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Auszeiten als Erziehungsmittel lösen Urängste aus

Liebesentzug durch Abwenden - warum diese Erziehungsmethode unsere Kinder an unserer bedingungslosen Liebe zweifeln lässt



Kind hält sich an einem Stuhl festSeit den Auftritten der "Super-Nanny" sind Auszeiten - bei ihr noch harmlos "stille Treppe" genannt - bei der Erziehung in aller Munde. Auch in vielen Erziehungsratgebern ist der Tipp zu finden: Kinder, die sich unangemessen verhalten, werden nach vorheriger Ermahnung durch eine gezielte Unterbechung des aktuellen Geschehens an einen anderen Ort verbracht, um ihr Verhalten zu reflektieren und sich zu beruhigen. Umfragen haben ergeben, dass 47% der Eltern Auszeiten als Erziehungsmethoden verwenden.

Vorab: Es spricht sicher nichts dagegen, wenn ein Kind sich aus eigenem Antrieb allein zurückzieht, um seine Emotionen zu verarbeiten und selbst entscheidet, wie lange es von den Eltern getrennt sein will - so lange dies selbstmotiviert geschieht. Die Erziehungsmethode "Auszeit", um die es in diesem Beitrag geht, ist maßgeblich davon gekennzeichnet, dass die Eltern das Kind aktiv aus einer Situation heraus nehmen und eine räumliche Trennung anordnen, die erst durch ein Signal seitens der Mutter oder des Vaters beendet wird. Man könnte also ganz deutlich sagen: erzwungene räumliche Isolation bzw. "Einzelhaft". 

Warum nutzen Eltern die Auszeit als Erziehungsmethode? 


Viele Eltern begründen die Nutzung von Auszeiten damit, dass sie ihren Kindern die Gelegenheit geben wollten, sich selbst in sicherer Umgebung (dem Kinderzimmer) zu beruhigen. Auch das oft leider falsch verstandene "Aus-der-Situation-nehmen" wird als ein Beweggrund angeführt. Eine Mutter im Foum schreibt zum Beispiel: "Er hat sich so in seinen Trotzanfall hereingesteigert, dass ich ihn in sein Zimmer gebracht habe. Ich wollte ihn erstmal aus der Situation nehmen und ihm die Chance geben, sich zu beruhigen. Hinterher bin ich zu ihm reingegangen und nachdem er sich für sein Verhalten entschuldigt hat, habe ich auch mit ihm gekuschelt. Ich bin wirklich nicht nachtragend und er zeigte mir ja, dass er verstanden hat, dass ich so ein Verhalten nicht dulde".

Warum ich mit dieser Art von Erziehungsmethoden grundsätzliche Probleme habe, möchte ich mit diesem Artikel begründen. 

Urängste können ausgelöst werden 


Auch wenn Auszeiten für das Kind augenscheinlich keine körperlichen oder materiellen Folgen hat, so wird doch die elementare Angst vor dem Verlassenwerden oder der Trennung der primären Bezugspersonen geschürt. Vor allem junge Kinder sind vollkommen abhängig von ihren Eltern - in einer Auszeit befinden sie sich in einer Lage, die sie zutiefst negativ bewegt. Sie fühlen sich im Stich gelassen.

Kinder haben von klein auf einen starken Bindungsdrang - sie sind für ihr Überleben darauf angewiesen, sich fest an Personen zu binden, die sie nach allen Kräften schützen und unterstützen - von dieses Personen vorsätzlich und ohne die Möglichkeit zu folgen, verlassen zu werden, löst in kleinen Kindern massive Ängste aus (vgl. Brisch, 2010: 12). Deshalb reagieren Babys und junge Kleinkinder oft sehr stark darauf, wenn ihre Bindungsperson ihr Sichtfeld verlässt - sie fangen an zu weinen und geben nicht eher Ruhe, bis diese zurück kommt und sie auf den Arm nimmt. Auch das Fremdeln ist Teil dieser Verlassensängste. Dieses Verhalten ist ein Überlebensmechanismus, den auch das logische Wissen "Mama ist im Wohnzimmer" nicht außer Kraft setzt.

Kinder sind also genetisch programmiert, in den ersten Jahren nicht allein sein zu wollen - Verlassen zu werden löst Urängste in ihnen aus. Mit Auszeiten manipulieren demnach Eltern ihre Kinder, indem sie diese Prägung ausnutzen. Zwar fängt ein Kind im ersten Lebensjahr an zu begreifen, dass Mama und Papa auch da sind, wenn es sie nicht sieht, das bedeutet jedoch nicht, dass es insbesondere in emotional sehr bewegenden Situationen in der Lage ist, sich das so ins Gedächtnis zu rufen, dass eine Selbstberuhigung möglich ist.

Eher das Gegenteil ist der Fall. Während es beim Auslöser der elterlichen Auszeit vielleicht einfach nur wütend oder müde war und deshalb einen Trotzanfall bekam, kann es passieren, dass es sich - allein gelassen und ins Zimmer gesperrt - in einen fast panischen Zustand hineinsteigert. Das wiederum überfordert häufig noch die Eigenregulation des Gehirns. Auf der körperlichen Ebene kommt es zu einer Erregung des sympathischen Nervensystems, welches für Kampf und Flucht verantwortlich ist (vgl. Brisch, 2010: 36).

Da das Kind nicht flüchten kann (Tür ist zu), wird es zunächst wild um sich schlagen, Dinge umherwerfen und kaputt machen. Das ist der günstigere Fall, weil es so nämlich seinen Stress teilweise selbst abbauen kann. Im ungünstigeren Fall schafft es das Kind nicht, sich durch Kampf zu regulieren, dann schaltet das Gehirn ein besonderes Notfallprogramm ein, das sogenannte "Abschalten". Diese Kinder werden dann von jetzt auf gleich ruhig, weil das Gehirn die Wahrnehmung von Gefühlen wie Panik und Angst und Schmerzen abschaltet. Nach außen hin wirken sie ganz normal, meist spielen sie ruhig im Zimmer, wenn die Eltern nachgucken kommen und letztere freuen sich dann, dass die Erziehungsmethode funktioniert hat. Innerlich bleibt die große Erregung jedoch erhalten und zeigt sich bei vermehrter Anwendung dieser Erziehungsmaßnahme durch Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen. Der erlebte Stress verschwindet nicht einfach aus dem Körper, er drückt sich über Körpersymptome aus (vgl. ebd., 2010: 45).

Das Abschalten kann im Übrigen auch dazu führen, dass Kinder noch Jahre später - sogar noch im Erwachsenenalter - mit Symptomen wie Wut und Schmerz in Situationen reagieren können, die von außen betrachtet gar nicht schlimm waren. Aber ein kleines Detail triggert dann die damals abgeschnittenen Gefühle und der Mensch braust auf, ist wütend oder traurig oder beschämt und weiß gar nicht, wo diese großen Gefühle eigentlich herkommen. Insbesondere in Situationen mit den eigenen Kindern werden Eltern häufig getriggert und reagieren ungewöhnlich stark (vgl. ebd., 2010: 120).

Im Grunde kann man also, neben körperlicher Gewalt, einem Kind nichts Schlimmeres antun, als es vorsätzlich zu verlassen. 

An Bedingungen geknüpfte elterliche Liebe 


Junge liegt traurig auf dem BodenNeben dem Spielen mit den Verlassenängsten der Kinder signalisieren Eltern durch das Verhängen von Auszeiten: "Du hast etwas getan, das für mich nicht akzeptabel ist, deshalb kannst du für den Augenblick von mir keine Zuneigung erwarten. Benimmst du dich so, wie ich es für richtig erachte und gestehst du dein Fehlverhalten ein, bin ich bereit, dich wieder lieb zu haben und alles zu vergessen. Aber nur dann. So lange du wütest, will ich von dir nichts wissen".

Natürlich sind die Gedankengänge der Eltern hier etwas überzogen dargestellt, aber ich finde trotzdem, dass es es sich bei Auszeiten im Grunde um nichts anderes als einen gezielten Liebesentzug handelt, in der Absicht, Kinder gefügsam zu machen und dazu zu bringen, das zu tun, was man von ihnen erwartet. Die vielzitierte bedingungslose elterliche Liebe wird durch das Verhängen von Auszeiten ad absurdum geführt. Die Mütter und Väter glauben ganz sicher, dass sie ihr Kind bedingungslos lieben - die Frage ist nur, kommt das bei dem Kind auch an?

Auszeiten führen in der Regel tatsächlich dazu, dass das Kind (vermeintlich) reuig ist und sein Verhalten (vorübergehend) anpasst - daher werden sie oft als wirksam empfohlen. Als ich schwanger war, gab mir meine mittlerweile verstorbene Oma einen guten Rat: "Sei skeptisch gegenüber Erziehungsmaßnahmen die "funktionieren", denn unsere Kinder sind keine Maschinen." Deshalb möchte ich an dieser Stelle kritisch hinterfragen - warum funktioniert die Auszeit denn? Ich kann mir schlecht vorstellen, dass ein Kind im Alter von beispielsweise fünf Jahren im Zimmer sitzt und tatsächlich darüber nachdenkt, was an seinem Verhalten falsch war und warum. Ich denke nicht, dass durch Auszeit echte Einsichtigkeit generiert wird, ebensowenig wie Empathie, wenn das Kind z.B. in die Auszeit geschickt wurde, weil es ein anderes gehauen hat. Ich bezweifle, dass durch das Verhängen von Auszeit ein Kind dauerhaft davon abgehalten wird, unerwünschtes Verhalten zu zeigen. Im Höchstfall wird es nach Androhung einer erneuten Auszeit damit wieder aufhören, allerdings nicht, weil es sich daran erinnert, welche Einsichten es bei der letzten Auszeit gewonnen hatte, sondern aus der Angst heraus, wieder weggesperrt zu werden und die elterliche Liebe zeitweise zu verlieren. Und ist es das, was wir wollen - dass unsere Kinder aus reiner Angst gehorchen?

