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Mein Kind will nicht allein die Treppe hochlaufen und immer getragen werden


Wer in einem Haus ohne Fahrstuhl wohnt, kennt wohl den fast täglichen Kampf - die Kinder wollen die Treppe nicht selbst hochlaufen. Manche weigern sich, auch nur fünf Stufen selbst zur Toilette hoch zu gehen und verlangen mit soldatenartigem Befehlston von den Eltern, sie mögen sie gefälligst dorthin tragen. Auch beim morgendlichen Abgeben in der Kita sehe ich oft Kinder, die vor der Treppe kapitulieren und ihre Ärmchen den entnervten Eltern entgegen strecken.

Gründe für das Verhalten 


Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wir wohnen in der zweiten Etage und ich finde es schon anstrengend, die Stufen jeden Tag mehrmals hoch- und runterzulaufen. Nun überlegt euch mal die körperlichen Relationen - für mich sind die Stufen etwa knöchelhoch, für meine Fünfjährigen gehen sie bis zur Wade, mein Eineinhalbjähriger muss seine Beinchen fast bis zum Po hochheben, um sie zu bewältigen. Ist es da ein Wunder, dass unsere Kinder das zu anstrengend finden? Nein!

Auch in der Kita sind die Stufen eher in Erwachsenenrelationen gebaut, es ist also kein Wunder, wenn die Kinder auch dort ihre Eltern bitten, sie hochzutragen. Hinzu kommt, dass sie wissen, dass sie gleich für ein paar Stunden Abschied von Mama oder Papa (oder Co-Mama) nehmen müssen und sie die Treppenzeit noch einmal zum Kuscheln und Krafttanken nutzen wollen.

Bei den oben erwähnten Stufen zur Toilette stehen andere Bedürfnisse im Vordergrund: Wenn Kinder wegen einer sehr leichten Aufgabe oder etwas anderen Banalem anfangen, zu kreischen, heulen und die Eltern anzuschnauzen (wie eben den fünf Stufen zur Toilette), dann hat das selten etwas mit dem Auslöser zu tun, sondern hat andere Ursachen. Meist ist es innerer Stress oder sie sind müde oder hungrig und suchen einen Reibepunkt mit den Eltern, um explodieren zu können. Das ist eine für Eltern sehr anstrengende Technik des Stressabbaus, für die Kinder jedoch sehr effektiv. Man könnte in einem solchen Fall die Kinder einfach hochtragen, aber dann würden sie vermutlich einen anderen Reibepunkt suchen. Sie würden dann so lange wegen Nichtigkeiten pöbeln, bis die Eltern endlich dagegenhalten. Das hat nichts mit Grenzen testen oder frech sein zu tun, sondern wieder mit Psychohygiene. Die Eltern müssen als Blitzableiter fungieren (also sich weigern, das Kind die fünf Stufen zu tragen) und den darauffolgenden Wutanfall empathisch begleiten. Ist das Gewitter vorüber und der innere Stress abgebaut, werden die Kinder die kleine Treppe hinauflaufen, als sei nichts geschehen.

Lösungen für das Verhalten


1. Das Kind einfach hochtragen 


Wenn ihr es körperlich schafft, dann tragt euer Kind hoch. Punkt. Der Wunsch, die Treppe nicht allein laufen zu müssen, nimmt proportional ab zu der Länge der Beine. Während meine damals 2-jährigen Töchter beinahe jeden Tag danach fragten, ist es seit dem 4. Geburtstag fast gar nicht mehr vorgekommen.

2. Bilder an jeden Treppenabsatz anbringen 


Als wir schwanger in unsere Wohnung einzogen, wohnte über uns in der dritten Etage ein kleiner Zweijähriger, der jeden Tag Zeter und Mordio schrie, weil er die Treppen nicht hochlaufen wollte, seine Mutter sich aber weigerte, ihn zu tragen.

Ich malte deshalb für ihn sieben Bilder von großen Autos, laminierte sie und hing sie immer an den höchsten Punkt eines Treppenabsatzes. Man konnte das Bild vom unteren Ende des Treppe zwar schon sehen, es aber nicht genau erkennen. Wie ich erhofft hatte, motivierten ihn die Bilder so sehr, dass er plötzlich ohne Geschrei die Treppen hoch lief - immer von einem Bild zu anderen. Dann blieb er davor stehen, betrachtete es, schaute hoch zum nächsten und lief weiter. 


