Wir haben beschlossen, es pragmatisch zu sehen, und veröffentlichen den dritten Teil des Buches nun einfach ergänzend hier im Blog. Parallel dazu haben wir auch eine Reihe in unserem Podcast aufgenommen.
Organisatorische Schwierigkeiten mit mehreren Kindern
Einmal waren wir mit Calotta und Helene (damals 6) und Josua (damals 2,5) im Urlaub im Freibad. Carlotta hatte schon das bronzene Schwimmabzeichen und ist eine echte Wasserratte. Sie freute sich so sehr, dass sie sich quasi schon beim Bezahlen an der Kasse den Badeanzug anziehen wollte. Als wir endlich durch die Schranke durch waren, rannte sie los und war in weniger als einer Minute fertig. Ungeduldig wartete sie auf uns. Helene ging das viel zu schnell. Sie wollte in Ruhe eine Kabine zum Umziehen finden, außerdem kannte sie das Freibad nicht und hatte etwas Angst, von fremden Kindern angespritzt zu werden. Sie wählte super langsam einen Spind aus und brauchte eine halbe Stunde, um sich zu akklimatisieren und umzuziehen. Josua waren Bäder im Allgemeinen damals noch eher unheimlich, also wollte er auf meinem Arm bleiben. Immerhin ließ er sich anstandslos umziehen, so dass ich nach etwa 5 Minuten mit ihm und Carlotta losziehen konnte. Meine Frau blieb bei Helene und wartete geduldig.
Carlotta flatterte von Becken zu Becken, probierte Rutschen aus, sprang vom Beckenrand, tauchte, schwamm und war nach 30 Minuten völlig durchgefroren. Ich überredete sie, mit uns ins warme Babybecken zu kommen, um ihre blauen Lippen wieder rosig zu färben. Also spielte sie noch einmal 15 Minuten vergnügt mit ihrem kleinen Bruder im flachen Wasser. Leider war das Wasser dort so wohlig warm, dass sie danach auf keinen Fall mehr in die kälteren Becken wollte. Carlotta "hatte fertig". Nach 45 Minuten Aufenthalt. Helene auf der anderen Seite, fing gerade erst an, das Freibad zu erkunden. Sie ging nicht ins Wasser, sondern lief alle Becken ab und entdeckte sogar Rutschen, die Carlotta in der Eile völlig übersehen hatte. Freundlich bat sie den Bademeister, das Wellenbad anzuschalten, und hüpfte dort ausgelassen im flachen Wasser. Dazu hatte Carlotta schon keine Lust mehr - viel zu kalt. Sie drängelte und wollte nach Hause. Da auch Josua vom warmen Wasser mittagsmüde war, willigte ich ein. Wir gingen zurück zur Jugendherberge. Helene und meine Frau dagegen blieben noch 2 Stunden im Schwimmbad und arbeiteten systematisch alle Attraktionen ab.
Dieses Beispiel zeigt gut, wie organisatorisch schwer es ist, die verschiedenen Charaktere und Bedürfnisse von Geschwistern unter einen Hut zu bekommen. Wäre Josua älter gewesen, wäre der Nachmittag noch komplizierter geworden. Dann hätten zwei Eltern vor drei Kindern gestanden und vermutlich ein Problem gehabt. Doch auch so war es schon nervenaufreibend. Wir mussten uns einigen. Wir mussten Kompromisse und Konsens finden. Oft bedeuten solche Situationen Streit, Diskussion, Schmollen, oder freundliches Einlenken, je nachdem, wie gut die Aufmerksamkeitstanks der Kinder (und der Eltern) gefüllt sind. In dieser kleinen Artikelserie soll es daher ganz pragmatisch um die Frage gehen: Wie kann man allein oder zu zweit mit zwei oder mehr Kindern Alltagssituationen lösen, die scheinbar unlösbar oder einfach super stressig sind?
Einschlafen - wenn mehrere Kinder in den Schlaf begleitet werden wollen
Das "Ins-Bett-Bring-Ding" mehrerer Kinder ist wohl der Endgegner der meisten Eltern im Alltag. Wer von uns zittert nicht innerlich, wenn er weiß, der Partner oder die Partnerin werden am Abend nicht da sein und wir müssen die Kinder irgendwie allein ins Bett bringen... Alle Kinder wollen zum Einschlafen mit uns kuscheln, sie liegen jedoch in ihren eigenen Betten. Zerreißen können wir uns nicht. Oder die Kinder streiten darum, jeweils allein ins Bett gebracht zu werden, ohne das Geschwister im Schlepptau. Frau Wunnibar erzählt uns, wie das bei ihren Kindern so abläuft.
