Mein Kind zieht sich nicht allein an oder braucht ewig dafür


In Ratgebern wird Eltern häufig geraten, den Kindern zu drohen, sie müssten den Tag im Kindergarten im Schlafanzug verbringen, wenn sie sich nicht sofort anziehen würden. Wichtig dabei sei, die Drohung auch durchzuführen, damit das Kind lernt, dass es den Eltern ernst ist. Die abgeschwächte Variante ist, das Kind zwar im Schlafanzug hinzubringen, es dann aber immerhin sich umziehen zu lassen, wenn es genügend Kommentare der anderen Kinder bzw. der Erzieher einstecken musste. Manchmal sagen verzweifelte Eltern auch, dass sie allein losgehen, wenn sich das Kind nicht augenblicklich fertig machen würde.



 
Man kann das alles natürlich ausprobieren und es macht euch nicht per se zu schlechten Eltern. Es zeigt nur, wie hilflos ihr euch fühlt im Angesicht Eures auf seinem Standpunkt beharrenden oder bummelnden laufenden Meters. Da ist es wirklich nicht verwunderlich, wenn man auf altbekannte Erziehungskonzepte zurückfällt, die einen schnellen Erfolg versprechen (und ja leider dieser Versprechen oft genug auch halten - Kinder beugen sich irgendwann dem Druck der Eltern).
 
Das Problem an dieser Art Erziehung ist jedoch in meinen Augen, dass man sich ziemlich oft in einem Machtkampf mit dem Kind wiederfindet. Es macht das Zusammenleben nicht schöner, wenn jeden Morgen erst einmal die "Wenn-Dann-Keule" herausgeholt werden muss, bis das Kind reagiert und sich doch dazu bequemt, sich anzuziehen. Ziemlich oft endet das permanente Genörgel der Eltern dann nämlich in schlechter Laune auf allen Seiten und manchmal auch im Streit, noch bevor der Tag richtig angefangen hat.
 

Warum Kinder sich nicht anziehen wollen

 
Einige Kinder sind ausgesprochene Morgenmuffel und sind vor ihrem ersten Kaffee Kakao schlichtweg nicht in der Lage, sich auf das selbständige Anziehen zu fokussieren. Andere Kinder sind Kuschler, die sich ihre Energie für den stressigen Kita-Alltag im Körperkontakt zur Mama oder zum Papa holen. Auch sie ziehen sich morgens ungern allein an, ebenso wie die Kinder, die sich vor allem dann geliebt fühlen, wenn sie von ihren Eltern Hilfe erhalten.
 

Lösungen für das Verhalten


1. Einfach helfen


Wenn euer Kind an sich in der Lage ist, sich selbständig anzuziehen und das in der Kita, an guten Tagen oder beim Kinderarzt auch zeigt, dann spricht wirklich nichts dagegen, euren Morgenmuffeln und Kuschlern zu helfen.

Was genau soll denn passieren? Dass sie sich daran gewöhnen und vergessen, wie sie sich selbst anziehen sollen? Dass sie sich mit 18 Jahren immer noch von euch anziehen lassen wollen? Eher nicht. Das sind dieselben Ängste, die uns eingeredet wurden, als unsere Kinder ins Familienbett zogen oder nach Bedarf gestillt wurden. Nichts von diesen unheilvollen Prophezeiungen ist eingetreten, oder? Denn der Mensch ist darauf ausgerichtet, sich weiter zu entwickeln - kein Kind möchte in der Baby- oder Kleinkindphase verharren.

Wenn ihr euren Kindern morgens beim Anziehen helft, dann lasst ihr sie noch ein bisschen Körperkontakt und Liebe tanken und zeigt ihnen, wie freundliches Miteinander funktioniert. Nämlich nicht mit Druck und Drohungen, sondern indem man selbst mit anfasst, um das "Projekt" zum Gelingen zu bringen.

