Wie bringe ich mein Kind zum Aufräumen?

Brief der Zahnfee zum Aufräumen
© Non-stop Mom
"Meine liebste Emily,

ich bin heute Nacht vorbeigekommen, um deinen Zahn abzuholen und die Bezahlung da zu lassen - allerdings hatte ich erhebliche Schwierigkeiten, überhaupt sicher zu deinem Bett zu kommen, da dein Zimmer so unordentlich ist. Als ich dann endlich ankam, war es mir unmöglich, das Zahnkissen zu finden, weil es einfach zu viele Kissen, Decken und Klamotten in deinem Bett gab.
Ich werde wohl in einer anderen Nacht wiederkommen müssen - vielleicht kannst du die Zeit bis dahin nutzen, um gründlich aufzuräumen und sauberzumachen. Ich wette, wenn du deine Mama NETT fragst, dann hilft sie dir sogar dabei.

In Liebe, Die Zahnfee"

Als ich im letzten Jahr an der großen Kooperations-Serie für den Blog schrieb, fragte ich euch Leser|innen, bei welchen Themen ihr mit euren Kindern am stärksten verzweifelt. Eines der am häufigsten genannten war das Aufräumen. Da ich zu diesem Zeitpunkt selbst Probleme hatte, meine Töchter dazu zu bewegen, ihre Spielsachen nach Gebrauch wegzuräumen, traute ich mich jedoch noch nicht so recht an das Thema heran.

Vor ein paar Tagen aber retweetete mir Nora Imlau den obigen Brief der Zahnfee entrüstet in die Timeline. Gefunden hatte sie ihn beim amerikanischen Parents-Magazine,  die befanden, die Idee der Mutter, die Zahnfee zu rekrutieren, um das eigene Kind zum Aufräumen zu bringen, sei einfach genial. Nora - und mir - dagegen rollten sich die Zehnnägel hoch. Warum das so ist, und was ich stattdessen vorschlage, lest ihr in diesem Artikel.

Erziehung durch strafende oder belohnende Macht im Hintergrund - lieber nicht


Als meine Töchter zum ersten mal bewusst auf Weihnachten zu fieberten, konnten sie am Abend vor dem 24.12. nicht zur Ruhe kommen. Wie aufgedrehte Duracell-Häschen hüpften sie laut durch die Wohnung und schaukelten sich gegenseitig in ungeahnte Quatsch-Höhen. Irgendwann war ich so genervt und müde, dass mir ganz unbedacht ein: "Wenn ihr jetzt nicht schlafen geht, bringt der Weihnachtsmann morgen keine Geschenke!" herausrutschte. Ups! Erschrocken hielt ich mir die Hand vor den Mund. Wo war das denn hergekommen? Aus den Untiefen meines Gehirns, offenbar. Sofort setzte ich hinterher, dass ich gerade kompletten Blödsinn erzählt hätte und der Weihnachtsmann völlig unabhängig vom Schlafen natürlich morgen selbstverständlich Geschenke bringen würde.

Vielleicht fragt ihr euch, warum es mir so wichtig war, meine erste unbedachte Aussage zu korrigieren? Nun, mal abgesehen von dem recht offensichtlichen Grund, dass es für ein Kind schade ist, wenn eigentlich schöne, freudebringende magische Kreaturen in irgendeiner Weise angstbesetzt werden, steht dieser Ansatz auch für eine Art der Erziehung, die ich für meine Familie nicht möchte, nämlich die der "strafenden oder lobenden Macht im Hintergrund".

Diese Art der Erziehung beruht auf einem Machtgefälle, welches ausgenutzt wird, um Kinder dazu zu bewegen, etwas zu tun, das sie (vermeintlich) nicht von allein machen:
  • "Wenn du jetzt nicht aufhörst, mit den Autos zu werfen, sind sie weg!" (dann nimmt das Elternteil sie weg und legt sie hoch oben auf einen Schrank)
  • "Wenn du nicht stillsitzen kannst, dann ist das Essen jetzt für dich beendet!"
  • "Wenn du nicht aufhörst, hier mit Sand zu werfen, dann gehen wir nach Hause!"
  • "Wenn du nicht heute Abend dein Zimmer aufräumst, dann komme ich morgen mit einem blauen Sack und alles, was rumliegt, werfe ich in den Müll!"
  • "Wenn du dir jetzt nicht deine Hausschuhe anziehst, dann lachen dich die anderen Kinder aus und die Erzieherin schimpft mit dir!"
  • "Wenn du nicht genügend Mittagessen isst, dann darfst du keinen Nachtisch essen!"
  • "Wenn du jetzt nicht kommst, dann gehe ich ohne dich los!"
  • "Wenn du jetzt nicht endlich aufhörst, zu maulen, dann fahren wir nie wieder mit dir in den Urlaub!"
Wie ihr an den Beispielsätzen schon erkennen könnt, ist die große "Wenn-Dann-Keule" ein guter Indikator für diese Art der Erziehung. Dem Kind wird hierbei immer wieder signalisiert, dass 1) ein anderer darüber zu entscheiden hat, was für das Kind die "richtige" Reaktion ist, 2.) dass dieser andere die Macht hat, dem Kind Schaden oder Glück zuzufügen und 3) dass das Gegenüber im Prinzip keinerlei Erwartungshaltung hat, dass das Kind freiwillig kooperieren könnte. Dieser dritte Punkt wiederum ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, denn je öfter die Eltern ihre Machtposition ausnutzen, um das Kind zu einer gewünschten Reaktion zu bringen, desto fester setzt sich unbewusst der Gedanke im Gehirn des Kindes fest, dass vom ihm wohl nicht erwartet wird, das freiwillig zu tun. Dieser Erwartunghaltung wird es entsprechen, denn Kinder kooperieren immer, auch im negativen Sinne.

Im Endergebnis erhält man so Kinder, deren Gehirn in solcher Weise "verdrahtet" ist, dass sie eigentlich größtenteils nur deshalb gesellschaftskonform reagieren, weil sie eine strafende oder belohnende Macht im Hintergrund spüren. Das ist auf den ersten Blick vielleicht nicht problematisch, schließlich ist selbst unsere ganze Gesellschaft auf dieser Misskonzeption über die Kooperationsbreitschaft von Menschen aufgebaut: Wenn wir mit dem Auto zu schnell fahren und erwischt werden, bekommen wir eine Geld- oder Punktstrafe. Sind wir bei der Arbeit faul, werden wir vom Chef abgemahnt, sind wir fleißig, bekommen wir eine Beförderung. Machen wir keine Hausaufgaben für die Schule, erhalten wir nach dem so-und-so-vielten Versäumnis vom Lehrer eine Sechs. Kaufen wir immer wieder bei dem selben Supermarkt ein, bekommen wir "Treuepunkte" und können uns am Ende ein "Geschenk" aussuchen.

Na klar, denkt ihr vielleicht, so funktioniert der Mensch nun mal? Naja...nee. Wir funktionieren so, weil wir in der Kindheit so erzogen wurden. Geboren wurden wir allerdings mit dem natürlichen Instinkt, freiwillig zu helfen und zur Gemeinschaft beizutragen und uns so gefällig zu verhalten, dass wir nicht aus dem Rahmen fallen. Testsituationen mit 18 Monate alten Kleinkindern des Harvard-Psychologen Felix Harnecken, bei denen der Tester wie zufällig einen Kuli fallen ließ, und von seiner Seite des Schreibtisches nicht mehr drankam, zeigten, dass alle Kleinkinder losliefen, um ihm den Kugelschreiber aufzuheben. Auch andere Settings, bei denen der Tester z. B. mit vollgepackten Armen versuchte, einen Büroschrank zu öffnen, verliefen so, dass die Kleinkinder spontan und ohne dazu aufgefordert worden zu sein, zum Schrank liefen, um die Tür für ihn zu öffnen. Es bedarf eigentlich keiner Drohung, um uns zur Mitarbeit zu bringen - im Gegenteil: Belohnungen und Strafen vermindern unser natürliches Bedürfnis nach Kooperation.



Doch kommen wir zurück zu Emily und der Zahnfee. Man kann an ihrem Beispiel nämlich ein wirklich interessantes Phänomen beobachten, das bei der "Erziehung mit lobender oder strafender Macht im Hintergrund" häufig zum Tragen kommt: Irgendwann werden dem Kind die Strafen oder auch die in Aussicht gestellte Belohnung nämlich egal und es erwidert: "Ja, dann mach doch." Um seine Integrität zu wahren verzichtet es dann eher auf den Spielplatzbesuch, den Nachtisch oder es bleibt lieber irgendwo allein zurück, als sich noch länger von den Eltern erpressen zu lassen.

An dieser Stelle haben dann die Altvorderen ein Problem. Sie müssen, da ihre Machtposition offenbar aufgebraucht ist, nun ein noch stärkeres Druckmittel finden - eine noch höhere Macht. In früheren Zeiten haben Mütter in dem Moment dann gern den Satz: "Warte nur, bis der Papa nach Hause kommt!" genutzt, aber auch heutzutage gibt es genug höhere Mächte zum Missbrauchen: "Wenn das der Weihnachtsmann erfährt!", "Also, wenn du dich so später in der Schule benimmst, dann wirst du dir was von der Lehrerin anhören müssen.", "Tja, wenn du nicht mitkommst, dann sammelt dich nachher die Polizei ein. Und wer weiß, ob die dich dann zu uns zurückbringen"....

Emilys Mutter schien, als sie den Brief schrieb, am Ende ihrer Macht, das Aufräumen betreffend, angekommen zu sein.* Egal, was sie versuchte, ihre Tochter räumte einfach nicht ihr Zimmer auf. Also rekrutierte sie die stärkere Machtposition der Zahnfee, um den Druck ein wenig zu erhöhen. Das funktioniert bestimmt eine Weile, aber irgendwann verliert das Kind auch die Angst vor dieser Konsequenz - und was dann? Dann muss eine noch höhere Machtinstanz gefunden werden. Gott vielleicht...

Ich denke, ihr versteht, worauf ich hinaus will. Diese Art der Erziehung funktioniert durchaus für eine Weile gut, aber sie funktioniert nicht für immer und es gibt eine eindeutige Tendenz, dass die Belohnungen oder Strafen immer größer werden müssen, um die Kinder zur Mitarbeit zu "überreden". Ganz sicher werden sie deswegen nicht gleich zu emotionalen Krüppeln, aber vielleicht bleiben Eltern und Kinder so in einem gewissen Machtkampf verzettelt, der eigentlich unnötig ist. Und das ist ja nicht so super, oder?