Hauptdarstellerinnen sind K1 (5) und K2 (1 1/2).
Wir beginnen im Bad. Umziehen und Zähneputzen. K2 ist müde. Wenn K2 müde ist, brüllt sie aus jedem erdenklichen Grund. K2 will die Sternespange haben. K1 will sie ihr nicht geben. K2 brüllt. Ich versuche, die Spangen wegzuräumen. K1 will aber noch Spangen für morgen raussuchen. Sie schüttet die Spangen auf den Toilettensitz. K2 brüllt lauter, weil da jetzt dreißig Spangen liegen, die sie nicht haben darf. Ich atme.
Immerhin haben wir das Zähneputzen im Griff: K1 macht Zahnpasta auf die Bürsten, dann putzen wir alle und als letztes putze ich nach. Wir haben übrigens zwei identische Zahnbürsten für die Kinder, weil K1 sonst prinzipiell K2s schöner findet. Jetzt hat sie ein Stück Glitzerklebeband auf ihrer Zahnbürste. Das ist okay. Jetzt aber ab ins Schlafzimmer. Dazu singen wir „Ab ins Bett, düpdüdüdüpdüdü“ zur Melodie von Baby Shark. Jetzt habe ich wieder einen Ohrwurm bis morgen Abend, aber beide stapfen freiwillig ins Schlafzimmer. Das ist es wert.
Ich setze mich zwischen die Kinder aufs Tandembett. Dieses sieht so aus, dass wir zwei Betten jeweils an der Fußseite zusammengebaut haben, so dass die Kinder zusammen in einem schmalen, überlangen Bett schlafen, und sich mit den Füßen oder wahlweise den Köpfen berühren können. Ich nehme das parat liegende Buch. K2 will blättern. K1 will lesen. Ich verhindere fuchtelnd, dass die Kinder die Seiten zerrupfen, und halte das Buch am ausgestreckten Arm, sodass K2 nicht dran kommt. Dann kann ich aber kaum lesen. Das ärgert K1. K2 versucht, auf K1 zu klettern, um näher ans Buch zu kommen. K1 ist genervt und schubst sie weg. K2 kreischt auf. Vorlesen geht jetzt nicht. Ich komme auf die gute Idee, K2 die Flasche anzubieten. Dann trinkt sie halt jetzt schon, Hauptsache ich kann irgendwie vorlesen.
Ein paar Seiten weiter hat K2 ausgetrunken - ihre Lebensgeister sind durch das magische Elixir Milch geweckt. Sie steht auf und zetert, weil der Schlafsack sie am Laufen hindert. Aber sie wurschtelt sich weiter und ich kann K1 zumindest ein paar Seiten vorlesen. K2 ist nun an der Heizung angekommen und macht sich am Temperaturfühler zu schaffen. Sie brüllt, weil sie das Ding nicht von der Wand reißen darf. K1 jammert, weil ich nicht mehr vorlese. Ich möchte auch jammern. Wie lang kann so ein Buch eigentlich sein?
Ich gehe zu K2 und beruhige sie ein bisschen. Die Heizung bleibt an der Wand. Das Kind krabbelt zu K1′ Bettseite, schnappt sich die Bettdecke und versucht, sich damit zuzudecken. Ich nutze die Gelegenheit, um zuendezulesen. K2 schläft fast ein. Ich nehme sie auf den Arm.