Ab und zu änderte ich die Bilder, damit er wieder eine neue Motivation hatte. Ich malte zum Beispiel Bilder von Tieren - ich fing mit einer kleinen Ameise an und endete bei einem riesigen Wal. Mit jedem Treppenabsatz wurde das gezeigte Tier ein wenig größer und auch die Blattgröße änderte sich. Ich malte auch Spielzeuge und fügte auf jedem Blatt immer eins mehr dazu. Auf der untersten Treppe war also ein Spielzeug auf dem Blatt, auf der obersten waren es sieben Spielzeuge.

Für meine Töchter hob ich die Blätter auf und hing sie, als sie Treppe laufen doof fanden, wieder auf. So konnte ich z. B. sagen: "Lauf schon mal bis zum Spatz und dann trage ich dich von dort bis zur Katze." Das klappte wunderbar.

Bei meinem Sohn, der jetzt 1,5 Jahre alt ist, gibt es zwar noch kein Treppenlaufenverweigern, aber es hat sich jetzt schon - mehr aus Zufall - ein ähnliches Ritual wie mit den Bildern eingeschlichen. Bei uns im Hausflur gibt es nun "Schmetterlinge", die, weil sie einen Magnetfuß haben, von allen Bewohnern des Hauses mal hierhin, mal dorthin gesetzt werden. Diese Schmetterlinge waren eigentlich für das Zimmer meiner Töchter gedacht, sie wollten sie aber nicht (wie ich geplant hatte) an ihrer Lampe haben.

Also sortierte ich sie aus. Eines Tages fand sich einer der Schmetterlinge auf dem Boden im Hausflur. Vermutlich hatte mein Sohn die Tüte mit den aussortierten Sachen gefunden und den Schmetterling herausgenommen und mitgeschleppt. Ich setzte das Plastiktier an einen Nagel in der Wand. Das gefiel meinen Nachbarn so, dass sie für den Falter immer neue magnetische Standorte im Haus fanden. Das wiederum fanden meine Kinder so lustig, dass sie für jede Etage unseres Hauses einen Schmetterling aus der Tüte nahmen. Nun haben wir also eine Handvoll Schmetterlinge im Haus, die wie von Geisterhand täglich die Standorte wechseln und zehn Hausbewohner-Kinder, die die Treppen hochflitzen, um diese zu suchen. 

Wann das Treppe allein hochlaufen zu viel verlangt ist


Ich wurde einmal um Rat gebeten in einer Situation, die für die Mutter sehr anstrengend gewesen war. Sie hatte eine 20 Monate alte Tochter und wohnte in der dritten Etage. Normalerweise holte sie ihre Tochter nachmittags aus der Kita ab und nach einem kleinen Spaziergang gingen sie hoch in ihre Wohnung. Sehr oft bat die Tochter darum, hochgetragen zu werden, was die Mutter meist auch tat.

An diesem einen speziellen Tag gingen die beiden aber noch kurz zum Blumenladen und kauften Erde und Balkonpflanzen. Die Mama war also ordentlich bepackt - beide Hände waren voll. Deshalb bat sie ihre Tochter, an der Treppe angekommen, heute allein hochzulaufen. Statt einfach zu kooperieren, wie die Mutter gehofft hatte, fing das Mädchen barbarisch an zu kreischen und hatte einen riesigen Tobsuchtsanfall, weil sie die Stufen nicht allein hochlaufen wollte. Dieser Anfall dauerte eine halbe Stunde! Es ging nicht vor und nicht zurück - nichts, was die Mutter als Alternative anbot, wurde akzeptiert. Das Mädchen schrie und schrie - sie wollte auf den verdammten Arm!

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass die Mutter das unglaublich wütend machte. Schließlich hatte sie ihre Tochter doch schon oft genug hinaufgetragen. Sie sollte nur dieses eine Mal kooperieren, schließlich sah sie doch, dass die Mama beide Hände mit schweren Sachen voll hatte!

Das Problem an der Sache: Das Kind konnte in diesem Moment nicht kooperieren, weil es in seinem Kopf darauf eingestellt war, dass die Mutter es die Treppe hinauftragen würde. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den wir Erwachsenen immer im Hinterkopf behalten müssen, wenn wir mit Kleinkindern ein Kooperationsproblem haben. In vielen Fällen fehlt in einen bestimmten Moment die Kooperationsbereitschaft, weil das Gehirn noch nicht in der Lage ist, flexibel auf Veränderungen in einer Routine zu reagieren!

