Babys schreien lassen - warum Trost und Nähe wichtig sind

Wird ein Baby geboren, ist es vollkommen auf andere Menschen angewiesen. Es braucht Personen, die es füttern, wärmen, schützen, lieben und seine Grundbedürfnisse erfüllen. Um auf Hunger, Müdigkeit, Unwohlsein, Schmerzen oder das Bedürfnis nach Nähe aufmerksam zu machen, stehen ihm verschiedene Signale zur Verfügung. Das deutlichste davon ist sein Schreien.

Dieses Schreien löst bei Erwachsenen häufig eine starke Reaktion aus. Gerade in den ersten Wochen kann es Eltern regelrecht unter Strom setzen. Man wird nervös, der Puls steigt und alles im Körper drängt danach, herauszufinden, was das Baby braucht. Das erfüllt einen wichtigen Zweck: Ein Baby kann seine Bedürfnisse noch nicht selbst befriedigen und ist darauf angewiesen, dass andere Menschen auf seine Signale reagieren.

Warum Babys schreien

Babys kommunizieren lange vor dem Schreien. Ein hungriges Baby kann schmatzen, die Hände zum Mund führen oder suchende Kopfbewegungen machen. Müdigkeit zeigt sich unter anderem durch Gähnen, einen abgewandten Blick oder zunehmende Unruhe. Eltern lernen viele dieser individuellen Signale mit der Zeit kennen. Trotzdem lässt sich nicht jedes Schreien verhindern. Babys schreien auch dann, wenn ihre Eltern aufmerksam und liebevoll auf sie reagieren.

Und nicht immer lässt sich eindeutig herausfinden, was gerade los ist. Ein Baby kann satt, frisch gewickelt und auf dem Arm sein und trotzdem weinen. Besonders in den ersten Lebensmonaten gibt es Phasen, in denen Babys sehr viel schreien. Das bedeutet weder, dass die Eltern etwas falsch machen, noch dass jedes Schreien sofort beendet werden muss. Entscheidend ist, dass ein Baby mit seiner Belastung nicht dauerhaft allein gelassen wird.

Babys brauchen Hilfe bei der Regulation

Ein junges Baby kann starke Anspannung noch nicht so regulieren wie ein älteres Kind oder ein Erwachsener. Berührung, Körperkontakt, Stimme, Bewegung und die Nähe einer vertrauten Person können ihm dabei helfen, wieder zur Ruhe zu finden. Diese Co-Regulation ist ein wichtiger Bestandteil der frühen Eltern-Kind-Beziehung.

Dabei geht es nicht darum, dass ein Baby niemals weinen darf. Eltern können Bedürfnisse nicht in jeder Sekunde erfüllen. Sie müssen zur Toilette, kümmern sich um Geschwister, stehen unter der Dusche oder brauchen zwei Minuten, um selbst wieder ruhig zu werden. Auch ein Baby, das liebevoll im Arm gehalten wird, kann weiterweinen. Nähe und Trost bedeuten nicht automatisch, dass das Schreien sofort aufhört.

Ein wichtiger Unterschied besteht deshalb zwischen einem Baby, das weint und dabei begleitet wird, und einem Baby, das gezielt allein schreien gelassen wird, damit es ein bestimmtes Verhalten lernt. Schreien ist kein Fehlverhalten, das einem Baby abgewöhnt werden muss.

Was passiert, wenn Babys schreien gelassen werden?

Schreien ist für ein Baby mit körperlicher und emotionaler Aktivierung verbunden. Stresshormone wie Cortisol werden ausgeschüttet, Herzschlag und Atmung verändern sich. Junge Babys können starke Erregungszustände noch nicht zuverlässig selbst regulieren und sind dabei in besonderem Maße auf die Unterstützung ihrer Bezugspersonen angewiesen.

Was passiert, wenn ein Baby regelmäßig und über längere Zeit gezielt allein schreien gelassen wird, lässt sich wissenschaftlich nicht so eindeutig untersuchen, wie es auf den ersten Blick vielleicht scheint. Eine Studie, bei der Säuglinge absichtlich wiederholt starkem Stress ausgesetzt und nicht getröstet würden, um mögliche Langzeitschäden zu messen, wäre ethisch nicht vertretbar. Deshalb können wir weder exakt beziffern, ab welcher Dauer Schreien schädlich wird, noch vorhersagen, welche langfristigen Folgen bei welchem Kind auftreten könnten.

Aus der Entwicklungs-, Bindungs- und Stressforschung wissen wir jedoch, dass verlässliche und feinfühlige Reaktionen der Bezugspersonen für die frühe Entwicklung wichtig sind. Langanhaltender oder wiederholter Stress ohne ausreichende Unterstützung könnte die Entwicklung der Stressregulation beeinträchtigen. Die sehr weitgehende Behauptung, jedes Schreienlassen verursache zwangsläufig dauerhafte Hirnschäden, lässt sich wissenschaftlich ebenso wenig belegen.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass jedes kurze Schreien gefährlich wäre. Kein Elternteil kann immer sofort reagieren. Ein Baby kann weinen, während man auf der Toilette ist, das Geschwisterkind versorgt oder einige Minuten braucht, um sich selbst zu beruhigen. Entscheidend ist nicht eine einzelne Situation, sondern die Erfahrung, die ein Baby in seiner Beziehung immer wieder macht: Jemand reagiert auf meine Signale und ich bleibe mit Belastungen nicht dauerhaft allein.

Kann man ein Baby durch zu viel Trost verwöhnen?

Die Sorge, ein Baby könne durch häufiges Trösten, Tragen oder Reagieren auf sein Schreien verwöhnt werden, hält sich hartnäckig. Dahinter steckt häufig die Vorstellung, das Kind könne lernen: "Wenn ich schreie, bekomme ich meinen Willen."

Dafür müsste ein Baby sein Verhalten jedoch bewusst mit dem Ziel einsetzen, einen Erwachsenen zu einer bestimmten Handlung zu bewegen. Das ist etwas völlig anderes als die Erfahrung: "Wenn ich Hunger habe, Angst bekomme oder Nähe brauche, reagiert jemand auf mich." Auf die Signale eines Babys einzugehen bedeutet deshalb nicht, ihm jede Frustration abzunehmen oder ihm später keine Grenzen setzen zu können. Babys dürfen erleben, dass ihre Kommunikation eine Wirkung hat. Genau dafür kommunizieren sie.

Warum das Schreienlassen so tief in unserer Erziehungsgeschichte steckt

Viele heutige Eltern haben Sätze gehört wie "Du musst es auch mal schreien lassen", "Das stärkt die Lungen" oder "Sonst tanzt es dir irgendwann auf der Nase herum". Solche Vorstellungen haben eine lange Geschichte. Besonders prägend war in Deutschland Johanna Haarers 1934 erschienenes Buch "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind". Es propagierte eine ausgesprochen distanzierte Säuglingspflege und warnte davor, auf das Schreien eines Babys zu bereitwillig zu reagieren.

Das Buch erschien nach dem Krieg in veränderter Form weiter und prägte damit auch nachfolgende Generationen. Mehr dazu findet Ihr in unserer Artikelserie "Die Erziehung unserer Großeltern und Eltern". Dass entsprechende Vorstellungen bis heute weitergegeben werden, ist daher nicht verwunderlich. Wer selbst gelernt hat, ein Baby müsse möglichst früh allein zurechtkommen, empfindet häufiges Tragen, Stillen, Trösten oder Einschlafbegleitung schnell als zu viel.

Der Druck rund um den Babyschlaf

"Und - schläft Dein Kind schon durch?" gehört vermutlich zu den meistgestellten Fragen an junge Eltern. Dahinter steckt häufig die Erwartung, ein Baby müsse möglichst bald allein einschlafen und nachts lange Schlafphasen schaffen.

Die Realität sieht bei vielen Familien anders aus. Babys wachen nachts auf, brauchen Unterstützung beim Einschlafen und suchen die Nähe ihrer Bezugspersonen. Das ist zunächst kein Hinweis darauf, dass Eltern ihrem Kind etwas Falsches angewöhnt haben. Schlaf entwickelt sich im Laufe der ersten Lebensjahre erheblich.

Für Eltern kann das trotzdem enorm belastend sein. Viele Familien ziehen ihre Kinder heute mit wenig Unterstützung auf. Wenn ein Baby abends nur mit Begleitung einschläft und nachts häufig aufwacht, trifft sein Bedürfnis nach Unterstützung auf Eltern, die selbst dringend Schlaf, Ruhe und Zeit für sich brauchen. Das Problem lässt sich deshalb nicht sinnvoll darauf reduzieren, dass Eltern nur konsequenter sein müssten.

Was wissen wir über Schlafprogramme und Schreienlassen?