 

2. Klamotten auf die Heizung legen


Bei meinen eigenen Kindern stellte ich irgendwann fest, dass ihr Unwillen, sich morgens zügig anzuziehen, vor allem darin begründet war, dass sie nicht aus ihrem kuschlig warmen Schlafanzug in die etwas steifen, kühlen Tagessachen steigen wollten. Sie waren ihnen schlicht zu kalt. Also hatte ich die Idee, die Anziehsachen einen Moment auf die Heizung im Bad zu legen und vorzuwärmen. Das brachte den Durchbruch!

Positiver Nebeneffekt der Heizungsvariante ist, dass sie sich relativ zügig anziehen müssen, wenn sie wollen, dass die Kleidungsstücke noch kuschlig warm sind. Denn sobald beispielsweise die Unterhose von der Heizung heruntergenommen wird, verliert er ja automatisch an Wärme und kühlt wieder aus. So kommt es, dass meine Töchter in den kühleren Jahreszeiten morgens im Bad vor der Heizung stehen und schnell Kleidungsstück für Kleidungsstück anziehen, um sich dann über die wohlige Wärme zu freuen.

3. Eine Anzieh-Straße auf den Boden legen


Es gibt Kinder, die mit der Logistik des Anziehens etwas überfordert sind. Für diese eignet sich der Trick, die Anziehsachen wie eine Straße vom Bett aus zum Bad auf dem Fußboden auszulegen.

Die Eltern legen also als erstes die Unterhose vor das Bett des Kindes. Einen Schritt weiter das Hemd. Noch ein paar Schritte weiter den Pullover. Dann die Strumpfhose/die Strümpfe. Dann die Hose. Das Kind zieht sich zunächst noch im Bett den Schlafanzug aus und geht dann von Station zu Station und stülpt sich ein Kleidungsstück nach dem anderen über. Ist es fertig angezogen, müsste es im Bad stehen. Sollte euer Kind morgens noch duschen, dann baut die Anziehstraße von der Dusche hin zur Küche.

 

4. Das Anziehen zeitlich verschieben


Manchmal gibt es so Tage, da ist den Kindern Spielen einfach wichtiger, als anziehen. Nun denn - ich akzeptiere das so und frage im Verlauf des Morgens immer mal wieder nach, ob sie jetzt bereit sind, wie ihr in Teil 3 dieser Serie über Kooperation lesen konntet. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich die Sachen dann einfach in eine Tasche gepackt und mitgenommen habe: Wenn man es nicht als Drohung verkauft, ist das Anziehen der Sachen erst im Kindergarten nämlich eine gute Option!

Es ist nicht peinlich, im Schlafanzug zum Kindergarten zu kommen, nur die doofen Erwachsenen behaften diese Möglichkeit mit Scham. Ich habe meine Kinder schon als Babys zum Pekip-Kurs morgens einfach im Schlafanzug gebracht, da sie dort ja sowieso wieder ausgezogen wurden. Und ich bin durchaus auch schon mit zwei fröhlichen Mädchen im Pyjama (mit Jacke und Schuhen) zum Kindergarten gelaufen und habe sie dort dann umgezogen, weil wir morgens einfach zu lange kuschelnd im Bett gelegen haben. Was ist daran peinlich? Nichts.

Es gab an diesem Tag natürlich ein paar Nachfragen von ihren Freunden, aber unsere Erklärung, dass wir einfach zum Anziehen noch keine Zeit gefunden hatten, weil wir viel zu schön gespielt hatten, wurde, typisch für Kinder, ganz einfach als normal und gut akzeptiert. Niemand lachte oder hänselte. (Allerdings wohnen wir in Berlin - vielleicht funktioniert das anderswo nicht ganz so problemlos. Hier gehen durchaus auch fünfzigjährige Frauen im Bademantel und mit Pantoffeln mit ihren Hunden Gassi und werden nicht schräg angesehen.)

