Pucksack fürs Baby - welche Puckhilfe ist sinnvoll und worauf sollte man beim Kauf achten?

Manche Babys schlafen am liebsten mit den Armen neben dem Kopf, andere rudern sich zuverlässig selbst wieder wach. Gerade in den ersten Lebenswochen kann Pucken solchen Babys helfen, leichter zur Ruhe zu kommen. Und wenn man nachts mehrfach ein Baby ein- und auspackt, merkt man ziemlich schnell: Ein guter Pucksack ist deutlich angenehmer als jedes Mal mit einem großen Tuch zu hantieren.

Ich habe meine Kinder selbst gepuckt und fand Pucksäcke dafür ausgesprochen praktisch. Allerdings unterscheiden sich die Modelle stärker, als man zunächst denkt. Es gibt klassische Pucksäcke mit Klettverschluss, elastische Modelle mit Reißverschluss und Varianten, bei denen die Arme später freigegeben werden können.

Welcher Pucksack gut passt, hängt vom Baby ab. Ein zartes Neugeborenes braucht etwas anderes als ein kräftiges Baby, manche mögen ihre Arme eng am Körper, andere möchten die Hände lieber in Gesichtsnähe haben. Deshalb lohnt es sich, vor dem Kauf kurz zu überlegen, welche Bauart zum eigenen Baby passt.

Braucht man überhaupt einen speziellen Pucksack?

Nein. Zum Ausprobieren reicht ein geeignetes großes und dünnes Tuch. So lässt sich erst einmal testen, ob das eigene Baby die Begrenzung überhaupt angenehm findet. Praktisch sind dafür zum Beispiel große Mulltücher.

Im Alltag fand ich einen Pucksack allerdings wesentlich unkomplizierter. Man muss keine Wickeltechnik beherrschen, er sitzt bei richtiger Größe immer ähnlich und lässt sich auch im Halbdunkel schnell anlegen.

Das ist auch angenehm, wenn mehrere Personen das Baby ins Bett bringen. Statt dass jeder seine ganz persönliche Pucktechnik entwickelt, gibt der Pucksack ziemlich eindeutig vor, was wohin gehört.

Mehr über das Pucken selbst findest Du in unserem Artikel über das Pucken von Babys.

Wie lange darf man ein Baby pucken?

Ein Pucksack mit fixierten Armen ist für die erste Zeit gedacht. Sobald ein Baby Anzeichen zeigt, dass es sich auf die Seite oder auf den Bauch drehen möchte, müssen die Arme beim Schlafen frei bleiben. Dabei sollte man nicht auf eine bestimmte Altersangabe warten, denn Babys entwickeln sich unterschiedlich schnell.

Ein gepucktes Baby wird zum Schlafen immer auf den Rücken gelegt. Der Kopf bleibt vollständig frei. Der Pucksack muss sicher sitzen, darf die Atmung nicht behindern und sollte an Hüfte und Beinen genügend Platz lassen, damit das Baby die Beine anwinkeln und bewegen kann.

Auch die Temperatur spielt eine Rolle. Body, Schlafanzug, Raumtemperatur und Material des Pucksacks müssen zusammenpassen, damit das Baby nicht überhitzt. Beschwerte Pucksäcke oder andere Schlafprodukte mit eingearbeiteten Gewichten gehören nicht ins Babybett.

Welche Arten von Pucksäcken gibt es?

Für die Kaufentscheidung sind vor allem zwei Varianten interessant:

  • Pucksäcke mit Klettverschluss lassen sich individuell an den Körper des Babys anpassen.
  • Elastische Pucksäcke mit Reißverschluss haben eine vorgegebene Passform und sind besonders schnell an- und ausgezogen.

Daneben gibt es Modelle, bei denen die Arme später freigegeben werden können. Das kann praktisch sein, wenn die Puckzeit zu Ende geht und der Pucksack anschließend noch weiterverwendet werden soll.

Pucksack mit Klettverschluss – der flexible Klassiker

Klettmodelle haben einen großen Vorteil: Sie lassen sich an den Körper des Babys anpassen. Das ist gerade am Anfang praktisch, weil zwei Babys mit demselben Gewicht vollkommen unterschiedlich gebaut sein können.

Die Stoffflügel werden um den Oberkörper gelegt und mit Klett fixiert. Gute Modelle haben ausreichend große Klettflächen, die auch nach häufigem Öffnen und Waschen zuverlässig schließen.

Beim Waschen sollte man den Klett immer schließen. Sonst hängt der Pucksack anschließend gern an allem, was zufällig mit ihm in der Waschmaschine war.

SwaddleMe – unkompliziert und gut verstellbar

Der SwaddleMe ist ein klassischer Pucksack mit Klettverschluss. Ich habe ihn selbst bei meinen Kindern benutzt und mochte vor allem das einfache Prinzip. Baby hineinlegen, die beiden Seiten schließen, fertig.

Durch die Klettflächen lässt sich die Weite recht gut anpassen. Das ist besonders praktisch bei schmalen Babys, bei denen vorgeformte Pucksäcke manchmal zu locker sitzen.

Welche Größe passt, sollte man anhand der aktuellen Gewichts- und Größenangaben des Herstellers auswählen und nicht einfach nach dem Alter des Babys.

Für mich ist der SwaddleMe deshalb eine gute Wahl für Eltern, die einen unkomplizierten Pucksack suchen und die Weite selbst einstellen möchten. Ein kleiner Nachteil des Klettverschlusses zeigt sich allerdings nachts: Wer ein schlafendes Baby auspacken möchte, wird feststellen, dass sich Klett um drei Uhr morgens ungefähr so dezent anhört wie das Öffnen eines Zeltes.

Pucksack mit Reißverschluss – schnell und leise

Pucksäcke mit Reißverschluss funktionieren anders. Statt das Baby mit Stoffflügeln einzuwickeln, wird es in einen elastischen, körpernah geschnittenen Sack gelegt.

Das ist unkompliziert: Reißverschluss auf, Baby hinein, Reißverschluss zu. Dafür lässt sich die Weite nicht so individuell regulieren. Bei diesen Modellen ist es deshalb besonders wichtig, dass Größe und Gewicht des Babys zu den Herstellerangaben passen.

Love to Dream Swaddle Up – wenn die Hände lieber oben bleiben

Beim Love to Dream Swaddle Up liegen die Arme nicht gerade neben dem Körper. Das Baby hält sie angewinkelt nach oben und hat seine Hände dadurch in der Nähe des Gesichts.

Das kann für Babys angenehm sein, die sich mit vollständig nach unten gelegten Armen unwohl fühlen. Sie bekommen die Begrenzung eines Pucksacks, können ihre bevorzugte Armhaltung aber eher beibehalten.

Der Reißverschluss macht das An- und Ausziehen sehr einfach. Man muss außerdem nicht selbst entscheiden, wie eng der Pucksack geschlossen wird. Die Passform ergibt sich weitgehend aus der gewählten Größe.

Für größere Babys gibt es den Love to Dream Swaddle Up in Größe Medium für 6 bis 8,5 kg. Gerade bei einem Baby in dieser Gewichtsklasse sollte man aber besonders auf seine motorische Entwicklung achten: Beginnt es bereits, sich zu drehen, müssen die Arme frei bleiben.

SwaddleMe oder Love to Dream – welcher Pucksack ist besser?

Die beiden Modelle unterscheiden sich vor allem in der Armhaltung und in der Art des Verschlusses.

Beim SwaddleMe liegen die Arme näher am Körper und die Weite kann über die Klettflächen angepasst werden. Das macht ihn flexibel und ist besonders praktisch, wenn man noch nicht weiß, wie eng das Baby die Begrenzung angenehm findet.

Beim Love to Dream bleiben die Arme angewinkelt. Babys, die ständig versuchen, ihre Hände nach oben zu bekommen, können diese Position angenehmer finden. Der Reißverschluss ist außerdem leiser und noch schneller geschlossen.

Wenn ich für ein Neugeborenes zum ersten Mal einen Pucksack kaufen würde, wäre der SwaddleMe meine erste Wahl. Er lässt sich gut anpassen und ich habe mit ihm selbst gute Erfahrungen gemacht. Für ein Baby, das seine Hände unbedingt am Gesicht haben möchte, würde ich eher den Love to Dream Swaddle Up wählen.

Worauf sollte man beim Kauf eines Pucksacks achten?

Die richtige Größe

Ein Pucksack sollte zum aktuellen Gewicht und zur Körpergröße des Babys passen. Die Angaben des Herstellers sind dabei wichtiger als Altersangaben wie "0 bis 3 Monate".

Zu groß kaufen, damit der Pucksack länger passt, ist keine gute Sparstrategie. Ein zu großer Pucksack kann verrutschen. Bei einem zu kleinen Modell stimmt die Passform ebenfalls nicht mehr.

Genügend Platz für Hüfte und Beine

Der Pucksack darf am Oberkörper sicher sitzen, die Beine sollten aber nicht straff ausgestreckt zusammengepresst werden. Das Baby braucht genügend Raum, um Hüfte und Knie zu beugen und die Beine zu bewegen.

Leichtes Material

Für den normalen Gebrauch würde ich eher zu einem leichten Material greifen. Baumwolle ist unkompliziert und gut waschbar.

Entscheidend ist aber immer die gesamte Kleidung des Babys. Ein Pucksack kommt schließlich nicht allein zum Einsatz. Body, Schlafanzug, Raumtemperatur und Material des Pucksacks gehören zusammen betrachtet.

Klett oder Reißverschluss?

Klett lässt sich individuell einstellen. Ein Reißverschluss ist schneller und leiser. Was wichtiger ist, merkt man meistens erst nach ein paar Nächten.

Praktisch sind Modelle, die sich im unteren Bereich öffnen lassen. Dann kann nachts die Windel gewechselt werden, ohne das Baby am Oberkörper vollständig auszupacken.

Waschbarkeit

Babys spucken. Windeln laufen aus. Irgendwann passiert beides in derselben Nacht.

Ein Pucksack sollte deshalb unkompliziert waschbar sein. Wenn das Baby jede Nacht darin schläft, können zwei Exemplare sehr praktisch sein. Der beste Pucksack hilft wenig, wenn er nass auf dem Wäscheständer hängt.

Wie fest sollte ein Pucksack sitzen?

Ein Pucksack muss so sitzen, dass kein loser Stoff nach oben in Richtung Gesicht rutschen kann. Am Brustkorb darf er die Atmung nicht einschränken. Im Hüftbereich braucht das Baby ausreichend Bewegungsfreiheit.

Zusätzliche Tücher, Bänder oder Decken gehören nicht um einen Pucksack. Ein passendes Modell sollte allein sicher sitzen.

Versucht ein Baby zunehmend, seine Arme zu befreien, lohnt sich auch ein Blick auf seine Entwicklung. Wird es mobiler und beginnt, sich zur Seite zu drehen, endet die Zeit des Puckens mit fixierten Armen.

Welcher Pucksack eignet sich im Sommer?

Bei warmen Temperaturen ist ein leichter Pucksack sinnvoll. Darunter braucht das Baby entsprechend wenig Kleidung. Je nach Raumtemperatur kann beispielsweise bereits ein Body genügen.

Viele Hersteller geben für ihre Schlaf- und Pucksäcke einen TOG-Wert an. Er beschreibt den Wärmewiderstand des Materials. Welche Kleidung bei welchem TOG-Wert empfohlen wird, sollte man in der Temperaturtabelle des jeweiligen Herstellers nachsehen.

Und welcher Pucksack im Winter?

Auch im Winter muss ein Pucksack nicht besonders dick sein. Die Kleidung darunter lässt sich leichter anpassen als ein sehr warmer Pucksack.

Ein dickes Fleecemodell klingt im ersten Moment wunderbar kuschelig, ist aber in einem normal beheizten Schlafzimmer schnell wärmer als nötig. Für mich wäre ein leichterer Pucksack deshalb die flexiblere Wahl.

Kann man einen Pucksack eine Nummer größer kaufen?

Bei Bodys und Stramplern ist eine Nummer größer meistens kein Drama. Bei einem Pucksack würde ich passend kaufen.

Der Ausschnitt muss sicher sitzen und das Baby darf nicht in den Pucksack hineinrutschen können. Deshalb richtet sich die Größe nach dem Baby, das gerade darin schlafen soll, und nicht danach, wie groß es hoffentlich in sechs Wochen sein wird.

Was zieht man unter einem Pucksack an?