Diesbezüglich habe ich kürzlich einen Erfahrungsbericht einer mit Auszeiten erzogenen Frau gelesen (den ich hier mit freundlicher Genehmigung zitieren darf, danke, M.):
"Auszeiten geben war die bevorzugte Erziehungsmaßnahme meines Vaters. Meist durften wir, wenn die Länge der Strafe nicht vorher definiert war, wieder rauskommen, sobald wir unseren Fehler einsahen und uns entschuldigten. Für mich hieß das im Grunde nur, wie lange halte ich es aus, bis ich es nicht mehr ertragen kann und raus wollte, kuscheln wollte und spüren, dass alles wieder gut ist.  
Also gab ich das von mir, was man von mir hören wollte: "Entschuldigung...., ich weiß...., es kommt nicht wieder vor...." Tatsächlich sagte ich das mit ehrlichen Emotionenen, die aber aus dem Wunsch heraus resultierten, dass Papa nicht mehr böse ist und nicht, weil ich plötzlich so an Einsicht gewonnen und 100 % von meinem Fehlverhalten überzeugt war. Noch heute weiß ich, dass ich als Kind diese "Strafe" als ungerecht empfand und mir eigentlich nie so richtig sicher war, was ich eigentlich Schlimmes getan hatte... Ich war so zwischen 4 und 9 als das stattfand. Bei meinem Vater habe ich mir immer Mühe gegeben, brav zu sein, da ich mir der Höchstrafe bewusst war - wobei ich mich ehrlich frage, wieso ich dann doch so oft im Zimmer war. "
Kinder, die mit Auszeiten diszipliniert werden, entwickeln in der Regel ein geringeres Selbstwertgefühl - was nicht erstaunlich ist, wenn die elterliche Macht dergestalt verstärkt eingesetzt wird. Kinder haben das grundlegende Bedürfnis geliebt und anerkannt zu werden - deshalb funktioniert diese Methode auch - weil sie die Angst schürt, eben diese Anerkennung und Liebe entzogen zu bekommen. So sehr wir uns sicher sind, dass wir unsere Kinder natürlich trotzdem lieben - so wenig können wir dieses Wissen bei ihnen voraussetzen (vgl. Kohn, 2010: 29). Kinder empfinden Auszeiten als Ablehnung und als Strafe - die vermeintliche elterliche Absicht, die Emotionen beruhigen zu wollen, können sie kognitiv nicht erfassen.

Am Ende  einer Auszeit bleibt das Gefühl von Demütigung, Herabsetzung und Zurückweisung. Kein Kind möchte von seinen Eltern getrennt sein und sich ungeliebt fühlen - schon gar nicht in Situationen, in denen es emotional bewegt ist. Warum soll ein Kind auch alleine mit seinen Emotionen klar kommen müssen? Kleinere Kinder können ihre Gefühle noch nicht selbst regulieren - sie benötigen dafür die Unterstützung ihrer Bezugspersonen (vgl. Brisch, 2010: 38). Wenn es keine körperliche Nähe in einer Konfliktsituation zulässt, kann man dennoch für das Kind da sein - allein durch Anwesenheit. Es gibt gute Methoden, aufgewühlten Kindern beizustehen, sie zu beruhigen und die kritischen Situation emotional befriedigend für alle Beteiligten zu gestalten. 

Mittlerweile distanziert sich auch Katia Saalfrank von der Erziehungs-Methode der Auszeit - sie erklärt dazu u. a. hier
"Das Kind wird nicht nur massiv in seiner Autonomie und Entwicklung eingeschränkt, sondern auch in seiner Persönlichkeit gekränkt", sagte die 41-jährige Pädagogin in der "Frankfurter Rundschau". Das Konzept für die Sendung sei aus England gekommen und habe diese Maßnahme enthalten. "Für mich hat sich diese Methode nach kurzer Zeit als destruktiv erwiesen", sagte Saalfrank."

Fazit 


So beliebt sie auch ist - die Erziehungsmethode "Auszeit" gehört längst in die Mottenkiste. Sie funktioniert nur, weil Kinder vermeiden möchten, bestaft zu werden und immer den Drang haben, eine positive Beziehung zu ihren Bindungspersonen (Eltern) aufrechtzuerhalten (vgl. Brisch, 2010: 45). Sie würden alles dafür tun, um keinen Liebesentzug erleiden zu müssen. Doch ist es das, was wir uns für eine Beziehung zu unseren Kindern wünschen? Ich glaube kaum.

Einzig und allein als Mittel letzter Wahl, bevor man selbst explodiert und gar handgreiflich wird, halte ich es für verantwortungsvoller, die Kinder durch eine räumliche Trennung aus dem eigenen Wutradius zu entfernen. Dabei sollte sich im Notfall das Elternteil jedoch selbst zurück ziehen. Oft reichen nur wenige Minuten, um sich in den Griff zu bekommen. Dem Kind kurz zu sagen: "Ich gehe kurz raus und komme gleicht wieder" ist in solchen Situationen in jedem Falle angebrachter, als das Kind wegzusperren.



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Kommentare:

  1. Meine Eltern haben das bei mir auch so gemacht, ich weiß noch genau die Worte meiner Mutter.
    " ich geh jetzt weg, du bist böse. Wenn du dich wieder lieb bist darfst du rauskommen."
    Das beeinflusst mich noch heute, ich mag zum beispiel nicht mit meinem freund streiten weil ich immer das Gefühl hab ich werde dann nicht mehr geliebt. Dabei sind das manchmal nur kleinigkeiten aber ich kann das Gefühl von auf einander sauer sein nicht ertragen.
    Jetzt bei meiner Tochter werde ich es anders machen damit sie sich auch mal streiten kann ohne sich gleich total schlecht zu fühlen und damit sie weiß das sie trotzdem geliebt wird.

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  2. Ich mache schon eine "Auszeit" mit meinen Kindern. (Bei uns sind es meist Konflikte mit Geschwistern.)
    Ich hole das betroffene Kind (und auch mich) aus der Situation auf einen neutralen Platz und bleibe dabei! Wir sprechen in Ruhe (weg von den Anderen) über die Situation. Es endet meist mit einer langen Umarmung.
    Schwieriger ist es wenn beide die "Schuld" dem anderen zusprechen. Dann gehen wir zu dritt zum neutralen Platz und einer nach dem anderen erzählt. Dabei fange ich immer an, sonst gibt es da gleich den nächsten Streit ;-) .
    Bisher bin ich sehr gut damit zurecht gekommen.

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    1. Hallo,

      eine solche Auszeit ist im Artikel nicht gemeint - mir ging es um Situationen, bei der (vor allem sehr kleine) Kinder vorsätzlich alleine gelassen werden in der Absicht, sie zu bestrafen oder "gefügig" zu machen.

      Einen Streit zwischen Geschwistern durch räumliche Trennung zu beenden, ist sicher sinnvoll und schadet nicht, so lange man dabei bei dem Kind bleibt (wobei das bei einem 6-Jährigen etwas anderes ist, als bei einem 3-Jährigen).

      Dein Lösung gefällt mir sehr gut - so würde ich das auch praktizieren.

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  3. Interessant, bestätigt übrigens zumindest in Teilen mein Bauchgefühl. Aber ein Aspekt kommt mir da zu kurz: Was ist eigentlich mit Eltern, die durch heftig reagierende Kinder (da hier reden wir allerdings schon von Altersgruppenn ab 4) an ihre Grenzen gebracht werden? Wie viel muss ich als Mutter aushalten? Ich bin kein Roboter, der immer funktioniert, sondern habe auch Gefühle, Stärken und Schwächen. Ich muss mich zum Schutz aller Beteiligten vielleicht auch mal selbst aus der Situation nehmen, um nach einer "Auszeit für mich" wieder voll da sein zu können.
    Im übrigen bin ich der Meinung, dass man als Eltern durchaus auch Fehler machen darf. Kinder verzeihen das, wenn man das hinterher bespricht, Einsicht zeigt. Den Eltern also ein noch größeres schlechtes Gewissen zu machen (Dein Kind wird traumatisiert!), als sie es unter Umständen eh schon haben, halte ich mit Blick auf die gesamte Familiensituation für wenig hilfreich.

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    1. Hallo,

      es geht bei diesem Artikel überhaupt nicht darum, Eltern, die in Ausnahmesituationen handeln, ein schlechtes Gewissen zu machen. Ziel ist es, die Eltern zu erreichen, die Auszeiten für eine gute Methode halten und diese regelmäßig praktizieren, ohne groß darüber nachzudenken.

      Man muss als Mutter nicht endlos viel aushalten - wenn man am Ende seiner Kräfte und Nerven ist, ist es vollkommen legitim, sich selbst aus der Situation zu nehmen. Ideal ist, wenn man dann noch kurz Bescheid sagt und das ohne Wut tut. Das ist keine Auszeit für das Kind in der Absicht, es zu manipulieren, sondern eine normale Reaktion, die sicher keinem Kind schadet.

      Natürlich darf man Fehler machen - darum geht es auch gar nicht - es geht darum, Verhaltensweisen zu überdenken, die man ohne groß nachzudenken vielleicht aus seiner eigenen Kindheit übernommen hat.

      Und ja - kleine Kinder werden definitiv traumatisiert, wenn Mama plötzlich weg ist - große Kinder verfügen über Objektpermanenz - die wissen, dass Mama noch da ist.

