfnisorientierten, feinfühligen Umgang mit ihren Kindern zu pflegen, um ein psychisch gesundes Aufwachsen ihrer Kinder zu begünstigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese bedürfnisorientiert aufgewachsenen Kinder niemals wütend oder aggressiv werden - diese Gefühle gehören zum Menschen einfach dazu. 

Warum werden Kinder manchmal aggressiv? 


Konnte ich euch die Angst nehmen, dass eure Kinder später einmal zu Schlägern werden? Dann lasst uns nun genauer darauf schauen, warum sie manchmal aggressiv reagieren.

Wie ich weiter oben im Text schon mehrmals erwähnte, möchten alle Menschen für eine andere, geliebte Person wertvoll sein. Manchmal kommt in einer Beziehung aber das Gefühl, wertvoll für den andere zu sein, abhanden. Vielleicht ist man frustriert, weil der Partner dem, was man sagt, keine Aufmerksamkeit schenkt und man alles dreimal wiederholen muss. Oder die Ehefrau fühlt sich verletzt, weil sie ihrem Mann für das Studium den Rücken frei hält, indem sie Kinder und Haushalt allein betreut, und er an seinem freien Wochenende dann aber lieber sein Arbeitszimmer aufräumt, als mit seiner Familie auf den Spielplatz zu gehen. 

In Korrelation zur Stärke des Verlustes reagieren Menschen dann mit Graden an Aggression. Hört dein Partner dir einmal nicht zu, dann magst du das noch abtun als Nichtigkeit, passiert das aber häufiger, baut sich innerlich ein großer Frust auf, der sich irgendwann wütend entlädt, z. B. durch einem Streit. Erfährt eine Ehefrau von einer Affäre ihres Mannes, kann es durchaus sein, dass ihr Gefühl, wertvoll für ihn zu sein, so abhanden kommt, dass sie auf ihn los geht, um ihn voller Wut, Trauer und Aggression zu hauen [vgl. Juul, J., 2013: 81ff]. Verliert ein Erwachsener oder ein Kind also das Gefühl, für eine ihm bedeutungsvolle Person wertvoll zu sein, reagiert er mit Aggression - oder Rückzug.
"Ungefähr die Hälfte aller Kinder versucht, ihr Unwohlsein zu verinnerlichen; sie werden introvertiert, leicht zu handhaben und versuchen, nicht mehr Wind als nötig zu machen. [...] du musst ihnen sehr nah sein, um den dunklen Schatten zu erkennen, der sich um ihre Augen, vielmehr ihr Gemüt gelegt hat. Die andere Hälfte wird den Mangel an Wohlbefinden nach außen tragen und später "ausleben", wie man das unglücklicherweise formuliert" [vgl. Juul, J., 2013:87f9].
Während Kinder, die sich in sich zurückziehen, für ihr "gesellschaftsadäquates" Verhalten meist gelobt werden, ernten Kinder, die ihren Schmerz über das Gefühl des Werteverlustes über die Strategie des "Schwierig-Seins" offenbaren wollen, meist herbe Kritik. Dadurch erleben sie sich als noch weniger wertvoll und agieren diesen Schmerz noch stärker aus - ein Teufelskreis, der nur durch die Erwachsenen durchbrochen werden kann.


Kind schleppt riesiges Kuscheltier
Denn Kinder treffen bis zu einem bestimmten Alter keine bewussten Entscheidungen bezüglich ihres Verhaltens. Sie reagieren schlicht und ergreifend auf die Beziehung zu ihren Eltern und die gesamte momentane Atmosphäre, die in der Familie herrscht [vgl. Juul, J., 2013: 84f]. Sie zeigen immer das beste Verhalten, dass sie in ihrem vorherrschenden Gemütszustand zeigen können. Sie sind nicht in der Lage, in diesem Moment ein anderes Verhalten zu zeigen, es sei denn, sie verbiegen sich bis zur Unkenntlichkeit. Zeigt ein Kind also aggressives Verhalten, muss immer der Erwachsene alles daran setzen, die Beziehungsqualität zu verbessern und herauszufinden, warum sich das Kind im Moment als wertlos empfindet. Ein hauendes, beißendes, spuckendes Kind, das nicht mehr nur im Affekt agiert, sondern absichtlich, sendet immer das Signal: "Mir geht es nicht gut. Hilf mir!" Jedes aggressive oder selbstdestruktive Verhalten eines Kindes oder Jugendlichen sollte von Erwachsenen als eine Einladung verstanden werden, seine Welt und seine Gefühle kennenzulernen und das Leben aus seiner Perspektive zu erfahren [vgl. Juul, J., 2013: 88f]. 

Wann genau fühlen Kinder sich nicht wertvoll? 


Die Bandbreite, wann ein Kind sich nicht wertvoll in der Beziehung zu einer wichtigen Bindungsperson fühlt, ist individuell und groß. Jesper Juul schreibt:
"Wenn Eltern einen Konflikt haben und miteinander streiten, wenn ein Elternteil zu viel Alkohol zu sich nimmt, wenn Kinder geschlagen oder sexuell missbraucht werden, [...], wenn sich Eltern scheiden lassen, wenn ein Elternteil oder eins von den Geschwistern einen Selbstmordversuch macht, wenn ein Brief aus der Schule die Eltern verärgert, wenn das Bedürfnis des Kindes, zu kooperieren und sich anzupassen, nicht anerkannt und durch striktes, manipulatives "Großziehen" ersetzt wird, wenn Eltern primär auf die Zukunft eines Kindes fokussiert sind und nicht auf sein momentanes Befinden, wenn Mutter oder Vater eine Affäre haben, wenn das Kind dauernd korrigiert und kritisiert wird, wenn es der Mutter auf die Nerven geht und den Vater ärgerlich stimmt [...]. Die Liste ist unendlich lang" [vgl. Juul, J., 2013: 87].
Viele dieser Gründe sind klar. Doch warum muss ein Kind, das bis zum dritten Lebensjahr vorwiegend bedürfnisorientiert erzogen wurde, aggressives Verhalten zeigen? Viele Eltern haben jahrelang in den Schlaf begleitet (tun es vielleicht immer noch),  Gefühle gespiegelt und benannt, eine "Ja-Umgebung" geschaffen und Wenn-Dann-Drohungen vermieden. Und trotzdem sind ihre Kinder aggressiv! Ja, es scheint sogar so, als wären sie aggressiver und frecher, als die Kinder der Eltern, die konventionell erzogen haben?! Klar, auch die hauen mal zu. Aber anders als bei den bedürfnisorientiert aufgewachsenen Kindern reicht bei ihnen mittlerweile ein Blick der Eltern oder ein "Dann gehen wir nach Hause!" und schon reißen sie sich zusammen. Die bedürfnisorientiert aufgewachsenen Kinder dagegen? Die hauen ihre Eltern dann nochmal extra, um ihrer ersten Aussage Nachdruck zu verleihen.

Ich habe lange gegrübelt und Bücher gewälzt, um herauszufinden, warum das so ist. Warum reagieren bedürfnisorientiert aufgewachsene Kinder mit etwa 3 - 6 Jahren scheinbar aggressiver, als andere? Meine These ist nun diese: Wird ein Kind von Anfang so erzogen, wie es unsere Eltern und Großeltern noch taten, dann kann sich das Selbst nicht frei entwickeln. Soweit sind sich die Experten heute schon sicher. Das Baby entwickelt sich nicht zum Original, sondern zur Kopie dessen, was die Eltern unbewusst wünschen [vgl. Gruen, A., 2001: 12 ff]. Es tut das, um, wie oben schon beschrieben, den lebensnotwendigen Kontakt zu den Eltern aufrecht erhalten zu können. Muss es sich in den Schlaf weinen, auf sein Essen warten etc. fühlt es Angst, nein, Terror sogar, der in seinem gewaltigen Ausmaß abgespalten werden muss, um das Überleben zu sichern. Die Gefühle der Angst werden tief vergraben, es wird ruhig und passt sich an. Dieses Muster zieht sich dann durch seine Kindheit. Gibt es keinen radikalen Wandel in der Ansicht seiner Eltern, werden sie immer wieder so erziehen, dass das Kind ihren Wünschen folgt und nicht seinen eigenen Weg geht. Damit haben die Eltern es tatsächlich viel leichter, ihr Kind mit drei Jahren zu lenken. Es bietet nur noch wenig Widerstand, weil es keinen Liebesentzug erfahren möchte. Wenn euch eure Eltern also erklären, dass ihr "nie so wart" wie die Enkel, dann haben sie vermutlich recht. Die Frage ist, ist das etwas Gutes?

Gott sei Dank dürfen sich heutzutage die meisten Babys zunächst einmal so entwickeln, wie es ihre Natur vorgesehen hat. Sie werden nach Bedarf gestillt und gefüttert, sie werden bekuschelt und bespielt, es wird ihnen feinfühlig zugehört und ihre Signale zuverlässig verstanden. Sie entwickeln in diesem ersten Jahr eine Ahnung von ihrem Selbst und fangen mit 11 bis 12 Monaten an, ihre eigenen Wünsche vehement zu äußern. In diesem Stadium kommt es darauf an, wie die Eltern reagieren. Die eine Hälfte findet, dass es nun Zeit ist, dass die Erziehung beginnt. Sie spricht davon, dass das Kind nun "Böckchen hat" oder ihm "Hörner wachsen", nehmen die Unmutsäußerungen des Nachwuchses nicht an, manchmal ziehen sie sie sogar ins Lächerliche.

Hat ein Kind einen Wutanfall, gehen diese Eltern weg, schieben es in sein Zimmer oder schimpfen mit ihm. Um in Kontakt zu bleiben, müssen die Kinder nun eine andere Strategie entwickeln, da sie Kälte seitens der Eltern nicht aushalten können. Sie passen sich an, es fällt ihnen jedoch ungleich schwerer, denn sie haben ja bereits ein originales Selbst entwickeln dürfen. Dieses nun zu verbiegen, kostet sie und die Eltern einiges an Kraft und Kämpfen, doch es geht: Die Kinder werden sich dem Willen der Eltern beugen. Von nun an wächst das originale Selbst im verbogenen Zustand weiter.

Die andere Hälfte der Eltern versucht, das Verhalten hinter den Wutanfällen zu verstehen. Sie reagieren mit Empathie, verstehen, dass es nicht so leicht ist, Dinge zu wollen, die man noch nicht schafft und zu realisieren, dass andere Menschen manchmal konträre Wünsche zu den eigenen haben. Diese Eltern nehmen das Kind auch in diesem Alter so an, wie es ist. Sie begleiten Wutanfälle, verbalisieren die Gefühle der Kinder, bieten eine helfende Hand aus dem Gemütschaos. Sie lassen die Kinder ihre Umwelt entdecken und wenn sie "Nein" sagen müssen - was sie tun! - dann ohne die Integrität oder den Selbstwert des Kindes zu verletzen. Diese Eltern schaffen es, Dissonanzen auszuhalten und die gesamte Palette ihrer eigenen Gefühle aus- und vorzuleben, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben. Kinder dieser Eltern dürfen dementsprechend ihr angeborenes Selbst weiter ausbilden und das tun sie auch.

Die Zeit vergeht, die Kinder wachsen und werden drei Jahre alt. Plötzlich gibt es in fast allen bindungsorientiert agierenden Familien einen Bruch. Zunächst einmal ist es so, dass die Kinder nun so gut wie aus dem Kindchen-Schema herausgewachsen sind, d. h sie wirken auf die Erwachsenen nicht mehr so niedlich und beschützenswert, wie mit einem oder zwei Jahren. In vielen Fällen kommt nun ein Geschwisterchen dazu, neben dem die Dreijährigen gleich doppelt und dreifach so erwachsen wirken. Kurz: Die Eltern und Großeltern reagieren nun auf das Kind nicht mehr ganz so nachsichtig und verständnisvoll. Für diese Entwicklung haben unsere Kinder sehr feine Antennen - ihnen entgeht die leichte Verschiebung im Liebensverhalten der Eltern natürlich nicht. Das verunsichert sie, was dazu führt, dass sie stärker um Aufmerksamkeit buhlen. Meist in Form von lautem, unangemessenen Verhalten, das die Eltern eher verärgert.

Dazu kommt, dass sich bei den Erwachsenen Zweifel einschleichen. Müsste das eigene Kind nicht langsam mal leiser, angepasster, erwachsener werden? Man sieht die Kinder anderer Eltern auf dem Spielplatz. Sind die nicht irgendwie kooperativer, weniger aufmüpfig? An diesem Punkt fängt es in fast allen Familien an zu haken. Leise, leise flüstern einem die Stimmen der eigenen Vergangenheit ins Ohr: "Siehst du? Ich habe es dir ja gesagt! Du ziehst dir einen kleinen Tyrannen heran. Das hast du nun davon. Andere Kinder hören auf ihre Eltern. Deine dagegen werden ein schlimmes Ende nehmen!"

Kind schlägt Hände vor dem Gesicht zusammen

Die annehmende, verständnisvolle Haltung der Eltern verändert sich schleichend. Plötzlich wird doch versucht, die eigenen Kinder ein bisschen mehr zu erziehen, ihnen doch beizubringen, was gesellschaftsadäquates Verhalten bedeutet. Die Nörgelei beginnt und das Kind versteht die Welt nicht mehr. Irgendetwas ist anders - wo ist denn nur die bedingungslose Liebe hin? Am Anfang kann das Kind die Veränderung noch aushalten. Wie die Ehefrau, deren Mann ihr nicht immer zuverlässig zuhört, tun unsere Kinder unsere anfängliche Nörgelei als Nichtigkeit ab und gehen ihren Weg wie immer. Das frustriert die Eltern nun noch mehr - warum macht das Kind denn nicht, was sie wollen? Sie haben es doch nun deutlich gesagt? Sie verstärken die Kritik, werden lauter, nachdrücklicher. Nun kann auch das Kind den Strom an Vorwürfen nicht mehr ignorieren. Es merkt, dass es die Eltern mit seinem Sein verärgert. Denn das, was es tut, macht es ja zunächst einmal nicht mit Absicht: das wuselige Rumgehopse, das laute Streiten mit der Schwester, das Zuhauen im Affekt, das Kleckern bei Tisch und das wiederholte Umstoßen des Wasserglases, das Hin- und Herflattern zwischen mehreren Spielen oder Aufgaben, die kurze Aufmerksamkeitsspanne, das unaufgeräumte Zimmer, das Nichtvorhandensein eines moralischen Verständnisses ... all das ist Teil des Kind-Seins und völlig normal. 

Wird dieses Verhalten nun bestraft oder das Kind deswegen vollgenörgelt, erlebt es das zurecht als ungerechte Kritik an dem, was es als Menschen ausmacht. Damit kommt dem Kind das Gefühl, so, wie es ist, für seine Eltern wertvoll zu sein, abhanden. Verliert es nun dieses Gefühl, wird es anfangen, seinen Schmerz darüber öffentlich zu machen. Je stärker es den Wertverlust spürt, desto stärker wird das Ausagieren sein.

Und hier ist der springende Punkt meiner These: Kinder, die bis zum dritten Lebensjahr so heranwachsen durften, dass sie das Gefühl hatten, von ihren Eltern bedingungslos geliebt und angenommen zu sein, dass sie um ihrer Selbst Willen geliebt werden und nicht für eine Rolle, die sie spielen, entwickeln ein originales Selbst und damit auch ein starkes Selbstwertgefühl. Versuchen die Eltern dieser Kinder nun aus Angst vor ihrer eigenen Courage, ihre originalen Kinder doch noch in eine Richtung zu erziehen, die diese zur Kopie machen würden, stoßen sie massiv auf Gegenwehr, viel massiver als Eltern, die das schon von Geburt an oder mit einem oder zwei Jahren getan haben.

Die Kinder werden mit allen Mitteln versuchen, ihre Integrität zu wahren. Da ihnen mit 3, 4 oder 5 Jahren meist dazu die Worte fehlen, agieren sie ihr Unwohlsein über diesen sinnlosen, kränkenden Umerziehungsversuch aus: Sie hauen, treten, kneifen und bespucken ihre Eltern. Sie tun das zwar mit Absicht, aber nicht bewusst oder weil sie keinen Respekt haben und zum Winterhoff'schen Tyrannen geworden sind. Sie tun das, weil es der einzige ihnen mögliche Weg ist, auf dem sie ihren Eltern sagen können: "Ich fühle mich von dir nicht mehr gewertschätzt, so wie ich bin. Du willst mich verbiegen. Warum vertraust du mir nicht mehr? Das macht mich so wütend und traurig!"

Ich will euch ein Beispiel aus meiner Familie aufschreiben. Eine meiner Töchter ist ein echtes Sommerkind. Am glücklichsten ist sie, wenn sie morgens einfach nur einen Schlüpfer und ein Flatterkleidchen überwerfen muss und dann losziehen kann. Nun neigte sich der Sommer dem Ende entgegen, es wurde Herbst und kalt. Flatterkleidchen und nackte Füße in Sandalen waren aus meiner Sicht nicht mehr angemessen, also sagte ich zu ihr, sie möge doch eine Strumpfhose, ein Hemd und Halbschuhe anziehen. "Auf keinen Fall!", war ihre Antwort. So kämpften wir ein paar Tage morgens darum, was sie anzieht. Wir stritten und stritten. Ich bestand auf wettertaugliche Sachen, sie bestand darauf, selbst entscheiden zu können, was wettertauglich bedeutet.

Ich wurde laut, sie wurde wütend. Was für eine schreckliche Atmosphäre jeden Morgen! Wir waren alle unzufrieden und unglücklich. Irgendwann machte es "Klick" in meinem Kopf. Ich verstand: Es ist ihr Körper, sie muss selbst entscheiden können, wann ihr kalt ist und was sie dann anzieht. Ich hatte mich zu sehr in der Rolle des sorgenden Elternteils versteckt, das weiß, was gut ist, aber diese Rolle steht mir (in diesem Fall zumindest) gar nicht zu! Ich weiß doch gar nicht, ob meinem Kind kalt oder warm ist, ich stecke ja gar nicht in ihrem Körper drin. Wenn ich loslasse, und sie wirklich allein entscheiden lasse, dann lernt sie viel mehr. Sie lernt, wann ihr kalt wird, was sie dagegen tun kann und welche Klamotten ihr am besten helfen, warm zu bleiben.