Das hängt von der Raumtemperatur und vom Material des Pucksacks ab. In einem warmen Schlafzimmer kann unter einem leichten Pucksack ein Body ausreichen. Ist es kühler, kann ein Schlafanzug sinnvoll sein.

Eine zusätzliche Decke ist nicht erforderlich. Wichtig ist, dass das Baby weder friert noch überhitzt. Hände und Füße dürfen sich übrigens kühl anfühlen. Um die Körpertemperatur einzuschätzen, fühlt man besser im Nacken oder zwischen den Schulterblättern.

Was tun, wenn das Baby den Pucksack nicht mag?

Dann muss es nicht gepuckt werden. Pucken ist eine Möglichkeit, Babys Begrenzung zu geben, keine notwendige Station im ersten Lebensjahr.

Manche Babys entspannen sich darin sofort, andere möchten ihre Arme bewegen und finden die Einschränkung unangenehm. Auch deshalb finde ich es sinnvoll, das Ganze zunächst mit einem großen Mulltuch auszuprobieren, bevor mehrere Pucksäcke im Schrank liegen.

Mein Fazit: Welchen Pucksack würde ich kaufen?

Für ein Neugeborenes gefällt mir ein verstellbarer Pucksack am besten. Gerade am Anfang weiß man noch nicht, welche Passform das eigene Baby angenehm findet. Mit einem Klettmodell hat man etwas Spielraum.

Der SwaddleMe ist deshalb mein Favorit unter den klassischen Pucksäcken. Ich habe ihn selbst benutzt, er ist schnell angelegt und die Weite lässt sich gut anpassen.

Für Babys, die ihre Hände gern am Gesicht haben und mit nach unten gelegten Armen unzufrieden sind, finde ich den Love to Dream Swaddle Up interessanter. Das Reißverschlussprinzip ist außerdem angenehm unkompliziert.

Viel komplizierter muss die Kaufentscheidung nicht sein. Der Pucksack muss zum Baby passen, sicher sitzen und genügend Bewegungsfreiheit für Hüfte und Beine lassen. Dann darf man ruhig nach den sehr praktischen Dingen entscheiden: Klett oder Reißverschluss? Wie schnell ist das Baby nachts wieder eingepackt? Und kann das Ganze morgen früh einfach in die Waschmaschine?

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© Danielle

Milch-Getreide-Brei fürs Baby - Rezept, Milch und Getreide richtig auswählen

Der Milch-Getreide-Brei ist in Deutschland der Klassiker unter den Baby-Abendessen. Traditionell wird er ungefähr einen Monat nach dem ersten Brei eingeführt, häufig also als zweite Beikostmahlzeit. Allerdings muss er weder der zweite Brei sein noch unbedingt abends gefüttert werden. Wann er am besten in den Tag passt, hängt vor allem vom Baby und vom Familienalltag ab.

Das Grundrezept ist ziemlich unspektakulär: Milch, Getreide und etwas Obst. Und gerade das finde ich inzwischen sehr sympathisch. Denn wenn man vor dem riesigen Regal mit "Gute Nacht", "Schlaf gut", Vanille, Keks, Stracciatella und allerlei Fruchtmischungen steht, könnte man meinen, ein Milchbrei sei eine ausgesprochen komplizierte Angelegenheit. Ist er aber nicht.

Für einen klassischen Milch-Getreide-Brei werden etwa 200 ml Milch, 20 g Getreideflocken oder Grieß und etwas Obst verwendet. Das Getreide liefert unter anderem Kohlenhydrate und Eisen, die Milch Eiweiß und Kalzium. Das Obst bringt Geschmack und Vitamin C mit, das die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln verbessert.

Baby isst Milch-Getreide-Brei

Schlafen Babys mit Abendbrei besser?

Eine Hoffnung hält sich seit Jahrzehnten ziemlich hartnäckig: Wenn das Baby abends endlich einen "ordentlichen" Brei im Bauch hat, schläft es bestimmt länger. Das kann durchaus passieren. Es kann aber genauso gut überhaupt nichts passieren.

Babys wachen nachts aus ganz unterschiedlichen Gründen auf. Hunger ist nur einer davon. Schlafentwicklung, Nähebedürfnis, Zahnen, Infekte, neue motorische Fähigkeiten und viele andere Dinge können dafür sorgen, dass ein sattes Baby nachts trotzdem mehrmals wach wird. Ein Milch-Getreide-Brei ist deshalb ein Abendessen und kein Schlafmittel. Wer beobachtet, dass das eigene Baby nach dem Brei länger schläft, darf sich natürlich freuen. Nur muss mit dem ersten Abendbrei nicht die Erwartung einziehen, dass nun endlich das Durchschlafen beginnt.

Das Grundrezept für Milch-Getreide-Brei

Die Empfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben sehen für eine Portion ungefähr folgende Mengen vor:

  • 200 ml Milch
  • 20 g Getreideflocken oder Grieß
  • etwas zerdrücktes oder geriebenes Obst beziehungsweise Fruchtsaft

Welche Menge ein Baby tatsächlich isst, ist natürlich eine andere Frage. Ein Rezept ist keine Verzehrvorschrift. Gerade am Anfang können drei Löffel vollkommen ausreichen und am nächsten Tag plötzlich eine ganze Portion interessant sein.

Das offizielle Grundrezept findest Du auch beim Netzwerk Gesund ins Leben.

Welche Milch kommt in den Milch-Getreide-Brei?

Man kann den Brei mit Kuhmilch, Muttermilch oder Säuglingsnahrung zubereiten. Keine dieser Varianten muss für jede Familie die richtige sein.

Milchbrei mit Muttermilch

Stillende Mütter können den Brei mit Muttermilch anrühren. Das klingt erst einmal nach der naheliegendsten Lösung und funktioniert grundsätzlich auch.

Es gibt nur einen kleinen praktischen Haken: Muttermilch enthält Enzyme, die Stärke abbauen. Deshalb kann ein zunächst wunderbar breiiger Brei innerhalb kurzer Zeit ziemlich flüssig werden. Am Nährwert ändert das nichts. Das Löffeln wird dadurch allerdings nicht gerade komfortabler.

Am besten rührt man kleine Mengen frisch an und verfüttert sie direkt. Die Muttermilch sollte dabei nicht unnötig stark erhitzt werden.

Milchbrei mit Kuhmilch

Bei Kuhmilch gibt es bis heute viel Verunsicherung. "Im ersten Lebensjahr keine Kuhmilch" hört man noch immer relativ häufig. So pauschal stimmt das nicht.

Kuhmilch kann im ersten Lebensjahr für den Milch-Getreide-Brei verwendet werden. Empfohlen werden bis zu etwa 200 ml am Tag. Geeignet sind pasteurisierte Vollmilch, ESL-Milch oder H-Milch. Rohmilch und Vorzugsmilch sind für Babys wegen des möglichen Keimrisikos nicht geeignet.

Die 200 ml Kuhmilch im Brei sind etwas anderes als eine Flasche Kuhmilch. Als normalen Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsnahrung ist Kuhmilch im ersten Lebensjahr nicht gedacht. Mehr dazu findest Du auch in unserem Artikel über Milch und Milchprodukte im ersten Lebensjahr.

Milchbrei mit Säuglingsnahrung

Natürlich kann der Milch-Getreide-Brei auch mit Säuglingsnahrung angerührt werden. Gerade bei Flaschenkindern ist das unkompliziert, weil die verwendete Nahrung ohnehin zu Hause steht.

Dafür wird die Säuglingsnahrung zunächst genau nach Herstellerangabe zubereitet und anschließend mit milchfreien Getreideflocken vermischt. Das Verhältnis von Wasser und Milchpulver sollte nicht verändert werden. Mehr Milchpulver macht eine Säuglingsnahrung nicht "sättigender", sondern verändert ihre Zusammensetzung.

Welche Säuglingsnahrung infrage kommt, haben wir ausführlicher im Artikel über Pre- und Anfangsnahrung beschrieben.

Milchbrei aus Pulver und Wasser

Und dann gibt es natürlich noch die bequemste Variante: Packung auf, Wasser dazu, umrühren, fertig.

Das ist nicht grundsätzlich schlechter. Ein Baby muss nicht jeden Abend einen liebevoll frisch angerührten Bio-Vollkornbrei mit handgeriebener Birne bekommen, um vernünftig ernährt zu sein. Fertiger Milchbrei kann gerade unterwegs, im Urlaub oder an Tagen, an denen sowieso schon alles schiefläuft, ziemlich praktisch sein.

Ich würde nur einmal auf die Zutatenliste schauen. Denn zwischen "Milch-Getreide-Brei" und "Milch-Getreide-Brei" können erhebliche Unterschiede liegen.

Regal mit Milch-Getreide-Brei

Worauf sollte man bei fertigem Milchbrei achten?

Als ich diesen Artikel ursprünglich geschrieben habe, habe ich mich durch eine stattliche Anzahl Milchbreipackungen gearbeitet, Tabellen angelegt, Milchanteile ausgerechnet und Zuckerwerte verglichen. Das war sehr aufschlussreich, hatte aber einen entscheidenden Nachteil: Hersteller ändern ihre Rezepturen.

Eine Liste, welcher Brei wie viele Gramm Zucker enthält und welcher Hersteller wie viel Milchpulver verwendet, ist deshalb schneller veraltet, als man "Gute-Nacht-Bananen-Vollkornbrei" sagen kann.

Viel hilfreicher ist es, selbst beurteilen zu können, was man gerade in der Hand hält.

Je kürzer die Zutatenliste, desto übersichtlicher

Ein Milch-Getreide-Brei braucht nicht besonders viele Zutaten. Die einfache selbst gemachte Variante besteht schließlich ebenfalls nur aus Milch, Getreide und Obst.

Bei einem Fertigprodukt würde ich deshalb zuerst schauen, ob ich die Zutatenliste auf Anhieb verstehe. Vollkorngetreide ist eine gute Basis. Zucker, Sirupe, Honig oder andere süßende Zutaten braucht ein Babybrei nicht.

Auch auf besonders süße Geschmacksrichtungen würde ich eher verzichten. Babys müssen nicht lernen, dass ein Abendessen nach Keks, Schokolade oder Vanilledessert schmecken sollte.

Kleinkind isst Grießbrei mit Apfelmus

Zucker ist nicht automatisch zugesetzter Zucker

Beim Blick auf die Nährwerttabelle lauert allerdings eine kleine Falle. Unter "davon Zucker" steht bei einem Milchbrei fast immer eine Zahl, selbst wenn überhaupt kein Haushaltszucker zugesetzt wurde.

Der Grund ist die Milch. Milch enthält von Natur aus Laktose, also Milchzucker. Auch Obst bringt von Natur aus Zucker mit. Der Gesamtzuckergehalt in der Nährwerttabelle verrät deshalb nicht, wie viel Zucker der Hersteller zusätzlich hineingegeben hat.

Wer wissen möchte, ob gesüßt wurde, muss zusätzlich die Zutatenliste ansehen. Dort können zum Beispiel Zucker, Glukose, Glukosesirup, Fruktose, Maltodextrin oder andere süßende Zutaten auftauchen.

Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt für Babybreie Produkte ohne zugesetzten Zucker oder andere Süßungsmittel. Das ist auch mein pragmatischer Maßstab. Man muss aus natürlichem Milch- oder Fruchtzucker kein Problem machen. Zusätzliche Süße braucht ein Babybrei aber schlicht nicht.

Mehr zum Thema findest Du in unserem Artikel über Zucker im ersten Lebensjahr.

Welches Getreide eignet sich für Milchbrei?

Hafer, Dinkel, Weizen, Hirse oder andere für Babys geeignete Getreideflocken können verwendet werden. Vollkorngetreide ist eine gute Wahl, weil hier mehr Bestandteile des ganzen Korns erhalten bleiben.

Man muss dabei auch nicht monatelang dieselbe Sorte füttern. Abwechslung ist ausdrücklich sinnvoll. Wenn das Baby Hafer mag, darf es Hafer geben. Wenn es Dinkel liebt, ist Dinkel ebenfalls in Ordnung. Und wenn es bei Hirse das Gesicht verzieht, muss niemand Hirsebrei zur charakterbildenden Maßnahme erklären.

Ich würde bei milchfreien Getreideflocken darauf achten, dass sie möglichst nur aus Getreide bestehen und für die Zubereitung von Babybrei geeignet sind.

Braucht der Milchbrei Obst?

Etwas Obst gehört zum klassischen Rezept. Es bringt Vitamin C mit, das die Aufnahme von Eisen aus dem Getreide verbessert. Dafür braucht es aber keinen halben Obstbecher. Ein wenig zerdrückte Birne, Apfel, Pfirsich, Banane oder anderes geeignetes Obst reicht vollkommen.