Also versuchen wir doch, einen anderen Weg zu finden. Damit Emily, und unser eigener Nachwuchs, später nicht mit der Wenn-Dann-Keule auf ihre Kinder losgehen müssen. Lasst uns die Gehirne unserer Kleinen auf eine andere Art und Weise "verdrahten"!

[*Als die Mama diesen Brief schrieb, war Emily schon 11 Jahre alt und glaubte natürlich nicht mehr an die Zahnfee. Hier kann man nachlesen, was sie selbst über den Brief dachte. Dementsprechend stimmt für diesen speziellen Brief nicht ganz, was ich oben postuliere, aber ich habe ihn trotzdem als Beispiel ausgewählt, weil er nun eben durch seine Bekanntheit zum Vorbild für viele Eltern wurde, die ihren sehr viel jüngeren Kindern ebenfalls "Zahnfee"-Briefe schickten, um sie zum Aufräumen zu bringen.]

Dinge, über die sich Eltern klar werden müssen, bevor sie ihre Kinder zum Aufräumen bewegen wollen


Es gibt ein paar Grundsätze, über die ich zunächst mit euch sprechen muss, bevor wir dazu kommen, wie man Kinder zum Aufräumen bewegen kann. Diese Grundsätze sind sehr wichtig, einen Perspektivenwechsel auf das "Aufräumproblem" in Gang zu setzen, der vielleicht das "Problem" schon irgendwie auflösen oder zumindest kleiner machen könnte. Wir Eltern müssen uns über ein paar Dinge klar werden. Als da wären:

1. Nicht die Kinder haben sich für all das entschieden, sondern wir!


Wir, die Erwachsenen, haben uns dafür entschieden, Kinder zu bekommen. Mit den Kindern kam die größere Wohnung und das Spielzeug und die Klamotten und sicherlich auch das Auto oder der Garten. Das war alles unsere Entscheidung. Wir hätten uns für weniger Kinder, für eine kleinere Wohnung und nur ein paar essentielle Spielzeuge entscheiden können, doch das haben wir nicht. Wir wollten es so, wie es jetzt ist. Wir haben entschieden, wir haben bezahlt. Deshalb liegt das Ganze auch in unserer Verantwortung, inklusive Aufräumen.

Lego Duplo Figuren

Das bedeutet nicht, dass wir uns nicht Hilfe wünschen können bei der Bewältigung der Verantwortung und es bedeutet auch nicht, dass unsere Kinder keinerlei Verantwortung für ihre Sachen übernehmen sollen. Ich möchte nur euer Augenmerk darauf lenken, dass wir Großen eine bewusste Entscheidung für all das Zeugs, dass sich so angesammelt hat, getroffen haben. Wir haben "Ja" gesagt zu der Playmobil-Rakete, die jetzt unterm Bett liegt, und zu der Zeitschrift, dessen Gimmik zerbrochen und unbeachtet im Regal vor sich hin ruht. Wir haben "Ja" gesagt zu den Meerschweinchen, die ihre Köttel in der Wohnung verteilen. Wir haben "Ja" gesagt zu der fünften Glitzer-Krone und dem zehnten Kuscheltier.

Den Kauf all dieser Güter haben wir abgenickt im vollen Bewusstsein, dass sie rumliegen, kaputt gehen oder Arbeit machen werden, denn wir sind erwachsen und können, da unser Gehirn fertig ausgebildet ist, auf lange Sicht absehen und planen. Kinder können das - zumindest bis zu einem bestimmten Alter und Reifegrad - noch nicht. Sie haben Wünsche, klar, und diese Wünsche werden erfüllt oder nicht, aber welche langfristigen Konsequenzen sich daraus ergeben, wenn man z. B. ein Haustier kauft, können sie nicht überblicken. Selbst wenn die Eltern ihnen vorher haarklein erzählen, wie viel Arbeit Meerschweinchen bedeuten, werden die Kinder, weil ihr Gehirn an dieser Stelle noch nicht genug ausgebildet ist, das komplette Ausmaß nicht wahrhaftig begreifen können.

Daher bleibt, ultimativ, die Verantwortung für die Wohnung, die Güter, den Garten und die Haustiere bei uns, den Erwachsenen. Ist uns alles zu viel und wir sind genervt vom ständigen Aufräumen, ist es nicht fair, die Verantwortung für dieses schlechte Gefühl auf unsere Kinder zu übertragen. Wie gesagt - ja, möglicherweise war der Wunsch der Kinder der Grund für die Anschaffung vieler unserer Sachen, aber trotz alledem haben wir, die wir es abschätzen konnten, zugestimmt. Sind wir also genervt, dann ist es an uns, etwas zu ändern: Wir können uns von einem Großteil unserer Güter trennen, können eine kleinere Wohnung mieten oder den Garten verkaufen, um wieder Herr über das Chaos zu werden.

2. Kooperation ist immer freiwillig


Ich habe das schon ausführlich in der Kooperationsserie ausgeführt, deswegen fasse ich mich hier kurz: Beruht sie nicht auf Freiwilligkeit, ist es keine Kooperation, sondern Zwang. Zwang hat aber in einer guten Beziehung nichts zu suchen.

Das bedeutet nicht, dass Kinder niemals mithelfen sollen. Doch, doch, sollen sie. Es bedeutet nur, dass wir keine Erpressung anwenden sollten, um sie dazu zu bringen. Sondern eben andere Wege ausprobieren müssen.

3. Es geht auch beim Aufräumen immer um die Bedürfnisse aller


Wenn die Mutter oder der Vater abends nach dem gemeinsamen Spiel sagen: "Los, lasst uns aufräumen!" und die Kinder sagen "Nein!", dann kollidieren dabei unterschiedliche Bedürfnisse miteinander. Das Bedürfnis der Mutter (oder des Vaters) ist vielleicht "Ordnung" und deshalb haben sie den Wunsch, das Spielzeug möge weggeräumt werden. Das Bedürfnis der Kinder ist im gleichen Augenblick aber offenbar ein anderes, sonst hätten sie nämlich "Ja" gesagt. Ihr Bedürfnis könnte z. B. das nach Entspannung sein. Sie haben daher den Wunsch, nun lieber abzuhängen, statt sich aufzuraffen und im Zimmer hin- und herzulaufen, um das Spielzeug wegzuräumen.

Lego Duplo aufgebaut

Grundbedürfnisse sind immer wichtig, d. h. ihre Missachtung führt auf Dauer zu unglücklichen Menschen. Daher sind sowohl das Bedürfnis der Eltern, als auch das Bedürfnis der Kinder gleichrangig. Keines ist "wichtiger". Diese Erkenntnis führt uns jedoch zu keiner Lösung. Wir wissen nur, dass sowohl die eine, als auch die andere Partei in diesem Konflikt einen validen Grund hat, sich das zu wünschen, was sie sich wünschen (also Aufräumen versus Abhängen). Nun muss also eine Möglichkeit gefunden werden, irgendwie alle Bedürfnisse zu berücksichtigen.

Es ist z. B. vorstellbar, dass das Aufräumen auf den nächsten Morgen verschoben wird. Dann wird dem Bedürfnis der Kinder nach Entspannung am Abend stattgegeben, aber das Bedürfnis der Eltern nach Ordnung, nach einer kurzen zeitlichen Verschiebung, ebenfalls. Ich habe gute Erfahrungen gemacht, mit der zeitlichen (oder auch örtlichen) Verschiebung, wenn Bedürfnisse zunächst aufeinanderprallen: Wenn mein 2,5 Jahre alter Sohn morgens "Nein" sagt, wenn ich ihn anziehen möchte, dann warte ich einfach ab und frage später nochmal nach. Es gibt immer einen Moment, in dem er dann dem Anziehen zustimmt, so dass ich ihn nicht zwingen muss und auch mein Bedürfnis, nämlich pünktlich loszukommen, zum Tragen kommt.

Ebenso denkbar wäre die Alternative, dass die Eltern ihr Bedürfnis nach Ordnung selbst befriedigen, indem sie allein aufräumen, während die Kinder auf dem Bett entspannen. Dann hätte sich jeder selbst um sein eigenes Bedürfnis gekümmert.

Dieses Vorgehen klappt gut, wenn die Eltern wirklich von der Freiwilligkeit von Kooperation überzeugt sind, aber es erzeugt in vielen Fällen Konfliktpotential, weil sich die Eltern, wenn das öfter vorkommt, verständlicherweise wie Putzpersonal fühlen. Dann tritt das Bedürfnis nach Ordnung in den Hintergrund und macht Platz für ein anderes Grundbedürfnis, das erfüllt werden muss - das nach Wertschätzung.

Denn wenn ein Elternteil wieder und wieder aufräumt und die Kinder ohne Rücksicht einfach Spielzeuge ausräumen, oder Klamotten durch die Gegend werfen, dann verhalten sie sich nicht wertschätzend gegenüber der Arbeit des Elternteils, während jedoch seinem eigenen Bedürfnis nach Spielen und/oder Entspannung Rechnung getragen wird. Dieses Ungleichgewicht bringt Missmut in die familiäre Beziehung.

Dieser Missmut äußert sich oft darin, dass die Eltern anfangen, mit ihren Kindern herumzunörgeln, um sie mit dieser Nörgelei dazu zu bringen, doch mitzuhelfen. Drei Dinge passieren bei dieser Strategie der Eltern: Erstens, das Bedürfnis der Kinder nach Entspannung wird übergangen - passiert das öfter, werden sie ihrerseits missmutig. Zweitens: Weil sie gegen ihren Willen dazu gebracht wurden, entwickeln sie möglicherweise eine Abneigung gegen Aufräumen. Drittens: Eine Mitarbeit, die durch Nörgelei entstand, ist keine echte Wertschätzung der Arbeit der Eltern. Das bedeutet, dass die Wohnung hinterher vielleicht ordentlich ist, doch das Grundbedürfnis bleibt weiterhin unerfüllt, denn sie wünschen sich ja eigentlich, dass die Kinder von sich aus sehen und rückmelden, wie dankbar sie für den unermüdlichen Arbeitseinsatz der Altvorderen sind. Da also auf diese Art das Bedürfnis der Eltern gar nicht erfüllt wird, bleiben sie weiterhin unzufrieden!