Eine andere Möglichkeit, das Anziehen zeitlich zu verschieben, ist, dem Kind zu erlauben, die neuen Sachen für den nächsten Tag schon vor dem Schlafengehen anzuziehen. Dann würde es in diesen Sachen schlafen. Das ist nicht so furchtbar bequem, aber als Übergangslösung kann man das durchaus nutzen. Eine meiner Töchter hat das für etwa drei Tage so probiert, dann hatte sie von allein genug von diesem Experiment.

Wann das selbständige Anziehen zu viel verlangt ist


Manchmal sehe ich nachmittags, wenn alle ihre Kinder aus der Kita abholen, Eltern, die dort in der Garderobe darauf bestehen, dass sich ihr Kind selbst mit Jacke und Schuhen ankleidet, obwohl das Kind durch Schreien oder Weinen signalisiert, dass es das gerade nicht will.

Liebe Eltern, es ist verständlich, dass ihr eure Kinder zur Selbständigkeit anleiten wollt und ich kann auch nachvollziehen, dass ihr nicht andauernd Bock habt, eurem Kind bei etwas zu helfen, das es eigentlich schon kann. Aber in dieser speziellen Situation ist es zu viel von euren Kindern verlangt, sich selbst anzuziehen. Denn eure Kinder hatten einen stressigen Kita-Tag hinter sich, manche bis zu 8 Stunden. Alles, was sie jetzt noch wollen und können, ist, in eure Arme zu fallen und zu kuscheln. Das tun sie nicht ohne Hintergrund - durch den Körperkontakt wird das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet, das der beste und wirksamste Gegenspieler von innerem Stress ist! Eure Kinder wollen gern von euch angezogen werden, weil sie dadurch ihr inneres Gleichgewicht wieder herstellen. Wenn das nicht kompetent und selbstständig ist, dann weiß ich auch nicht. Sie sind nicht faul - sie betreiben Psychohygiene par excellence.

 

Unsere Serie zur kindlichen Kooperation

 
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zur kindlichen Kooperation. Im ersten Teil dieser Serie haben wir erklärt, warum Kinder nicht kooperieren wollen. Im zweiten Teil gingen wir darauf ein, wie wir unsere Kinder ganz allgemein wieder zum kooperieren bringen können. Ergänzt wurde dieser Text mit Teil 3 der Serie, in der Snowqueen tagebuchartig verbloggte, wie viel sie und ihre Kinder am Morgen kooperieren.
 
In den weiteren Artikeln haben wir alltägliche Situationen betrachtet, die früher oder später in fast allen Familien zu Konflikten führen:

© Snowqueen 

Kommentare:

  1. Danke für diesen und all Deine tollen und hilfreichen Artikel! Du bestärkst vieles, was man selbst schon herausgefunden und ausprobiert hat. Bei uns ist leider das Rausgehen ein generelles Problem, unser Sohn hasst Übergänge und Situationswechsel, und auch, wenn man ihm am Wochenende etwas Schönes (Ausflug, Fest etc.) in Aussicht stellt, will er eigentlich nicht das Haus verlassen. Das ist für die übrige Familie sehr anstrengend. Hast Du Tipps, wie man solche Übergänge erleichtern kann, also nicht nur das morgendliche Rausgehen, sondern generell?
    Liebe Grüße und danke!

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    1. Liebe Frühlingskindermama, ja, dazu habe ich tatsächlich einen guten Tipp. Diesen Artikel habe ich allerdings noch nicht geschrieben, das heißt, jetzt kommen erst einmal ein paar andere Tipps und Tricks, um die Kooperationsbereitschaft zu erhöhen und du musst ein wenig auf die Antwort warten. Aber sie kommt, versprochen! LG, snowqueen

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    2. Das Problem haben wir auch :/ ich warte dann mal gespannt auf den Text :)

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  2. Hallo Snowqueen,
    Wir hatten das Essen - Werf-Problem und bei uns hat geholfen , dass ich ihm jedes Mal sanft die Hände fest gehalten habe , ihn angesehen habe und ruhig , ohne Wut und Wertung gesagt habe : " ich mag es nicht wenn du essen runter wirfst ". Das hat nach einigen Tagen dazu geführt, dass er es bisher zumindest nicht mehr macht.
    Lieber Gruß,
    Squirrel

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  3. Hallo Snowqueen,
    anwärmen der Anziehsachen war und ist bei meinen Beiden in der kälteren Jahreszeit der Hit, egal welches Alter. Ansonsten lege ich manchmal die Sachen in Anziehreihenfolge (also Strümpfe zuerst) aufeinander...