Also ließ ich los - ich ließ sie selbst entscheiden. Am Anfang war es so, dass sie wieder im Flatterkleidchen und Sandalen loszog, selbst bei kaltem Regenwetter. Sie fror. Oh, wie sie fror - doch meine mitgenommene Jacke wurde vehement verweigert. Das lag natürlich daran, dass ich sie vorher so gegängelt hatte. Nun war also das Klamottenthema bei uns zu einer Art Machtkampf geworden. Zunächst hatte ich ja mit aller Macht durchsetzen wollen, dass sie sich warm anzieht, nun wollte sie mir mit aller Macht beweisen, dass ein Sommerkleidchen auch im Herbst ausreicht. Erst mit der Zeit, als ich ihre Entscheidungen nicht mehr in Frage stellte, sondern als gut und richtig hinnahm, konnte auch meine Tochter wieder auf mich zukommen. Nach und nach gesellte sich ein Kleidungsstück nach dem anderen in ihre morgendliche Anziehroutine. Sie zog sich immer noch viel kühler an, als ich es ihr vorgeschlagen hätte, aber ihr ging es gut dabei.

Dann kamen meine Eltern zu Besuch... Meine Tochter entschied sich an dem Tag, in Sandalen und ohne Jacke zum Spielen in den Hof zu gehen. Meine Mutter zog verwundert eine Augenbraue hoch: "Muss das Kind sich nicht richtig anziehen?" Ich antwortete: "Sie entscheidet das selbst.", woraufhin meine Mutter in einen längeren Vortrag ausbrach, der mit "Manche Dinge entscheiden eben die Eltern!" begann und mit "... für das Kind das Beste!" endete. Meinem sanften Einwand, ich könne und wolle nicht darüber entscheiden, was für ihren Körper kalt und warm bedeutet, wurde mit einem Stoßseufzer begegnet: Klare Sache, ich machte mir das Mutterdasein zu einfach und kam meinem Erziehungsauftrag nicht nach.

Interessanterweise wirkte dieses Gespräch mit meiner Mutter trotz meines zur Schau gestellten Selbstbewusstseins noch nach und aktivierte in mir verborgene Ängste. Gleich am nächsten Morgen (!), als meine Tochter trotz Regens nach ihren Sandalen griff, platzte es plötzlich wieder aus mir heraus: "Manno, Puppe, nun zieh doch endlich mal deine Halbschuhe an. Es ist Herbst und kalt und ich mache mir Sorgen, dass du krank wirst!" Ich sage euch - die Muster der Vergangenheit sitzen tief und sind schwer zu überwinden. Natürlich weigerte sich meine Tochter. Sie war verletzt, dass ich wegen dieses Themas schon wieder einen Streit mit ihr begonnen hatte und fing an, wütend zu werden und mir ihre Sandalen aus den Händen reißen zu wollen. Was mich wiederum wütend werden ließ - ich donnerte ihre Sandalen in die Schuhecke und sagte pampig "Maaaaaan, dann zieh doch deine blöden Sandalen an!"

trauriges Kind
Sehe ich da ein Augenrollen bei euch? Zu Recht - das war wirklich kindisch von mir. Und dann wird unseren Kindern vorgeworfen, in der Trotzphase zu sein... wenn wir Erwachsenen doch ebenso oft trotzig reagieren, wie sie. Kein Wunder allerdings, dass ich so reagierte - in diesem Moment habe ich mich für meine Tochter nicht mehr wertvoll gefühlt. Sie wollte meine guten Ratschläge nicht hören, mein Wissen war für sie bedeutungslos, also reagierte ich aufbrausend und verletzt. Aus dem selben Grund reagieren übrigens auch unsere Eltern zickig, wenn sie merken, dass wir ihre Ratschläge in Sachen Kindererziehung nicht annehmen wollen: Sie haben das Gefühl, nicht mehr wertvoll für uns zu sein...

Ich habe dann natürlich wieder losgelassen und sie selbst entscheiden lassen. Das hat mich einiges an Kraft gekostet. Wichtig war, nicht nur so zu tun, als fände ich es okay, dass sie sich so kühl kleidet, sondern meinen Blickwinkel wirklich so zu ändern, dass ich mit vollstem Herzen hinter ihrer Entscheidung stand. Erst, als ich ihr ganz ehrlich dazu gratulieren konnte, sich eine eigene Meinung dazu gebildet zu haben, was sie im Frühherbst anziehen möchte, um sich wohl zu fühlen, konnte meine Tochter wirklich frei von Druck entscheiden.

Vorher hatte ich ihr zwar die Wahl gelassen, aber innerlich eine Erwartungshaltung aufgebaut, dass ihr bald kalt werden würde und sie sich doch noch so anziehen würde, wie ich das wollte - diesmal aber aus freien Stücken. Diese innerliche Überzeugung spürte meine Tochter als Druck - auf den reagierte sie mit Gegendruck. Wie erwartet und von meiner Mutter prophezeit bekam sie übrigens irgendwann eine Erkältung. Aber noch vor ihr bekamen die Oma und der Opa Husten und Schnupfen ;-)! Zum Herbst gehören Krankheiten einfach dazu, mit oder ohne festes Schuhwerk. 

Wie reagieren Eltern auf aggressive Kinder und was bedeutet das fürs Kind? 


Fangen Eltern an, das Kind "erziehen" zu wollen, geschieht das meist auch auf unbewusster Ebene. Die Ängste, die uns dazu treiben, unseren Kindern Vorschriften zu machen und sie bei Kleinigkeiten zu gängeln, sind solche, die tief in uns verwurzelt sind und das moralische Vermächtnis unserer Eltern und Großeltern darstellen. Den allermeisten Eltern ist also nicht bewusst, dass sie die Verantwortung für das aggressive Verhalten ihrer Kinder tragen. Da es ihnen nicht bewusst ist, reagieren sie auf die Angriffe ihrer Kinder entsetzt, ungehalten und oft auch wütend. Denn lehnen unsere Kinder unsere Erziehungsversuche so vehement ab, fühlen wiederum wir uns nicht wertgeschätzt in der Beziehung zu ihnen. Es ist doch schließlich so, dass wir nur das Beste wollen, wenn wir unsere Kinder dazu anhalten, im Herbst eine Jacke überzuziehen und vor dem Schlafengehen doch bitte noch einmal pullern zu gehen. Wir wissen schließlich, was passieren kann, wenn sie es nicht tun und wollen - aus Liebe natürlich - unsere Kinder davor bewahren. Wir sind verletzt, wenn unsere Kinder unseren Rat nicht annehmen. Die meisten von uns reagieren auf diesen Verlust des Gefühls, wertvoll zu sein, kurioserweise genauso wie unsere Kinder: Wir brausen auf, werden laut und aggressiv. Natürlich ist bei uns die Impulskontrolle schon voll ausgeprägt, d. h. die wenigsten werden tatsächlich zurück hauen, wenn ihre Kinder sie hauen, doch der Wunsch ist, wenn wir ehrlich zu uns sind, doch immerhin da.
"Ich habe mich sehr oft gefragt, warum wir so sind. Warum werden wir aggressiv, wenn uns das Gefühl, wertvoll zu sein für jene, welche wir lieben, für unsere Kinder [...] etc., abhandenkommt? Warum reagieren wir nicht mit einer Emotion, die in diesem Zusammenhang viel angebrachter wäre - mit Traurigkeit? Es kommt häufig vor, dass wir - nachdem der Wutausbruch vorbei ist - traurig werden. Dennoch scheint es so zu sein, dass wir zunächst unsere Kraft und Macht demonstrieren müssen, bevor wir uns verletzlich zeigen. Was auch immer der Grund für unsere erste aggressive Reaktion ist, wir offenbaren nicht: "Im Moment spüre ich, dass ich wertlos bin: Ich bin für dich und dein Leben unbedeutend": Wir heben stattdessen das Scheitern des anderen hervor, und wenn der Vorfall damit endet, kann keine Entwicklung stattfinden" [vgl. Juul, J., 2013: 82f]. 
Entwicklung aber ist wichtig. Die Entwicklung einer Streitkultur ist ja nun ausgerechnet das, was uns Eltern von aggressiven Kindern am wichtigsten ist. Wir wollen ja gerade, dass sie lernen, wie man angemessen streitet, wenn man sich in seinem Selbstwertgefühl verletzt sieht. Deshalb ist es so wichtig, dass wir selbst lernen, unsere Gefühle angemessen auszudrücken. Beobachtet euch doch mal selbst und guckt, wie es mit eurer eigenen Streitkultur bestellt ist. Ich gehe davon aus, dass ihr niemanden haut oder beißt, doch werdet ihr ganz sicher verbal aggressiv sein und auf die "Schuld" des anderen pochen.

Wenn sich euer Kind weigert, auch nach der zehnten Erinnerung vom Spielplatz loszugehen, werdet ihr es vermutlich wütend an der Hand hinter euch her ziehen oder drohen "Wenn du jetzt nicht sofort kommst, dann...!" - ist das kein aggressives Verhalten? 
Ein Beispiel: Wenn ein zweijähriges Mädchen in seiner Frustration, nicht verstanden worden zu sein, mit ihren Fäustchen auf die Brust seiner Mutter hämmert und dabei gleichzeitig "doofe, doofe, doofe Mama" schreit, kann es zu ganz unterschiedlichen Reaktionen seitens der Mutter (und des Vaters) kommen:
 - Die Mutter legt die Hände auf die Schultern des Mädchens und stößt es von sich weg. Sie schaut es verärgert an und sagt: "Hör auf, mich zu schlagen, und sprich nie wieder so mit mir!" Das ist die Reaktion einer Mutter, die mehr mit ihren eigenen Grenzen beschäftigt ist, als mit dem Wohlergehen der Tochter und dem augenblicklichen Konflikt zwischen den beiden. Es gibt ein Wohlergehen und ein Wohlerzogen und diese Mutter setzt auf Letzteres. Das wird der Tochter nicht schaden, sie wird sich bloß eine Weile einsam fühlen. Wahrscheinlich wird ihr Hämmern noch heftiger und ihre Schreie noch lauter, doch dann wird sie resignieren. Sie wird einiges mehr über die Grenzen ihrer Mutter wissen, jedoch nichts über sich selbst erfahren.
- Die Mutter umarmt ihre Tochter und hält sie, bis sie sich beruhigt hat, und sagt währenddessen: "Es ist in Ordnung, wütend zu sein, mein Liebling. Aber wir dürfen uns nicht gegenseitig schlagen und beschimpfen, weißt du. Mama liebt dich, aber es verletzt Mama, wenn du sie schlägst, wir wollen das nicht, nicht wahr?" Diese Mutter hat eine Mission: Sie handelt im Namen des [Aggressions-]Tabus und versucht, sich vorbildlich zu verhalten - kein gewalttätiges Verhalten. Sie distanziert sich während des Ablaufs, indem sie von sich in der dritten Person spricht, und das entspricht der Tatsache, dass sie eher von der Warte einer Idee oder Ideologie aus spricht, ihre Sprache kommt nicht aus ihrem Körper. [...] Wie berechtigt auch immer die Intention der Mutter ist, wie oft auch immer sie der Tochter ihre Liebe kundtut, sie vermittelt ihr das Gefühl, weniger wertvoll zu sein [...]. Auch dieses Kind wird am Ende zwar mit den Überzeugungen der Mutter vertraut sein, doch ihre Chance, innerlich zu reifen, ist vertan.
- Die Mutter schaut ihre Tochter mit traurigen, beunruhigten Augen an und sagt: "Es macht Mama so traurig, wenn du sie doof nennst. Ich möchte keine doofe Mama sein, ich möchte die beste Mama der Welt sein!" Es gibt keine selbstbesessenere und egozentrischere Antwort als diese! Die Absicht mag zwar sein, das Mädchen zu überzeugen, ihren Ausbruch von Frustration zu beenden, schließlich macht sie die Mutter damit traurig [...], aber gleichzeitig ignoriert diese Mutter völlig die Emotionen ihrer Tochter - und das vermittelt die Botschaft, sie seien für die Mutter von keiner Bedeutung oder keinem Wert. Im Gegenzug wird dies wiederum noch mehr aggressives Verhalten seitens der Tochter hervorrufen. Und auch dieses Mal ist die Tochter um die Gelegenheit gebracht worden, mehr über sich selbst zu erfahren und dabei zu reifen. 
- Die Mutter greift nach den Oberarmen der Tochter, schüttelt sie und sagt mit einer lauten, aggressiven Stimme: "Sag mir nie wieder so etwas! Du bist ein schlechtes Mädel, und jetzt geh in dein Zimmer, bis du bereit bist, dich bei mir zu entschuldigen! Geh!" Um so einem wuchtigen Widerstand zu begegnen, muss man als kleines Mädchen extrem fit und resolut sein. Höchstwahrscheinlich wird sich ein Muster in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter entwickeln: Die Tochter hat immer wieder ihre "Wutanfälle" und muss hinterher die doppelte Demütigung erleiden, nicht wahrgenommen und zudem gezwungen zu werden, sich zu entschuldigen. So etwas hinterlässt beim Kind überhaupt kein Gefühl von Wert, egal, wie sehr es gelobt wird, wenn es "gut" ist. Seine Aggression wird ausgelagert und außerhalb der Familie ausgelebt in der Hoffnung, dass irgendjemand ihm zuhören wird. Und um die Pubertät herum wird seine Beziehung zur Mutter sich in einen Dritten Weltkrieg verwandeln [...]. Die Mutter schlittert von einem Schock in den nächsten, kann aber den Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Tochter und ihrem keineswegs erkennen. Alles, was sie versucht hat, war, ihrem Kind eine anständige Ausdrucksweise und gute Manieren beizubringen [vgl. Juul, J. , 2013, 115ff]. 
- Die Mutter hebt ihre Tochter empört von sich herunter und sagt: "Blöde Mütter haben blöde Töchter und lesen keine Gute-Nacht-Geschichten vor!". Dann geht sie von dem Mädchen weg in ein anderes Zimmer. Dies ist ein klassischer Liebesentzug, der einem momentanen Beziehungsabbruch gleich kommt. Das Kind lernt hier nur, dass seine Gefühle für die Mutter unangenehm sind und besser nicht ausgelebt werden sollten, wenn es weiterhin geliebt werden möchte. Das Mädchen wird versuchen, seine Gefühle effektiv zu unterdrücken, es wird jedoch nicht lernen, sie zu integrieren. Es wird in Zukunft diesen Teil seiner Gefühle vermeiden und Wutausbrüche unterdrücken, um auf der "Sonnenseite" der Mutter zu bleiben. So verbiegt es sich Stück für Stück und wird vermutlich als Erwachsene in Beziehungen die gleiche Taktik verfolgen. Eigentlich ist es doch aber die Mutter, die kindisch reagiert und ihr Verhalten dringend ändern sollte. Liebesentzug ist die schlimmste Art von Folter für unsere Kinder - es ist grausam, sie als Erziehungsmethode einzusetzen! Sie ist aber so erfolgreich, dass sie noch heute weitverbreiteten Anklang bei Erziehungsberechtigten findet - tatsächlich wird durch Liebesentzug unliebsames Verhalten erstaunlich schnell abgestellt.
Der Ausstieg aus diesen unangemessenen Reaktionen ist gleichzeitig sehr leicht zu verstehen und sehr schwer durchzuführen. Es wird euch einiges an Kraft kosten, nicht mehr nach alten, in frühster Kindheit eingeprägten Mustern zu agieren, und doch ist es das wert. Denn je besser ihr euch löst von den Geistern der Vergangenheit, desto weniger destruktive Muster werden eure Kinder aus ihrer Kindheit mitschleppen. Ihr fragt euch nun sicherlich, wie die oben genannte Mutter aus dem Beispiel denn richtig reagiert hätte: 
- Die Mutter hält ihr Kind zwischen ihren Armen, schaut freundlich und direkt in dessen Augen und sagt: "Oje, oje, du bist aber wütend! Ich wüsste gern, was dich so ärgerlich gemacht hat. Kannst du mir das sagen?" Worte, Haltung und Körpersprache der Mutter senden eine äußerst konstruktive Botschaft aus: Egal, worüber du dich so geärgert hast, ich bin für dich da! Gleichzeitig verwendet sie zwei Begriffe - Wut und Ärger - und das ist für ihre Tochter ein Geschenk: Die Mutter liefert ihr Wörter, die den Ursprung ihrer Frustration präzise beschreiben - das macht es der Tochter leichter, ihren Zustand mit beiden Wörtern zusammenzubringen.
Mutter tröstet Kind

Wie sollten Eltern auf ihre aggressiven Kinder reagieren?


1. Bewusstwerden der eigenen Rolle 


Es ist wichtig, dass euch immer bewusst ist, dass es an eurem Verhalten liegt, wenn eure Kinder euch hauen, treten oder verbal beleidigen. Ich sage nicht, dass ihr "Schuld" seid, sondern dass ihr die Verantwortung dafür tragt, dass die Beziehung zu eurem Kind ins Ungleichgewicht geraten ist. In einigen Fällen liegt die Kränkung auch außerhalb der Familie. Es könnte sein, dass die Erzieherin im Kindergarten das Kind nicht mehr wertschätzt und es das deshalb zuhause auslebt. Oder Oma und Opa kritisieren plötzlich das Kind unnötig viel. Auch dann kann es sein, dass es den Schmerz darüber bei euch zuhause, im sicheren Hafen, abbaut. Das Hauen ist nur ein Zeichen. Es bedeutet schlicht "Ich bin unglücklich, da ich das Gefühl habe, für dich nicht mehr wertvoll zu sein.".
"Kinder werden mit einer Palette von vielen unterschiedlichen Emotionen geboren, die sie offen und direkt ausdrücken, um ihren Eltern ihre Bedürfnisse  und Grenzen aufzuzeigen. Ihre emotionalen Reaktionen haben immer einen Sinn, wenn man sie im Kontext der Beziehung betrachtet, jedoch sind diese Reaktionen nicht immer leicht zu entschlüsseln und zu verstehen. Diese Tatsache ist vielleicht die bedeutendste Entdeckung der Entwicklungspsychologie." [vgl. Juul, J., 2013: 113]
Es geht also nicht vorrangig darum, das Hauen "abzustellen", sondern darum, dem Kind wieder das Gefühl zu geben, so, wie es ist, mit all seinen Fehlern, geliebt zu sein. Dazu gehört auch, Entscheidungen des Kindes, die es selbst betreffen (Anziehen, Pullern, Schlafen, Hausaufgaben) als richtig und gut zu akzeptieren. Schafft ihr das, dann hört das Hauen von allein auf.

Es bedeutet jedoch nicht, dem Kind alle Wünsche zu erfüllen, um nur ja einen Wutausbruch zu verhindern. Erwischt ihr euch selbst dabei, auf etwas zu verzichten, oder etwas zu tun, was ihr eigentlich gar nicht machen wolltet, nur, um Schreien oder Hauen seitens eurer Kinder zu vermeiden, dann läuft etwas gewaltig schief. Ihr solltet genau überprüfen, ob ihr eurem Kind etwas erlaubt aus Angst vor seinem Liebesverlust, oder weil ihr mit vollster Überzeugung dahinter steht, dass das, was es möchte, einem wichtigen kindlichen Bedürfnis entspringt. Eine Familie, die auf lautstarken Wunsch des dreijährigen Sohnes quer durch die Stadt zu einem Freibad fährt, obwohl sie direkt neben einem anderen Freibad wohnen und drei der vier Familienmitglieder lieber in das nahe Bad gegangen wären, gibt dem Dreijährigen zu viel von dem, was er nicht braucht und zu wenig von dem, was er wirklich benötigt. 