Ganz häufig sieht man das, wenn etwas Unerwartetes geschieht - zum Beispiel, wenn ein Keks beim Herausnehmen aus der Packung zerbricht. Wie viele Kinder lagen deshalb schon wütend auf dem Boden? Fast alle. Denn das flexible Reagieren auf eine Änderung ist eine kognitive Leistung, die erst mit steigendem Alter (und verbundenen neuronalen Bahnen) und viel, viel Übung gemeistert werden kann. Haben Kinder erst einmal ein Programm in ihrem Kopf gestartet ("Ich nehme einen ganzen Keks aus der Packung und esse ihn dann."), können sie dieses nicht oder nur schwer unterbrechen oder abändern.

Sie war auch vom Alter her noch nicht in der Lage, voraus zu sehen, dass die eben gekauften Pflanzen und die Erde der Grund sein würden, dass das Hinauftragen verweigert werden würde. Diesen Zusammenhang konnte sie aufgrund der noch fehlenden neuronalen Verschaltungen im Gehirn einfach noch nicht herstellen. Sie konnte sich auch nicht in die Situation der Mutter hineinversetzen, denn auch dieser kognitiver Meilenstein fehlte noch.

Was hätte besagte Mutter nun tun können? Sie hatte drei Möglichkeiten, zwei davon sind aber nur wenig praktikabel.

Sie hätte die Einkäufe am Fuß der Treppe stehen lassen und dann ihr Kind hochtragen können. Dann hätte sie das Kind für 5 Minuten im Kinderzimmer abgestellt und wäre die Treppen hinuntergewetzt, um die Einkäufe hochzuhieven.

Sie hätte bei einer Nachbarin klingeln und diese bitten können, die Einkäufe hochzutragen. (So ist es in Wirklichkeit auch geschehen. Allerdings hatte die Nachbarin das Geschrei gehört und war nach einer halben Stunde von selbst gekommen, um zu helfen.) Aber was, wenn kein Nachbar da ist?

Sie hätte den Wutanfall des Kindes aushalten, abwarten und begleiten können. Das Gehirn war aufgrund der Änderung einfach in die Krise geraten und musste nun durch den Wutanfall diesen inneren Stress abbauen. Wenn man das als Erwachsener weiß, ist das Begleiten gar nicht mehr so schwierig, weil man mit echtem Mitgefühl daneben sitzt und versteht, wie schwer das für das Kind gerade ist. Ist die Krise überwunden, dann kann sich das Kind übrigens auf die neue Situation einstellen - es wird dann allein die Treppe hochlaufen, oder den zerbrochenen Keks doch noch essen. Ich favorisiere diese Alternative, weil sie einen wichtigen Lernprozess beim Kind unterstützt. Allerdings würde ich an schlechten Tagen (also wenn mir die Nerven fehlen) auch einen der beiden leichteren Wege gehen. Sie sind alle drei für das Kind in Ordnung.

Unsere Serie zur kindlichen Kooperation

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zur kindlichen Kooperation. Im ersten Teil dieser Serie haben wir erklärt, warum Kinder nicht kooperieren wollen. Im zweiten Teil gingen wir darauf ein, wie wir unsere Kinder ganz allgemein wieder zum kooperieren bringen können. Ergänzt wurde dieser Text mit Teil 3 der Serie, in der Snowqueen tagebuchartig verbloggte, wie viel sie und ihre Kinder am Morgen kooperieren.
In den weiteren Artikeln haben wir alltägliche Situationen betrachtet, die früher oder später in fast allen Familien zu Konflikten führen:

© Snowqueen
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Kommentare:

  1. Ich würde mir einen Artikel wünschen über kooperation beim ins Bett bringen und wie man mit "Ich will aber noch nicht ins Bett" (bin aber totmüde)und wiederholtem raus kommen mit "muss nochmal pullern/kackern" ( gerne auch 3x im Wechsel) am besten umgeht. Das haben wir grad häufig mit unserer fast 3-jährigen Tochter und leider nicht immer kann ich ruhig und gelassen bleiben.. Finde die Artikel-Reihe toll, danke dafür. LG Daniela.

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  2. Ich würde mir einen Artikel wünschen über kooperation beim ins Bett bringen und wie man mit "Ich will aber noch nicht ins Bett" (bin aber totmüde)und wiederholtem raus kommen mit "muss nochmal pullern/kackern" ( gerne auch 3x im Wechsel) am besten umgeht. Das haben wir grad häufig mit unserer fast 3-jährigen Tochter und leider nicht immer kann ich ruhig und gelassen bleiben.. Finde die Artikel-Reihe toll, danke dafür. LG Daniela.