    LG Maschu

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  4. Hach, jetzt war ich doch so gespanntes auf das Thema "Treppe hochlaufen". Na gut, dann muss ich halt noch warten. Aber bitte sag mir nicht, dass das irgendwann von alleine kommt wie Nicht-mehr-Stillen und Auszug aus dem Familienbett. Hier wird nämlich stillend im Familienbett eingeschlafen - aber sie ist ja auch erst Fast-2 ;-)
    Insgesamt finde ich diese Serie großartig und sie kam genau zum richtigen Zeitpunkt! Unsere Tochter möchte nämlich grad sehr viel helfen und mit den Hintergrundinfos haben wir da wesentlich mehr Geduld. Auch Wasser darf sie jetzt öfter von A nach B kippen und wir freuen uns darauf, dass sie uns dann sicherlich schon bald den Espresso ans Bett liefern kann.
    LG Julia

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  5. Hallo,
    mich beschäftigt momentan folgendes Thema: ich weiß nicht genau, wie ich mich verhalten soll, wenn es zwischen den Kindern Zoff gibt. Der eine nimmt dem anderen ein Spielzeug weg, der andere will mit dem Spielzeug spielen, dass der eine nicht herborgen möchte oder es wird bewusst der Durchgang versperrt. Ich hoffe du weißt was ich meine :-) Ich wäre über einen Lösungsansatz für mich seeeeehr dankbar, weil mich dieses Thema oft verzweifeln lässt. Vielen lieben Dank für euren unermüdlichen Einsatz!
    Alles Liebe,
    Mel

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  6. Vielen lieben Dank für diesen tollen Blog!!! Ich hätte da auch noch etwas einzuwerfen. Bei meinem großen Sohn 2.5Jahre ist es eine Katastrophe die Windel zu wechseln. Er weigert sich vehement dagegen. Erklärungen warum, wieso, weshalb sind ihm egal. Ich möchte sie aber auch nicht umlassen, dass hält keiner aus!
    Liebe Grüße

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    1. Nein, umlassen ist tatsächlich keine Option.... Das scheint ein Thema zu sein, das viele beschäftigt, ich setze es ganz oben auf meine To-Do-Liste!

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    2. Bei uns ist es zuhause eine super Option, dass der kleine Mann (2 J) "unten ohne" rumläuft. Das Töpfchen hat einen festen Platz in der Nähe der Spielstätte und wird bei Bedarf auch genutzt. Klar kann auch mal was daneben gehen. Aber das wische ich auf und verweise freundlich auf Töpfchen/Toilette.
      Das ändert aber nichts daran, dass ich beim Windel ausziehen/wechseln tief in die Trickkiste greifen muss. Von selbst ausziehen lassen über im Stehen/in der Dusche/auf dem Schoß/mit Buch/Spielzeug/Liedchen trällernd/Stillend/...

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    3. Mit dem Essen/Teller werfen habe ich die Erfahrung gemacht, dass meine Kinder eigentlich satt waren und deshalb angefangen haben zu spielen.
      Für uns ist es aus diesem Grund ok, wenn die Kinder dann ihr Geschirr/Besteck abräumen, Hände waschen und dann spielen gehen. Und das geht erstmal mit Hilfe und dann ab 2 Jahren evtl sogar schon selbstständig.
      Ich denke, Eltern sollten freundlich formulieren und vor allem vorleben, wie sie sich das Verhalten und die Atmosphäre bei Tisch vorstellen. Doch unerwünschtes Verhalten ist sicher eher darauf zurückzuführen, dass die Kids satt sind und ihnen langweilig ist. Also wir wollen kein Spielzeug am Tisch, also dürfen die Kids (5, 2 J) vorher aufstehen.