2. Sich wertschätzend abgrenzen 


Haut euch euer Kind, dann überschreitet es damit eure Grenze. Das müsst ihr nicht aushalten - ihr seid nicht der Boxsack eurer Kleinen. An dieser Stelle habt ihr das Recht, euch abzugrenzen, ja, sogar die Pflicht, das zu tun. Der Punkt ist, wie ihr euch abgrenzt. Leider neigen wir dazu, uns abzugrenzen, indem wir den anderen Menschen in seiner Person herabwürdigen oder ihn mit moralischen Grundsätzen überschütten: "Du bist ein böser Junge!", "So etwas macht man nicht!", "Wir hauen nicht!", "Bist du jetzt wieder lieb?", "Du bist doch schon groß! Da haut man doch nicht mehr wie ein Baby!" sind so Sätze, die uns verflixt schnell über die Lippen huschen. Und weil das unsere Eltern und Großeltern schon so gehandhabt haben, fühlen wir uns, wenn wir kritisiert werden, schnell als gesamte Person schlecht, faul, dumm oder inkompetent und reagieren entsprechend gereizt.

Ein gewaltfreier, wertschätzender Weg wäre, es anders zu formulieren. Haut ein großer Bruder seine kleine Schwester, weil diese ihm ein Spielzeug weggenommen hat, kann man zu dem Jungen sagen:
"Ich möchte nicht, dass du deine Schwester schlägst, aber ich verstehe, warum du so aufgebracht bist. Ich werde dir beibringen, wie du es anstellen kannst, dass dich deine Schwester respektiert. Aber sie ist noch sehr klein, und es könnte eine Weile dauern, bis sie uns versteht." Mit diesem Satz wirst du mehrere Dinge erreichen: - In dem ersten Satz deiner Aussage hast du gezeigt, dass man Grenzen setzen kann, ohne aggressiv oder gewalttätig zu werden. - In dem zweiten Satz erkennst du die Bedeutung der persönlichen Integrität an, und auf diese Weise bewirkst du, dass sich der Junge wertvoll fühlt. Und durch deinen letzten Satz gelingt es dir schließlich, deine Weisheit mit ihm zu teilen, und lässt ihn noch mal spüren, dass er wertvoll ist." [vgl. Juul, J., 2013:111]
Wenn euch das "Ich möchte nicht..." zu lasch für eure Emotionen erscheint, könnt ihr es auch ersetzen mit "Ich hasse es, wenn...", denn es ist wichtig, eure Gefühle nicht zu verstecken und zu schauspielern. Haut euch euer Kind, könnte sich das so anhören: "Aua! Mist, das hat mir weh getan! Mann ey! Ich hasse es, wenn du mich haust .... aber ich glaube, du willst mir damit sagen, dass du nicht damit einverstanden bist, dass ich.... Versuch doch, beim nächsten Mal, mich lieber zu schieben oder laut zu rufen: 'Ich ärgere mich über dich, Mama!', wenn du das Gefühl hast, dass ich dich nicht verstehe." Wichtig ist, euer Kind auch verbal weiterhin als Person anzunehmen. Es muss klar sein, dass das Kind seinen Wert für euch nicht verliert, nur, weil es momentan nicht in der Lage ist, seine Gefühle zu zügeln. 

3. Gesamte Gefühlspalette zeigen und zulassen 

"Wir denken, wir beschützen die Kinder, wenn wir ihnen nicht die Wahrheit sagen. Ein Beispiel: Eine Mutter ist wütend, aber sie denkt: "Man darf doch nicht wütend sein auf sein Kind!" Also tut sie so, als ob sie liebend wäre, obwohl sie Wut spürt. Aber Kinder, ganz kleine Kinder, die haben die wahren Gefühle schon im Mutterleib erlebt, schon durch die Geräusche und Rhythmen der Zirkulation, der Bewegungen der Mutter, ihre emotionalen Zustände, denen sie ja direkt ausgesetzt sind. Sie erleben alles auf empathische Weise. Sie wissen, wann jemand Wut unterdrückt und wann nicht. Eltern möchten gut sein, sie möchten gut dastehen, vor sich und den anderen, deshalb verhüllen sie ihre negativen Gefühle und sprechen mit dem Kind so voller Güte. Das Kind aber erlet und fühlt etwas ganz anderes. Wenn eine Mutter dagegen sagt: "Mensch, wenn du das tust, machst du mich wirklich wütend", dann braucht sie vielleicht gar nicht mehr wütend zu sein, sie kann sogar das Kind halten, sie kann es lieben, sie kann sich dessen bewusst sein, dass etwas passierte, weswegen sie wütend auf das Kind war. Wenn das jedoch nicht möglich ist, wenn die Mutter nicht zu ihren negativen Gefühlen stehen kann, dann darf auch ein Kind seine Wahrnehmungen nicht wahrhaben. Und das, was wahr ist, was aber das Kind nicht wahrhaben darf, wird weggesperrt, wird Teil des Fremden in uns, der fortan nicht mehr leben darf. Natürlich gilt all das auch für den Vater."  [vgl. Gruen, A., 2001, 19]
Es ist also wichtig, authentisch zu sein. Man darf vor seinen Kindern weinen, man darf traurig sein, man darf wütend werden, man darf lachen und glücklich sein. Wenn Eltern immer nur lieb sind und lächeln und auch dann noch freundlich säuselnd vor dem Kind stehen, wenn dieses gerade mit Absicht seine Faust auf die elterliche Nase gehauen hat, wie soll das Kind dann lernen, dass andere Menschen Schmerzen haben, dass sie Traurigkeit empfinden, und Frustration oder Wut? Wie soll es Empathie entwickeln? Denkt aber daran, dass ein völliger Ausraster eurerseits nicht mehr unter "authentisch" fällt - eure Aggression soll eurem Kind keine Angst machen. Wenn ihr so sehr die Kontrolle über euch verliert, dass eurer Kind panisch auf euch reagiert, geht lieber aus dem Zimmer!
 
Genauso wichtig, wie die gesamte Gefühlspalette der Eltern, ist, auch bei Kindern alle Gefühle zuzulassen, sie als richtig und wichtig anzuerkennen. Wie sonst soll das Kind seine Wut und Aggression beherrschen lernen, wenn nicht in täglich kleinen Kämpfen mit sich selbst und seiner Umwelt?
"Die grundlegenden Emotionen, mit denen Kinder zur Welt kommen, werden manchmal auch die "groben" Emotionen genannt [...]: Aggression, Angst, Sexualität, Lust, Liebe. [...] Um ihre Emotionen zu integrieren und sie konstruktiv in der Kommunikation mit anderen einsetzen zu können, müssen sie in der Lage sein, sie auszudrücken und alle Rückmeldungen, die sie aus ihrer nächsten Umwelt erhalten, zu sammeln. Auf diese Weise werden sie ganz selbstverständlich von dem Verhalten ihrer Mitmenschen geprägt, ohne, dass Erwachsene dabei einen pädagogischen Kraftakt vollziehen müssten. [...] Um zu reifen, nuancierter und vollkommener zu werden, müssen diese grundlegenden oder groben Emotionen in der Beziehung zu anderen Menschen zum Einsatz kommen. [...] Für jedes aufwachsende Kind ist die optimale Bedingung dann gegeben, wenn alle diese nuancierten Gefühle direkt aus ihrer emotionalen Quelle herrühren und nicht forciert zustande kommen. Mitgefühl kann in einer echten persönlichen Sprache oder in abgedroschenen Phrasen ausgedrückt werden. Das wird sich am Beispiel des Menschen entscheiden, der Vorbild des Kindes ist. Ein Kind, das in einer Familie aufwächst, in der Liebe an Bedingungen geknüpft ist und Mitgefühl nicht existiert, wird nicht in der Lage sein, echtes Mitgefühl auszudrücken. Kinder müssen immer als Empfänger von Emotionen gesehen werden, um seelisch gesunde Erwachsene zu werden." [vgl. Juul, J., 2013: 114f]
Das bedeutet ganz klar, dass ihr zulassen solltet, dass eure Kinder auch wütend werden. Das passiert in dem Alter noch sehr, sehr oft und meist auch an völlig blöden Orten. Eine meiner Töchter ist einmal in einer Straßenbahn völlig ausgeflippt, weil ihre Schwester ihr den letzten Fensterplatz vor der Nase weggeschnappt hatte. Sie hat getobt! So richtig volle Kanne und natürlich in einer brechend vollen Straßenbahn. Und selbstverständlich wollten die Mitfahrer dieses laute Geschrei nicht hören, wer kann es ihnen verübeln? Sie wussten ja nicht, dass diese Tochter gerade fünf Stunden Bahnfahrt aus dem Urlaub zurück sehr gesittet und leise hinter sich gebracht hatte und nun einfach der Punkt gekommen war, an dem sie nicht mehr konnte. Die Mitfahrer wollten, dass ich mit ihr aussteige - und das habe ich dann auch gemacht. Ich habe dann mit ihr auf dem Bürgersteig den Fensterplatz betrauert und noch zwei weitere Straßenbahnen fahren lassen, bis sie sich beruhigt hatte.

Ich frage mich allerdings seitdem, ob ich den Straßenbahnmitfahrern doch hätte zumuten können, ihr Geschrei auszuhalten. Ich weiß schon, dass "man das nicht macht", aber letzten Endes habe ich sie eigentlich für ihre Gefühle bestraft, indem ich mich dem gesellschaftlichen Willen gebeugt habe, als ich mit ihr ausstieg. Und nun denkt euch die Situationen mal ein bisschen kleiner: Wenn eure Kinder im Supermarkt ausrasten, weil ihr ihnen etwas nicht kauft, wenn sie einen Wutanfall auf dem Spielplatz bekommen, weil der Freund seinen Laster nicht teilen will, wenn sie im Schwimmbad schreien, weil es zu lange dauert, bis sie eingecremt sind - was macht ihr da? Den Wutanfall aushalten und eurer Kind begleiten? Oder schnellstmöglich mit dem Kind gehen, weil ihr die Blicke der anderen nicht ertragt? Ich weiß, dass es super schwer ist, vor den Augen der Gesellschaft ein tobendes Kind zu beruhigen. Ich weiß, wie heiß einem dabei wird und wie peinlich das ist! Aber behaltet eins im Hinterkopf: In genau diesem Moment habt ihr die Möglichkeit, eurem Kind zu zeigen, dass ihr immer hinter ihm steht, dass ihr es immer liebt und dass es euch viel, viel wichtiger ist, als die vielen wildfremden Menschen ringsherum, die ihr vermutlich nie wieder sehen werdet. Was ist euch wichtiger - euer Kind oder euer Image vor den anderen? Würden sich ein paar mehr Eltern trauen, die "Schmach" einen solchen öffentlichen Wutausbruches zu ertragen und ihr Kind an Ort und Stelle in seinen Gefühlen zu begleiten, dann würde das Image der perfekten Mutter, das uns immer wieder das Leben schwer macht, für uns alle so viel leichter zu überwinden sein. 

4. Entwicklungspsychologische Meilensteine kennen 

"Ein durchschnittliches Kind, das in einem sicheren und fürsorglichen Umfeld aufwächst, braucht eine ganze Kindheit experimentellen Lernens, um alle seine aggressiven Gefühle zu integrieren, die destruktiven unter Kontrolle zu bekommen und sie von konstruktiven zu unterscheiden. Wer diese natürliche Entwicklung beschleunigen will, gefährdet die geistige Gesundheit des Kindes und landet womöglich beim Gegenteil von dem, was er ursprünglich durch seine Intervention beabsichtigt hat." [vgl. Juul, J., 2013: 107]
Ich möchte dieses Zitat von Jesper Juul am liebsten ausdrucken und mir aufs T-Shirt bügeln: EINE GANZE KINDHEIT haben Kinder Zeit, ihre Aggressionen unter Kontrolle zu bekommen. Wann endet die Kindheit? Mit der Pubertät, ja? Dann sind das also zwölf, dreizehn Jahre, in denen wir Eltern und ganz beruhigt zurücklehnen können, während unsere Kinder Empathie, Impulskontrolle, Moralverständnis, Ungerechtigkeitsempfinden und Geduld in kleinen und großen Situationen erlernen.

Das Beherrschen dieser Fertigkeiten sind entwicklungspsychologische Meilensteine, die (bei Kindern, die in einem fürsorglichen Umfeld aufwachsen) ganz von allein kommen. Empathie zum Beispiel ist sehr eng verwoben mit der Fähigkeit, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen - das können Kinder aus Hirn-biologischen Gründen erst um den 4. Geburtstag herum. Impulskontrolle ist etwas, was erst zum Eintritt in die Grundschule mit ca. 6 Jahren langsam entwickelt ist, aber selbst in diesem Alter muss kein Kind sich vollständig unter Kontrolle haben (das haben ja nicht einmal alle Erwachsenen.) Auch für moralisches Verständnis und die daraus entstehenden Schuld- und Schamgefühle, wenn man gegen den Moralkodex der Gesellschaft verstoßen hat ("Wir schlagen nicht!"), ist das kindliche Gehirn erst in einem Alter von 5 bis 6 Jahren wirklich bereit - und damit auch dann erst für echt gemeinte Entschuldigungen.

Normales aggressives Verhalten sollte also möglichst gar nicht von Erwachsenen reguliert werden, denn dann entgehen dem Kind wertvolle Lernmöglichkeiten. Es ist sogar so, dass sich bei Einschreiten der Erwachsenen andere, ungünstigere Nervenbahnen in Bezug auf die entwicklungspsychologischen Meilensteine bilden. Wird ein Kind beispielsweise immer von seiner Mutter durch Festhalten, Drohen oder Strafen davon abgehalten, seinen Zwillingsbruder zu hauen, wenn dieser ihm Spielzeug wegnimmt, dann bilden sich Nervenbahnen, die nur dann die Impulskontrolle aktivieren, wenn eine übergeordnete Instanz eine Strafe androht (das kann auch ganz vage "der Staat und die Polizei" sein).

Fällt diese übergeordnete Instanz jedoch weg, z. B. weil das Kind keine Angst mehr vor der drohenden Mutter hat, kann es sein, dass das Kind seine Impulse nicht mehr unter Kontrolle hält. Geht das Kind aber den sehr viel längeren Weg, seine Impulse durch echte Einsicht und Mitgefühl unter Kontrolle zu bekommen, bilden sich Nervenbahnen, die auch in Situationen ohne übergeordnete Instanz greifen. Sprich: Der eine Mensch schlägt und tritt seine Mitbürger nicht, weil er weiß, dass er dafür vor Gericht oder ins Gefängnis kommt; der andere Mensch schlägt und tritt seine Mitmenschen nicht, weil er sich in ihren Schmerz einfühlen kann und sein Mitgefühl seine aggressiven Impulse übertrumpft. Von außen sehen beide Menschen gleich aus und es kann sein, dass beide für immer ein redliches, gewaltfreies Leben führen. Sollte aber die Kontrollinstanz (auch nur vermeintlich) wegfallen, kann es sein, dass der zuerst beschriebene Mensch eben doch zuschlägt und tritt [vgl. Hüther, G., 2013].

Mir ist wichtig, dass ihr das nicht überlest: Der Weg der echten Impulskontrolle durch Einsicht und Mitgefühl ist sehr viel länger, als die anerzogene Impulskontrolle, weil die dazugehörigen Nervenbahnen länger und komplizierter vernetzt sind. Es dauert! Es dauert und dauert. Eine ganze Kindheit lang dauert es. Also werdet bitte nicht ungeduldig mit euren Kindern, okay? 

5. Normale Arten von Aggression kennen und akzeptieren 

"Aggression ist sehr viel mehr als Wut, Reizbarkeit, Schreien und Brüllen. Ohne Aggression wären wir nicht imstande, uns Ziele zu setzen und sie zu verfolgen. Wir wären nicht fähig, Karriere zu machen, guten Sex zu haben oder unsere Träume zu verwirklichen. Wir könnten nicht Fußball oder Tennis spielen und auch keinen Marathon zuende laufen. Wir wären nicht in der Lage, jemanden zu verführen, unsere Grenzen zu bestimmen oder unsere Kinder zu beschützen. Wir würden keine Klippen ersteigen, nicht gegen Krebs kämpfen oder einen Diktator stürzen. [...] Nur wenn wir unsere Aggression in Form von Gewalt an anderen Menschen auslassen, deren hab und Gut oder öffentliches Eigentum zerstören, wird sie destruktiv." [vgl. Juul, J., 2013: 108].
Kinder sind von Natur aus aggressiv - das ist zunächst einmal keine schlimme Tatsache. Schlimm ist, dass Aggression in unserer heutigen Gesellschaft so sehr zum Tabu gemacht wird, dass schon Zweijährige zum Kinderpsychologen geschickt werden, weil sie in der Krippe ein anderes Kind gebissen haben. Diese Entwicklung finde ich sehr besorgniserregend. Ich kann natürlich verstehen, dass die Eltern des gebissenen Kindes ihr Kind gerne unversehrt aus der Fremdbetreuung abholen möchten - das will ich auch. Doch diese Hexenjagd, die mittlerweile mehr und mehr zum Standard wird, wenn Kinder eigentlich völlig altersadäquate Verhaltensweisen zeigen, ist problematisch. Denn wenn unsere Kinder für Taten, die sie noch nicht willentlich steuern oder unter Kontrolle bekommen können, immer wieder die Rückmeldung erhalten: "Das, was du tust, ist böse!", dann entwickeln sie ganz automatisch ein "böses" Selbstbild - und handeln immer wieder danach.

zwei Kinder auf einer TreppeEs ist wichtig, dass wir Erwachsenen uns so gut es geht raushalten aus den Rangeleien der Kinder. Sie sollten die Chance bekommen, das unter sich zu Regeln, gerade auch Geschwister. Nur so lernen sie, ihre Impulse wirklich und wahrhaftig zu steuern, Freundschaften aufrecht zu erhalten und Streit selbständig zu beenden. Mischen wir Erwachsenen uns ein, werden wir immer zum Schiedsrichter und nehmen immer Partei für die eine oder andere Seite. Das macht alle unzufrieden. Lasst sie es stattdessen selbst versuchen, nur so können sie es lernen. Und wenn eure Kinder aus Stöckern Pistolen und Schwerter basteln und damit aufeinander losgehen, dann lasst sie. Wir gucken auf diese Szenen mit einem viel zu erwachsenen Blick. Unsere Kinder wollen niemanden wirklich "totschießen" - sie begreifen ja nicht einmal wirklich, was tot bedeutet. Die Pistolen und Schwerter in ihrer Hand symbolisieren für sie Kraft und Macht und lassen sie größer und stärker erscheinen, als sie sich in Wahrheit fühlen. Es ist eine ganz normale Phase, die vorbeigeht und bedeutet nicht, dass euer Kind deswegen mit 19 Amok laufen wird! 

