Schreien - Wie man Schreibabys wirksam helfen kann


Beruhigungsmethoden für Schreikinder, bedürfnisstarke Babys und für abendliches Schreien bei Neugeborenen


Ich habe in unserem allerersten Artikel über das abendliches Schreien habe ich beschrieben, wie man Babys, die vor allem in den Abendstunden untröstlich weinen, beruhigen kann. Es gibt aber Babys, die schreien nicht nur abends, sondern fast pausenlos und das wochenlang. Sie schlafen kaum und sind generell unzufrieden.

Neugeborenes schreit"Übermächtig und allgegenwärtig, war das Gefühl des eigenen Versagens."

"Die ersten Monate waren Horror. Mein Kind lebt nur noch, weil ich immer daran gedacht habe, du kannst es nicht mehr rückgängig machen, wenn du jetzt was machst. Und dann musst du ohne ihn leben. "

"Ehrlich gesagt fiel es mir unglaublich schwer ihn anzunehmen. Immer wenn ich ihn sah war er am schreien. Aus dem anfänglichen Mitleid und der Hilflosigkeit würde irgendwann Verzweiflung und auch Wut. Ich fragte mich, warum dieses Kind mich so hasst."

"Ich stand kurz davor meine Familie zu verlassen, weil ich mich als einzige Versagerin gefühlt habe und mein Sohn die Chance auf eine andere Mutter erhalten sollte." 

Diese Sätze haben Mütter von Schreibabys geschrieben. Mütter, die die ersten Monate im Leben ihrer Kinder erschöpft, verzweifelt und hilflos waren, weil ihre Kinder nicht mehr aufhörten zu schreien. Ich wollte schon lange endlich mal alle Informationen zum Thema Schreikinder zusammenfassen und über Ursachen und mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation schreiben - einen solchen Artikel hätte ich mir damals am allermeisten mit meinem ersten Neugeborenen gewünscht.

Der Artikel ist mittlerweile sooo lang geworden, dass ich für die ungeduldigen Leser eine Übersicht über seine Struktur geben möchte. Du kannst so ggf. direkt zu dem Punkt springen, der für Dich am interessantesten ist. In Bezug auf die Schreiursachen empfehle ich aber, möglichst alles durchzulesen - denn manche Ursachen hast Du vielleicht noch gar nicht in Erwägung gezogen - und am Ende ist es vielleicht genau diese, die Dein Kind so unglücklich macht :-).

          Meine eigenen Erfahrungen
          Ist Schreien wirklich "normal"?
          Gründe für das Schreien und Maßnahmen, die helfen können 
                 Mythos Blähungen/Dreimonatskoliken
                 Überreizung - Übermüdung - Regulationsstörung
                 Hunger bei Stillkindern
                 Probleme mit der Feinfühligkeit, die Angst vor dem Verwöhnen und fehlendes Bauchgefühl
                 Körperliche Ursachen
                        KISS-Syndrom und Blockaden
                        Mittelohrentzündung
                        Blasenentzündung
                        Milcheiweißallergie
                        Gastroösophagealer Reflux 
                        Verstopfung
                        Leistenbruch
                        Hodentorsion
                        Darmverschluss
          Wie soll man das Schreien denn ertragen?
          Schreiambulanzen - der Retter in der Not?
          Es gibt ein Leben nach dem Schreien! 

Meine eigenen Erfahrungen mit einem Schreibaby 


Meine Tochter war ein sehr unruhiges und unzufriedenes Baby und die ersten Schreistunden in der dritten Lebenswoche überforderten mich komplett. In meinem Umfeld gab es nicht viele Babys und die, die es gab, schienen pflegeleicht und fröhlich zu sein. Da war nie die Rede davon, dass Babys auch mal stundenlang schreien und einen an den Rand der Verzweiflung treiben können. Eltern reden nicht gerne darüber - wer gesteht gerne ein, dass er in den Abendstunden verzweifelt und hilflos ist und sein heiß ersehntes Baby kaum beruhigen kann?

Also war ich vollkommen ahnungslos, als das Schreien begann. Ab dem späten Nachmittag wurde mein Kind zunehmend unruhiger. Es begann beim Stillen zu Clustern, also in kurzen Abständen immer und immer wieder an die Brust zu wollen, um dann meist nur sehr kurz zu trinken. Und dann begann sie zu schreien - man konnte quasi die Uhr danach stellen. Von 19 bis 22 Uhr herrschte bei uns Ausnahmezustand. Nichts - rein gar nichts schien das Kind zu beruhigen. Da sie immer wieder an die Brust wollte, dachte ich, sie wäre nicht satt geworden, weil nicht genug Milch da sei. Ich begann hektisch zu pumpen, wurde selbst immer unruhiger, was sie mit noch schrillerem Schreien quittierte. Endlose vier Wochen quälten wir uns durch jeden Abend und wurden immer verzweifelter. Zudem auch tagsüber zunehmend mehr geschrien wurde. Andere Mütter fuhren friedlich schlafende Babys in ihren Kinderwagen durch die Gegend - ich traute mich nicht mal raus wegen des Schreiens. 

Cover Das glücklichste Baby der WeltDurch einen wirklich glücklichen Zufall las ich damals um die sechste Lebenswoche herum mein allererstes "Erziehungs"-Buch "Das glücklichste Baby der Welt" von Dr. Harvey Karp. Erst durch dieses Buch kam ich überhaupt auf den Gedanken, dass mein Kind vor Müdigkeit schreien könnte. Eigentlich war ich bis dahin davon ausgegangen, dass müde Kinder einfach schlafen (darüber kann ich heute immer noch - sehr müde! - lächeln).

Karp beschreibt in seinem Buch eine Methode zur Beruhigung von Babys, die auf einer Art Reflex beruht - ich werde später noch näher darauf eingehen. Mit dieser Methode schaffte ich es, dass mein völlig übermüdetes Kind endlich schneller in den Schlaf fand - das reduzierte zumindest das abendliche Geschrei sofort und nachhaltig - und es hat mich wirklich gerettet. Denn allmählich begann ich schon zu verstehen, warum Menschen ihre Babys im Affekt töten :-(. 

Ist Schreien wirklich "normal"? 


Das (vermeintlich) "normale" abendliche Schreien ist relativ weit verbreitet - fast alle Babys auf der Welt zeigen dieses Verhalten in verschieden starker Ausprägung. Europäische Babys schreien vergleichsweise viel - in Afrika oder Asien wird deutlich kürzer geschrien. Die Schreidauer nimmt üblicherweise bis zur 6. Lebenswoche stetig auf bis zu 2,5 Stunden pro Tag  zu, ab der 7. Lebenswoche wird das Schreien dann wieder kontinuierlich weniger. Nach etwa 12 bis 14 Lebenswochen ist die Phase bei den meisten Kindern vorbei, nur wenige sind bis zu einem Alter von 6 bis 12 Monaten weiterhin unruhig.

Grafik Schreidauer von Säuglingen
Schreidauer von Säuglingen (nach Largo)
Ein Baby wird medizinisch als "Schreibaby" klassifiziert, wenn folgende Kriterien erfüllt sind (auch "3-er-Regel" genannt): 

  • es schreit mehr als 3 Wochen 
  • an mindestens 3 Tagen in der Woche 
  • mehr als 3 Stunden.
Wichtigstes Kriterium ist allerdings der Erschöpfungszustand der Eltern. Auch wenn das Kind weniger als nach der 3-er-Regel schreit, kann kann Hilfe und Unterstützung notwendig sein, wenn Eltern am Ende ihrer Kräftre sind!  
"Und dann habe ich mir vorgestellt, wie es wäre wenn sie nicht geboren wäre. Stellenweise hätte ich alles gerne wieder rückgängig gemacht. Ich konnte die Anfangszeit nicht genießen und auch keine richtige Beziehung aufbauen. Ich fühlte mich machtlos und überfordert und manchmal hätte ich sie am liebsten gegen die Wand geworfen. Wenn ich jemanden gesagt habe sie schreit viel, dann kam jedes Mal der Satz, Babys Schreien eben".

"Babys schreien eben nun mal viel" - solche oder ähnliche Sätze kennt jede Schreikind-Mutter und sie sind ebenso sinnlos wie grausam. Implizieren sie doch ein "Stell dich doch nicht so an, das ist doch alles ganz normal". Nein - ist es eben nicht! Dass ein gewisses Schreiverhalten relativ viele Babys zeigen, heißt durchaus nicht, dass es auch "normal" ist. Schreien ist nämlich kein biologisch sinnvolles Verhalten. Es kostet schließlich Unmengen an Energie - diese bräuchte der kleine Körper eigentlich viel dringender zum Wachsen. Gerade in den ersten Wochen und Monaten wächst ein Kind so schnell, dass eigentlich jede einzelne Kalorie benötigt wird und nicht freiwillig vergeudet werden kann.
 
Cover Kinder verstehenSchreien lockt in der Natur außerdem Fressfeinde an - kein Tierbaby schreit laut, wenn Mama nicht in der Nähe ist - im Gegenteil, da wird ruhig im Nest gesessen und leise erwartet. Erst wenn die Eltern in Sichtweite sind, werden Bedürfnisse zaghaft piepsend geltend gemacht. Schreit ein Tier, ist es wirklich in Not. Und auch für Babys ist Schreien das absolut letzte Notsignal, das sie senden können. Seine Bedürfnisse zeigt ein Baby im Durchschnitt etwa 31 Minuten lang mehr oder weniger deutlich und leise durch sein Verhalten - erst wenn leises Schmatzen oder müdes Gähnen nicht dazu geführt haben, dass Mama oder Papa sich kümmern, dann greift es zum letzten Mittel. Und dann aber auch soooOO laut, dass es verlässlich gehört wird.

Schreien ist also ein Notsignal - und genau deshalb hat es eine ganz besondere Wirkung auf uns Erwachsene. Das hat die Natur so eingerichtet, damit das Überleben der Nachkommen gesichert ist. Forschungen bei den Massai haben gezeigt, dass die Babys die besten Überlebenschancen haben, die am lautesten schreien (vgl. Renz-Polster, S. 153). Das Bedürfnis, sich sofort um schreiende Babys zu kümmern, ist biologisch tief in uns verankert. Steht irgendwo ein einsames Baby in seinem Kinderwagen und schreit, würden innerhalb kürzester Zeit fast alle Erwachsenen in Hörweite herbei eilen oder sich zumindest vergewissern, dass es jemand anderes tut. Genau deswegen fühlt sich so furchtbar, wenn man es eben nicht schafft, sein Kind zu beruhigen. Man gewöhnt sich nie ans Schreien, weil es immer und immer wieder Stress in uns auslöst - das ist eine evolutionäre Überlebensstrategie.

Man kann also ganz klar sagen: Schreien ist NICHT normal - kein Baby schreit einfach so. Es hat immer einen Grund und den gilt es herauszufinden. Leider wird es trotzdem immer wieder Schreikinder geben, bei denen man den Grund nicht oder erst später findet. Eine liebe Bekannte von mir hatte ein Kind, bei dem rein gar nichts gegen das Schreien half - später stellte sich heraus, dass es an Langerhanszell-Histiozytose leidet - welche vermutlich die Ursache für das Schreien war. Bei der Mehrzahl der Kinder hat das exzessive Schreien jedoch Gründe, die durch verschiedene Maßnahmen behebbar sind.  

Der häufige Rat, einfach abzuwarten, ist ein nett gemeinter, aber schlechter. Ja - normalerweise wird das Schreien nach 12 bis 14 Wochen auch von allein deutlich weniger, aber das heißt nicht, dass man bis dahin einfach tatenlos daneben sitzen muss.  

Gründe für das Schreien und Maßnahmen, die helfen können 


Die Gründe warum Babys normalerweise schreien sind vielfältig - die häufigsten Ursachen sind Hunger, Überreizung, Müdigkeit, Langeweile, Kontaktbedürfnis, volle Windeln, usw. Das Schreien hat auch einen anderen Zweck - das Baby kommuniziert damit. Verstehen wir seine Signale nicht richtig, ist das Schreien für das Baby die Möglichkeit zu signalisieren: "Nein, das wollte ich nicht". Und dann schreit es oft so lange, bis wir endlich herausbekommen, was es denn nun wirklich will.  

Das exzessive Schreien hingegen ist meist von einem ganz bestimmten Grund verursacht - das schwierige ist, herauszufinden, welcher das sein könnte. Ich möchte im Folgenden näher auf die Gründe eingehen, die in Betracht kommen könnten. Zunächst jedoch zu einem Mythos, der sich leider noch immer hartnäckig hält: 

Mythos Blähungen/Dreimonatskoliken 


In Bezug auf das Schreiverhalten fällt recht schnell der Begriff "Drei-Monats-Koliken". Immer wieder hört und liest man, dass das Schreien auf schmerzhafte Blähungen zurück zu führen ist, welche durch einen unreifen Darm verursacht werden. Mittlerweile ist diese Ansicht eigentlich widerlegt, sie hält sich jedoch recht hartnäckig im Internet und auch bei Kinderärzten.

Ja - Babys Darm muss sich tatsächlich erst umstellen. Dabei kommt es häufig mal zu kleineren und größeren Flatulenzen und auch mal zu einem schrillen Schreien und Verkrampfen, wenn sich die Winde nicht ohne weiteres Lösen. Die Annahme, dass diese Blähungen die Ursache des abendlichen Schreiens sind, beruht darauf, dass Kinder beim Schreien häufig pupsen. In der Regel ist das jedoch das Pupsen nicht die Ursache des Schreiens, sondern seine Auswirkung - beim heftigen Schreien schlucken die Babys jede Menge Luft, die eben auch wieder raus muss.

Gegen Blähungen als Ursache für das Schreien sprechen außerdem: 

  • das Auftreten zu einem festen Zeitpunkt (Beschwerden wegen Blähungen würden sich - wie die Mahlzeiten - gleichmäßig über den Tag verteilen) 
  • dass auch nach dem Entweichen der Winde weiter geschrien wird (eigentlich müsste vorübergehend Linderung verspürt werden) 
  • die Kinder lassen sich in der Regel durch bestimmte Maßnahmen, die nichts mit den Blähungen zu tun haben, beruhigen.
Blähungen quälen unsere Kinder - aber man kann getrost davon ausgehen, dass sie nicht die hauptsächliche Ursache des Schreiens sind.  

Überreizung - Übermüdung - Regulationsstörung 


Baby schläftDie mit Abstand häufigsten Gründe für das "normale" abendliche Schreien und vor allem das exzessive Schreien sind Überreizung und Übermüdung. Wenn man genauer darüber nachdenkt, versteht man, dass die ersten Lebenswochen eine riesige Herausforderung für das Baby sind. Durch die Geburt, wird das Kind aus seiner gleichwarmen, behaglichen Dunkelheit, in der es durch Mamas Schritte stets sanft gewiegt wurde, herausgerissen in eine kalte, helle Welt, in der es ständig unruhig ist und die Geräusche nicht mehr gedämpft gleichartig und regelmäßig, sondern schrill und unberechenbar sind. Das ist eine riesige Umstellung und überfordert die meisten Kinder massiv.

Alles, was ein Kind in den ersten Wochen will, ist weiterhin gleichmäßige Bewegung, Wärme, schlafen, kuscheln, saugen und trinken. Stattdessen wird es ständig an- und ausgezogen, herumgefahren, bestaunt, berührt, bedrängt - fremde Gesichter, fremde Gerüche, Hektik, Lärm. Selbst wenn man nur mit dem Kinderwagen durch den Wald fährt ist das für ein Neugeborenes Aufregung pur. Alle Eindrücke müssen sortiert und verarbeitet werden - das ist Schwerstarbeit! Um das überhaupt bewerkstelligen zu können, schlafen Neugeborene quasi ständig. Das schützt sie vor Überreizung. Nimmt die Flut an Eindrücken jedoch kein Ende, schaffen es viele Kinder nicht einzuschlafen. Gegen die Überflutung mit Sinneseindrücken wehrt sich das überlastete Gehirn und das Baby schreit. Und schreit. Und schreit. Und kann so natürlich erst recht nicht einschlafen - ein Teufelskreis, der sich dann mehr und mehr zuspitzt. Am Abend sind die meisten Babys so überfordert, dass sie gar nicht mehr aufhören können zu schreien.

Die Vielfalt der möglichen Schreigründe führt dazu, dass wir dazu neigen, eine ganze Palette an Beruhigungsversuchen durchzuprobieren. In kurzer Folge spulen wir dann das Beruhigungsprogramm ab. Hunger? Flasche oder Brust! Nicht? Windel voll? Nachsehen. Langeweile? Rumschauen lassen, bespaßen, betüddeln. Doch müde? Hinlegen. Will nicht schlafen? Offenbar nicht müde. Hm. Wiegen. Oder doch Hunger? So ein Schreien kann doch nur Hunger sein! Anlegen/Flasche geben. Wie - will nicht? Hm...

Die meisten Eltern machen den gleichen Fehler, wie ich: Sie denken, dass müde Kinder einfach schlafen. Und das tun die meisten Neugeborenen in den ersten zwei Wochen ja tatsächlich. Es gibt Kinder, die schaffen es auch in den darauf folgenden Wochen vollkommen unproblematisch, den Schalter umzulegen und zu schlafen, wenn sie müde sind oder Überreizung droht. Aber ganz, ganz vielen Kindern fällt es ab der dritten Lebenswoche plötzlich wahnsinnig schwer, in den Schlaf zu finden. Schreikindern ganz besonders. Und wir denken dann: Na wenn es nicht schläft, wird Müdigkeit kaum die Ursache für das Schreien sein.

Warum fällt vielen Neugeborenen das Einschlafen eigentlich so schwer? Weil dieser Schritt für sie eine gefährliche Trennung bedeutet - schlafend können Sie schließlich nicht sicher stellen, dass sie weiterhin ausreichend beschützt werden. Das macht ihnen Angst und sie wehren sich mit aller Macht dagegen. Sie benötigen daher beim Einschlafen regelrecht aktive Unterstützung. Bei solchen Babys ist dann oft die Rede von "Regulationsstörungen" - das trifft es aber nur halb. Ja - diese Kinder haben Schwierigkeiten sich allein zu regulieren, aber es ist keine "Störung" (auch wenn das Schreien uns "stört"), sondern ein relativ verbreitetes Verhalten.