      Das mit dem Anziehen finde ich ein super Thema. Essen, Schlafen, Zähneputzen - das war für mich alles kein Grund für Ungeduld. Aber das mit dem Anziehen hat uns eine ganze Weile die Stimmung verhagelt. Bis ich hier gelesen habe, dass auch ein Kindergarten-Kind sich nicht anziehen wollen muss. Vielen Dank fürs Augen öffnen und die inspirierenden Tipps ;-)
      MaChriLouJa

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  7. Hi,

    ich liebe diese Serie. Sie kommt für uns genau passend.
    Wir haben ein großes Problem mit allem was "eben irgendwann getan werden MUSS". Nägel schneiden, Hustensaft nehmen, Nase säubern, Haare schneiden... alles wird verweigert und er schreit als ginge es ohm an den Kragen. Ich lenke im Moment so gut wie möglich ab. Die Nägel schneide ich nur, wenn es nicht mehr anders geht unter Gebrüll und fühle mich so schlecht dabei.

    Seit eurem Blog darf mein Sohn noch mehr helfen und vieles alleine tun.

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    1. Zum Nägel schneiden hab ich einen Tipp: schneiden, wenn der Spatz schläft. Hat bei uns super funktioniert, denn wach gab es auch nur fürchterliches Geschrei.

      An Snowqueen: mich würde bei den Artikeln noch interessieren, für welche Altersspannen deine Tipps gelten. Denn vieles, was ich bei Zweijährigen noch einsehe, finde ich bei fast Fünfjährigen dann trotzdem eine Zumutung, z.B. das Tragen, was wohl im nächsten Artikel thematisiert wird? Denn da komme ich an meine körperliche Grenze, so sehr ich mein Kind liebe.
      Vielen Dank und macht unbedingt weiter so!
      Susanne

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    2. Oh ja, Medizin nehmen ist ein groooßes Thema. Ich habe dafür ein paar Lösungsansätze gefunden, bin aber unsicher, ob die bei anderen Kindern auch helfen. Aber ich werde einen Artikel dazu schreiben - ich setze es auf die Liste.

      Nägel habe ich bei Fräulein Chaos, die sehr viel Angst davor hatte, übrigens im Schlaf geschnitten. Anders ging es nicht. Ich habe eine Tiefschlafphase abgepasst, mir die Stirnlampe angeknipst und dann vorsichtig geschnitten. Vielleicht klappt das bei euch auch?

      Er brüllt übrigens so, weil er denkt, es geht ihm wirklich an den Kragen Er weiß noch nicht, dass Nägel und Haare totes Gewebe sind und das Abschneiden nicht weh tut. Dass diese Situationen bisher auch immer mit Stress verbunden waren, macht es langfristig nicht besser. Am besten ist es, wenn er bei euch beim Nägel- und Haare schneiden zugucken kann. Dann merkt er irgendwann, dass es okay ist.

      Liebe Grüße!

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    3. Liebe Suanne, meinst du das Treppe hoch tragen? Oder Tragen allgemein? In meinem (kommenden) Treppen-Artikel habe ich tatsächlich geschrieben, dass sich das Problem ausschleicht, einfach, weil die körperlichen Relationen zur Treppe anders werden. Ein Zweijähriges kämpft noch mit der Höhe der Stufen und will dementsprechend oft getragen werden. Meine Töchter haben mich dann ab ca. 4 Jahren nicht mehr darum gebeten, sie die Treppe hochzutragen - ihre Beine waren lang genug geworden.