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    1. Liebe Daniela, oha - die Antwort zu deiner Frage ist der Heilige Gral der Elternschaft. Wenn ich die wüsste, würde ich mit einem Buch darüber ganz sicher reich werden! ;-) Ich versuche aber mal, aufzuschreiben, wie das bei uns so ist. Vielleicht hilft euch das ja etwas. LG!

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  3. Wieder einmal ein super Artikel!
    Mich würde noch mehr zum Thema Psychohygiene interessieren! Ist diese Situation des Stressabbaus und dem Suchen nach Reibung nicht auch in anderen Situationen zu finden? Oder ist das tatsächlich sehr häufig ein "Treppen Problem", einfach weil da der Kita Tag endet bzw. anfängt?
    Und woher weiß ich, dass mein Kind jetzt nicht einfach nur meine Nähe braucht, einfach weil es ja so einen anstrengend Tag hinter sich hat..
    Oder anders gefragt, wenn das Kind beispielsweise am Tag ständig am nörgeln ist, und man ihm nichts recht machen kann,kann es dann ein Stressabbau - Problem sein?
    Ich hoffe du verstehst was ich Fragen will.. ;)
    Liebe Grüße und macht weiter so
    Steffi

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    1. Liebe Steffi,

      man erkennt es eigentlich recht gut, weil das Kind in so einer Situation, in der es vor allem Reibung sucht, sehr absurde Forderungen stellt. Fräulein Chaos zum Beispiel saß einmal direkt neben dem Schuhregal und brüllte mich herrisch an, ich solle ihre Schuhe wegstellen. Der Sohn einer Freundin wollte unbedingt wieder die volle und schon weggeworfene AA-Windel wieder um bekommen. Er stand kreischend vor dem Eimer und wollte sie vehement wieder raussuchen. Wenn man als Eltern das noch nicht versteht und den Wunsch erfüllt, kommt dann aber gleich das nächste absurde Ding daher. Egal, wie ruhig man als Eltern bleibt, dem Kind ist nichts, was wir tun, recht. Geben wir dem einen nach, wird gleich darauf das komplette Gegenteil verlangt. Dann ist klar: Das Kind braucht uns als Blitzableiter, um explodieren zu können.

      Häufig findet man dieses Phänomen nach der Kita, aber auch nach besonders schönen Events. Nach dem Weihnachtsmarkt oder nach dem Ausflug zum Bauernhof. Je schöner der Tag, desto "PENG!" am Abend.

      Etwa 1x pro Monat gibt es ganze Blitzableiter-Tage. Da fallen die Kinder von morgens bis abends in Wut-Ketten von einem Kreischanfall in den nächsten. Das ist so wie die Entwicklungssprünge bei den Babys - da wird dann das Gehirn neu verkabelt. Fräulein Ordnung ist nach so einem Blitzableiter-Tag einmal mitten in einem Wutanfall auf dem Kinderzimmerfußboden eingeschlafen - und konnte am nächsten Tag plötzlich lesen (ohne, dass wir das irgendwie geübt hätten oder so). Solche Tage muss man als Eltern schlicht und ergreifend aushalten, mehr kann man gar nicht tun. Am nächsten Tag ist es ja Gott sei Dank vorbei.

      Liebe Grüße, snowqueen

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    2. Hallo, deine Ausführungen zum Thema "Reibung suchen" kamen für mich wie gerufen. Meine Tochter (23M) macht zur Zeit genau das und ich bin nun etwas beruhigter.
      Ich lege mich mit ihr Abends immer ins Bett, bis sie einschläft. Das klappt normalerweise ganz gut. In letzter Zeit fängt sie allerdings an den Schnuller zu verlangen, um ihn direkt wütend wegzuwerfen, um im nächsten Moment herzzereißend zu weinen, so das ich unter das Bett krabbel und ihn wiederhole damit sie ihn direkt wütend wieder weg werfen kann... (Endlosschleife). Manchmal ist es statt dem Schnuller ihr Lieblingsbuch, die Wasserflasche... Ich mache dieses Spiel für gewöhnlich eine Weile mit, aber wenn es zu lange dauert (irgendwann soll sie einschlafen), lasse ich sie weinen und bleibe neben ihr liegen, um ihr etwas Trost zu geben. Das ist emotional sehr anstrengend für mich und ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob das gut für sie ist. Sie weint und wird dabei sehr hysterisch, aber nach einer Weile schläft sie dann immer an mich gekuschelt ein. LG