Auch Fruchtsaft kann nach dem klassischen Rezept verwendet werden. Ich persönlich finde echtes Obst meist naheliegender, weil es zusätzlich Struktur und weitere Bestandteile der Frucht mitbringt.

Was ist mit Aromen?

Aus Aromen würde ich keine Wissenschaft machen. Ein zugelassenes Aroma macht einen Babybrei nicht plötzlich gefährlich. Nötig ist es aber meistens auch nicht.

Ein Baby lernt Geschmäcker gerade erst kennen. Hafer darf nach Hafer schmecken, Milch nach Milch und Banane nach Banane. Dafür braucht es keinen besonders intensiven Vanille-, Keks- oder Fruchtgeschmack.

Wenn ich die Wahl zwischen zwei ansonsten vergleichbaren Produkten hätte, würde ich deshalb den Brei mit der schlichteren Zutatenliste und ohne Aroma nehmen.

Ist Bio-Milchbrei besser?

Bio kann ein Auswahlkriterium sein, wenn einem ökologische Landwirtschaft wichtig ist. Für die Frage, ob ein Milchbrei sinnvoll zusammengesetzt ist, reicht das Bio-Siegel allein jedoch nicht.

Auch bei einem Bio-Produkt lohnt sich deshalb der Blick auf die Zutaten. Umgekehrt ist ein konventioneller Brei nicht automatisch eine schlechte Wahl. Interessanter als das Logo vorne auf der Packung finde ich meistens das Kleingedruckte hinten.

Selbst anrühren oder Fertigbrei kaufen?

Wenn ich die Wahl habe, finde ich die selbst angerührte Variante ziemlich praktisch. Eine Packung Getreideflocken steht lange im Schrank, die Milch ist ohnehin da und das Obst lässt sich nach Lust und Vorrat wechseln. Außerdem weiß ich genau, was im Brei steckt.

Aber es gibt keinen Orden dafür, Babybrei selbst anzurühren.

Ein passend zusammengesetzter Fertigbrei ist ebenfalls eine Möglichkeit. Manchmal ist genau die Variante richtig, die in dreißig Sekunden auf dem Tisch steht. Gerade mit Baby gibt es genügend Tage, an denen "Wasser dazu und umrühren" ein ausgesprochen überzeugendes Argument ist.

Und wenn mein Baby keinen Milchbrei mag?

Dann mag es keinen Milchbrei.

Der Ernährungsplan mit drei verschiedenen Breien ist eine hilfreiche Orientierung für die Nährstoffversorgung, aber Babys lesen ihn bekanntlich nicht. Manche lieben Brei, andere interessieren sich früh für weiche Stückchen vom Familientisch und viele Familien kombinieren beides.

Auch die Reihenfolge ist weniger starr, als sie lange dargestellt wurde. Nach dem ersten vollständigen Brei können Milch-Getreide-Brei und Getreide-Obst-Brei in unterschiedlicher Reihenfolge eingeführt werden. Und kein Baby muss den Milchbrei um 18 Uhr essen, nur weil er traditionell "Abendbrei" heißt.

Wichtiger ist, dass die Ernährung insgesamt abwechslungsreich und passend zur Entwicklung des Kindes bleibt und Muttermilch beziehungsweise Säuglingsnahrung während der Beikostzeit weiter einen wichtigen Platz haben.

Mein Fazit zum Milch-Getreide-Brei

Ich habe bei meiner ersten Beschäftigung mit Milchbreien ziemlich viel Zeit mit Tabellen, Prozentzahlen und Zutatenlisten verbracht. Spannend war das durchaus. Nur hätte ich mir damals vielleicht früher sagen können: Ein guter Milchbrei ist eigentlich erstaunlich unspektakulär. Milch. Getreide. Ein bisschen Obst. Wer selbst anrührt, braucht kaum mehr. Wer ein Fertigprodukt kauft, kann sich an diesem einfachen Rezept orientieren: möglichst überschaubare Zutaten, kein zugesetzter Zucker, kein unnötig süßer Geschmack.

Und ob das Baby anschließend acht Stunden schläft oder nach neunzig Minuten wieder auf der Matte steht, entscheidet leider weiterhin das Baby.

© Danielle feat. Emmi1984

Babygebärden - mit Babys kommunizieren, bevor sie sprechen können

Die Versprechen der Baby-Kurse klingen verlockend: Gebärdensprache für Babys soll unsere Kinder nicht nur intelligenter machen, sondern auch die Anzahl von Wutanfällen effektiv reduzieren und ihnen helfen, schneller sprechen und später einfacher lesen und schreiben zu lernen. Selten hat ein Baby-Trend, der aus den USA zu uns rübergeschwappt ist, so viele Hoffnungen geweckt und Eltern so unter Druck gesetzt wie die Zwergensprache.

Baby zeigt die Gebärde für mehr
"Mehr!"
Quelle: Zwergensprache GmbH

Wissenschaftliche Studien zur Babygebärdensprache

In den 80er Jahren begannen die Wissenschaftlerinnen Linda Acredolo und Susan Goodwyn eine Untersuchung mit ca. 100 elfmonatigen Kindern, die in drei Gruppen eingeteilt wurden. Die Eltern der ersten Gruppe sollten mit ihren Kindern nicht nur sprechen, sondern auch Schlagwörter gebärden. Die zweite Gruppe sollte nicht gebärden, aber beim Spielen und Sprechen mit ihren Kindern besonderen Wert auf die sprachliche Kommunikation legen, also viel und genau verbalisieren und ihre Kinder ebenso dazu ermuntern. Die letzte Gruppe Eltern wusste weder etwas über Gebärden, noch war ihnen der Schwerpunkt der Untersuchung, die Kommunikation, klar. Sie spielten und sprachen so mit ihren Kindern, wie sie es auch ohne Studie taten.

Die Kinder wurden im Alter von 15, 19, 24, 30 und 36 Monaten mit standardisierten Tests auf ihre Sprachfähigkeiten getestet. Während es zwischen den beiden Kontrollgruppen ohne Gebärden fast keine Unterschiede gab, schienen die Kinder der Gebärden-Gruppe zu jedem Zeitpunkt verbal den anderen Gruppen weit voraus. Mit 24 Monaten, so schienen die Wissenschaftlerinnen zeigen zu können, hätten die Gebärden-Kinder bereits einen durchschnittlichen Wortschatz von 28-monatigen Kindern erreicht. Mit 3 Jahren sprachen sie auf dem Niveau von 4-Jährigen. In einer späteren Nachuntersuchung berichteten Acredolo und Goodwyn außerdem Unterschiede im IQ.

Allerdings weisen diese Untersuchungen methodische Schwächen auf. Eine Übersichtsarbeit von Johnston, Durieux-Smith und Bloom kam 2005 zu dem Ergebnis, dass die damalige Studienlage keine wissenschaftlich belastbaren Belege dafür lieferte, dass Babygebärden die Sprachentwicklung beschleunigen oder andere behauptete Entwicklungsvorteile bewirken. Auch eine spätere randomisierte kontrollierte Studie fand keine beschleunigte Sprachentwicklung bei Kindern, deren Eltern gezielt Babygebärden einsetzten. Die großen Versprechen, Babygebärden machten Kinder intelligenter oder ließen sie deutlich früher sprechen, sind daher wissenschaftlich nicht belegt.

Ich habe mit meinen Kindern trotzdem gebärdet. Nicht, weil mir wichtig war, sie frühzeitig zu "fördern", um so ihre Intelligenz zu steigern, auch nicht, um ihre Sprachaneignung zu beschleunigen. Ich habe gebärdet, weil ich meine Kinder besser verstehen wollte. Ich wollte nicht raten müssen, wenn sie unzufrieden sind und weinen, und ich war neugierig, was in ihren kleinen Köpfen so vor sich ging.

Welche Gebärdensprache sollen wir nutzen?

Es gibt eine Reihe von verschiedenen Gebärdensprachen für Babys, sodass eine Auswahl für Eltern ohne Vorkenntnisse erst einmal schwerfällt. Die wahrscheinlich bekanntesten Babykurse für Gebärden sind die der Zwergensprache, einem Konzept von Vivian König, die auch ein sehr umfangreiches Gebärdenbuch herausgebracht hat. Die Zwergensprache orientiert sich weitgehend an Gebärden der Deutschen Gebärdensprache (DGS), teilweise werden Zeichen für kleine Kinder vereinfacht. Vivian König schreibt:

"Wir haben bei unserer Gebärdenauswahl aus den deutschen Dialekten der DGS darauf geachtet, dass diese für Babys möglichst leicht nachzuahmen und anschaulich sind, so dass die Kinder die Assoziation leicht herstellen können zu dem, was die Geste darstellt. Zudem ist die Auswahl so abgestimmt, dass die Gebärden möglichst verschiedenen Arm- und Handbewegungen ausführen und an deutlich verschiedenen Körperstellen gezeigt werden. Damit werden spielerisch auch Motorik, insbesondere die Auge-Hand-Koordination und Körperwahrnehmung der Kleinen geschult. Nur ganz wenige Gebärden (vielleicht 10 von 300) sind verkürzt oder für Babyhände vereinfacht worden. Manche Gebärden der DGS bestehen aus bis zu drei Bewegungsabläufen. Das halte ich für die Kleinsten zu kompliziert. Manche sind motorisch sehr anspruchsvoll. Da ich mir aber wünsche, dass die Kinder die Zeichen anwenden und ich sie erkennen kann, sind die wenigen Vereinfachungen zustande gekommen."

In den Kursen lernen die Eltern Kinderlieder und Spiele, die ein Grundvokabular an Babygebärden enthalten. Für die Kinder ist es nichts anderes als ein Kurs, in dem gesungen wird, und das ist auch gut so, denn klassisches Vokabelpauken ist in diesem Alter ganz und gar unsinnig. Den Eltern werden in jeder Kursstunde jeweils 6 bis 7 Zeichen angeboten. Sie wählen daraus aus, was sie für ihr Kind für passend halten und was sie davon umsetzen möchten. Das geschieht unter Berücksichtigung der Interessen und des Alters des Kindes sowie der Umsetzungsmöglichkeit im Alltag und in Ritualen. So werden im Laufe eines 10- bis 12-Wochen-Kurses ca. 75 Gebärden vermittelt. Vivian König ist besonders die langfristige Begleitung der Eltern wichtig, damit kein Lerndruck aufkommt, sondern die Kinder in ihrem jeweiligen Tempo die Zeichen ausprobieren können. Gerade Gelassenheit im Umgang damit, eigenes Bauchgefühl und die Individualität der Kinder sollten im Vordergrund stehen.

Ebenso gut sind die Kurse von babySignal (Wiebke Gericke), auch diese stützen sich auf die Deutsche Gebärdensprache. Auch hier erfahren die Eltern im Kurs, wie sie die Gebärden in den alltäglichen Ablauf mit ihrem Kind beim Sprechen, Singen und Spielen einbauen können. Jede Woche lernen sie neue Gebärden und neue Möglichkeiten für die Umsetzung zu Hause, während die Kinder sich frei im Raum bewegen dürfen.

Natürlich muss man als Eltern keinen Kurs besuchen, wenn man das nicht möchte. Man muss auch nicht zwingend Gebärden der Deutschen oder Österreichischen Gebärdensprache nutzen. "Schau doch meine Hände an" arbeitet zum Beispiel mit einer Gebärdensammlung, die für Menschen mit geistiger Behinderung entwickelt wurde und lautsprachunterstützend eingesetzt wird.

Die Deutsche Gebärdensprache ist eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik. In Deutschland ist sie seit 2002 gesetzlich als eigenständige Sprache anerkannt. Davon zu unterscheiden sind lautsprachbegleitende oder lautsprachunterstützende Gebärden, bei denen gesprochene Sprache durch Gebärden begleitet wird.

Es ist außerdem durchaus möglich, sich selbst Zeichen auszudenken, als idiosynkratisches Zeichensystem einer Familie und ohne jeden Bezug zu einer bestehenden Gebärdensprache. Wichtig ist, dass diese konstant bleiben, also immer die gleiche Gebärde für ein Wort. Guckt einfach, welches System für euch als Familie am einfachsten zu lernen ist.

Ich war selbst in keinem Kurs, sondern habe mir einfach dieses Buch gekauft und mich zunächst für mich selbst mit den einzelnen Gebärden beschäftigt. Als ich das Gefühl hatte, nun einen Grundwortschatz parat zu haben, begann ich, im Alltag ein paar wenige Gebärden zur Sprache zu benutzen.