      Zum Tragen allgemein: Wie du gelesen hast, wünscht sich meine 5-Jährige durchaus noch, dass ich sie auf den Arm nehme und ich schaffe das kaum noch (nur in der Manduca geht es länger). Das sage ich ihr auch so. Ich nehme sie auf den Arm, laufe fünf Schritte und setze sie dann wieder ab, weil meine Kraft nicht mehr reicht. Aber das sieht sie auch ein. Es geht ja eigentlich auch nicht ums Getragen werden, sondern um die Nähe und die Liebe, die sie dabei spürt (und in unserem Fall auch die Konkurrenz zum ständig getragenen Bruder). Das heißt, sobald ich ihrem Wunsch nachgebe, und sie kurz auf den Arm nehme, ist ihr Bedürfnis eigentlich schon erfüllt. Ich muss gar nicht ewig weit mit ihr auf dem Arm laufen. Sie will nur wissen, ob sie ihren Platz auf meinem Arm "verloren" hat (durch ihren Bruder), oder ob ich ihn ihr noch zugestehe.

      Liebe Grüße, snowqueen

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    4. Liebe Snowqueen, ja, ich meinte Tragen allgemein. Aber es war auch nur ein Beispiel von vielen, wo ich meine, dass das Alter zumindest eine subjektive Rolle spielt. Wie hier beim Anziehen: auch da bin ich bei einem Dreijährigen noch recht entspannt und gebe gern Hilfestellung. Ich glaube auch nicht, dass er mit 18 noch Hilfe möchte. Aber ich würde mir schon wünschen, dass bei einem Schulkind dann echte Besserung eintritt und er erkennt, dass es morgens einfach zackig gehen muss, wenn bereits 7:00 Uhr der Schulbus fährt und wir dann auch auf Arbeit müssen und keinen Umweg zur Schule fahren können. Dafür würde ich dann sicher abends gern helfen, wenn es das Kuschelbedürfnis erfüllen hilft. Es würde morgens halt für ALLE einfacher, wenn jeder seine "Aufgabe" erledigen würde, damit wir pünktlich loskommen. Ich bin doch selber auch Morgenmuffel, mein Mann noch mehr, aber die Routine (und ein gewisser Zwang wegen Arbeit) lassen uns unsere Aufgaben erfüllen. Ich schweife ab, darum nochmal konkret gewünscht: wenn möglich, baue doch immer mal (wieder) mit ein, ab welchem Alter man von Kindern bestimmte Dinge erwarten kann.
      Danke! Susanne

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    5. Zum Thema Medizin nehmen wüsste ich einen Tipp: zumindest Säfte kann man gut in einer (Einmal-) Spritze geben anstatt von einem Löffel oder so. Ist zum einem deshalb empfehlenswert, weil man damit sehr viel genauer dosieren kann. Außerdem nehmen viele Kinder die Medizin daraus lieber, weil es eben einfach spannend ist und sie sonst nie etwas auf diese Weise zusich nehmen. Viele Kinder freuen sich auch, wenn sie die Spritze dann hinterher behalten dürfen. Eignet sich super zum Spielen und Spritzen mit Wasser.
      Ist aber sicherlich kein Patentrezept, ich kann mir gut vorstellen, dass nicht alle Kinder daran Spaß haben.

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    6. Liebe Susanne, danke für die Anregung. Ich muss mal drüber nachdenken, ob das geht. So spontan hätte ich gesagt: "Erwarten" kann man die Dinge von einem Kind, wenn es sie schon einmal motorisch oder kognitiv gemeistert hat. Die Frage ist, ob man sie deshalb regelmäßig einfordern sollte.

      Mein Fräulein Ordnung zum Beispiel kann sich, seit sie 2 ist, allein anziehen. Es würde sie jedoch unglücklich machen, wenn ich ihr deshalb nicht mehr morgens helfen würde -weil ich dann ihr Bedürfnis (nach Liebesbekundung meinerseits) übergehen würde. Ich hätte dann ein selbständigeres Kind und mehr Zeit für meine Dinge am Morgen, ja. Aber eben auch sehr viel mehr Stress mit diesem Kind. Denn Bedürfnisse, die übergangen werden, äußern sich nach einiger Zeit durch schlechte Laune, Nörgelei, Bockigkeit und Gegen-Alles-Sein. Bedürfnisse, die erfüllt werden, dagegen verschwinden irgendwann von allein.