K1 macht sich das Nachtlicht an, ich schalte das Licht aus. Hallo? Deine Schwester schläft schon fast! Na gut, K1 kuschelt sich unter die Bettdecke. Über ihr ist ein Dachfenster. „Das Helle da stört mich, so kann ich nicht einschlafen.“ flüstert sie. „Das ist der Mond“ flüstere ich zurück. „Das ist ja der KRACHER! ICH LIEBE DEN MOND!“ ruft sie aus. Jo, jetzt ist K2 wieder wach. Ich weine leise in mich hinein. Da K1 laut eigener Aussage so nicht schlafen kann, möchte sie das Rollo runtergemacht haben. Dafür muss ich K2 absetzen und sie wird noch wacher. Sie findet, sie habe ausgeschlafen und wirft fröhlich mit Stofftieren. Ich bemühe mich, ruhig zu bleiben. Die Kinder berühren sich leicht mit den Füßen, machen Quatsch und lachen. Das ist sehr knuffig, aber führt irgendwie nicht zu Schlaf. Ich nehme K2 auf den Schoß, um sie zu wiegen und rücke ein wenig weg, damit sich die Füße der Schwestern nicht mehr berühren. K1 beschwert sich, dass ich zu weit weg bin. Ich verlagere K2 in eine andere Position und rücke in Richtung K1. Das macht sie so glücklich, dass sie mir nun erzählen will, was heute das Schönste am Tag war. Ok, das kann jetzt dauern. K2 lautiert derweil vor sich hin. Man könnte es auch Grölen nennen. Ich habe Schwierigkeiten, K1 Geschichte zu folgen, weil K2 mir ins Ohr gurgelt. Ich verbiege mich halb, um eine Hand auf K1′ Rücken legen zu können, und hoffe, sie bemerkt nicht, dass meine "Oh!" und "Aha" nicht zu ihrer Erzählung passen. Wegen meiner Schieflage tut mir bald der Rücken weh, aber egal, Hauptsache, die beiden schlafen bald ein. Endlich werden die Mädchen leiser. Ich beginne, die drei Einschlaflieder zu singen. K2 lautiert erst mit, dann wird auch sie stiller. Ich mache innerlich drei Kreuze. Gleich habe ich es geschafft! Plötzlich setzt sich K1 kerzengerade auf. Ich versuche leise flüsternd zu erfragen, was los ist, ohne, K2 in meinem Arm zu alarmieren. Sie sagt, ihre Träume sind weggeflogen. Alarm! Ich rede auf sie ein, und sage, ihre Träume werden wiederkommen, wenn sie sich hinlegt. K1 ist nicht überzeugt und diskutiert. K2 setzt sich auf. Aaaaargh! Ich werde nachher sehr viel Schokolade brauchen.
Ich kläre noch einmal, dass Träume im Liegen am besten zu einem finden, fange erneut an zu singen und die Kinder kuscheln sich ein. K2 möchte nach ein paar Minuten lieber im Bett liegen und windet sich aus meinem Arm. Yes! K1 kann nicht schlafen. Menno. Ich sage ihr, wenn K2 schläft und sie dann noch wach ist, komme ich zu ihr rüber. K2 möchte doch lieber wieder in meinen Arm. Ich seufze unhörbar. Nach etwa drei weiteren Wechseln zwischen Arm und Bett schließt K2 die Augen und beginnt, tief zu atmen. Ich warte noch zwei Minuten, lege sie ab und gehe zu K1 ans Kopfende. Sie möchte auch noch in den Schlaf begleitet werden. Ich singe leise. Schon nach dem ersten Lied atmet sie flach. Ich schleiche ninjamäßig zur Tür. Kurz bevor ich es rausschaffe, ein energisches Flüstern: „Dass ich schlafe, heißt nicht, dass du rausgehen darfst, bevor du alle drei Lieder gesungen hast!“ Moah! Zurück ans Bett. Ich singe. Ein leises „Danke, ich habe dich lieb“. Dann nur noch ruhiges Atmen. Puuuuh. Schokolade, ich komme! [Frau Wunnibar, 26]

Sagen wir, ein Elter ist abends allein mit einem Baby und einem Kleinkind. Oder es sind zwar beide Eltern anwesend, aber das Kleinkind besteht vehement darauf, nur von Mama ins Bett gebracht zu werden und das Baby schreit, sobald es auf Papas Arm ist. Beide Kinder wollen und sollen ins Bett. Doch wie?
Möglichkeit 1 - Der/die Partner|in übernimmt
Das Baby wird während der Schreistunde (meist zwischen 18 und 21 Uhr) von dem zweiten Erwachsenen in die Trage genommen und entweder vor der Dunstabzugshaube in den Schlaf gewackelt, oder schläft hoffentlich bei einem Spaziergang ein. Es mag sein, dass ein Baby bereits die Mutter bevorzugt beim Einschlafen, aber das heißt nicht, dass es sie dringend braucht. Solange liebevoll und feinfühlig seine Bedürfnisse beantwortet werden, können auch Vater oder Co-Mutter das Baby in der Einschlafphase betreuen.
- strammes Einwickeln (Pucken),
- Seitenlage,
- Schhhhhh-Geräusch (weißes Rauschen),
- Schuckeln und
- Saugen (Nuckel, Brust, Finger).
Wurde das Baby mit den 5 S zum Schlafen gebracht, schläft es meist noch, wenn das Kleinkind ins Bett gebracht werden soll. Wenn das Kleinkind schläft, wacht das Baby meist noch einmal auf, darf dann bei den Eltern im Wohnzimmer sein und geht mit ins Bett, wenn die Eltern ins Bett gehen.