Mutter und Kind

Es muss also eine andere Strategie zur Bedürfnisbefriedigung gefunden werden. Eine, die sowohl Wertschätzung, als auch Entspannung oder Spiel berücksichtigt. Ich könnte mir mehrere Optionen vorstellen. Ob und wie tauglich sie sind, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Es ist zum Beispiel möglich, die Verantwortung fürs Aufräumen an jemanden anderes zu übertragen, z. B. an eine Haushaltshilfe. In dem Moment, in dem die Eltern nicht mehr ihre Energie und Arbeit in das Aufräumen stecken müssen, brauchen sie auch keine Wertschätzung mehr für ihr Tun und können den Kindern die Befriedigung ihrer Bedürfnisse "gönnen". Stattdessen können die Großen nun ihrerseits der Haushaltshilfe Wertschätzung für ihre Arbeit geben, denn sie selbst wissen ja schon, wie anstrengend so ein Job ist und wie viel Arbeit wirklich dahinter steckt. Ihre Wertschätzung wäre also echt und dementsprechend wertvoll. Das klingt für mich nach Win-Win-Win-Situation und ist deshalb auch die Option, die ich für meine Familie gewählt habe. Mir ist allerdings sehr wohl klar, dass sich nicht alle Familien eine externe Hilfe leisten können.

Wenn das der Fall ist, muss man eine andere Strategie finden, um Wertschätzung zu erhalten. Wenn man weiß, dass Bedürfnisse nicht zwingend vom Partner oder den eigenen Kindern befriedigt werden müssen, tun sich plötzlich andere Wege auf. In Zeiten von Instagram und Co nutzen viele Eltern die Möglichkeit, Fotos von ihren Wohnungen zu posten. Sind diese besonders schön eingerichtet oder aufgeräumt, kommen nicht selten anerkennende Kommentare von anderen Usern. Mit jedem "Like" oder "Herz" wird den Eltern so ein Stück Wertschätzung für ihre Arbeit entgegengebracht, was meines Erachtens auch die (unbewusste) Motivation zum Posten war. Das Ganze funktioniert selbstverständlich auch im Reallife: Lädt man sich andere Mütter aus dem Spielkreis der Kinder nach Hause ein, bemerken diese in jedem Fall, wie aufgeräumt die Zimmer aussehen. Oder, je nachdem, wie nett eure Mütter oder Schwiegermütter sind, könnte die Wertschätzung auch von deren Seite kommen, also ladet sie doch ruhig mal auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen ein ;-).

Auch das Aufteilen der Verantwortlichkeit und der Spielbereiche könnte helfen: Wird gemeinsam festgelegt, dass mit Spielzeug nur in den Kinderzimmern gespielt wird, dann sind die Eltern nur für den allgemeinen Wohnraum verantwortlich und die Kinder für ihren eigenen. Dann räumen die Eltern im Endeffekt für sich selbst auf, nämlich für ihr Bedürfnis nach Ordnung und da kein bzw. wenig Dinge der Kinder dabei sind, fällt der Aspekt der Wertschätzung größtenteils weg. In den Kinderzimmern kann es wiederum so unordentlich bleiben, wie die Kinder es mögen, denn es ist ganz allein ihr Verantwortungsbereich. Zur Not können die Eltern die Tür zu machen, wenn ihnen der Anblick Unbehagen bereitet.

Eine gute Option stellt immer auch das offene, aber nicht anklagende Ansprechen der eigenen Bedürfnisse dar. Mithilfe der gewaltfreien Kommunikation könnten die Eltern formulieren, was ihr Bedürfnis ist und was sie sich von den Kindern wünschen würden. Geschieht das ohne Nörgelei (das ist ja ein wichtiger Punkt der Gewaltfreien Kommunikation), finden solche Bitten überraschend oft Gehör. Wichtig ist allerdings, dass die Kinder schon den Meilenstein des Perspektivenwechsels erreicht haben (also etwa 4 Jahre alt sind), sonst können sie sich auch bei perfekt formulierter Bitte nicht in die Situation des Elternteils hineinversetzen: "Ich habe in den letzten sieben Tagen jeden Abend euer Spielzeug weggeräumt, weil ich mir Ordnung wünsche. Aber nun fühle ich mich wie das Aschenputtel der Familie und dieses Gefühl mag ich überhaupt nicht. Ich merke, wie ich innerlich immer wütender werde, wenn ihr einfach unbedacht neues Spielzeug ausräumt, ohne das alte wegzustellen. Manchmal reagiere ich dann unfair und laut euch gegenüber und ich denke, das mögt ihr wiederum nicht. Können wir eine Lösung für das Aufräumen finden, die uns allen gefällt?"


Ja, ja, laber, laber, aber... Wie bringe ich Kinder denn nun dazu, aufzuräumen?


1. Minimalismus!


Der beste Tipp, den ich euch geben kann, ist, die Hälfte eurer Sachen auszusortieren und wegzugeben. (Sarah, du bist nicht gemeint! Du hast schon genug ausgemistet!) Ich hatte von anderen Bloggerinnen den Tipp bekommen, das Buch "Magic Cleaning" von Marie Kondo zu lesen und ich muss sagen, dass ich tatsächlich schwer beeindruckt davon war. Wir haben bei uns Zuhause daraufhin sehr, sehr viel ausgemistet. Es war tatsächlich eine unendliche Befreiung. Leider hatten wir nur einen Urlaub lang Zeit dafür (im Alltag mit drei Kindern schaffe ich es nicht, gründlich auszumisten), so dass unsere Unterlagen (Arbeit, Finanzen etc.) nicht an die Reihe kamen und unser Arbeitszimmer immer noch viel zu voll und wahnsinnig unordentlich ist.

Beim Ausmisten könnt ihr auf folgende Dinge achten:

1. Macht es ohne Kinder. (Das gilt selbstverständlich nicht für das Ausmisten von Spielzeug! Dieses immer nur zusammen mit dem Kind aussortieren.)

2. Nehmt euch genügend Zeit. Wirklich - das ist das Wichtigste!

3. Mistet nicht raumweise aus, sondern nach Gegenständen geordnet: Erst alle Klamotten aus der ganzen Wohnung zusammensuchen, auf einen Haufen werfen und entscheiden, ob ihr sie behalten wollt, oder nicht. Dann alle ...., dann alle... usw.

4. Nehmt euch eine Sache vom Stapel, guckt sie euch an, befühlt sie mit den Händen und entscheidet, ob sie euch glücklich macht. Mögt ihr sie? Nutzt ihr sie? Prima, dann behaltet sie. Wenn ihr ein teures Paar Schuhe im Schrank habt, das im Laden eine gute Idee erschien, aber seitdem nie wieder an euren Füßen war, überlegt genau, ob euch diese Schuhe wirklich glücklich machen. Nein? Dann weg damit. Dann war ihr "Sinn" im Leben, euch beim Kauf glücklich zu machen, aber nicht mehr hinterher. Damit haben sie ihre Bestimmung schon erfüllt und sie können nun weiterziehen und jemanden anderes glücklich machen. Marie Kondo behauptet, dass man Dinge, die man so aussortiert hat, hinterher nie wieder vermisst. Das kann ich nicht vollständig bestätigen. Unsere Ausmistaktion ist ein Jahr her, seitdem haben wir etwa 5x gedacht: "Menno, das haben wir damals weggegeben." Allerdings waren die Dinge auch alle verschmerzbar - wir haben keins davon nachgekauft. Im ersten Moment geärgert haben wir uns trotzdem.

5. Alle aussortierten Dinge sollten sofort aus der Wohnung geschafft werden. Marie Kondo rät, sie wegzuwerfen, das sei der einfachste Weg. Das habe ich nicht übers Herz gebracht. Ich habe unsere Sachen gespendet und einiges in einen Second-Hand-Laden gebracht. Kondo rät davon ab, Sachen zuhause zu lagern, die man noch im Internet verkaufen will, weil sie wieder Unordnung in die Wohnung bringen. Ich habe entgegen dieser Empfehlung gehandelt, weil ich einige Dinge bei den Kleinanzeigen einstellen wollte. Ich kann aber bestätigen, dass es genau diese Dinge sind, die unser Arbeitszimmer ziemlich zumüllen.

Nach unserer Ausmistaktion hatte ich 2/3 weniger Anziehsachen im Schrank, was sehr angenehm ist, da ich nun morgens nicht mehr groß wühlen muss, sondern einfach nach einem Teil greifen kann, da mich ja alle übriggebliebenen "glücklich" machen. Etwa die Hälfte der Spielzeuge wurden verschenkt, was die Aufräumsituation im Kinderzimmer deutlich erleichtert hat. Ich denke aber, es könnte sicherlich noch einmal gut die Hälfte davon verschwinden. Auch in der Küche ist etwa die Hälfte aller Sachen weggegeben worden. Statt vier Paar Salatbesteck (drei davon von WMF) haben wir nur noch eins - das No-Name-Produkt, das wir bis dahin immer für unseren Salat benutzt hatten und das uns mit seiner einfachen Form am glücklichsten machte.

2. Jedes Ding braucht eine "Adresse" in der Wohnung


Habt ihr nun deutlich weniger "Zeug" im Kinderzimmer und im Rest der Wohnung, gilt es, den noch vorhandenen Dingen eine Adresse in der Wohnung zuzuordnen. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen schräg (Marie Kondo klingt an sich ein bisschen schräg, ehrlich gesagt), aber es hat einen absolut wahren Kern. Jedes Ding braucht einen speziell designierten Platz für sich. Hat es das nicht, "fliegt" es in der Wohnung herum, liegt mal da und mal dort und bereitet damit sofort Unordnung. Außerdem findet man es dann nicht, wenn man es braucht. Legt also für wirklich jedes einzelne kleine Ding, das ihr habt, eine "Adresse" fest. Diese Adresse muss allen Mitgliedern der Familie bekannt sein. Es ist wichtig, sich auch im stressigen Alltag die Zeit zu nehmen, ein Ding nach Nutzung wieder zu seinem designierten Platz zurückzubringen. Seid ihr abgelenkt oder gehetzt und legt es einfach da ab, wo gerade Platz ist, entsteht schnell wieder Unordnung. Geht stattdessen lieber die paar Schritte mehr und legt es an seiner Adresse ab. Dann habt ihr hinterher nicht so viel Arbeit damit.