      Viele Grüße und vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Danielle

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  4. Ich denke das man mit einer Auszeit nur das Problem umgeht anstatt sich mit der Situation auseinander zu setzen. Es ist umgehen von Erziehung und man macht es sich nur leicht.ich glaube nicht das kleine Kinder ihr Verhalten mit dem weg sperren in Verbindung bringen können. Das ist zu weit gedacht!

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  5. Danielle, wie bewertest du "Auszeiten" im Kindergarten, in dem Kinder, die ein "Fehlverhalten" gezeigt habe, welcher Art auch immer, im Gruppenraum (Erzieherinnen und andere Kinder sind anwesend) auf einen Stuhl gesetzt werden, und da eine gewisse Zeit sitzen müssen? Die Erzieherin kommt dann nach ca. 5 Minuten, spricht mit dem Kind über sein Fehlverhalten, und dann darf das Kind wieder aufstehen. Werden hier auch Urängste geschürt? Die Erzieherin ist nicht die Mutter... und das Kind ist nicht allein in einem separaten Raum... würde einfach gern mal deine Einschätzung wissen!

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    1. Auszeiten in der Kita sehe ich etwas anders. Es ist im Grunde das einzige Disziplinierungsmittel der Erzieher/innen. Klar - es ginge auch besser, aber machen wir uns nichts vor - die Erzieher/innen haben einfach keine Zeit und vor allem keine Geduld, das alles mit gewaltfreier Kommunikation zu lösen.

      Und nein - Urängste werden da nicht geschürt, die Kinder sind ja nicht allein, sondern temporär in der Bewegungsfähigkeit eingeschränkt.

      Und in Bezug auf die Bedingungslosigkeit geht es vor allem um die Eltern-Kind-Beziehung - daher finde ich Auszeiten in der Kita tolerierbar - so lange die Aufsichtspflicht nicht verletzt wird. Manche setzen die Kinder ja vor die Tür - das finde ich schon deutlich kritischer (auch weil sie so separiert werden).

      Viele Grüße!
      Danielle

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    2. Liebe Danielle,

      die Frage, ob Auszeiten für Kita-Kinder angemessen sind, hat mich hierhin geführt. Mein Sohn (1,5 Jahre alt) wird seit einer Woche in einer Kita eingewöhnt, in der nur Kinder zwischen 1 und 3 Jahren sind. Beim Frühstück nahm ein Junge seine Finger in den Mund, was er offenbar nicht sollte. Nach zwei Ermahnungen wurde er von einer Erzieherin auf einen separaten Sessel gesetzt, mit dem Rücken zur Gruppe. Er weinte und alle Kinder am Tisch waren sichtlich irritiert. Ich auch. Nach ein paar Minuten wurde dem Jungen zwar gesagt, er dürfe wiederkommen, wenn er nun die Finger nicht mehr in den Mund nehme... diese Info wollte oder konnte er allerdings nicht verstehen und blieb weinend auf dem Sessel. Die Situation löste sich erst auf, als das Frühstück beendet war und alle Kinder zum Zähneputzen gerufen wurden.
      Die Vorstellung mein Kind dort alleine zu lassen, bereitet mir nun tatsächlich schlaflose Nächte. Alleine für seine 'Tischmanieren' dürfte er wahrscheinlich jedes Mittagessen auf diesem Sessel verbringen. Von uns kennt er solche Strafen und Maßregelungen nicht. Wo liegt deines Erachtens nach, die Altersgrenze, dass ein Kind eine Auszeit ertragen kann? Und sind nicht die Erzieherinnen auch Vertrauenspersonen für die Kinder, die durch diese Strafen das Vertrauen der Kinder brechen? Diese Erziehungsmethode ist also gängige Praxis in unseren Kitas und ich muss mich damit arrangieren oder lohnt es sich, sich nach einer alternativen Betreuung für mein Kind umzuschauen?
      Viele Grüße

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    3. Hallo,

      diese Frage ist schwer zu beantworten, wenn man nicht den Gesamtkontext kennt. Dier bereitet die Situation in jedem Falle Unbehagen - war es eine einzelne Situation oder kommt Dir der Umgang generell eher wenig liebevoll vor?

      Grundsätzlich sind Auszeiten in Kitas relativ weit verbreitet und ich habe ein gewisses Grundverständnis dafür, dass Erzieherinnen ein Mittel verwenden, das schnell und effektiv ist. Sie müssen den Alltag mit ganz vielen Kindern bestreiten und sie haben schlicht nicht die Zeit, auf jedes einzelne Kind einzugehen. Das wäre zwar schön und wünschenswert, aber es ist illusorisch. Wenn man Kinder in die Fremdbetreuung gibt, muss man einfach hier und da Abstriche machen. Das Kind wird nicht raus geschickt, sondern nur separiert - es wird sich als nicht ängstigen, sondern "nur" ausgegrenzt fühlen. Nicht schön, aber weniger schlimm.

      Etwas seltsam finde ich den Grund - Finger im Mund ist in dem Alter nun wirklich weder unangemessen noch strafenswert.

      Ich würde das vom Gesamtempfingen abhängig machen - wenn es nur diese Situation war, dann könnte ich persönlich (noch) drüber hinwegsehen. Aber wenn mehr dazu kommt, dann würde ich mich schon nach Alternativen umschauen. Leider gibt es noch immer nicht viele, die wirklich kindgerecht sind :-(.

      Euch alles Gute!
      Danielle

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  6. Danke für den Artikel - das Thema ist mir nicht neu, allerdings komme ich immer wieder damit in Berührung. Meine Tochter ist 2 und hat starke "Wutanfälle" (blödes Wort) und dann ist wirklich garnichts mehr richtig. Von anderen kommt dann oft "Lass sie doch mal kurz schreien" oder "Geh mal raus" oder so - also eine weit verbreitete Methode. Auch wenn ein Kind "trotz" soll man es ja mal stehen lassen, dann kommt es schon nach. Auch als ich im Kindergarten gearbeitet habe war das eine gängige Methode - schreit ein Kind zu viel / zu lang wird es ignoriert, das beruhigt sich schon, will ja nur Theater machen. Mein Bauchgefühl war dabei immer ganz ganz mies und ich hab das natürlich nicht unterstützt...

    Ich werde jetzt mal die verlinkten Beiträge weiterlesen :) Liebe Grüße!

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  7. Danke für den Artikel. Leider mache ich mir jetzt schreckliche Vorwürfe. Unsere Tochter, gerade 3, high need und traumatisiert (ich allerdings auch dadurch), hört gerade null, man kann machen, was man will. Richtig gewalttätig gegen uns und verbotene Dinge (Beißen, Treten, Hauen) noch mit breitem Grinsen extra. ich weiß wirklich nicht mehr, was ich machen soll. Insgesamt habe ich einen hochempathischen Erziehungsansatz. Da bei ihr Stress mit Schmerz verknüpft ist (chronische Schmerzstörung), müssen wir sie, um das zu entkoppeln, regelrecht konditionieren, also aggressiv-weinerliches Verhalten ignorieren, weil die Zuwendung als Belohnung funktioniert und damit immer wieder neuen Schmerz verursacht. So weit, so gut, aber kürzlich im Zug hat sie es auf die Spitze getrieben, mein absolut pazifistischer Mann und ich waren völlig am Limit, und nichts hat geholfen. Wir mussten da raus, haben das Abteil ohne sie verlassen (gerade außer Sichtweise, nach mehrmaliger vorheriger Ankündigung der Konsequenz), und weil ich Angst hatte, dass sie sich in der Rage selbst verletzt oder randaliert (mit demselben Ergebnis) haben wir sie im Maxicosi des Babys, den sie übrigens liebt --> Regression, festgeschnallt. Wir waren ca. 2 Sekunden draußen außer Sichtweite, sind dann direkt wieder rein, sie war schon völlig aufgelöst. Jetzt mache ich mir furchtbare Vorwürfe, dass ich ihr das Schlimmste angetan habe. Wie siehst Du das (ehrlich) und vor allem: Was hättest Du in meiner Situation getan?

    Vielen Dank und liebe Grüße

    Mo

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    1. Liebe Mo,

      Dein Gefühl sagt Dir ja schon, dass es nicht optimal gelaufen ist. Ich kenne mich mit Schmerzerkrankungen nicht aus, weswegen ich schlecht beurteilen kann, wie weit das Einfluss auf die Situation hat(te) und inwiefern anders gehandelt werden sollte, als wenn eine solche nicht vorliegt.

      Ich habe herausgelesen, dass ihr ein Baby habt - kann es sein, dass ihre Aggressivität mit der Geburt Eures Sohnes zusammenhängt? Eifersucht ist manchmal nicht als solche Erkennbar, weil die Kinder zum Geschwisterchen außergewöhnlich lieb sind und es geradezu vergöttern - dennoch kämpfen sie sehr damit. Auch die Regression ist ein Zeichen dafür, dass es ihr wirklich nicht gut geht. Hast Du unseren Artikel zur Entthronung gelesen? Wenn nicht, solltest Du das unbedingt mal machen (Stichwortverzeichnis Aggression oder Entthronung).

      Zu der speziellen Situation im Zug - Du schreibst "wir mussten da raus" - das klingt danach, dass ihr das getan habt, um sie (oder Euch zu schützen). Und ihr seid sofort zurück gekommen - daher denke ich, dass das natürlich ein schlimmes Erlebnis für Dein Kind war, aber ihr Urvertrauen wird davon nicht erschüttert sein, da Du Dich ja sonst immer liebevoll und empathisch zuwendest. So lange es sich im einmalige Situationen handelt, haben Kinder die Fähigkeit, diese zu verarbeiten - eine Auszeit im emotionalen Taumel zerstört keine Kinderseele. Wenn man sie systematisch und gezielt als normales Erziehungsmittel einsetzt, dann wird das Kinder durchaus beeinträchtigen. Aber sie erwarten nicht, dass wir immer zu 100% pädagogisch wertvoll und adäquat reagieren - sie verkraften auch ein paar Ausnahmesituationen.