Fazit 


Anders als das aggressive Verhalten, das Kleinkinder zeigen, weil sie eine nur wenig ausgebildete Impulskontrolle haben und noch keinen Perspektivenwechsel einnehmen können, hat bewusstes Hauen, Treten oder Beißen eurer größeren Kinder immer eine Botschaft, die es zu entschlüsseln gilt. In den allermeisten Fällen lautet die Botschaft, dass das Kind das Gefühl verloren hat, für seine wichtigsten Bezugspersonen wertvoll zu sein. Eure Aufgabe ist es, diese Botschaft anzunehmen und die Beziehung wieder ins Lot zu rücken, während ihr gleichzeitig eure Grenzen darlegt und andere Strategien für das Kind aufzeigt, auf sein Bedürfnis aufmerksam zu machen.

Vertraut auf die Fähigkeiten eurer Kinder - sie tragen alles in sich, um ohne großen Aufwand zu lernen, wie man sich gesellschaftsadäquat verhält. Sie brauchen nur Zeit - viel Zeit - und viele Möglichkeiten, sich und ihre Gefühle kennenzulernen und zu regulieren. Das klappt am besten, wenn sie das ohne Scham und schlechtes Gewissen üben dürfen. 

© Snowqueen 

Kommentare:

  1. Ganz ehrlich, ich könnte Dich jetzt knutschen!!! Ich hab grad echt so ein bisschen Pipi in den Augen, weil Dein Beitrag jetzt auch wieder mal sowas von zur rechten Zeit kommt.
    Wir stecken da mit unserem Großen auch grad mittendrin. (5 Jahre - kl. Bruder 2). AP hat eigentlich wunderbar geklappt und dann auf einmal denkst Du- hab ich alles falsch gemacht? Kinder wollen kooperieren? Kinder ahmen nach, das ist wichtiger als erziehen? Warum um alles in der Welt ist ganz plötzlich alles anders? Dein Kind 180 Grad anders? "Peng Peng Du bist tot" das tut jmd sendiblen wie mir so weh. Wo wir hinkommen bekommen wir grad Ärger. Man denkt wirklich irgendwas stimmt da nicht. Und Deine Worte lassen mich doch einfach wieder aufatmen, machen Mut das Vertrauen das uns bis hier her gebracht hatte nicht zu verlieren. Danke!!!!!!!!!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. DANKE...uns geht's genauso...Bruder 4, Schwester 4 Monate.....ich sehe Licht am Ende des Tunnels...

      Löschen
  2. Kurz und bündig: Danke.

    AntwortenLöschen
  3. Danke für diesen ausführlichen und aufschlussreichen Post. Ich habe ihn mir markiert und werde bestimmt noch oft nachlesen müssen. Noch ist meine Tochter mit 8,5 Monaten zu klein für spektakuläre Wutanfälle, aber ich habe mich schon öfter gefragt, wie ich mit ihrem Frust umgehen soll (den sie auch jetzt schon hat, wenn etwas ihrer Selbstbestimmung in die Quere kommt).

    Mir wird immer klarer, wie wichtig es ist, die eigenen Baustellen aufzuarbeiten. Und ich bin irre froh, dass ich das in den letzten Jahren getan habe. Hätte ich meine Tochter mit Mitte 20 bekommen, ich hätte garantiert meine eigenen Kindheitsschmerzen volle Pulle in die Beziehung zu ihr kopiert. Und ihr damit ebendiese Schmerzen zugefügt. Was ist so ungefähr als Allerletztes möchte.

    AntwortenLöschen
  4. Für mich kam der Artikel auch genau zur richtigen Zeit. Genau die Frage hab ich mir in den letzten Monaten so oft gestellt: warum ist mein Kleiner oft so aggressiv, dreht richtig durch, obwohl wir ihn immer bedürftnisorientiert begleitet haben... Das war oft sehr schlimm für mich weil ich wirklich dachte, ich habs doch falsch gemacht.... deinen Bericht zu lesen tat jetzt echt gut :-)

    Unsicher bin ich aber dennoch, wenn Situationen auftreten wie gerade heute Abend erst. Mein Kleiner hat mit seinem Meterstab gespielt, der dann plötzlich auseinandergebrochen ist. Er ist sofort total ausgerastet, hat geschrieen, mein Küchenschränke auf und zu geknallt, blöde Mama gebrüllt, auf den Boden gespuckt usw. usw..... In so einer Situation fühlt er sich ja dann nicht wertlos, sondern ist einfach stinkesauer und traurig. Da richtig zu reagieren find ich auch schwer, ich musste ja schon deutlich eingreifen damit nicht alles zu Bruch geht, auf den Boden spucken find ich auch nicht grade toll. Ich hab mich dann zu ihm runtergebeugt und gesagt dass ich verstehen kann dass er wütend ist aber dass ich nicht möchte dass er spuckt und meine Sachen kaputt macht. Bewirkt hat das nicht allzu viel.... Aus welchem Grund sind in solchen Situationen die Ausraster oft so extrem, also auch ohne das "Wertlos-Gefühl"?

    Genauso schwierig finde ich es, wenn er seinen kleinen Bruder (9 Monate) schlägt oder beißt (oft auch aus Zorn wenn bei ihm was nicht klappt oder er was verboten bekommt). Du schreibst, man soll nicht eingreifen, die Kinder und Geschwister das unter sich ausmachen lassen. Oder ganz ruhig sagen, Du, das will ich nicht. Aber oft muss man halt auch mal schnell und energischer eingreifen, ich kann ja nicht warten, bis der Kleine vor Schmerzen brüllt oder ernsthaft was passiert....

    Grad sagt er auch sehr oft "Scheiße Mama" oder "Scheiße Papa" (Worte die er vom Kindergarten kennt aber natürlich auch schonmal daheim gehört hat...). wir sagen ihm ständig, hör bitte auf damit, das macht uns traurig, wir wollen das nicht... Aber beim nächsten Wutanfall kommts wieder..

    Das sind grad noch so meine "Probeme" und Fragezeichen ;-) Vielleicht hast Du ja hierzu auch ein paar Tips :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. In Situationen wie mit dem Meterstab habe ich die Erfahrung gemacht, dass viel Text und Verständnis gar nicht mehr durch die Wutschleier durchkommt. Am schnellsten wirkt bei uns dann fast noch "Karpen": "Du bist sauer, du bist traurig, du bist sauer, du bist traurig...." in Endlosschleife, bis von Seiten des Kurzen ein erlösendes "Jaaaaaaaa" kommt und er sich in meine Arme flüchtet, um sich trösten zu lassen.

      Löschen
    2. Liebe Anonym, warum er so extrem reagiert, auch ohne Wertlos-Gefühl? Weil Enttäuschung im selben Hirnareal verarbeitet wird, wie körperlicher Schmerz und er in diesem Moment, nunja, Herzschmerz hatte. Und du hast Recht - dein Beispiel hat nichts mit dem Verlust des Wertgefühls zu tun, wie ich es beschrieben habe. Dein Sohn hat im Affekt so ausagiert. Das ist für dich nicht schön und seeeehr anstrengend, aber immerhin kannst du dir auf die Schulter klopfen, dass eure Beziehung nicht der Auslöser für diesen Ausraster war. Bei uns hilft da immer gut das Karpen, welches ich in meinem Autonomie Artikel beschrieben hatte. Liebe Grüße, snowqueen

      Löschen
    3. Noch vergessen: Ja, du musst eingreifen, wenn er den kleinen Bruder beißt. Das ist ein ganz schwieriges Thema, das sicher noch einen eigenen Artikel bekommt.

      Zur 'scheiße Mama': Sag ihm nicht, dass dich das traurig macht (Kann er schon deine Perspektive schon einnehmen? Deinen Schmerz nachfühlen?), sondern übersetze seine Worte; 'Du ärgerst dich gerade über mich!' 'Du bist wütend auf Papa, weil...' Denn eigentlich ist es ja das, was er sagen will, er findet nur nicht die richtigen Worte dafür. Die kannst du ihm aber geben.

      Löschen
  5. DANKE!!! Für diesen ehrlichen, ausführlichen, informativen, tollen Artikel! Das sollte wirklich jeder Mensch lesen, egal ob Eltern oder nicht! Bitte mer davon!

    AntwortenLöschen
  6. Auch von mir ein großes DANKE! Ich bin auch ständig hin und her gerissen zwischen den "alten Weisheiten" der Erziehung von Eltern und Großeltern und meiner eigenen Überzeugung (mittlerweile geprägt und bestätigt durch euren Blog :) ). Und ich kenne das Gefühl nur zu gut, wenn man zweifelt, weil die Kinder der anderen so "brav" sind; wenn die eigene Mutter wieder mit dem Kopf schüttelt und das Gefühl der Unfähigkeit in mir hochkocht.
    Danke für diese wertvolle Hilfe und unterstützung dabei, so weiterzumachen, auch wenn wir noch lange nicht zu den 30% "nahezu idealen Eltern" gehören werden. Nicht nur ich falle immer mal wieder in das alte Muster zurück, sondern auch mein Mann ist sehr klassisch erzogen und reagiert auf Wut und Aggression der Kinder oft selbst aggresiv oder zutiefst beleidigt und abgrenzend. Ich wüsste gern, wie ich IHN dazu bringen kann, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Leider fasst er Ratschläge überwiegend als Kritik an sich selbst auf und verschmäht daher jegliche sogenannte "Ratgeberliteratur". Vielleicht habt ihr ja auch dazu einen Tipp.
    Ansonsten aber wirklich nochmal DANKE DANKE DANKE!
    Susanne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Susanne, das Problem mit dem resistenten Mann kennen wohl viele. Im Prinzip hilft nur 'Gewaltfreie Kommunikation' nach M. Rosenberg, aber selbst damit könnte er sich angegriffen fühlen. Es ist einfach ein hoch sensibles Thema. Denn wenn man Ratschläge bekommt, wird man ja quasi kritisiert und das bedeutet zwangsläufig, dass man das Gefühl, für den anderen wertvoll zu sein (ein wertvoller Mit-Erzieher der Kinder), verliert...

      Löschen
  7. Grossen Dank für diesen Artikel und die darin enthaltenen nützlichen Anstösse!
    Zu Deinem Strassenbahnbeispiel: Ich finde es nicht negativ, in solchen Situationen auszusteigen. Ich erlebe es oft als positiv mit meinem Fünfjährigen, wenn ich ihn aus einer solchen Situation "entferne". Wenn "es" ihm sowieso schon ausklinkt, und dann noch zig Leute auf ihn und mich einreden, dann stresst uns das beide noch viel mehr - und ich lasse mich eher zu einer andressierten Impulshandlung herreissen. Dann ist es besser, wegzugehen, um in Ruhe aufs Kind eingehen zu können. Das Weggehen und die Aussage "komm, wir setzen uns mal ein paar Minuten dort drüben hin" erfüllen dann gleich eine doppelte Funktion. Einerseits eine Botschaft an die Umstehenden ("ich kümmere mich um mein Kind, ihr müsst euch nicht mehr einmischen") und andererseits aber auch eine Botschaft ans Kind ("ich beschütze dich vor den Leuten, die nicht verstehen dass du nicht böse bist, sondern frustriert"). Und dann kann er in Ruhe "runterkommen" und wir diskutieren darüber, welches Verhalten eher angemessen gewesen wäre und wie er ein nächstes Mal besser reagieren könnte, und auch, welches weitere Vorgehen angemessen wäre (sich beim Spielgefährten entschuldigen, Wiedergutmachung vorschlagen,....) und entscheiden dann gemeinsam.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich danke dir für diesen Blickwinkel auf das Straßenbahnbeispiel! Nun fühle ich mich tatsächlich besser. Mich hat dieses Aussteigen doch sehr gequält, weil ich fand, dass ich einfach nicht hinter meinem Kind stand. Dein Gesichtspunkt beleuchtet das jetzt aber durchaus noch einmal anders!
      LG, snowqueen

      Löschen
  8. Danke für diesen Beitrag! Ich stimme vielem schon aus eigener Erfahrung zu. Kinder in unserer Welt zu begleiten ist unter anderem auch permanente Reflexion und "Selbstarbeit". Gott sei Dank gibt es uns Therapeuten;) Nun die Frage stellt sich mir jedoch auch, warum mein Jüngster unter den Schlägen des älteren Bruders leiden soll und ich trotz Hilferufe nicht eingreifen darf. Da liegt gewiss ein Missverständniss vor. Dieses Thema wurde nicht genügend aufgegriffen. Mein jüngster lernt momentan nur dadurch das schlagen "die" Lösung ist. Pullert ein vor Angst vor seinem Bruder und fluechtet sich in Fantasiewelten.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Frau Fröhlich - das stimmt, das kam in dem Artikel zu kurz. Ich denke, dieses Thema ist nochmal einen ausführlicheren Artikel wert. Hier nur kurz: Aus vielen Situationen heraushalten heißt, nicht aus allen. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, zu sagen, was ich sehe: 'Ihr streitet euch um die Puppe. A gehört sie, aber B spielt gerade damit. A, du möchtest das aber nicht und willst die Puppe nun selbst haben' - damit habe ich erstmal das Hauen unterbrochen. Dann gehe ich wieder mit den Worten: 'Ich bin sicher, ihr findet einen friedlichen Kompromiss.' und lasse sie das selbst aushandeln. Normalerweise haben sich die Gemüter durch diese Unterbrechung schon abgekühlt, und sie finden dann eine Lösung, aber ich musste keine Partei ergreifen...

      Löschen
  9. Ich hab das jetzt anders verstanden. ES heißt ja, "so gut es geht, raushalten, ihnen die Chance geben, es selbst zu regeln".

    Ich erlebe nämlich oft, dass, kaum tickt ein Kind ein anderes an, die Eltern schon hinsprinten, eingreifen, maßregeln etc. Statt dessen kann man ja angemessen ( also nicht wenn ein Kin mit nem Stock aufs andere losgeht oder so) mal abwarten , was passiert.

    Wenn es eben nicht geht, klar, dann muss man eingreifen, ich erlebe aber viele Situationen, wo die Kids, ähnlich stark, dass ohne große Blessuren selber regeln würden, würde man sie mal lassen.

    AntwortenLöschen
  10. Danke für das Beispiel mit den Sandalen. Genau dasselbe Thema haben wir mit unserem Sohn hier auch. Ich bin auch dafür, dass er die Sandalen anziehen kann, gerate aber deswegen immer in Konflikt mit dem Papa. Bisher haben mir immer die richtigen Argumente gefehlt. Jetzt habe ich ihm den Artikel zum Lesen gegeben. Bin gespannt auf die Reaktion.

    AntwortenLöschen
  11. Vielen, vielen Dank für den tollen Artikel. Jetzt weiß ich, was uns erwartet :) Wobei ich es schwieriger finde, meinem Mann die "Unerzogen"-Sichtweise näher zu bringen als meine eigene Kindheit aufzuarbeiten...

    Zur Zeit entwickelt meine fast 1jährige Tochter sehr stark ihre eigene Persönlichkeit und hat dieses "Ich-will-das-SOFORT-haben"-Schreien. Ich gebe es (wie z.B. Handy) ihr entweder und warte bis sie an der Sache das Interesse verliert, um es stillschweigend wegzupacken oder sage ihr, dass ich es gerade brauche und trage sie woanders hin, um sie abzulenken. Meinst du, dass das richtig ist oder bin ich da nicht konsistent genug? Ich habe eine sehr strenge Erziehung "genossen" und bin da manchmal verunsichert...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Für eine Einjährige finde ich dein Vorgehen prima. Als dritte Alternative kannst du auch (bei wichtigen Situationen wie Straße oder Steckdose) ganz deutlich 'Nein!' sagen und dann zugewand und verständnisvoll den darauf folgenden Wutanfall begleiten ('Karpen'). Denn manche Grenzen müssen wir setzen, auch schon bei Einjährigen, der Unterschied besteht dann eben in der liebevollen Begleitung der wütenden Gefühle. LG, snowqueen

      Löschen
  12. Der Artikel kommt auch für mich gerade richtig! Meine Tochter wird 3. Tragen, Familienbett und Stillen für uns völlig normal. Nur sie hat So viel angefangen zu nörgeln, haut mich, haut den Hund... Ich habe ein paar mal das Wenn-Dann Prinzip angewandt. Oft war ich verständnisvoll, bis zu einem gewissen Punkt. Meine Tochter steht auf und jault rum, kein Frühstück ist ihr gut genug... Ich frage dann warum sie jault. Sehe ich keinen Grund kommt die Wendung "Du musst doch gar nicht rumjammern, andere Kinder können jammern, immer jaulst du...!" Dabei ist der Verstand noch nicht dort wo man manchmal vermutet und ich habe auch gemerkt wie sehr Einflüsse von aussen die Kinder wütend machen können. In der Krippe war sie lange eingewöhnt und war stolz zu den Goßen zu gehören, jammerte zuhause aber ständig, ich hatte nach der Arbeit echt keine Lust auf sowas und dann hatten wir Termine oder wollten zum Musikgarten und ich hatte schon panische Angst davor dass ihr Platz ganz vorne im Bus besetzt ist... Nach einigem Nachdenken wurde mir klar die neue Gruppendynamik und zu den "Großen" zu gehören kann ganz schön anstrengend sein. Die neuen Kleinen bekommen weit mehr Aufmerksamkeit, werden häufiger getragen, beim Essen begleitet und und und... Dazu noch Oma und Opa bei denen meine Tochter manchmal ist (ich bin allein erziehend) die dann sagen "Du musst nicht weinen, du bist doch schon groß..." Oder "sag das ordentlich, du bist doch kein Baby mehr..." Ich begreife erst jetzt das ich das zuhause abfangen darf und oft bin ich auch gar nicht das eigentliche Ziel sondern nur das Gefühl... Manchmal trifft es den Hund, ein solches Gefühl. Meine Tochter hatte ihn einmal mit einem Hammer gehauen, völlig unverständlich für mich, ich habe ich immer Empathie vorgelebt, ich habe ich oft erklärt dass dem Hund das weh tut... Und da habe ich sie vor die Tür gesetzt um ihr mal "eine Grenze aufzuzeigen"! Jetzt sehe ich dass es nicht um den Hund geht sondern nur umndas Gefühl der Wut, das seinen Ursprung ganz woanders haben kann. Ich fange sie jetzt mehr auf und sie darf auch öfter rumnörgeln wenn der Kindergarten vielleicht stressig war, auch wenn Oma und Opa meinen ich ziehe mir einen Tyrannen heran. Jetzt sage ich einfach: Sie kann auch jaulen wenn sie will...