Aufgeräumtes Wohnzimmer

3.Ein gutes Sortiersystem finden


Das "Adresse finden" für jedes Ding geht einher mit dem Finden eines guten Sortiersystems. Für Kinderzimmer bieten sich oft IKEA-Kisten an, an die man Fotos des Inhalts klebt. In Montessori-Kitas und -Schulen sind oft an den Regalen kleine Fotos von den Gegenständen angebracht, die an diese Stelle des Regals zurück geräumt werden sollen. Das erleichtert den Kindern das Aufräumen ungemein, wenn plötzlich mehrere leere Stellen im Regal auftauchen.
Ich las einmal in der Zeitung von einem Händler, der mit Lego-Einzelteilen handelt. Dieser hat z. B. alle vorhandenen rechten Lego-Männchen-Arme in einer Kiste, während die Köpfe in einer anderen und die Laserschwerter in einer dritten lagerten. Ich fand das gerade in Bezug auf Lego sehr genial, weil man so wirklich sehr schnell findet, was man sucht. Ich weiß allerdings nicht, ob sich das für den Lego-Bestand eines normalen Haushaltes lohnt. Wir haben das in speziellen Lego-Kisten, die wiederum den Vorteil haben, dass man sie aufeinander gut stapeln kann. Andererseits nehmen sie auch viel Platz weg.

4. Nur 15 Minuten täglich


Wenn man Aufräumen doof findet, ist es deutlich leichter, anzufangen, wenn man weiß, dass man es nur kurz machen muss. Daher ist ein guter Trick, mit den Kindern jeden Tag nur 15 Minuten aufzuräumen und alles, was dann noch liegen geblieben ist, einfach am nächsten Tag anzugehen. Möglicherweise kommt man so nicht zu einer picobello aufgeräumten Wohnung, aber immerhin versinkt man so auch weder im Chaos, noch baut man einen ewig währenden Hass gegen Aufräumen auf.

5. Auf Vorlieben der Kinder achten


Auch beim Aufräumen ist es eine gute Idee, auf die Vorlieben der Kinder zu achten und ihnen Aufgaben zu geben, die ihnen entsprechen. Meine Tochter Fräulein Ordnung zum Beispiel sortiert sehr gern. Deshalb sitzt sie, während wir anderen um sie herumwirbeln und die grobe Unordnung beseitigen, vor der Kinderküche und sortiert die winzigen Einzelteile zurück in die entsprechenden Dosen. Herr Friedlich spielt nämlich unheimlich gerne kochen und nutzt dafür eine Menge kleinteiliger Holz-Essens-Sachen, z. B. die Gemüsesuppe von Haba. Ich selbst würde wahnsinnig werden, müsste ich diese Kleinteile jeden Abend wieder in die Dosen zurück packen. Bin ich diejenige, die dort aufräumt, werfe ich einfach alles, wie es ist, unsortiert in den Kinderküchenschrank, was zur Folge hat, dass Herr Friedlich am nächsten Tag nicht so gern damit spielt. Es ist einfach nicht so ansprechend für ihn. Deshalb also nutzen wir an dieser Stelle die Vorliebe von Fräulein Ordnung aus. Sie wiederum ist glücklich, nicht auch hin- und herlaufen zu müssen, um Klamotten vom Boden ins Bad zu bringen oder Bücher zurück in den Büchersessel zu stellen.

6. Ganz konkrete Anweisungen geben


Bücher und sortierte Stifte
Um systematisch aufräumen zu können, braucht ein Mensch Planungskompetenz. Diese entwickelt sich in dem Maße, in dem der präfrontale Kortex des Gehirns im Laufe des Heranwachsens immer arbeitsfähiger wird. Kleine Kinder können demnach zwar durchaus schon beim Aufräumen mithelfen, aber sie können es selbst noch nicht planvoll tun. Daher ist es ratsam, wirklich konkrete Anweisungen zu geben, um ihnen das Aufräumen zu erleichtern: "Sammle alle Socken vom Boden auf uns bringe sie ins Bad zum Wäschewürfel", "Sortiere diese fünf Bücher hier zurück in das kleine Bücherregal", "Lege bitte die Filzstifte von deinem Maltisch zurück in die Stiftschublade".

7. Vorbild sein


Tjaaaaaa, hier ist nun der Knackpunkt. Wir müssen beim Aufräumen gute Vorbilder sein. Warum? Weil wir Menschen über Beobachtung lernen. Wir haben super nützliche Spiegelneuronen im Gehirn, die uns ermöglichen, unsere Mitmenschen zu imitieren - so lernen Babys quasi nebenbei, was sie in genau der Umgebung, in die sie hineingeboren wurden, brauchen. Beobachtet ein Kind uns also beim Aufräumen und erlebt uns dabei als entspannt und glücklich, feuern in seinem Gehirn die Neuronen derart, als würde es in diesem Moment selbst aufräumen und glücklich dabei sein. Das Aufräumen wird als etwas Schönes in seinem emotionalen Teil des Gehirns verankert. Die Chance, dass das Kind selbst Freude beim Aufräumen erlebt, steigt somit stark an. Erlebt es von uns jedoch, dass Aufräumen etwas ist, was anstrengt und "gemacht werden muss"; und sieht es uns griesgrämig und widerwillig den Staubsauger schwingen, wird das Aufräumen, noch bevor das Kind es überhaupt selbst probiert hat, als unschöne Handlung im kindlichen Gehirn abgespeichert.

Es ist also überhaupt nicht verwunderlich, dass meine Kinder ungern aufräumen. Ich räume nämlich nicht gern auf und bekomme schlechte Laune, wenn es auf dem Plan steht. Das ist natürlich ein wiiiinziges bisschen ungünstig, wenn ich doch meinen Kindern eigentlich beibringen möchte, dass eine aufgeräumte, ordentliche Wohnung etwas Schönes ist. Gott sei Dank habe ich wirklich unheimliches Glück mit unserer Babysitterin: Diese räumt nämlich gern auf und, oh Wunder!, sie kriegt meine Kinder mühelos dazu, ebenfalls aufzuräumen! Sie ist Mary Poppins! Nein, wirklich, ich weiß nicht, wie sie das schafft. Sie erst 26 Jahre alt, aber passt auf meine drei Kinder auf, spielt wirklich intensiv mit ihnen, kocht ihnen Essen und wenn ich nach Hause komme, sind alle super glücklich und die Wohnung weit aufgeräumter, als vorher. Hä? Wie macht sie das? Vielleicht sollte ich sie bitten, einen Ratgeber zu schreiben...

8. Eine schöne Aufräumatmosphäre schaffen


Ich glaube, ein "Trick" unserer ganz persönlichen Mary-Poppins-Babysitterin ist, dass sie das Aufräumen in eine angenehme Atmosphäre einbindet. Wenn sie beispielsweise mit Fräulein Chaos meine Papiere auf dem Küchenschrank ordnet, dann führt sie nebenbei mit ihr tiefsinnige Gespräche, die die Zeit schneller vergehen lassen. Oder sie macht Musik an und tanzt durch das Kinderzimmer, während sie mit Fräulein Ordnung den Staub von den Regalen wischt. Mit Herrn Friedlich wirft sie die im Zimmer verstreuten O-Bälle von Weitem in die richtige Kiste und lacht sich mit ihm kringelig, wenn ein Ball an einer seltsamen Stelle landet. Oder sie fährt mit lautem brummen seine kleinen Matchboxautos in die Garagen-Kiste. Sie schafft es, Aufräumen "zu spielen"! Ich denke, genau das ist der Punkt, den wir uns alle von ihr abgucken sollten.

9. Rituale nutzen


Viele Kinder reagieren positiv auf Rituale, weil sie durch ihre vorauszusehende Regelmäßigkeit Verhaltenssicherheit geben. Diesen Umstand kann man nutzen, um auch das Aufräumen zum Teil des selbstverständlichen Alltags zu machen. Überlegt euch, wann für eure Familie eine "Aufräumzeit" am günstigsten ist. Beachtet dabei, dass es meist so ist, dass die Kinder nach dem Abendbrot und vor dem Schlafengehen meist das Bedürfnis nach "Entspannung" haben und deshalb nicht gewillt sind, aufzuräumen. Das ist also ein eher ungünstiger Zeitpunkt, um eine Aufräumzeit zu etablieren.

Günstiger ist es z. B. vor dem Abendbrot für 15 Minuten aufzuräumen, weil da das Energielevel noch höher ist und meist sowieso eine Tätigkeit gesucht wird, um die Zeit bis zum Essen zu überbrücken. Warum also nicht mit aufräumen? Schön ist es, wenn die Ritualzeit mit einem Lied o.ä. angekündigt wird. Es gibt ja etliche Aufräumlieder, die man da anstimmen kann. (An dieser Stelle hätte Leen vom Blog Aufbruch zum Umdenken ihre großen Auftritt haben können: Sie kennt nämlich ein schönes Aufräumlied, das man mit den Kindern singen kann. Aber sie weigerte sich partout, das auf Video aufzunehmen und hier reinzustellen. Psüh! ;-))  Wichtig ist, dass auch das ritualisierte Aufräumen immer freiwillig ist! Gestaltet ihr diese 15 Minuten schön und freudvoll, werden die Kinder ohne Zwang eurem Beispiel folgen.

Ich selbst konnte das Ritual-Phänomen bei meinen eigenen Kindern gut beobachten: Ich war mit allen dreien, als sie klein waren, im Tipi Tapa zum Turnen. Leiterin Monique Wonneberger macht am Ende jeden Kurses immer das gleiche Lied im CD-Player an. Die anwesenden Erwachsenen beginnen dann, die Spielzeuge, Turngeräte etc. gemeinsam wegzuräumen. Keines der Kinder wird je dazu aufgefordert, mitzumachen, aber nachdem sie dieses Ritual ein paar Mal erlebt haben und sehen konnten, was wir Großen da machen, helfen auch die Allerkleinsten beherzt und freiwillig mit. Und damit sind wir auch schon beim nächsten Punkt angelangt:

10. Kooperation nicht abgewöhnen


Kinder lernen, wie ich oben schon schrieb, mithilfe der Spiegelneuronen in ihrem Gehirn, sich exakt genauso zu verhalten, wie die Menschen in ihrem Umfeld. Da diese bisher überlebt haben, scheinen sie gut an ihre Umwelt angepasst zu sein. Es ist demnach evolutionsbiologisch sinnvoll, deren Verhalten nachzumachen, um ebenfalls zu überleben.

Beinhaltet das Handlungs-Repertoire der sie umgebenden Menschen die Tätigkeiten "Aufräumen und Saubermachen", werden die Kinder dieses also automatisch übernehmen. Der Trick ist nun, es ihnen nicht wieder abzugewöhnen. Denn zunächst einmal ist diese Hilfe natürlich eher weniger echte Hilfe, denn zusätzliche Arbeit. Wenn meine sechsjährige Tochter den Spiegel "putzt", ist dieser hinterher garantiert nicht fleckenfrei. Es kann sogar sein, dass er schmieriger aussieht, als vorher. Würde ich nun eingreifen und sie berichtigen, würde ich unbewusst ihre Hilfe als "schlecht" abstempeln.