      Daher quäle Dich nicht mit Vorwürfen, sondern versuche zu schauen, was hinter dem Verhalten steckt und zu schauen, wie man die Situation für alle verbessern kann.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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  8. Interessanter Artikel. Leider gibt es keinen Vorschlag, was man statt dessen tun könnte!

    Bei uns kommt der Große (jetzt3,5J.) auf den "roten Stuhl" (ein roter Hocker), die Eieruhr wird auf 3 Min. eingestellt - aber er bleibt bei uns im Raum. Schon alleine, weil er sonst absteigen würde und spielen. :-) Da wir eine 3-Zi.-Whg. haben, war die "stille Treppe" für uns nicht praktikabel. In sein Zimmer schicke ich ihn manchmal, wenn er während des Essens Theater macht und habe da dann schon ein schlechtes Gewissen. Eine bessere Lösung habe ich noch nicht gefunden. Das "Theater" macht er dann meist, weil er zu müde ist (heult dann ganz laut, weil ihm irgendetwas nicht passt) - also eigentlich blöd ihn dafür zu bestrafen. Aber da ich mit Baby froh bin, wenn ich überhaupt irgendwann mal zum Essen komme und Lärm beim Essen gar nicht haben kann, sehe ich das dann als einzige Lösung. Er kann sofort wieder kommen, wenn er sich beruhigt hat. Dass ich mit meinem essen ins Schlafzimmer gehe, fände ich dann auch nicht ganz passend... Falls jemand einen besseren Vorschlag hat, würde ich mich freuen!

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    1. Hallo,

      nun - die Alternative ist: Das Kind NICHT mit Auszeiten bestrafen.

      Du stellst ja fest, dass er vor allem dann "Theater" macht, wenn er müde ist - dafür kann man ihn m. E. tatsächlich nicht bestrafen - vor allem nicht in dem Alter. Und ich finde die Lösung, dass Du gehst, gar nicht so schlecht. Es ist völlig legitim, wenn Dich der Lärm stört, aber Du erwartest da definitiv viel zu viel von Deinem Sohn - in ein bis zwei Jahren ist es in Ordnung, Rücksicht zu erwarten, aber mit 3,5 Jahren sind Impulskontrolle und Empathie einfach noch sehr schwach ausgebildet. Aber das wird!

      Viele Grüße!
      Danielle

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    2. Liebe Anonym,

      meine Kollegin Danielle hat zwar schon geantwortet, aber ich möchte noch kurz ergänzen.

      Du hast recht, im Text ist keine Alternative zur Auszeit genannt. Das liegt daran, dass die Art der Erziehung, die wir hier beschreiben, nicht an kurzfristigen Lösungen für Problemverhalten interessiert ist. Stattdessen wollen wir schauen, was denn eigentlich der Grund für das Problemverhalten ist - und diesen Grund dann beseitigen. In deinem Fall kann ich mir zum Beispiel gut vorstellen, dass dein Sohn im Moment beim Essen so viel Quatsch macht, weil er traurig ist und eifersüchtig auf das Baby. Es ist im aber nicht bewusst. Er hat da nur so ein komisches Gefühl im Bauch, das unangenehm ist und das er loswerden möchte. Dieses Gefühl ist der unbewusste Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit von dir. Und dieser Wunsch lässt ihn Quatsch veranstalten, denn dann hat er zumindest kurzfristig mehr Aufmerksamkeit von dir. Das hier in den Kommentaren zu erklären würde zu weit führen. Bitte lies dir unseren Text zur Entthronung der Erstgeborenen durch, darin wirst du manche Antwort finden, vielleicht sogar auf Fragen, die du dir noch gar nicht gestellt hattest.
      Aber zurück zur Auszeit: Wenn du es schaffst, den Grund für sein schlechtes Benehmen zu finden (ihn fragen hilft nicht!) und diesen Grund zu beseitigen, wird automatisch auch das schlechte Benehmen aufhören und du brauchst gar keine Auszeit mehr geben. Bezogen auf meine Annahme, dass dein Sohn sich mehr Aufmerksamkeit von dir wünscht: Wenn du öfter am Tag mit ihm kuschelst, ihm etwas vorliest, ihn anlächelst oder auf den Arm nimmst, wird nach kurzer Zeit das Quatschmachen beim Essen einfach aufhören.

      LG, snowqueen

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    3. Hallo!
      Danke für Eure Antworten! Den Beitrag zur "Entthronung" werde ich mir noch zu Gemüte führen, aber ich denke nicht, dass es daran liegt, sondern in beiden Situationen (Mittagessen und Abendessen) wirklich an der Müdigkeit. Er scheint gerade zu wachsen (immer Mal wieder Wachstumsschmerzen in der Nacht), wirkt insgesamt matter und ist schneller als sonst schon sehr müde. Ich versuche jetzt, das Mittagessen fast 1h früher fertig zu haben und er geht abends 1/2h früher ins Bett und wir essen dementsprechend auch etwas früher zu Abend. Und das klappt in den meisten Fällen gut.
      Die Beziehung zu meinem großen Bruder ist ein "Opfer" der Entthronung - er hat mir meine Existenz praktisch bis heute (wir sind 37 und 40J. alt...) nicht verziehen. Deshalb habe ich mich mit dem Thema in der Schwangerschaft mit dem 2. Kind sehr auseinander gesetzt und bis heute zumindest ist die ganz große Eifersucht, vor der mich so viele warnten, ausgeblieben. Er st der "Qualitätszeit"-Typ und ich versuche so gut wie möglich, ihm seine Extra-Mama-Zeiten täglich mit einzubauen. Klar glückt das nicht immer so.
      So, der "rote Stuhl" funktioniert seit Neuestem nicht mehr - kann ihn ja schlecht "draufprügeln", wenn er sich nicht mehr darauf setzt, sondern sich statt dessen unter dem Couchtisch verkriecht (grinsend). Werde mich mal mit Euren Artikeln zur Autonomiephase befassen und irgendwo hatte ich etwas über besonders wütende 3-4Jährige gelesen (bevor der Computer abstürzte). Das suche ich mir nochmal raus.
      Danke nochmal (auch für diese tolle Homepage!) und liebe Grüße!

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    4. Mir platzt jetzt hier die Hutschnur,da fragt euch eine Mutter nach Alternativen, und ihr meint es ist Eifersucht bla bla. Schon klar.
      Ihr habt doch ein am Sender ich zitiere;
      "Wenn du öfter am Tag mit ihm kuschelst, ihm etwas vorliest, ihn anlächelst oder auf den Arm nimmst, wird nach kurzer Zeit das Quatschmachen beim Essen einfach aufhören."
      WAS WISST IHR, WIE OFT DIE MUTTER EIN BUCH VORLIET, ODER OB DAS KIND JEDE NACHT INS FAMILIENBETT HUSCHT????.
      IHR UND EURE RATSCHLÄGE.
      Danielle hast du ein Kind óder zwei?

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    5. Liebe Kommentierende,

      Snowqueen hat ja weiter oben schon geschrieben, dass wir deswegen keine adäquate Alternative anbieten können, weil wir es ablehnen, dass ein Kind durch Strafen wie die Auszeit dazu gebracht wird, so zu handeln, wie wir uns das wünschen.

      Wenn Du Dich in unserem Blog umschaust, wirst Du jede Menge Alternativen zum Strafen finden: die Erhöhung der Kooperationsbereitschaft, das Auffüllen des Aufmerksamkeitsspeichers, das Wahrnehmen von Bedürfnissen, gewaltfreie Kommunikation, usw...

      Wir sehen ein auffälliges Verhalten immer als Signal dafür, dass es dem Kind nicht gut geht - und schlagen vor, die Beziehung durch liebevolle Maßnahmen zu verbessern. Wir gehen nicht davon aus, dass ein Kind, das deutlich seine Not zeigt, bestraft werden muss.

      Zu Deiner Frage: ich habe zwei Kinder und Snowqueen drei.