Wie führen wir die ersten Gebärden ein?

Meine Töchter sind so unterschiedlich wie Feuer und Wasser. Während die eine motorisch sehr fit ist, lag die andere lange zufrieden auf dem Rücken auf der Krabbeldecke herum und lautierte vor sich hin. Die motorisch fitte Tochter spielte fast nie mit Lauten. Diese typischen lalalala-, gagaga-, mamama-Phasen durchlief sie so gut wie nicht. Das Höchste der verbalen Äußerung war ein örrrööö und ein gurrrrr, aber dann war sie auch schon wieder damit beschäftigt, sich vorwärts oder rückwärts zu schieben oder irgendein weit entferntes Spielzeug unter Aufbietung aller Kräfte zu erreichen. Meine sprachlich fitte Tochter dagegen durchlief alle Lall-Phasen sehr früh, nutzte Silbenverdopplungen mit großer Vorliebe und spielte richtiggehend mit ihrem Mund, indem sie bewusst ihre Lippen verformte, mit Spucke gurgelte, Spuckebläschen produzierte und dabei genau zuhörte, was diese Veränderungen der Lippenmotorik mit den Lauten aus ihrem Mund machten.

Baby zeigt die Gebärde für Milch
"Milch"
Quelle: Zwergensprache GmbH

Bei beiden Kindern begann ich mit ca. 8 Monaten, wenige Gebärden einzuführen. Ich begann zunächst mit "fertig" (der Gebärde für "genug") und "Milch". Immer, wenn eines der beiden Wörter im Alltag auftrat, gebärdete ich es mit dem gesprochenen Wort. Wurden sie also unruhig und zappelig und ich wusste, sie hatten Hunger, fragte ich: "Möchtest du Milch?" (Unterstrichene Wörter sind immer gesprochen und gebärdet.) Fielen sie satt wie Maikäferchen von meiner Brust ab, sagte ich: "Oh, ich glaube, du bist fertig." Auch beim Windelwechseln oder Anziehen, beides mochten sie überhaupt nicht, setzte ich fertig oft ein. Immer, wenn ich die Tätigkeit fast beendet hatte, sagte ich: "Wir sind gleich fertig!", was den wunderbaren Nebeneffekt hatte, dass sie ab da anfingen, sich zu entspannen. Sobald ich also fertig gebärdet und gesprochen hatte, wurde der Kampf gegen die Windel oder das Kleidungsstück aufgegeben, denn sie wussten, dass ein Ende in Sicht ist.

Es ist übrigens am Anfang sehr seltsam, zu gebärden. Wir sind es einfach nicht gewohnt und man kommt sich, ehrlich gesagt, ein bisschen plemplem vor, seine Hände so unterstützend zu nutzen. Deshalb habe ich erst einmal zu Hause Gebärden geübt, manchmal auch vor dem Spiegel, denn es ist gar nicht so einfach, sich gestisch expressiv auszudrücken, wenn man von Natur aus eher introvertiert ist. Der Spiegel hat mir geholfen, mich an meine Gebärden selbst zu gewöhnen, und wenn man einmal über die erste Hemmschwelle hinweg ist, macht man es auch in der Öffentlichkeit.

Fertig (genug) war die Gebärde, die ich am allerhäufigsten nutzte, und tatsächlich war dies auch die erste, die meine motorisch fitte Tochter mit 9 Monaten nutzte. Wir waren gerade beim Breiessen, als sie nach drei oder vier Löffelchen ihr Ärmchen wild hin und her wedelte. Ich dachte zunächst, dass sie mir den Löffel aus der Hand schlagen will, dann aber realisierte ich, dass sie vielleicht gebärdet. Ich probierte noch einmal aus, den Löffel zu ihrem Mund zu führen, wieder das wilde Armgefuchtel verbunden mit einem grantigen Gesichtsausdruck. Ich antwortete ihr überrascht: "Du sagst fertig! Gut, dann hören wir jetzt auf." Sofort erschien ein Strahlen auf ihrem Gesicht, ich hatte sie richtig verstanden.

Baby zeigt die Gebärde für essen
"essen"
Quelle: Zwergensprache GmbH

Es ist schwer, die ersten Gebärden des Kindes richtig zu identifizieren, denn die Auge-Hand-Koordination ist in einem so jungen Alter natürlich noch nicht besonders gut ausgeprägt. Deshalb sind viele Gebärdenversuche unserer Kinder erst einmal grob verzerrt und daher leicht zu übersehen. Die Gebärde "genug", die ich für "fertig" nutzte, ist eigentlich ein zweimaliges Tippen der Hand mit der Handkante kurz unter dem Mund. Meine Tochter dagegen fuchtelte zunächst ihren ganzen ausgestreckten rechten Arm vor ihrem Oberkörper hin und her. Später, mit ca. 12 Monaten, veränderte sie die "fertig"-Geste, indem sie ihre flache Hand zweimal über ihren gesamten Mund legte, mit 14 Monaten verfeinerte sie die Gebärde dann zum letzten Mal, erst dann sah sie so aus wie das Original. Auch das Gebärden ist ein Prozess, der erst nach und nach erlernt wird. Beim Sprechen durchlaufen unsere Kinder ebenfalls Übungsphasen, bei meinen Töchtern hieß "schaukeln" lange Zeit "aate", dann "autel", dann "saukeln" und zu guter Letzt "schaukeln". Einige Gebärden blieben auch in ihrer verkürzten Version. "Milch" zum Beispiel wird in der DGS wie das Melken einer Kuh gebärdet, man öffnet und schließt seine Hände, während man die Arme abwechselnd nach oben und unten bewegt. Meine Töchter verkürzten das selbständig auf ein gleichzeitiges Auf- und Abbewegen beider Arme, die Hände waren zu Fäustchen geschlossen. Insbesondere nachts war diese sehr vehemente Gebärde hilfreich, da ich auch im Halbschlaf das energische "Milch!!!" registrierte.

"Weintraube" wird in der DGS normalerweise mit zwei Händen gebärdet. Die eine Hand wird so in der Luft gehalten, als würde man eine ganze Traube Weintrauben am Stiel festhalten, die andere Hand formt mit den Fingern von unten die daran dranhängenden Trauben nach. Meine Töchter zeigten immer nur die obere Hand, und das reichte auch aus, ich verstand sie ohne Probleme.

Manchmal dauerte es etwas, bis ich kapierte, was sie mir sagen wollten: Wir waren oft in einem Spielcafé, in dem ein wirklich super netter, von meinen Kindern schwer angehimmelter Mann hinterm Tresen stand. Eines Tages stand eine meiner Töchter vor mir und zuppelte sich bedeutungsschwanger vorn an ihren Haaren und guckte dabei immerzu zum Tresen. Ich wusste, sie wollte mir etwas sagen, aber was?! Sehr ausdauernd zeigte sie mir immer wieder die Gebärde "Haarzuppeln", bis bei mir endlich der Groschen fiel: "Mann! Du gebärdest Mann! Du fragst, wo Jan ist? Er steht gerade nicht hinterm Tresen, stimmt. Er ist in der Küche und kocht!" Zufrieden grinste meine Tochter, sichtlich erfreut, dass Mama doch nicht so doof ist, wie sie aussieht und ihre wunderbar klare Geste doch noch erkannt hatte.

Nachdem meine motorisch fitte Tochter das erste eigene Zeichen regelmäßig gebärdete, erweiterte ich meine Gebärden Stück für Stück. Zu "Milch" kamen zunächst noch "essen", "müde", "schlafen", "Windeln wechseln" hinzu. Sehr selten zeigte ich auch andere Gebärden, meist, um für mich selbst zu üben. Beim Windeln wechseln guckte meine Tochter interessiert auf die Schlafzimmerlampe. Ich gebärdete und sprach: "Lampe! Die Lampe ist an." und wickelte sie dann zu Ende. Eine Woche später fuhr ich mit ihr durch ein Einkaufszentrum. Ein sehr hell erleuchtetes Einkaufszentrum. Nach einigem interessierten Gucken hielt meine Tochter die Hand nach oben und öffnete die Finger, sie gebärdete "Lampe"! Ich war ziemlich verblüfft, denn dieses Zeichen hatte ich ihr nur einmal gezeigt. Ich hätte gedacht, dass ein für ihr Überleben relevanteres Zeichen als nächstes von ihr kommt, aber nein, "Lampe" war ihr wohl wichtiger. An diesem Nachmittag hatten wir beide noch unheimlich viel Spaß. Meine Tochter machte mich wirklich auf jede Lampe in Berlin aufmerksam. Ich konnte richtiggehend sehen, wie viel Vergnügen es ihr bereitete, sich mir mitzuteilen und mit wie viel Blick fürs Detail ein zehn Monate altes Kind durch die Welt geht. Mir wären all die Lampen gar nicht mehr aufgefallen.

Baby zeigt die Gebärde für Licht
"Licht"
Quelle: Zwergensprache GmbH

Nach der "Lampen"-Gebärde gab es für mich kein Halten mehr. Ich gebärdete wirklich wild drauflos. Jeder Gegenstand, den ich als Gebärde kannte, wurde nun in Gegenwart meiner Kinder benannt: "Blume", "Schlüssel", "Fenster", "Tür auf, Tür zu", "Mann", "Frau", "Mädchen", "Junge", "Ball", "Bär" ... es nahm gar kein Ende und ich entwickelte richtig Spaß daran, neue Gebärden zu lernen und zu finden.

Beim Einführen neuer Gebärden war es mir weiterhin wichtig, dass dies im Kontext geschah. Niemals setzte ich meine Kinder irgendwo hin und hielt dann Gegenstände oder Bilder hoch, um zu "üben". Alles passierte einfach im Alltag. Wenn wir irgendwo entlangliefen und ich eine Blume sah, hielt ich kurz an, nahm die Blume in die Hand, zeigte sie meinen Töchtern und sagte und gebärdete: "Oh, so eine schöne Blume. Sie ist ganz rosa und riecht gut!"

Baby lernt die Gebärde für Blume
"Blume"
Quelle: Zwergensprache GmbH

Meine sprachlich fitte Tochter machte derweil übrigens überhaupt keine Anstalten, zu gebärden. Ich hatte sogar das Gefühl, sie guckt überhaupt nicht hin, wenn ich gebärdete. Sie fing zwar mit 9 Monaten an, zu sprechen, ihr erstes Wort war Kaaaka für "Kater", zeigte aber keinerlei Affinität, ihre Hände zum Mitteilen zu benutzen. Auch gut, dachte ich, dann braucht sie es eben nicht. Mit 12 Monaten jedoch zeigte sie mir plötzlich überraschend, dass sie alle Gebärden, die ihre Schwester schon lange zeigte, ebenso beherrschte! Sie hatte sie nur, warum auch immer, nicht zeigen wollen. Ab da gebärdete und sprach sie, während ihre Schwester weiterhin nur gebärdete und selten ihren Mund benutzte. Ich muss ehrlich sagen, hätte nicht meine motorisch fitte Tochter so früh mit dem Gebärden begonnen, hätte ich es sicherlich aufgegeben. Ich habe mit 8 Monaten angefangen und erst vier Monate später kamen die ersten Gebärden meiner zweiten Tochter zurück, ich denke, ich hätte da schon nicht mehr daran geglaubt, dass doch noch etwas kommt. Ich hatte also Glück, ein gebärdenbegeistertes Kind zu haben, sonst hätte ich das ganze Konzept der "Babygebärden" sicherlich als unnötig und klappt sowieso nicht abgestempelt.

So aber tauchten wir gemeinsam ab in eine wunderbare Welt des gegenseitigen Verstehens. Es war wirklich spannend für mich zu beobachten, was in den Köpfen von so kleinen Kindern schon vor sich geht. Dass eine meiner Töchter mit 11 Monaten einmal zwei Stunden nach einem Sportkurs erzählte, Monique hätte "Krokodil schwimmt im Nil" gesungen, hatte ich im Artikel über den 46-Wochen-Schub schon einmal erwähnt. Ich war wirklich unglaublich verblüfft, in welchen Zeitdimensionen sich ein Kind unter einem Jahr erinnern kann. Einen Monat später gingen wir an einem Volleyballfeld, das auf unserem Nachhauseweg liegt, vorbei und ein paar Jungs spielten Ball. Nach diesem Tag fing es für drei Wochen fürchterlich an zu regnen, sodass dort niemand mehr Volleyball spielte. Trotzdem gebärdeten meine Töchter jeden Tag, an dem wir dort entlangliefen: "Junge Ball!" und ich antwortete: "Ja, dort haben die Jungs Ball gespielt." Zwei Wochen lang war dieser Dialog für meine Kinder interessant und ihnen wichtig, mir mitzuteilen, was sie dort gesehen hatten. Das ist doch nicht zu fassen, oder?