Im Grunde hilft diesen Babys nur eins: Sofortiger Schlaf! Und das regelmäßig und ausreichend. Und Ruhe, Ruhe, Ruhe, Ruhe, Ruhe.

Ich habe bei uns zu Hause eine Ecke eingerichtet, in die ich mich immer zurück zog, wenn meine Tochter unruhig war. Ich hatte dort einen Schaukelstuhl und einen Pezziball (es half immer nur eins von beiden) und dunkelte das Zimmer ab. Ich habe sie einfach gehalten und ruhig geschaukelt, bis sie sich so weit beruhigt hatte, dass sie einschlafen kann. Später hat allein das Hinsetzen in unserer Ruheecke schon beruhigend gewirkt, da sie die Umgebung gut kannte.

Es fällt vielen Eltern anfangs schwer zu erkennen, wann ein Baby müde ist. Denn das interessierte Fixieren eines Gegenstandes wird als Neugier wahrgenommen - dabei versucht das Kind durch den starren Blick eher, andere Reize auszublenden. An folgenden Zeichen erkennst Du, dass Dein Baby müde wird:
 

  • Quengeligkeit 
  • Gähnen 
  • Saugen an der Hand, obwohl es satt ist 
  • Grimassenschneiden 
  • Stirnrunzeln 
  • Daumenlutschen 
  • weniger Bewegungen 
  • ruckartige Bewegungen 
  • geballte Fäuste 
  • starrer Blick
  • steife Glieder.

Leider übersieht man solche Frühanzeichen anfangs oft und das Einschlafen wird schnell unmöglich, weil das Kind nur noch überreizt schreit. In diesen Fällen, gibt es eine gute Möglichkeit, das Baby dennoch zum Schlafen zu bringen. Sie ist im eingangs erwähnten Buch "Das glücklichste Baby der Welt" von Dr. Harvey Karp beschrieben. Es geht darum, mittels verschiedener Maßnahmen die Umgebung im Mutterleib nachzuahmen. Das Kind wird dabei fest eingewickelt (gepuckt), leicht (!) im Sekundentakt schüttelnd bewegt (um das Schaukeln im Mutterleib beim Laufen zu simulieren) und hört dabei ein weißes Rauschen - entweder durch ein selbst gemachtes relativ lautes "Shhhhhhh" oder durch einen Fön/eine Dunstabzugshaube/einen Staubsauger. Das Kind wird dabei seitlich gelagert und saugt an einem Schnuller/elterlichen Finger/Daumen. Die Beruhigungsmethode mit den "5 S" habe ich in unserem Blog bereits ausführlicher beschrieben und kann jeder Schreibaby-Mutter nur ans Herz legen, sie unbedingt auszuprobieren Sie hilft Kindern, die übermüdet und überreizt sind, eigentlich immer zuverlässig beim Einschlafen.

Mein zweites Kind schlief in den ersten Monaten tagsüber übrigens nur so ein - in einer Federwiege, gepuckt, den Raum verdunkelt und zwei Meter daneben der Staubsauger:

gepucktes Baby in einer Federwiege

Schreibabys sind besonders schnell überreizt. Zur Vermeidung einer Reizüberflutung sind sie in den ersten Wochen tagsüber generell in einem Tragetuch am allerbesten aufgehoben - hier herrschen (fast) die gleichen Bedingungen, wie im Mutterleib: Wärme, Nähe, Mamas Herzschlag und das herrliche Geschaukeltwerden. Und man kann das Baby jederzeit von äußeren Reizen (wie der neugierigen Kundin im Supermarkt) abschirmen. Fast alle Kinder beruhigen sich wie von Zauberhand, wenn sie im Tuch sind und auch das Einschlafen fällt dort sehr viel leichter, als im kalten, stillen Kinderbett. Es gibt im Grunde nichts artgerechteres, als Babys den ganzen Tag herum zu tragen - das sind sie schließlich seit Jahrtausenden gewöhnt. Ihnen macht vielmehr die Umstellung in den letzten paar hundert Jahren zu schaffen. Jetzt sollen sie plötzlich alleine in Kinderbetten in eigenen Kinderzimmern schlafen - dagegen wehren sie sich mit vermehrtem Schreien. Sie wollen dauerhaft bei Mama sein - immerzu.

Auch wenn das anstrengend ist - die verminderte Schreidauer durch das Tragen im Tuch wird Dir gut tun. So nah wirst Du nie wieder bei Deinem Kind sein - versuch es zu genießen, so gut es geht. Die Zeit wird vorbei gehen - versprochen! Experimente zeigten übrigens, dass Kinder, die häufig am Körper getragen werden, bis zu 43 % weniger schreien (vgl. Renz-Polster, S. 157). Auch wenn die Tücher zunächst recht teuer erscheinen - wegen ihres sehr hohen Wiederverkaufswertes ist es in jedem Falle eine lohnende Investition.

Viele schlecht einschlafende Babys neigen dazu, dann auch noch ständig wieder aufzuwachen. Die meisten Schreikindeltern berichten, dass ihre Kinder tagsüber kaum schlafen - wenn, dann allenfalls in kurzen Blöcken von 30 bis 40 Minuten. Diesen Teufelskreis muss man unbedingt unterbrechen! Schreikinder brauchen dringend mehr und regelmäßigen (Tief)Schlaf. Häufig helfen feste Rituale und Strukturen dabei. Während man die Kinder, die sich gut selbst regulieren können, am besten schlafen lässt, wann sie wollen, ist ein fester Schlafplan für Schreikinder besser geeignet. 
RobopaxEs gibt übrigens auch technische Hilfsmittel, die das Einschlafen erleichtern und auch das ständige Aufwachen vermeiden: "Rüttelplatten" wie der Robopax, Federwiegen (Schlummerli, Nonomo oder Lullababy), Brio Bed Rocker die das Babybett hin und her wiegen oder das Lolaloo, welches den Kinderwagen oder das Bett sanft schaukeln lässt, ohne dass man selbst tätig werden muss. Zu diesen kann man bedenkenlos greifen - irgendwann werden auch Schreikinder ganz sicher in der Lage sein, ohne Hilfe einzuschlafen.

Die radikale Reduzierung von Reizen bringt bei den meisten eine massive Besserung des Schreiens. Zwar ist es nicht so schön, wenn man in den ersten Wochen quasi ans Haus gefesselt ist, aber auch diese Zeit wird vorüber gehen. Wir haben meist gar keine Vorstellung davon, wie wenig Reize ausreichen, um ein Kind zu überfordern. Allein ein Einkaufsbummel ist für das Kind ein enormer Stress - diese Reize zu verarbeiten ist unglaublich anstrengend. Nimm Dir Zeit, lass die Welt Welt sein - diese drei Monate gehören Dir und Deinem Kind. Ja - Du hast ein anstrengendes Exemplar erwischt, aber Du wirst diese Herausforderung meistern. Am Ende des Artikels kannst Du lesen, wie sich die Schreikinder entwickelt haben - das gibt hoffentlich Mut! 

Hunger bei Stillkindern 


Schreit ein Baby, dann ist eine der ersten Vermutungen eigentlich immer, dass es Hunger haben könnte. Mütter, die Flaschennahrung füttern, wissen, wie viel ihr Kind getrunken hat. Bei stillenden Müttern ist es etwas schwieriger, da man die getrunkenen Mengen nicht kennt und nicht weiß, wie viel Milch die Brust produziert.

An anderer Stelle habe ich ausführlich darüber geschrieben, wie man erkennt, ob ein Baby genügend Muttermilch bekommt. Ich hatte mich beim ersten Kind nämlich darauf verlassen, dass das Stillen vollkommen unkompliziert werden würde. Mein Kind wurde geboren und schrie die ersten 48 Stunden im Krankenhaus quasi durch. Sie lag Stunden an der Brust und nuckelte, daher kam ich gar nicht auf die Idee, dass sie Hunger haben könne. Schließlich ist so ein Babymagen ja anfangs noch so klein - da reicht doch das Kolostrum vollkommen aus. Tja - meinem Kind nicht. Es kam nicht genug und sie litt an Hunger. Auch die Hebammen meinten, dass das aber eigentlich nicht sein könne. Da sie aber schrie und schrie, rang ich mich durch, Glukose-Lösung zufüttern zu lassen und plötzlich war das Kind zufrieden und glücklich. 
Für genau zwei Wochen, denn dann begann das abendliche Schreien. Bei mir war aber schon die mentale Verknüpfung hergestellt: Schreien=Hunger - also war ich der Meinung, meine Milch würde nicht reichen. Ich pumpte, ich massierte, ich trank Stilltee, sie brüllte, ich weinte... Ich haderte mit mir und hörte von allen Seiten, dass ich immer weiter anlegen, aber nicht zufüttern sollte. Nachdem beim Milch pumpen kaum etwas heraus kam, rang ich mich soooo schweren Herzens (ich hatte solche Angst um die gute Stillbeziehung, die ich mir von Herzen wünschte) doch durch, mal eine Pre-Milch anzubieten, einfach weil ich das Geschrei kaum noch ertrug. Sie verweigerte sie. Nun - so konnte ich dann wenigstens Hunger als Ursache ausschließen und musste weiter nach der Ursachen forschen - der ich ja dann näher kam. 

Gelegentlich denken Mütter, dass ihre Milch nicht ausreicht, wenn die Babys wenige Tage und Wochen nach der Geburt zum Teil ununterbrochen für 2 bis 3 Stunden an der Brust trinken. Sie scheinen dann nicht wirklich satt und zufrieden zu sein, schlummern ständig ein und wachen dann wegen Hungers wieder auf. Dieses Trinkverhalten ist ganz normal - man nennt es "Clusterfeeding". Das Clusterfeeding tritt vor allem in den ersten Tagen nach der Geburt und während der Wachstums- bzw. Entwicklungssprünge auf.

schreiendes BabyHäufiges An- und Abdocken fördert die Ausschüttung des Hormones Prolaktin, welches die Milchproduktion anregt. Die volle Wirkung entfaltet sich erst 8 bis 16 Stunden später - mit den abendlichen Stillmarathons regt das Baby also die Langzeitproduktion der Milch an und sorgt für reichlich Nachschub am nächsten Tag. Daher sollte dieser komplexe Vorgang nicht durch Zufüttern gestört werden - Clusterfeeding ist notwendig, um die Produktionsmenge der Milch zu regulieren - es heißt nicht, dass das Baby zu wenig Milch bekommt. Man sollte einfach darauf vertrauen, dass das, was gerade geschieht wichtig und notwendig ist und keinesfalls bedeutet, dass die Milch nicht ausreicht. Selbst wenn die Milch vorübergehend zu wenig sein sollte - das häufige Saugen des Babys wird die Produktion anregen.

Häufig verzweifeln Mütter beim Gebrauch von Milchpumpen - auch ich habe es sehr selten geschafft, nennenswerte Mengen abzupumpen. Ursache dafür ist meist jedoch kein Milchmangel, sondern dass die Pumpe es nicht geschafft hat, den Milchspendereflex auszulösen - ohne fließt die Milch nur tröpfchenweise. Dazu kommt: Das Baby ist effektiver, als jede Pumpe - aus vermeintlich leer gepumpten Brüsten saugen Babys noch jede Menge Milch.

Anzeichen, dass die Nahrung nicht ausreichend sein könnte sind:

  • das Kind nimmt wenig, unregelmäßig oder gar nicht zu, 
  • die Augen sind eingesunken, 
  • die Schleimhäute sind trocken, 
  • Hautfalten bleiben stehen 
  • das Baby ballt die Fäuste
  • es ist dauerhaft unzufrieden,
  • es schläft sehr viel,
  • es wirkt apathisch, bewegt sich wenig, 
  • seltener Stuhlgang, 
  • der Haut fehlt Spannung, sie ist blass und 
  • der Urin ist nicht blass oder leicht gelb sondern dunkelgelb bis orange und riecht stark.

Ein mit ziemlicher Sicherheit sattes Baby erkennt man daran, dass bis zur 6. Lebenswoche etwa 3 Mal täglich Stuhlgang und 4-6 nasse Windeln hat. Wenn man unsicher ist, was "nass" bedeutet, kann man die leere und die volle Windel wiegen - es sollten ungefähr 300 ml Urin pro Tag ausgeschieden werden. Alarmierdend ist es immer, wenn sehr kleine Babys über Stunden trockene Windeln haben oder wenn sie ohne Tränen weinen.

Probleme mit der Feinfühligkeit, die Angst vor dem Verwöhnen und fehlendes Bauchgefühl 


Bindung und Feinfühligkeit 


Für Babys ist es überlebenswichtig, eine enge Bindung zu ihrer Mutter (oder einer anderen primären Bezugsperson) herzustellen. Bindung kann man sich als ein emotionales Band vorstellen, das Mutter und Kind miteinander verbindet. Laut John Bowlby, dem Begründer der Bindungstheorie, werden alle Babys dieser Welt mit der Bereitschaft geboren, sich eine Bindungsperson zu suchen. Denn nur, wenn es dem Kind gelingt, einen Menschen davon zu überzeugen, sich um sein Wohlergehen zu kümmern, kann es überleben. Das Aussenden von Bindungssignalen war und ist eine bedeutende Überlebensstrategie für unsere Kinder (vgl. Brisch, 2010: 12, 21f).

Die primäre Bindungsperson (meist die Mutter) ist in der Regel diejenige Person, die sich am verlässlichsten und am feinfühligsten um die grundlegenden Bedürfnisse kümmert. "Feinfühlig" bedeutet, die Signale des Babys richtig zu entschlüsseln und unverzüglich darauf einzugehen. Nicht nur Hunger, Müdigkeit, Schmerz und eine volle Windel werden von dem kleinen Menschlein zur Sprache gebracht, vielmehr geht es auch um Körperkontakt, Wärme und Schutz. Mutter und Baby lachen sich an
Eltern von Neugeborenen müssen zunächst durch Versuch und Irrtum herausfinden, was das Schreien zu bedeuten hat. In einem Wechselspiel zwischen Eltern und Kind lernen beide Seiten, die Signale zu entschlüsseln. Schon nach kurzer Zeit gelingt es den meisten Eltern, anhand der Stimmlage des Weinens zu erkennen, ob das Baby müde oder hungrig ist, ob es sich langweilt oder es frustriert ist. Je besser diese Decodierung klappt, desto stärker wird das Band der Bindung zwischen Eltern und Kind (vgl. ebd., 2010: 23f).

Gelingt es den Eltern jedoch nicht, das Baby zu verstehen und feinfühlig auf seine Bedürfnisse einzugehen, reagiert es mit vermehrtem Weinen. Diese Frustration können Eltern nicht bekämpfen - ihnen ist nicht wirklich klar, warum das Baby (in ihren Augen) so hysterisch reagiert. Das Kind wiederum spürt die Unsicherheit und das verängstigt es. Man erlebt es immer wieder - auch meine 5-Jährige reagiert umso nerviger, je gestresster ich bin. Das schaukelt sich manchmal bis zur Eskalation. Bei Babys kann das exzessive Schreien diese Eskalation von Unsicherheit und dem Gefühl, nicht verstanden zu werden, sein. 

Es gibt eine Vielzahl an Promlemen psychischer Natur, die ein exzessives Schreiverhalten auslösen können. Schwelende Konflikte zwischen den Eltern, mit deren Eltern oder psychische Erkrankung der Mutter können ursächlich sein. Den Aufbau einer Bindung erschweren außerdem eine durch Sorgen belastete Schwangerschaft mit (Todes)Angst um das Kind oder lange Krankenhausaufenthalte. Während dieser Zeit schüttet die werdende Mutter vermehrt Cortisol aus (Stresshormon), was Regulationsstörungen begünstigt. Nach der Geburt sind frühe Trennungen von Mutter und Kind (durch Erkrankung des Babys oder der Mutter oder einer Frühgeburt) oft Ursache für vermehrtes Schreien. 

Angst vor dem Verwöhnen 


Ein ganz spezielles Problem in unserer Gesellschaft ist die Angst vor dem Verwöhnen. Sie ist weit verbreitet und führt zu einer unterschwelligen Unsicherheit bei den Eltern, die ihnen oft nicht bewusst ist. Dabei kümmern sich die Eltern zunächst uneingeschränkt hingebungsvoll um ihr Neugeborenes - fragen sich aber nach und nach insgeheim manchmal, ob es wirklich gut ist, alle Bedürfnisse tatsächlich sofort zu erfüllen.

Snowqueen hat in ihrer Artikelreihe "Die Erziehung unserer Großeltern und Eltern" sehr ausführlich darüber geschrieben, warum so viele von uns immer noch fürchten, dass wir unser Baby "verwöhnen" könnten. Wir haben Angst, dass sie sich an das Tragen gewöhnen, an das Auf-dem-Arm-Einschlafen, an das Mit-uns-im-Bett-Schlafen - wir fürchten, dass sie nie wieder etwas anderes wollen. Wir haben Angst, dass unsere Kinder zu Tyrannen werden, wenn wir ständig beim ersten Mucks sofort reagieren, dass sie sich angewöhnen im Mittelpunkt zu stehen und wir uns am Ende anhören müssen "was für verwöhnte Gören!"