Wohlgemerkt, meine Absicht wäre, es ihr besser beizubringen, damit sie beim nächsten Mal weiß, worauf sie zu achten hat usw., aber diese gute Absicht würde bei ihr nicht ankommen, sondern vorrangig meine unbewusste Aussage: "So ist es nicht gut genug!" Es ist ein klassisches Sender-Empfänger-Problem, dass gute Absichten meist nach
hinten losgehen. Ich würde nämlich vermutlich genau das Gegenteil erreichen. Sie würde sich beim nächsten Mal nicht stärker anstrengen, sondern sich vielleicht gar nicht erst wieder trauen, den Spiegel noch einmal zu putzen. Sie hätte die Lust oder sogar den Mut dazu verloren. Damit hätte ich ihr die natürliche Kooperation ganz wunderbar abgewöhnt. Unabsichtlich natürlich.

Der wichtigste Punkt beim Nicht-abgewöhnen der Kooperation ist also das Wertschätzen der kindlichen Aufräumbemühungen als gut, genau so wie sie sind. Alles, was sie uns anbieten, ist eine freiwillige Mitarbeit und daher wertvoll. Die Perfektion kommt mit der Übung, auch ohne unser Eingreifen. Je öfter unsere Kinder uns beim Aufräumen und Putzen sehen, desto besser werden sie sich von uns abgucken, wie es geht. Und je öfter sie es ausprobieren dürfen, desto professioneller wird das Ergebnis sein.

(P.S. Ja, wenn der Boden viel zu nass gewischt ist, wische ich ihn auch einmal trocken nach. Allerdings erst, wenn das Kind schon wieder spielt und es nicht mitbekommt.)

Fazit


Große Entspannung hat bei uns vor allem das Ausmisten gebracht - das kann ich wirklich jeder Familie empfehlen. Alles andere ist, wie immer, abhängig von der individuellen Familienkonstellation und von den Charakteren.

Räumen meine Kinder nun auf? Jein.

Herr Friedlich räumt auf - das tat er schon immer und wir haben es ihm nicht abgewöhnt. Bei den Mädchen damals wusste ich leider noch nicht so viel, wie ich heute weiß, deshalb habe ich ihre Kooperationsbemühungen unwissentlich gestutzt. Fräulein Chaos räumt mittlerweile (wieder) auf, obwohl sie zwischenzeitlich eine Anti-Aufräumphase hatte (etwa vom 3.-5. Geburtstag). Heute findet sie das Mithelfen schön und hat auch verstanden, dass es für uns Große angenehmer ist, wenn viele Hände mithelfen. Fräulein Ordnung räumt noch immer sehr, sehr ungern auf. Oft kommt sie, wenn sie sich zum Sortieren hinsetzt, ins Spiel: Sie soll zum Beispiel ihre Püppchen in die Puppenstube sortieren und fängt damit auch an, vergisst es dann aber, weil sie anfängt, mit den Puppen zu spielen. Hat sie einmal ins Spiel gefunden, möchte sie dieses dann nicht unterbrechen. Im Endeffekt hilft sie also wenig, manchmal macht sie dann aus dem neuen Spiel heraus wieder mehr Unordnung. Nervt mich das manchmal? Ja! Mache ich mir deshalb Sorgen bezüglich ihrer Zukunft? Nein. Wir lassen das einfach so, wie es ist - ich bin überzeugt, dass auch sie wieder zum Gern-Aufräumen finden wird, wenn wir ihr genügend Raum lassen.

Unsere Wohnung ist nicht perfekt aufgeräumt und wird es wohl auch nie werden. Aber wir versinken auch nicht im Chaos und alle sind mit dem Zustand und dem Aufräumen so weit zufrieden, dass niemand ein unerfülltes Bedürfnis beklagen muss. Und das ist für mich die Hauptsache.

© Snowqueen

Quellen


Kondo, Marie: Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert

Rosenberg, Marshall B.,: Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens


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Kommentare:

  1. Hallo,
    das mit dem Ausmisten ist eine schöne Theorie, die im Kinderzimmer bei uns leider nicht funktioniert. Mein Sohn (9) hat auch von allem zu viel, da es sich die Verwandtschaft nicht nehmen ließ (und lässt), Spielsachen zu schenken, denn über Kleidung o. Ä. freut sich das Kind ja nicht so.
    Außerdem kann er sich von absolut nichts trennen, weshalb wir immer noch Duplo Steine und Eisenbahn, eine gefühlte Million Kuscheltiere, eine Werkbank (vom 2. Geburtstag) und ein Bobbi-Motorrad beherbergen. Ich entsorge tatsächlich (ohne Kind, also heimlich und mit schlechtem Gewissen) nur Plastik-Kleinteile, die ihm meist nicht auffallen. Was aber auch schon zu einem verheulten Nachmittag geführt hat, weil ich ein Teil weggeworfen habe, was er dann Wochen später völlig aufgelöst gesucht hat. Ich habe mich furchtbar gefühlt, weil ich ihn quasi hintergangen habe, denn ich weiß ja, hätte ich ihn gefragt, ob das weg kann, hätte er nein gesagt.
    Falls jemand einen Tipp hat für erfolgreiches Ausmisten MIT Kind, wäre ich wirklich sehr dankbar.

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    1. Ginge es, mit ihm zusammen auf dem Flohmarkt zu verkaufen und ihn das Geld für seine Schätze behalten zu lassen? Das klappt bei uns ganz gut.
      LG, Snowqueen

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    2. Was bei mit als Kind funktioniert hat die "ich warte auf dich / tausche mit dir Kiste"
      Vor Weinachten Ostern wurde die Warte/Tausch Kiste gefüllt, damit die neuen Sachen Platz im Zimmer haben. Leider nicht ganz Pädagogisch wertvoll meiner Eltern der Satz wenn du nicht was in die ist Tust kommt der Weihnachtsmann Osterhase nicht. aber das geht viell. auch netter. Positiv wir durften von selbst immer tauschen. Es kam aber durchaus bei Chaos vor ,dass meine Eltern rumliegendes Zeug ohne unser Einverständnis in die Kiste getan haben, dann kamen wir nur durch Tauschen wieder an die Sachen ran. Wie gesagt der Ansatz mit Tauschen: Dinge die ich seltener nutze gegen Dinge die ich jetzt unbedingt will ist nicht schlecht nur ihre Umsetzung meiner Eltern war teilweise echt doof. Grüßle

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    3. Hallo Snowqueen,
      leider auch nicht. Ich habe ihm schon vorgerechnet, was er sich für tolle Bücher oder Lego kaufen könnte, wenn wir die 'Babysachen' verkaufen. Die Antwort ist immer: nein, damit spiele ich noch. Ganz selten wird mal ein Teil an die kleine Cousine verschenkt.

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    4. Dann würde ich ihn lassen. Offenbar ist es ihm ein echtes Bedürfnis, die Dinge zu behalten.

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  2. In der Theorie würde ich meinen Haushalt gerne genau so hinkriegen. In der Praxis klappt es so überhaupt nicht.
    Ich würde so gerne ohne Belohnungen arbeiten, aber es funktioniert nicht.
    Dafür spiele ich seit Kurzem mit meinen Kindern das kostenlose Gamificationspiel habitica.com. Jetzt bekommen sie für Aufgaben Punkte, steigen Level auf, kaufen Ausrüstung und lassen kleine Pixeltiere schlüpfen. Und was soll ich sagen? Sie wollen plötzlich helfen. Ich hoffe, wir kommen irgendwann wieder davon weg, aber im Moment hilft es.

    Liebe Grüße
    Fliegenpilz

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  3. Ja, ausmisten ohne Kind bei den Kinderspielsachen ist eine Sache, die (eigentlich) gar nicht geht. Widerspricht ja schon der Beschreibung des Ausmisteprozesses: Anfassen und überlegen: Macht es mich glücklich? Das kann ja wirklich nur der Besitzer der Dinge entscheiden.
    Aber ich gebe zu: Bei Dingen, die mich konkret unglücklich machen, Also laut blinkendes "Terrorspielzeug" da lasse ich mich auch schon mal zu solchen Aktionen hinreißen. Es sei denn, ich weiß genau, dass das Zeug den Zwerg glücklich macht.
    Ich finde es ist auch wichtig, die Fähigkeiten der Kinder immer im Blick zu behalten, und gleichzeitig nicht seine eigenen FÄhigkeiten zu verschleiern. Wenn wir hier abends die Duplosteine aufräumen, bin ich natürlich schneller als der Zwerg. Vor allem, weil er noch jedes Auto genau untersuchen und dann in die Kiste fahren muss, statt es einfach reinzulegen oder werfen. Davon lasse ich mich aber nicht abhalten, in meinem Tempo aufzuräumen. Wenn ich nämlich selbst auch anfangen würde zu trödeln, nur damit wir gleichviel aufräumen, dann würde ich dem Zwerg ja dieses Trödeln aktiv beibringen, statt einfach vorzuleben, wie es am besten geht.
    Und vor allem: Wenn die Eltern mitspielen, müssen sie natürlich sowieso genauso aufräumen, wie die Kleinen. Auch dann, wenn das Mitspielen nur auf Wunsch der Kinder geschah.
    Daher komme ich zumindest bisher mit einem einfachen: "Lass uns schnell das Spiel wegräumen, dann haben wir für das nächste mehr Platz" sehr gut zurecht.
    Gruß
    Claudia

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    1. Liebe Claudia, nee, das habe ich wohl im Artikel falsch rübergebracht. Das Kinderspielzeug wird natürlich mit den Kindern minimiert! Aber zunächst beginnt man ja mit den Sachen der Eltern und das geht definitiv ohne Kinder am besten.

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  4. Nachdem ich mich als Kind sehr oft darüber geärgert habe, dass meine Mutter einfach Kleidung oder Spielzeug von mir ausgemistet hat, werde ich meinem Kind genau das nicht antun. Das finde ich eine heftige Übertretung von Rechten des Kindes. Das finde ich viel schlimmer, als diese Wenn-Dann-Sätze, ohne die ich mein Kind zu absolut überhaupt keiner Kooperation bekommen würde!
    Ich habe meinen Sohn von Anfang an immer gefragt ob dieses oder jenes weg kann. Ihm immer klar gemacht, das für neues Spielzeug altes weichen muss, weil der Platz sonst nicht reicht. Manchmal möchte er uraltes kaputtes aufheben, ist ok, manchmal kann er sich von Dingen trennen, die ich nie hätte ausmisten können.
    Ausmisten im Kinderzeimmer also immer nur gemeinsam mit dem Kind!
    In der Folge kann er sich grundsätzlich viel leichter von Dingen trennen, als ich es kann.