Auch interessante Einblicke in die kuriose Gedankenwelt meiner Kleinkinder hatte ich durch die Gebärden: Meine Töchter gebärdeten beim Anblick eines Posters, auf dem ein spitzer Bleistift zu sehen war, "Vogel", sie gebärdeten "Ball", als sie die Kugel vom Fernsehturm sahen. Das Logo des Oxfam-Shops in unserer Straße war für sie ein "Fisch" ...

Baby zeigt die Gebärde für horch
"Horch!"
Quelle: Zwergensprache GmbH

Mit ca. 14 Monaten hatten wir einen richtigen Gebärdenhöhepunkt mit etwa 100 aktiv gezeigten Gebärden, wobei einige sehr verschwommen gezeigt wurden und nur von uns, nicht von Fremden, erkannt wurden. Zu diesem Zeitpunkt mit ihnen durch die Stadt zu fahren, sah in etwa so aus: Meine Kinder saßen im Doppelkinderwagen und schauten sich die Welt an. Dabei hielten ihre Finger und Arme nie still. Sie gebärdeten: "Da, Flugzeug! Da, Blume. Da, Mann und Hund! Angst Hund! Mann Hut. Mann Tür. Schlüssel, schließen. Hund weg. Wo? Katze Fenster. Katze schläft. Da, Mädchen. Mädchen Fahrrad. Mädchen rot. Weg. Wo? Da, Schmetterling! Horch, Tatütata ..."

Manchmal führten sie regelrechte Gespräche miteinander. Am Frühstückstisch gebärdete eine Tochter "Avocado alle alle." und die andere antwortete altklug "Mama einkaufen!". Da waren sie knapp 13 Monate alt.

Wie führen wir "abstrakte" Gebärden ein?

Bei Gebärden für klassische Gegenstände wie "Nuckel", "Ball", "Puppe" ist es nicht schwer, sich vorzustellen, wie man diese dem Kind näherbringt. "Heiß" und "kalt" mag auch noch gehen, aber wie sieht es bei abstrakteren Begriffen aus? Wie ist es mit "gefährlich", "Angst" und "erschreckt"? Ganz einfach: Man macht es wie beim normalen Sprechen auch. Wenn ein Hund vorbeikam, habe ich gesagt: "Guck mal, da ist ein großer Hund!" und Hund habe ich gebärdet. Meist haben sich meine Kinder hinter meinen Beinen versteckt, also bin ich in die Hocke gegangen und habe gesagt: "Du hast Angst! Angst. Du sagst: Weg, Hund, weg!" Ich wollte, dass sie das seltsame Gefühl in ihrem Bauch mit einem Wort verbinden, weil ich es wichtig finde, dass Kinder ihre Gefühle ausdrücken können. Bald schon übertrugen sie die Gebärde "Angst" auf andere Situationen. In einem Spielcafé lag einmal ein roter Schneeanzug auf einem Stuhl und eine meiner Töchter weigerte sich strikt, dort hinzulaufen. Ich fragte sie, warum sie nicht weiterläuft, da gebärdete sie: "Angst. Da was?" Ich hob den Schneeanzug auf und sagte und gebärdete: "Es ist nur ein Schneeanzug." Da nickte sie erleichtert und ging weiter. Ich weiß bis heute nicht, was sie dachte, was es ist, aber immerhin konnte sie mir ihr Problem mit dem "Ding" mitteilen. Da war sie 14 Monate alt.

Baby zeigt die Gebärde für kaputt
"kaputt"
Quelle: Zwergensprache GmbH

"Kalt" war eine Rutsche im Winter, die meine Töchter anfassten. Im Sommer würde ich einfach "Eis" als "kalt" deklarieren. Auch Sachen aus dem Kühlschrank sind kalt. Man findet eigentlich immer genügend Beispiele, auch für "heiß". "Heiß" ist meiner Meinung nach eine wunderbar eindrückliche Gebärde, die ich oft nutzte, wenn sie dem Herd zu nahe kamen oder meine Teetasse anfassen wollten. Wenn sie hingefallen sind und geweint haben, habe ich gesagt: "Du hast dich erschreckt! Erschreckt! Du bist hingefallen." und habe sie dann getröstet. Immer wenn ein anderes Kind geweint hat, habe ich gesagt und gebärdet: "Das Baby weint. Es ist traurig."

Schwieriger war es bei der Gebärde "gefährlich". Ich habe sie zunächst im Straßenverkehr eingesetzt und habe, wenn wir an einer Straße ankamen, gebärdet: "Die Straße ist gefährlich! Allein rübergehen ist verboten. Du darfst nur an Mamas Hand rübergehen." Nach und nach schlich es sich aber ein, dass ich die "gefährlich"-Gebärde immer stärker durch "verboten" ersetzte. Mir war einfach wichtig, dass sie verstehen, dass sie an bestimmte Dinge nicht herandürfen wie Steckdosen, Straßen und den Herd zum Beispiel, deshalb reduzierte ich an dieser Stelle auf das Wesentliche.

Für die Bezeichnung von Mama, Papa, Oma, Opa etc. gibt es natürlich ganz normale Gebärden und die Einführung dürfte nicht schwerfallen. Ich selbst fand jedoch, dass mein "Mama" für meine Kinder etwas anderes sein sollte als der Begriff "Mama" für die Mutter eines anderen Kindes. Deshalb habe ich mir eigene Namensgebärden ausgedacht, die eine Eigenschaft der betreffenden Person aufzeigten. Ich selbst habe rote Haare, deshalb legte ich, wenn ich "Mama" sagte, meinen Zeigefinger zuerst auf die Lippen ("rot") und dann auf die Haare. Die Oma meiner Kinder hat die allertollste weiche Oma-Haut dieser Welt, deshalb bekam sie als Namensgebärde die Geste für "Samt". Meine Kinder haben, sehr richtig übrigens, ihr noch eine zweite Gebärde gegeben: die für "Essen". Immer, wenn wir dort sind, kocht die Oma für uns nämlich sehr leckere Gerichte, etwas, was meine Kinder wohl positiv beeindruckt hat. Der Onkel hat einen Vollbart, daher bekam er die Gebärde "Vollbart". Oft gebärdeten meine Kinder noch "Buch" nach dem "Vollbart" und ja, der Onkel liest sehr gerne vor. Der Opa hat einen Dreitagebart, daher gebärdeten wir, wenn wir "Opa" aussprachen, "kratzig" dazu. Die nette Monique, die unseren Turnkurs leitete, bekam die Geste als Gebärde, die sie immer am Anfang jedes Kurses mit den Händen machte. Diese Gebärde war auch tatsächlich eine der ersten, die meine Kinder zeigten. Ganz offensichtlich ist ihnen Monique wichtig genug gewesen, um sie in den Wortschatz aufzunehmen.

Helfen Gebärden, Trotzanfälle zu verringern?

Bei uns zumindest schon. Wir sind im Alter von 12 bis 18 Monaten eigentlich nie in den Genuss dieser ersten kleinen Wutanfälle aufgrund von Sprachbarrieren gekommen. In den allermeisten Fällen konnten wir das Problem gleich gestisch lösen. Ob Babygebärden Wutanfälle generell reduzieren, lässt sich daraus natürlich nicht ableiten. Für uns persönlich haben sie aber viele Missverständnisse verhindert.

Da lief z. B. eine unserer Töchter mit 13 Monaten in eine völlig andere Richtung als wir und ich fragte sie: "Wo willst du denn nur hin?" – "Brot einkaufen!" gebärdete sie zurück und ich verstand endlich, warum sie partout nicht in unsere Richtung wollte. Denn der Weg, den sie eingeschlagen hatte, führte tatsächlich zum Bäcker.

Babygebärden für die Frage Willst du einen Keks
"Willst du einen Keks?"
Quelle: Zwergensprache GmbH

Das einzige Mal, als wirklich ein Sprachproblem vorlag, war, als eine meiner Töchter "Keks" gebärdete und dann einen riesigen Trotzanfall erlitt, als ich ihr tatsächlich einen Keks geben wollte. Sie hatte nämlich zwar "Keks" gebärdet, wollte aber eigentlich die gerade eingekaufte Banane! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schnell ich danach sämtliche Gebärden für verschiedenes Essen und Trinken eingeführt habe!

Auch sprachliche Missverständnisse konnten wir mithilfe der Gebärden schnell auflösen. Eines meiner Kinder und ich guckten uns ein Bilderbuch an. Ich fragte ohne Gebärde, da ich das Buch in der Hand hielt: "Kannst du mir das Boot zeigen?" Meine Tochter guckte aufs Buch, runzelte die Stirn und fragte mit Gebärde nach: "Brot???" Ich musste erst einmal herzhaft auflachen, schüttelte dann den Kopf und gebärdete "Boot". Schon konnte sie mir das gewünschte Bild zeigen. Auch als wir einmal spazieren gingen, kam es zu einem Missverständnis. Meine zweite Tochter hat einen totalen Schuhtick und als wir an einer Schule vorbeigingen, erklärte ich ihr: "Das ist eine Schule. Viele Kinder lernen hier." Verdutzt drehte sich mein Kind vom Buggy aus nach mir um und gebärdete: "Schuhe"? – "Nein, Püppchen, Schule."

Haben Gebärden einen positiven oder negativen Einfluss auf das Lautsprachelernen?

Oft wird von skeptischen Großeltern gefragt, ob die Gebärden auf das Lautsprachelernen negativen Einfluss haben, also ob die Kinder deshalb nicht vielleicht später mit dem Sprechen beginnen, da sie sich ja verständigen können. Die Forschung liefert keinen Beleg dafür, dass Babygebärden bei hörenden, sich typisch entwickelnden Kindern den Spracherwerb beschleunigen. Es gibt aber auch keinen überzeugenden Hinweis darauf, dass der begleitende Einsatz von Gebärden die Lautsprachentwicklung verzögert.

Bei uns war das jedenfalls nicht so. Meine verbal fitte Tochter hat die Gebärden zwar benutzt, fing aber schon mit 13 Monaten an, die unglaublichsten Wörter auszusprechen. Sie sammelte richtiggehend Wörter, am liebsten dreisilbige. Meine motorisch fitte Tochter hat die Gebärden dagegen richtig gebraucht, es fiel ihr viel schwerer, mit dem Mund Sachen nachzusprechen. Aber auch diese Tochter hat mit 18 Monaten ganz normal angefangen zu sprechen und zwar gleich mit Zwei-Wort-Sätzen, da sie das mit den Gebärden ja auch schon getan hatte. Ihre Aussprache war altersgemäß verwaschen. Sie sagte bei der U7 Sätze wie "Güne Wosch weg!" ("Der grüne Frosch ist weg.") und hatte insgesamt einen Sprachwortschatz von ca. 250 Wörtern inklusive Drei-Wort-Sätzen.

Dazu muss jedoch gesagt werden, dass sie mit 22 Monaten nur einen Wortschatz von 20 Wörtern, mit 23 Monaten von 50 Wörtern hatte und die 200 zusätzlichen Vokabeln innerhalb der letzten vier Wochen vor ihrem zweiten Geburtstag dazukamen. Manche ihrer Wörter waren auch Eigenkreationen, wie "Bui" für Rutschen, "Aate" für Schaukeln oder das allseits bekannte "Mnjamnjam" für Essen. Unsere Kinderärztin aber sagte, dass diese Ersatzwörter dazugezählt werden, wenn sie immer für den gleichen Gegenstand benutzt werden. Meine sprachlich fitte Tochter hatte laut Ärztin bei der U7 ein Sprachvermögen einer 3,5-Jährigen. Ihren Wortschatz konnten wir nicht mehr zählen und sie sprach sehr lange, verschachtelte Sätze in perfekter Aussprache.