Wahrscheinlich kennt jede frischgebackene Mutter diese Unkenrufe - sie sind in der älteren Generation sehr beliebt. Auch meine Mutter prophezeite mehr als einmal: "Ihr werden schon sehen, was ihr davon habt! Die Kinder werden ja total verzogen!" Sie bezog sich dabei auf das Herumtragen und das Stillen nach Bedarf. Heute weiß ich, dass sie mein Umgang mit meinen Kindern ganz einfach als Kritik an ihrer eigenen Erziehung betrachtet. Ich mache schließlich alles anders - das müsse ja zwangsläufig dazu führen, dass die Kinder nicht so wohl geraten können, wie ich es bin - schließlich wurde ich ja (nach ihrem Empfinden) sehr gut erzogen. Für sie ist es einfach schwer zu verstehen, dass sich die Erkenntnisse wandeln und vieles, was damals empfohlen wurde (Schmelzflocken, schreien lassen, Töpfchentraining) heute als schädlich betrachtet wird. Es anders als sie zu machen ampfand sie als Herabwürdigung ihrer Kompetenz - also wurde die Zukunft in düsteren Farben gemalt. Aber - mittlerweile ist meine Mutter relativ kleinlaut geworden. Ziemlich erstaunt musste sie feststellen, dass meine Kinder trotz meiner seltsamen Erziehung ganz "artig" seien. Sie sind nicht "artig" - sie sind kooperativ, aber den Unterschied erkennt sie nicht :-).

Unsere Umgebung macht es uns jedenfalls nicht leicht - da kennt immer jemand jemanden, der jemanden kennt, wo das Kind noch mit 7 Jahren im Elternbett schläft oder das Kind total verzogen ist, weil es zu sehr "verwöhnt" wurde weil Mama ja immer sofort springt. Und solche Worte - gerade von unseren Eltern oder Großeltern - lösen in uns Ängste aus, häufig auch ganz unbewusst.

Also denken wir viel zu häufig und vor allem viel zu früh darüber nach, ob es wirklich richtig ist, ein Kind immer sofort hochzunehmen. Es ständig zu tragen und es beim Einschlafen zu begleiten. Manchmal warten wir deshalb kurz, weil wir denken: "Ach, das Baby muss auch mal lernen zu warten!" Dann schreit es umso bitterlicher, weil es sich plötzlich im Stich gelassen fühlt und überhaupt nicht versteht, warum wir zögern. Es fürchtet um den Verlust der Feinfühligkeit und damit des bisher geknüpften Bandes, das es dringend zum Überleben braucht. Unsere kurze Verunsicherung, unser Zögern, unser Versuch, dem Kind ein Mindestmaß an Geduld beizubringen, richtet manchmal großen Schaden an, weil es dem Urvertrauen schaden kann. Erst recht sollten wir ein kleines Baby niemals allein weinen lassen. Ganz wichtig ist mir dabei die Betonung des "allein" - denn eine Schreibabymutter schrieb mir:

"Ich dachte ich, mach was falsch, zumal ich die Aussage, man solle sein Kind nicht schreien lassen, irgendwie falsch interpretiert habe als: "Du darfst nicht zulassen, dass dein Kind schreit!" Das setzte mich beim ersten Kind enorm unter Druck und ich dachte, ich mache alles falsch. Bis ich mal endlich verstanden habe, dass nicht ich dafür sorge, dass mein Kind schreit, sondern dass meine Aufgabe ist, es beim schreien zu begleiten und da zu sein. Und bei uns gab es ja das Mittel gegen das schreien: Körperliche Nähe. Aber auch das fiel mir zunächst schwer zu akzeptieren, das mein Großer nur mit körperlicher Nähe zufrieden war. Ich hatte auch Angst, dass ich ihn jetzt IMMER NUR herumtragen muss, was ja auch unbegründet war, denn Babys werden ja älter und entwickeln sich."
  
Wir müssen immer daran denken: Noch vor 500 Jahren lag die Kindersterblichkeit bei 50 % - da überlebten nur diejenigen, die am meisten Aufmerksamkeit forderten und eng an die Eltern gebunden waren. Dieses Verhalten hat die Evolution noch nicht beseitigt - obwohl unsere Kinder mittlerweile sicher aufwachsen, benehmen sie sich noch immer wie kleine Steinzeitmenschen.

Durch das für uns vermeintlich sinnlose Schreien, fühlen wir uns gestresst, dadurch fühlt sich das Baby gestresst - und das darauf folgende vermehrte Schreien führt dazu, dass wir denken: "Offensichtlich ist es wirklich falsch, immer sofort zu reagieren - schau, das Baby wird immer fordernder, obwohl ich ihm doch immer alles gebe!" Also scheint das manchmal der falsche Weg zu sein.

Dabei hat das Kind schlicht Angst, weil auf seine Bedürfnisse nicht mehr immer sofort reagiert wird. Es braucht die Eltern - sie sind überlebensnotwendig! Umso mehr wird es schreien, wenn versucht wird, das Kind auch mal warten zu lassen. Häufig wird dann Vorsatz unterstellt: "Schau, der weiß ganz genau, dass ich ihn hoch nehme, wenn er schreit - das macht er mit Absicht!". Nein - Kinder in diesem Alter sind noch gar nicht in der Lage etwas absichtlich zu machen - vorsätzliche Handlungen sind in den ersten Monaten absolut unmöglich. Es ist reine Angst und der Wunsch nach Nähe, der das Kind schreien lässt. Wird das Bedürfnis nur mit innerer Zerrissenheit erfüllt, spürt das Kind das und wird seine Bemühungen verstärken, die Bindung zu stärken, indem es immer mehr Nähe einfordert. So wird es schnell zum Schreibaby.

Um es ganz klar und deutlich zu sagen: Ein Baby kann NIEMALS verwöhnt werden. Ein Baby braucht Nähe, Zuwendung und Liebe - ohne jede Einschränkung im ersten Lebensjahr. Die wirkliche Erziehung beginnt viel später. Die Ängste vorm Verwöhnen sind in diesem Alter vollkommen unberechtigt!  

Das Problem mit dem Bauchgefühl 


Was sehr vielen Eltern zu schaffen macht ist auch das Bauchgefühl. Wird man das erste Mal Mutter, denkt man sich meist ganz optimistisch: "Ich werde das Kind schon schaukeln. Mein Bauchgefühl reicht doch völlig aus - ich werde ganz instinktiv spüren, was mein Kind braucht. Das hat die Natur schließlich so eingerichtet!"

Neugeborenes schläft
Das ging mir auch so - umso tiefer saß der Schock, dass ich genau gar nichts spürte. Mütter von Schreikindern beschreiben es so: 

"Ich habe mich bei meinem ersten Kind wie eine vollkommene Versagerin gefühlt. Bisher hatte ich, bis auf das Schwangerwerden und -bleiben das meiste in meinem Leben recht souverän gewuppt und war mir vorher auch sicher, dass ich das Mamasein mit links schaffe und dann das." 

"Ich fühlte mich wie eine Versagerin, so unfähig und machtlos trotz unzähliger Versuche meine Babys nicht beruhigen zu können. Ich wünschte mir nichts mehr, als dass sie einfach mal aufwachten, ohne sofort loszubrüllen und einschliefen ohne stundenlanges Schreien."

"Ich bedauerte mein Kind darum, dass ausgerechnet ICH seine Mutter bin, die es ja scheinbar nicht zufrieden stellen kann. Ich habe darüber nachgedacht, wer sich besser um sie kümmern könnte..." 

Ich glaube durchaus, dass es eine gewisse mütterliche Intuition gibt - nichts ist verlässlicher, als das Gefühl einer Mutter "es stimme etwas nicht" mit ihrem Kind. Ich glaube auch, dass es einen Mutterinstinkt gibt, der uns über uns hinaus wachsen lässt, wenn es um den Schutz unserer Kinder geht. 

Ich glaube aber mittlerweile nicht mehr, dass es ein natürliches Bauchgefühl gibt. Wenn es das gäbe, müsste eigentlich jeder darüber verfügen - das ist aber nicht der Fall. Dieses Bauchgefühl setzt sich nämlich viel mehr ganz maßgeblich aus unterbewussten Einflüssen und Erfahrungen zusammen, daher haben viele Mütter das Gefühl, automatisch zu wissen, was zu tun ist und halten es für einen naturgegebenen Instinkt. Doch das funktioniert leider nur einfach und problemlos, wenn man eine entsprechend liebevolle Kindheit hatte und viele positive Erfahrungen sammeln konnte. Waren die eigenen Eltern nicht sehr feinfühlig und hat man wenig Umgang mit Babys, ist das "Bauchgefühl" u. U. eher sehr schwach ausgeprägt und wir fühlen uns schnell hilflos und als Versager. 

Was kann ich tun? 


Wenn Du Dich in diesem Abschnitt wieder erkennst, dann mach Dir zu allererst bewusst: Dein Baby ist vollkommen in Ordnung. Du hast nichts falsch gemacht, denn sein Verhalten basiert auf evolutionärer Prägung. Durch das Schreien will es sich an Dich binden und sein Überleben sicher stellen. Es ist nicht Dein Versagen, dass es weint, es ist ein Kommunikationsproblem! Du hast es nicht besser gewusst und Du kannst es anders machen. Wenn Dein Baby deswegen so viel weint, dann kannst Du lernen, es besser zu verstehen.

Wenn Du das Gefühl hast, dass Eure Kommunikation beeinträchtigt ist, dann beschäftige Dich intensiv mit den Anzeichen für Müdigkeit, Hunger, Langeweile und anderen Gemütszuständen. Notiere Dir, wie sich Dein Baby verhält, was Du getan hast, was geholfen hat. Sei aufmerksam, sprich viel mit Deinem Kind - es versteht schon mehr, als Du vermutest. Und es wird Deine Bemühungen honorieren. Da diese Probleme gar nicht so selten ist, gibt es Seminare, die man ggf. besuchen kann - geeignet sind bspw. SAFE-Elternkurse. Es gibt auch ein Buch zu dem Programm, das wirklich sehr gut ist: SAFE - Sichere Ausbildung für Eltern.Cover Buch SAFE 

Schmeiß etwaige Bedenken - und vor allem die Angst vor dem Verwöhnen - über Bord und sieh Dein Kind als das, was es ist: Ein vollkommen hilfloses Wesen, dass mit allen Mitteln versucht, Deine Aufmerksamkeit und Zuwendung zu bekommen. Dieser Prozess dauert nur wenige Monate - bald wird Dein Kind losziehen und die Welt entdecken und auch mal fünf Minuten ohne Dich sein können - so wie die nächsten hoffentlich 90 Jahre auch. Bis dahin gib ihm alle Nähe die Du geben kannst. Sprich mit Deinem Kind, herze es, knuddel es, sieh es immer und immer wieder an. Wenn Du seine Bedürfnisse ohne jeden Zweifel sofort erfüllst, wird es seine Sicherheit wieder gewinnen und sein Schreien hoffentlich weniger werden. Denk immer dran: Man kann einen Säugling NIEMALS verwöhnen! 

Körperliche Ursachen 


Es gibt eine Reihe von körperlichen Ursachen, die Schreien verursachen können. Die meisten sind so prägnant, dass sie auch schnell gefunden werden und behandelt werden können. Manchmal sind die Verläufe aber auch sehr unspezifisch, so dass bspw. ein Leistenbruch ohne weiteres für längere Zeit übersehen werden könnte. 

"Ich hab mir sehr viele Sorgen um sie gemacht, hatte einfach das Gefühl, dass sie kein glückliches Baby ist. Sie hat sich in alles total reingesteigert. Vom Kinderarzt habe ich mich damals nicht ernstgenommen gefühlt. "

 Leider nehmen einen Kinderärzte manchmal nicht wirklich für voll und erklären, dass die "Dreimonatskoliken" eben ausgesessen werden können. Wenn Du das Gefühl hast, Dein Kind leidet wirklich unter körperlichen Schmerzen, solltest Du Dir in solchen Fällen eine Zweitmeinung einholen.  

Wenn das Kind eher gleichmäßig über den Tag verteilt schreit, auch in der eigentlichen Ruhephase nachts (etwa 23 bis 4 Uhr) immer wieder schreit und das Schreien sehr schrill und verzweifelt ist, spricht das für Schmerzen. Ebenso, wenn es sich nicht durch die oben beschriebene Methode von Karp beruhigen lässt. Im Zweifel: geh in ein Krankenhaus und verlang eine umfassende Diagnostik.

Ich habe auch der Vollständigkeit halber einige Krankheiten aufgeführt, die vor allem plötzliches Schreien verursachen können, bei dem die Kinder kaum zu beruhigen sind. In diesen Fällen spüren die Eltern instinktiv, dass es den Kindern sehr schlecht geht und fahren normalerweise sofort in eine Klinik. Es gibt aber auch einige Ursachen, die bereiten permanent Unwohlsein und fallen daher nicht sofort und manchmal auch gar nicht auf. 

KISS-Syndrom und Blockaden 


KISS ist die Abkürzung für Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung und bezeichnet eine Fehlstellung im Bereich der oberen Halswirbelsäule. Diese wird in der Regel durch traumatische Geburten und eine lange Verweildauer im Geburtskanal verursacht. Das Syndrom ist hochumstritten - schulmedizinisch ist es nicht anerkannt, da es nicht nachweisbar ist und auch Studien zur Wirksamkeit der Heilmethoden nicht existieren. Alternativmediziner behandeln das KISS-Syndrom mittels manueller Therapie. Auch andere "Blockaden" können dazu führen, dass Kinder vermehr schreien. 

Folgende Symptome können auf ein KISS-Syndrom hinweisen (Quelle: Kiss-kid.de) 

  • Schiefhaltung des Kopfes bis zur Zwangshaltung 
  • Kopfhalteschwäche und/oder ausgeprägte Kopfrückbeuge 
  • Asymmetrie der Bewegungen von Armen und Beinen 
  • einseitig oder mittig abgeplatteter Hinterkopf 
  • einseitige Haltung des Rumpfes 
  • Reifungsprobleme der Hüftgelenke, oft einseitig 
  • Fehlstellung der Füßchen, bis hin zum Sichelfuß 
  • Schlafstörungen, Schreien im Schlaf 
  • Dreimonats-Koliken (Blähungen) und "Schreikind - Schreibaby" 
  • haarloser Kiss-Fleck am Hinterkopf (symmetrisch oder asymmetrisch) 
  • "Haare-Raufen", hohe Tastempfindlichkeit des Nackens 
  • Einseitige Schlafhaltung des Kindes 
  • Schädelasymmetrie, im Gesicht und/oder am Hinterkopf (seitlich abgeplatteter Hinterkopf) 
  • Gesäßfaltenasymmetrie 
  • ein kleineres Auge, das oft auch etwas tiefer zu liegen scheint 
  • Schlafhaltung wie ein nach hinten durchgebogenes "C", 
  • massives Durchstrecken nach hinten z.B. auf dem Arm oder im Bettchen 
  • Kind kann nur an einer Seite gut gestillt werden, da es nicht entspannt liegen kann; es überstreckt sich und schluckt viel Luft 
  • "Head banging", d. h. es schlägt den Kopf z.B. gegen die Gitter des Bettchens 
  • stereotype Kopfbewegungen vor dem Einschlafen 
  • Drehen sich nur über eine Seite (Lieblingsseite) 
  • Übermäßiges Sabbern, Probleme beim Schlucken 
  • Schreien beim Autofahren und im Kinderwagen 
  • Sabbern, Schluckschwierigkeiten, häufiges Erbrechen.

In der Medizin heißt es: "Wer heilt, hat Recht" - und ich kenne ganz viele Erfahrungsberichte, wo eine osteopathische Behandlung aus Schreikindern bei der ersten Sitzung schon glückliche Babys machte. Manchmal waren mehrere Sitzungen erforderlich um die Schreidauer deutlich zu reduzieren, bei anderen Kindern hat es rein gar nicht geholfen. So oder so - bei einem Schreikind ist die Vorstellung bei einem Osteopathen wirklich zu empfehlen - viel hat man dabei nicht zu verlieren.

Mein Sohn wollte in den ersten Wochen nie getragen werden, immer wenn ich ihn hoch nahm, weinte er bitterlich. Ich fand das sehr seltsam, eben weil ich wusste, dass es normalerweise ein Grundbedürfnis von Babys ist, getragen zu werden. Eine Osteopathin stellte eine Blockade in der Schulter fest, behandelte diese und ich (eigentlich eher ausschließlich der Schulmedizin zugewandt) muss sagen, dass mein Kind wirklich wie verwandelt war - die Behandlung hat bei ihm definitiv etwas bewirkt.

Eine Liste spezieller KISS-Ärzte findet ihr hier - die Kosten für eine Erstuntersuchung liegen bei etwa 40 - 80 EUR, das sagt man Euch aber genauer am Telefon.  

Mittelohrentzündung 


Ohrenschmerzen ist so ziemlich das gemeinste, was man haben kann - entsprechend schmerzhaft ist es auch für unsere Babys. Leider können sie uns nicht gezielt mitteilen, wo es denn weh tut. Nur dass - und das machen sie durch ausdauerndes Schreien. Ursache dafür kann auch eine Mittelohrentzündung sein. Normalerweise erkennt man eine solche an Unruhe, Weinen und Fieber. Viele Babys reiben sich die Ohren, so dass diese gerötet sind.

Gegen die Schmerzen hilft Paracetamol (im ersten halben Jahr kein Ibuprofen!), ansonsten sollte man unbedingt einen Arzt ins Ohr schauen lassen, wenn man eine Mittelohrentzündung vermutet. Hat das Baby kein Fieber - was durchaus vorkommen kann - ist die Entzündung nur dadurch zu erkennen. U. U. muss ein Antibiotikum gegeben werden. 

Harnwegsinfektion/Blasenentzündung 


Eine Blasenentzündung ist noch etwas gemeiner, als eine Mittelohrentzündung - und sie ist noch schwieriger zu erkennen. Meist haben die Kinder Fieber und keine sonstigen Symptome. Sie schreien womöglich beim Wasserlassen - was wir wegen der Windel ja dann nicht merken und daher keinen direkten Zusammenhang erkennen. Hellhörig sollte man werden, wenn regelmäßig kurz schrill aufgeschrien wird. Der Urin riecht dann auch manchmal ungewöhnlich. Gelegentlich kommen auch Erbrechen, starke Müdigkeit, Gereiztheit und Gelbsucht hinzu. Die Babys trinken schlecht und nehmen wenig zu. Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, kann man ggf. Blut in der Windel finden. Fieber ist bei Neugeborenen und in den ersten Monaten sehr ungewöhnlich - ab 38 °C sollte man daher immer einen Arzt konsultieren.