      Viele Grüße
      Danielle

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  9. Auch ich würde wirklich gerne wissen, was ich stattdessen machen soll.
    Unser Sohn ist fast drei, mein Mann und ich praktizieren einen sehr demokratischen Erziehungsstil, wir sprechen viel mit unserem Sohn, er darf viel mitmachen und mitbestimmen, er bekommt viel Nähe und Aufmerksamkeit (wir denken oft: zu viel, er ist leider noch Einzelkind). Er war schon immer ein sehr anspruchsvolles Kind, viel Nähe, viel Aufmerksamkeit, er ist lauter und aktiver als die meisten Kinder.
    Im Prinzip ist er ein sehr lebhaftes, lustiges und umgängliches Kind, seit ein paar Wochen legt er aber immer wieder ein Verhalten an den Tag wo wir einfach nicht wissen, was wir tun sollen, außer: ins Zimmer und Türe zu. Oder uns würde die Hand ausrutschen, aber das wollen wir natürlich nicht!
    Beispiel 1: „Papa darf kein Frühstück haben, nur ich darf Frühstück essen!“ Darauf folgt eine Erklärung von uns, warum das nicht geht und warum wir alle essen müssen. Kind reagiert mit Wutanfall, brüllen, Gabel in den Tisch rammen, Essen auf dem Tisch verreiben, Eltern ins Gesicht spucken und mit Essen bewerfen. Wie soll man auf so etwas reagieren? Wir finden, Grenzen müssen sein, das ist ganz klar zu weit gegangen, da er auf alles Schimpfen mit Verachtung und Lachen reagiert: kommt er in sein Zimmer. Was wäre ansonsten angebracht? Ich laß vor kurzem: nicht ins Zimmer, lieber auf einen Stuhl. Da kann ich nur lachen, da würde er nicht eine Sekunde drauf sitzen bleiben.
    Beispiel 2: Kind will sich nicht anziehen, mit Spielerei und Tricks schaffen wir es. Kind zieht sich kurz vor dem Gehen wieder komplett aus und erzählt dann lächelnd, er habe jetzt auf den Teppich gepinkelt. Er weiß ganz genau, dass das unterste Schublade ist, er weiß, dass Spucken, Hauen und Kratzen ein No-Go sind, er testet wirklich bewusst unsere Grenzen aus.
    Und wie gesagt- alles Reden bringt nichts. Nie. Er lacht uns aus und ignoriert uns.
    Auch in der Kita wurde uns zu Auszeiten geraten. Unser Sohn ist übrigens nicht schwer erziehbar oder traumatisiert oder verhaltensgestört, in der Kita sagen sie, er hat einfach nur einen sehr starken Willen und ist kräftiger und wilder als andere. Ich denke manchmal, dass solche Artikel einfach nicht für alle Kinder gelten. Und dass andere Kinder eben doch klare Grenzen brauchen und Bestrafung, wenn sie nicht eingehalten werden. Ehrlich gesagt macht es mich auch traurig, mir anhören zu müssen, ich würde meinem Kind schaden. Denn die Auszeiten in seinem Zimmer bringen zwar auch nur bedingt was (wobei er sich meistens dann den Rest des Tages zusammenzureißen scheint…), aber sie haben zumindest den Effekt, dass wir als Eltern uns nicht mehr völlig veräppelt von unserem Sohn fühlen, das ist für ein harmonisches Zusammenleben doch auch wichtig, oder? Ich muss ehrlich sagen, dass alles andere MIR und UNS auf Dauer schaden würde!
    Ich bin sehr gespannt auf eure Antwort!!! Wir sind nämlich sehr offen für andere Lösungsvorschläge!!!

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    1. Liebe Anonym, ich kann herauslesen, dass du diese Situationen mit seinem Sohn sehr schlimm findest und gern einen anderen Weg finden würdest, das aber allein nicht schaffst. Ich danke dir also für deine Anfrage. Ich will versuchen, sie hier zu beantworten.

      Zunächst einmal: Ich kann den Impuls, ein Kind ins Zimmer zu sperren, sehr gut nachvollziehen, denn ich habe ihn auch. Es kostet mich einiges an Mühe, ihm nicht nachzugehen. Ich habe auch die Impulse, mein Kind im Nacken zu packen, am Arm zu zerren oder auch, es mit einer gezeigten kalten Schulter (also Ignorieren) zu strafen. Ich brauche alle Willenskraft, die ich habe, in Stresssituationen mit meinen Kindern diesen Impulsen nicht nachzugeben. Wirklich. Ich erlaube mir nicht, jemanden zu verurteilen, der sein Kind geschüttelt oder geklappst hat, weil ich schon sooooo nah davor war, das auch zu tun. Ich kann mich also wirklich gut in eure Situation hineinversetzen.

      Was mir hilft, und ihr bedenken solltet: Diese Impulse mögen von eurem Sohn bei euch ausgelöst werden, aber der Grund dafür ist er nicht. Ihr wiederholt an ihm genau das, was mit euch als Kindern gemacht wurde. Vielleicht habt ihr es vergessen oder verdrängt, aber die Forschung zeigt eindeutig, dass wir als Kind erlebtes unreflektiert 1:1 weitergeben, wenn wir nicht ganz extrem dagegen ankämpfen. Wenn er euch also anspuckt oder haut oder auf den Teppich pullert, dann macht es in eurem Gehirn Klick und ihr habt den Gedanken, dass er sich das ja wohl nicht leisten darf. Dass ihr die Eltern seid und er gefälligst auf euch hören muss. Dass es nicht angehen kann, dass ein so kleiner Knirps euch auf dem Kopf herumtanzt. Und dann öffnet sich ein Automatismus in eurem Inneren, ihr seid gar nicht mehr wirklich Herr eurer Handlungen, sondern ihr folgt nur noch euren Impulsen - und die sind eben, ihn ins Zimmer zu sperren etc. Egal, wie demokratisch und harmonisch euer Familienleben sonst ist, in solchen Situationen, in denen er euch nicht achtet, werdet ihr zu anderen Menschen, richtig? Und ihr wollt das gar nicht. Ihr hasst es, so fremdgesteuert zu sein. Ihr habt hinterher ein schlechtes Gewissen, vielleicht weint ihr auch. Insgesamt wollt ihr einfach nur, dass er mit dem Quatsch aufhört, damit das Wutmonster in euch nicht erwacht.

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    2. Doch damit bürdet ihr ihm eine Aufgabe auf, der er definitiv noch nicht gewachsen ist. Er soll aufhören, euch zu veräppeln, damit ihr bessere Eltern sein könnt. Welches Kind kann das? Denn er ist ja noch nicht mal 3. Er ist 2! Ok, vielleicht ist er fast 3, aber das bedeutet, er ist immernoch ein KLEINkind. Er darf noch nicht einmal Überraschungseier essen, weil er an dem Spielzeug ersticken könnte. SO KLEIN ist er! Er kann seine Impulse noch gar nicht steuern, er kann seinen Frust und seine Wut noch nicht in Zaum halten, er kann auch noch nicht euren Blickwinkel in diesen Situationen einnehmen. Er weiß noch nicht, wie ihr euch dabei fühlt. Deshalb KANN es gar nicht sein, dass er euch absichtlich ärgert. Er tut diese Dinge nicht, um euch auf die Palme zu bringen. Das würde nämlich voraussetzen, dass er voraussehen kann, dass ihr deswegen wütend werdet. Diesen Perspektivenwechsel und diese Empathie wird er aber erst frühestens haben, wenn er vier Jahre alt ist. Es ist ein kognitiver Meilenstein, der eben erst in diesem Alter erreicht werden kann.

      Das bedeutet nicht, dass er keine Gründe hat, diese Dinge zu tun. Er macht sie schon absichtlich, da stimme ich dir zu. Aber seine Absicht ist nicht, euch zu ärgern. Seine Absicht ist (unbewusst), darauf Aufmerksam zu machen, dass es ihm irgendwie schlecht geht. Er fühlt sich von euch nicht angenommen, so, wie er ist. Irgendwo muss er das Gefühl haben, ihr liebt ihn nicht bedingungslos. Und das sagt er euch mit diesen Sachen. Wenn er also auf den Teppich pinkelt, dann sagt er einfach nur: "Mama, mir geht es nicht gut. Hör mir bitte zu, ich versuche dir etwas zu sagen." Wenn ihr ihn dann deswegen ins Zimmer sperrt, antwortet ihr: "Sag mir nicht andauernd, dass es dir nicht gut geht. Ich will das nicht hören. Ich will nur ein freundliches, fröhliches Kind." Das beste Ergebnis, das ihr mit so einem Vorgehen erreichen könnt ist, dass er irgendwann aufgibt und euch tatsächlich "vorspielt", es ginge ihm wieder gut. Dann habt ihr ein überangepasstes Kind, das zwar sehr gut in die Gesellschaft passt, aber im Inneren unglücklich ist. Das schlimmste Ergebnis, dass ihr mit diesem Vorgehen erreichen könnt ist, dass er nicht aufgibt (was an sich gut wäre), seine und eure Gewalt aber eskaliert, weil ihr ja immer noch nicht zuhört. Dann würde er seinen "Quatsch" nach außen tragen. In den Kindergarten, in die Schule. Er würde dann dort auf den Teppich pullern und wieder wäre das nur seine Art zu sagen: "Mir geht es nicht gut. Ist hier einer, der mir zuhört?" Findet er jemanden, der ihn dort versteht, dann kann es sein, dass dieser jemand (eine Lehrerin) ihn zurückführen kann zu normalem Verhalten (das ist ja mein Job an der Schule für Verhaltensauffällige). Das wäre gut. Wenn nicht, würde auch da draußen sein "Quatsch" eskalieren und er bekäme einen (Verhaltens-) Stempel aufgedrückt, den er nie wieder los wird.

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    3. Zu deinem "Papa soll nicht frühstücken"-Beispiel. Diese Phase haben kleine Kinder häufiger mal. Ich sollte zum Beispiel nicht singen. Es ist ein normaler Entwicklungsschritt und man braucht da nicht viel diskutieren. Selbstverständlich isst Papa frühstück und selbstverständlich singe ich, wenn ich dazu Lust habe. Was danach kam, war dann einfach nur Ausdruck seines Frustes, dass er keine Allmacht inne hat. In seinem Alter ist ja die Ich-Zentrierung noch besonders hoch. Er denkt, die Sonne geht auf, damit er aufstehen und spielen kann. Er denkt, der Bäcker backt Brötchen, damit er essen kann. Alles dreht sich in seinem Kopf um ihn. Das ist normal und vergeht dann irgendwann. Alle Kinder haben das in dem Alter. Und alle Kinder haben Wutanfälle, wenn sie merken, dass sie eben nicht alles steuern können. Das macht sie wütend und verzweifelt, denn das lässt ja ihr ich-zentriertes Weltbild einstürzen! Aber das hat nichts, null, nada, niente mit Grenzen testen zu tun! Das Gabel in den Tisch hauen, Essen verschmieren, spucken etc. ist in dem Moment einfach nur Ausdruck seiner Wut darüber, dass etwas nicht so läuft, wie er das geplant hatte. Diese Wut ist total okay! Er muss diesen Schmerz darüber, dass er nicht der Mittelpunkt der Welt ist, erst überwinden.