Unter dem Begriff "Schreienlassen" werden sehr unterschiedliche Vorgehensweisen zusammengefasst. Ein Neugeborenes über längere Zeit allein schreien zu lassen ist etwas anderes als eine strukturierte Schlafintervention bei einem deutlich älteren Baby. Forschungsergebnisse zu einzelnen Schlafprogrammen beantworten deshalb nicht automatisch die Frage, welche Folgen regelmäßiges und länger andauerndes unbeantwortetes Schreien für ein junges Baby haben könnte.

Untersuchungen einzelner verhaltensorientierter Schlafverfahren konnten bislang keine eindeutigen langfristigen Schäden nachweisen. Das beweist jedoch nicht, dass gezieltes Schreienlassen generell unbedenklich ist. Untersucht wurden bestimmte Methoden, Altersgruppen und Zeiträume. Die möglichen Folgen anderer Formen des Schreienlassens lassen sich daraus nicht zuverlässig ableiten. Gezielte Studien, bei denen Babys absichtlich wiederholt starkem Stress durch langes unbeantwortetes Schreien ausgesetzt würden, wären aus ethischen Gründen nicht vertretbar.

Für uns gibt es deshalb keinen Grund, Schreien gezielt als Mittel einzusetzen, damit ein Baby allein einschlafen lernt. Wer sein Kind beim Einschlafen begleiten und auf sein Weinen reagieren möchte, darf das tun. Nähe beim Einschlafen ist keine schlechte Angewohnheit, die einem Baby möglichst früh abtrainiert werden muss.

Was tun, wenn das Schreien zu viel wird?

Ein schreiendes Baby kann Eltern an ihre Belastungsgrenze bringen. Besonders stundenlanges Schreien kann Wut, Hilflosigkeit, Verzweiflung oder den starken Wunsch auslösen, dass das Schreien endlich aufhört.

Wenn Du merkst, dass Du die Kontrolle verlieren könntest, lege Dein Baby sicher ab und verlasse für einige Minuten den Raum. Ein Baby einige Minuten sicher im Bett weinen zu lassen, ist in dieser Situation die richtige Entscheidung. Schüttle niemals ein Baby. Hole Dir Unterstützung, sobald Du merkst, dass Deine Kräfte nicht mehr reichen.

Das widerspricht auch nicht dem Gedanken dieses Artikels. Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Baby, das für einige Minuten sicher abgelegt wird, weil ein völlig überforderter Elternteil sich beruhigen muss, und dem gezielten Schreienlassen als Methode.

Strategien für solche Situationen findest Du in unserem Artikel über Wut bei Eltern. Für Familien mit Babys, die sehr viel und lange schreien, haben wir außerdem einen ausführlichen Artikel über Schreibabys und exzessives Schreien.

Fazit

Babys schreien. Auch liebevoll begleitete Babys tun das. Eltern müssen deshalb nicht den Anspruch haben, jedes Weinen sofort verhindern oder beenden zu können. Ein Baby darf traurig, müde, überreizt oder unzufrieden sein und dabei weinen.

Was es in diesen Momenten braucht, ist keine Erziehungsmaßnahme gegen das Schreien. Gerade junge Babys sind auf Erwachsene angewiesen, die versuchen herauszufinden, was ihnen fehlt, sie trösten und ihnen bei der Regulation helfen. Dass ein Baby dabei weiterweint, bedeutet nicht, dass dieser Trost wirkungslos ist.

Wir können wissenschaftlich nicht seriös behaupten, jedes Schreienlassen führe zwangsläufig zu bestimmten späteren Schäden. Wir können aber ebenso wenig daraus schließen, gezieltes und länger andauerndes Schreienlassen sei erwiesenermaßen harmlos. Dafür gibt es weder die nötigen Studien noch wären entsprechende gezielte Belastungsstudien mit Babys ethisch vertretbar.

Ein Baby muss nicht lernen, dass Schreien zwecklos ist. Es darf lernen, dass seine Signale gehört werden.

© Danielle

Erkältung bei Babys und Kindern - was hilft bei Husten und Schnupfen?

Hausmittel gegen Husten und Schnupfen bei Kindern

Erkältungen gehören bei Babys und Kleinkindern zum Alltag. Besonders Kinder, die eine Kita besuchen, können mehrmals im Jahr erkältet sein. Meist steckt ein Virus dahinter und der Infekt verschwindet von selbst wieder. Schnupfen und Halsschmerzen sind häufig nach einigen Tagen deutlich besser, Husten kann dagegen auch zwei bis drei Wochen anhalten.

Gerade bei Babys können schon vergleichsweise geringe Schwellungen der Schleimhäute unangenehm sein. Eine verstopfte Nase erschwert das Trinken und Schlafen, Husten kann nachts die ganze Familie wachhalten. Viele Hausmittel heilen einen Erkältungsinfekt nicht, einige können die Beschwerden aber lindern.

Was hilft bei einer verstopften Nase?

Bei Schnupfen kann isotonische Kochsalzlösung helfen, die Nasenschleimhaut zu befeuchten und zähen Schleim zu lösen. Für Babys und kleine Kinder würde ich dafür eine sterile, fertige Kochsalzlösung aus Apotheke oder Drogerie verwenden. Besonders vor dem Trinken oder Schlafen kann es angenehm sein, wenn die Nase dadurch etwas freier wird.

Bei Babys kann anschließend vorsichtig ein Nasensauger verwendet werden, wenn viel Sekret die Atmung behindert. Dabei gilt nicht: Je stärker man saugt, desto besser. Die empfindliche Nasenschleimhaut sollte möglichst wenig gereizt werden. Praktisch sind elektrische Nasensauger mit regulierbarer Saugkraft, zum Beispiel der Nosiboo Pro Nasensauger.

Ist die Nase so stark zugeschwollen, dass ein Baby schlecht trinken oder schlafen kann, können abschwellende Nasentropfen sinnvoll sein. Bei Babys und kleinen Kindern dürfen ausschließlich für das jeweilige Alter geeignete Präparate in der vorgesehenen Dosierung verwendet werden. Im Zweifel sollte man sich dazu kinderärztlich oder in der Apotheke beraten lassen.

Was hilft Kindern bei Husten?

Husten ist zunächst ein sinnvoller Schutzreflex. Er hilft dabei, Schleim und Fremdstoffe aus den Atemwegen zu befördern. Bei einem normalen Erkältungshusten geht es deshalb meist nicht darum, den Husten vollständig zu unterdrücken, sondern dem Kind die Beschwerden zu erleichtern.

Wichtig ist vor allem ausreichend Flüssigkeit. Stillkinder können häufiger angelegt werden, ältere Kinder sollten regelmäßig etwas zu trinken angeboten bekommen. Eine angenehm kühle, nicht verrauchte Raumluft kann ebenfalls guttun. Tabakrauch belastet die Atemwege zusätzlich und sollte in der Umgebung von Kindern grundsätzlich vermieden werden.

Bei Kindern ab einem Jahr kann Honig Husten lindern, besonders am Abend. Babys unter zwölf Monaten dürfen keinen Honig bekommen, weil die Gefahr eines Säuglingsbotulismus besteht.

Auch der traditionelle Zwiebelsaft kann bei Kindern ab einem Jahr ausprobiert werden, wenn sie ihn mögen. Der Vorteil solcher Hausmittel liegt vor allem darin, dass sie den gereizten Hals befeuchten und als angenehm empfunden werden können.

Inhalieren bei Husten und Erkältung

Feuchtwarme Luft empfinden einige Kinder bei Husten und Schnupfen als angenehm. Dafür kann man sich mit dem Kind eine Weile ins Badezimmer setzen und warmes Wasser in der Dusche laufen lassen. Das Kind bleibt dabei natürlich in sicherem Abstand zum heißen Wasser.

Soll Kochsalzlösung inhaliert werden, eignen sich elektrische Vernebler, die ohne heißes Wasser arbeiten, zum Beispiel ein PARI BOY Inhalationsgerät. Ob das bei den Beschwerden des Kindes sinnvoll ist oder Medikamente inhaliert werden sollen, sollte mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprochen werden.

Brauchen Kinder Hustensaft?

Bei einem gewöhnlichen Erkältungshusten ist ein Hustensaft meistens nicht notwendig. Viele frei verkäufliche Hustenmittel haben bei Kindern keinen überzeugend nachgewiesenen Nutzen. Außerdem sind nicht alle Präparate für jedes Alter geeignet.

Ein hartnäckiger oder ungewöhnlicher Husten sollte deshalb nicht einfach mit verschiedenen Hustenmitteln behandelt werden. Bei länger anhaltendem Husten, Atemproblemen oder einem deutlich beeinträchtigten Kind sollte vielmehr geklärt werden, was hinter dem Husten steckt.

Fieber bei Babys und Kleinkindern

Erkältungen können mit Fieber einhergehen. Entscheidend ist dabei nicht allein die Zahl auf dem Thermometer, sondern auch das Alter und der Allgemeinzustand des Kindes. Bei Babys in den ersten drei Lebensmonaten sollte eine Körpertemperatur ab 38 °C ärztlich abgeklärt werden. Auch unabhängig von der Temperatur sollte ein sehr junges Baby ärztlich untersucht werden, wenn es ungewöhnlich schlapp wirkt, schlecht trinkt oder sich seine Hautfarbe verändert.