Die Diagnose erfolgt durch eine Urinprobe, die Behandlung durch ein Antibiotikum. 

Milcheiweiß-Unverträglichkeit 


Bei einer Milcheiweißallergie reagiert der Körper auf die Proteine der Kuhmilch in der Säuglingsnahrung oder Muttermilch. Man erkennt eine Unverträglichkeit nicht so einfach, da die Symptome vielfältig sein können. Häufig treten dabei Erbrechen und Durchfälle, die mit Blut durchsetzt sein können, auf. Häufig kommt es zu einer mangelnden Gewichtszunahme. Es können Hautausschläge wie Ekzeme und Rötungen mit Juckreiz auftreten. Auch die Atemwege sind gelegentlich betroffen. Bei meinen Recherchen zu diesem Artikel bin ich über die Aussage gestolpert, dass bei etwa einem Drittel (!) aller Schreibabys eine Milcheiweißunverträglichkeit oder ein Laktasemangel vorliegt. 

Bei einer Milcheiweiß-Unverträglichkeit schreit das Baby viel - vor allem nach den Mahlzeiten. Meist trinken die Kinder auch ungern, weil sie instinktiv spüren, dass die Milch ihnen Unwohlsein verursacht. Das Kind muss in diesem Fall spezielle Babynahrung, die keine Kuhmilchproteine enthält, bekommen (bspw. Neocate). Auch in der Muttermilch sind Kuhmilch-Proteine enthalten, wenn die Mutter diese verzehrt, weswegen auch Stillkinder mit einer Unverträglichkeit reagieren können. Hier schafft der konsequente Verzicht der Mutter auf Milchprodukte rasche Linderung.

Wenn Du den Verdacht hast, dass Dein Kind an einer Unverträglichkeit leidet, dann bringt eine Ausschlussdiät meist Klarheit - Flaschenmütter wechseln auf eine milchfreie Spezialnahrung (bitte mit dem Arzt absprechen) und beobachten die Symptome, Stillmütter verzichten konsequent auf Milchprodukte. 

Gastroösophagealer Reflux  


Ein gar nicht so seltener und häufig nicht erkannter Grund für exzessives Schreien ist der gastroösophagealen Reflux (auch GERD) genannt. Dabei fließt die gefütterte Milch vom Magen zurück in die Speiseröhre, weil der Schließmuskel noch nicht ausgereift ist. Das untere Ende der Speiseröhre entzündet sich und verursacht Schmerzen - das Baby schreit vor allem nach den Mahlzeiten. Es spuckt außerdem verstärkt oder erbricht schwallartig. Das Spucken kann aber auch fehlen, was die Diagnostik erheblich erschwert. Weitere Symptome sind Husten (vor allem nachts) und krampfartiges Zurückbeugen des Kopfes oder Oberkörpers nach dem Füttern (Überstrecken). Häufig nehmen Kinder auch eher zögerlich zu.

Man diagnostiziert die Refluxkrankheit unter anderem mit der 24-Stunden-pH-Metrie. Dabei wird der Säuregehalt (pH-Wert) der unteren Speiseröhre 24 Stunden lang ständig durch Sensoren gemessen, um den Rückfluss von Mageninhalt nachzuweisen.

Die Krankheit verwächst sich in der Regel selbst durch die Reifung der Muskulatur des Magenpförtners. Bis dahin kann man säurehemmende Medikamente geben und die Milch andicken (bspw. mit Nestargel). In schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein. 

Verstopfung 


Baby sitzt auf Sofa und weintEin neugeborenes Baby sollte in den ersten Lebensmonaten etwa 3 Mal am Tag Stuhlgang haben. Bei gestillten Kindern kommt es in der Regel nicht zu Verstopfungen, bei Flaschenkindern kann dies jedoch vorkommen. Der Stuhl kann deutlich schwerer abgesetzt werden, das Kind quält sich ganz offensichtlich damit.

Ist die Verstopfung ein dauerhaftes Problem, sollte die Milchsorte gewechselt werden. Kommen nur zeitweise Verstopfungen vor, kann man erwägen, der Flaschenmilch etwas mehr Wasser, als auf der Packung beschrieben, beizufügen (Achtung - umgedreht darf man nie mehr Milchpulver als vorgesehen verwenden!). Das Abführen erleichtern Zäpfchen und Miniklistiere - bitte unbedingt mit dem Arzt vorher besprechen. 

Leistenbruch 


Beim Leistenbruch handelt es sich um eine Ausstülpung der Bauchfells im Leistenkanal, das den Bauchraum auskleidet. Diese Ausstülpung kann auch Darmteile enthalten und ist in diesen Fällen äußerst schmerzhaft, wohingegen sie sonst auch unbemerkt und schmerzlos sein kann. Vor allem Jungen leiden darunter und werden manchmal schon damit geboren. Man erkennt einen Leistenbruch in Einzelfällen recht schwierig. Am offensichtlichsten ist eine Schwellung in der Leistengegend, die manchmal bis in den Hoden- oder Schamlippenbereich reicht. Diese Schwellung kann auch vorübergehend wieder verschwinden und später erneut auftauchen. Sie sollte nie bewegt ("zurückgestopft") werden, da Organe eingeklemmt werden können. Wenn sich die Geschwulst hart anfühlt oder violett aussieht, sollte man unbedingt sofort zum Arzt gehen. Kinder mit Leistenbrüchen sind unruhig, schreien viel und es kann zu Erbrechen kommen. 

Abhilfe schafft in den meisten Fällen leider nur eine Operation. 

Hodentorsion 


Eine Hodentorsion ist extrem schmerzhaft und sehr schwer zu erkennen. Der Hoden dreht sich dabei um seinen Stiel - das ist der Teil, der den Hodensack mit dem Bauch verbindet. Dabei werden die Blutgefäße abgeklemmt und es kommt zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff. Der Hoden ist geschwollen, steht ggf. ab und ist an der verdrehten Seite gerötet.

Eine Torsion kann schon nach wenigen Stunden bleibende Schäden verursachen und muss behandelt werden. Dies ist - ja nach Befund - manuell oder operativ möglich. 

Darmverschluss 


Ist der Darm von seinem Inhalt nicht mehr durchgängig passierbar, spricht man von einem Darmverschluss. Bei Kindern ist eine plötzlich auftretende Einstülpung die häufigste Ursache. Die Symptome sind starke Bauchschmerzen, bei denen sich die Kinder zusammenkrümmen. Zuerst wird der Mageninhalt erbrochen, dann Galle und später enthält das Erbrochene dann Darminhalt. Kalter Schweiß, blasse Gesichtsfarbe und wellenartiges Auftreten der Beschwerden sind typisch. Zwischendurch kann das Kind auch vollkommen beschwerdefrei sein. Der Bauch wirkt aufgebläht, da der Darminhalt aufgestaut wird. Teilweise erleidet das Kind einen Schock wegen der Schmerzen. Ein absolutes Spätsymptom ist ein himbeergeleeartiger Schleim, der aus dem After austritt.

Dem Kind geht es normalerweise so schlecht, dass man in jedem Falle in ein Krankenhaus fährt.  

Schreiambulanzen - der Retter in der Not? 


Schreiambulanzen findet man mittlerweile fast flächendeckend in Deutschland. Grundsätzlich finde ich eine solche Institution extrem wichtig - Eltern von Schreikindern fühlen sich häufig sehr hilflos und haben so eine Anlaufstelle, wo man sie (hoffentlich) ernst nimmt. Leider arbeiten diese Schreiambulanzen sehr, sehr unterschiedlich. Es gibt richtig gute, die sich intensiv mit Kind und Eltern auseinander setzen, sie beobachten und hilfreiche Tipps geben. Häufig hilft es Eltern ja schon, ihr Herz auszuschütten, dass ihnen jemand zuhört und vor allem ernst nimmt (was leider auch viele Kinderärzte nicht tun).

Mitarbeiter einer guten Schreiambulanz nehmen sich Zeit, beobachtet die Interaktion von Mutter und Kind und unterstützt ggf. bei der Erstellung eines festen Tagesplanes, um die Überreizung/Übermüdung zu minimieren.

Leider gibt es auch Schreiambulanzen, in denen das "Problem Schreikind" mit Abwandlungen der Ferber-Methode gelöst werden soll. Dabei wird das Kind ins Bett gelegt, alleine gelassen und erst nach einem festen Minutenplan wieder zum Kind gekommen. Diese Methode ist höchst umstritten - warum man Kinder niemals alleine schreien lassen sollte, darüber habe ich im Artikel Schreien lassen ausführlich geschrieben.

Bevor ihr mit einer Schreiambulanz in Kontakt tretet, beschäftigt Euch mit dem Ferbern, damit ihr es als solches erkennt. Rät man Euch dazu, lehnt es ab - es ist es niemals wert, eine arme Kinderseele so zu quälen. 

Wie soll man das Schreien denn ertragen? 


Manchmal hilft leider keine der beschriebenen Maßnahmen und man findet nicht heraus, wo das Problem liegt. So bitter das ist, aber dann bleibt einem nichts anderes übrig, als es irgendwie zu überleben.

"Mit 6 Wochen schrie sie auch tagsüber viele Stunden. Sie hatte Koliken und dass das Ganze mit 12 Wochen besser werden soll, tröstete mich übrigens gar nicht! Für mich war es, als würde jemand sagen, in 12 Jahren ist alles gut. Ein paar Wochen können sooo lang sein. Ich war übermüdet, gereizt, psychisch sehr labil". 

Auch wenn es während des Schreiens so schwer fällt zu realisieren - es ist tatsächlich so, dass es vorbei gehen wird, das sollte man sich immer und immer wieder bewusst machen. Man muss mit den Kräften haushalten - schreit das Kind 3 Stunden lang, dann ist es wenig sinnvoll, wenn beide Eltern zusammen versuchen, das Kind zu beruhigen. Es ist für beide kraftsparender, wenn "Schichten" übernommen werden. Auch, weil dann immer ein Ende abzusehen ist. Während Mama von 18 bis 19 Uhr beim Kind ist, kann Papa das Haus verlassen. Die Aussicht, das Kind um 19 Uhr in jedem Falle abgeben zu können, lässt das Geschrei besser ertragen. So kann man sich abwechseln, bis das Baby endlich schläft.

Hier noch ein paar Tipps von unserer Leserin Simone:

"Nun ja und ungewöhnliche Situationen, erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Ich habe mir ein Wutkissen angeschafft! Es ist relativ groß und relativ fest. Immer dann, wenn ich Wut gegenüber meinem Sohn verspürt habe, habe ich mir das Kissen geschnappt und darauf eingeschlagen, bis zur völligen Erschöpfung. Man glaubt kaum wie gut man darüber seine Emotionen abbauen kann.

Dann habe ich, wenn mein Mann mit den Kindern aus dem Haus war, richtig harte Musik aufgelegt. Ich hab Sie aufgedreht und eine halbe Stunde mir die Seele aus dem Leib getanzt und gesungen. Ich habe mir Ohropax zugelegt. Ich konnte meinen Sohn trotzdem schreien hören, es war aber etwas gedämmt!

Ich habe mir Ruheinseln verschafft. Das ist ja auch so eine Sache! Keiner will so ein Baby betreuen. Alle haben Angst. Ich habe dann trotzdem meine Mutter dazu verdonnert! Diese 1 Stunde würde Sie das schon schaffen! Mein Mann nahm den kleinen nach der Arbeit dann auch, so kam ich dann am Tag auf ca. 1 ½ -2 Stunden!"

Das ist ein sehr wichtiger Tipp - man braucht unbedingt Ruheinseln. Ein Schreibaby ist kein Grund, sich zu schämen, sondern ein Grund, sich Hilfe zu holen. Am besten eigenen sich Freundinnen, die selbst Kinder haben - die können bestenfalls nachempfinden, wie man sich in dieser Zeit fühlt. Auch Organisationen wie Wellcome können unterstützen. Jede Stunde, die jemand anderes Dein schreiende Baby betreut ist dabei wichtig und hilft Dir, Kraft zu schöpfen.

Auch sehr wichtig ist, seine Wut in den Griff zu bekommen. Stundenlanges Schreien macht aggressiv - das habe ich selbst erlebt. Ich war so erschrocken über diese Gefühle - ich habe mein Kind sekunden- manchmal auch minutenlang gehasst. Es fiel mir aus Überforderung anfangs wahnsinnig schwer, eine Bindung aufzubauen. Auch andere Mütter von Schreibabys berichten:

"Zunehmend stieg die Wut und die Aggression gegen mein eigenes Kind. Man hat alles durch. Angefangen von Sab Simplex Tropfen über Fenchel-Kümmel-Anis-Tee, Bauchmassagen, Kirschkernkissen, Fahrrad fahren mit den Füßchen, Tragen, Fliegergriff, Schuckeln, die 5-S von Karp, Kiwa fahren bis die Beine gefühlt, abfallen, wenig Reize, Osteopathen, Kinderarzt, Krankenhaus, bis hin zur Schrei-Ambulanz. Und es hilft einfach nichts!" 

Snowqueen hat einen Artikel über die elterliche Wut geschrieben - dort findet man auch ein paar Strategien zur Wutbewältigung. Wichtig ist, seine Grenze zu kennen. Wenn man nicht mehr kann, weil man absolut am Ende ist, dann muss man für ein paar Sekunden oder Minuten verschnaufen, bis man sich wieder im Griff hat. Das sind die einzigen Momente, in denen Babys einfach mal alleine schreien müssen.

Es gibt übrigens ein E-Book, das meines Erachtens die Thematik des abendlichen Schreiens sehr gut und ausführlich behandelt - "Die Schreibaby-Gebrauchsanweisung". Das Buch ist von einer Mutter geschrieben, die selbst ein Schreibaby hatte und befasst sich mit allen Aspekten rund ums Schreien und der Ursachen.

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch einen Artikel der Seite Geburtskanal verlinken: Tränenreiche Babyzeit - Warum weinen Babys mehr als Eltern erwarten? Über die Problematik der schreienden Babys. Ich habe des Öfteren gelesen, dass dieser einigen Eltern weiter geholfen hat. Es wird die Methode des "Haltgebens" beschrieben, bei der das Schreien einfach als Gefühlsäußerung angenommen und nicht versucht wird, es abzustellen. Man soll also das Kind sich seinen Kummer von der Seele schreien lassen und hält es dabei fest.  

Die Autorin geht davon aus, dass unsere Babys nicht getröstet, sondern angehört werden wollen. Daher sollte ihnen einfach nur zugehört werden. Grundsätzlich spricht nichts gegen die Methode, sie ist sicher einen Versuch wert, wenn die 5-S von Karp bspw. nicht funktionieren sollten. Ich habe zwar ein Problem mit der Annahme, dass das Schreien eine Art "Erzählen" ist - denn das wäre evolutionär nicht sinnvoll - aber die Methode ist unschädlich, weil elterliche Nähe gegeben wird. Daher ist sie durchaus einen Versuch wert.

Ich möchte auch gerne anbieten, dass man mich bei Verzweiflung oder Fragen wegen der Schreiproblematik jederzeit eine E-Mail schreiben kann. Es gibt außerdem ein Forum speziell für die Problematik von Schreikindern - bei www.forum.vonanfang.de findet ihre kompetente Hilfe.  

Es gibt ein Leben nach dem Schreien! 


"Mit einem Jahr war der Spuk vorbei. Alles war gut. Ich habe ein besonders aufgewecktes, lautstarkes, temperamentvolles, wenig schlaf-orientiertes, neugieriges, empfindsames (auch sehr empfindliches) liebes, aktives (nicht hyperaktives), willensstarkes Kind, das nie pflegeleicht war, eine starke Trotzphase hatte und das Freiheiten braucht, um die Welt zu entdecken. Aber es sind alle Kinder anders und es ist ihr Temperament, das kann man nicht ändern. Und eigentlich ist es nicht mal so schlecht, sie ist wirklich sehr aufgeweckt und ich bin stolz auf sie."

"Heute habe ich das Gefühl, dass uns nichts mehr was anhaben kann, wir haben das Schlimmste überstanden und sind gestärkt und gelassen daran gewachsen."

"Mit 14 Wochen zeigte sich dann schnell Besserung und ich begann, das Muttersein zu genießen. Meine Depression verflog mit jedem Tag."


Mutter mit Baby im Herbstlaub
"Heute, 1 ½ Jahre später ist unser Sohn ein kleiner Sonnenschein. Ich hätte mir das nicht träumen lassen, dass er mal so entspannt sein kann. Im übrigen, habe ich nie an der Liebe zu meinem Sohn gezweifelt Ich möchte die Zeit nicht zurück, sie war nicht schön. Möchte aber unseren Sohn nicht missen! Und ich bin heute um eine Erkenntnis reicher. Andere hätten es auch nicht besser gekonnt, was ich aber lange Zeit dachte!"

"Meine Kleine ist inzwischen die zauberhafteste Maus, die man sich vorstellen kann. Sie ist extrem sensibel, reagiert sehr empfindlich auf Geräusche, beobachtet unheimlich intensiv, kann sich schlecht abgrenzen/Reize ausblenden, braucht sehr viel Körperkontakt. Ich sehe darin im Nachhinein die Gründe für das viele Schreien - hohe Sensibilität, verbunden mit der Unfähigkeit Reize auszublenden und dadurch totale Übermüdung und die Unmöglichkeit einzuschlafen."

Sehr bewegt haben mich die Erfahrungsberichte in den Kommentaren - vielen Dank dafür! 

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo das Kind nicht mehr schreit. Bei manchen nach 3 Monaten, bei anderen nach einem Jahr, einige wenige Kinder schreien auch noch länger - aber die Intensität nimmt dabei immer ab.