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    1. Liebe Anonym, siehe Antwort oben: Das Spielzeug soll selbstverständlich MIT den Kindern ausgemistet werden. Es geht um dem Rest der Wohnung, also die Sachen der Eltern. Ich werde es im Text nochmal klarer machen.

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  5. Ein toller Artikel. Jetzt weiß ich, warum ich so ungerne aufräume - meine Eltern haben alles exakt so gemacht, wie du es NICHT empfiehlst :-D
    Ich bin auch eher der Sortier/in-den-Schubladen-muss-es-ordentlich-sein- Typ. Mein Freund ist das genaue Gegenteil. Leider ergänzen wir uns nicht, sondern ecken nur an. Weil mich nervt, dass er alles in die Regale schmeißt und ihn nervt, dass ich nicht zu Potte komme.
    Ausmisten haben wir uns auch noch mal auf die Fahne geschrieben.
    Aber das ist schwer, wenn man viele Hobbys hat, die Material benötigen (Lesen, Malen,...)

    Mein Sohn räumt mit seinen 1,5 Jahren gut und gerne auf. Seine Schuhe müssen in die Kiste, die Autos in den Korb.
    Ich habe ihn nie zum Aufräumen angehalten, sondern räume eigentlich jeden Tag sein Kinderzimmer total ordentlich auf, in dem Glauben, dass er sich jetzt so daran gewöhnt, dass ihn später Unordnung nervt :-D

    Und ich bin sehr froh, dass seine Kita da ganz genauso handelt (ein Hoch auf Freie Kitas). Wenn das Kind weg muss was anderes spielen, dann muss es halt weg. Sie sagen dann meist: "Jetzt räume ich mal das Puzzle auf. " Um das Kind darauf aufmerksam zu machen, was sie gerade tun und dass Aufräumen erwünscht ist. Meistens checken die Kinder das nach wenigen Tagen und helfen mit. Oder sie haben gerade WIRKLICH keine Zeit zum Aufräumen. Das wird voll akzeptiert.
    Anders als ich es schon in einer andeen Kita erlebt habe: Ein 2-Jähriges Kind, gerade große Schwester geworden, räumt nicht mit auf. Dadür wird sie vor die Tür gesetzt und weinend sitzen gelassen. Nach 10min habe ich gefragt, was das Ganze soll?! - Sie muss es lernen.

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  6. Ich bin begeisterte Leserin Eures Blogs. Diesmal allerdings fühlte ich mich an einigen wunden Punkten getroffen... geht es nur mir so? Ich empfinde mich durchaus als machtlos gegenüber der Fülle an Dingen in unserem Haushalt. Ja, die Kinder waren natürlich auch mein Wunsch und natürlich sollen diese auch eine normale Menge an Spielzeug haben, aber die Geschenkeflut der Verwandtschaft? Der ausgeprägte Unwille meines Mannes gegen jede Ausmistaktion? Da habe ich den Eindruck, gehen dieses Mal Eure Beschreibungen und unsere persönliche Realität weit auseinander. Gut, damit umzugehen muss ich andere Wege finden, logisch.

    Zum Aufräumen mit Kindern selbst war es für mich bisher immer naheliegend, es an Ziele der Kinder zu knüpfen und das funktioniert hervorragend. Also: um xyz spielen zu können brauchen wir Platz. Bitte lass uns daher zusammen vorher den und den Bereich aufräumen. Räumst Du schon mal die Legosteine in die Kiste, dann kann ich derweil die Kochsachen zusammenräumen. Und unser großes Kind hat - zumindest bisher, es ist 2 Jahre alt ;-) - offenbar Freude an dem Zustand nach dem Aufräumen und dem dann folgenden gemeinsamen Spiel. Gelegenheiten finden sich dafür genügend und ich brauche nicht täglich zum Aufräumen anhalten. Dazu muss ich aber auch schreiben, dass es aus meiner Sicht völlig ok ist, nach einem schönen, intensiven Spieltag noch Unordnung in der Wohnung zu haben und die anderen Aufgaben des Abends höher zu priorisieren. Meine Kinder erleben also eher wenig des "guten Vorbilds" hinsichtlich des Aufräumens - und siehe da, das große Kind hat trotzdem wie oben beschrieben Freude, wenn ihm das Aufräumen etwas bringt und es dadurch hier auch mal ungewohnt schön aussieht.

    Das Thema hat sehr viel mit der eigenen Persönlichkeit aller Beteiligten und dem Wunsch nach Ordnung/ Struktur bzw. umgekehrt dem Wunsch nach "Entropie" zu tun. Hier müssen sich alle Menschen so nehmen wie sie sind, ein Entropie-Typ wird in einer absolut aufgeräumten Umgebung auch nicht wirklich glücklich sein.

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    1. Liebe Anonym,

      bei der Geschenkeflut der Verwandschaft bin ich mittlerweile rigoros geworden. Alles, was wir nicht wirklich brauchen, verschenke ich an bedürftigere Kinder, die sich wirklich darüber freuen. Dass dein Mann nicht willig ist, auszumisten, ist allerdings wirklich ein Problem... Das müsst ihr als Partner besprechen. Irgendwie müsst ihr eure jeweiligen Bedürfnisse unter einen Hut bekommen.
      LG, Snowqueen

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  7. Ich fühle mich heute auch extrem touché ;-)
    Aufräumen ist noch kein Thema für uns, machen wir selbst, Kind hilft mit oder auch nicht. Aber ich hab mal wieder ein Aha-Erlebnis was die Erpressung angeht. Ich bin kein Fan von Wenn-Dann-Erziehung, aber ich hab wohl einen echten Klopper verbrochen...

    Mein Sohn ist fast 2, motorisch sehr sehr fit. Er läuft überall Treppen, nur nicht bei uns zu Hause. Ich mein, ist ja auch echt arg, 90 fiese hohe Altbaustufen in den 4. Stock zu laufen nach einem anstrengenden Kita-Tag. Bisher hab ich ihn immer getragen. Oft mehrmals täglich. Tolles Fitnessprogramm mit meinem 13kg Kerl. Viele Stimmen meinten er solle das jetzt aber alleine können, usw. was Kinder eben immer alles so sollen...
    Jetzt hatte ich aber leider ziemliche Rückenschmerzen. Ich war bei einer Osteopathin und die meinte ich dürfe in den nächsten Tagen KEINESFALLS meinen Sohn auf der Treppe schleppen. Ich nur gelacht, ja wie soll das denn gehen? Lösung war ganz einfach: Gummibärchen. Habe mich mächtig schlecht gefühlt wie das Kind gierig die Stockwerke hochstieg bis zum nächste Bärchen...Bestechung mit Essen, also echt!!! Mein Umfeld hat mich beglückwünscht, mein Mann findet es super ;-) und es ist sooo bequem...

    Aber wenn ich euren Artikel richtig verstehe wird es sich wohl schnell abnutzen richtig? Ihm werden die Bärchen egal und ich muss ihn trotzdem schleppen. Oder er will dann oben ein Eis, was? ;-)
    Ich sollte ihn also lieber weiter schleppen und darauf vertrauen dass er irgendwann alleine läuft oder? Er hat sich ja tatsächlich nicht ausgesucht im Dachgeschoss zu wohnen....

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    1. Wenn das nur eine kurze Zeit so ist (wegen deiner Rückenschmerzen), finde ich Gummibärchen-Manipulation nicht so dramatisch. Du könntest es auch mit selbstgemalten Bildern an den Absätzen probieren. So habe ich das mit dem treppenunwilligen Nachbarkind gemacht. LG, Snowqueen

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    2. Danke dir Snowqueen, gute Idee, das teste ich auf jeden Fall :-)

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  8. Ein schöner Artikel und seitdem das Buch von Frau Kondo mir wirklich überall entgegen fliegt, werde ich es mir auch anschaffen, denn ich LIEBE ausmisten und mich nerven die vielen kleinen Sachen hier, die einfach nur rumfliegen und keinen festen Platz haben.

    Dank eures Blogs und unserer tollen Tagesmama räumt unser Kind sogar altersgerecht gerne auf. Einzige, für mich völlig verständliche, Ausnahme ist das finale Aufräumen am Abend. Wenn wir das mit ihr zusammen machen, ist sie dann aber auch willig und es dauer ja nur wirklich 5 Minuten.

    Den Absatz mit den konkreten Ansagen à la "Und jetzt die Bücher ins Regal" statt "Und jetzt aufräumen" kann ich auch nur unterstreichen. Wenn ich sage "Komm wir räumen auf" guckt sie mich meist fröhlich aber etwas unsicher an und wenn ich dann hinterherschiebe "Du kannst damit anfangen das Duplo ins die Kiste zu räumen und ich räume die Bücher auf" flitzt sie schon los :) Ich denke für die Kinder ist das eigene Chaos auch oftmals zu viel des Guten und es hilft ihnen ungemein wenn man ihnen so kleine Aufräuminseln gibt, die helfen das ganze etwas besser zu überblicken.

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  9. Wir räumen die Kinderzimmer nicht immerzu kategorisch auf. Unsere 3 jährige scheint auch Chaos in ihrem Zimmer zu lieben... Zumindest spielt sie fröhlich darin und räumt immer mehr aus den Schränken ;-)! Unser 5 jähriger hingegen räumt seit einiger Zeit total gerne sein Zimmer auf und ruft dann seine Schwester zurück, dass sie bitte Ihr hinterlassenes Chaos in seinem Zimmer beseitigt :-)! Und neulich hatte ich unsere Wohnung mal wirklich von Grund auf aufgeräumt und wir kommen nach Hause, sie läuft in Ihr chaotisches Zimmer und kommt empört raus und schimpft, dass ich Ihr Zimmer gar nicht aufgeräumt hätte :-)! Da hat sie dann sogar bereitwillig mitgeholfen! Ansonsten helfen beide Kids sehr gerne im Haushalt mit und sind ganz stolz, wenn sie etwas alleine geschafft haben... Und die größte Unordnung macht der Papa! :-)! Und ihn störts nicht mal... Nur manchmal räumt er plötzlich auch ganz schnell auf, wenn Besuch kommt! Also öfter mal jemanden einladen...