Ausführliche Informationen dazu findet Ihr in unserem Artikel Fieber bei Babys und Kindern - wann sollte man es senken?.

Was sonst bei einer Erkältung hilft

Erkältete Kinder brauchen vor allem Ruhe, Flüssigkeit und Zuwendung. Das Zimmer sollte regelmäßig gelüftet werden.

Für Babys gilt auch bei einer Erkältung: Sie sollten auf einer festen, ebenen Matratze schlafen. Ist die Haut unter der Nase vom häufigen Abwischen gereizt, kann eine dünne Schicht einer einfachen fetthaltigen Schutzsalbe auf der Haut helfen. Sie gehört nicht in die Nasenlöcher.

Wann sollte man mit einer Erkältung zum Arzt gehen?

Je jünger ein Baby ist, desto aufmerksamer sollte man bei Krankheitszeichen sein. Besonders bei sehr jungen Säuglingen sollte man lieber frühzeitig ärztlichen Rat einholen. Ärztlich abgeklärt werden sollte eine Erkältung insbesondere, wenn das Kind deutlich schlechter trinkt, ungewöhnlich schlapp oder teilnahmslos wirkt, starke Schmerzen hat, sich sein Zustand verschlechtert oder die Beschwerden ungewöhnlich lange anhalten. Auch Husten kann nach einem Erkältungsinfekt länger bestehen bleiben und muss nicht nach zehn Tagen verschwunden sein.

Bei Atemnot ist schnelle Hilfe notwendig. Warnzeichen sind beispielsweise eine bläuliche oder graue Verfärbung der Haut oder Lippen, deutlich angestrengte oder sehr schnelle Atmung, Einziehungen am Brustkorb oder wenn das Kind kaum Luft bekommt. In solchen Situationen sollte der Rettungsdienst unter 112 gerufen werden.

Ein bellender Husten, eventuell zusammen mit einem ziehenden Geräusch beim Einatmen, kann auf einen Pseudokrupp hindeuten. Auch Ohrenschmerzen oder anhaltende starke Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.

Die Farbe des Nasensekrets oder des abgehusteten Schleims allein verrät nicht, ob eine bakterielle Infektion vorliegt. Auch bei einem gewöhnlichen viralen Infekt kann Schleim gelblich oder grünlich werden. Daraus allein lässt sich nicht ableiten, dass ein Kind Antibiotika benötigt.

Vorsicht mit ätherischen Ölen bei Babys und Kleinkindern

Bei ätherischen Ölen ist bei kleinen Kindern besondere Vorsicht geboten. Schon geringe Mengen bestimmter ätherischer Öle können bei Säuglingen und Kleinkindern schwere Reaktionen hervorrufen. Besonders problematisch sind unter anderem Kampfer, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl beziehungsweise Menthol und bestimmte Thymianöle.

Unverdünnte ätherische Öle gehören deshalb nicht an oder in die Nase eines Babys und nicht direkt auf die Haut. Auch bei Erkältungsbalsam, Badezusätzen oder Inhalationspräparaten sollte genau auf die Altersangabe geachtet werden. Für Babys und Kleinkinder sollten ausschließlich Produkte verwendet werden, die ausdrücklich für das jeweilige Alter geeignet sind. Das gilt auch für Duft- und Aromaöle. "Natürlich" bedeutet bei ätherischen Ölen nicht automatisch "für Babys ungefährlich".

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Mein Kind ist krank - Ansprüche auf Freistellung von der Arbeit

Das Kind wacht morgens mit Fieber auf, kann nicht in die Kita oder Schule und ein Elternteil muss zu Hause bleiben. Für berufstätige Eltern stellt sich dann schnell die Frage: Darf ich wegen meines kranken Kindes der Arbeit fernbleiben? Bekomme ich mein Gehalt weiter oder Kinderkrankengeld? Und wie viele Kinderkrankentage stehen mir überhaupt zu?

Die Antwort hängt vor allem davon ab, wie Eltern und Kind krankenversichert sind und welche Regelungen im Arbeits- oder Tarifvertrag stehen. Für gesetzlich Versicherte ist vor allem § 45 SGB V wichtig. Daneben kann § 616 BGB eine Rolle spielen.

Wie viele Kinderkrankentage gibt es 2026?

Für das Jahr 2026 haben gesetzlich krankenversicherte Eltern für jedes gesetzlich versicherte Kind Anspruch auf 15 Arbeitstage Kinderkrankengeld je Elternteil. Bei mehreren Kindern ist der Anspruch auf insgesamt 35 Arbeitstage pro Elternteil begrenzt.

Alleinerziehende haben 2026 Anspruch auf 30 Arbeitstage je Kind, bei mehreren Kindern auf höchstens 70 Arbeitstage insgesamt.

Die erhöhten Zahlen gelten nach derzeitiger Rechtslage ausdrücklich für 2026. Deshalb sollte man bei diesem Thema immer auf das jeweilige Kalenderjahr achten.

Wann besteht Anspruch auf Kinderkrankengeld?

Der Anspruch auf Kinderkrankengeld richtet sich nach § 45 SGB V. Voraussetzung ist grundsätzlich, dass das betreuende Elternteil mit Anspruch auf Krankengeld gesetzlich krankenversichert ist und auch das erkrankte Kind gesetzlich versichert ist. Außerdem muss die Betreuung, Beaufsichtigung oder Pflege des Kindes erforderlich sein und es darf keine andere im Haushalt lebende Person geben, die diese übernehmen kann.

Das Kind darf das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Für Kinder mit Behinderung, die auf Hilfe angewiesen sind, gilt diese Altersgrenze nicht. Die Notwendigkeit der Betreuung muss ärztlich bescheinigt werden. Dafür gibt es die "Ärztliche Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes", das sogenannte Muster 21.

Übrigens gilt der Anspruch auch dann, wenn ein Elternteil grundsätzlich im Homeoffice arbeiten könnte. Wer ein krankes Kind betreuen muss und deshalb nicht arbeiten kann, muss nicht nebenbei im Homeoffice weiterarbeiten.

Wie hoch ist das Kinderkrankengeld?

Das Kinderkrankengeld beträgt grundsätzlich 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts. Hat der versicherte Elternteil in den zwölf Monaten vor der Freistellung beitragspflichtige Einmalzahlungen erhalten, beispielsweise Weihnachts- oder Urlaubsgeld, beträgt es 100 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts. Allerdings gilt eine gesetzliche Höchstgrenze.

Das Kinderkrankengeld wird von der gesetzlichen Krankenkasse gezahlt. Es ist also keine Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.

Kann ich wegen meines kranken Kindes bezahlt zu Hause bleiben?

Neben dem Kinderkrankengeld kann § 616 BGB eine Rolle spielen. Danach kann der Anspruch auf Vergütung bestehen bleiben, wenn ein Arbeitnehmer für eine "verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit" aus einem persönlichen Grund ohne eigenes Verschulden nicht arbeiten kann. Dazu kann auch die notwendige Betreuung eines erkrankten Kindes gehören.

Eine feste gesetzliche Zahl von beispielsweise fünf bezahlten Kinderkrankentagen enthält § 616 BGB allerdings nicht. Wie lange die bezahlte Freistellung im Einzelfall reicht, hängt von den Umständen und gegebenenfalls von arbeits- oder tarifvertraglichen Regelungen ab.

Vor allem sollte man in den eigenen Arbeitsvertrag und einen möglicherweise geltenden Tarifvertrag schauen. § 616 BGB kann dort eingeschränkt oder vollständig ausgeschlossen sein. Ist eine bezahlte Freistellung ausgeschlossen und liegen die Voraussetzungen des § 45 SGB V vor, kommt stattdessen Kinderkrankengeld in Betracht.

Wird das Arbeitsentgelt für die Betreuung des Kindes weitergezahlt, erhält man für denselben Zeitraum nicht zusätzlich Kinderkrankengeld.

Muss ich zuerst Überstunden oder Urlaub nehmen?

Nein. Wer die Voraussetzungen für Kinderkrankengeld erfüllt, muss nicht erst Urlaubstage, Überstunden oder ein vorhandenes Zeitguthaben aufbrauchen. Der gesetzliche Anspruch auf unbezahlte Freistellung nach § 45 SGB V kann vom Arbeitgeber nicht vertraglich ausgeschlossen oder beschränkt werden.

Auch Kinderkrankentage müssen nicht zwingend am Stück genommen werden. Eltern können beispielsweise einzelne Arbeitstage nutzen und sich bei der Betreuung mit dem anderen Elternteil abwechseln.

Was gilt, wenn ein Elternteil privat versichert ist?

Entscheidend ist nicht allein, wie der betreuende Elternteil versichert ist, sondern auch die Versicherung des Kindes. Ist beispielsweise die Mutter gesetzlich versichert und auch das Kind gesetzlich versichert, kann die Mutter bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen Kinderkrankengeld erhalten, selbst wenn der Vater privat versichert ist.