    AntwortenLöschen
  13. einfach wundervoll eure ansichten und deine eigenen Erfahrungen. wie du deine Fehler zugibst, das erleichtert mich, dass auch andere Eltern mal ausrasten..So hilfreich alles. ihr müsst auch Bücher schreiben, genauso "kurz und bündig" mit den verschiedenen Themen, ich würde sie alle kaufen, es würde sich So schnell rum sprechen, Hebammen würden sie weiter empfehlen und sie ließen sich zur Geburt super verschenken. ich danke euch so sehr für das wissen und eure Erfahrungen.

    AntwortenLöschen
  14. Wow! VIELEN DANK
    Seit über einem Jahr merke ich, dass ich mit meinem Sohn nicht mehr so gut klar komme, wie ich es mir eigentlich wünschen würde. Mit 2,5 Jahren endgültig abgestillt dann wurde ich schwanger und war oft einfach nur ko und deshalb auch immer öfter genervt. Vor allem weil der Große auch immer mehr "Dummheiten" im Kopf hatte. Dann kam der Kleine auf die Welt und statt dass es wieder leichter wurde (ja, das hatte ich geglaubt), wurde es nur schlimmer. Morgendliches Theater, immer mehr "Machtkämpfe". Sehr schlimm war das für mich, weil ich diese von Zuhause kannte und nie so werden wollte. Ich habe wieder Ratgeber gelesen, mit Freunden gesprochen, war auch bei einer Beratungsstelle für Mütter wg Depressionen. Es hatte sich aber über die ganze Zeit ein eher negatives Bild von meinem Großen eingeschlichen, das mich sehr störte, aber ich konnte es nicht ändern. Ich wollte ENDLICH wieder zu meiner alten Gelassenheit zurückfinden und die alte super Beziehung zu meinem ersten wichtigen Kind zurück. Keiner konnte mir helfen. Schließlich habe ich im Internet nach anderen Kriterien gesucht, warum mir das nicht gelingt und so bin ich plötzlich auf dieser Seite gelandet. DANKE lieber Gott! DAS ist es! Wovon ich 3 Jahre lang überzeugt war und dann angefangen habe zu zweifeln und nicht mehr aus der negativen Spirale rauskam. Insbesondere dieser Artikel hat mir sowas von die Augen geöffnet! Ich liebe Dich! Danke!
    Mein Sohn hat mich heute beim Schlafengehen sooo süß angeschaut, da wusste ich, ich hab's wieder drauf :-D
    Ich muss nur noch einen Weg finden, nicht wieder in die blöden Verhaltensmuster zurück zu fallen. Aber ich weiß ja jetzt, wo ich nachlesen muss. ;-)

    MaChriLouJa

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für dein Feedback, das hat mich sehr berührt!
      LG, snowqueen

      Löschen
  15. ein unglaublich spannender Artikel... ihr habt mich tief bewegt und auch ziemlich verstört. wenn ihr jetzt noch einen Artikel schreiben könntet, wie man als erwachsener mensch damit umgehen kann, von den Eltern nie geliebt und gewertschätzt worden zu sein. ich bin so froh, dass wir es tatsächlich ganz anders mit unserem Söhnchen hinkriegen. der macht sich aber auch so toll in seinem eigenen weg, dass ich ihn immer machen lasse. er hat eigentlich immer mein vollstes Verständnis. und immer wenn ich ihn gedankenversunken anschaue, kommen all die schlechten Gefühle meinen eigenen Eltern gegenüber hoch, ich wünschte ich könnte das endlich abschütteln :( keiner aus einem intakten Elternhaus kann glaube ich nachvollziehen, wie kaputt, zerrissen und entsetzlich allein man sich innerlich fühlt, wenn die eigenen Eltern einen nicht lieben konnten.
    danke noch mal für den tollen Artikel.

    AntwortenLöschen
  16. Oh wow! Bei dem Artikel flossen Tränen und ich musste auch immer wieder lächeln. Immer wieder habe ich mich wiedererkannt und besonders Familiensituationen, in denen ich gerade stecke. Einer ist 4, der andere 2. Der Kleinste beisst, der Große ist gerade extremst laut. Manchmal komme ich mir vor wie im Zoo. :D na klar, AP war von Anfang an dabei. Einfühlungsvermögen und Verständnis das Wichtigste. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte das alles bekommen, dann wäre vieles für mich jetzt einfacher.
    Manchmal sag ich allerdings auch, dass ich einfach auch NUR ein Mensch bin, nicht immer funktionieren kann. Besonders wenn der Schlaf durch Krankheiten oder sonstige unruhige Nächte fehlt. Dann ist es an der Zeit, dass ich den Kindern mitteile, dass ich auch gerade wütend bin oder müde oder oder oder. Genau!! das Wichtigste ist, meine Gefühle zu kommunizieren, damit sie verstehen, was bei Mama gerade abgeht. Und dadurch lernen sie, ihre eigenen Gefühle zu verstehen.
    Toller Artikel, wird gleich viral Verbreitet! :)

    AntwortenLöschen
  17. Danke vielmals für diesen super Artikel! Ich bin seit Wochen genau an diesem Punkt wo ich nicht mehr weiter wusste mit meinem Sohn, er schreit mich an und haut mich... Dank dir ist mir jetzt alles klar! Ich muss mich ändern, ich muss meinen Sohn wieder bedingungslos Lieben, ihm vertrauen, nicht an ihm rum nörgeln, ihm die Zeit geben die er braucht und vorallem für ihn da sein, er ist ein Kind und nicht ein Erwachsener. Auch ich habe geweint beim lesen, weil mir alles so klar wurde, was sich bei uns gerade schief läuft, jetzt kann ich es ändern, mich wieder in den richtigen Weg geben und für ihn da sein! Danke danke danke danke vielmals für diesen Artikel
    Liebe Grüsse
    Melisande

    AntwortenLöschen
  18. Danke Danke Danke!!
    Mehr ist nicht zu sagen!

    AntwortenLöschen
  19. Ein wunderbarer Artikel!!! Tausend Dank dafür! Ich habe ihn mit einem lachenden und einem weinenden Auge gelesen und endlich sehe ich einige Dinge viel klarer und kann nun sowohl meine beiden Töchter (6 und 2,5 Jahre) als auch mich selbst besser verstehen! (Gerade in der Straßenbahn gab es Situationen in denen ich meine Mutter sagen hörte:"Schämst du dich nicht? Schau mal die Leute gucken schon /lachen dich aus usw.) Prägende Erinnerungen, die ich nicht in meine Kinder kopieren möchte!
    Also herzlichen Dank für diesen "Augenöffner" !

    AntwortenLöschen
  20. DANKE für diesen Artikel!Ich bin zufällig auf ihn gestoßen und es gibt mir endlich Antworten auf sooo viele Fragen,die ich mir in den letzten wochen und monaten gestellt habe.unser "kleiner" haut,beißt,reißt mir unzählige meiner haare aus,drückt mir mit beiden händen die kehle zu,zerstört alles,was ihm in die hände kommt. Ich kann ihm die zähne seit wochen nicht putzen,darf ihm keine windel wechseln,mag den pyjama nicht ausziehen,...MENSCH
    Oft kommen mir die Worte...Wenn...,dann...oder du machst mich traurig,das tut man nicht,...über die Lippen.Ich habkomplett meinen Instinkt,meinen roten Faden,mein Gefühl verloren und hab keine Ahnung mehr,wie ich wieder in die richtige Richtung komme.Noch dazu haben wir seit September mit dem Hausbau begonnen und seitdem ist die Situation nicht wirklich besser geworden.Tausende Ratschläge von der Familie und Freunden und dann lese ich deinen Artikel und es fällt mir wie "schuppen von den augen"!ich hab mich in so vielen situationen wieder gefunden und sehe viele dinge klarer. Aber beim zähneputzen zB fällt es mir schwer,meinen sohn(2,5 jahre) entscheiden zu lassen.
    Wie macht ihr das am Abend?entscheiden eure kinder selbst,wann se ins
    bett gehen?
    Ich hätte tausend fragen...Danke fürs Augen öffnen

    AntwortenLöschen
  21. Meine Töchter entscheiden abends, ob sie von mir einschlafbegleitet werden wollen, oder ob sie allein ins Bett gehen und davor noch so lange spielen, wie sie wollen. Das klappt gut. Momentan ist es so, dass eine die Einschlafbegleitung wählt und die andere das Spielen. So geht Letztere etwa 1,5h später schlafen als ihre Schwester. Ich kenne einige 'Unerzogen'-Vertreter, die ihre Kinderr selbst entscheiden lassen, wann sie schlafen wollen. Oft klappt das, manchmal gehen die Kinder dann NACH den Eltern schlafen, was natürlich nicht so günstig ist. Probier es einfach aus, ob dein Sohn es schafft.
    Zum Zähneputzen: Ich hatte da nie Probleme bei meinen Töchtern, aber ich würde ein 2,5 jähriges Kind nicht allein entscheiden lassen, ob es Zähne putzt - andere 'Unerzogen'-Mütter machen das aber so. Ich lese während des Zähneputzens vor, ich singe oder ich kitzele. Zur Not würde ich das Kind mit einem Filmchen auf dem Iphone ablenken.

    AntwortenLöschen
  22. Danke für die umfassende Recherche.

    Unser Räuber wird immer mehr zum Rebell.

    Da ist es hilfreich gleich am Anfang Tipps fürs möglichst "richtige" Reagieren einzuholen.

    Liebe Grüße
    Anja von der Kellerbande

    AntwortenLöschen
  23. Vielen Dank für diesen hilfreichen Artikel. Ich betreibe quasi Ursachenforschung in eigener Sache.
    Besonders die Überlebensstrategie des Babys, sich anzupassen um in Kontakt bleiben zu können, hat mir sehr geholfen viele Dinge zu verstehen.

    AntwortenLöschen
  24. Ich danke ganz herzlich für den Artikel der bei mir gerade die Tränen fließen lässt. BIn zufällig hier auf der Seite gelandet. Und es tat so gut hier zu lesen. Denn nun habe ich endlich mal eine Wegweisung warum es bei mir und unserem großen Sohn (3 jahre) so oft knirscht. Ja, ich habe zwar eine Familie aber das bedeutet ja nicht, dass ich eine wertgeschätzte und geliebte Kindheit hatte ,,, Und ja, es ist wohl so, dass ich das unbewusst immer wieder projieziere und an meinem Sohn "auslasse". ich habe nie gelernt wie das sein sollte den Kontakt zum Kind zu halten. Daran möchte ich jetzt ermutigt gern weiterarbeiten. Ich habe aber nach wie vor Angst, dass ich daran scheitern könnte. Ich glaube den Artikel muss ich noch ein paar mal lesen um ihn tiefer wirken lassen zu können. Danke für alle Mühe und Liebe zu uns unperfekten Eltern, die darin steckt!

    AntwortenLöschen
  25. Vielen vielen Dank für den Artikel .Unsere Tochter ist 4 und in letzter Zeit sehr trotzig, weint immer und hört nicht .Sie will Abends nicht schlafen gehen oder sich Bett fertig machen , ich versuche immer sehr geduldig zu bleiben und lasse soger sie Entscheiden wann sie es tut aber vergeblich sie bleibt dan sitzen und will Kinderfilme schauen oder sagt gleich und tut es trotzdem nicht .ich wiederhole mich bestimmt 20 mall es bringt nichts ,dann tut sie so als ob ich die ganze Zeit mit der Wand rede und ignoriert mich,ich versuche sie ins Badezimmer zu kriegen aber sie wehrt sich und schreit und weint und lässt sich fallen und dann ist caus.Der kleine Bruder schaut sich das immer an und versteht die Weld nicht.Es gibt viele situatinen bei denen das so ausartet, wir schrein uns an, dann kommt Papa dazu macht mir vorwürfe das ich das nicht schaffe ,sie nicht unterkonrolle habe ,dann schreie ich ihn an.Manchmall kann er schlichten und manchmall hört sie wieder aufs Wort und ist wieder gans lieb und sagt dan, Mama schau ich kann das gut und ich hör auf dich, Mama ich hab dich lieb und bemüht sich dan plötzlich, dan lob ich sie und nehme sie in arm und sage das ich sie auch lieb habe,sie fragt ob ich ihr ein Buch vorlesen kann dann tun wir das auch und dann noch eine geschichte und noch eine und dan kommt der Punkt wo es wieder von vorne anfängt, wenn ich sage jetz ist schluß wir müssen schlafen. .Sie weint wieder oder versucht sich ganz heimlich aus dem Bett zu schleichen als ob ich es nicht mitbekommen würde:-) so eine Hexe. Ich versuche dan die situation ins lustige zu ziehen fange an sie zu kitzeln und so, aber sie fängt dann richtig an und weint und möchte das dann nicht und will weg. Sie will ihren Willen durch sätzen egal wie .und in den momenten wenn sie dann weint nimmt sie nichts mehr auf ,auch wenn ich eigentlich garnicht vorhatte ihr etwas zu verbieten und ihr das so sage oder ihrer meinung bin das sage ich ihr genau so .Sie hört einfach nicht auf.Ich bin die ganze zeit die sie zuhause ist eigentkich mit ihr beschäftigt meist kommt der kleine zu kurtz wenn sie zuhause ist vom kindergarten. Er aber beschäftigt sich schön und weis eigentlich immer was ich von ihr will und er macht das ,sowas wie las uns zähne putzen dan ist er der erste der im badezimmer schon wartet obwohl ich ihn garnicht angesprochen habe und er das von weitem mit bekommen hat und nach der zahnbürste verlangt.ich habe Angst das er das verhalten von seiner Schwester nach Ahmen wird . Ich sage oft zu ihr schau dein bruder versteht mich und er hört auf mich obwohl er viel kleiner ist als du oder sowas wie, bist du bescheuert was machst du da . Jetzt weis ich das mann mit solchen aussagen so einiges verschlimmert.Gestern Abend habe ich sie mall machen lassen habe ihr einpaarmal gesagt würdest du bitte ins Bett gehen .DIe war bis 24 uhr wach und zum schluss hat mein Mann sie ins Bett bringen wollen und trotzdem hat sie so geweint: iCH HABE AUCH SCHON TAGE MIT IHR GEHABT DAS WENN SIE AUSGERASTET IST ICH SIE EINFACH IN ARM GENOMMEN HABE UND SIE HAT AUFGEHÖRT UND MICH FEST GEDRÜCKT HAT UND ICH LIEBE DICH MAMA GESAGT HAT.ICH MEINE ESIST JA NICHT SO DAS SIE KEINE LIEBE BEKOMMT WIR SAGEN UNS SO OFT WIE SEHR WIR UNS LIEB HABEN .MANCHMALL NEHMEN WIR UNS ALS FAMILIE ALLE VIER IN DENN ARM UND HOPSEN RUM UND SINGEN :WIR SIND EINE FAMILIE:UND KUSCHELN VIEL UND ICH REDE SEHR VIEL MIT IHR ÜBER KINDERGARTEN UND FREUNDE WIR BACKEN VIEL ZUSAMMEN UND SINGEN UND TANZEN .ich werde von nun an versuchen noch mehr auf ihre gefühle einzugehen und mich beherschen um nicht in die falle zu tappen .je schlimmer sie ausrastet um so mehr verständniss werde ich zeigen und sie öffter in solchen momenten in Arm nehmen und zu ihr stehen.

    Vielen Dank nochmall.

    AntwortenLöschen
  26. Danke für die schön geschriebenen Worte.

    Seit einiger kurzer Zeit, hat meine Tochter 4 Jahre und ein paar Kekse auch sehr heftige Wutanfälle. Ich habe etwas gemacht, was ihr schon etwas hilft. Ich wünsche mir das sie ihre Gefühle rauslässt, und dabei verbalisiert. Ein Wutkissen musste her, was wir zusammen gemacht haben. Vielleicht ist es eine Sache die nicht jeder mag. Aber ich finde es wichtig es nicht tot zu schweigen.

    Dein Artikel hat mir Kraft gegeben. Und so manchen Tipp für mich parat gehabt. Und vor allem die Augen geöffnet warum mich so manches verletzt. Wie man diese Spirale durchbrechen kann.

    Wenn es recht ist, würde ich Dir und den anderen Lesern gerne mal den Link geben zu "unserem Wutkissen". Vielleicht hilft es ja dem einem oder anderen weiter.

    http://quatsch-matsch.de/ein-wutkissen-fuer-das-wutmonster/

    Danke nochmal <3

    AntwortenLöschen
  27. Ich finde diesen Artikel wirklich hilfreich. Aufhorchen denke, dass es wichtig ist, einem aggressiv handelnden Kind empathisch zur Seite zu stehen und es nicht auszugrenzen. Allerdings fehlt mir hier als Mutter eines Kindes, das immer einstecken muss, gebissen geschlagen, bedrängt und vom Stuhl gezerrt wurde ein anderer Lösungsansatz als es die Kinder alleine klären zu lassen.
    Viele Eltern wissen nicht, was sie tun sollen und erhalten hier den Rat, sich rauszuhalten. Meine Tochter kann aber weder etwas für aggressiv veranlagte Kleinkinder mit Impulsproblemen noch für ungestillte Bedürfnisse. Trotzdem denkt die oft, die hätte etwas falsch gemacht und hat Angst vor vielen Kindern. Das ist doch traurig.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Entschuldige die späte Antwort, dein Kommentar ist mir irgendwie durchgerutscht. Ich stimme dir zu, dass das für deine Tochter eine unhaltbare Situation ist und natürlich soll sie darin nicht allein gelassen werden. Ich meinte eigentlich "normale" Konflikte zwischen Kindern, bei denen sich die Erwachsenen raushalten sollen. Ein vom Stuhl zerren und auf den Kopf hauen (mit der flachen Hand) ist nicht schön, aber gehört wirklich dazu. Anders sieht es aus, wenn dein Kind gebissen wird oder mit dem Stock gehauen etc. In solchen Momenten muss selbstverständlich ein Erwachsener eingreifen. Ich habe das in meinem Artikel zum Hauen, Beißen und Spucken ausführlicher beschrieben. Ich weiß nicht, wie alt deine Tochter ist, aber du kannst ihr helfen, solche Situationen zu meistern. Wichtig ist ein selbstbewusstes Auftreten (gerade stehen, dem Gegner in die Augen sehen, laut sprechen, Stopp-Hand benutzen), dieses kann man in Rollenspielen zuhause einüben. Ab etwa 4 Jahren (besser noch ab 5) kann man versuchen, dem eigenen Kind zu vermitteln, dass "böses" Verhalten von anderen immer einen Grund hat. Vielleicht schafft dein Kind es, seine Angreifer durch Empathie "aufzuweichen". "Du ärgerst mich - geht es dir nicht gut? Bist du wegen irgendetwas traurig? Vielleicht willst du lieber mit mir spielen?" Ich habe mit dieser Methode gute Erfahrungen gemacht. Meine Tochter (und viele andere) wurden von einem Spielplatz-Rüpel regelmäßig geärgert und auch mit Stöckern gepiekt etc. Ich habe ihr gezeigt, dass er gerade wieder einen neuen Bruder bekommen hatte und die Mama sehr wenig Zeit für ihn - meiner Meinung nach fühlte er sich einsam. Ich ermutigte sie, ihn zum Spielen aufzufordern. Es hat gar nicht lange gedauert, da wurde aus dem Rüpel ein guter Freund meiner Tochter. Einer, der ziemlich coole Sachen kann, wie auf hohe Bäume klettern und Blumenkränze flechten. Er haut jetzt gar nicht mehr. Im Gegenteil, plötzlich ist er ein beliebter Junge auf dem Spielplatz. Vielleicht klappt das in eurem Fall auch?