© Danielle 

Quellen


http://www.psychologie.uzh.ch/fachrichtungen/kjpsych/Ratgeber_Einfuehlsame_Eltern.pdf

Kommentare:

  1. Hallo ihr lieben,

    mal wieder ein richtig toller Artikel! Beide Daumen hoch!
    Du hast aber 2 wichtige Dinge nicht dabei:

    Punkt 1: Mutter mit postnataler Depression. Sie haben noch viel mehr Probleme, die Bedürfnisse ihres Kindes richtig zu lesen und spiegeln auch die Gefühle in ihrer Mimik nicht wieder und suchen zu wenig Blick- und Körperkontakt!

    und der viel wichtigere Punkt 2 und das ist der auf dem es überall hinausläuft, wenn das Baby nicht gerade wirklich körperliche Probleme und was mich absolut regelmässig auf die Palme bringt!!!!!!!!!!! Völlig überzogene, schwachsinnige Erwartungshaltungen! Es sind frischgeborerene Babys. Frischgeborerene Babys wollen IMMER bei der Mama sein, Tag und Nacht. Und sie wollen IMMER nuckeln an der Brust und das ist ihr wunderbares Gottgebenes Vorrecht.
    Die Wochenbettzeit ist so magisch und wunderschön und natürlich gehören wie der Name schon sagt, Mama und Baby ins Bett. Und da auch Kritik an Eurem Artikel: es ist nicht SCHLIMM sondern wunderschön und natürlich, die ersten Wochen zu Hause zu kleben!! Das kleine Wunder möchte seine Vertraute Umgebung, seine Mama Tag und Nacht, Milch jederzeit, keine weiteren nervigen Leute und es möchte IMMER getragen werden.
    Mal von den echten körperlichen Problemen gibt es KEINE Schreikinder! Allein der Name macht mich so wütend. die Kinder haben kein Problem und sind kein Problem. Nur die doofen Eltern, die dachten, dass das Leben so easy weitergeht. Man hat in den ersten Monaten null Zeit für sich selbst und das ist doch auch logisch?!! und doch auch überhaupt nicht schlimm?!! Das Baby kommt immer zuerst!
    Ihr schreibt doch oben selbst, dass kein Kind freiwillig schreien würde. Und ihr habt völlig recht. In anderen Ländern gibt es dieses "Phänomen" überhaupt nicht.

    Mein Baby hat in den ersten 7 Monaten (da kamen die fiesen Zähnchen!) niemals geschrien, NIE. Ich habe ordentlich Hornhaut an den Nippeln bekommen und konnte selten vor Müdigkeit gerade ausschauen. Ich hab Oberarme wie ein Bauarbeiter vom Rumschleppen meines Schatzis (wiegt aber auch inzwischen 15 kg :) Die ersten Monate ist ein Kind eine ziemliche Aufgabe meiner selbst, ich fands großartig und so ist das auch völlig normal!

    So ich setz mich jetzt wieder hin. Ihr seid großartig. Ich weiß, eine von euch hatte ein "Schreikind" aber aus den Zeilen oben heraus lese ich ja nun, dass ihr es selbst verstanden habt, dass ihr die Bedürfnisse des Babys nicht richtig verstanden habt.

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    1. Ich gebe Dir in allem uneingeschränkt Recht :-).

      Liebe Grüße!
      Danielle

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    2. Mmh, ich glaube, "hochemotional" trifft den Kommentar am besten. Aber schauen wir einmal die letzten Jahrhunderte zurück - das Baby war immer am Menschen, aber nicht unbedingt jede Minute an der Mama...ich glaube, dass die Gemeinschaft - Geschwisterkinder, Tanten und Omas etc. - jaaa, hauptsächlich die weiblichen Mitmenschen - viel mitgeholfen hat udn das Baby die Nähe auch von anderen bindungsstarken Personen bekam ohne ausschließlich auf die Mutter fixiert sien zu müssen. Natürlich soll es bei der Mama am Schönsten sein und z. B. abends ein Einschlaf-Ritual mit den Eletrn geben (nicht irgendwem), aber dieses Fixieren durch die Klein-Familie ist sicherlich auch ein Grund, was nicht unbedingt hilfreich ist. Aber Realität.
      Und nundie ketzerische Frage: in welchem naturnahen Kulturkreis liegt eine frischgebackene Mutetr 4 Wochen am Stück im Bett? Das interessiert mich wirklich.

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  2. liebe danielle, das freut mich. ich wollte euch sicherlich nicht angreifen. ich würde mir nur wünschen, dass sich werdende mamas und papas vorher genau Gedanken machen, was ein Baby so für Bedürfnisse haben und das es gut und sinnvoll ist, wie sie so reagieren und was sie brauchen. die zeit, die sie uns so intensiv brauchen, ist so kurz! wir werden das ganz schnell vermissen.

    ich war ganz frisch Mama, als ich irgendwo das mal mit dem "Babys melden ihre wünsche im durchschnitt 31 min an bevor sie wirklich weinen" gelesen. das hatte mich sehr beeindruckt. und ich habe darauf geachtet, und es stimmte absolut! das habe ich mir sehr zu herzen genommen. und ich finds gut, dass es hier auch noch einmal steht.

    und ich finde kinder gehören absolut verwöhnt und mit liebe nur so überschüttet. das beinhaltet für mich auch das grenzen setzen! ich erlaube meinem sohn z.b. sagen wir 95%. der darf hier jedes regal ausräumen, und kieksen und schreien soviel er will, toben, erde essen im garten, meinetwegen auch mit essen rumschmieren, so lange es nur meine Faulheit wäre, die mich zu einem nein verleitet. dafür bin ich dann super strikt wenn es um Grünpflanze ankauen oder ausräumen geht, Steckdose, herd, auf die straße rennen ist sowas von tabu. ohne ausnahme, und da hört er tadellos. die kinder erwartet ein wahrer Schilderwald an "neins". furchtbar, lieber weniger regeln. dafür aber strikt eingehalten.

    und wisst ihr wo ich mir die liebsten Anregungen hole? hier bei euch!
    euch seid so toll. ich kanns nur immer wieder sagen. bitte macht so weiter.
    ihr seid echte Inspiration!

    liebe grüße
    kathi

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    1. Liebe Kathi,

      ich habe mich ganz und gar nicht angegriffen gefühlt :-) - wir sind vollkommen gleicher Meinung. Leider habe ich das nicht instinktiv gefühlt, was ich noch immer sehr bedauerlich finde. Aber besser spät als nie :-).

      Liebe Grüße
      Danielle

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  3. Zunächst möchte ich mich für diesen weiteren großartigen Artikel bedanken. Ich dachte eigentlich alles zu diesem Thema gelesen zu haben was es gibt - das dieses Reflux- Problem auch ohne ständiges spucken auftreten kann hatte ich jedoch beispielsweise noch nirgendwo gehört. Vielleicht war ja genau das bei unserer Kleinen der Fall - ich (und der Kinderarzt )hatten das jedoch immer ausgeschlossen, da sie nur hin und wieder mal etwas Milch wieder erbrach.
    Außerdem hab ich noch nirgendwo eine so gute Zusammenfassung gelesen...:-)

    Ich muss aber einfach ein paar Worte zu Kathis Kommentar loswerden, von dem ich mich sehr wohl angegriffen gefühlt habe und der mich echt seit Tagen beschäftigt.
    Es fängt schon damit an, das es nicht schlimm zu sein hat Wochenlang alleun mit dem Baby zu Hause zu sein ..."sondern wunderschön"... -liebe kathi- man kann sich leider nicht aussuchen was man empfindet.
    Ich war ziemlich verzweifelt - und seeeehr einsam. Am allein sein ist im übrigen nichts natürlich - alle Primaten leben in mehr oder weniger großen Gruppen:-). Deshalb empfinden wir, nicht nur als neugeborenes, das Allein- Sein als bedrohlich und unangenehm. (Nicht umsonst gilt Isolationshaft als schwere Menschrechtsverletzung).

    Wirklich schwierig fand ich dann die Aussage, ihr Baby habe fast nie geschriehen und der Grund dafür sei, dass sie alles richtig gemacht habe. Nicht einmal die Möglichkeit zu erwägen, eventuell ein recht pflegleichtes Baby gehabt zu haben, oder dazu zu sagen, dass man rund um die Uhr Hilfe hatte - na ja...
    Meine Tochter wurde am späten Nachmittag geboren und hat bis zum nächsten Morgen nahezu durchgehend geschrien. Obwohl ich alles, wirklich alles versucht habe um sie zu beruhigen und sie trotz quälenden Durst Hunger und voller Blase nicht eine Sekunde abgelegt habe.
    In den folgenden Wochen schrie sie nach jeder Mahlzeit mindestens eine halbe Stunde und Abends oft Zwei bis drei Stunden. Wir haben alles wirklich alles versucht um ihr zu helfen. Vor allem hatte sie natürlich Mama rund um die Uhr und durfte immer nuckeln wenn sie wollte. So einfach ist es nur eben manchmal nicht.
    Was mich in dieser Zeit am meisten gequält hat war das Gefühl Schuld an ihrem "Elend" zu sein. Ich möchte nicht wissen, was ein Kommentar wie der obige zu dieser Zeit in mir ausgelöst hätte.







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  4. Liebe Anonym,
    es tut mich sehr leid, wenn du dich angegriffen gefühlt hast. Das wollte ich sicher nicht. Ich kenne ja Deine persönliche Situation nicht, und weiß auch nicht, warum Du so allein die ersten Wochen warst. Ich hab leider auch keine Großeltern für mein Kind, unsere Schwangerschaft war sehr schwierig und mein Mann hat sich redlich bemüht, mir beizustehen als wir viele Wochen im Krankenhaus lagen, ich bin dann auch einen Tag nach dem Kaiserschnitt heim. Und dann war mein Mann erstmal viele Monate nur noch auf Geschäftsreise, weil er alles hatte liegen lassen. Ich hab den Zwerg dann halt überall mit hingeschleppt. Grad in den Schüben hab ich locker 4 Wochen auf dem Sofa mit Junior kampiert und bin sonst nur durch den Wald gestratzt. Aber ich hab mir immer gesagt: diese Zeit ist so kurz wo sie uns so brauchen und hab meine Bedürfnisse komplett zurückgestellt. Fiel mir aber halt nicht schwer, weil ich mir vorher viele Gedanken gemacht habe, wie es mit dem so einem Mini dann ist. Und ich wollte eigentlich nur ausdrücken, WENN ein Kind KEINE körperlichen Probleme hat, wie es vielleicht wirklich bei der Deiner Maus war, dann weinen Kinder vielleicht am Anfang wirklich so viel, weil die Eltern eine völlig falsche Erwartungshaltung haben. Die beiden Bloggerinen haben hier tolle Artikel geschrieben, dass Babys sich von Natur aus nie ablegen lassen würden und sowieso nach 30 min aufwachen. Es ist also nix mit Fernsehen gucken abends und das Baby schläft friedlich 12 Stunden durch! Das denken aber ganz viele Eltern noch. UND DAS finde ich echt grauenhaft. Es ist normal, dass die Mausis immer zu aufwachen, ständig an die Brust wollen und keine Sekunde lang warten können.
    In Schreiambulanzen ist man jetzt viel dazu übergegangen, Mutter und Kind zu filmen. Dann zeigt man den Mamas, wenn sie mal richtig gut auf ihr Kind reagiert haben, wie zufrieden das Kind auch ist. So lernen sie, besser sofort auf die Bedürfnisse zu reagieren. Das muss sich am Anfang einfach einspielen.

    Vielleicht hatte Dein Baby ja wirklich den Reflux oder es hat Deine Einsamkeit und Frustration sehr gespürt am Anfang? Ich glaube wirklich fest daran, dass ein Baby nicht "einfach so" schreit.

    Ich hoffe, du hast jetzt eine tolle Beziehung zu Deinem Schatz nach dem schwierigen Start!


    Liebe Grüße
    Kathi

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    1. Hi Kathi,
      ich verstehe, was du meinst und sehe das ebenso, dass es völlig unnatürliche Erwartungshaltungen an Babies gibt. So Aussagen wie "zu oft stillen", "zu oft wach", "hat schon gelernt, wie er das bekommt, was er will", "Reagierst du bei jedem Pieps?", ... bringen mich innerlich auf die Palme. Dennoch fühle ich mich genau wie die Kommentarschreiberin zuvor davon angegriffen, wie du das in den Zusammenhang mit dem vermehrten Schreien setzt und dass dein Baby bis geschrieben hat, weil du solche Erwartungen nicht hast.
      Bei uns wurde auch viel geweint am Anfang. Und ich meine keine solchen Erwartungen zu haben, von denen du sprichst. Ich finde, du betrachtest das ein wenig einseitig. Ich habe versucht mein Baby zu verstehen, habe es wohl nicht immer geschafft, so dass er öfter weinen musste. Trotz TT den ganzen Tag, Federwiege, stillen, weißem Rauschen, in den Schlaf tragen, nie ablegen, ... hatte er oft Kummer. :-(
      Und körperliche Probleme habe ich ausgeschlossen (ausschließen lassen).
      Ich finde, wir haben unser bestes getan, ich war in jeder Sekunde für ihn da, aber geweint hat er trotzdem... Bei dir klingt das irgendwie so, als sollte ich mich als schlechtere Mutter fühlen, als die, die du bist... :-(
      LG.

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    2. Was mich als Oma eines "Schreikindes" ein wenig erschüttert, ist die Tatsache, daß hier von einigen begnadeten Müttern gar nicht erst angenommen wird, daß eventuell schon ein Kind da ist, daß ebenfalls Bedürfnisse hat. Bitte denkt doch auch einmal daran, ehe verzweifelten Müttern unterstellt wird, nicht zu erkennen, welche Bedürfnisse das Baby hat.

      Lg

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    3. Liebe Ano vom 9. September und liebe Anonym von 14. September,
      ich schließe mich euch beiden an. Ich dachte, wer ein Schreikind habe, sei selbst schuld und meine Strategie - Familienbett, Tragetuch, Bedürfnisse sofort erfüllen - habe dazu geführt, dass mein erstes Kind so ruhig und zufrieden gewesen ist. Dann kam Nr. 2 - und trieb mich zur Verzweiflung. Ich weinte wochenlang durch, weil mein Baby so sehr und so lange schrie, dass das große Kind verzweifelt weinend mit den Fingern in den Ohren vor mir stand. Ins Bett bringen des großen Kindes - unmöglich! Das kleine Kind brüllt! Dem großen Kind mal was vorlesen: unmöglich! DAs kleine Kind brüllt! Ich laufe, ich singe, ich mache den Föhn an, ich setze mich keine Sekunde lang hin und mein großes Kind immer am Rockzipfel hinter mir her - irgendwann bitterlich weinend. Mama kann nicht mehr mit dem Kind essen, Mama kann nicht mehr mit dem Kind spielen, Mama kann nicht vorlesen, nicht kuscheln, denn Mama kann keine Sekunde anhalten, sonst wird das Gebrüll ohrenbetäubend. Das Baby kommt auf den Rücken, mit einem Monat, damit ich vorne das andere Kind tragen kann und ihm nähe geben, nun werde ich von vorne und hinten dauerbeschallt, denn das große Kind hält das Gebrüll des kleinen Kindes auch nicht mehr aus und weint trotzdem weiter. Der Beckenboden versagt, der Wochenfluss will einfach nicht aufhören, ich rutsche ab in eine Depression, die Hebamme versucht, zu retten, was zu retten ist und organisiert Hilfsangebote und hilft mir beim Organisieren, denn sonst ist irgendwie keiner da, entweder arbeiten sie oder haben selbst winzige Kinder und keine Zeit. Ich renne irgendwann von Hinz zu Kunz, um sicherzugehen, dass es kein organisches Problem ist, bloß nichts übersehen, die Hebamme versuchte sämtliche Tricks, die sie auf Lager hatte, ich besorgte eine nonomo zusätzlich zum Tragetuch, ich probierte es gegen meine Überzeugung mit Kinderwagenspaziergängen - nichts, nichts nichts half! Die Schreiambulanz wollte, dass ich mein Kind ferbere - da verzichtete ich auch auf deren Hilfe. Hunger war es nicht, der Kinderarzt ratlos, der Osteopath ratlos, organisch alles toll....Ein schrecklich schlechtes Gewissen dem großen Kind gegenüber, warum habe ich nur die dumme Idee gehabt, ihm ein Geschwisterchen schenken zu wollen?!?!?!? Auf Bildern aus dieser Zeit vor zwei Jahren sieht man uns allen die Verzweiflung an.

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    4. Genauso ging es mir auch. Es war und ist immer noch so mit meinen beiden Mädchen. die kleine schreit und die große verzweifelt und ich auch.

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  5. Fortsetzung:Ich war am Ende meiner Kräfte. Mein Mann verzweifelte, weil er uns so leiden sah und er nicht wirklich helfen konnte, weil das große Kind in seiner Verzweiflung nur noch fester an mir klebte und das kleine Kind bei ihm noch lauter schrie, als bei mir. Ich habe in der Zeit Teller und Tassen zertrümmert, Dinge zerrissen, zerschlagen, mich selbst verletzt, nur um meinen Kindern nichts zu tun. Nein, manchmal hilft einfach nichts! Auch dann nicht, wenn man schon beim ersten Kind voller Überzeugung alles im Sinne der Bedürfniserfüllung getan hat. Ich weiß bis heute nicht, was der Grund für das Verhalten des kleineren Kindes war. Ich weiß es einfach nicht, und es macht mich wahnsinnig! Auch wenn ich diesen Artikel lese denke ich bei jedem Punkt aber das habe ich doch gemacht! Genau das habe ich getan! Reize reduziert, keinen Schritt mehr aus dem Haus gegangen, die Bedürfnisse zu verstehen versucht- bei jedem Punkt kann ich sagen, das habe ich doch alles gemacht, alles. Wäre es eine Liste, sie wäre komplett abgehakt. Trotzdem waren die ersten 8 Monate eine Katastrophe und unsere Familie wäre daran fast zerbrochen. Bis heute fange ich an zu zittern und werde aggressiv, wenn eines der Kinder schrill schreit - oder auch, wenn ein anderes Baby laut schreit. ich muss dann erst auf Distanz gehen und dann kann ich runterkommen und auf das jeweilige Kind eingehen. Ja, man fühlt sich sehr angegriffen, wenn andere einem unterstellen, man habe einfach was falsch gemacht. Ich kann das gut nachvollziehen. Ich behaupte von mir, ein Mensch mit einer guten Antenne für die Bedürfnisse anderer zu sein. Seit diesem Kind sind Selbstzweifel da, die bis heute, über zwei Jahre nach seiner Geburt, noch lange nicht wieder abgeklungen sind. Und das Verhältnis zu meinem großen Kind ist am Schreikind regelrecht zerbrochen, ich arbeite hart daran, das Vertrauen wieder aufzubauen. Seit zwei Jahren. Manchmal ist es einfach so. Obwohl man sich an den Bedürfnissen des Babys orientiert. Und dann geht man daran kaputt.