Möglichkeit 2 - Alleinspielzeit/Medienzeit für das große Kind
Das Baby wird in den Schlaf gestillt, während das Kleinkind allein (oder am besten mit dem zweiten Elternteil) im Kinderzimmer spielt. Wenn es allein spielen soll, muss vorher unbedingt zunächst die "Alleinespielzeit" geübt werden. Wie das genau funktioniert, könnt ihr im Buch nachlesen oder im Podcast hören.
Viele Familien erlauben dem Kleinkind in der Zeit, ein bis zwei Folgen seiner Lieblingsserie zu schauen. Für einige Kinder ist das jedoch zu auf- oder anregend. Das muss man erst einmal testen. Doch erinnern wir uns: Wir haben damals als Kinder auch das „Sandmännchen“ oder „Wolff und Rüffel“ vor dem Schlafengehen geschaut.
Möglichkeit 3 - Selbstbestimmtes Einschlafen
Relativ nah dran an Möglichkeit 2 ist Möglichkeit 3: Das Baby wird in den Schlaf begleitet, während das Kleinkind selbstbestimmt einschlafen darf. Selbstbestimmtes Einschlafen bedeutet, dass ein Kind zunächst von den Eltern bettfertig gemacht wird (Baden, Schlafanzug, Zähneputzen) und dann leise in seinem Zimmer spielen kann, bis es merkt, dass es müde wird. Dann geht es allein ins Bett und knipst das Licht aus. Viele Kinder mögen es, dann noch ein Hörspiel zu hören. Heutzutage gibt es viele kleinkindgerechte Geräte, die einfach zu bedienen sind, bspw. die Toniebox oder die Tigerbox . Das selbstbestimmte Einschlafen ist eine wunderbare Möglichkeit für die Erwachsenen, allerdings gibt es nur wenige Kinder, die so autonom einschlafen wollen.
Möglichkeit 4 -Die Kinder gleichzeitig in den Schlaf begleiten
Beide Kinder werden gleichzeitig in den Schlaf begleitet. Dies ist im Prinzip die problematischste Ausgangslage, aber in der Praxis hat sich gezeigt, dass es sich nach einer Weile bei den meisten Familien gut einpendelt.
Ein Baby gewöhnt sich normalerweise schnell an die Geräusche, die das Kleinkind zum Einschlafen macht. Und auch Kleinkinder können einschlafen, wenn ein Baby neben ihnen lautiert und brabbelt. Es gibt Kinder, die beim Einschlafen weinen, um den Stress des Tages abzubauen. Sie weinen nicht allein, sondern meist in den Armen ihrer Eltern. Und doch ist das Weinen erst einmal untröstlich, bis der gesamte Stress aus ihrem System herausgespült wurde. Erst dann können sie einschlafen.
Das klingt hart für die Geschwister, wir können jedoch aus eigener Erfahrung versichern, dass diese sich daran gewöhnen können, auch mit dieser Geräuschkulisse einschlafen zu können. Ich habe meiner nicht weinenden Tochter immer das beim Liegen nach oben zeigende Ohr zugehalten, damit sie nicht all zu sehr gestört wird. Dieses Ritual ist bei ihr zum Einschlafsignal geworden und wurde noch Jahre eingefordert, obwohl das Weinen ihrer Schwester schon lange aufgehört hatte.
Möglichkeit 5 - Das Baby an ein ultimatives Einschlafsignal gewöhnen
Das Baby wird an ein Einschlafsignal gewöhnt, welches ihm ermöglicht, überall einzuschlafen. Einschlafsignale sind alle Arten von wiederkehrenden Abläufen, Umständen und Gegenständen, die einem Kind in ihrer Gesamtheit zeigen: „Jetzt geht es ins Bett.“ Wird ein Kind also ausgezogen, werden seine Zähne geputzt und ihm der Schlafanzug angezogen, so wären das drei Signale, die das Gehirn darauf vorbereiten, bald in den Ruhemodus zu schalten. Auch das Anziehen des Schneeanzugs und das Ablegen des Kindes im Kinderwagen sind Einschlafsignale – in diesem Fall für den Mittagschlaf.
Wählt man Einschlafsignale geschickt aus, kann man sie zu seinen Gunsten nutzen. Beispielsweise könnte man das Baby an einen Stubenwagen gewöhnen, so dass es immer dieselbe Umwelt sieht, wenn es darin liegt. Dann könnte der Stubenwagen mit Eltern und Geschwistern durch die Zimmer mitwandern, je nachdem, wo sie spielen oder selbst einschlafen wollen. Ich habe in einem Elternkurs eine Mutter kennengelernt, die ein klitzekleines blaues Wurfzelt benutzte, um ihr Baby überall zum Schlafen zu bewegen. Sobald es in diesem Zelt lag, schlief es ein, egal, wo sich das Zelt befand. Auch eine bestimmte Lampe, ein Tuch oder ein Kuscheltier können zu Einschlafsignalen werden, die der Familie ermöglichen, das Baby an jedem x-beliebigen Ort abzulegen.