Mit 23 Monaten sagte sie zum Beispiel nach dem Martins-Umzug: "Den Mann und den Pferdchen haben wir hinter uns gelassen!" und beim Zähneputzen philosophierte sie mit 24 Monaten: "Man muss nämlich immer die Zahnmännlein wegputzen. Die heißen Bakterien." Sie hätte die Gebärden ganz sicher nicht gebraucht, aber geschadet haben sie ihr auch nicht. Für meine andere Tochter dagegen waren die Gebärden ein Segen und für mich als ihre Mama auch. Sonst hätte ich so viele kluge, manchmal aberwitzige Gedanken verpasst, die sie verbal noch nicht äußern konnte, aber die schon so lange in ihr drinsteckten. Ich hätte ein ganz anderes Bild von meiner Tochter gehabt, da bin ich ganz sicher. Ich hätte viel von ihrem Potenzial nicht erkannt, hätte sie vielleicht sogar für weniger schlau als ihre Schwester gehalten.

Die Gebärden verschwanden übrigens so nach und nach. Jedes Wort, welches sie in der Lautsprache lernten, wurde als Gebärde fast sofort abgelegt. Lediglich "Angst" und "kalt" wurden noch eine Weile gesprochen und gebärdet und manchmal, wenn sie den Mund voll mit Brötchen hatten und deshalb nicht artikulieren konnten, gebärdeten sie noch "trinken" als Aufforderung an mich. Auch das energische "Milch!" wurde noch bis ich abstillte in der Nacht gebärdet, dann aber abgelegt.

Ein wenig wehmütig macht mich das Verschwinden der Gebärden durchaus. Es war eine tolle, viel zu kurze Zeit, die mich meinen Kindern nähergebracht hat, als ich gedacht hätte und die mir einen Zugang zum Reichtum ihrer Gedanken verschaffte. Beim nächsten Kind gebärde ich auf jeden Fall wieder, vielleicht besuche ich dann sogar einen Baby-Gebärden-Kurs. Ich freue mich schon drauf.

Baby zeigt die Gebärde für schlafen
"schlafen"
Quelle: Zwergensprache GmbH

Literatur

Acredolo, L.; Goodwyn, S.: Baby Signs. How to Talk to Your Baby Before Your Baby Can Talk.

Johnston, J. C.; Durieux-Smith, A.; Bloom, K. (2005): Teaching gestural signs to infants to advance child development: A review of the evidence. First Language, 25 (2), 235–251.

Kirk, E.; Howlett, N.; Pine, K. J.; Fletcher, B. C. (2013): To Sign or Not to Sign? The Impact of Encouraging Infants to Gesture on Infant Language and Maternal Mind-Mindedness. Child Development, 84 (2), 574–590.

Butz, B.: Singen, Spielen, Erzählen mit Kindergebärden

Gericke, W.: babySignal – Mit den Händen sprechen: Spielerisch kommunizieren mit den Kleinsten

Grewing, S.: Let's talk Wonneproppen

Kestner, K.: Tommys Gebärdenwelt 1

Kestner, K.: Tommys Gebärdenwelt 2

Kestner, K.: Tommys Gebärdenwelt 3

König, V.: Das große Buch der Babyzeichen: Mit Babys kommunizieren bevor sie sprechen können

König, V.: Das Teddybuch zur Zwergensprache

Babygebärden und Zwergensprache

© Danielle

Warum Kleinkinder nicht teilen wollen - und warum wir sie nicht dazu zwingen sollten

Vollkommen unbeachtet liegt eine Schaufel im Sandkasten. Marie sieht sie, nimmt sie und beginnt hingebungsvoll zu buddeln. "MEINE!!! Das ist MEINE Schaufel!" schallt es plötzlich theatralisch über den Spielplatz. Leo reißt panisch sein Spielzeug an sich, Tränen schießen ihm in die Augen. Hilfe suchend wendet er sich an seine Mutter. Er will die Schippe nicht hergeben, auf gar keinen Fall, schließlich gehört sie ihm! Maries Vater eilt herbei, fest entschlossen, den ungehörigen Egoismus verbal zu strafen, wendet er sich an sein Kind: "Waaas? Du darfst die nicht haben? Da hat wohl jemand noch nicht teilen gelernt! Komm, mit solchen Kindern möchte doch keiner spielen. Wir gehen, da hinten teilen die Kinder sicher gerne."

Kinder streiten auf dem Spielplatz um eine Schaufel

Früher oder später erlebt jedes Elternteil eine solche Situation und ist zunächst oft überrascht von der heftigen Vehemenz des eigenen Kindes. Was wäre denn jetzt die richtige "erzieherische Reaktion"? Das Kind jedenfalls scheint zu absolut keiner Kooperation bereit, aber auch wenn jede Intervention zum Scheitern verurteilt sein wird, muss man doch irgendetwas tun!? Keinesfalls soll das eigene Kind als unsozial oder gar die Mutter als inkompetent gelten, also sagen wir vielleicht ganz zaghaft: "Ach komm, Leo, Du kannst doch Dein Spielzeug auch mal teilen! Du bekommst es doch zurück." Gelegentlich, um dann doch noch etwas Souveränität zu demonstrieren, wird dem Kind das Spielzeug entrissen und demonstrativ dem anderen Kind gegeben oder, auch häufig, bei anhaltender Teilverweigerung als "logische Konsequenz" für das Fehlverhalten Kind und Spielzeug geschnappt und sich schämend vom Spielplatz verabschiedet.

Warum Kinder nicht teilen wollen

Die Wahrheit ist auf den ersten Blick simpel: Für kleine Kinder ist es vollkommen normal, den eigenen Besitz vehement zu verteidigen. Uns Erwachsenen ist ein solches Verhalten oft unangenehm. Den meisten Eltern ist bei ihrer Erziehung wichtig, dass ihre Kinder sich sozial, empathisch und großzügig verhalten.

Warum kleine Kinder ihren Besitz häufig so energisch verteidigen, lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Aus evolutionspsychologischer Sicht kann man beispielsweise vermuten, dass es für unsere Vorfahren durchaus sinnvoll war, wichtige Ressourcen nicht bereitwillig aus der Hand zu geben. Nahrung, Werkzeuge und die Aufmerksamkeit der Bezugspersonen waren schließlich wertvoll. Dass Kinder Besitz mitunter ausgesprochen ernst nehmen, könnte also auch mit sehr alten Verhaltensmustern zusammenhängen.

Solche evolutionären Erklärungen bleiben allerdings Erklärungsmodelle. Sicher wissen wir, dass sich das Verständnis von Besitz, Fairness und Teilen im Laufe der Kindheit erheblich entwickelt. Kleine Kinder können durchaus schon früh hilfsbereit und großzügig sein, trotzdem fällt es ihnen in vielen Situationen schwer, etwas herzugeben, das ihnen gerade wichtig ist.

Jeder teilt ungern!

Für uns ist auf den ersten Blick unverständlich, warum sich die Kinder beim Teilen so "anstellen". Schließlich handelt es sich in der Regel um robustes, wenig wertvolles Spielzeug. Wir wissen, dass es nach kurzer Zeit zurückgegeben wird, es kann vermutlich nicht kaputtgehen und ein Verlust ist unwahrscheinlich. Wo also liegt das Problem für unser Kind? Für uns selbst jedenfalls wäre es unter diesen Voraussetzungen selbstverständlich unproblematisch, auch mal einen Buddeleimer zu teilen. Schließlich wissen wir, dass Teilen etwas Gutes ist, etwas, das uns soziale Anerkennung verschafft und anderen Freude macht. Wir haben teilen "gelernt", wir teilen oft und meistens gerne...

Tatsächlich?

Wie gerne und wie oft teilst Du eigentlich ;-)? Wie sieht es denn beispielsweise so bei den Steuern aus? Du teilst Dein Einkommen zum Gemeinwohl, aber zahlst Du die Steuern wirklich bereitwillig und gerne? Würde ein Steuersystem auf freiwilliger Basis funktionieren, in dem jeder so viel abgibt, wie er zu teilen bereit ist? Und die Sozialabgaben? Natürlich ist einem bewusst, dass ein soziales System nur so funktioniert. So richtig gerne teilt man also offenbar nicht immer.

Oder stell Dir mal folgende Situation vor: Du sitzt beim Arzt im Warteraum, es dauert mal wieder ewig. Plötzlich kommt ein völlig Fremder zu Dir, greift nach Deiner Tasche und setzt sich damit wortlos wieder auf seinen Platz, um dann in aller Ruhe den Inhalt interessiert zu inspizieren. Auf Deine verständliche Empörung reagiert er ganz gelassen mit: "Nun stellen Sie sich nicht so an, Sie kriegen das doch wieder. Ich suche nur ein Telefon, ich muss mal schnell daheim anrufen. Man muss doch auch mal teilen lernen!"

Kind verteidigt sein Spielzeug gegenüber einem anderen Kind

Nun mag man möglicherweise einwenden, dass der Vergleich hinkt, doch ist dem denn so? Meinen Besitz möchte ich nicht mit anderen Menschen teilen, zumindest nicht überrumpelt und ungefragt. Von meinem Kind jedoch erwarte ich, dass es seine Besitztümer großzügig anderen zur Verfügung stellt, schließlich ist es "nur" Spielzeug.

Dabei wird jedoch vergessen, dass das, was für uns "nur" Spielzeug ist, für das Kind einen ganz anderen Stellenwert hat. Es ist schließlich sein Spielzeug. Sein Besitz. Gerade in den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Verständnis dafür, wem etwas gehört und was "meins" und "deins" eigentlich heißt. Wenn einem Kind etwas einfach weggenommen wird, kann sich das entsprechend bedrohlich anfühlen.

Vermutlich hättest Du kein Problem damit gehabt, wenn der Fremde zu Dir gekommen wäre und höflich gefragt hätte, ob Du ihm Dein Handy kurz leihen könntest, weil er dringend zu Hause anrufen müsste. Denn Du hättest gewusst: Ich bekomme es unbeschadet wieder. Für unsere Kinder sind die ersten Situationen, in denen von ihnen erwartet wird zu teilen, jedoch häufig eher so wie die vorher beschriebene: Jemand, oft ein unbekanntes Kind, kommt, greift sich einfach etwas und spielt damit los.

Dem Kind fehlt je nach Alter und Erfahrung noch die Sicherheit, dass es die Dinge tatsächlich wiederbekommen wird. Meist sind auch die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten noch begrenzt, sodass das primäre Ziel erst einmal darin besteht, den Besitz lautstark zu verteidigen. Logische Argumente wie "Du bekommst es doch gleich wieder" helfen in diesem Moment oft wenig.

Wie entwickelt sich die Bereitschaft zu teilen?

Kinder können schon sehr früh prosoziales Verhalten zeigen und auch freiwillig etwas abgeben. Wie bereitwillig sie teilen, hängt jedoch stark von der Situation ab: Wem gehört der Gegenstand? Wie wichtig ist er dem Kind? Mit wem soll geteilt werden? Und hat das Kind selbst genug?

Experimente zur Entwicklung von Fairness zeigen, dass sich das Verhalten im Laufe der Kindheit deutlich verändert. In einer viel zitierten Studie von Fehr, Bernhard und Rockenbach aus dem Jahr 2008 entschieden sich jüngere Kinder bei der Verteilung von Ressourcen häufiger für die für sie selbst günstigere Variante. Mit zunehmendem Alter wurden faire Verteilungen deutlich häufiger gewählt.

Solche Experimente zeigen allerdings keine feste Altersgrenze, ab der Kinder plötzlich "teilen können". Schon jüngere Kinder teilen unter bestimmten Bedingungen freiwillig. Mit zunehmendem Alter werden Vorstellungen von Fairness, Besitz und den Bedürfnissen anderer differenzierter.

Wie lernen Kinder teilen?

Ich empfehle, die Kinder erst einmal machen zu lassen, solange niemand überfordert wird oder körperlich unterlegen ist. Je häufiger wir vorschnell einschreiten, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir immer und immer wieder als Richter fungieren müssen. Kinder können viele Auseinandersetzungen ohne eine fertige Lösung von Erwachsenen klären, vor allem, wenn sie ungefähr gleich stark sind. Selbst Lösungen zu finden und Einigungen zu erzielen stärkt außerdem das Selbstvertrauen.

Wir haben das grundsätzliche Bedürfnis, unsere Kinder zu schützen, daher versuchen wir alles zu vermeiden, das sie in einem schlechten Licht dastehen lassen könnte. Wir fürchten, die anderen Kinder könnten dann nicht mehr mit ihm spielen wollen, wenn es sich so vermeintlich unsozial benimmt. Doch betrachtet man die Situation aus Kindersicht, ist die Weigerung, ein begehrtes Spielzeug abzugeben, keineswegs außergewöhnlich.