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    1. Liebe Unbekannte,

      ich danke Dir von Herzen für Deinen bewegenden Erfahrungsbericht. Man kann die Verzweiflung förmlich spüren.

      Ich gehe auch nicht davon aus, dass das Schreien in jedem Falle durch nicht bedürfnisgerechtes Eingehen auf das Baby verursacht wird - selbst wenn die Kommunikation zu 100% funktioniert kann man dennoch ein Schreibaby haben. Wobei ich vermuten würde, dass es bei Deinem Kind doch eine körperliche Ursache gegeben haben müsste - leider nehmen einen die Ärzte ja nicht wirklich ernst, wenn man sagt, dass das Kind extrem viel schreit. Die Untersuchungen sind dann meist recht oberflächlich und eigentlich oft nur, um der Mutter zu suggerieren, man habe ja was getan, sie müsse jetzt zufrieden sein...

      Ich wünsche Dir viel Kraft und Erfolg bei der Arbeit an der Beziehung zu Deinem großen Kind.

      Viele Grüße!
      Danielle

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    2. Auch ich möchte mich bedanken,

      auch ich habe alles versucht. Er war gesund, hat hervorragend zugenommen, sah bildschön aus und wurde von allen Ärzten nur gelobt und er hat geschrien, 5 Monate lang.
      Ich hatte das große Glück, dass er mein erstes Kind ist und mein Mann die ersten zwei Monate Elternzeit genommen hat. So konnten wir uns abwechseln. Er war eigentlich nur im Tragetuch oder an der Brust, hat kaum geschlafen und bitterlich geschrien.
      Ich bin mit jedem Tag mehr verzweifelt. Ich bin im Gegensatz zu vielen anderen Müttern (und auch meinem Mann) nicht aggressiv geworden, aber so unendlich traurig und verzweifelt, dass ich meinem Schatz nicht helfen konnte.
      Und jetzt habe ich Angst. Wir bekommen bald das zweite Kind und jeden Tag sag ich mir, es wird anders als sein Bruder, Du wirst weiterhin Zeit auch für den Großen haben. Aber ich habe Angst, zumal schon die Schwangerschaft viel Anstrengender ist, als die erste.
      Ich danke Dir, weil Du die erste bist, die nicht schreibt, dass ich etwas falsch gemacht habe, sondern wirklich feststellt, manchmal hilft gar nichts.
      Man muss alles versuchen, und das habe ich getan, aber mehr geht einfach nicht.
      ...Und ständig bekommt man zu hören 'Genieß die Zeit, die werden so schnell groß.' Und ich hab mich immer nur gefragt, wie und was daran ich genießen soll.

      Liebe Grüße,
      Mariet

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    3. Liebe Mariet,

      wirklich herzlichen Dank für Deinen Kommentar - solche Berichte machen mich immer sehr betroffen. Aber ich möchte Dir Mut zusprechen - ich kenne niemanden, der zwei so extreme Schreibabys hatte. Die Wahrscheinlichkeit ist so, so gering... Aber selbst wenn: Du hast das einmal geschafft und hast jetzt einen entscheidenden Vorteil - das Wissen, dass es irgendwann vorbei gehen wird. Ich glaube, das verliert man aus den Augen, wenn man beim ersten Mal ganz hilflos mit dem Würmchen im Arm da steht. Da zieht sich alles in die Länge und man denkt, es wird nie enden.

      Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute - mehr, als alles tun, ist einfach nicht möglich. Dein Kind hat immer gespürt, dass Du da bist, DAS ist das Wichtigste.

      Liebe Grüße
      Danielle

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  6. Ich möchte zu den Schreiursachen noch etwas ergänzen. Mein Schreibaby hatte den entspanntesten Tag seines Lebens, als ich einmal versehentlich seine Vigantolette ( Vitamin D) vergaß. Daraufhin wechselte ich das Vitamin D Präparat, dazu genügt ein Anruf für ein neues Rezept vom Kinderarzt, und er wurde ein recht entspannter kleiner Trotzdemvieltragling. Vielleicht hilft das ja jemandem, ein Versuch schadet ja nicht.
    Lieber Gruß,
    Squirrel

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  7. Vielen Dank für den tollen Artikel.

    Meine Tochter kam 2013 zu Welt. Dank Schwangerschaftsvergiftung 5 Wochen zu früh. Im Krankenhaus hieß es, sie sei so ein friedliches, unkompliziertes Baby. Als wir nach 2 Wochen nach Hause kamen, fing das Schreien an.
    Ich weiß bis heute nicht, woran es lag. Und beim Lesen ist mir gerade aufgefallen, dass ich auch gar nicht sagen kann, wann es aufgehört hat.
    Wegen Komplikationen mit der Kaiserschnittnarbe wollte meine Hebamme anfangs nicht, dass ich das Kind im Tragetuch trage. Nach einiger Zeit einigten wir uns auf einen Kompromiß: nicht ich sollte sie tragen, sondern der Papa. Das war unsere Rettung. Tuch umbinden, Kind rein, Kind still. Es war wie ein Schalter: Kind im Tuch = still, Kind aus dem Tuch = Geschrei. Das ging soweit, dass mein Freund (der Papa) sogar mit der Tochter im Tuch schlafen ging und das Tuch erst vorsichtig löste, wenn sie schlief. Teilweise schliefen die beiden auch die ganze Nacht mit Tuch.
    Zusätzlich klappte das Stillen nicht, weil die Kleine einfach zu schwach zum Saugen war. Das Abpumpen klappte, es gab auch genug Milch. Aber Kind ablegen, während des Abpumpens? Keine Chance. Abpumpen mit Kind im Tuch? Geht nicht.
    Wir mussten also immer zu zweit sein. Zum Glück hatte der Papa 8 Wochen Elternzeit. Doch was sollte danach werden? Sämtliche Versuche, das Kind an die Brust zu bekommen scheiterten. Zu der Gereiztheit wegen des Geschreis kamen die gereizten/wunden Brustwarzen durch die vielen Stillversuche. Ich stand kurz vorm Abstillen, als es (wie durch ein Wunder) plötzlich (2 Tage vor Ende der 8 Wochen Elternzeit) klappte.
    Meine Hebamme machte zu der Zeit gerade eine Weiterbildung bei der Schreiambulanz. Ich weiß nicht, was ich ohne sie getan hätte. Sie hörte viel zu und half mir immer wieder "aus dem Loch zu krabbeln". Von ihr hatte ich dann auch irgendwann das innere Bild mit dem Baum. Wenn das Kind schrie, stellte ich mir vor, ein riesiger alter Baum zu sein. Mit ganz starken Wurzeln, die fest im Boden verankert sind. Ich sagte mir immer wieder "Du bist so ein großer alter Baum, Du hast schon so viel überlebt. Das wirst Du auch noch überleben". Das Bild half mir und hilft mir teilweise heute noch.

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  8. Teil II

    Ohropax halfen ebenfalls. Dadurch wurde das Geschrei zwar nicht weniger, aber die Lautstärke wurde erträglicher und dadurch die Situation insgesamt.

    Mit der Zeit wurde das Schreien insofern besser, dass es nicht mehr über den ganzen Tag ging, sondern sich "nur" noch auf 2-3 Stunden (am Stück!!!) am Abend beschränkte. Wir konnten fast die Uhr danach stellen. Wir begannen uns abzuwechseln. Jeweils nach 30-45 Minuten wurde gewechselt.
    Ich entwickelte Rituale um sie und mich zu beruhigen. Rücken streicheln, in langsamen Kreisen. Und das wirksamste: Aufzählungen! Klingt total dämlich, aber hat geholfen. Dabei muss man "einfach" Sachen aufzählen. Wichtig dabei ist, dass man sie möglichst gleichmäßig und eher langsam aufsagt und keine Pause entstehen lässt. Also z.B. Obstsorten: Apfel-und-Birne-und-Mango-und-Erdbeere-und-Traube-und... Meine Theorie dabei: das Kind hört die vertraute Stimme, das beruhigt. Durch das Reden muss man selbst gleichmäßig atmen, das beruhigt. Durch das Nachdenken (was fällt mir denn noch ein?) holt man sich selbst ein Stück weit aus der Situation raus, das beruhigt. Geht übrigens auch mit Gemüse, Tierarten, Fahrzeugen, Fußballspielern,... ;-)

    Irgendwann erzählte mir jemand von Ostheopatie. Also versuchte ich auch das. Meine Tochter muß da 3 oder 4 Monate alt gewesen sein. Autofahren hasste ich zu diesem Zeitpunkt extrem, denn Autofahren = Babygeschrei. Ich fuhr also mit dem Schreikind zur Ostheopatin. Sie legte mehr oder weniger Hand auf (ich war ziemlich skeptisch) und plötzlich wurde meine Tochter ruhig und entspannte sich. Auf der Rückfahrt schlief sie zum ersten mal im Auto und ich heulte. Die ganze Anspannung wandelte sich in Tränen um. Ich schöpfte wieder Hoffnung.

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  9. Teil III

    Der Kinderarzt meinte, das Geschrei würde besser, wenn die Kinder erst mal den Kopf heben können. Ich hätte ihn am liebsten umgebracht. Fühlte mich nicht ernst genommen.
    Aber er hatte Recht! Wir hatten ziemlich schnell herausgefunden, dass unsere Tochter (wenn überhaupt) nur auf dem Bauch schlafen konnte. Entgegen aller Anweisungen von Kinderarzt und Krankenhaus entschieden wir uns (anfangs mit schlechtem Gewissen) dafür, sie auf dem Bauch schlafen zu lassen. Eine Theorie der Hebamme war: auf dem Bauch fühlt man sich sicherer und geborgener und hat weniger Reize.
    Sehr bald konnte unsere Tochter dann auch den Kopf drehen und wir brauchten keine Angst haben, dass sie mit der Nase in die Matratze gedrückt ersticken könnte. Sie drehte den Kopf immer nach rechts oder links.
    Als sie anfing ihren Kopf zu heben, ging es tatsächlich steil bergauf. Plötzlich konnte man sie auf den Boden auf die Krabbeldecke legen und sie schrie nicht, sondern schaute zufrieden durch die Gegend!
    Bis dahin war der Kinderwagen total überflüssig. Kinderwagen = Kindergeschrei. Das änderte sich nun. Das Baby lag zufrieden auf dem Bauch im Kinderwagen. Den Blick in Fahrtrichtung. Den Kopf oben um alles sehen zu können. Wenn sie müde wurde, ging der Kopf nach unten, das Kind schlief zufrieden ein. Wurde sie wieder wach, kam der Kopf wieder nach oben. Paradiesische Zeiten brachen für uns an :-)

    Überall liest man davon, dass Schreikinder überforderte und überreizte Kinder sind. Wir dachten das auch immer und versuchten Reize zu reduzieren. Im Nachhinein frage ich mich, ob nicht genau das der Fehler war.
    Schon während der Schwangerschaft hiess es, ich hätte ein sehr aufgewecktes munteres Kind. Auf der Frühchenstation gab es immer Geräusche und Leben um sie herum.
    Wann immer es etwas zu sehen gab, war sie sehr aufmerksam. Schon zu einer Zeit, in der immer gesagt wird, die Babys könnten noch gar nicht richtig sehen.
    Wenn wir ihr Dinge erzählten, hatte man das Gefühl, sie würde aufmerksam zuhören (Obstsorten,...).
    Und bei der Sache mit dem Kinderwagen hätte man ja eher erwartet, sie würde nur noch schreien, wegen totaler Reizüberflutung...

    Wie gesagt: ich habe bis heute keine Ahnung!

    Ich habe einiges zum Thema gelesen. Manche Dinge kann ich nachvollziehen, andere nicht. Ich habe erfahren, dass "späte Frühchen" (so wie meine Tochter) häufiger Schreikinder sind. Aber das einzige Vergleichskind aus meinem Bekanntenkreis ist das totale Gegenteil.
    Ich habe gelesen, dass psychische Schwierigkeiten in der Schwangerschaft (also Ängste, Unsicherheiten usw.) dazu führen können. Das hat mir noch zusätzlich ein schlechtes Gewissen bereitet. Aber ändern konnte ich es trotzdem nicht.

    Immer wieder habe ich es als "Prüfung" gesehen. Nach dem Motto: "entweder ich bringe mein Kind um oder ich halte diesen einen Tag noch durch." Und danach wieder einen. Und wieder einen. Ich habe mir in dieser Zeit oft gesagt "ich kann nicht mehr", aber irgendwie ging es doch weiter. Irgendwie haben wir die Zeit überstanden. Und jetzt bin ich auch ein Stück weit stolz auf mich. Ich bin über meine Grenzen gegangen. Ich habe mehr Kraft, als ich je gedacht hätte. Wenn es jetzt mal anstrengend mit meiner Tochter ist, dann brauche ich nur an die Anfangszeit denken - und im Vergleich dazu ist das jetzt ein Klacks!

    Ich bin versucht zu sagen: "Ihr alle, die gerade in der Situation steckt: haltet durch. Es ist nur eine Phase! Und auch wenn ihr es euch nicht vorstellen könnt und denkt, das wird immer so bleiben, es wird vorbeigehen. Es wird besser werden!". Aber ich weiß noch genau, wie sehr ich solche Sätze zu dieser Zeit gehasst habe. Wie gerne ich die Leute erwürgt hätte, die so etwas gesagt haben. (Noch schlimmer ist nur der Satz: "Genießen Sie die Zeit...") Also lasse ich es lieber und hoffe, dass ihr durch meine Geschichte etwas Mut bekommen habt. Und die Kraft, den nächsten Tag zu überstehen. Und den danach. Und den danach...

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    1. Liebe Unbekannte,

      ich danke Dir von Herzen für diesen bewegenden Erfahrungsbericht! Ich habe wirklich mit Gänsehaut gelesen, was Du erlebt hast und kann wirklich nachfühlen, wie verzweifelt und erschöpft Du warst. Das macht Eltern Mut, die mitten drin stecken - die Gewissheit, dass man es Überleben wird und dass es irgendwann besser wird und auch vollkommen vorbei geht.

      Wirklich vielen Dank - ich werde im Artikel gesondert auf Deinen Kommentar hinweisen - den sollten Betroffene unbedingt lesen.

      Viele Grüße und alles Gute für Euch!
      Danielle

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  10. Liebe Danielle, liebe Snowqueen,

    ich bin wirklich ein Fan von Euren Artikeln. Aber es ist für mich ein Schlag ins Gesicht, selbst hier lesen zu müssen "Mythos 3-Monats-Koliken". Nur weil es selten ist (tatsächlich so selten?), heißt es nicht, dass es Koliken nicht gibt. Ist das wirklich so unvorstellbar, dass Babys sich unterschiedlich schwer tun mit der Besiedelung des Darms, der bei Geburt, anders als jeder verdammte Fingernagel, noch unreif ist? Dem 3 Monate Schwangerschaft fehlen, die es nur deshalb nicht gibt, weil der Kopf dann so groß würde, dass er nicht mehr durch den Geburtskanal passt?

    Nur weil es kaum Kinderärzte gibt, die Drei-Monats-Koliken nicht leugnen - wohlgemerkt eine Theorie, die sich Menschen ausgedacht haben, die nicht in Babys Haut stecken, oder hat jemand mal das Baby gefragt? - ist es bei uns so eskaliert. Nur deshalb haben wir ein halbes Jahr Babyfolter durchmachen müssen, bis wir einen Kinderarzt weiter weg fanden, der Koliken nicht leugnet und uns geglaubt hat, als wir sagten: "Das Kind ist nicht unruhig, es hat Schmerzen!" (ein Arzt bezeichnenderweise, der Kolikbabys aus ganz Deutschland behandelt). Nur weil es so verbreitet ist, dass es Koliken angeblich nicht gebe, nur deshalb haben wir alle dieses Martyrium durch, nur deshalb ist die Fehlbesiedelung im Darm derart eskaliert (bis heute, und sie ist 3!), dass es eine chronische - unbehandelte! "Das Kind ist nur unruhig, weil Sie zu unruhig sind!" - Darmentzündung wurde. Die Besiedelung des Darms ist völlig fehlgeschlagen. Alles voller Fäulnisbakterien, die Unmengen von Gasen produzieren. So viel Luft, wie da entsteht, kann kein Kind durch Schreien schlucken. Die erwünschten Bakterien hingegen dramatisch unterrepräsentiert. Ich habe Laboruntersuchungen schwarz auf weiß. Zwei Jahre später hat der Darm es immer noch nicht geschafft, sein Gleichgewicht aufzubauen.

    Du schreibst, es gebe auch Krankheiten als Auslöser. Mein Baby war nicht krank. Es wurde alles ausgeschlossen. Morbus Hirschsprung, Morbus Crohn usw usw. Es war keine organische Störung. Es war ein funktionelle Störung. Eine, der man hätte viel früher beikommen können, wenn man Koliken nicht verleugnen würde.

    Woher weiß man das eigentlich so genau, dass es Drei-Monats-Koliken gar nicht gibt? Noch vor gar nicht langer Zeit hat man Babys ohne Narkose operiert. Sie schrien vor Schmerzen, aber Babys schreien eben. Das war der Stand der Wissenschaft.