      Es dreht sich alles darum, zu sehen wo liegt ein echtes Bedürfnis (das ich so gut es geht erfülle) und was ist nur ein Wunsch. Fräulein Chaos setzt sich zum Beispiel gern in den Buggy, wenn wir weite Strecken laufen. Das ist kein Bedürfnis, sondern ein Wunsch. Den erfülle ich vielleicht 1-2 Mal, wenn sie müde ist, aber nicht andauernd. Da ziehe ich also eine klare Grenze. Das findet sie zwar doof, aber es wirkt sich nicht darauf aus, dass sie sich von mir nicht gewertschätzt fühlt - sie würde deswegen keine latent schlechte Laune bekommen und anfangen zu pöbeln, wie es bei unerfüllten Bedürfnissen (nach einer Weile) der Fall ist.

      Also, was ich eigentlich sagen will: "Erwarten" kann man vieles. Eigentlich kann man zum Beispiel absolut erwarten, dass sich ein 5 Jahre altes Kind allein anzieht Wenn man aber an der falschen Stelle erwartet (und damit ein Bedürfnis übersieht), kann es eben sein, dass das Kind unbewusst mit schlechter Laune und Anti-Verhalten auf das unerfüllte Bedürfnis aufmerksam macht. Dann sollte man die Prioritäten neu überdenken.

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  8. Hurra, praktische Tipps
    Auf die habe ich in den bisherigen Teilen der Reihe gewartet.
    Beim Anziehproblem sind wir in der Form noch nicht. Der Zwerg kann es mit fast 20 Monaten halt noch nicht allein. Ich verspreche aber immer schon, dass er, sobald er es allein kann, auch den Zeitpunkt allein bestimmen darf. Das scheint ihn ein wenig zu beruhigen und er akzeptiert eher, dass ich ihn zum von mir gewählten Zeitpunkt anziehe.

    Das Windelproblem haben wir hier auch und ich teste seit gestern etwas neues. Hab ich hier im Forum gelesen: Neugierig auf den Inhalt machen. Ist da ein Mäusepups drin? Als er reinschauen konnte rief er begeistert: Mauf!! (Ein neues Wort, Jäi!) Mal schauen, ob dieser Erfolg nachhaltig ist.

    Auf das Essenwerfthema warte ich auch gespannt. Das war heute wieder sehr aktuell. Ich vermute, es hat ihm nicht geschmeckt. Aber anschließend hat er fleißig beim auffegen geholfen.
    Liebe Grüße
    thuri

    PS: Warum kann man sich in den Kommentaren nicht mit dem Forumslogin identifizieren?

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  9. Ich danke dir für diesen (und alle anderen!) Beiträge! Ich habe mich so oft wiederentdeckt und werde meine Verhalten wieder überdenken und meinen Sohn einfach anziehen. :)
    Ich freue mich auf das Essen werfen und Treppen laufen!
    Danke!

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  10. Hallo, erst einmal vielen Dank für diese Serie! Mein Sohn ist 18 Monate alt und vergleichsweise 'pflegeleicht'. Was aber bei uns fast täglich ein Problem ist: er möchte oft nicht in seinen Autositz. Ich gebe ihm (wenn ich es nicht eilig habe) Zeit sich auf der Rückbank umzusehen, bevor ich ihn anschnalle. Wir haben auch Bücher und Spielzeug im Auto um ihn damit abzulenken, aber oft wehrt er sich mit Händen und Füssen gegen das anschnallen...was kann ich tun..?