      Löschen
  28. Ich musste diesen Artikel grad nachlesen, weil ich so mit meinem Sohn (gerade 3 geworden) hadere… Er hat mich heute Abend in die Hand gebissen und auch sonst hatten wir einige Konflikte über den Tag verteilt. Sehr anstrengend.
    Gebissen hat er mich, weil er plötzlich wieder nach dem (vor 3 Wochen) abgegebenen Schnuller verlangt hat und ich ihn natürlich nicht rausgerückt habe…
    Er hat dann bitterlich geweint, 20-30 Minuten und wollte sich erstmal gar nicht von mir in den Arm nehmen lassen oder trösten lassen…man muss auch dazu sagen, dass er supermüde war, da kein Mittagsschlaf…
    Ich mach mir alles in allem etwas Sorgen.. Er ist immer wieder aggressiv seiner kleiner Schwester gegenüber, nimmt ihr prinzipiell jedes Spielzeug weg, auch wenn er recht vertieft mit was ganz anderem gespielt hat. Oder er schubst sie auch ml komplett um. Ich versuche immer zu sagen, dass er ihr nicht einfach alles entreißen soll, sondern bitte sagen - klappt nur selten. Und das neuste Spiel ist Autos aneinander knallen lassen krachbumm und alles umschmeißen…wenn ich dann sage, kann alles kaputt gehen, wird das natürlich komplett ignoriert.
    Ich habe auch das Gefühl, das alles hängt auch mit der Kita zusammen, wo er sehr still, sehr zurückhaltend ist, nie etwas sagt, kein gutes Verhältnis zu den Erziehern hat - wahrscheinlich muss sich alles Aufgestaute dann zuhause entladen. Wir wechseln jetzt auch endlich die Kita und er geht nur noch im Mai in die alte…Ich hoffe, er nimmt bis dahin keinen "bleibenden" Schaden..:-(
    Zum Thema Klamotten, seit man keine Strumpfhosen mehr braucht, will er seit einigen Morgenden gar keine Hose anziehen und auch keine Socken. So ganz ohne rausgehen, ist aber doch etwas zu kühl… ;-) Das endet auch gern mal in kompletten Ausrastern oder der Devise "so, die Mama geht jetzt - kommst Du mit? bzw. wenn Du jetzt die Hose nicht anziehst, bleibst Du hier" - wenn dann ist schlecht, aber ich weiß mir nach 1 Stunde dann nicht mehr anders zu helfen. :-((
    Irgendwelche Tipps??
    Liebe Grüße, Julia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Julia, ja, es könnte an der Kita liegen - dann wird sich das Verhalten mit dem Wechsel von selbst erledigen. Es klingt für mich aber zusätzlich so, dass er sehr frustriert wegen seiner Schwester ist. Hast du die Artikel zur Entthronung und zur Geschwistereifersucht gelesen? Darin findest du auch das "Krachbumm" mit Autos wieder (und Lösungsansätze dazu).
      Zu der Hosenverweigerung: Würde er denn eine kurze Hose anziehen? Oder nur eine Stumpfhose? Oder geht es bei der Verweigerung einfach um seine Autonomie, über seinen eigenen Körper zu entscheiden? Doch, ich würde ihn ohne Hose und Strümpfe gehen lassen, auch, wenn es draußen kalt ist. Es ist sein Körper - er wird merken, wenn es unangenehm wird. Dann kannst du ihm die mitgenommenen Sachen anziehen. Oft benutzen Kinder solche "Sachen-Diskussionen" unbewusst dafür, um auszudrücken, dass sie das Gefühl haben, nicht genug selbst entscheiden zu dürfen. Dann versuche, ihm insgesamt mehr Entscheidungsfreiheit über den Tag verteilt zu geben.

      Löschen
  29. Super.Ich bin Erzieherin, und erlebte in den vergangenen Jahren einen Jungen, der sich gewalttätig mit Mama,Papa,großer
    Schwester auseinandersetzte. Er wurde bedingungslos geliebt, sein Wille wurde und wird stetig beachtet, gefördert und als Ausdruck seiner ja tatsächlich einzigartigen Persönlichkeit betrachtet.Ich meine das jetzt nicht ironisch.Jeer Mensch ist
    eine einzigartige Persönlichkeit und hat das Recht auf eigene Empfindungen, Möglichkeiten und Grenzen.
    Meine waren erreicht, als der Junge bei unvermeidbaren Frusterlebnissen, die sich, übrigens auch in einer personell gut ausgestatteten Kita mit einem engagierten Team, begann andere Kinder mit Stühlen, Bausteinen, Tellern usw. zu bewerfen.
    Völlig ausrastete und auf Trost- und Beruhigungsversuche der Erzieherinnen mit Schlägen, Tritten, Kopfnüssen reagierte.
    Ich habe eine bleibende Erinnerung, einen durch einen Fußtritt zertrümmertes Fingergelenk.Die Eltern reagierten cool,der Kleine sei halt besonders kreativ und selbstbewusst, man müsse darauf eben eingehen.Zu Hause versuche man das auch ...
    Bitte gern.Aber unabhängig von Erklärungen dann nur zu Hause.Bereits ein einziges dieser Kinder hat eine ganze Kitagruppe aufgemischt, Kinder verängstigt, Eltern verärgert und Erzieherinnen an den Rand der Verzweiflung gedrängt.
    Ehrlich gesagt, mir scheint dieses kleine Menschlein,dass seine Familie wie die Puppen tanzen lassen kann, im Grunde unsicher und verängstigt.Nachvollziehbar.Kinder brauchen ganz viel liebe,aber auch Erwachsene die ein Gegenüber sind
    an dem sie sich auf dem Weg zur Selbständigkeit reiben dürfen.Wer Kindern alles an Frust und Enttäuschungen ersparen will, traut ihnen absolut nichts zu. Keine tolle Aussicht auf ein selbstverantwortliches, autonomes Leben.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich schrieb es im Artikel: E geht nicht darum, einem Kind jeden Wunsch zu erfüllen. Es geht um Bedürfnisse. Die Eltern de von dir beschriebenen Kindes scheinen den Unterschied nicht zu kennen und tun damit ihrem Sohn ganz und gar keinen Gefallen. Ich finde es toll, dass du seine Not erkannt hast. Wenn Eltern ihren Kindern nicht richtig zuhören, müssen andere Erwachsene einspringen. Feinfühlige Kita-Erzieher_innen und Lehrer_innen sind so wichtig! Aggressive Kinder brauchen nicht noch mehr Verurteilung, sondern eine helfende Hand, um aus dem Gefühlschaos herauszufinden. Sie brauchen keine Grenzen per se, sondern Erwachsene, die sich abgrenzen können, ohne die Kinder dabei abzuwerten.

      Löschen
  30. Danke, eine supertolle Zusammenfassung zu dem Thema. Und ich habe endlich ein paar Antworten gefunden, WIE ich damit umgehen kann, das Warum war mir schon länger klar. Für uns Eltern ist es eben einfach schwierig - weil wir wie zwischen zwei Stühlen sitzen: natürlich wollen wir die Eltern sein, die unsere Kinder bedingungslos lieben und aufwachsen lassen, so wie sie sind und wie und was sie tun wollen. Aber, dann kommt die Gesellschaft dazu, die Blicke der Nachbarn, Kommentare der Freunde und Familie, das berühmte "ich frage mich wie wir euch groß bekommen haben, früher hat man das so und so gemacht, und ihr seid auch alle groß geworden..." *nerv* Und das alles macht es schwer und es stimmt, kommt ein Geschwisterchen dazu, erwartet man von den älteren Kindern plötzlich, dass sie alles können, verstehen und sehen - aber sobald man erkennt, dass es eben nicht so ist, ändert man ganz schnell sein Verhalten wieder und nach und nach wird es auch wieder ruhiger.

    AntwortenLöschen
  31. Danke für diesen Text!!!!Es tut gut ihn zu lesen und wieder aus einer neuen Perspektive zu sehen....

    AntwortenLöschen
  32. Alles schön und gut, aber was ist mit Kindern, die aus Spaß daran nicht aufhören, andere zu schlagen/zu treten/zu versuchen, auf die Straße zu rennen, etc. Mir ist bewusst, dass der Kleine (4.5 Jahre) Grenzen austestet. Allerdings scheint ein, "Nein, das tut mir weh, nicht treten!" nicht auszureichen. Auch "Treten und Hauen ist doof, das tut weh" führt nur dazu, dass er - wenn ich ihn festhalten MUSS, damit er nicht auf die Kreuzung läuft, brüllt wie am Spieß, "du tust mir weh". Bevor ich in überhaupt angefasst habe. Er hat gelernt, dass alte Damen dann mit der Mama schimpfen. Ich diskutiere und erkläre täglich, dass Hauen und Treten nicht in Ordnung sind, erinnere ihn daran wie ihm das wehgetan hat, als die älteren Jung im KiGa ihn von der Schaukel geworfen haben. Er sieht ein, dass das weh tut. Aber er sagt, weil es für ihn schön ist und ihm Spaß macht, darf er trotzdem hauen.
    Gerade komme ich aus dem Krankenhaus, Gipsbein, ich habe dem Kleinen gesagt, dass es weh tut. Dass ich nicht laufen kann. Er tritt mir "weil das Spaß macht" mit voller Absicht, und mit voller Wucht gegen das verletzte Bein. Und möchte nicht aufhören. Da meine Knochen aus Krankheitsgründen überaus leicht brechen, muss ich ihn dann aus Selbstschutzgründen an den Oberarmen packen und auf Abstand halten, wenn ich mich nicht aus der Situation zurückziehen kann. Wie kann er lernen, dass er andere Menschen nicht so behandeln darf?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dein Sohn weiß schon längst, dass er andere Menschen nicht so behandeln darf. Es ihm weiterhin wieder und wieder zu sagen, beleidigt seine Intelligenz und bringt absolut nichts, außer, dir Fusseln am Mund. Das Gleiche gilt für die Aussage, dass dir das Hauen weh tut - er weiß das bereits. Trotzdem haut er dich immer wieder und er behauptet sogar, dass ihm das Spaß macht. In der Regel ist diese Aussage eine Schutzbehauptung eines zutiefst verunsicherten Kindes, welches sein Leben lang rückgemeldet bekommen hat, dass es nicht richtig ist, so wie es ist. Dass es zu laut, zu wild, zu böse ist. Dieses Kind nimmt dann diese ihm zugewiesene Rolle an: Es wird wirklich laut, wild und böse. Und je mehr negatives Feedback es dafür bekommt, desto mehr verfestigt sich sein Eigenbild vom bösen Kind. Irgendwann kommt es aus dieser Rolle nicht mehr raus. Ich bin mir unsicher, inwiefern das bei euch schon der Fall ist. Ich glaube eher, dass er, wenn er vor dir steht, dich angrinst und sagt, er findet Hauen schön, eigentlich nur von dir hören will, dass du ihn genau so liebst, wie er ist. Mit allen vermeintlichen Fehlern und Mängeln. Für eine Ferndiagnose und weiterührenden Rat erscheint mir euer Fall jedoch zu eingefahren. Solltest du in Berlin wohnen, würde ich mich gern mit dir treffen. Bitte melde dich dann via PN.
      LG, snowqueen

      Löschen
  33. Genau dieses Erziehungsmodell züchtet kleine Tyrannen heran! Ich erlebe das jeden Tag in der Kita, in der ich arbeite und ich habe auch Regel, Juul und Co gelesen. Klingt ja alles schön und gut, aber was dabei heraus kommt, sieht man ja an deinen Kindern. In der Straßenbahn rumschreien, weil sie keinen Fensterplatz bekommen hat ? Hallo ? Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, dass meinem Sohn so etwas je in den Sinn gekommen wäre. Das beste sind immer noch klare Ansagen. DAS sind Grenzen un DARAN sollen sich Kinder auch reiben. Wenn Kinder keine GRenze spüren schwimmen sind, fühlen sich stets unsicher und ticken natürlich irgendwann aus ! ICH bin deine Mutter und ICH habe das Sagen, ich verstehe dich und ich bin für dich da. Nur an starken Eltern, können starke Kinder heranwachsen. Und ja, ich biete meinem Kind auch das komplette Repertoire an Emotionen! Mein Sohn ist mittlerweile 15 und ich kann nur sagen, es hat funktioniert. Mein Kind hat mich nie geschlagen, getreten oder gebissen, ganz einfach weil er wusste, SO ETWAS GEHT NICHT! Also bitte hört auf euren Kindern Zucker in den Arsch zu blasen !

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anonym, mein Artikel scheint bei dir starke Emotionen auszulösen, was bedeutet, dass er in dir etwas zum Klingen gebracht hat. Etwas, was du vielleicht nicht spüren willst? Wie dem auch sei, ich danke dir für deinen Kommentar.

      Verständnis aufzubringen für das 'Fehlverhalten' unserer Kinder bedeutet nicht, schwach zu sein. Wir sind keine schwachen Eltern. Auch wir setzen Grenzen. Oft sogar. Aber eben nicht in Situationen wie der Straßenbahn, als meine Tochter nach 5h Bahnfahrt laut wurde, weil ihre Schwester den Fensterplatz bekam. Welchen Sinn hätte es ergeben, wenn ich sie in diesem Moment gezwungen hätte, leise zu sein bzw. den Wutanfall zu unterdrücken? Die Anspannung der letzten 5h, in denen sie leise und gesellschaftstauglich agiert hatte, musste in diesem Moment einfach raus. Es wäre ungesund gewesen, sie ihre Gefühle nicht ausleben zu lassen (innerer Stress, Magengeschwür, Kopfschmerzen etc). Um die anderen Fahrgäste vor dem Geschrei zu schützen, bin ich ja mit ihr ausgestiegen. Also, was genau stört dich an meiner Lösung? Wo genau empfandest du mich als schwach?

      Es ist eine altbekannte These, dass Kinder zu Tyrannen werden, wenn sie keine Grenzen gesetzt bekommen. Meine These ist eher, dass Kinder zu Tyrannen werden, wenn sie jegliche Wünsche erfüllt bekommen. Das tun wir, die wir diesen Erziehungsweg gehen, der hier im Blog aufgeführt ist, aber nicht. Wir erfüllen Bedürfnisse. Zu bloßen Wünschen sagen wir Nein, wir alle Eltern auch. Wir setzen Grenzen. Wir blasen unseren Kindern keinen 'Zucker in den Arsch'. Es mag Eltern geben, die das nicht tun, aber die findest du hier nicht auf dem Blog. Vielleicht findest du sie unter den Eltern deiner Kita-Kinder. Das mag sein. Ich kann es nicht beurteilen, weil ich dich und deine Kita nicht kenne.

      Es ist schön, dass dein Sohn so wohlgeraten ist und du stolz auf ihn bist. Er wird deine Liebe spüren und eines Tages, wenn er selbst Kinder hat, sie so erziehen, wie du ihn erzogen hast. Dann weißt du, dass du alles richtig gemacht hast. Versucht er jedoch später einmal, es bei seinen Kindern anders zu machen, sie anders zu erziehen, dann wünsche ich mir, dass du an diesen Artikel hier zurückdenkst und überlegst, ob es nicht doch auch einen anderen Weg als deinen gegeben hätte in der Erziehung.

      Löschen
  34. Ein wunderbarer Artikel, ich bin gerade durch Zufall darauf gestoßen und wünschte mir, ich hätte ihn vor einem Jahr schon gelesen! Als unser zweites Kind kam, fing unser erstes an, zu beißen. Von allen Seiten wurden wir unter Druck gesetzt, jetzt endlich mal durchzugreifen. Leider habe ich mich wider besseren Wissens auch untergeordnet. Allerdings stellt sich mir im Alltag immer wieder eine Frage :wie schaffe ich es, mich um ein Kind einfühlend zu kümmern, wenn das andere aus Sympathie mitbrüllt? Denn ein Kind muss warten und das andre bekommt auch nur halbe Aufmerksamkeit. Wenn ich durch das Geschrei überhaupt verstehe, was gesagt wird.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wenn beide brüllen ist das schlecht möglich, da hast du vollkommen recht. Ich hatte kurz nach der Geburt unseres Sohnes einmal die Situation, in der alle drei Kinder gleichzeitig weinten, da war ich dann auch völlig überfordert. Am Ender quetschten sich alle heulend auf meinem Schoß und ich weinte mit. Irgendwann waren alle ausgeweint und es konnte weiter gehen.

      Der Trick ist, allen Kindern im Alltag so viel Aufmerksamkeit zu geben, dass ihr "Liebesspeicher" gefüllt ist. Dann kommt es zu solchen Einbrüchen nicht. Ganz ausführlich habe ich das in meinem "Entthronung der Erstgeborenen" Artikel erklärt. Vielleicht liest du den - bestimmt findest du dort Antworten.
      LG, snowqueen

      Löschen
  35. Unser Sohn (2.5) beisst und kneift und schreit und lässt sich fallen und brüllt und schlägt mich und meinen Mann täglich. Wir drehen dann regelmässig durch und am Schluss greift dann immer mein Mann mich an und sagt, es sei meine Schuld, weil wir meine "sanfte" Methode durchführten ohne dem Kleinen den Hintern zu versohlen. Danach werde ich regelmässig verbal zur Sau gemacht. Die ganze Zeit dieses Thema "jetzt versohle ich dir den Hintern, wenn Du nochmal so schlägst, beisst... Ich kann es nicht mehr hören. Ich bin erstaunt, dass in diesem Forum noch niemand dieses Thema aufgegriffen hat.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anonym,

      es hat noch niemand aufgegriffen, weil so massive Gewalt(wünsche) von Vätern nicht alltäglich sind bzw. die Familien, bei denen es doch alltäglich ist, nicht auf diesem Blog lesen. Ich lese heraus, dass du gern einen gewaltfreien Weg gehen möchtest, dein Mann diesem aber nicht traut. Ich nehme an, er hat selbst in seiner Kindheit Gewalt erlebt. Um sich davon zu lösen, wäre eine Psychoanalyse über mehrere Jahre nötig. Diese funktioniert aber nur, wenn er selbst den Wunsch hat, nicht mehr "durchzudrehen", wenn euer Sohn beißt und kneift, denn so eine Analyse geht mächtig an die Substanz.