      Sicherlich ist das Ergebnis seiner Wut, also das Gabel pieken, das Essen werfen etc. nicht okay und in Erwachsenenaugen überzogen. Ich verstehe das. Aber das kann er echt noch später lernen. Wie man seine Wut anders kanalisiert, damit Dinge und Menschen nicht kaputt gehen. Das ist ein laaanger Lernprozess und darf bis zur Grundschulzeit dauern. Ich würde euch also raten, das Werfen, Spucken etc. in dem Moment so gut es geht zu ignorieren und stattdessen ihn in seiner Wut zu begleiten. Verbalisieren, was er fühlt und warum er es fühlt. Im Gespräch bleiben, statt ihn in diesem Moment zu bestrafen.

      Ich weiß nicht, ob dir diese Antwort konkret genug ist. Es ist sehr schwer, schriftlich zu erklären, wie ich in dieser Situation reagieren würde. Wichtig ist, dass ihr sein Alter im Hinterkopf behaltet. Er testet keine Grenzen, er ärgert euch nicht. Das kann er rein kognitiv noch gar nicht.

      Vielleicht helfen dir noch unsere Artikel : Freches Grinsen", "Impulsives Verhalten und Ungeduld" und "Wenn das Kind Eltern aggressiv schlägt, tritt und beißt".

      Liebe Grüße, snowqueen

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  10. Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Das hat mir sehr geholfen und zu denken gegeben. Eine Freundin (Kinderpsychologin) sagte jetzt auch, dass es gut ist, dass er das zuhause rauslässt, das heißt, er fühlt sich sicher und denkt nicht, er müsse seine Emotionen verstecken. Ich bin auch erleichtert, dass es vielen so geht, ich bin wirklich oft kurz vor der Explosion! Aber wir werden uns in Ruhe und Geduld üben müssen. Danke auch für den Teil mit der Sonne. Ich musste laut lachen, so ist es wohl! LG!!

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  11. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel! Erschrocken stelle ich fest, dass ich bei meiner Tochter auch bereits zwei Mal eine Art "Auszeit" angewendet habe, obwohl sie erst 1,5 Jahre ist.
    Beispiel 1: Beim Essen. Ich habe sie bei einem Wutanfall ins Kinderzimmer gesetzt, um zu signalisieren, dass ich es nicht mag, wenn sie beim Sachen von Tisch fegt. Allerdings durfte sie natürlich sofort wieder zurück kommen und alles ist gut.
    Beispiel 2: Sie ist auf meinem Arm und schlägt mich wütend, weil sie etwas nicht bekommt. Dann setze ich sie in einiger Entfernung ab und sage, dass ich nicht mit ihr spielen mag, wenn sie mich haut.
    Beim Lesen des Artikels habe ich erschrocken festgestellt, dass ich ihr natürlich nicht das Signal vermitteln möchte, sie werde zurückgewiesen oder nicht mehr geliebt (oh Gott!), weil sie etwas Störendes tut. Außerdem weiß ich natürlich auch, dass ein Kleinkind noch keine Empathie empfinden kann. Dennoch bleibt bei mir eine Unklarheit bezüglich der Alternativen bzw. kann ich mich auch nicht anfreunden mit der Vorstellung, bei Wutanfällen, Hauen, Frust, Beißen usw. immer "nur" tröstend zur Seite zu stehen. So lese ich es zumindest heraus, wenn davon gesprochen wird, die Ursache des Problems zu beheben, nicht das Verhalten zu maßregeln. (Wenn die Ursache Frust ist, der noch nicht verarbeitet werden kann, ist die logische Konsequenz ja Trost. Auf der anderen Seite, geht es doch auch darum, zu lernen, Frust auszuhalten und mein Eindruck ist, wenn ich dem wenig Beachtung schenke, ist die Situation viel schneller vorüber, als wenn ich mich daneben setze und tröstend auf sie einrede.)
    Die Frage, die mich beschäftigt: Gibt es keine Möglichkeit, zu signalisieren, dass man Verhalten XY nicht mag und nicht toleriert, ohne, dass es als gesamte Zurückweisung interpretiert wird?
    Oder anders gesagt: Eltern sind doch auch Menschen mit Gefühlen und Fehlern, ist das nicht auch etwas, was zum Lernprozess in der Kindheit gehört? Beim Lesen des Blogs habe ich manchmal das Gefühl, wir Eltern werden zu Maschinen, die sämtliche Impulse unterdrücken und dem Kind mit immer der gleich perfekt relaxten Haltung gegenüber treten. Damit meine ich natürlich nicht, dass wir uns gehen lassen und die Kinder anschreien (ist mir aber auch schon passiert.) Ich sträube mich aber schon innerlich, wenn ich Eltern beobachte, die in immer der gleichen verständnisvollen Tonlage auch in Extremsituationen reagieren, obwohl es vollkommen menschlich wäre, laut oder wütend zu werden.

    In dem Artikel übers "Loben" zb. wurde ja sehr differenziert geschildert, welche Nuancen das eine Loben vom anderen unterscheidet. Gibt es so etwas nicht auch für das Schimpfen/Bestrafen? Wenn ich mir etwas wünschen würde, dann, dass meine Tochter lernt, dass ich sie bedingungslos liebe, auch wenn ich sauer bin. Und nicht, dass ich nie sauer werde, weil ich Psychologie studiert habe und meine Gefühle ständig unter Kontrolle halten kann.

    Ich hoffe, es ist verständlich geworden, was ich meine. Vielleicht gibt es ja auch einen Artikel zum Thema, den ich noch nicht entdeckt habe. Ich würde mich auf jeden Fall über eure Meinung freuen. viele Grüße, Anita

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    1. Liebe Anita,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Es ist häufig tief in uns verankert, dass wir uns abwenden, wenn wir uns gekränkt fühlen. Und in unseren Augen unangemessenes Verhalten löst häufig solch ein Kränkungsgefühl aus.

      Dass sie die Sachen nicht vom Tisch wischen soll, das wird sie auch ohne eine Auszeit an Deiner Reaktion ablesen können. Wenn sie Dich haut, kannst Du Deine Grenze nur zeigen, indem Du sie absetzt - niemand muss sich hauen lassen und das kann und sollte man klar signalisieren. Das ist auch völlig legitim und keine Auszeit, so lange Du sie nicht wegschickst oder selbst weg gehst (was aber auch okay wäre, wenn Deine Wut so groß ist, dass die Gefahr besteht, dass Du gemein zu ihr wirst).

      Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Grenzen zu signalisieren, Mimik, Gestik, Lautstärke, selber wütend Aufstampfen... und die sind auch alle völlig in Ordnung. Man sollte immer authentisch bleiben und zeigen, wie man sich fühlt. Und man kann/soll auch sagen: "Ich mag nicht, dass du xyz getan hast!" Ein Verhalten ablehnen ist etwas anderes, als das Kind abzulehnen. Es geht in diesem Artikel vor allem darum, dass man keine räumliche Trennung vornehmen sollte. Kennst Du den Artikel zur Autonomiephase? Da sind gute Handlungsalternativen für Wutanfälle beschrieben.

      Ich lese den Gedanken öfter, dass unser Verhalten nicht authentisch wäre, wenn wir uns um jeden Aspekt so viele Gedanken machen und genau abwägen, was wir sagen. Das Problem ist einfach, dass wir intuitiv die Erziehung unserer Eltern übernehmen - wenn die liebevoll und zugewandt war, ist das auch unproblematisch. Wurde man jedoch klassisch erzogen, übernimmt man in aller Regel Strafen, Drohungen, Auszeiten und empfindet die u. U. völlig normal. Ich persönlich denke, dass es eine gute Idee ist, sich damit intensiv auseinander zu setzen und das Verhalten zu hinterfragen. Ja, das fühlt sich erst mal seltsam und fremd an - aber das ist nur ein vorübergehender Zustand. Mir persönlich geht es mittlerweile so, dass ich meinen Weg gefunden habe und sich daher die anderen eher seltsam anhören. Immer wenn ich höre "Ich zähle jetzt bis drei!" oder "Dann gehe ich ohne dich!" krampft sich mein Bauch zusammen - früher empfand ich das als völlig normal. Und ich frage mich, warum sich das für die anderen nicht seltsam anfühlt. Die Perspektiven verschieben sich einfach. Aber das ist ein Prozess...

      Es ist übrigens nicht so, dass ich meine Kinder nie anschreien würde - das passiert mir wie vielen anderen auch. Hier darüber zu schreiben, welchen Weg ich als gut und richtig empfinde führt leider nicht dazu, dass man ihn auch so zu 100 % umsetzen kann. Ich glaube, darüber muss ich bald mal einen gesonderten Artikel schreiben.

      Es soll sich niemand unter Druck fühlen, wenn er unsere Gedanken liest oder das Gefühl haben, dass er es nicht gut genug macht. Darum soll es wirklich nicht gehen - wir wollen nur anregen, klassische Verhaltensweisen zu hinterfragen. Es gibt so viele gute Wege nach Rom, dass man nicht behaupten kann, dass ein einziger der beste/richtige wäre.

      Daher: sei sauer! Natürlich lernen Kinder nicht, dass sie etwas falsch machen, wenn man immer völlig emotionslos und kontrolliert ist. Wichtig ist aber, dass die Raktionen angemessen und im Rahmen bleiben - ein Kind weg zu schließen oder den Kontakt abzubrechen kann Auswirkungen haben, über die man sich ein paar Gedanken machen sollte.