    Und heute heißt es, Koliken sind ein Mythos. Das ist der heutige Stand der Wissenschaft. Die, die es betrifft, sind halt die Leid tragenden. Müssen, gerade auf die Welt gekommen, letztlich unfassbare 9 Monate durch die Hölle gehen, statt so etwas wie Urvertrauen oder eine sichere Bindung aufzubauen, und tragen, zumindest bei uns, eine chronische Schmerzstörung davon, die ein Leben lang bleibt. Ein Leben lang. Weil Drei-Monats-Koliken ein Mythos sind. Für uns waren sie sehr real. Und ich wünsche ehrlich gesagt allen Ärzten, die das behauptet haben, durch unterlassene Hilfeleistung geglänzt haben, unser Kind nachhaltig krankgemacht und uns traumatisiert haben, indem sie uns schlicht nicht halfen, sondern uns immer und immer wieder die Schuld am Leiden unserer Tochter gaben, dass sie dasselbe durchmachen müssen. Diese Höllenschmerzen ohne die Aussicht, dass sie jemals aufhören. Und gesagt bekommen: Das bilden Sie sich nur ein. Stellen Sie sich nicht so an.

    Ich weiß, dass Ihr gut recherchiert. Umso bestürzter bin ich, dass es offenbar nur Rechercheergebnisse in eine Richtung gab.

    Umso wichtiger war mir dieser Kommentar. Er liegt mir wirklich am Herzen.

    Liebe Grüße
    Mo

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    1. Liebe Mo,

      danke für Deinen Kommentar. Ich kann verstehen, dass Du emotional aufgewühlt bist - ihr habt einen langen Leidensweg hinter Euch.

      Den Vorwurf, dass es offenbar nur Recherche "in eine Richtung" gibt, kann ich jedoch nur schwer nachvollziehen - meiner Ansicht nach haben wir eine Vielzahl möglicher Ursachen genannt. Dass nicht alle Gründe zu 100 % abgedeckt sind, liegt in der Natur der Sache - wir sind auch nicht allwissend ;-).

      Dank Deines Hinweises kann ich das aber nun ergänzen. Kannst Du mir sagen, was genau getan hätte werden können, um Deiner Tochter zu helfen und wie genau sich diese Funktionsstörung äußert?

      Viele Grüße!
      Danielle




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  11. Liebe Danielle,

    danke für Dein Verständnis und Deine Antwort.

    Bei Koliken hilft den meisten die Rezeptur der IlaMed-Tropfen (die es leider aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr gibt, die aber noch angerührt werden kann). Der Wirkstoff Pipenzolat sorgt dafür, dass die Darmbewegungen, also das Einschnüren des Darminhalts, weniger stramm passiert, sodass die Luft im Bauch nicht mehr so weh tut, weil es weniger eng ist.

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gabe von Probiotika, allen voran das leider teure Mutaflor (ein bestimmter E-Koli-Stamm). Das hilft ganz erheblich bei der gesunden Besiedelung des Darms. Vor allem muss man da dranbleiben. Die häufig unsicheren Aussagen "Versuchen Sie mal Bigaia-Tropfen" oder was sonst bekanntere Dinge, egal wieviel oder wie lange, reicht leider nicht.

    Wenn gar nichts mehr hilft, kann man schauen, ob die Laktose in der Muttermilch (ist ja quasi Hauptbestandteil) das Problem ist, wie bei uns bei beiden Kindern, auch wenn es laut Logik der Natur nicht sein kann. Dann kann man Lactase geben. Kapseln kaufen, aufmachen, Pulver in Wasser auflösen und vor dem Stillen in den Mund spritzen.

    Liebe Grüße
    Mo

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  12. Hallo zusammen!
    Mit großem Interesse habe ich den Artikel und einige Kommentare gelesen und schreibe nun, weil vielleicht Jemand Tipps für mich hat. Unsere Situation ist wie folgt: Bei unserer großen Tochter (jetzt knapp 2,5Jahre) habe ich alles getan, damit sie nicht weinen muss. Sie hat insgesamt sehr wenig geschrien, obwohl sie auch sehr empfindlich war, z.B. was Geräusche und Schmerzen beim Zahnen betrifft. Niemals habe ich sie beim Schreien alleine gelassen. Wenige Male hat sie anhaltend geschrien (etwa eine Stunde), da habe ich sie immer im Arm gehalten und mich in ein dunkles Zimmer gesetzt und ihr leise etwas erzählt, bis sie eingeschlafen ist. Nun habe ich im Februar ziemlich dramatisch frühgeborene Zwillinge bekommen. Sie waren 7 Wochen im Krankenhaus, davon zuerst 5 Wochen auf der Babyintensivstation. Wir haben mit beiden täglich 2 Stunden "Känguruhen" gemacht, haben aber auch mitbekommen, dass die Babys (vor allem die größeren, kräftigeren) vor den Mahlzeiten häufig länger schreien mussten, bis sich eine Schwester um sie kümmern konnte. Ich hatte mir fest vorgenommen, dass meine Beiden nicht mehr schreien müssen, wenn sie bei uns zu Hause sind, vor allem nicht alleine. Nun haben wir sie einige Wochen bei uns und ich konnte mein Versprechen leider nicht einhalten! :-( Es macht mich sehr traurig, aber ich habe drei Kinder, die Bedürfnisse anmelden und bin häufig alleine mit ihnen. Zwar habe ich mir Hilfe bei Wellcome geholt, aber meist ist die nette Dame dann da, wenn gerade nicht der Baum brennt. Die Zwillinge sind eigentlich recht ruhig, den Jungen trage ich tagsüber häufig, er möchte nach dem Essen nicht abgelegt werden, ich denke er hat auch ein wenig mit Reflux zu kämpfen. Nachts nehme ich meist einen von beiden für eine Weile in mein Bett, wenn er oder sie sehr unruhig ist. Aber in den verflixten Abendstunden sind beide sehr unruhig, wenn ich den einen in der Trage habe, brüllt der andere und wenn einer in meinem Arm eingeschlafen ist, brüllt der andere ihn wieder wach. Jetzt lege ich sie abends schon in getrennte Zimmer, so ist die Unruhe schneller vorbei, verschlimmert aber zeitweise mein Problem: Ich lasse immer ein Kind schreien, wenn ich beim anderen bin! :-( :-( Bei der Kleinen ist es fast so, dass sie sich schneller beruhigt, wenn ich weg bin, aber ich denke dann immer, wenn keiner da ist, dem man seinen Kummer erzählen kann, dann lässt man es eben und das macht mich auch wieder traurig. In der Regel brauche ich beide Arme, um ein Kind zu beruhigen oder in den Schlaf zu wiegen und wenn eines in der Trage ist, kann ich kein zweites Baby auf dem Arm haben (höchstens die große Schwester). Ich müsste ein Kind auch länger am Stück wiegen können, aber dann würde das andere noch länger alleine vor sich hin schreien....Ihr seht, es ist etwas verzwickt, habt Ihr vielleicht Ratschläge für mich?? Darüber würde ich mich sehr freuen!!

    Liebe Grüße
    Lu

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    1. Liebe Lu,

      ach herrje, das klingt schrecklich anstrengend - erst einmal Respekt, dass Du die Situation so gut versuchst zu meistern. Wie sieht es denn mit der Unterstützung Deines Mannes aus? Ist er selten da?

      Kennst Du unseren Artikel zum abendlichen Schreien (http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/02/abendliches-schreien-warum-babys-in-den.html)? Vielleicht schaffst Du es ja mit der Methode, sie effektiver zu beruhigen. Vielleicht ist auch eine Federwiege denkbar? Dann kannst Du ein Kind ins Tragetuch nehmen und das andere darin wippen?

      Viele Grüße
      Danielle

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  13. Hallo liebe Danielle,

    ich möchte mich für den Artikel ganz, ganz lieb bei dir bedanken. Ich finde mich darin absolut wieder. Mein Baby ist jetzt 11 Wochen alt, inzwischen wird es von Tag zu Tag leichter. Wir sind noch nicht an dem Punkt angelangt, dass wir sagen könnten, wir haben es komplett geschafft, aber unsere Maus ist ruhiger geworden. Die ersten zwei Wochen im März als sie geboren wurde, waren schön. Wir wussten nicht, was uns bevorsteht, bis dato wussten wir nicht, dass Babys Traglinge sind, dass das Tragetuch nicht nur dafür nützlich sein könnte mit dem Baby raus zu gehen ohne einen Kinderwagen schieben zu müssen, bis dahin wussten wir auch nicht, dass der Kinderwagen die ersten Wochen (nach den ersten) ungenutzt im Haus stehen würde. Im Geburtsvorbereitungskurs war ich blauäugig und naiv, hab gedacht, ja das mit dem Pucken ist ja ganz interessant, aber ob man das ein Kind wirklich braucht? Jetzt, 11 Wochen nach der Geburt meiner Tochter habe ich gelernt, wahnsinnig viel gelernt, bin an den Erlebnissen gewachsen, hätte nie gedacht, dass ich so fix und fertig sein kann, ich an meine Grenzen und darüber hinaus komme. Ich fand es intuitiv immer toll, wenn ich Mamas mit Babys im Tragetuch sah, hab gespürt, dass ich das meinem Kind auch geben möchte, aber trotzdem, ich habe nie gedacht, dass es quasi im Tragetuch wohnen würde.

    Es fing zwei Wochen nach der Geburt an, meine Tochter fing abends an zu schreien. Gut, natürlich haben wir sie nicht allein gelassen. Wir haben sie getragen, Kinderwagen geschoben, sie zu trösten, in den Fliegergriff genommen, haben gedacht, dass sie ganz arge Bauchschmerzen haben muss. Haben mit der Hebamme und dem Kinderarzt gesprochen, genau so wie ich mit meiner Mutter gesprochen habe: plötzlich stand da der Begriff Dreimonatskoliken im Raum. Ich hab den mit einer Handbewegung weggewischt, wusste zum Glück nicht, was mich die nächsten Wochen erwarten würde. Ich hab immer wieder gesagt, quatsch, unsere Maus hat jetzt MAL Bauchschmerzen gehabt, das muss ja nicht heißen, dass das regelmäßig ist. Es wurde häufiger. Inzwischen weinte unsere Tochter nach jedem Stillen, ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, dachte, ich schade ihr mit dem Stillen, weil sie immer so schrie und Bauchschmerzen zu haben schien. Ich trug sie immer häufiger, fuhr mit ihr ab und an im Kinderwagen, im Auto kam sie auch zur Ruhe. Da war sie 3-4 Wochen alt. Dann kam eine Trageberaterin bei uns ins Haus. Das mit dem Tragetuch hat gut geklappt. Unsere Tochter kam sofort zur Ruhe. Ich war ganz begeistert, trug immer häufiger. Gleichzeitig informierte ich mich doch mal intensiver über die Ernährung beim Stillen, auch wenn ich zuvor einen Stillberatungskurs mitgemacht hatte in der Schwangerschaft, in dem es hieß, ernährt euch ausgewogen und achtet darauf einfach das nicht zu essen, was ihr selbst nicht vertragt. Es fing schon früh an mit den ganzen Dingen, die man von vorn herein gesagt bekommt: kein blähenden Dinge, keine Kohlensäure, die ganze Liste halt eben. Ich fand Informationen, die besagten, ich solle versuchen 3 Tage mal nur Reiswaffeln zu essen, dann würde das schreien ganz sicher weniger. Also habe ich mich versucht daran zu halten. Nach 2 Tagen dachte ich, dass ich das nicht aushalten kann, mich um meine Tochter zu kümmern und gleichzeitig so wenig zu essen. Außerdem sollte das ja auch nicht gut sein. Ich aß also wieder mehr, mit schlechtem Gewissen. Ich las und las, das Schreien wurde immer schlimmer, ich fuhr mit ihr in die Notfallambulanz ins Krankenhaus.

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  14. Teil II

    Zu dem Zeitpunkt hatte meine Maus tatsächlich Bauchschmerzen. Aber ich bin mir sicher, dass das Schreien nicht das war, was die Bauchschmerzen ausgelöst hat. Im Krankenhaus wurde ich nach meinen Essgewohnheiten gefragt, ich sagte, was ich esse, fühlte mich gleichzeitig richtig schlecht, obwohl die Krankenschwester mit meinen Antworten quasi „zufrieden“ war. Aber ich dachte wieder an die Reiswaffelzeit und das ich nach 2 Tagen „kläglich versagt“ hatte. Vielleicht hätte ich doch länger durchhalten müssen. Der Kinderarzt meinte nur, nachdem er sie untersucht hätte, meiner Maus ginge es organisch gut (ihr wurde lediglich beim Stuhlgang geholfen, danach ließ das Schreien allerdings auch nicht nach). Ich müsse einfach durchhalten, nach 12 Wochen sei das vorbei, das seien Dreimonatskoliken. Gut, ich ging immer mehr dem Gefühl nach, dass die Bauchschmerzen vom Schreien kommen, aber nicht die eigentliche Ursache dafür sind. Gleichzeitig legten wir unsere Maus quasi gar nicht mehr ab. Entweder trug ich sie oder mein Mann, das Tragetuch bekam während dem Essen alle möglichen Flecken ab, zum Waschen kamen wir nicht wirklich, das wäre zwar über Nacht gegangen, aber am nächsten Tag hätte es ja erst noch trocknen müssen. Nein, wir entschieden uns dafür, dass wir das Tragetuch zur Zeit nicht waschen können, und kümmerten uns darum, dass wir ein zweites bekamen. Das dauerte eine Weile, man glaubt nicht wie anstrengend es sein kann, Überweisungen zu tätigen und sich um all diese Dinge zu kümmern, wenn man gleichzeitig immer wieder versucht das eigene Baby zu trösten, für das Baby da zu sein. Ich kam an meine Grenzen, habe jeden Tag gedacht, ich kann nicht mehr. Meine Eltern wohnen weit weg, meine Schwiegereltern ebenfalls. Trotz allem waren sie für mich da. Meine Schwiegereltern waren in der 6. Woche rum da, als das Schreien wohl seinen Höhepunkt erreichte. Sie waren kurz davor ihren eigenen Urlaub zu stornieren, der eine Woche später stattfinden sollte. Das lehnte ich aber ab, das wollte ich nicht, ich würde es schon packen. Das Schreien fand nun auch immer häufiger nachts statt. Ich hab getragen, getragen, getragen, sie bekam ihren Schnuller, ich habe Lieder gesungen, bin Treppen hoch und runter gelaufen, weil sie das gern hatte. Es kamen Situationen, in denen ich 2 Minuten raus musste, ja ich konnte nicht mehr. Ich bin schließlich zu meinen Eltern gefahren, weil ich wusste, dass ich nicht mehr konnte. Es gab vereinzelte Tage, da hat unsere Maus dann auch mal im Tragetuch geschlafen, überwiegend blieb der Kinderwagen aber nach wie vor ungenutzt, ich trug, und trug und trug. Wenn nicht ich unsere Tochter im Tragetuch trug, dann mein Mann. Ich bekam Dinge zu hören ala du verwöhnst dein Kind, dein Kind muss lernen auch mal im Kinderwagen einzuschlafen, das Kind wird nicht satt, das Kind braucht Brei, du stillst dein Kind zu oft, mach dies, mach jenes. Ich ging mit ihr zum Osteopathen, ich war mit ihr beim Homöopathen, ich habe die ganze Liste durch:

    Sab Simplex, Kümmelzäpfchen, Magnesium phosphoricum, von Vitamin D Tabletten auf die Tropfen umstellen, Fliegergriff, Ernährung umstellen (ich hab's später noch mal mit Milchprodukten weglassen probiert) usw. usf.

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    1. Der Satz "Es gab vereinzelte Tage, da hat unsere Maus dann auch mal im Tragetuch geschlafen, überwiegend blieb der Kinderwagen aber nach wie vor ungenutzt" sollte heißen "Es gab vereinzelte Tage, da hat unsere Maus dann auch mal im Kinderwagen geschlafen, überwiegend blieb der Kinderwagen aber nach wie vor ungenutzt". Das waren dann mal 20 minuten, die restliche Zeit wurde sie getragen, getragen, getragen.... getragen... getragen... auch nachts, und auch da mal im Tragetuch

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  15. Teil III

    Irgendwann fing ich an den Leuten vor den Kopf zu stoßen, Freunde verloren, weil ich sagte, dass ich keinen Ratschlag, keinen Tipp mehr möchte, ich kann nicht mehr, die Tipps wiederholen sich nur. Ich war auch ein zweites Mal im Krankenhaus, der Arzt dort stellte meine Tochter wirklich auf den Kopf, nahm uns sehr ernst. Er riet uns noch zusätzlich noch zu einem anderen Ostheopaten zu fahren (100 km weit weg) und einen Ultraschall durchzuführen. Ja, möglicherweise hätte ich beides noch tun sollen. Aber ich war an dem Punkt angelangt, an dem ich nach und nach meine Tochter zu verstehen begann. Ich empfand beides als Stress für meine Tochter, für mich selbst. Ich wollte das nicht. Meine Tochter weint inzwischen immer weniger, mein Mann gibt mir wahnsinnig viel Unterstützung. Ich bin so froh, dass er da war in den Nächten als ich gesagt habe, ich kann einfach nicht mehr, es geht nicht mehr. Nächte, in denen er aufgestanden ist, obwohl er dann am nächsten Tag zur Arbeit musste! Wir haben noch einen Hund, den ich auch versorgen musste, es gab Tage da viel es mir schwer das Haus zu verlassen, weil unsere Tochter sich gar nicht beruhigte, Zeiten, in denen ich 10 Minuten mit meinem Hund draußen war, in denen dann das Schreien weiter ging, auch da ist mein Mann eingesprungen, hat sich direkt als er nach Hause kam, den Hund geschnappt, ist nach draußen gegangen, ich habe getragen, gesungen, Schnuller gegeben. Er kam nach Hause, hat übernommen, ich habe mir kurze Ruhepausen genommen, versucht wenigstens ein bisschen den Haushalt zu machen. Bis es nachts dann für mich weiter ging. Den letzten Versuch den wir wagten, war die Schreiambulanz. Die Entwicklungspsychologin war sehr lieb, meinte, wir machen schon alles richtig, wir lieben unsere Tochter, wir nehmen sie wahr, gehen auf das, was sie braucht ein. Wir sollten sie nicht schreien lassen, für sie da sein. Wir würden es prima machen und machen nichts falsch. Meine schweren Selbstvorwürfe, dass ich die Bindung zerstören würde, alles falsch machen würde, dass meine Maus es am Anfang ihres Lebens schon sehr schwer hätte, sei meine Schuld, die nahm sie mir. Sie meinte, wir würden mitbekommen, wenn unsere Tochter Hunger hätte, wir würden uns kümmern, wir würden es gut machen. Zumindest das noch mal zu hören, nachdem man sich immer wieder mit der Frage auseinander gesetzt hat, ob man selbst Schuld hat, ob man selbst die Bindung zerstört, ob man selbst überhaupt eine gute Mutter ist usw. das tut schon gut. Zu hören, dass es richtig ist, sein Kind nicht schreien zu lassen, es so viel wie möglich zu tragen, dass man sein Kind nicht verwöhnen kann, ich war froh darüber das noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt zubekommen. Und ich bin froh meinen Mann zu haben, der mir sagt, dass die „Schuld“Frage uns nicht weiter bringt, es hat niemand „Schuld“. Ja, vielleicht hätten wir Dinge von Beginn an anders machen sollen, vielleicht hätten wir uns besser informieren sollen vorab und nicht nur darauf vertrauen sollen, dass das alles schon wird. Maybe, die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, aber wir lieben unsere Tochter, wir lassen sie nicht schreien, wir lernen sie immer besser kennen, können ihre Zeichen, die sie uns zeigt, immer besser verstehen, geben ihr, was sie braucht. Und dein Artikel bestärkt mich noch einmal in der Überzeugung, dass es zwar Dreimonatskoliken geben mag, es gibt unterschiedliche Gründe für das Schreien JA, und ich bin mir sicher, dass ein Baby nicht ohne Grund schreit, aber es hat keinen medizinischen / organischen Grund, dass meine Tochter so viel geschrieen hat und teilweise immer noch tut. Danke für diesen tollen, sehr gut recherchierten Artikel.