Ist das Kind dagegen privat versichert, besteht kein Anspruch auf Kinderkrankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung. Ob eine private Krankenversicherung für solche Fälle Leistungen vorsieht, hängt vom jeweiligen Tarif ab.

Der arbeitsrechtliche Anspruch, zur notwendigen Betreuung eines kranken Kindes von der Arbeit fernzubleiben, ist davon zu unterscheiden. Ob die Zeit bezahlt wird, ist eine weitere Frage und kann sich insbesondere nach § 616 BGB sowie nach dem Arbeits- oder Tarifvertrag richten.

Kann man Kinderkrankentage auf den anderen Elternteil übertragen?

Einen gesetzlichen Anspruch darauf, nicht verbrauchte Kinderkrankentage des anderen Elternteils einfach auf sich übertragen zu lassen, gibt es nicht. Wenn ein Elternteil seinen eigenen Anspruch bereits ausgeschöpft hat, sollte man mit der Krankenkasse und dem Arbeitgeber klären, welche Möglichkeiten im konkreten Fall bestehen.

Was gilt bei einem Krankenhausaufenthalt des Kindes?

Seit 2024 gibt es auch Kinderkrankengeld, wenn ein gesetzlich versichertes Kind stationär behandelt wird und die Mitaufnahme eines Elternteils aus medizinischen Gründen erforderlich ist. Das gilt grundsätzlich für Kinder unter zwölf Jahren sowie unabhängig vom Alter für Kinder mit Behinderung, die auf Hilfe angewiesen sind. Die medizinische Notwendigkeit und die Dauer der Mitaufnahme müssen vom Krankenhaus bescheinigt werden.

Was gilt bei schwerstkranken Kindern?

Für schwerstkranke Kinder enthält § 45 SGB V eine besondere Regelung. Ist die Erkrankung fortschreitend, bereits weit fortgeschritten, eine Heilung ausgeschlossen und nur noch eine begrenzte Lebenserwartung von Wochen oder wenigen Monaten zu erwarten, kann ein Elternteil Kinderkrankengeld ohne die normale zeitliche Begrenzung erhalten. In solchen Situationen sollte man sich direkt an die Krankenkasse wenden.

Was gilt für Selbstständige?

Bei Selbstständigen hängt der Anspruch davon ab, wie sie krankenversichert sind. Freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige haben nicht automatisch einen Krankengeldanspruch. Entscheidend ist, ob ihre Versicherung einen Anspruch auf Krankengeld umfasst. Wer den ermäßigten Beitragssatz ohne Krankengeldanspruch gewählt hat, hat grundsätzlich auch keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Selbstständige sollten deshalb direkt bei ihrer Krankenkasse prüfen, welcher Krankengeldanspruch in ihrem Tarif beziehungsweise ihrer Wahlerklärung vereinbart ist.

Was gilt für Beamte und Beschäftigte im öffentlichen Dienst?

Für Beamte gelten eigene beamtenrechtliche Vorschriften, die sich zudem zwischen Bund und Ländern unterscheiden können. Auch für Beschäftigte im öffentlichen Dienst können tarifvertragliche Sonderregelungen gelten. Die allgemeinen Zahlen zum Kinderkrankengeld lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf alle Beamten und alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst übertragen.

Was passiert, wenn alle Kinderkrankentage aufgebraucht sind?

Sind die bezahlten beziehungsweise durch Kinderkrankengeld abgesicherten Tage ausgeschöpft und muss das Kind weiterhin zwingend betreut werden, bedeutet das nicht automatisch, dass Eltern ihr krankes Kind alleinlassen müssen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein arbeitsrechtliches Leistungsverweigerungsrecht bestehen, wenn die Arbeitsleistung wegen der notwendigen Betreuung persönlich unzumutbar ist. Eine Vergütung oder Kinderkrankengeld folgt daraus jedoch nicht automatisch.

Bei längeren oder schweren Erkrankungen sollte man deshalb frühzeitig mit Arbeitgeber und Krankenkasse sprechen. Je nach Situation können außerdem andere sozialrechtliche Hilfen in Betracht kommen.

Was muss ich tun, wenn mein Kind morgens krank ist?

Der Arbeitgeber sollte so früh wie möglich darüber informiert werden, dass man wegen der Betreuung des erkrankten Kindes nicht zur Arbeit kommen kann. Wer Kinderkrankengeld beantragen möchte, benötigt außerdem die ärztliche Bescheinigung über die notwendige Betreuung des Kindes.

Welche Unterlagen die Krankenkasse konkret benötigt und wie sie eingereicht werden sollen, kann sich unterscheiden. Deshalb ist es sinnvoll, die Informationen der eigenen Krankenkasse zu prüfen.

Bekomme ich Urlaubstage zurück, wenn mein Kind im Urlaub krank wird?

Nein. Wird man selbst während des Urlaubs arbeitsunfähig krank und weist dies ärztlich nach, werden die entsprechenden Krankheitstage grundsätzlich nicht auf den Jahresurlaub angerechnet. Erkrankt dagegen das Kind während des Urlaubs, gilt diese Regelung nicht. Die Urlaubstage des betreuenden Elternteils werden deshalb grundsätzlich nicht wieder gutgeschrieben.

Die Regelungen rund um Kinderkrankentage wirken auf den ersten Blick kompliziert, weil Arbeitsrecht und Krankenversicherungsrecht ineinandergreifen. Für die meisten gesetzlich versicherten Eltern sind 2026 vor allem drei Punkte entscheidend: 15 Kinderkrankentage je Kind und Elternteil, maximal 35 Tage bei mehreren Kindern, und in der Regel 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts als Kinderkrankengeld.

© Danielle

Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern - Erste Hilfe und Vorbeugung

Vorab ein wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung und keinen Erste-Hilfe-Kurs. Gerade bei Babys und Kleinkindern ist es sinnvoll, einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind zu besuchen, beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz.

Verbrennungen und Verbrühungen gehören besonders bei kleinen Kindern zu den typischen Unfallgefahren. Gefährlich sind vor allem heiße Flüssigkeiten: Eine Tasse Kaffee oder Tee, ein Topf mit heißem Wasser oder eine heruntergezogene Schüssel können bei einem kleinen Kind eine vergleichsweise große Hautfläche treffen. Besonders häufig passieren solche Unfälle in den ersten Lebensjahren, wenn Kinder mobiler werden, nach Gegenständen greifen und Gefahren noch nicht einschätzen können.

Verbrennung oder Verbrühung - wann braucht ein Kind ärztliche Hilfe?

Wie schwer eine Verbrennung ist, hängt nicht nur davon ab, wie die Haut unmittelbar danach aussieht. Entscheidend sind unter anderem die Größe und Tiefe der Verletzung, die betroffene Körperstelle, das Alter des Kindes und die Ursache. Gerade bei Kindern sollte man im Zweifel lieber einmal zu viel medizinischen Rat einholen. Schwere Verbrennungen können außerdem anfangs weniger dramatisch aussehen, als sie tatsächlich sind.

Bei einer oberflächlichen Verbrennung ist die Haut gerötet und schmerzhaft. Bei tieferen Verbrennungen können sich Blasen bilden, die Haut kann stark anschwellen oder weißlich, grau beziehungsweise dunkel erscheinen. Sehr tiefe Verbrennungen können paradoxerweise weniger schmerzen, weil Nerven geschädigt worden sind. Für Eltern ist es jedoch nicht notwendig, eine Verbrennung selbst zuverlässig einem bestimmten Verbrennungsgrad zuzuordnen.

Den Rettungsdienst unter 112 rufen sollte man insbesondere bei großflächigen oder schweren Verbrennungen, bei Bewusstlosigkeit oder Atemproblemen, bei einem Brand mit möglicher Rauchgasinhalation oder wenn der Allgemeinzustand des Kindes Anlass zur Sorge gibt. Auch Verbrennungen im Gesicht, am Hals, an Händen, Füßen, Gelenken oder im Genitalbereich sowie elektrische oder chemische Verbrennungen sollten ärztlich beurteilt werden.

Bei kleineren Verletzungen gilt: Wenn sich Blasen bilden, die Verbrennung größer ist, starke Schmerzen verursacht oder man sich hinsichtlich des Ausmaßes unsicher ist, sollte das Kind ärztlich vorgestellt werden.

Erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen

Zuerst muss die Gefahrenquelle beseitigt werden. Brennende Kleidung mit Wasser löschen, mit einer Decke ersticken oder das Kind auf dem Boden wälzen. Bei Verbrühungen sollte mit heißer Flüssigkeit durchtränkte Kleidung möglichst rasch und vorsichtig ausgezogen werden. Kleidung, die an verbrannter Haut festklebt, darf dagegen nicht gewaltsam abgerissen werden.

Danach Bewusstsein und Atmung prüfen. Atmet das Kind nicht normal, müssen sofort lebensrettende Sofortmaßnahmen begonnen und der Rettungsdienst alarmiert werden.