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  10. Ab welchem Alter empfehlt ihr denn gemeinsames Ausmisten? Unser Kind wird Anfang des Jahres 2 Jahre und weiß schon sehr gut, was es alles hat ... heimlich ausmisten faend ich da auch doof, aber wie macht man einem so kleinen Kind verstaendlich, dass ein pasr Sachen gehen sollen?

    Und weil ihr sagt, man solle moeglichst nicht korrigierend eingreifen beim Helfen - aber wenn nun beim Wischen das Wasser auf dem Laminat pfuetzenweise landet, muss nun mal sofort eingegriffen werden; und heimlich nachwischen wird auch nicht immer gehen ... und wenn ich z.B. beim Waescheaufhaengen erst spaeter die Sachen so hinhaenge, dass sie gut trocknen koennen, faellt es dem Kind sicher auch auf, dass sie anders haengen ... und wenn es Waschpulver ins Fach fuellt, moechte ich eben vermeiden, dass die Haelfte daneben geht ... etc.
    Also an sich verstehe ich, was ihr meint, aber ganz praxistauglich finde ich es nicht unbedingt.

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    1. Ausmisten haben wir hier von Anfang an praktiziert. Ich sage meinen Kindern, dass ihre Sachen an bedürftige andere Kinder gehen, und irgendwie hatten wir nie ein Problem damit, Dinge loszulassen. Ab und an kommt ein Veto gegen das Ausmisten bestimmter Sachen, die bleiben dann natürlich.
      Wenn mein kleiner Sohn die Wäsche so tropfen nass auf seinen Wäscheständer hängt, dass sich darunter eine Pfütze auf dem Laminat bildet, dann lege ich schnell ein Handtuch drunter, aber ohne Kommentar. Ob er sie schief und krumm draufhängt, ist mir aber egal. Dann brauchen sie halt länger zum Trocken und haben hinterher Falten. Aber es sind ja seine Sachen. Waschpulver ins Fache mache ich immer selbst... er darf aber die Wäsche in die Trommel legen und auch wieder herausholen und er darf auch den Knopf zum Anmachen drücken, was er sehr spannend findet.
      LG, Snowqueen

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  11. Toller Artikel mit einer sehr guten Zusammenfassung von Magic Cleaning. Ich habe das Buch vor ziemlich genau einem Jahr gelesen und wollte dann auch zuhause umfassend ausmisten. Die empfohlene Großaktion habe ich noch nicht gemacht, aber ich überlege mir schon beim Einkaufen sehr viel genauer, ob das ein Lieblingsstück ist oder nicht. Und - ich schaue nicht, wie ich wenig gebrauchte Dinge hübsch sortieren kann, sondern gebe sie in die Kiste fürs Sozialkaufhaus.

    Auch meine 4-jährige hat schon kapiert, wie es funktioniert und erklärt mir dann beim Schuhe kaufen, dass genau diese drei Paar ihre Lieblingsschuhe sind, obwohl wir nur eines brauchen;-).

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  12. Wirklich schöner Artikel
    Insbesondere die Sache mit der Vorbildfunktion muss ich mir zu Herzen nehmen...
    Mich stört es eigentlich nicht hinter meinen Mäusen herzuräumen - sie sind mit 3 und 1,5 ja auch noch recht klein.
    Mir wird aber von allen Seiten, insbesondere von meiner Mutter Gesamtschule solle sie unbedingt dazu anhalten mir zu helfen, es gäbe keine bessere Übung um Selbstdisziplin zu erlebten.
    Wie seht ihr das? Schafft man es später Dinge zu tun, auf die man überhaupt keine Lust hat, wenn man das nicht von klein auf geübt hat? Wenn immer alles auf freiwilliger Basis funktioniert hat? Was wenn die Mäuse in ein paar Jahren gefühlte 1000 Unregelmäßigkeiten Verben oder ähnliches auswendig lernen müssen oder ähnliches?

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    1. Liebe Hanna, ja, diese Selbstdisziplin lernen sie trotzdem. Ich schreibe gerade einen ganzen Artikel drüber, weiß aber noch nicht, wann er fertig wird. Mein Kind geht ja an eine Freie Schule, d.. die Kinder dort dürfen jeden Tag das tun, worauf sie Lust haben. Komplett ohne Zwang. Wenn man sich die Zehntklässler dort ansieht, können die alle die unregelmäßigen Verben und so einiges mehr. Sie schaffen alle einen guten Abschluss, die meisten gehen weiter ans Gymnasium und gehören dort zu den besten Schülern. Aber das beschreibe ich dann ausführlich in dem anderen Artikel.
      LG, snowqueen

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  13. •"Wenn du jetzt nicht aufhörst, mit den Autos zu werfen, sind sie weg!" (dann nimmt das Elternteil sie weg und legt sie hoch oben auf einen Schrank)
    Das scheint mir immer so alternativlos, obwohl ich so ungern die elterliche Macht herauskrame. Habt ihr da eine Alternative zu, wenn ein Kind mit einem Gegenstand auf eine Weise umgeht, die man nicht als akzeptabel erachtet und sich davon auch nicht abbringen lassen möchte? (also Alternativen anbieten und sowas nicht funktioniert)

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    1. Ich sitze da immer so lange neben dem Kind, bis es das Auto freiwillig in meine Hand legt. Zur Not halte ich es zart davon ab, zu werfen. Wirft es doch, schaue ich wütend auf das Auto und sage: "Nein! Nur Bälle dürfen geworfen werden!" und nehme dann meinen Son auf den Arm und gehe mit ihm zur Ballkiste und spiele dort mit ihm. Das Auto bleibt dann vergessen auf dem Boden liegen.
      LG, snowqueen

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    2. Damit habe ich auch Schwierigkeiten! V.a.wenn es entweder dem Geschwister an Kopf gedonnert wird oder so aufs Parkett gepfeffert, dass Schrammen entstehen. Dann nehme ich das Spielzeug auch weg...

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  14. In vielem stimme ich Dir, liebe Snowqueen, voll zu, z.B. klappt das mit der zeitlichen Verschiebung wirklich sehr oft. Ich lasse meinen Sohn dann auch oft selbst festsetzen, wann er denn dann aufräumen wird, wenn nicht jetzt. Überhaupt muss er sein Zimmer nicht jeden Tag aufräumen, sondern immer nur, wenn es einen echten Grund dafür gibt, z.B. dass ich mal wieder staubsaugen müsste oder dass der Boden so voll ist, dass ich ohne Verletzungsgefahr nicht mehr an Fenster oder Schrank rankomme. Ansonsten darf er z.B. seine Legobauten ruhig tagelang stehen lassen; er spielt dann ja auch weiter.
    Auch der Tipp mit dem Ausmisten ist sehr gut. Mein Sohn sagt meist erstmal "nein", wenn ich vorschlage, etwas auszusortieren. Wenn ich aber zu einem späteren Zeitpunkt nochmal frage (und vielleicht nochmal...), willigt er oft ein.
    Als er kleiner war (er ist jetzt 6), habe ich aufgeräumt, dann mit ihm zusammen, inzwischen räumt er alleine auf - er möchte oft, dass ich ihm dabei helfe und das mache ich auch, wenn ich gerade Zeit habe, aber nicht, wenn ich z.B. gerade kochen muss - und das akzeptiert er dann auch (naja, meistens...)
    Ja, es gab auch schon eine konfliktreiche Phase, und ja, ich habe auch schon Druck ausgeübt ("es gibt kein Fernsehen, bevor hier nicht aufgeräumt ist") - was ich mittlerweile nicht mehr gut finde, aber zum Glück hat es ihm das Aufräumen nicht vergällt.
    Was ihn immer sehr bestärkt, ist, wenn ich ganz verblüfft und erfreut auf das aufgeräumte Zimmer reagiere ("Boah, ist das jetzt schön!"). Das ist im Endeffekt ja Lob, oder? Und ich bin in diesem Punkt nicht Eurer Meinung: eine ehrlich gemeinte Anerkennung für echte Leistung ist meines Erachtens nichts Schlechtes. Natürlich ist das extrinsische Motivation und die kann die intrinsische nicht ersetzen - aber sehr wohl verstärken, glaube ich! Ich gehe einfach von mir aus: ich mache meine Arbeit so gut ich kann, weil ich sie gut machen will - sonst bin ich nicht mit mir zufrieden. Ich mache das auch ohne Lob. Aber es tut doch saugut, mal gesagt zu bekommen, dass man es gut macht! Davon zehre ich dann ganz lange; es beflügelt mich! Also, ich glaube: Lob ist nur schädlich, wenn es bewusst manipulativ und künstlich (also nicht echt gefühlt) ist.
    So, und jetzt, liebe Snowqueen, der Punkt, wo es mir echt die Haare aufgestellt hat beim Lesen: die Passage mit der Putzfrau!! Verstehe ich richtig: weil die Kinder keinen Bock zum Aufräumen haben, kommt eben die Angestellte, damit es keinen Konflikt im Hause gibt?? Meinst Du das ernst?? Wenn ja: was signalisierst Du damit Deinen Kindern? Dass sie für ihr eigenes Chaos nicht zuständig sind, sondern das Personal??? Ja, wie arrogant ist das denn, sorry??? Und ich habe das tatsächlich schon erlebt, dass in der Schule manche Kinder ihren Müll einfach zu Boden fallen lassen und auf die Aufforderung, diesen in den Mülleimer zu befördern, geantwortet haben: "Wieso? Hier gibt´s doch ´ne Putzfrau!" - da stand ich erstmal fassungslos da!
    Und was ist das denn für ein Argument, die Kinder hätten sich all das nicht ausgesucht: die Menge an Spielzeug (wobei da ein wahrer Kern drin ist: man sollte darauf achten, dass es überschaubar bleibt!) und überhaupt, dass sie auf der Welt sind??? Mit dem Argument könntest Du sie ja von allen Pflichten befreien (und das im Prinzip für den Rest ihres Lebens)!!
    Zum Schluss aber noch was Positives: ja, Kinder helfen von sich aus gern, und mein Sohn ist da wirklich sehr eifrig, der schleppt mir z.B. stundenlang Äste durch den Garten, recht das Laub zusammen usw., und auch meine Bitte, beim Ausräumen der Spülmaschine zu helfen, wird ganz selten abgeschlagen (was ich dann zulasse, denn die Küche betrachte ich tatsächlich als "meine" Zone).
    Viele Grüße, Hanni

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    1. Ich denke, Danielle meint die Passage mit der Reinigungskraft (Ich mag den Begriff "Putzfrau" nicht. Schließlich können auch Männer saubermachen ;)) anders.
      Jeder Mensch kann unterschiedliche Dinge gut. Und wenn man selber etwas nicht kann, ist es für alle angenehmer sie auszulagern, als sie unbedingt und schlecht gelaunt selber zu machen. Du wirst ja wahrscheinlich deine Möbel nicht selber bauen (Wie arrogant ist das denn, du kannst doch bitteschön selber Hand an den Hobel legen. Warum lässt du das denn den Handwerker machen? ;))
      Meine Eltern hatten eine Reinigungskraft. Niemand von uns wäre auf die Idee gekommen, Müll liegenzulassen, wenn sie kommt. Es war eher so, dass wir vorher noch aufräumen mussten, damit die gute Frau besser sauber machen konnte. Und der Fensterputzer war das absolute Highlight. (Altbau, 2. Stock, Fenster öffneten sich nach außen, da macht kaum jemand die Fenster selber sauber.) Dem durften wir Kinder immer helfen. So habe ich vernünftig Fensterputzen gelernt. Und durch die Erfahrung, mache ich das sogar echt gerne.
      Wenn man den Menschen, die für einen Arbeiten erledigen, egal ob es aufräumen/putzen, Möbel bauen oder Kinder betreuuen, respektvoll entgegentritt, lernen die Kinder das auch. Man muss nicht alles selber machen. Man kann Arbeiten auslagern, wenn es einem dadurch besser geht. Man sollte sich nur deswegen nicht als etwas Besseres fühlen.