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    1. Liebe unbekannte Mama,

      ich danke Dir von Herzen für diesen emotionalen, bewegenden und wirklich berührenden Kommentar - ich bin sicher, dass er anderen Eltern hilft, sich nicht alleine zu fühlen.

      Es gibt sie - die Kinder, die schreien, obwohl man alles - wirklich ALLES versucht hat. Ich habe ja im Artikel von unserer Freundin geschrieben, deren Kind an einer Langerhanszell-Histiozytose litt - darauf untersucht natürlich kein Arzt so ein kleines Baby - das kommt irgendwann einfach raus - oder nicht, wenn es sich verwächst.

      Man kann Deine Verzweiflung und Ohnmacht aus jeder einzelnen Zeile heraus lesen und es tut mir so leid, dass die erste Zeit so schlimm ist für Euch. Aber ich kann Dir versprechen, dass es vorbei geht. Du wirst irgendwann ein Kind haben, das nicht mehr schreit, das glücklich ist und Dich von Herzen lieben wird. Und diese Zeit ist gar nicht weit weg. Auch wenn es einem mittendrin EWIG erscheint - rückblickend wird das nur ein kleiner Teil Eures Lebens gewesen sein.

      Und Du machst das so toll! Und genau richtig! Viel Tragen - viele Nähe geben, das ist das allerwichtigste. Und genauso wichtig: Es liegt wirklich, wirklich, wirklich nicht an zu wenig Bindung, dass sie so viel schreit. WIRKLICH! Deine Tochter wird durch Dein feinfühliges Verhalten gerade extrem eng an Dich gebunden - gerade weil Du versuchst, immer und immer wieder adäquat zu reagieren. Auch wenn Du sie nicht trösten kannst, sie sieht, dass Du da bist und das ist das Wichtigste. Und da können auch mal zwei einsam geschrieene Minuten gar nichts schaden. Du schützt sie damit.

      Und ganz wichtig: es ist NICHT DEINE SCHULD! Aber das hat Dir der Arzt ja schon vermittelt. Das musst Du wirklich verinnerlichen und Dir immer sagen: Ich muss durchhalten, das hat ein Ende. Das hat es - wirklich. Und dann wirst Du Dein Kind genießen können - ganz, ganz sicher.

      Ich würde mich freuen, in ein paar Wochen wieder von Dir zu lesen. Nochmal wirklich vielen Dank für Deine Worte. Ich wünsche Euch von Herzen alles Gute!

      Liebe Grüße
      Danielle

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  16. Das ist wirklich ein interessantes Thema. Es kann sehr nervenaufreibend sein bis man ein Baby zum schlafen gebracht hat. Ich empfehle da immer Spieluhren. Die schönen melodien haben immer etwas sehr beruhigendes auf die Kleinen.

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  17. Bine, Teil 1: Ja genau, Spieluhren. Ich empfehle da immer viel Werbung bei ohnehin schon verzweifelten Menschen, vor allem für Mist, der ihnen ohnehin nicht weiterhilft.

    So, nun zu meiner Geschichte. Eigentlich wollte ich nicht schreiben, weil ich selbst überlege, einen Blog zu beginnen. Und dort mit eigenen Erfahrungen helfen zu können. Aber ich denke, dass hier ist zu wichtig.

    Die meisten hier haben Angst, dass sie die Bedürfnisse ihres Kindes nicht stillen können. Dass es Kommunikationsprobleme gibt, körperliche Ursachen etc. pp.. Ein guter Freund meiner Großen aus Kindertagen war Autist. Auch er schrie. Anders, als andere. Er hat "nur" das Asperger Syndrom, kommuniziert also seit seinem 4ten Lebensjahr (etwas eingeschränkt). Aber er tickt anders, und schrie deshalb. Und meine Tochter hatte so etwas ähnliches, allerdings von außen gezüchtet, durch unvermeidbare Umweltfaktoren.

    Ich war in der Schwangerschaft sehr krank, und lag 3,5 Monate im Krankenhaus. Ihr Psychater meint, dass könnte der erste Trigger gewesen sein. Eine Nahtoderfahrung in dieser Zeit ein weiterer. Und danach war ich als sehr junge Mutter mit einem Messi als Partner in einer derart überforderten Situation, dass zu den äußeren Reizen, die durch das stete ruhige Liegen in der Schwangerschaft für das Baby eine Reizüberflutung (Lagesinn, Geräusche) darstellten, meine innere Unruhe und permanenter Stress meinerseits hinzukamen.

    Sie schrie von 3,5 Monaten bis zum 9ten Lebensmonat, jeden Tag von 6 h Abends (relativ genau) bis ca. 1,2 h Nachts. Ich hatte mehrmals die Polizei da, denn aufmerksame Nachbarn unterstellten uns, das Baby zu schlagen. Gott sei Dank gibt es Menschen in diesem Land, die Zivilcourage besitzen. Dennoch gibt es nichts demotivierenderes, wenn Du Tag und Nacht ein solches Baby hast, als jemand, der denkt, du misshandelst es.

    Es wurde nicht besser, keinen Tag. Nein, mit 9 Monaten begann sie zu laufen. Und es hörte einfach auf, von heute auf Morgen. Ohne Vorwarnung, ohne leiser zu werden. Toll.

    Wir hatten ausprobiert: Saab Tropfen (halfen kurz, 8 € pro Fläschen, alle 2 Tage eins. Naja. Aber sie halfen ihr gegen die entstehenden Blähungen und damit verbundenen Schmerzen, immerhin - waren es also - begrenzt wert. Werden wieder ausgeschieden wie aufgenommen. Keine Resorption durch Magen-Darmtrakt, trotzdem wirksam - schüttet sie einfach mal in eine aufgeschäumte Geschirrspülmittellösung, umrühren, alle Bläschen weg.

    Tragetuch: Wiegehaltung half am Anfang (nicht mehr empfohlen wegen SIDS! - vor allem nicht bei übergewichtigen Moms wie mir!) Später über Kreuz vorne - Haushalt war machbar

    Einen Hängestuhl: Baby darin gestillt, leicht geschunkelt, Baby darin gelassen, auf einer Matratze davor/Couch daneben "geschlafen! und Hängestuhl angeschupft: Siehe da, das Baby schläft!

    Eine Schaukelliege - damals so eine Sitzbanane für Kinder von Ikea - selber Effekt wie beim Peziball, denke ich. Es half, wenn auch nur kurz

    Tragetuch konnte der Papa nicht, und mir wurde sie zu schwer. Kraxe (für Outdoor/größere Kinder im Sitzalter) half da Wunder, war auch viel effektiver. Kinderwagen war okay, am besten funktionierten (Rüttel-) Waldwege ...

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  18. Bine, Teil 2: .... Am Boden liegend gemeinsam schreien (auf einer Decke): Wenn es mir zuviel wurde, nahm ich ihre Perspektive ein, machte mit - klingt blöd und ist bestimmt nicht für jeden was. Uns half es.

    Auf den Rücken am Boden gelegt. ihren Bauch auf meine Fußsohlen gelegt, und sie "fliegen" gelassen. War ein - je nach momentanem Überforderungsgrad - situativer Ausstieg, nahm durch den Druck auf den Bauch die entstandenen Blähungen und sorgte oftmals für ein überraschendes Ende der Schreistunden.

    Gemeinsam laut singend durch die Wohnung tanzen (half manchmal), Mitschreien (Quasi: Ich nehme dich wahr, aber weiß auch nicht was ich tun soll), Kind schimpfen ( "ich mag dass nicht, was du da tust, hör bitte auf damit" ), auch wenn es dass noch nicht versteht, sorgt es dafür, die schlechten Gefühle zu bennenen, und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Vielleicht tut man sich selbst damit den größeren Gefallen. Vielleicht aber auch dem Kind, weil es doch versteht, dass man irgendwas an der Situation nicht mag, und dass auch äußert.

    Und: heute ist sie in Behandlung. Nach einer schlimmeren Trotzphase, einer noch schlimmeren Vorpubertät, sehr früh (schon mit 9 Jahren), einigen strafbaren Handlungen (Diebstahl, zündeln, aber auch viel Lügen, etc.). folgte die Pubertät, die extreme Ausmaße annahm: Sie trat mich in den Bauch nach einer OP an dieser Stelle, ging in der Schwangerschaft auf mich los. Seitdem wohnt sie beim Papa. Und ist dort in psychatrischer Betreuung, wie dieser übrigens mit. Das Schreien hat endlich einen Namen, all die Probleme ein Gesicht: ADS. Nichts schlimmes, nur tickt ihr Hirn anders. Sie braucht Struktur, weniger Reize. Aber so wenige hätte ich ihr gar nicht geben können, wie in der Schwangerschaft in der Klinik. Ich hätte gar nichts tun können. Und auch jetzt noch wissen die Ärzte nicht so ganz, was sie tun können. Das Einzige, was mich tröstet, ist, es geht vorbei. Es ist eine Art Behinderung, - sie nimmt diese Welt anders wahr, und kommt nicht mit ihr klar. Und kann es auch nicht.

    Und all die Eltern, die sich hier Vorwürfe machen: Ihr seid toll! Wirklich tolle Eltern! Ihr macht euch Gedanken, weil ihr euer Kind liebt! Ihr beweist es allein dadurch, dass ihr solche Artikel lest, und nach Hilfe sucht, euch austauscht, und nicht eure Kinder mishandelt oder schreien lasst oder das Jugendamt einschreiten muss oder sonstwer. Ihr seid da und haltet es aus und sucht nach Wegen, damit umzugehen. Seid darauf stolz, und - so heftig es auch klingt. Es geht vorbei. Wie der erste Zahn, die erste Kinderkrankheit, die erste große Liebe, das erste Türenknallen und das erste "du bist blöd, Mama!". Wie Ehec, der Norovirus oder Läuse. Und lasst euch das gesagt sein, von einer von zwei Partnern mit Profession, die damit versucht haben, umzugehen: Ich lernte damals Kinderpflege, und der Vater Kinderkrankenpflege. Und obwohl wir alles wussten, wussten wir gar nichts. Und so geht es allen: Allen Ärzten, Großmüttern, Freunden, Nachbarn. Und halt auch euch. Es wird besser, anders. Es kommen andere Sorgen. Aber irgendwann, dass verspreche ich euch, kommt auch mal die Ruhe.

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  19. uneingeschränkt zu empfehlen ist folgendes Buch:
    Christine Rankl, So beruhige ich mein Baby. Tipps aus der Schreiambulanz

    http://www.amazon.de/beruhige-ich-mein-Baby-Schreiambulanz/dp/3843600600/ref=sr_1_2_twi_pap_2?ie=UTF8&qid=1447057513&sr=8-2&keywords=rankl

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  20. Danke für den hilfreichen Artikel! Ich habe eben einen Link in meinen Blog eingebaut... :)

    http://www.the-blog-with-b.com/news/eine-neue-dimension-von-schlaflosigkeit-was-tun-gegen-mudigkeit-und-anspannung/

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  21. Meine Tochter kam im Juli 2015 und war/ ist ein absolutes Schreibaby, was nie geschlafen hat und dadurch dann noch mehr geschrien hat. Ein absoluter teufelskreis. Als letztes mittel habe ich dann eine federwiege gekauft. Das hat super geklappt. Meine Maus hat geschlafen ohne zu schreien. Welch ein segen. Allersings wachte sie sofort weinend auf wenn das doofe Ding nixht mehr schaukelte. Also saß ich stundenlang daneben und habe dran gewackelt. Auch nicht so berauschend. Und wie aus dem nichts, entdeckte ich die swing2sleep. Ein Motor für die federwiege. Ich wüsste nicht was ich ohne das teil machen würde. Es rettet mir wirklich das mami-sein. Meine Maus ist nach dem schläfchen da drin sehr zufrieden und lacht. Das hätte ich nie für möglich gehalten. --> wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her! Mein Licht ist die swing2sleep!!!

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  22. Liebe Danielle,
    vielen Dank für Ihre umfangreichen und nachvollziehbaren Erklärungen, die ich mit großem Interesse gelesen habe.
    Was würden Sie einer mittlerweile wirklich genervten, eigentlich geduldigen, Nachbarin eines 18 Monate alten Schreikindes raten. Dieses süße Wesen schreit in einer Aggressivität und lang andauernd, dass man denkt, dass jetzt ein Kind geschlachtet wird. 20 Minuten am Stück sind keine Seltenheit. So ab Minute 18 lässt wohl die Kraft des Kindes nach. Dies kann schon 3x täglich vorkommen. Dann ist wieder mal ein Tag Ruhe und wir befürchten, "dass das Kind wirklich tot ist". Man hört das Kind schreien, nachdem es von der Mutter "bespasst" wurde.(Singen, Singen zu Gitarre oder Akkordeon, Gitarre oder Akkordeon spielen, Jauchzen der Mutter - alles in hoher Lautstärke, so dass man durch eigentlich gut isolierte Neubau-Wände schon weiss, das die Kleine brüllen wird.) Dann gibt es Tage, an denen das Kind mehrmals minutenlang in einer großen Aggressivität brüllt. Das abendliche Baden scheint dem Kind ebenfalls nicht zu gefallen. Es vermittelt sich der Eindruck, dass diesem Kind alles geboten werden soll und dass das Kind sicher überfordert ist. Ausdruck der Freude oder Lachen scheinen nicht bekannt zu sein. Auch fängt das Kind jetzt erst an, sich hochzuziehen. Lautbildungsversuche, die eigentlich Rufversuche von Vokalen sind, starten nun wohl auch.
    Ich bin eigentlich sehr geduldig und ich finde auch, dass mich Erziehungsmethoden von Fremden nichts angehen. Auch habe ich gedacht, dass sich die Ohren-Bauch-Erkältungs-Zahn-.....Schmerzen irgendwann einmal erledigt haben werden. Da dieses Kind wirklich tagsüber schreit, nachts um 12 noch einmal "kommt" und einen dann wieder um 5:00 erfreut, frage ich mich schon, ob das so normal ist? Wie gesagt, das geht jetzt seit 1 1/2 Jahren so.
    Ich würde mich sehr für einen Rat aus erfahrenem Mutter-Mund freuen.
    Vielen lieben Dank! Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude, gute Nerven und Instinkt bei der Begleitung von jungen Menschen in ihr Leben.
    Alles Liebe!

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    1. Liebe Unbekannte,

      puh, das liest sich wirklich unglaublich anstrengend - ich kann gut nachvollziehen, dass die Nerven in dieser Situation sehr angespannt sind. Jeden Tag mindestens einmal sage ich zu meinem Mann: Gottseidank, dass wir im Eigenheim leben - die armen Nachbarn würden wahnsinnig werden. Und ich gäbe einiges dafür, den Lautstärkepegel vermindern zu können - leider habe ich bisher keinen Weg gefunden.

      Das Problem ist einfach, dass die Mama da nebenan ganz sicher schon versucht, die Lärmbelästigung so gering, wie möglich zu halten. Auch sie wird ganz sicher von dem Geschrei genervt sein und immer - so gut sie es kann - versuchen, es möglichst zu reduzieren. Daher hilft es vermutlich nichts, sie darum zu bitten, etwas nachdrücklicher für Ruhe zu sorgen.

      Ich weiß nicht, wie ihre Möglichkeiten sind - vielleicht ist die Mutter überfordert und würde sich über eine kleine Auszeit freuen? Eine angespannte Grundstimmung fördert Schreiattacken, möglicherweise bessert sich das, wenn man Unterstützung anbietet?

      Wenn das keine Option ist, kann ich leider nur raten, das weiter auszusitzen (und nachts ggf. Ohropax zu verwenden). Es wird irgendwann besser, wenn Kinder über besser/mehr Ausdrucksmöglichkeiten verfügen.

      Ich wünsche Ihnen gute Nerven!
      Herzliche Grüße
      Danielle

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    2. Liebe Danielle,
      vielen lieben Dank!

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  23. Hilft immer:

    http://www.föhn-app.de

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