Soll man eine Verbrennung kühlen?

Hier haben sich die Empfehlungen gegenüber früher verändert. Kleinflächige Verbrennungen, beispielsweise an einem Finger, können mit handwarmem Wasser gekühlt werden. Das Wasser sollte mindestens etwa 15 °C warm sein. Gekühlt wird höchstens zehn Minuten. Sobald das Kind friert oder sich unwohl fühlt, wird die Kühlung beendet.

Großflächige Verbrennungen werden bei Kindern nicht gekühlt. Hier ist die Gefahr einer Unterkühlung zu groß. Die verletzte Stelle wird stattdessen möglichst keimfrei, locker und ohne Druck abgedeckt, das Kind warm gehalten und der Rettungsdienst unter 112 verständigt.

Eis, Eiswasser und Kühlpacks gehören nicht auf eine Verbrennung. Sie können das Gewebe zusätzlich schädigen und erhöhen gerade bei Kindern die Gefahr einer Unterkühlung.

Kleinkindhand unter Wasserhahn

Was gehört nicht auf eine Verbrennung?

Mehl, Öl, Puder, Zahnpasta und andere Hausmittel gehören nicht auf verbrannte Haut. Auch Salben sollte man bei einer frischen Brandverletzung nicht einfach auftragen. Sie können die Beurteilung und Versorgung der Wunde erschweren. Brandblasen werden nicht geöffnet, da dadurch die Infektionsgefahr steigt.

Größere beziehungsweise offene Brandwunden können bis zur medizinischen Versorgung mit einem sterilen Verbandtuch aus dem Verbandkasten locker und ohne Druck abgedeckt werden. Bei einer behandlungsbedürftigen Verbrennung sollte außerdem der Tetanus-Impfschutz überprüft werden.

Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern vorbeugen

Viele Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle passieren im eigenen Zuhause. Gerade in der Küche und im Badezimmer lässt sich das Risiko mit einigen einfachen Gewohnheiten deutlich reduzieren:

  • Heiße Getränke und Speisen immer weit entfernt vom Tischrand abstellen.
  • Nichts Heißes trinken oder essen, während ein Baby oder Kleinkind auf dem Schoß sitzt.
  • Auf herunterhängende Tischdecken verzichten.
  • Beim Kochen möglichst die hinteren Herdplatten benutzen und Topf- und Pfannengriffe nach hinten drehen.
  • Bei Bedarf ein Herdschutzgitter verwenden.
  • Wasserkocher und andere Geräte so aufstellen, dass Kinder nicht an Kabeln ziehen können.
  • Bügeleisen nach Gebrauch ausstecken und außerhalb der Reichweite von Kindern abkühlen lassen.
  • Speisen und Getränke aus der Mikrowelle gut umrühren und die Temperatur vor dem Füttern prüfen.
  • Die Heißwassertemperatur des Boilers möglichst auf maximal 50 °C begrenzen und feststellbare Wasserregler im Bad auf maximal 38 °C einstellen.
  • Badewasser auf etwa 36 bis 37 °C einstellen und die Temperatur kontrollieren. Niemals heißes Wasser nachlaufen lassen, während das Kind bereits in der Badewanne sitzt.
  • Streichhölzer und Feuerzeuge konsequent außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
  • Kinder an Kerzen, Feuerstellen und Grills nie unbeaufsichtigt lassen.
  • Zum Anzünden oder Nachgießen beim Grillen niemals Spiritus oder andere Brandbeschleuniger verwenden.
  • Fettbrände niemals mit Wasser löschen.
  • Keine Heizdecken in Baby- oder Kinderbetten verwenden.
  • Heizstrahler, Öfen und andere sehr heiße Oberflächen so sichern, dass kleine Kinder sie nicht berühren können.
  • Rauchmelder installieren und regelmäßig überprüfen.

Auch Kinder können lernen, sich bei einem Brand richtig zu verhalten

Mit zunehmendem Alter können Kinder lernen, dass sie bei einem Feuer sofort einen Erwachsenen alarmieren und sich in Sicherheit bringen müssen. Wichtig ist vor allem, dass sie sich nicht verstecken und nicht zurücklaufen, um Spielzeug oder Kuscheltiere zu holen. Fluchtwege und das Verhalten im Brandfall kann man altersgerecht gemeinsam besprechen und üben.

Vorbeugung bleibt bei Verbrennungen und Verbrühungen besonders wichtig. Kleine Kinder können Gefahren durch Hitze noch nicht zuverlässig einschätzen. Deshalb liegt die Verantwortung zunächst bei den Erwachsenen, typische Gefahrenquellen so gut wie möglich zu entschärfen.

© Danielle

Wenn die Trotzphase eskaliert - Wutanfälle verstehen und gelassener reagieren

Ich weiß noch, dass der erste Wutanfall einer meiner Töchter mich unvorbereitet traf wie ein Schlag aus dem Nichts. Mein Kind war 14 Monate alt, wir hatten im Bio-Laden gerade eingekauft und sie gebärdete "Keks!". Ich gab ihr einen Keks und .... "WUUUUÄÄÄÄÄÄÄHHHHHHHH!!!!!!!". Wie vom Donner gerührt stand ich da und guckte ungläubig auf mein bis dato liebes Kleinkind. Wie jetzt, "Wuäh?" Ich habe dir doch deinen erbetenen "Keks" gegeben? Aber nein, das Kind schrie und stampfte und wurde immer wütender, weil ich nur Bahnhof verstand. Nach langem mühevollen Ausprobieren mehrerer Optionen, bei dem ich im Übrigen tierisch ins Schwitzen und ziemlich in Panik geriet, wurde klar: Das Kind will keinen Keks, das Kind will die gerade eingekaufte Banane! Sie konnte aber Banane noch nicht gebärden. Ach herrjemine, dachte ich, das kann ja lustig werden mit der Trotzphase in den nächsten Monaten!

Warum kleine Kinder ihre Wut noch nicht gut regulieren können

Wenn Kinder größer werden, stellen sie fest, dass ihre Wünsche und Vorstellungen nicht immer mit denen ihrer Mitmenschen übereinstimmen. Sie wollen selbst entscheiden, etwas unbedingt haben oder etwas auf keinen Fall tun - und treffen auf Grenzen, fehlende Fähigkeiten oder schlicht auf eine Wirklichkeit, die nicht so funktioniert, wie sie es sich gerade wünschen. Wut, Frust, Trauer und Enttäuschung gehören deshalb zur Autonomieentwicklung dazu.

Die Fähigkeit, mit solchen Gefühlen umzugehen, ist bei kleinen Kindern noch lange nicht ausgereift. Schon Babys können sich bis zu einem gewissen Grad selbst beruhigen, etwa indem sie sich von einem Reiz abwenden oder saugen. Bei stärkerer Belastung sind sie jedoch auf die Regulation durch ihre Bezugspersonen angewiesen. Mit zunehmendem Alter kommen immer mehr eigene Strategien hinzu. Kinder können sich zurückziehen, Nähe suchen, ein Kuscheltier holen, später Gefühle benennen, sich selbst beruhigen, Lösungen suchen und ihre Gedanken bewusst beeinflussen. Dieser Prozess zieht sich über viele Jahre.

Das bedeutet auch: Ein zwei- oder dreijähriges Kind, das vor Wut völlig außer sich ist, verfügt nicht einfach nur über zu wenig Disziplin. Es kann seine starke Erregung noch nicht zuverlässig allein herunterregulieren. Genau deshalb hilft es wenig, einem Kind mitten im heftigsten Wutanfall zu erklären, warum sein Verhalten gerade unvernünftig ist.

Was passiert bei einem Wutanfall?

In älteren Erziehungsratgebern wurde das gern mit einem sehr einfachen Modell von rechter und linker Gehirnhälfte erklärt. Auch Dr. Harvey Karp, Autor des Buches "Das glücklichste Kleinkind der Welt", begründete seine Methode damit: Beim wütenden Kleinkind übernehme die emotionale rechte Gehirnhälfte, während die vernünftige und sprachliche linke Gehirnhälfte weitgehend ausfalle.

So klar lassen sich die Aufgaben unseres Gehirns allerdings nicht auf zwei Seiten verteilen. Bei einem Wutanfall wird auch nicht buchstäblich eine Gehirnhälfte ausgeschaltet. Der Grundgedanke dahinter ist trotzdem wichtig: Je stärker ein Kind emotional erregt ist, desto schwerer fällt es ihm, Informationen aufzunehmen, flexibel nachzudenken, Impulse zu kontrollieren und sich sprachlich auszudrücken. Ein Kind kann dann durchaus hören, was wir sagen, aber eine ausführliche Erklärung oder eine vernünftige Diskussion über sein Verhalten überfordert es in diesem Moment schnell.