      Und das Argument, Kinder hätten sich die Menge des Spielzeuges und ihre Anwesenheit auf der Welt nicht ausgesucht. Natürlich haben sie es nicht. Das bedeutet nicht, dass sie nie Verantwortung für sich selber übernehmen müssen, sondern, dass sie die erst lernen müssen. Am Besten am Vorbild ihrer Eltern.
      Für viele Sachen braucht man Erfahrung. Erfahrung, die Kinder noch nicht haben. Und solange ist man als Elternteil in der Verantwortung. Doch je älter die Kinder sind, um so mehr Erfahrung haben sie. Und um so mehr Eigenverantwortung können und wollen sie übernehmen. Diesen Wunsch nach Eigenverantwortung muss man fördern und unterstützen, in dem man Kindern eine Umgebung bietet, in der sie genau das lernen können.

      Liebe Grüße
      Fliegenpilz

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    2. Liebe(r?) Fliegenpilz,
      der Vergleich mit dem Möbelbau hinkt meiner Meinung nach, weil das einfach nicht jeder gelernt hat oder kann. Aufräumen hingegen kann im Prinzip jeder, wenn es auch sicher nicht jedem gleich viel Spaß macht. Und stimmt, eigentlich muss man vor dem Besuch der Reinigungskraft (ja! das ist ein besseres Wort!) aufräumen, das hatte mich beim Lesen auch verwundert, denn da hatte ich es so verstanden, dass sie das Aufräumproblem lösen soll. Naja, vielleicht dann insofern, als alle verstehen, dass vor deren Besuch wirklich aufgeräumt werden muss.
      Grüße, Hanni

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    3. Liebe Hanni,

      der Absatz über die Haushaltshilfe hat ja für sehr viel Aufsehen gesorgt. Nur hatte ich ihn eigentlich anders gemeint. Es geht darum, eine Lösung für die Zeit zu finden, wenn die Kinder sich noch nicht in jemanden anderes hineinversetzen können und daher den Eltern keine Wertschätzung für die Aufräumarbeit geben können, sondern diese als "gegeben" hinnehmen. Frustriert die das soooo sehr, dann müssen sie eine Lösung finden. Eine Lösung wäre, die Kinder dann zu zwingen, mit aufzuräumen, damit sie sehen, wie schwer das ist. Wer das nicht möchte, aber auch nicht frustriert sein möchte, der braucht eine andere Lösung. EINE Möglichkeit wäre dann, die Arbeit an eine Haushaltshilfe abzugeben und dieser dann als Elternteil Wertschätzung entgegen zu bringen (und auch den Kindern Wertschätzung ihr gegenüber beizubringen). Es geht nicht darum, mit Geld um sich zu werfen, damit die Probleme in der eigenen Familie "weggehen". Es geht in dem Absatz nicht ums Saubermachen, sondern um die Wertschätzung, die den Eltern fehlt (und die die Kinder aufgrund ihres Alters und ihrer kognitiven Reife noch nicht geben können). Offenbar kam das aber nicht gut genug heraus, ich werde versuchen, die Zeit zu finden, ihn nochmal umzuschreiben.

      Wir haben eine Haushaltshilfe seit sechs Jahren, sie ist wie eine Freundin für unsere Familie. Wir haben sie nicht eingestellt, weil ich wegen der Wertschätzung frustriert war, sondern weil ich die Zeit mit meinen Kindern, die ich neben Arbeit und Blog habe, nicht mit Putzen verbringen wollte. Wann immer eins meiner Kinder mutwillig etwas verdreckt, sagen wir: "Hey, XX hat sich viel Mühe gemacht, das sauber zu machen! Du machst hier gerade ihre Arbeit zunichte und das finde ich echt doof!". Und dann machen meine Kinder diese Stelle freiwillig wieder sauber. Sie malen ihr zum Geburtstag Bilder und basteln ihr zu Weihnachten Geschenke - ich glaube, mehr Wertschätzung kann man nicht geben.

      Ich kenne Kinder in der Schule, die Bonbonpapier fallen lassen und sagen, es gäbe doch eine Putzfrau. Möglicherweise haben ihre Eltern ihnen tatsächlich keine Wertschätzung gegenüber von Haushaltshilfen beigebracht. Das wäre ein Versäumnis. Möglicherweise wollen diese Kinder mit dieser Tat und dieser Aussage aber auf ein ganz anderes Problem ihrerseits hinweisen und nutzen diese Provokation dafür. Bei meinen Schülern in der Schule ist das so - die haben nämlich definitiv zuhause keine Haushaltshilfe.

      Im Übrigen kann ich mich daran erinnern, dass meine Freunde in der Pubertät gerne "cool" ihre Coldadosen auf den Boden warfen oder auch Bonbonpapier, wo immer sie standen. Keiner von denen war bedürfnisorientiert aufgewachsen, keiner hatte eine Haushaltshilfe. Ich war diejenige, die diese Dosen und Papiere dann wieder aufhob, weil ich es nämlich unmöglich fand, die Umwelt so zu verschmutzen.

      Liebe Grüße, Snowqueen

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  15. Schöner Artikel, vor allem mal wieder mit dem wichtigsten Thema u d der verbreitetesten unart vieler Eltern: der Wenn-dann-Erziehung.
    Nur deine Schlussfolgerungen Putzfrau und Social-Media-postings haben mir nicht gefallen.
    In einem Mindestmaß aufzuräumen und zu putzen ist einen notwendige und daher in sich wertvolle Arbeit. Das lernen Kinder meiner Meinung nach nicht wenn man das einfach abschiebt.
    Die Social-Media-Postings stehen für mich im Widerspruch zu deiner Ablehnung der manipulation von Kindern durch Lob und Tadel - sie folgen nämlich dem gleichen Prinzip - ich tue etwas damit andere mich Loben.
    Das angesprochene Bedürfniss nach Wertschätzung dahinter ist aber der Grundfehler, mit genügend eigenem Selbstwertgefühl kann ich aufräumen ohne das meine Kinder oder jemand anderes mich "wertschätzen müssen". Der Weg zu diesem Selbstverständnis ist schwer aber lohnt sich und befreit. Falls dich/euch das weiter interressiert: http://www.generationp.de/blog/2016/10/26/zwei-wochen-social-media-blackout

    Minimalismus und ausmisten ist super. Ich habe es mehrfach um ca. 1/3 gemacht. Inmerhalb von 3 Monaten, 3 mal ein drittel - jetzt haben wir wieder platz.

    Sorry für die orthographie - leider übers Handy kommentiert.
    Beste Grüße

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    1. Lieber Stefan, danke für deinen Kommentar. Ich schrieb ja, dass Eltern, die voll und ganz hinter dem Prinzip Freiwilligkeit stehen, eher kein Problem mit der Wertschätzung ihrer Arbeit haben - das ist natürlich der Idealfall, aber es gelingt wohl nur den wenigsten von uns.
      Zu deinen anderen Kritikpunkten: Ich denke weiterhin, dass Kinder vornehmlich durch Beobachtung lernen, d.h. wenn ich für meine Haushaltshilfe Sachen zusammenräume und Dinge hochstelle, damit sie ihre Arbeit leichter und schneller durchführen kann, sehen und lernen meine Kinder, dass Aufräumen wertvoll ist. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen - im Moment ist es bei uns so, dass meine größte Tochter unheimlich gern aufräumen spielt (sie ist jetzt 6). Das war vor ein paar Jahren noch nicht abzusehen, aber ich empfinde es als eine Bestätigung für meine Theorie.
      Die Idee mit den Social Media Postings war mit einem Augenzwinkern geschrieben.... es steht natürlich im Widerspruch zum Nicht-Loben, aber wir sind ja nun einmal mit Lob und Tadel aufgewachsen, d.h. unser Gehirn ist so vernetzt, dass wir gut auf Bestätigung von Außen ansprechen. Das wollen wir bei unseren Kindern anders machen, aber das hat ja mit Social Media nichts zu tun. Das Lob von dort geht ja an uns.
      Liebe Grüße, Snowqueen

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  16. Oh. Ich habe wohl schon so ziemlich jeden Fehler gemacht, der hier beschrieben ist.
    Tatsächlich haben wir eine große Familie (7 Kinder zwischen 16 und 0) und einen entsprechend großen Haushalt, und tatsächlich habe ICH mir das so ausgesucht. Dennoch frustriert es mich oft so unglaublich, das überall so schnell wieder Chaos entsteht, obwohl ich aufräume wie eine Wilde. Hier fand ich die Sache mit den Bedürfnissen erhellend: Ganz klar, mir fehlt die Wertschätzung für meine Mühe. Dass Nörgeln und Wenn-dann-Drohungen nichts bringen, sondern den Familienfrieden belasten, weiß ich zur Genüge.
    Hier habe ich nun viele neue Denkansätze gefunden, aus denen sich vielleicht auch neue Lösungsansätze für mich ergeben können. Immerhin ist es ja nie zu spät, etwas besser zu machen...
    Vielen Dank!

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