Es gibt Kinder, die schon als Kleinkind unaufgefordert teilen. Andere verteidigen gerade ihr Lieblingsspielzeug sehr entschieden. Daraus lässt sich nicht ohne Weiteres ableiten, welches Kind sozialer oder empathischer ist. Ein Kind gibt vielleicht problemlos Dinge ab, die ihm nicht besonders wichtig sind, während das Lieblingsauto unter keinen Umständen geteilt werden soll. So entsteht schnell der Eindruck, andere Kinder würden sich viel großzügiger verhalten als die eigenen.

Die anderen Kinder finden das Benehmen unseres Kindes wahrscheinlich häufig weder außergewöhnlich noch befremdlich. Würde man also zu ihnen sagen: "Tut mir leid, Leo will dieses Spielzeug gerade nicht abgeben", ist das eine völlig legitime Grenze.

Kinder spielen gemeinsam mit Spielzeug

Warum aber sehen wir uns dennoch gezwungen, in solchen Situationen einzugreifen und das Kind vom Teilen zu überzeugen? Weil "Teilen können" im Allgemeinen als Erziehungsziel betrachtet wird, als etwas, das dem Kind aktiv beigebracht werden muss. Verweigert das Kind das Teilen, haben wir schnell das Gefühl, dass das ein schlechtes Licht auf uns wirft und den Eindruck erweckt, wir würden "nicht genug" oder "nicht richtig" erziehen.

Dabei ist die Bereitschaft zu teilen auch ein Entwicklungsprozess. Kinder müssen Erfahrungen mit Besitz, Abgeben, Zurückbekommen, Tauschen und den Bedürfnissen anderer machen. Empathische Fähigkeiten können dabei helfen, die Perspektive des anderen Kindes besser zu verstehen, sind aber nicht die Voraussetzung dafür, dass ein Kind überhaupt teilen kann.

Es ist daher sinnvoll, Kinder bei der Verteidigung ihrer Besitztümer zu unterstützen. Sie sollten das Gefühl haben, dass ihre Grenzen und ihre Bedürfnisse geachtet werden. Meine Erfahrung ist: Je sicherer Kinder wissen, dass sie nicht zum Teilen gezwungen werden, desto leichter fällt es ihnen häufig, etwas freiwillig abzugeben.

In Gesellschaft anderer Kinder machen sie außerdem die Erfahrung, dass Teilen und Tauschen Vorteile haben können. Schon kleine Kinder entwickeln Strategien wie das Anbieten von Tauschobjekten: "Du bekommst den Bagger, ich nehme dafür das Auto."

Wer diesen Entwicklungsprozess aktiv unterstützen möchte, muss das Kind nicht in jeder geeigneten Situation zum Teilen anhalten. Sinnvoller finde ich es, Teilen vorzuleben und über die beteiligten Bedürfnisse zu sprechen. Auch Spiele, bei denen sich abgewechselt wird, bieten solche Erfahrungen. Beim Essen kann man das Teilen ganz selbstverständlich kommentieren: "Hier, ich teile mit Dir meine Banane." Selbst kleine Kinder haben häufig große Freude daran, Mama oder Papa etwas von ihrem Essen abzugeben und die Reaktion darauf zu beobachten.

Es gibt auch Kinderbücher zum Thema, zum Beispiel Piepvögelchen und der Mariechenkäfer: haben Geburtstag, Beste Freunde teilen alles, Buddy Bär, Camille will ihr Spielzeug nicht teilen, Teilen macht Spaß oder Fabian teilt mit Marie – Geschichten vom Behalten und Abgeben.

Geschwister und das Teilen

Das Teilen ist ein häufiger Gegenstand geschwisterlicher Rivalitäten.

Um Streitereien um Spielzeug einzugrenzen, habe ich seit der Geburt des Geschwisterchens strategisch das "persönliche Eigentum" an Dingen bei uns ausgeglichen und eingeschränkt. Um zunächst eine faire Ausgangsbasis zu schaffen, habe ich das Babyspielzeug, für das unsere Tochter zu alt geworden war, konsequent weggeräumt. Als ich es nach der Geburt des Bruders wieder hervorgeholt hatte, hatte sie schon vergessen, dass es eigentlich "ihr Spielzeug" war, wodurch zunächst persönlicher Besitz für den Bruder geschaffen wurde. Babyspielzeug kann für größere Kinder plötzlich wieder sehr attraktiv werden, vor allem, wenn es lange nicht verfügbar war und daher quasi neu ist. So hatte der kleine Bruder eine ganze Masse Tauschobjekte, wenn er an babytauglichen Spielzeugen der Großen interessiert war.

Wenn meine Tochter mit dem Spielzeug ihres Bruders spielen wollte, habe ich sie gebeten, ihn zu fragen, ob sie das darf. Ich habe dann als "Übersetzer" fungiert und seine Regungen als "Ja" oder auch mal als "Nein, will er selber haben" übersetzt. So hat sie zunächst ein Gefühl dafür bekommen, dass man nicht einfach zugreifen kann. Außerdem verstand sie, dass man ablehnende Entscheidungen treffen darf und diese respektiert werden.

Wenn der kleine Bruder nach einem ihrer Spielzeuge griff, habe ich stellvertretend für ihn gefragt und ihre Entscheidung respektiert. Je sicherer sie wurde, dass sie weder überredet noch zum Teilen gezwungen werden würde, desto generöser wurde sie bei der Herausgabe ihrer Sachen. Wenn sie das Spielzeug nicht abgeben wollte, bat ich sie darum, eine Alternative anzubieten. Das hat bei uns fast immer funktioniert.

Sachen, die im Laufe der Zeit angeschafft wurden, habe ich immer explizit als "für euch beide" bezeichnet. Weihnachten war mein Sohn gerade zwei Wochen alt, Oma und Opa wollten meiner knapp Dreijährigen einen Kaufmannsladen schenken. Ich bat sie, ihn ausdrücklich beiden Kindern zu schenken. Natürlich konnte zuerst nur meine Tochter das Geschenk wirklich benutzen, doch nach und nach entwickelte auch ihr Bruder Interesse. Dadurch, dass es von Anfang an explizit beiden gehörte, hat es nie Streit darum gegeben.

Ich habe auch weiterhin Spielzeug, aus dem das größere Kind herausgewachsen war, weggeräumt und später als gemeinsames Spielzeug wieder hervorgeholt. Anders natürlich bei persönlichen Geschenken, etwa zum Geburtstag: Die sollen und dürfen die Kinder als ihr Eigentum betrachten und entsprechend darüber bestimmen.

Bei uns haben sich folgende Regeln im Alltag bewährt: Gehört jemandem etwas persönlich, dann darf derjenige auch darüber bestimmen. Für Gemeinschaftsbesitz gilt: Wer es zuerst hatte, darf damit spielen. Sobald das Spielzeug abgelegt und etwas anderes bespielt wird, kann man sich nicht mehr auf "Aber ich hatte das zuerst!" berufen.

Noch ein Tipp: Geschwister reagieren oft empfindlich auf vermeintliche Ungerechtigkeit bei der Teilung von Dingen: "Sein Stück ist aber größer als meins!" Um das zu vermeiden, kann man die Regel "Einer teilt, einer sucht aus" einführen. Ein Kind bekommt die Aufgabe, das begehrte Gut zu teilen, das andere darf sich zuerst ein Stück aussuchen. Das motiviert ziemlich zuverlässig dazu, möglichst gerecht zu teilen.

Fazit

Kinder müssen nicht zum Teilen gezwungen werden. Die Fähigkeit dazu zeigt sich schon früh, die Bereitschaft, den eigenen Besitz abzugeben, hängt aber stark von Alter, Situation, Gegenstand und beteiligten Personen ab. Vorstellungen von Fairness und die Fähigkeit, die Perspektive anderer einzubeziehen, entwickeln sich über viele Jahre weiter.

Wir können diesen Prozess unterstützen, indem wir Teilen vorleben, die Grenzen unserer Kinder respektieren und ihnen Erfahrungen mit Tauschen, Abwechseln, Abgeben und Zurückbekommen ermöglichen. Ein Kind darf trotzdem entscheiden: "Das ist meins und ich möchte es gerade nicht hergeben."

Quellen und weiterführende Literatur

Fehr, Ernst; Bernhard, Helen; Rockenbach, Bettina: Egalitarianism in young children. Nature 454, 2008, S. 1079–1083.

González, Carlos: In Liebe wachsen.

Renz-Polster, Herbert: Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt.

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Tragetuch für Babys -welches ist das richtige und worauf muss man beim Tragen achten?

Viele Babys mögen es, nah am Körper ihrer Eltern getragen zu werden. Sie spüren Wärme und Bewegung, hören vertraute Stimmen und sind mitten im Familienalltag dabei. Für Eltern hat das Tragen einen sehr praktischen Vorteil: Die Hände bleiben frei und Treppen, öffentliche Verkehrsmittel oder Wege, die mit einem Kinderwagen mühsam wären, lassen sich leichter bewältigen.

Ein Tragetuch kann von Geburt an verwendet werden, wenn es zum Kind passt und richtig gebunden wird. Dabei ist weniger entscheidend, ob ein bestimmtes Modell besonders teuer oder aufwendig gewebt ist. Wichtiger sind eine sichere Position, freie Atemwege, eine gute Unterstützung des kindlichen Körpers und ein Tuch, mit dem sich die tragende Person wohlfühlt.

Mutter trägt ihr Baby in einem Tragetuch

Gerade in den ersten Wochen lassen sich viele Babys nicht gerne ablegen. Tragen kann dann Nähe ermöglichen und Eltern trotzdem etwas Bewegungsfreiheit verschaffen. Auch bei unruhigen Babys kann sanftes Tragen beruhigend wirken. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt das Tragen im Tuch ausdrücklich als eine Möglichkeit, ein Baby zu beruhigen.

Welches Tragetuch eignet sich für ein Neugeborenes?

Sowohl gewebte als auch elastische Tragetücher können für Neugeborene geeignet sein. Entscheidend ist, dass das verwendete Tuch für das Gewicht und Alter des Kindes vorgesehen ist und so gebunden wird, dass es den Körper des Babys sicher stützt.

Elastische Tragetücher empfinden viele Eltern am Anfang als angenehm, weil sich das weiche Material eng an Baby und Körper anschmiegt. Je nach Modell müssen sie mehrlagig gebunden werden. Bei zunehmendem Gewicht kann ein elastisches Tuch für die tragende Person weniger komfortabel werden.

Ein gewebtes Tragetuch ist weniger dehnbar und kann bei korrekter Bindung bereits ein Neugeborenes sehr gut stützen. Es lässt sich über einen langen Zeitraum verwenden und bietet zahlreiche Bindeweisen. Dafür braucht das Binden anfangs meist etwas mehr Übung.

Wer ein elastisches Modell ausprobieren möchte, findet beispielsweise elastische Tragetücher bei Amazon. Gewebte Modelle gibt es beispielsweise von Didymos oder Hoppediz.

Wie lang sollte ein Tragetuch sein?

Die passende Länge hängt von der Körpergröße beziehungsweise Konfektionsgröße der tragenden Person und von der gewünschten Bindeweise ab. Ein sehr langes Tuch ist nicht automatisch besser. Überschüssiger Stoff kann beim Binden sogar störend sein.

Wer hauptsächlich die Wickelkreuztrage binden möchte, braucht beispielsweise mehr Tuch als für viele Hüft- oder Rückentrageweisen. Tragen mehrere Personen mit sehr unterschiedlicher Körpergröße dasselbe Tuch, kann eine mittlere bis größere Länge praktisch sein.

Hersteller kennzeichnen gewebte Tücher häufig mit Größen. Welche Größe für welche Bindeweise passt, unterscheidet sich etwas zwischen den Herstellern. Deshalb lohnt sich vor dem Kauf ein Blick in deren aktuelle Größentabellen.

Welches Material ist für ein Tragetuch geeignet?

Viele klassische Tragetücher bestehen aus Baumwolle. Sie ist pflegeleicht, belastbar und deshalb für Einsteiger oft eine unkomplizierte Wahl.

Daneben gibt es Mischgewebe mit Leinen, Hanf, Wolle, Seide oder anderen Fasern. Solche Mischungen verändern vor allem das Tragegefühl, die Dicke, die Griffigkeit und die Pflegeeigenschaften des Tuches. Ein bestimmtes Material ist jedoch nicht grundsätzlich ergonomischer oder sicherer als ein anderes.