Co-Regulation: Wütende Kleinkinder begleiten

Ansprache funktioniert kaum, Anfassen macht alles noch schlimmer, uns gehen die Optionen aus. Kind allein wüten lassen und abwarten, bis es vorbei ist? Klar, kann man machen. Das dauert aber für alle Beteiligten gefühlt ewig und hinterlässt eine völlig verausgabte Familie. Der Vater ist fertig, weil er es nicht ertragen kann, dass es dem Kind so schlecht geht, die Mutter ist erledigt, weil das Geschrei in ihr negative Gefühle ihrer eigenen Kindheit getriggert hat, das Kind ist durchgeschwitzt und emotional am Ende, weil es gerade von den heftigsten Gefühlen aller Zeiten geschüttelt wurde.

Harvey Karp schlägt für solche Situationen eine Methode vor, die er "Fast-Food-Regel" nennt. Seine neurowissenschaftliche Erklärung dafür ist aus heutiger Sicht zu stark vereinfacht, die praktische Idee finde ich aber nach wie vor hilfreich: Wenn ein Kind sehr aufgebracht ist, reden wir nicht ausführlich auf es ein. Wir nehmen zuerst Kontakt auf, zeigen ihm, dass wir verstanden haben, was gerade los ist, und benutzen kurze, einfache Sätze. Stimme, Gesichtsausdruck und Körpersprache spielen dabei eine wichtige Rolle.

1. Schritt: Respektvoll Kontakt aufnehmen

Der Schlüssel zur Kommunikation mit aufgebrachten Kleinkindern ist nach Harvey Karp die respektvolle Kontaktaufnahme. Es ist klar, dass dabei der Aufgebrachtere zuerst spricht - im Falle unserer Kinder hört sich das dann etwa so an: "WWWUUUÄÄÄÄHHH!!!! NEIN! NEIN! AAAARRRGGGGGHH. GGGGRRRAAAHHHH. WWWUUUÄÄÄÄHH!"

Der andere hört zunächst zu und versucht dann, das Gefühl und das Anliegen des Kindes in einfachen Worten aufzugreifen: "Du bist wütend! So wütend! Du sagst Nein!" Dabei geht es nicht darum, das Kind nachzuäffen oder seinen Wutanfall möglichst überzeugend nachzuspielen. Entscheidend ist, dass unsere Reaktion wirklich empathisch ist. Ein Kind soll merken: Mama oder Papa hat verstanden, dass das hier für mich gerade ein echtes Problem ist.

Das, was ich an dieser "Fast-Food-Regel" so angenehm finde, ist, dass ich meinem Kind nicht nur mit Liebe, sondern vor allem mit Respekt begegne. Ich respektiere seine Gefühle und zeige meinem Kind, dass ich verstanden habe, wie es sich fühlt und dass es okay ist, sich so zu fühlen. Das bedeutet nicht, dass ich ihm keine Grenzen setze. Es bedeutet nur, dass ich ihm sage, dass alle Gefühle sein dürfen und dass ich ein offenes Ohr für seine Emotionen habe. Im Grunde ist das keine radikal neue Idee, sondern eine kleinkindgerechte Form des aktiven Zuhörens und der gewaltfreien Kommunikation.

Drei Dinge helfen dabei besonders:

  • Gefühle benennen: "Du bist wütend! Du wolltest das anders!" Wir müssen nicht immer exakt wissen, was im Kind vorgeht. Eine vorsichtige Vermutung kann schon helfen.
  • Kurze Sätze: Statt mitten im Wutanfall ausführlich zu erklären, warum der Hund keine Gefahr mehr darstellt, reicht zunächst: "Angst! Großer Hund! Du wolltest weg!"
  • Wiederholen: Ein stark aufgebrachtes Kind braucht eventuell einen Moment, bis unsere Botschaft überhaupt bei ihm ankommt. Wir müssen deshalb nicht sofort eine neue Erklärung hinterherschieben.

Nicht jedes Kind möchte in seiner Wut angesprochen werden. Einige wollen Nähe, andere Abstand, manche wollen auf keinen Fall berührt werden. Co-Regulation bedeutet deshalb nicht, dass wir eine bestimmte Methode am Kind vollziehen. Es bedeutet, aufmerksam zu beobachten, welche Unterstützung dieses Kind in diesem Moment annehmen kann.

2. Schritt: Die Grenze bleibt

Hat sich der Sturm der Gefühle etwas gelegt, können wir wieder mehr Sprache benutzen und erklären, was nicht geht: "Du möchtest so gerne noch weiterspielen, aber wir müssen nun los zum Kindergarten. Ich komme sonst zu spät zur Arbeit."

Dass wir das Gefühl des Kindes anerkennen, bedeutet nicht, dass wir anschließend seinen Wunsch erfüllen müssen. Das Kind darf wütend darüber sein, dass wir gehen. Und wir dürfen trotzdem gehen. Flammt die Wut durch unsere Antwort erneut auf, müssen wir nicht immer neue Argumente liefern. Wir können einfach noch einmal bestätigen: "Ja, du möchtest wirklich bleiben. Du bist richtig sauer, dass wir jetzt gehen."

3. Schritt: Eine Lösung anbieten, wenn es eine gibt

Ich persönlich finde diesen Punkt den schwierigsten, denn nicht immer fällt mir so auf die Schnelle ein, wie mein Kind und ich beide als Gewinner aus dem Konflikt herausgehen können. Wenn es möglich ist, suche ich einen Kompromiss oder biete Wahlmöglichkeiten an. "Du möchtest so gern noch weiterspielen, aber wir müssen los. Du kannst deine Puppe im Rucksack mitnehmen und sie wartet dann in der Kindergarten-Garderobe auf dich." "Du möchtest so gerne noch weiterrutschen, aber der Papa wartet mit dem Abendbrot auf uns. Möchtest du noch einmal oder zweimal rutschen, bevor wir gehen?" "Du willst so gern die Gummistiefel anziehen, aber draußen ist es soooo heiß. Pass auf, du kannst die Gummistiefel anziehen und wir nehmen deine Sandalen mit und tauschen sie später."

Wenn etwas wirklich überhaupt nicht geht, erfülle ich den Wunsch gern in der Fantasie: "Du möchtest sooo gern jetzt ein Kugeleis essen, aber es ist Winter draußen und der Laden hat zu. Ich wünschte, ich könnte all den Schnee wegpusten. Das wäre schön! Ich würde die Sonne hinter den Wolken hervorholen und es warm werden lassen. Dann könnten wir ein Eis essen. Ich freue mich schon wirklich auf den Sommer, wenn der Laden wieder offen ist. Wollen wir dann ein Schoko- oder ein Erdbeereis essen?" Bei meinen Töchtern hat das auch in heiklen Situationen, etwa an der Quengelware beim Einkaufen, oft gut funktioniert.

Wenn das Beruhigen nicht funktioniert

Keine Methode funktioniert bei jedem Kind und in jeder Situation. Das gilt auch für das Spiegeln. Es gibt Wutanfälle, in denen ein Kind unsere Begleitung gut annehmen kann, und andere, in denen wir im Grunde nur dafür sorgen können, dass niemand verletzt wird, und präsent bleiben, bis die stärkste Erregung nachlässt.

Wir haben das Problem falsch verstanden

Wenn wir sagen: "Du bist wütend! Du willst den Keks!" und das Kind daraufhin noch verzweifelter wird, kann es schlicht sein, dass wir falschliegen. Gerade bei kleinen Kindern ist der Grund für die Wut für Erwachsene nicht immer sofort nachvollziehbar. Das Kind will etwas allein machen und wir helfen ungefragt. Es möchte etwas haben, kann aber noch nicht erklären, was. Es soll etwas tun, das es nicht tun möchte. Es versucht etwas selbst und scheitert. Etwas geht kaputt. Oder es erwartet bereits ein Nein, bevor wir überhaupt verstanden haben, worum es geht.

Ich denke, jede Mutter und jeder Vater kennt solche Situationen, aber ich möchte trotzdem noch zwei Beispiele geben. Als meine Töchter ca. 16 Monate alt waren, lag viel Schnee und wir fuhren mit dem Schlitten aus. Eine Tochter wollte irgendwie auf spezielle Art auf dem Schlitten sitzen, ich konnte aber nicht herausfinden, wie genau. Ich probierte alle möglichen Positionen, aber sie wurde immer wütender mit mir. Für sie war völlig klar, wie sie sitzen wollte. Nur konnte sie mir das noch nicht erklären. Dass ich nicht wissen konnte, was genau sie meinte, war für sie in diesem Moment ebenfalls schwer nachzuvollziehen. Aus ihrer Sicht machte ich einfach immer wieder das Falsche.

Das zweite Beispiel: Meine Töchter hatten spezielle kleine Glasbecher zum Safttrinken. Einer Tochter war ihr Glas am Vortag heruntergefallen, deshalb hatte ich zum Abendbrot zwei andere identische Gläser herausgesucht, die jedoch ein bisschen kleiner waren. Als ich mit den Gläsern zum Tisch kam, fing die Tochter, deren Originalglas eigentlich noch ganz war, wütend an zu rufen: "Mehr, mehr!" Ich sagte: "Puppe, das Glas ist doch randvoll? Ich kann da gar nichts mehr eingießen." Sie wurde immer aufgeregter und rief weiterhin: "Nein, nein, mehr!"