      Ich will ehrlich sein - mit deinem Partner wird der der Weg in der Erziehung, den wir hier auf dem Blog gehen, nicht möglich sein. Du wirst da Abstriche machen müssen. Denn den "Hintern zu versohlen" ist inakzeptabel, aber "unser" Weg ist so langfristig angelegt, dass euer Sohn, wenn ihr ihn geht, noch lange, lange kneifen und beißen wird. Das wird dein Mann nicht mitmachen. Vielleicht könnt ihr euch darauf einigen, dass ihr Methoden wie "Auszeit", "Fernsehverbot", "Verstärkersysteme" und "Wenn-Dann-Sätze" anwendet, aber euren Sohn nicht (niemals!) körperlich züchtigt. Vielleicht ist das ein gangbarer Kompromiss. Zusätzlich würde ich dir dringend raten, eine Familienhelferin zu beantragen.
      Grüße, snowqueen

      Löschen
  36. Danke für die Antwort. Am Wochenende war ich mit meinem Sohn an einem Oeffentlichen Platz und er hat wieder eine Szene gemacht, dann sind zwei alte Damen (unabhängig voneinander) auf ihn zu und haben ihm gesagt: gäll, eigentlich müesstisch Du jetzt Fuuditätsch kriege, will du nid willsch lose. Und dann haben sie noch zueinander gesagt, gälled Sie, das isch aber hützuetags nümm so modärn... Ich denke mit so Aussagen ist also mein Mann alles andere als allein. Deshalb weiss ich nicht genau, wie ich auf meinen Mann reagieren soll. Denn die meisten in der breiten Umgebung befürworten eben Fuuditätsch. Ich bin wie eine von den Wenigen, die sich querstellt.

    AntwortenLöschen
  37. Ich bin dankbar, diesen Artikel gefunden zu haben. Unser Sohn ist 5 Jahre alt und zeigt eine große Verhaltensproblematik. Vom Kindergarten wurde er vor 2 Wochen beurlaubt, er sei nicht mehr tragbar. Er darf wieder den Kiga besuchen, sobald eine I-Kraft gefunden wurde. Die Bewilligung liegt uns vor. Dies ist nun schon der 2. Kindergarten. Mit 3 Jahren kam er in den Waldorfkindergarten, im April diesen Jahres kündigten wir den Platz fristlos, da er von einer Erzieherin dermaßen fest angefasst wurde, das er blaue Flecken davon trug. Nach 4 Monaten in einem städtischen Kiga wird er als nicht tragbar eingestuft. Er haut ohne ersichtlichen Grund andere Kinder, schubst jüngere vom Stuhl, "schmeisst" den Stuhlkreis...., boxt einer vorbeigehenden Mutter in den Bauch. Auch zu Hause zeigt er diese massiven Aggressionsausbrüche. Ich bin verzweifelt und weiß an manchen Tagen nicht mehr weiter. Er gehört auch zu den Kindern, die bedürfnissorientiert, behütet, aufwachsen dürfen. Natürlich bekommt er auch Grenzen gesetzt, die er bis dato gut akzeptieren konnte. Ich bin stolz auf meinen Sohn...er besitzt ein großes Selbstbewusstsein, kann seine Meinung gut äußern. Wenn nur diese Gewaltausbrüche nicht wären. Er fühlt sich in großen Gruppen nicht wohl, hat Schwierigkeiten sich unterzuordnen und er hat keine Freude oder Spielgefährten, was mir als Mutter mehr weh tut als ihm. Seine Gewaltausbrüche äußern sich in schlagen, treten, werfen mit Gegenständen, zerstören von Einrichtungsgegenständen. Wir stehen dem hilflos gegenüber. Verbal erreichen wir ihn nicht, festhalten führt zu größeren Ausbrüchen. Wir sehen das es ihm dabei nicht gut geht, wissen aber nicht, wie wir helfen können. Ganz schlimme Ausmaße hat es angenommen, seitdem er nicht mehr in den Kindergarten gehen darf. Seit einem halben Jahr sind wir mit unseren Sohn in therapeutischer Begleitung, es wird eine Diagnostik erstellt. Unser Sohn zeigt sich bei der Therapeutin offen, zugewandt, schlau und pfiffig. Sie rät uns aufgrund der Kiga Problematik zu einem teilstationären Aufenthalt in einer Tagesklinik. Auch der Kiga und das Jugendamt befürwortet dies. Ich stehe trotz der Problematik nicht dahinter und möchte diesen Weg nicht gehen. Vielleicht bin ich zu gutgläubig, aber ich denke, es wird sich mit der richtigen Begleitung auswaschen. Leider stehen wir mit dieser Einstellung fast alleine da. In unseren Familien hat man wenig Verständnis für das Kind, als Eltern haben wir in deren Augen versagt. Die strenge Erziehung, wie damals üblich, fehlt. Ein angepasstes Kind wäre allen lieber. Ich war mir in meiner Erziehung immer sicher und hab mir deswegen kaum reinreden lassen. In letzter Zeit kamen viele Zweifel in mir auf, aber dieser Artikel hat mich wieder bestärkt. Ich hoffe und wünsche, das mein Sohn dieser, für uns allen schweren Zeit entwachsen wird und seinen Weg weiterhin selbstbewusst und lebensfroh bestreiten wird.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich freue mich, dass dir mein Artikel geholfen hat und dir Sicherheit gibt. Da ich deine Beschreibung deines Sohnes bemerkenswert finde, möchte ich dir ein bisschen mehr schreiben. Aus Sicht einer Sonderpädagogin, die mit verhaltensauffälligen Kindern arbeitet, muss ich dir sagen, dass sein Verhalten (so, wie es in aller Kürze beschreibst) nicht mehr als normales wird-sich-rauswachsen-Verhalten zu betrachten ist. Er kann sich nicht in eine Gruppe einordnen und hat keine Freunde - das ist für einen Fünfjährigen nicht altersgemäß. Ich halte es für wichtig, herauszufinden, warum er so ausbricht. In der Fachliteratur wird immer wieder beschrieben, dass auffälliges Verhalten der Kinder ein Hilferuf ist. Ein Hilferuf, der besagt, dass das Kind sich von den Eltern nicht gewertschätzt fühlt bzw. sie seine Integrität verletzen. Das bedeutet, dass bei euch dringend etwas geschehen muss. Nicht unbedingt im Sinne einer Tagesklinik (weil das wieder dem Kind die Bestätigung gibt, dass etwas mit ihm nicht stimmt), aber ganz sicher im Sinne einer Familienhilfe. Ich würde euch raten, als gesamte Familie eine (oder mehrere) Beratung(en) von FamilyLab http://www.familylab.de/ in Anspruch zu nehmen. Die Experten dort schauen mit bedürfnisorientiertem Blick auf die Familie und können euch Handlungsalternativen im Alltag aufzeigen. Ich bitte dich, dich dort schnell zu melden, damit sich das verhaltensauffällige Agieren deines Sohnes nicht noch mehr verfestigt. Er kann nichts dafür, und es wäre schade, wenn er deshalb ein Leben lang das Gefühl hätte, "falsch" zu sein.
      Herzliche Grüße, snowqueen

      Löschen
    2. Danke für Deine Antwort!! Ich hatte heute einen Termin bei einem Familiencoach, der systemisch auf unsere Situation schaut. Die Stunde war aufschlussreich. Ich bin gespannt wie es weiterläuft. Ich bin ebenso der Auffassung das das Problem bei uns Eltern liegt, unser Sohn die Spannungen , massiv nach außen trägt. Es tut gut von Außenstehenden bestätigt zu werden, mitunter steh ich mit meiner Einstellung allein da.
      LG

      Löschen
  38. Mein Sohn ist 2,5 Jahre und beißt mich mit Absicht! Gut zu lesen wie ich damit umgehen kann! Wie ist es aber, wenn er andere Kinder beißt? Er findet es interessant wie die reagieren und wie die Eltern reagieren. Was rätst du da?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anonym, das habe ich in dem Artikel: Mein Kind beißt, haut und spuckt - Was soll ich tun? genauer beschrieben. Such mal im Archiv danach. Die Quintessenz ist: Du muss sehr schnell sein.
      LG, snowqueen

      Löschen
  39. Danke für diesen wirklich auf allen Ebenen zutiefst erhellenden Beitrag. Wow!

    AntwortenLöschen
  40. Am liebsten würde ich jeden Artikel von euch ausdrucken und mir 1000 Stellen anmarkern um dann dick und fett daneben zu schreiben JA! JA! GENAU! Ihr sprecht mir aus der Seele und ich bin so unendlich froh euren Blog jetzt schon entdeckt zu haben, wo mein Sohn gerade erst 4 Monate alt ist. Als junge Mutter mit 22 habe ich bereits seit Anfang der Schwangerschaft die Erfahrung gemacht, das sich andere Menschen nicht nur gerne beim ersten Kind einmischen, sondern ganz besonders dann alles besser wissen, wenn man selbst noch u 30 ist. Danke, dass ich dank euch nicht nur viel lerne, ihr mein vages Bauchgefühl in Worte fasst und ich durch eure Quellen schon viele lesenswerte Bücher entdeckt habe, sondern danke vor allem dafür, dass ich meine Ansichten so viel besser erklären kann. Wenn ihr alle eure Artikel als Buch zusammenfasst, wüsste ich auf Anhieb 17 Menschen, denen ich es gerne schenken würde.
    Danke für eure wichtige Arbeit und all die Mühe!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich danke dir für deinen süßen Kommentar, er hat mir direkt ein Lächeln auf die Lippen gezaubert! Es stimmt übrigens, junge Mütter haben nochmal doppelt mit der Bevormundung durch die Elterngenerationen zu kämpfen, das ist bestimmt sehr anstrengend. Ich frage mich, wie sich unsere Eltern damals gefühlt haben (sie sind ja auch meist mit 19-23 das erste Mal Eltern geworden), als ihre Eltern sich in die Erziehung einmischen wollten? Ob das damals anders gesehen wurde?

      Wow, wenn du allein schon 17 Bücher von uns verschenkst, dann könnte das ja vielleicht wirklich ein Erfolg werden? Ich werde mal gleich recherchieren, für welchem Verlag ich gern schreiben möchte ;-)

      Liebe Grüße, snowqueen

      Löschen
  41. Hallo, danke für den Artikel, bis jetzt hatten wir unseren Sohn wenn er (aus unserer Sicht) grundlos uns gehauen hat, in sein Zimmer geschickt, das werden wir jetzt ändern.
    Aber wie verhalten wir uns wenn er andere Kinder einfach so haut und schubst, beim Kinderturnen zb. Läuft er an einem anderen Kind vorbei und schubst es einfach so oder beim Spielen mit einem gleichaltrigen zieht er ihm einfach so an den Haaren und schubst ihn hin oder haut ihm ins Gesicht.
    Ich kann ja nicht zugucken wie er durch die Turnhalle läuft und als an den anderen (auch kleinere) Kindern dran ist.. Er ist im Oktober 2 geworden!
    Ich mache mir schon sorgen das bald keiner mehr mit ihm spielen möchte :-(

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anonym, diese Sorge musst du dir wirklich nicht machen. Dein Sohn ist erst 2! In diesem Alter ist Hauen und Beißen noch völlig normal. Es sind Kommunikationsversuche. Keine schönen, klar, aber anders kann er es halt noch nicht ausdrücken. Es bedeutet nicht, dass es ihm schlecht geht! Lies aufgrund seines Alters lieber diesen Artikel hier, der passt besser für ihn: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/02/beien-hauen-spucken-warum-das-normal.html Da steht auch drin, was du am besten wegen der anderen Kinder tun kannst.
      LG, snowqueen

      Löschen
    2. Vielen Dank für die liebe Antwort. Ich werde den Artikel gleich lesen.
      LG

      Löschen
  42. Liebe Snowqueen,

    oh ja, damit müssen sich bestimmt fast alle Eltern mal auseinandersetzen... Bei uns hält sich das zum Glück in Grenzen, meine kleine hat mich, als sie gut 1 Jahr alt war mal in den Oberschenkel gebissen (um meine Aufmerksamkeit zu bekommen als ich telefoniert und habe), da habe ich mich selbst so erschrocken und geschrieen vor Schmerz, dass sie scheinbar gemerkt hat, dass das nicht in Ordnung war... Ernsthaft gebissen hat sie nie wieder... aber zwei Kinder in ihrer Gruppe, und da sie davon auch betroffen war (in die Hand gebissen) hat sie aus der Kombi vielleicht tatsäclich verstanden, dass beißen weh tut...

    Letztens hatte ich aber ein ganz anderes Problem, nach dem Baden trockne ich sie, mittlerweile 3 Jahre alt vor mir stehend, ich kniend ab, sie ist gut gelaunt und freut sich und - als wollte sie klatschen - haut mir mit beiden Händen aufs Gesicht/Ohren... ich sage ihr, dass mir das weh getan hat (hat es wirklich) und bin mir sicher, dass sie es anfangs tatsächlich nur aus Überschwenglichkeit getan hat...aber danach hat sie es dann noch zweimal probiert, etwas weniger doll zwar, aber nun mit voller Absicht... Wie reagiert man denn auf sowas? Ich habe ihr deutlich gesagt, dass ich das nicht möchte, weil es mir weh tut - ein Gefühl spiegeln konnte ich in dem Moment nicht wirklich, weil sie ja zumindest für mich nicht ansatzweise sichtbar - wütend, ärgerlich oder irgendwas war... Zum Glück hat es dann an der Tür geklopft und so habe ich sie kurz im Bad sitzen lassen, danach war die Situation etwas entschärft und sie hat mich sogar wieder gestreichelt... Hast du vielleicht einen Tipp, wenn sowas das nächste mal vorkommt (war nicht das erste mal).
    Vielen Dank und LG Dani.

    AntwortenLöschen
  43. Liebe Snowqueen,

    ich finde ihren Artikel sehr gut und wir versuchen gerade unser Verhalten gegenüber unser 4-jährigen Tochter zu ändern. Das hat auch ein paar Mal schon ganz gut geklappt, aber heute Morgen war die Situation besonders schwierig. Vielleicht haben sie ja einen Rat für uns.

    Unsere Tochter hat sich heute Nacht in die Hose gemacht. Was ja vorkommen kann; kein Problem. Wir sind dann zusammen ins Badezimmer gegangen um sie zu waschen/duschen. Das wollte sie aber nicht und wurde wütend. Ich habe sie ruhig gefragt, warum sie wütend sei. Sie sagte ihr wäre kalt. Ich habe ihr gesagt, dass ich verstehen kann, dass ihr kalt sei und es OK sei, wenn sie wütend ist. Ich habe sie sogar gefragt, ob sie sich etwa ohne sauber zu sein anziehen möchte. Wollte sich nicht (immerhin). Ich habe ihr dann unterschiedliche Möglichkeiten angeboten. Duschen, Waschen, Baden. Sie wollte aber nichts und fing an zu hauen und zu treten. Ich bin weiter ruhig geblieben und habe sie gefragt, was sie machen möchte oder ich tun soll, damit sie nicht mehr so wütend ist und sie aber auch gebeten mich nicht mehr zu treten, sondern stattdessen ihr Kuscheltier hauen könne, wenn sie wütend ist. Es war aber seit dem nichts mehr aus ihr raus zu kriegen. Auf jede ruhige Frage/Vorschlag kam ein Tritt (nicht doll, aber immerhin). Ich habe sie auch 10 Min. in Ruhe gelassen (bin im Zimmer geblieben), in der Hoffnung, dass sich so die Blockade "löst"...

    Frage also:
    Was macht man, wenn ein Kind wütend wird, es aber total blockiert und nicht selber zu wissen scheint was es will? Klar ist allerdings, dass sie am Ende gewaschen werden muss.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Zunächst einmal: Ich finde Ihre Reaktion vorbildlich und denke, Sie hätten wirklich kaum etwas anderes machen können. Dass es trotzdem manchmal nicht "funzt" gehört leider zum Leben mit Kindern dazu.

      Meine Frage ist, ob sich das ganze Szenario in der Nacht stattgefunden hat, oder am frühen Morgen? Wenn es in der Nacht war, dann kann ich mir wirklich gut vorstellen, dass sie, weil sie so aus dem Schlaf gerissen wurde, einfach müde und grumpelig war und ja, da kann man schon mal treten und keine Entscheidung treffen wollen. Das halte ich für völlig normales Verhalten und würde es gar nicht groß beachten. Mitten in der Nacht machen wir es so, dass wir schnellstmöglich das Bettzeug wechseln, dem Kind neue Schlafklamotten anziehen und es wieder ins Bett legen. Duschen können sie am Morgen. Es ist ja nicht so, dass der Urin auf der Haut irgendwie gesundheitlich problematisch wäre. Es riecht halt unangenehm, aber das kann man ja dann, wie gesagt, am Morgen ändern.

      Hat das ganze am Morgen stattgefunden, dann war Ihre reaktionsweise wirklich ganz in Ordnung. Man braucht eigentlich gar nicht so viel fragen oder anbieten - ein Kind, das blockiert ist, ist blockiert. Das braucht Ruhe, um selbst aus der Blockade herauszufinden. Das machen Kinder auf sehr seltsame Art und Weise: Sie fangen nach einer langen Zeit plötzlich wieder an zu sprechen, völlig normal und meist sogar fröhlich und fragen etwas völlig vom Thema Abweichendes. Also vielleicht hätte sie 20 Minuten blockiert im Bad verbracht und dann plötzlich gefragt, ob Sie an diesem Wochenende mit ihr in den Zoo gehen können oder so. Die Eltern sollten dann auf diesen Kommunikationsversuch eingehen und die Frage beantworten und ganz normal mit dem Kind reden, ohne auf den Vorfall vor der Blockade einzugehen. In eurem Fall ist es ein bisschen komplizierter, weil ja das Duschen noch notwendig war, d.h. ich hätte, wenn sie nach der Blockade wieder ganz entspannt ist, einfach irgendwann gesagt: "Geh mal noch duschen, Süße, bevor wir uns zum Frühstück hinsetzen." Ist die Blockade von selbst überwunden, dürfte eigentlich das Thema Duschen auch kein Problem mehr sein.

      Insgesamt: Abwarten, wenig reden, nicht zu nah kommen, weiter abwarten.