Leinen und Hanf können beispielsweise bei schwereren Kindern angenehm sein, weil entsprechende Tücher oft fest und tragfähig wirken. Wollmischungen können weich und temperaturausgleichend sein, brauchen aber meist eine vorsichtigere Pflege. Bei Seide und anderen empfindlichen Fasern sollte man sich ebenfalls genau an die Pflegehinweise des Herstellers halten.

Für den Einstieg ist deshalb weniger die möglichst besondere Materialmischung entscheidend als die Frage: Lässt sich das Tuch gut festziehen, fühlt es sich angenehm an und komme ich mit ihm zurecht?

Welche Webart sollte ein Tragetuch haben?

Gewebte Tragetücher werden so hergestellt, dass sie sich dem Körper von Baby und tragender Person anpassen und trotzdem stabil bleiben. Häufig findet man Kreuzköper-, Diamantköper- oder Jacquard-Webungen.

Aus der Bezeichnung der Webart allein lässt sich jedoch nicht ableiten, ob ein Tuch gut oder schlecht ist. Material, Flächengewicht, Verarbeitung und persönliche Vorlieben spielen ebenfalls eine Rolle. Für Eltern ist deshalb meist wenig gewonnen, wenn sie versuchen, anhand der Webtechnik allein die Qualität eines Tuches zu beurteilen.

Verschiedene Webarten von Tragetuchstoffen

Welche Marken sind bei Tragetüchern empfehlenswert?

Die Auswahl an guten Tragetüchern ist groß. Statt eine Marke pauschal als die beste zu bezeichnen, würde ich auf einen etablierten Hersteller, nachvollziehbare Material- und Pflegeangaben und eine ausführliche Bindeanleitung achten.

Zu den bekannten Herstellern gehören beispielsweise Didymos, Hoppediz, Storchenwiege und Kokadi. Auch andere Hersteller bieten geeignete Tücher an.

Beim Kauf lohnt sich außerdem ein Blick auf gebrauchte Tragetücher. Ein gut gepflegtes gewebtes Tuch verliert durch die Benutzung nicht automatisch an Qualität. Manche werden sogar weicher und lassen sich dadurch angenehmer binden.

Wie bindet man ein Tragetuch richtig?

Das Binden eines Tragetuchs sieht komplizierter aus, als es nach etwas Übung ist. Trotzdem lohnt es sich, die gewählte Bindeweise einmal gründlich zu lernen. Eine Trageberatung kann dabei sehr hilfreich sein, insbesondere bei einem Neugeborenen, bei Frühgeborenen, körperlichen Besonderheiten des Kindes oder wenn das Tragen Schmerzen verursacht.

Wer anhand einer Anleitung übt, kann zunächst eine Puppe oder ein Stofftier verwenden. Beim Baby selbst sollte das Binden in Ruhe geschehen. Anschließend wird immer kontrolliert, ob das Kind sicher sitzt und problemlos atmen kann.

Welche Bindeweise geeignet ist, hängt von Alter und Entwicklung des Kindes, vom verwendeten Tuch und von der Erfahrung der tragenden Person ab. Eine häufig genutzte Variante für kleine Babys ist die Wickelkreuztrage.

Die wichtigsten Sicherheitsregeln beim Tragen

Bei einem Baby, besonders bei einem Neugeborenen, stehen die Atemwege an erster Stelle. Das Gesicht muss jederzeit sichtbar und frei sein. Nase und Mund dürfen weder vom Tuch noch von Kleidung oder vom Körper der tragenden Person verdeckt werden.

Das Baby sollte eng genug am Körper sitzen, dass es nicht in sich zusammensackt. Der Kopf befindet sich so hoch, dass die tragende Person ihn bequem küssen kann. Das Kinn darf nicht dauerhaft auf die Brust gedrückt werden, weil eine stark gebeugte Kopfhaltung die Atmung behindern kann.

Solange das Baby seinen Kopf noch nicht sicher selbst halten kann, braucht es eine zuverlässige Unterstützung von Kopf und Nacken. Auch der Rücken muss gut gestützt sein. Das Tuch sollte deshalb straff genug gebunden werden, ohne das Kind in eine unnatürliche Position zu pressen.

Ein hilfreicher kurzer Sicherheitscheck lautet:

  • Das Baby sitzt eng am Körper.
  • Sein Gesicht ist jederzeit sichtbar.
  • Nase und Mund sind frei.
  • Das Baby sitzt hoch genug, um sein Köpfchen küssen zu können.
  • Das Kinn liegt nicht auf der Brust.
  • Rücken und bei kleinen Babys auch Kopf und Nacken sind ausreichend gestützt.

Wie sollten die Beine im Tragetuch sitzen?

Für die Hüftentwicklung ist eine gebeugte und leicht gespreizte Beinhaltung günstig. Die Knie befinden sich dabei ungefähr auf Höhe des Pos oder etwas höher, die Oberschenkel werden unterstützt. Von hinten erinnert die Haltung an ein "M". Häufig wird sie als Anhock-Spreiz-Haltung bezeichnet.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie weist darauf hin, dass richtig gebundene Tragetücher und geeignete Tragehilfen diese hüftfreundliche Position unterstützen können. Dabei sollten die Beine nicht starr in einen bestimmten Winkel gezwungen werden. Entscheidend ist eine natürliche, altersgerechte Haltung.

Baby in einer hüftfreundlichen Haltung im Tragetuch

Bei einer diagnostizierten Hüftdysplasie ersetzt das Tragen allerdings keine medizinische Behandlung. Dann sollte mit der behandelnden Kinderorthopädie geklärt werden, wie und in welcher Position das Kind getragen werden kann.

Sollte das Baby nach vorne schauen?

Bei kleinen Babys ist die dem Erwachsenen zugewandte Position die sinnvollste. Sie erleichtert eine stabile Körperhaltung und eine hüftfreundliche Position und die tragende Person kann Gesicht und Atemwege gut beobachten.

Das International Hip Dysplasia Institute empfiehlt insbesondere während der ersten sechs Lebensmonate das Tragen mit dem Gesicht zum tragenden Erwachsenen, weil sich die Hüften in dieser Zeit besonders stark entwickeln.

Ein Baby muss außerdem nicht nach vorne getragen werden, um seine Umwelt kennenzulernen. Mit zunehmender Kopfkontrolle kann es beim Tragen über die Schulter schauen. Später kommen je nach Tuch, Bindeweise und motorischer Entwicklung Hüft- oder Rückentrageweisen infrage.

Überhitzung beim Tragen vermeiden

Beim Tragen wärmen sich Baby und erwachsene Person gegenseitig. Hinzu kommen je nach Bindeweise eine oder mehrere Stofflagen. Das sollte bei der Kleidung des Kindes berücksichtigt werden.

Ob einem Baby zu warm ist, lässt sich am besten im Nacken beziehungsweise oberen Rücken überprüfen. Schwitzige oder deutlich heiße Haut spricht dafür, eine Kleidungsschicht zu reduzieren. Hände und Füße können dagegen kühl sein, obwohl dem Baby insgesamt warm genug ist.

Im Sommer sollte besonders auf Schatten, leichte Kleidung und ausreichend Schutz vor direkter Sonne geachtet werden. Der Kopf des Babys darf nicht komplett mit Stoff abgedeckt werden.

Kann man mit dem Baby im Tragetuch Hausarbeit machen?

Ein Tragetuch verschafft freie Hände, trotzdem ist nicht jede Tätigkeit mit einem Baby vor dem Körper sinnvoll. Alles, was mit Hitze, offenem Feuer, kochendem Wasser, scharfen Gegenständen oder gefährlichen Chemikalien zu tun hat, sollte man mit einem getragenen Baby vermeiden.

Auch starkes Vorbeugen kann problematisch sein. Wer etwas vom Boden aufheben muss, geht besser mit geradem Oberkörper in die Knie und hält bei Bedarf zusätzlich eine Hand am Kind.

Die richtige Pflege von Tragetüchern

Bei der Pflege gelten in erster Linie die Angaben des Herstellers. Baumwolle verträgt meist mehr als Mischgewebe mit Wolle oder Seide. Auch die Frage, ob ein Tuch in den Trockner darf, lässt sich nicht für alle Modelle einheitlich beantworten.

Viele neue gewebte Tragetücher werden nach dem ersten Waschen weicher. Ein mehrfaches Waschen vor der ersten Benutzung ist jedoch normalerweise nicht erforderlich, sofern der Hersteller nichts anderes empfiehlt.

Auf Weichspüler würde ich verzichten. Er kann Fasern und Oberflächeneigenschaften verändern und ist für die Pflege eines Tragetuchs nicht notwendig. Auch Hausmittel wie Essig oder Natron sollte man nicht pauschal empfehlen, da unterschiedliche Fasern darauf unterschiedlich reagieren können.

Regelmäßige Benutzung macht manche gewebten Tücher geschmeidiger. Ein gutes Tuch muss aber weder im Bett mitgenommen noch auf andere Weise künstlich "eingetragen" werden, bevor ein Baby darin getragen werden kann.

Welche Alternativen zum klassischen Tragetuch gibt es?

Nicht jeder möchte mehrere Meter Stoff binden. Neben dem klassischen gewebten oder elastischen Tuch gibt es deshalb verschiedene Tragehilfen, die teilweise schneller anzulegen sind.

Elastische Tragetücher

Elastische Tragetücher sind weich und schmiegen sich eng an den Körper an. Viele Modelle werden vorgebunden und das Baby anschließend hineingesetzt. Je nach Hersteller sind bestimmte Bindeweisen und mehrere Stofflagen vorgeschrieben, damit das Kind ausreichend gestützt wird.

Eine Auswahl findest Du beispielsweise unter elastische Tragetücher bei Amazon.

Ring Slings

Ein Ring Sling besteht aus einem kürzeren Tuch mit zwei fest vernähten Ringen. Der Stoff wird durch die Ringe geführt und lässt sich dadurch schnell festziehen. Für kurze Wege oder für Kinder, die häufig ein- und aussteigen möchten, kann ein Sling sehr praktisch sein.

Weil das Gewicht asymmetrisch über eine Schulter verteilt wird, empfinden manche Eltern ihn auf längeren Strecken als weniger bequem als ein Tragetuch oder eine Tragehilfe mit zwei Schulterträgern.

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Baby wird in einem Ring Sling getragen

Meh Dais und Half-Buckle-Tragen

Der klassische Meh Dai, häufig auch Mei Tai geschrieben, besitzt ein Rückenteil sowie Hüft- und Schulterbänder, die geknotet werden. Moderne Varianten verbinden dieses Prinzip teilweise mit Schnallen und werden dann häufig als Half-Buckle-Tragen angeboten.

Ob eine solche Trage bereits für ein Neugeborenes geeignet ist, hängt vom konkreten Modell ab. Rückenteil und Stegbreite müssen sich ausreichend an ein kleines Baby anpassen lassen. Die Alters- und Gewichtsangaben des Herstellers sollten deshalb beachtet werden.

Meh Dais bei Amazon ansehen oder Half-Buckle-Tragen bei Amazon ansehen.

Baby wird in einer Mei-Tai-Trage getragen

Baby im Ring Sling und Mei Tai: Franziska mit Emil

Tragetuch oder Babytrage – was ist besser?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Ein gut gebundenes Tragetuch kann ein Baby hervorragend stützen und lässt sich sehr individuell anpassen. Eine gut passende Babytrage kann genauso praktisch und angenehm sein und ist häufig schneller angelegt.

Entscheidend ist deshalb nicht, ob Eltern sich für Tuch, Sling, Meh Dai oder eine andere Tragehilfe entscheiden. Wichtig ist, dass das jeweilige Modell zum Kind und zur tragenden Person passt, sicher verwendet wird und beide sich damit wohlfühlen.

Wer unsicher ist, kann verschiedene Systeme in einer Trageberatung ausprobieren. Das ist oft sinnvoller, als sich allein anhand von Produktbeschreibungen für ein Modell zu entscheiden.

Fazit

Ein gutes Tragetuch muss weder besonders exotisch gewebt noch besonders teuer sein. Für ein Neugeborenes kommt sowohl ein geeignetes elastisches als auch ein gewebtes Tuch infrage. Viel wichtiger als Marke und Material sind eine sichere Bindung, freie Atemwege, eine gute Unterstützung des Rückens und eine hüftfreundliche Beinhaltung.

Wenn Baby und Eltern sich beim Tragen wohlfühlen, kann ein Tragetuch den Familienalltag sehr erleichtern. Und falls das Binden zunächst eher nach komplizierter Textilkunst aussieht: Nach einigen Versuchen wird es für die meisten Eltern erheblich einfacher.

© Danielle