Sie war 24 Monate alt und konnte eigentlich schon in ganzen Sätzen sprechen. In ihrer Aufregung kamen aber nur noch Wortbrocken heraus. Ich antwortete: "Du kannst mehr Saft haben, aber trink doch erst mal diesen hier aus!" Daraufhin fing sie fürchterlich an zu weinen. Also versuchte ich herauszufinden, was "mehr" bedeuten könnte: "Du willst mehr! Mehr! Du sagst ... anderes Glas! Größeres Glas! Du willst dein anderes Glas haben!" Sofort zeigte sich Erleichterung auf ihrem Gesicht und sie antwortete: "Ja, anneres Glas." Sie wollte ihr Originalglas haben. Nur weil ich es fair fand, dass beide Kinder die gleichen Gläser hatten, musste sie das schließlich nicht ebenso sehen.

Das Kind ist müde, hungrig oder überfordert

Der Klassiker: Ein müdes Kind hat wesentlich weniger Ressourcen, Frust auszuhalten. Dasselbe gilt bei Hunger, Krankheit, Schmerzen, Reizüberflutung oder nach einem anstrengenden Tag. Dann kann der Anlass für einen Wutanfall winzig erscheinen, während die eigentliche Belastung längst viel größer ist. Die falsch ausgedrückte Zahnpasta oder die falsche Strumpfhose ist dann nur der letzte Tropfen.

An solchen Tagen müssen wir nicht jeden einzelnen Wutanfall entschlüsseln und pädagogisch bearbeiten. Anforderungen reduzieren, essen, trinken, Ruhe, Nähe, raus aus einer überfordernden Situation und bei Müdigkeit ab ins Bett können sehr viel hilfreicher sein.

Wie Kinder Selbstregulation lernen

Kinder werden immer wieder mit Stress, Frustration und Wut konfrontiert. Langfristig sollen sie lernen, mit diesen Gefühlen umzugehen, ohne von ihnen überwältigt zu werden. Selbstregulation entsteht aber nicht dadurch, dass wir ein kleines Kind mit seiner Wut alleinlassen, damit es "das endlich lernt". Sie entwickelt sich schrittweise aus vielen Erfahrungen, in denen Kinder zunächst von anderen reguliert werden und nach und nach eigene Strategien übernehmen.

Gefühle regulieren bedeutet dabei nicht, Gefühle zu unterdrücken. Wut hat eine Funktion. Sie kann uns zeigen, dass etwas nicht so läuft, wie wir es wollen, dass wir uns ungerecht behandelt fühlen, dass eine Grenze verletzt wurde oder dass wir mit einer Situation überfordert sind. Kinder dürfen wütend sein. Was sie lernen müssen, ist, was sie mit ihrer Wut tun können.

Gefühle erkennen und benennen

Schon kleine Kinder können nach und nach lernen, Gefühle bei sich selbst und anderen zu erkennen. In ruhigen Situationen kann man gemeinsam überlegen: Wie sieht ein wütendes Gesicht aus? Wo spürst du Wut in deinem Körper? Wird dein Bauch fest? Dein Gesicht heiß? Möchtest du schreien oder stampfen?

Hat das Kind Freude daran, kann man Fotos von verschiedenen Gesichtsausdrücken machen und ein Gefühle-Buch oder ein Gefühle-Memory daraus basteln. Je mehr Wörter einem Kind für seine inneren Zustände zur Verfügung stehen, desto genauer kann es irgendwann ausdrücken, was mit ihm los ist. Das allein verhindert keinen Wutanfall. Aber zwischen "AAAAAH!" und "Ich bin sauer, weil du einfach meine Sachen genommen hast!" liegt ein ziemlich großer Entwicklungsschritt. Dabei können auch Kinderbücher helfen, die Wut zum Thema machen. "Wohin mit meiner Wut?" von Dagmar Geisler zeigt Kindern verschiedene Formen von Wut und Möglichkeiten, mit diesem starken Gefühl umzugehen.

Den Körper zur Regulation nutzen

Einige Kinder wollen sich bei Wut bewegen. Sie stampfen, laufen, schütteln sich oder wollen ihre ganze Kraft einsetzen. Solange niemand verletzt wird und nichts kaputtgeht, kann körperliche Aktivität eine Möglichkeit sein, mit der starken Erregung umzugehen. Andere Kinder brauchen genau das Gegenteil und möchten sich zurückziehen.

Auch Atemübungen können Kindern helfen, wenn sie sie in einem ruhigen Moment kennengelernt haben. Sie sind allerdings kein Zaubertrick, den wir einem völlig aufgebrachten Zweijährigen zurufen können und der dann zuverlässig den Wutanfall beendet. Regulationstechniken müssen geübt werden, wenn das Kind aufnahmefähig ist.

Schieben

Eine meiner Töchter war einmal so wütend mit mir, dass sie mich hauen wollte, an meinem Pullover zerrte und versuchte, mich wegzuschubsen. Sie war ganz und gar außer sich vor Wut. Als sie anfing, mich wegzuschubsen, sagte ich freundlich: "Oh, du willst mich wohl schieben? Ja, das ist eine gute Idee! Komm, nimm meine Hände und schiebe mich weg, so fest du kannst!" Sie nahm mein Angebot ein wenig verwirrt an und schob mit aller Kraft. Ich kommentierte: "Oh, du bist ja sehr wütend! Du schiebst wirklich doll." Nach einer Weile wurde sie ruhiger. Meine Worte drangen wieder zu ihr durch und sie konnte hören, dass ich verstanden hatte, wie wütend sie gerade mit mir war.

Beim Schieben stehen sich Erwachsener und Kind gegenüber und drücken die Hände gegeneinander. Es geht nicht darum, den anderen tatsächlich wegzuschieben. Hauen, Treten und Stoßen gehören nicht dazu. Das Spiel bietet einem Kind, das gerade sehr viel körperliche Energie hat, einen begrenzten und sicheren Rahmen, in dem es seine Kraft einsetzen kann. Wenn das Kind aufhören möchte oder die Situation dadurch noch aufgeregter wird, wird natürlich aufgehört.

Wichtig ist mir heute die Erklärung dazu: Das Kind muss seine Wut nicht "aus dem Körper herauslassen". Wut funktioniert nicht wie ein Tank, der durch körperliches Abreagieren geleert werden muss. Das Schieben kann trotzdem hilfreich sein, weil das Kind seine körperliche Anspannung in eine sichere, klar begrenzte Aktivität lenkt und dabei in Kontakt mit einem Erwachsenen bleibt.

Mit älteren Kindern nach Lösungen suchen

Mit zunehmendem Alter können Kinder immer mehr selbst zur Regulation beitragen. Sie können wahrnehmen, wie sich Ärger im Körper ankündigt, Abstand von einer Situation nehmen, tief durchatmen, sich mit inneren Sätzen beruhigen und über mögliche Lösungen nachdenken. Das funktioniert allerdings am besten, wenn wir solche Strategien nicht erst dann besprechen, wenn das Kind bereits völlig außer sich ist.

Nach einem Konflikt können vier Fragen helfen:

  1. Was hast du in deinem Körper gemerkt, als du wütend wurdest?
  2. Was hat dir geholfen, wieder ruhiger zu werden?
  3. Was war eigentlich das Problem und welche Lösung hätte es geben können?
  4. Was könntest du beim nächsten Mal ausprobieren?

Vor allem bei Konflikten, die immer wieder auftreten, kann man mögliche Lösungen in einem ruhigen Moment durchspielen. So muss das Kind eine neue Strategie nicht ausgerechnet dann erfinden, wenn sein Gehirn gerade mit einer sehr starken Emotion beschäftigt ist.

Wut darf sein - nicht jedes Verhalten

Ein Wutanfall kann viele Auslöser haben: Frustration, Überforderung, Müdigkeit, Hunger, Schmerz, enttäuschte Erwartungen, Kontrollverlust oder einen Wunsch, der gerade nicht erfüllt werden kann. Wut ist zunächst ein Gefühl und kein Fehlverhalten. Wir müssen deshalb nicht verhindern, dass unser Kind wütend wird.

Das bedeutet ganz und gar nicht, unseren Kindern keine Grenzen aufzuzeigen. Ein Kind darf wütend sein, weil es seinen Bruder nicht hauen darf - und wir verhindern trotzdem, dass es ihn haut. Es darf verzweifelt sein, weil es nicht auf die Straße laufen darf - und wir halten es trotzdem zurück. Gefühle müssen wir nicht begrenzen. Verhalten unter Umständen schon.

Unsere Aufgabe ist nicht, jeden Wutanfall möglichst schnell zu beenden. Wir können unserem Kind helfen, die heftigen Gefühle auszuhalten, ohne sich selbst oder andere zu verletzen. Mit den Jahren braucht es dafür immer weniger Hilfe von uns. Aus der Co-Regulation wird nach und nach Selbstregulation.