      Herzliche Grüße
      Danielle

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  12. Liebe Danielle,
    vielen Dank für deine Ausführungen! Jetzt habe ich besser verstanden, dass ihr auch nicht dafür plädiert, elterliche Gefühle zu unterdrücken... ;)
    Der Artikel mit der Autonomiephase bietet auf jeden Fall solche Vorschläge, die ich gesucht hatte. Ich habe heute zwei mal das Spiegeln im Ansatz versucht und erfreut fest gestellt, dass allein schon die Frage "Du bist wütend weil XY?", dazu führen kann, dass sie sich beruhigt. Ich vermute durch die Tatsache, dass sie mit "Ja" antwortet.
    (Ich musste direkt an ein Seminar denken, dass ich mal besucht habe zum Thema Personalführung. Dort wurde gesagt, dass man ein Gespräch mit einem unzufriedenen Kollegen/Mitarbeiter auch möglichst mit einer Frage eröffnet, die dieser nur mit "Ja" beantworten kann, z.B.: "Sie sind enttäuscht, weil Sie sich mehr Verantwortung in dem Projekt gewünscht hatten." So würde dieser sich unbewusst für die Gesprächssituation positiv öffnen, weil er sich verstanden fühlt. Wieso soll das dann nicht auch bei Kleinkindern funktionieren - eigentlich logisch!)

    Dass man die selbst erlebte Erziehung automatisch weiter gibt - daran wird auch etwas sein. Obwohl ich mir eigentlich fest vorgenommen habe, den autoritären Erziehungsstil meines Vaters keinesfalls zu wiederholen, werde ich noch mal mehr drauf achten. Meine Kindheit war vor allem geprägt durch "lieb sein", dh. auch Gefühle wie Wut wurden als aufmüpfig und nicht erwünscht abgemahnt. Deswegen ist es mir eigentlich immer wichtig gewesen, dass meine Tochter auch negative Gefühle ausleben darf. In der Theorie war mir allerdings nicht bewusst, dass dabei auch andere zu Schaden kommen können oder ganz banal, wie sehr das an den Nerven zerrt.... :)
    Die Kunst ist wirklich, dem Kind Wege zu zeigen, wie die Wut ein gutes Ventil findet.
    Vielen Dank auf jeden Fall für die ganzen Anregungen!
    Herzliche Grüße
    Anita

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  13. ... vergessen dazu zu schreiben: Die Konsequenz der "Immer-lieb-sein-müssen"-Erziehung war eine fast zwanghafte Harmoniesucht meinerseits, da ich überhaupt nicht in der Lage war, negative Gefühle zu kommunizieren. (Und selbst mein Vater hat heute ein schlechtes Gewissen, weil er das natürlich auch nicht beabsichtigt hatte. Er ist als Großvater übrigens viel geduldiger ...;)
    Als ich das alles als Erwachsene mal realisiert habe, war es relativ mühsam zu lernen, Konfliktsituationen auszuhalten und die eigene Haltung zu verteidigen.
    Das Schwierige bei der Kinderziehung finde ich, einen Weg zu finden, soziale Wesen zu erziehen, die Rücksicht auf andere nehmen, aber trotzdem ihren eigenen Ärger usw. nicht verstecken müssen.
    LG, Anita

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    1. Liebe Anita,

      schön, dass das Spiegeln so gut klappt - ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass das in vielen Konfliksituationen recht schnell zu einer Beruhigung führt. Allein der Umstand, dass man signalisiert, das Kind verstanden zu haben, erleichtert dieses sehr. Oft sind die Kinder nur deswegen ärgerlich, weil sie das Gefühl haben, wir würden sie nicht verstehen.

      Man darf immer nicht vergessen, dass Kinder ihre Emotionen bis zu einem gewissen Alter nur sehr schwer regulieren können. Wir dürfen einfach nicht zu viel von ihnen verlangen. Wenn ein wütender Zweijähriger schreiend auf dem Boden im, Supermarkt liegt, dann ist das völlig normal und altersgerecht. Auch wenn es das Umfeld stören mag - man kann von ihm nicht erwarten, dass er sich "benimmt". Bei einem 5-Jährigen sieht das ganz anders aus!

      Wir schreiben darüber übrigens gerade ein tolles Buch - mit genau dem Tenor, dass Kinder wütend sein dürfen und gar nicht anders können.

      Leider ist uns das wirklich aberzogen worden - schau mal in die Artikelreihe "Die Erziehung unserer Eltern und Großeltern" - die ist diesbezüglich sehr interessant.

      Herzliche Grüße
      Danielle

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  14. Ihr Artikel ist in meinen Augen sehr einseitig, und stellt die TIme-Out Methode in ein schlechtes Licht, die sie so keinesfalls verdient hat. Sie ist Teil vieler international anerkannter etablierter Erziehungsprogramme wie etwa Triple P. Vermeintliche Auswirkungen von Anwendung von Time-Outs in eine Reihe mit Koerperstrafen zu nennen, ist absurd. Fuer letztere gibt es in der wissenschaftlichen Literatur unzaehlige Studien, die konsistent negative Auswirkungen von Schlaegen zeigen. Von Time-Outs, wenn richtig angewandt, kann dies nicht behauptet werden. Ich gebe jedoch gerne zu, dass bei kleinen Kindern diese Massnahme vermieden werden sollte,
    da sonst Bindungsaengste ausgeloest werden koennen.

    Ein Problem ist sicherlich auch, dass die Methode haefig eben nicht richtig angewandt wird, sondern in TV-Formaten wie der Super-Nanny in einer arg sensationsheischenden, dem Kind gegenueber adversiven Haltung angewandt wird. Wenn Kinder mit zum Time-Out Platz geschleift werden, dann kann dies natuerlich nicht funktionieren, und das Kind wird das unerwuenschte Verhalten evtl. in Zukunft sogar noch verstaerken.
    In vielen populaeren Ratgebern wird zwar die Haltung vertreten, dass das Kind waehrend eines Time-Outs ueber sein Verhalten nachdenken sollte, dies ist aber Quatsch! Time-Out heisst korrekterweise "Time-Out from Reinforcement", das Ziel ist es fuer eine kurze Zeit dem Kind auessere Reize zu entziehen, um so das unerwuenschte Verhalten zu unterbinden. Ich kann Ihnen gerne Studien nachreichen, die die Wirksamkeit der Methode nachzeichnen. Nur darum geht es. Man kann (und sollte!) sein Kind also sogar loben, wenn es sich ins Time-Out begibt. Das mag paradox klingen, hat aber aus verhaltenspaedagogischer Sicht den Effekt, das gewuenschte Verhalten (= sich ins Time-Out begeben) zu verstaerken.

    Es geht auch nicht darum, dass sich das Kind zu entschuldigen hat, seinen Fehler einzusehen etc. Das ist alles populaerwissenschaftlicher Quatsch. Die simple Idee ist einfach: Durch das Ausbleiben von positiven Reizen wird das zu unterbindende Verhalten unattraktiver. Es ist eine der effektivsten und mildesten Strafen, um aus bestimmten Situationen den Druck herauszunehmen und Verhalten kurzzeitig zu unterbinden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Eine Auszeit bringt dem Kind nichts bei, das soll sie aber auch gar nicht.
    Ich gebe gerne zu, dass es Risiken beim Einsetzen dieser Strafe gibt, was das Verhaeltnis zu den Eltern angeht. Nur: Das haben so gut wie alle Strafen gemein, seien es Hausarrest, Strafarbeiten, der Entzug von Privilegien. Alle koennen zu Verbitterung und Groll gegenueber den Autoritaetspersonen fuehren.

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    1. Lieber Philipp,

      ich vermute, dass das die ersteeinzige Seite unseres Blogs ist, die Du gelesen hast?

      Aus ebenden Gründen - also die möglichen negativen Auswirkungen auf die Eltern-Kind-Beziehung und die Bindung - lehnen wir diese Methode ab - im übrigen genauso, wie andere Strafen. Wir sind der Meinung, dass man auch ohne sie erziehen kann und sollte. Loben halten wir ebenfalls für schädlich. Wenn Dich der Ansatz näher interessiert, laden wir Dich herzlich ein - oben unter dem Stichwort "Erziehung" findest Du ein paar Gedanken zu einer vor allem liebevollen und bedürfnisorientierten Erziehung.

      Herzliche Grüße
      Danielle

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  15. Liebe Danielle,

    ertappt. Ich bin tatsaechlich aus reinem Zufall auf den Artikel gestossen.
    Danke jedenfalls fuer die Einladung, ich werde mal durch den Blog stoebern, zumal ich doch interessiert bin, wie eine Erziehung ganz ohne Lob und Strafe auskommen soll. Lob ist das staerkste Mittel, das Eltern haben um Verhalten zu formen, da bin ich wirklich gespannt wie man ganz ohne ohne Lob und Konsequenzen auskommen soll, ohne in eine Laissez Faire Erziehung zu verfallen, die dem Kind keinerlei klare Regeln beibringt, dies es zu befolgen hat.

    Ich bin mir jedenfalls sicher, dass (wie auch immer er aussehen mag) der von Euch propagierter Erziehungsansatz
    dem widerspricht, wie 90% aller Eltern ihre Kinder erziehen.

    Ich habe vor allem geantwortet, weil mich der Alarmismus bzgl. der vermeintlichen Folgen von Time-Outs geargert hat. Bei richtig eingesetztem Time-Out sind diese jedenfalls nicht wissenschaftlich belegt. Bevor man das Kind mit dem Bade ausschuettet, sollte man Eltern vielleicht - gerade in diesen Zeiten, wo es keinen gesellschaftlichen Konsens mehr darueber zu geben scheint, wie man seine Kinder zieht - nicht unnoetig Panik machen.