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    1. Oha - ein gutes Thema für einen Artikel! Leider habe ich weder Auto noch Autositz, das heißt, es wird schwer für mich, aus meiner eigene Erfahrung darüber zu schreiben. Ich muss mal nachdenken, ja? LG, snowqueen

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  11. Der Autositz ist auch unser "Feind"
    In den letzten Tagen mussten wir sehr oft fahren und ich hab gute Erfahrungen damit gemacht, ihm einfach mehr Zeit zu lassen. Das unter anderem dadurch, dass ich ihn schon auf dem Weg zum Auto darauf vorbereitet habe, dass er gleich in den Sitz soll. Ich hab ihm davon erzählt, was er am Zielort erleben kann und ihn gefragt, ob er unterwegs spielen oder etwas essen möchte. Allerdings habe ich aufgehört ihn im Auto rumklettern zu lassen, weil das das Problem verstärkte, wie ich den Eindruck hatte. Im Auto ist jetzt nur noch der Kindersitz für ihn da. Nach einer Woche, in der ich es nie so eilig hatte, dass ich ihn zwingen musste, dauert das einsteigen mittlerweile wieder nur wenige Augenblicke. Mal schauen, wie lange das hält.
    Hoffentlich länger als der Trick mit der vollen Windel. Egal ob Mäusepups oder Schätze oder was auch immer, in seiner Windel ist nichts drin und es gibt gar keinen Grund da reinzuschauen. Nein, die stinkt nicht!
    Gruß
    thuri

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  12. Ich würde es gut finden, wenn der Artikel noch um Tipps für kleinere Kinder erweitert wird. Meine Tochter ist 22 Monate alt und kann sich noch nicht alleine anziehen. Sie wollte aber auch nicht angezogen werden, es war am Ende so schlimm, dass einer sie festgehalten hat und der andere sie unter Gebrüll angezogen. Seit ich den Blog kenne, zwingen wir sie nicht mehr. Ich bitte sie jetzt immer, sich in den im Flur stehenden Autositz zu setzen (da sitzt sie gern) und dann bekommt sie mein Handy zum Spielen. So klappts einigermaßen, bis auf die Jacke. Manchmal gehen wir dann ohne los und sie zieht sie erst draußen an. Mal sehen, wie lange sie noch auf das Handy steht.

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    1. Liebe Anonym, in dem Artikel über die Morgen im Hause Snowqueen kannst du nachlesen, wie ich es schaffe, meinen 18 Monate alten Sohn anzuziehen, obwohl er oft "Nein" dazu sagt. Das wird dir vielleicht bei deiner Tochter helfen. Den Schneeanzug/die Jacke ziehe ich tatsächlich oft erst draußen an. Er kann es nicht leiden, schon in der Wohnung so dick eingepackt zu werden, sieht die Notwendigkeit draußen aber schnell ein.
      LG, snowqueen

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  13. Hallo :)
    Damals hatte ich die Artikelreihe gespannt verfolgt, war aber froh, dass wir das Anziehproblem nicht hatten. Unsere Tochter (28 Monate) verweigert leider seit den Feiertagen jegliche Kooperation beim Anziehen. Es rührt höchstwahrscheinlich daher, dass sie, seitdem wir so viel freie Zeit miteinander verbracht haben, nicht mehr in den Kindergarten gehen möchte. Wenn ich sie am Nachmittag abhole erzählt sie aber im Großteil der Fälle von einem schönen Tag. Mittlerweile hat sich das Anziehen auch auf andere Gegebenheiten übertragen, sodass es leider eigentlich fast immer in Weinen endet. :( Zeitpunkt selbst bestimmen ist natürlich nicht immer möglich und hilft nur bedingt. Selber Sachen aussuchen hat auch keinen Reiz mehr. Manchmal zeigt sie kurzzeitig den Willen, läuft also in den Flur und sagt, dass entweder Mama oder Papa helfen sollen (was wir ihr nie verweigern), fängt aber währenddessen doch an sich wegzudrehen, steht auf und läuft weg, macht daraus ein Spiel, bis sie merkt, dass es uns Ernst ist und dann irgendwann weint (verständlicherweise, weil wir ja aus ihrer Sicht ihren Wunsch ignorieren). Habt ihr vielleicht noch ein paar Tipps? (Draußen anziehen haben wir noch nicht probiert..hm)

    Herzliche Grüße
    Älex

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  14. Du hast gerade eben unseren Tag gerettet! I Love Anziehstraße. Nun aber los.

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