Unser Buch

Die Autonomiephase ist für viele Eltern eine besondere Herausforderung. Wir haben diesem Thema ein ausführliches Buch gewidmet: "Der entspannte Weg durch Trotzphasen".

Außerdem ist ein Kartenset mit Impulsen für die herausforderndsten Situationen in der Autonomiephase erhältlich.

© Snowqueen

Quellen

Band, E. B. und Weisz, J. R. (1988). "How to feel better when it feels bad: Children's perspectives on coping with everyday stress." Developmental Psychology, 24, S. 247 - 253.

Karp, Harvey (2010). "Das glücklichste Kleinkind der Welt. Wie Sie Ihr Kind liebevoll durch die Trotzphase begleiten." Goldmann Verlag, München.

Kopp, C. B. (1989). "Regulation of distress and negative emotions: A developmental view." Developmental Psychology, 25, S. 343 - 354.

Novaco, R. W. (1979). "The cognitive regulation of anger and stress." In: P. C. Kendall und S. P. Hollon (Hrsg.), "Cognitive-behavioral interventions." Orlando: Academic Press.

Geisler, Dagmar: "Wohin mit meiner Wut?" Loewe Verlag.

"Warum unsere Kinder ein Glück sind: So gelingt Erziehung heute" - Wolfgang Bergmann

Neulich war ich in der Bücherei und lieh mir „Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden“ von Michael Winterhoff aus - dieses Buch hatte ja vor einiger Zeit ziemlichen Wirbel ausgelöst. Die Kurzbeschreibung auf Amazon liest sich wie folgt:

„Kleinkinder außer Rand und Band, Zehnjährige, die Eltern und Lehrern keinen Respekt entgegenbringen: Unter dem Deckmantel eines »partnerschaftlichen« Umgangs werden Kinder überfordert, erhalten weder Struktur noch Orientierung und entwickeln sich deshalb zu kleinen Tyrannen. Nur wenn unsere Kinder wieder wie Kinder behandelt werden, können sie lebensfähig und glücklich werden. Ein Buch für alle, die wollen, dass unsere Gesellschaft ihre Kinder lieben kann …“

Um das zu übersetzen: Winterhoff ist der Ansicht, Kinder müssen wieder diszipliniert werden - sie werden viel zu sehr gleichberechtigt behandelt. Um sie gesellschaftstauglich zu erziehen, muss die Autorität der Eltern wieder anerkannt werden und Gehorsam im Vordergrund bei der Erziehung stehen. So ungefähr las sich das Buch auch. Ich lese wirklich gerne und viel - aber dieses Buch habe ich damals nach wenigen Seiten weggelegt und nicht wieder in die Hand genommen.

Wolfgang Bergmanns Buch „Warum unsere Kinder ein Glück sind“ ist quasi das „Gegenbuch“ zum Winterhoff-Buch. Er erklärt, warum das Buch so erfolgreich ist: weil die grundsätzlichen Beobachtungen, die Winterhoff beschreibt, durchaus zutreffen und den Menschen Sorge bereiten. Es ist jedoch keine Kunst, die Realität zu beschreiben - nur leider sind die gezogenen Schlüsse doch sehr irrwitzig. Leider beschränkt sich Wolfgang Bergmann in seinem Buch stark darauf zu erklären, dass Winterhoffs Gehorsamspädagogik nicht geeignet ist, Kinder liebevoll zu erziehen.

Das Buch besteht aus 3 Teilen:

I. Das Leben mit Kindern macht Spaß - das hatten wir beinahe vergessen
II. Wie sich die Familie verändert hat und warum viele Kinder verwöhnt sind - ein Blick auf die Ursachen
III. Wie Kinder keine Tyrannen werden - mit Freude und Gelassenheit wirkungsvoll erziehen.

Teil I

Zu Beginn des Buches wird sehr umfangreich auf das Winterhoffsche Werk eingegangen und einzelne Zitate genauer betrachtet (im Grunde eher auseinandergenommen) und die Thesen des „Gehorsamspädagogen“ Bernhard Bueb zusammengefasst (und für schlecht befunden).

Teil II

Im zweiten Teil wird zunächst auf die Rolle der Familie und ihre Stellung in der heutigen Zeit eingegangen. Bergmann stellt fest, dass das Konstrukt Familie heute eine kleine geschlossene Einheit ist, die verteidigt wird durch Verkapselung.

Teil III

Teil 3 ist der Hauptteil des Buches, den man recht einfach zusammenfassen kann: Sei gelassen und freu Dich an Deinem Kind. Der Untertitel des Buches verspricht „So gelingt Erziehung heute“ - wirklich konkrete Tipps für die Praxis sucht man jedoch vergebens. Im Kern sagt Bergmann: „Liebe Dein Kind und es wird sich alles finden“. Aus eigener Erfahrung muss ich jedoch feststellen: Ich liebe mein Kind heiß und innig - doch es findet sich leider nicht alles von selbst - es ergeben sich immer wieder Situationen, wo schlicht Erziehungsarbeit erforderlich ist.

Als Beispiel für gelassene Erziehung wird das Thema Schlürfen angeführt. Der Vorschlag lautet: Die ganze Familie schlürft ebenso laut wie das Kind, dem man das Verhalten aberziehen möchte. Dadurch erkennt es, wie schlecht sein Verhalten sei, und würde das künftig unterlassen. Ich habe das noch nicht ausprobiert (falls ich es je tue, werde ich es dann hier ergänzen), kann mir aber schwerlich vorstellen, dass es funktioniert. Alternativ kann man das Schlürfen auf Band aufnehmen und dem Kind dann vorspielen. Vorzugsweise vor allen anderen - die sich natürlich darüber amüsieren. Beschämung als Erziehungsmittel? Das wäre nicht unbedingt meine erste Wahl.

Ein weiterer Fall: Ein Baby im Restaurant schmeißt aus seinem Hochstuhl ständig etwas runter - Bergmann schlägt vor, dem Baby Taschentücher zu reichen, die es einzeln runterwirft (macht ja auch erheblich weniger Krach). Ob meine Kinder nach 10 Taschentüchern tatsächlich die Lust verloren hätten, den Krach machenden Löffel wieder werfen zu wollen? Ob sie als Baby differenzieren können, dass Taschentücher runterwerfen okay, Löffel runterwerfen aber nicht in Ordnung ist?

Ein anderes Beispiel: Das „Haben-Wollen“. Bergmann erklärt, dass das Leben eine Wunderwelt ist, die es für Kinder zu entdecken gilt. So weit richtig. Vorzugsweise sollte man daher den meisten Wünschen nachkommen, soweit machbar. Wenn man aber ein „Nein“ durchsetzen will, dann soll man das nicht mit Strenge machen - wie genau, bleibt jedoch offen.

Sein Ansatz für Schimpfworte: Sagt das Kind „blöde Mama“, dann soll man sich auf Augenhöhe des Kindes begeben und gefasst ohne Strenge sagen: „Ich habe Dich so lieb und Du redest so mit mir“. Das im Bedarfsfalle wiederholen. Dabei wird dann der Zeigefinger mitgenutzt - er wird bei der Kernaussage „So lieb habe ich Dich!“ gehoben.

In seinem Buch schlägt Bergmann vor, die Kinder im eigenen Leben zu zentrieren. Sie bummeln und Du hast es eilig? Das ist Dein Problem - betrachte doch mal Dein Kind. Spielt es nicht herrlich? Ist es nicht ein Genuss? Erlaubt Dein Vorhaben es nicht, zu warten und am Spiel teilzuhaben? Wenn man sich fragt, was wirklich wichtig ist, wird man feststellen, dass es nicht das ist, was man vorhat. Daher: Setze Dich zu Deinem Kind und genieße es. An sich schöne und pathetische Ausführungen - nur ist es in der Regel leider nicht so, dass man ohne Weiteres seine Vorhaben verschieben kann. Ein Kind, das mit mir nicht einkaufen gehen will, hat keine Lust. Wenn ich mich zu ihm setze und sein Spiel begleite, dann will es eine Stunde später wahrscheinlich immer noch nicht einkaufen. Ich muss aber einkaufen - so oder so. Mag sein, dass das Vorhaben im Hinblick auf das Spiel des Kindes im Weltgefüge vollkommen uninteressant ist - erforderlich bleibt es dennoch.

Bergmann vertritt die Ansicht: „Liebe einfach, entspann Dich etwas, dann wird alles gut“. Das ist ein eher ungewöhnlicher Ansatz - die Lektüre des Buches hat mich jedoch eher verwirrt als davon überzeugt. Nachdem ich aber Alfie Kohns „Liebe und Eigenständigkeit“ gelesen habe, ist mir klarer geworden, worum es Bergmann geht - dennoch ist es eines der Bücher, die mich am wenigsten zum Nachdenken anregten oder mir tatsächlich hilfreiche Impulse gaben.

© Danielle