Josua zum Beispiel lagerte beim Stillen immer auf einem großen Stillkissen und schlief darauf ein. So konnten wir ihn auf diesem Stillkissen problemlos durch die Wohnung tragen und er schlafend die Stationen des Schlaf-Rituals seiner Schwestern mitmachen.
Möglichkeit 6 - Schlafen in der Trage
Für den Mittagschlaf ist es möglich, das Baby in der Trage in den Schlaf zu stillen oder zu tragen. So haben die Eltern die Hände frei, um mit dem größeren Kind beispielsweise auf dem Spielplatz zu spielen.
Möglichkeit 7 - Schlafen im Geschwisterbett
Die (älteren) Kinder bekommen ein Geschwisterbett und schlafen miteinander ein. Das geht sogar explizit ohne Hilfe von Erwachsenen. Die Kinder bekommen ein Doppelbett bzw. wie bei Frau Wunnibars Beispiel oben Betten, die am Fußende miteinander verbunden sind, und versuchen, zusammen in den Schlaf zu finden. Sie haben in der Nacht dann immer eine Bindungsperson neben sich, und kommen deshalb sehr viel seltener rüber ins Elternschlafzimmer.
Zwei Nachteile des Geschwisterbettes gibt es:
1. Das Einschlafen dauert meist länger, weil zunächst einmal miteinander getobt wird. Das muss man als Erwachsene aushalten können, möglichst ohne einzugreifen. Denn im natürlichen Verlauf der Dinge ebbt das laute Toben und Lachen von allein ab, sobald alle Energie herausgehüpft wurde.
2. Sind die Geschwister gerade verkracht, dann ist ein Geschwisterbett keine gute Option. Für solche Momente müsste es irgendwo in der Wohnung noch eine Schlafmöglichkeit für einen der Streithähne geben.
Möglichkeit 8 - Pendeln zwischen den Kinderzimmern
Super anstrengend, aber möglich ist es, die Kinder in unterschiedlichen Zimmern zum Schlafen zu legen und dann als Elternteil in regelmäßigen Abständen mal in dem einen und mal in dem anderen Zimmer zu erscheinen, um Händchen zu halten und Schlaflieder zu singen. Eltern und Kinder sind ja aneinander gebunden. Dieses unsichtbare Bindungsband wird in der Literatur manchmal auch als „Gummiband“ bezeichnet, weil es zwar gedehnt werden kann, die beiden Verbundenen jedoch nach einer gewissen Zeit wieder zueinander schnipsen wollen. Gerade beim Alleine-Einschlafen wird dieses Gummiband von der Kinderseite sehr gedehnt, weil es für ihr noch steinzeitlich geprägtes Gehirn als Wagnis erscheint, ohne Eltern einzuschlafen. Das Gehirn schlägt deshalb gern „Alarm“, d. h. die Kinder haben plötzlich das unbestimmte Gefühl, zu uns kommen zu wollen. Sie stehen auf, und tapsen verschlafen zu uns ins Wohnzimmer, verlangen vage nach einem Glas Wasser oder dem Monsterspray, und wollen eigentlich nur eins: Mit uns kuscheln. Um diesem natürlichen Bindungsmechanismus zu entgehen, können wir Eltern dem Ziehen des unsichtbaren Gummibandes zuvorkommen: Wir gehen ins Kinderzimmer, setzen uns an ihr Bett, kuscheln ein bisschen, sagen Gute Nacht und gehen hinaus, ins Zimmer des Geschwisterkindes. Dort das gleiche Ritual, dann raus und ins dritte Zimmer. Wenn wir dort fertig sind, können wir wieder (kurz) beim ersten Kind vorbeischauen, ihm versichern, dass wir noch da sind und alles gut ist, sie noch einmal küssen, um dann die Runde durch die anderen Zimmer fortführen. Nach 2-4 solcher Runden schlafen normalerweise alle Kinder.
© Snowqueen
In den weiteren Teilen dieser Serie erwarten Euch:
Teil 2 - Probleme wegen des Altersunterschiedes
Teil 3 - Einkaufen mit mehreren Kindern
Teil 4 - Grundbedürfnisse aller erfüllen, aber...
Teil 5 - Unterschiedliche Wünsche den Aufenthaltsort betreffend
Teil 6 - Aufbrüche, Abbrüche und Termine einhalten
Teil 7 - Heikle Orte mit Kindern