    Um Auswirkungen auf die Eltern-Kind Beziehung zu verringern, kann es zum Beispiel helfen, die ersten Male zusammen mit dem Kind zum Time-Out Platz zu gehen und sich dort gemeinsam hinzusetzen (dort dann aber eben keine weiteren Reaktionen zeigen).
    Man muss nicht auf jedes Fehlverhalten eines Kindes eingehen, sich dem Kind zuwenden und die Ursachen dafuer ergruenden. Damit verstaerkt man dieses u.U nur noch.
    Manchmal muss unerwuenschtes Verhalten einfach schnell unterbunden werden koennen. Alles andere ist hoechst unrealistisch. Man stelle sich eine Situation in einer Daycare oder groesseren Familie vor, wo auf jedes Fehlverhalten mit Aufmerksamkeit reagiert wird und somit die anderen Kinder, die sich nichts zu Schulden kommen haben lassen, die Leidtragenden werden. Wenn man als Eltern aller Erziehungsmittel beraubt wird, ist es fuer mich kein Wunder, warum die Deutschen keine Kinder mehr bekommen...

    Liebe Gruesse nach Berlin aus den Vereinigten Staaten,
    Philipp

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    1. Lieber Phillip, es stimmt, die Mehrheit der Eltern erzieht noch anders, aber die Gruppe an Eltern, die beziehungsorientiert erziehen will, wächst stetig. Wenn du in den Staaten wohnst, dann sei dir Alfie Kohn mit seinen Büchern ans Herz gelegt. Er beschreibt meines Erachtens sehr eindrücklich, wie Erziehung auch ohne die gängigen "Erziehungsmittel" funktionieren kann. Besonders sein Buch "Liebe und Eigenständigkeit" ist sehr gut. Mit Laissez Faire hat das tatsächlich nichts zu tun.
      Ich habe übrigens eine größere Familie (3 Kinder) und bin als Sonderpädagogin in Klassen mit verhaltensauffälligen Schülern. Ich komme gut ohne Lob und Tadel, Auszeiten, Belohnungssysteme etc. aus. Meine Schüler respektieren und schätzen mich, weil ich mich für sie interessiere. Damit agiere ich auf einer Beziehungsebene mit ihnen - sie "hören" auf mich und machen, was ich von ihnen möchte, weil sie mich mögen. So eine Beziehung zu jedem Schüler aufzubauen ist aber, das gebe ich gern zu, aufwändiger, als einfach Ruhe und Mitarbeit zu verlangen, weil ich die Lehrerin bin und die Schüler auf mich zu hören haben.
      LG, snowqueen

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  16. Der Artikel hat mich sehr zum Grübeln gebracht! Ich habe die "Auszeit" nie aus bewusstem "pädagogischen" Kalkül eingesetzt, sondern schlicht und einfach, weil ich das wütende Geschrei und Getobe nicht ertragen habe! Es ist so laut, dass mir der Kopf davon weh tut, und es ist so aggressiv, dass es in mir ebenfalls Aggressionen weckt! DAS ist der Grund, warum ich meinen Sohn leider schon öfter in sein Zimmer gesperrt habe, bis er sich beruhigt hatte. Ich habe auch probiert, dass ICH weggehe, wie Du es als Notlösung empfiehlst, aber dann läuft er mir nach! Er WILL ja, dass ich seinen Protest abkriege! Wenn ich mich in die Küche gesperrt habe, hat er an der Tür gerüttelt und mit Händen und Füßen aus Leibeskräften dagegen gehauen. Ich sehe jetzt schon, dass das Einsperren gar nicht gut war und werde nächstes Mal das mit dem Spiegeln probieren. Das Problem bin aber mehr ich selber, dass ich es einfach sehr schwer schaffe, ruhig daneben zu stehen, wenn sich jemand derart aufführt, und das in dieser Lautstärke! Okay, dadurch, dass ich es schon so oft erlebt habe, geht es schon etwas besser (Übung:-)) und zum Glück ist mein Sohn mit knapp 6 Jahren auch nur noch selten so wütend. Ganz sicher aber habe ich versucht, ihn dazu zu bringen, seine Wut nicht zu äußern, jedenfalls nicht SO, und vielleicht rächt sich das irgendwann.
    Ich muss auch sagen, dass ich auf diese Anfälle einfach null vorbereitet war, denn ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich als Kind je so aufgeführt hätte. Meine Mutter sagt, es sei ein einziges Mal vorgekommen, ich hätte dann eine "Watschn" (Ohrfeige) bekommen und es nie wieder versucht. Trotzdem habe ich meine Kindheit als glücklich in Erinnerung (im Gegensatz zur Pubertät). Jedenfalls war ich einfach nicht darauf gefasst, dass ein Kind so tobt; ich dachte, das machen nur vernachlässigte oder verwöhnte Kinder. Wäre ich nur früher auf Eure Seite gestoßen! Trotz allem ist mein Sohn ein lustiges Kerlchen, und wir lieben uns innigst. Er kooperiert auch meist gut, nur gab und gibt es eben diese "Aussetzer" - Du hast Recht, man ist dann nicht mehr dieselbe Person! Ich will dann einfach nur, dass das Geschrei aufhört und kann kaum noch klar denken!
    Danke für die Denkanstöße, lieber spät als nie!
    Hanni

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    1. Liebe Hanni,

      ich sehe das genaus: Lieber spät, als nie. Ich habe meine große Tochter auch anfangs klassisch erzogen, also bspw. damit gedroht, ohne sie zu gehen. Ich habe sehr schnell gemerkt, was das bei ihr auslöst - das hat erst das Umdenken bewirkt. Man kann die Zeit nicht zurück drehen, aber man kann das eigene Verhalten in der Zukunft versuchen, etwas anzupassen.

      Das emotionale Verhalten in der Autonomiephase ist total normal, auch mit sechs sind Kinder noch nicht vollständig in der Lage, ihre Emotionen zu regulieren. Ich kann gut verstehen, dass es einem sehr schwer fällt, gelassen zu bleiben, wenn das eigene Kind so wütet - das ist m. E. mit das schwierigste am Elternsein. Deswegen haben wir auch unser Buch geschrieben - wenn man sich genauer mit den entwicklungspsychologischen Grundlagen befasst, kommt man zu der Erkenntnis, dass Kinder oft gar nicht anders können und uns weder ärgern noch provozieren wollen. Allein diese Erkenntnis reicht oft für mehr Gelassenheit.

      Liebe Grüße
      Danielle

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    2. ....auch mit sechs sind Kinder noch nicht vollständig in der Lage, ihre Emotionen zu regulieren. ....

      Das sind manche auch mit 60 noch nicht. Das nur zu überzogenen Erwartungen der Eltern oder Erzieher.

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  17. Hallo Danielle!

    Weil es ja gerade mit dem Artikel bei Pampers aktuell ist, haben wir hierauf eine kleine Parodie verfasst und auf Deinen Beitrag verlinkt. :-)

    http://freeyourfamily.net/2016/11/frauen-richtig-bestrafen-auszeiten/

    Liebe Grüße
    Patrick

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    1. Lieber Patrick,

      das ist eine gute Idee - so wird die Absurdität des Pampers-Artikels deutlich gezeigt.

      Danke für die Erwähnung!

      Viele Grüße
      Danielle

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  18. Mir platzt auch gleich die Hutschnur!
    Ich denke, den Kindern von heute geht es ziemlich gut - zu gut manchmal!
    Wo der übertrieben demokratische, antiautoritäre Erziehungsstil, den viele Eltern ja inzwischen - ob aus schlechtem Gewissen oder aus Bequemlichkeit - praktizierten, hinführt, sehen wir ja in unseren Kitas und Grundschulen: Kinder außer Rand und Band, die vor gar nichts mehr Respekt haben.
    Gut, wenn es das ist, was ihr wollt...

    Aber irgendwie habe ich - auch wenn ich Mutter bin - doch auch noch ein Recht darauf, meine Grenzen zu stecken. Und jeder, der selbst Kinder hat, weiß, dass gutes Zureden halt auch nicht immer hilft. Ich finde es unglaublich, wie hier Eltern, die mit der Auszeit Methode gut zurecht kommen, (schon wieder) ein schlechtes Gewissen gemacht wird.

    Irgendwann wird ganz schlau herausgefunden, dass das größte Trauma eines Kindes seine bloße Existenz auf dieser Welt ist.

    Was machen wir denn dann?

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    1. Liebe Kommentierende,

      es tut mir leid, dass dieser Artikel Dich so wütend gemacht hat.

      Allerdings kann ich eines keinesfalls beobachten: nämlich dass Kinder, die bedürfnisorientiert aufwachsen, "außer Rand und Band" respektlos in der Umwelt auffallen. Ich persönlich sehe eher Kinder, die mit der klassischen Erziehung aufwachsen (Konsequenten/Strafen/Belohungen/Auszeiten) und recht deutlich signalisieren, dass sie sich nicht wertgeschätzt fühlen.

      Meine Kinder (die ohne Strafen und Auszeiten aufwachsen), werden von der Schule als sehr sozial und kooperativ beschrieben. Und das, obwohl sie meine Grenzen kennen - denn: ja! Auch sie wachsen damit auf, dass Menschen sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben (können).

      Ich möchte Dich herzlich einladen, Dich etwas bei uns umzuschauen - denn es gibt wirklich ganz viele Alternativen dazu, das Kind durch gezielten Liebesentzug zu bestrafen :-).

      Liebe Grüße
      Danielle

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