      LG, snowqueen

      Löschen
    2. Hallo,

      vielen Dank für die schnelle Antwort.
      Es ist am Morgen passiert. Sie war schon länger wach und lag aber noch in ihrem nassen Bett. Sie hat mir aber ganz gelassen erzählt, dass sie Pipi ins Bett gemacht hat. Bis dahin war die Laune gut und die Welt in Ordnung.
      Leider drängt auch mit Puffer irgendwann die Zeit. Früher hätte ich sie alleine im Bad gelassen und schon mal Frühstück gemacht. Auch wenn sie nicht gewollte hätte, dass ich raus gehe. Aber auf diese Art von Liebesentzug möchten wir nun wenn möglich verzichten.
      Ein Themenwechsel ist eine gute Idee. Vielleicht lese ich ihr beim nächsten mal einfach ein kleines Buch vor . Das lässt sie sich eigentlich nie entgehen ;-).

      Danke für den Rat!

      Löschen
  44. Hallo Snowqueen,

    boh man, diesen Artikel hab ich echt zur rechten Zeit gefunden! Wir haben einen 6- und einen 3,5 jährigen, und der kleine ist seit einiger Zeit sehr aggressiv und wir haben grosse Schwierigkeiten, richtig darauf zu reagieren. Wir sind definitiv eine AP Familie, d.h. ich versuche, so gut es geht die Kinder beim Heranwachasen zu begleiten, statt sie zu erziehen, wenn Du verstehst, was ich meine. Ich hab darauf geachtet, den Kinder soviel Nähe zu geben wie es geht, sich nicht herabzusetzen, zu respektieren als eigenständige Persönlichkeiten, usw., aber da mein Mann und ich in den letzten Jahren sehr viel beruflichen Stress hatten, hat sich so eine gestresstes Grundgefühl breit gemacht und viel zu oft ist mir im letzten halben Jahr der Geduldsfaden gerissen und ich habe viel zu aggressiv und falsch auf die Wutausbrüche meines kleinen reagiert und das Problem damit eher noch verschlimmert, als es besser zu machen. Ich finde mich und unsere Situation in diesem Beitrag sehr genau wieder (und das, was ich falsch mache) und bin sehr dankbar für die mentale Unterstützung. Also: durchatmen und alles auf Null stellen und die Beziehung zu meinem kleinen wiederherstellen.

    AntwortenLöschen
  45. Hallo,
    Wie macht man das bei jüngeren Kindern. Meine Tochter (17,5 Monate) ist plötzlich wütend und haut und weint. Ich begebe mich auf Augenhöhe und versuche mit ihr zu reden, aber leider erfolglos. Gestern bin ich tatsächlich von ihr weg ins andere Zimmer, weil ich schon so fertig war. Für mich war das in dem Moment wichtig, aber auch authentisch. Dem Text mach aber falsch bzw Liebesentzug oder habe ich das falsch verstanden?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der Artikel für jüngere Kinder ist hier: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/02/beien-hauen-spucken-warum-das-normal.html?m=1 Es ist normal, dass sie dich haut. Ihre Impulskontrolle ist einfach noch nicht ausgereift. Außerdem ist ihr Gehirn von den wütenden Gefühlen überfordert. Sie kann sich noch nicht gut selbst beruhigen. Dafür braucht sie deine Hilfe. Wenn du das beides im Hinterkopf behältst, wirst du beim nächsten 'Angriff' von ihr vielleicht nicht mehr wütend, weil du weißt, dass sie aus Hilflosigkeit und Überforderung so agiert. Die beste Reaktion darauf wäre, wenig zu sprechen, dich mit etwas Abstand zu ihr zu setzen und sie mit mitfühlendem Blick anguckst. Du kannst auch leise verbalisieren, was sie fühlt: 'Du bist wütend! Wütend! Du sagst Nein, Mama! Nein, nein.' Das alles hilft ihr, sich in ihrer Wut verstanden zu fühlen. Das wird ihr nicht helfen, dich im Wutanfall nicht mehr zu hauen (die Impulskontrolle kommt mit der Zeit), aber du hilfst ihr damit, das beängstigende Gefühlschaos zu überstehen.

      Löschen
  46. Vielen dank für den artikel nun fühl ich mich nicht mehr so hilflos und allein. Dank der tollen unterstützung bei unseren zwei jungs (5+3) durch meinen mann hab ich den artikel bekommen und bin sehr dankbar zu sehen das es vielen so geht. Ich habe nun auch erkannt das ich mich ändern muss und werde für meine jungs an mir arbeiten. Danke nochmals

    AntwortenLöschen
  47. Ich freue mich ebenso über diesen Artikel und habe einiges daraus gelernt. Eigentlich scheine ich eine ganz einfühlsame Mama zu sein, aber manchmal halt nicht ... Gerade dann wohl, wenn es dringend notwendig war ... Oh weh, ich frage mich nun jedoch, ob die vielen falschen Reaktionen bei meiner Tochter (5 Jahre) schon irgendwelche Auswirkungen auf ihr Selbstbewusstsein haben. Geholfen habe ich ihr bei ihren Wutanfällen wohl eher nicht ... Ich bin so oft in alte Muster verfallen und fühlte mich hinterher schrecklich. Bei meinem Sohn (3 Jahre) kann ich viel entspannter und gelassener auf seine Wut reagieren. Rückwirkend kann man ja schlecht etwas ändern. Was tut man da?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, man kann rückwirkend nichts ändern. Aber: Es ist ein großer Schritt zu erkennen, dass das eigene Verhalren nicht ideal war. Denn wenn man sich selbst reflektiert, dann hat man die Chance, es künftig anders zu machen. Ich habe mal ein Schild gesehen, auf dem Stand: "Es ist nie zu spät für eine schöne Kindheit". Wir geben zu jedem Zeitpunkt unser Bestes - es zählt die Bemühung. Und wenn Du jetzt sensibilisiert bist, dann wird Deine Tochter ganz sicher davon profitieren.

      Viele Grüße
      Danielle

      Löschen
    2. Liebe Danielle, ganz herzlichen Dank für die schnelle Rückmeldung. Ja, da hast Du recht es ist nie zu spät :) Mich treibt noch etwas anderes um, gibt es in Eurem Blog etwas darüber, wie man mit dem starken Einfluss der Kita umgeht. Z.B. Schreiende Erzieher, Auszeiten vor der Türe etc. Ich freue mich sehr auf Euer Buch, es wird mich sicher bereichern und grüße ganz herzlich in die schöne Hauptstadt!

      Löschen
    3. Liebe Danielle, ganz herzlichen Dank für Deine schnelle Rückmeldung. Ja, da hast Du recht, es ist nie zu spät. Zum Glück :) Mich treibt noch ein anderes Thema um, gibt es in Eurem Blog etwas zum Thema Umgang mit der Kita: schreiende Erzieher, Auszeiten vor der Tür etc?

      Ich freue mich schon sehr auf Eurer Buch, es wird mich sicher sehr bereichern! Herzlichen Gruß in die schöne Hauptstadt

      Löschen
    4. Hallo,

      wir haben bisher dieseen Artikel über Probleme in der Kita geschrieben: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/01/kindergarten-und-krippe-wie-viele-kompromisse-muessen-wir-aushalten-bei-der-eingewoehnung-und-was-ist-wenn-die-Erzieherin-meinem-Kind-negative-Motive-zuschreibt-Teil-1.html

      Diese Reihe wollen wir auch noch fortsetzen.

      Liebe Grüße!
      Danielle

      Löschen
  48. Liebe Danielle,
    super. Ganz herzlichen Dank. Es war sehr interessant zu lesen. Ich muss Dich aber trotzdem nochmal was fragen, meine Sohn sagt jeden Morgen, dass er nicht gerne in die Kita geht (er wurde vor 3 Monaten von der Gruppe 0-3 in die Gruppe 3-6 "umgewöhnt". Die Erzieher sagen, das sei völlig normal und das hätten alle 3 Jährigen. Ich habe dabei aber kein gutes Gefühl. Kennst Du solche Momente und würdest Du sie als "normal" bezeichnen. Herzlichen Dank für Deine Mühe und Einschätzung! Lieben Gruß

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Sonnenschein,

      vermutlich haben alle Kinder irgendwann mal eine Phase, in der sie ungern in die Kita gehen. Die können auch mal ein paar Tage oder Wochen dauern. Oft fällt es Kindern phasenweise sehr schwer, sich zu trennen. Wenn sie dann am Tag unbeschwert spielen, würde ich mir nicht allzu viele Gedanken machen und trösten. Wenn es sich aber auf die gesamte Stimmungslage auswirkt und er schwer beeinträchtigt scheint, sollte man sich auf Ursachenforschung begeben.

      Liebe Grüße
      Danielle

      Löschen
  49. Wow genau das thema , dass mich grade sehr beschäftigt.wir haben mit unserem Sohn vier jahre viele Schwierigkeiten , sobald er etwas nicht darf , wird er aggresiv.meistens gelingt es mir einfühlsam auf ihn ein zu gehen.allerdings raste ich auch ab und zu aus u schreie aggrsiv mit ihm.er ist sonst sehr verdruckst u sehr unsicher.ich denke , wir haben eine unsicher ambivalente bindung.meine Kindheit war sehr schwierig.mutter psychisch krank , dann suizid.ich wäre ihm so gerne eine bessere Mutter , weiß aber einfach nicht , wie ich es machen soll.unser Sohn jetzt vier Jahre geht zum heilpädagogen.aber ich denke ich muss dringend bei mir anfangen.haben sie eine Idee wo ich mich hinwenden kann?ich möchte doch nur dass er ein Glückliches Kerlchen wird.
    Vielen Dank u liebe grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anonym,

      der wichtigste Grundstein ist gelegt: Du hast erkannt, dass es Handlungsbedarf gibt und Du Hilfe benötigst. Scheue Dich nicht, diese in Anspruch zu nehmen! Eine schwierige Kindheit sollte wirklich gut aufgearbeitet werden - kompetente Psychotherapeuten können Dir dabei wirklich gut helfen. Wenn Du magst, schreib mir eine E-Mail mit Deinem Wohnort, dann kann ich mal bei Facebook fragen, ob jemand einen guten Therapeuten in Deiner Nähe kennt.

      Liebe Grüße
      Danielle

      Löschen
  50. Hallo Danielle vielen dank für deine schnelle Antwort oben.ich versuche schon das zweite mal eine email Adresse von dir heraus zu bekommen.leider ohne Erfolg.wie kann ich dir einen email schicken.
    Danke.
    Liebe grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Unsere E-Mailadresse lautet squeennow@gmail.com.

      Viele Grüße
      Danielle

      Löschen
  51. Liebe geschätzte Snowqueen und Danielle
    ich bin grad etwas verunsichert und wollte nun rückfragen, wie sich denn der Unterschied zeigt zwischen "normaler" Agression und derer, die oben in einer Antwort auf einen Kommentar mit der Agression eines zutiefst verunsicherten Kindes wahrgenommen wurde. Unser Kleiner (3) schägt zur Zeit auch öfters und sagt dabei, dass er böse und nicht lieb sei - ich glaube dabei nicht einmal, dass ich diese Kategorien aktiv verwende. Ich sage auch oft, dass es mir weh tut, teilweis ignoriere ich es oder frage, was er denn habe, was er brauche. Teilweise fragt er buchstäblich, ob mir das jetzt weh tue. Ich meine schon, dass er zur Zeit eher verunsichert ist, weil er auch vermehrt in Babysprache spricht und öfters provoziert. Es gibt aber auch sehr harmonische Tage, an denen wir alle gut kooperieren. Wie begegne ich diesen Agressionen und Provokationen nun am besten? Habt ihr mir da einen Tipp? (Manchmal macht es mich eben wirklich ziemlich wütend, weil ich nicht verstehe, woher es kommt, also ohne offensichtlichen Anlass; öfters am Morgen nach dem Aufstehen und Abends beim ins Bett gehen.
    Jedenfalls danke für die mir wertvollen Ausführungen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo,

      wie kommt er denn zu der Einschätzung, dass er "böse" sei? Geht er in die Kita? Kann es von da kommen? Wenn er sowas dort hören sollte, kann das schon ein Grund dafür sein, dass er verunsichert ist und bei Dir herausfinden will, ob Du das ähnlich einschätzt (also im Grunde, um das Gegenteil zu hören ;-).

      Verunsichert meine ich jedoch nicht im Sinne der Antwort, die Snowqueen weiter oben gegeben hat, sondern deswegen, weil er er eine Rückmeldung bekommen hat, die er so nicht kennt.

      Hauen drückt ja meist Wut aus - noch mangelnde Impulskontrolle (ganz normal bei Dreijährigen) führt dazu, dass die Handlung erfolgt, ohne dass das Gehirn stoppend eingreifen konnte. Das ist ein Reifungsprozess, der irgendwann kommt. Erst wenn das Kind dazu theoretisch in der Lage ist, aber dennoch haut, dann kann man von Vorsatz ausgehen (und der ganz oben genannten Verunsicherung).

      Hauen ohne Grund ist nicht so häufig - entweder wir erkennen ihn nicht oder unsere Reaktion darauf ist für die Kinder so interessant (oder widersprüchlich), dass die Kinder diese Handlung mehrfach willentlich herbei führen). Hier sollte eigentlich eine immer möglichst ähnliche (aber klare) Reaktion erfolgen.

      Liebe Grüße
      Danielle

      Löschen
  52. Hallo, ich finde diesen Artikel sehr spannend und aufschlussreich. Gefunden habe ich ihn, als ich auf Grund eines Ereignisses, das meinem Sohn vor einigten Taghen widerfuhr, nach den Stichworten "beißen und 5 Jahre altes Kind" bei Google suchte. Mein Sohn (5 Jahre) wurde von einem seiner Freunde (ebenfalls 5 Jahre alt) beim Spielen stark in den Arm gebissen, sodass er auch eine Verletzung davon erfuhr. Da ich nicht anwesend war und die Verletzung erst später beim Umziehen sah, sprach ich die betreuende Mutter im Nachhinein darauf an und fragte, was denn passiert sei (völlig wertfrei). Ich wunderte mich, dass sie mich nicht darüber informierte, zumal sie dabei war, wie sie auf später dann auch zugab. Sie reagierte sehr aggressiv und meinte, ich hätte sehr vorwurfsvoll gefragt, was ich absolut nicht machte. Der Kleine war schon seit frühester Kindheit aggressiv, auch gegenüber seinen Eltern und anderen Erwachsenen (er beißt auch oft meinen Mann im Spiel und boxt mich ohne Anlass in den Bauch) und biss unseren Sohn schon mehrfach im Alter von 2 Jahren. Da war ich aber noch sehr entspannt und sah es unter dem typischen Kleinkind-Beißen. Die Mutter erzählte mir oft, dass sie Probleme mit dem Kind hat, dass sich viele Eltern bei ihr beschwerten, Erzieherinnen sie ansprechen und auch der Sportlehrer, der sogar einen Missbrauch vermutete. Sie ging daraufhin zum Kinder-Therapeuten, danach war aber klar für sie, dass nur das Kind die Schuld trägt und es nicht "normal sei" bzw. eifersüchtig auf das kleine Geschwisterchen. Das Kind war aber schon vor der zweiten Schwangerschaft aggressiv. Sie ist außerdem sehr unglücklich über ihr Kind, kritisiert es permanent und erwartet aus meiner Sicht stets zuviel. Ich beobachte einige Male, wie gefühllos und überfordert beide Elternteile mit dem Kind umgehen, eine liebevolle Ansprache und Körperkontakt gab bzw. gibt es so gut wie nie. Als Säugling lag das Kind oft nur da und wurde nicht beachtet. Immer nur Druck, es tut mir weh, das ansehen zu müssen. Da es "nur" eine Bekannte ist und keine echte Freundin habe ich mich bisher zurückgehalten. Aber nun habe ich interveniert, natürlich auch, weil ich meinen Sohn schützen möchte! In diesem Alter finde ich diese Art von Aggressivität nicht mehr als "Kleinkindverhalten" abtubar. Ihre Reaktion auf mein wohlwollendes Gespräch war mehr aus eindeutig und verletzend. Schade. Ihr würde das Lesen dieses Artikels sicher gut tun. Es ist traurig, dass manche Eltern nicht in der Lage sind, zu reflektieren. Vor Fehlern ist keiner gefeit, aber das Verhalten ist verletzend und das Kind tut mir unendlich Leid. Die Eltern sehen die Warnsignale nicht oder will sie nicht sehen... Und alle Personen, die sie darauf aufmerksam machen, wurden aus dem Freundes- und Bekanntenkreis ausgeschlossen. Sicher wird sie den Kontakt zu uns nun auch abbrechen. Es tut mir um das Kind so unendlich Leid. Das Kind war übrigens ein absolutes Wunschkind, die Eltern versuchten jahrelang schwanger zu werden. Daher verstehe ich so schwer, wie man das Kind dann so lieblos erzieht. Daher passt auch der Name der URL so gut. Ich frage mich, ob wir noch etwas tun können, aber mehr als ein Gespräch ist wohl schwer möglich. Gibt es jemanden, der uns einen Tipp geben kann oder eine ähnliche Situation erlebt hat? Oder wie wir uns verhalten sollen, wenn die Familie sich wider Erwartens doch wieder mit uns treffen möchte? Wir wollen natürlich nicht, dass unser Sohn wieder malträtiert wird : (

    AntwortenLöschen
  53. Hallo Danielle,
    ich liebe Deine Artikel, weil sie auch immer so wundervoll wissenschaftlich ausgearbeitet sind. Vielen Dank dafür. Mein Kind ist noch nicht im beschriebenen Alter. Ich habe aber eine Frage zu der von Dir beschriebenen Konfliktlösung unter Kleinkindern (unter 2 Jährigen). Eigentlich bin ich da auch bei Dir, dass man in Konflikte nicht sofort eingreifen sollte, aber was tut man, wenn das eigene Kind gebissen wird und weint? Da muss ich doch trösten bzw schützend eingreifen, oder? Und wie reagiere ich dem beißenden Kind gegenüber? Wir haben in unserer Krabbelgruppe einen "Beisser", dessen Mutter ziemlich verzweifelt ist, obwohl wir ihr auch immer sagen, dass das normal ist. Allerdings wird er mittlerweile durch Häufung des Beissens (er beisst auch seine Mutter) sehr oft deswegen gemaßregelt,teilweise aus der Situation genommen und in den Hochstuhl gesetzt oder in sein Zimmer gesteckt, was ich für sehr bedenklich halte. Was wäre denn ein Tipp deinerseits, auf sein Verhalten zu reagieren? Ich würde da gerne helfen, allerdings bin ich ok der Gruppe auch die einzige, die AP lebt und versucht, die Geister ihrer eigenen Erziehung zu verbannen. Wenn ich dann solche Links in der Gruppe poste, werde ich gerne belächelt. Leider bekommt diese Mutter von vielen Seiten auch gesagt, dass sie auf jeden Fall bestrafen müsse, weil er lernen müsse, dass er nicht beissen darf. Schwierig für mich, das hinzunehmen...
    Ich wäre dir sehr dankbar für einen Tipp.

    Viele Grüße, Tina

    AntwortenLöschen