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    3. Liebe Anonym, mein Beileid - ich habe auch eine Einschlafweinerin und das ist echt soooo anstrengend. Du hast das schon ganz richtig analysiert. Sie macht die Spielchen mit dem Nuckel und der Flasche etc. damit sie (unbewusst) einen Grund hat, um zu explodieren und dann zu weinen. Mein Fräulein Ordnung brauchte dieses Entspannungsweinen vor dem Schlafen auch sehr, sehr lange. Ab und zu macht sie es heute noch, aber selten. Ich weiß gar nicht genau, wann es so selten wurde. Vielleicht mit 4? Vielleicht auch schon 3,5.

      Es bleibt dir leider nichts anderes übrig, als das auszuhalten und zu begleiten. Sie lag beim Weinen meist in meinem Arm und schlief dann wirklich buchstäblich vor Erschöpfung ein. Du wirst es nicht glauben, aber ihre Schwester hat tatsächlich gelernt, bei diesem Krach neben uns einzuschlafen! Für mich war das aber einen wirklich harte Zeit, oft habe ich mich mit meiner besseren Hälfte abgewechselt, weil ich das Geschrei nicht mehr ausgehalten habe.

      Das Ding ist - den Kindern geht es gut dabei, denn sie werden ja ihren Stress los. Leider steigt dabei das innere Stresslevel der Eltern. Also - so, wie du es machst, ist es richtig und gut für deine Tochter. Aber achte auch auf dich selbst! Nimm dir Auszeiten, wechselt euch ab!

      Mitfühlende Grüße, snowqueen

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  4. Danke für den Beitrag. Genau heute habe ich darüber nachgedacht, ob es okay ist, wenn ich meinen 15 Monate alten Sohn (der meistens sehr gut und gern läuft) trage, wenn er keine Lust mehr hat zu laufen. Eigentlich erlebe ich nur, dass Muttis sagen: komm laufe selber, du kannst das. Aber ich denke immer, dass er nach einem Tag bei der TaMu auch mal keine Lust mehr hat lange Strecken zu laufen und ich breche mir ja kein Bein, wenn ich den kleinen Milchmops trage. Auch wenn es hier ums Treppen steigen geht, hat mich das bestärkt, den Zwerg weiter zu tragen - wenn ich das kann (Arme frei) und er das einfordert.

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  5. Die Manduca bzw eine Trage kann ich sehr empfehlen. Dann hat man die Hände frei und kann auch noch die Einkäufe mit hoch tragen.

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    1. ...wenn man die Kraft hat. Wir sind ins 3OG gezogen, als unsere Tochter 6 Monate und unser Sohn 25 Monate alt war. Ich habe Monate lang 2 Kinder (rund 23kg) plus Einkäufe (z.T. Plus Gedöns wie dreckige Kita-Wäsche etc) nach oben geschleppt. Trotz Manduca habe ich den "Großen " bald genötigt, selbst die Treppe zu bewältigen..

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    2. Stimmt, die Manduca zu nutzen ist eine gute Idee. Ich werde das im Text ergänzen. Eine Freundin von mir hatte tatsächlich eine "Treppenmanduca", die nur für das Hochtragen im Treppenhaus deponiert war. LG, snowqueen

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    3. Liebe denken fetzt - genau, der Ansatz funktioniert nur so lange, wie DU es schaffst. Es ist ja immer ein Abwägen von Bedürfnissen. LG, snowqueen

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    4. Wo gerade die manduca angesprochen wird- was tun, wenn der 6 Monate alte Sohn sie verweigert? Tragetuch ging recht gut, nicht immer, aber es war möglich... dafür ist er aber mit gut 9 kg jetzt zu schwer...

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  6. Danke für den tollen Artikel. Das Thema ist bei uns gerade sehr aktuell. Meine Tochter wird bald 3 und will ständig getragen werden. Vor allem vor und nach der Kita und auf der Treppe.
    Aber Diskussionen gibt es auch täglich beim Händewaschen, Anziehen und Duschen. Woran liegt das und wie kann ich diese alltäglichen u wichtigen Tätigkeiten ohne Trotzanfall u Geschrei von meiner Tochter erledigen?

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    1. Zum Anziehen gibt es ja schon einen Artikel. Ich vermute, dass es beim Händewaschen um ein Problem mit Phasenübergängen geht. Dazu schreibe ich gerade. Das Duschen ist ihr vielleicht unangenehm? Viele Kinder mögen Wasser von oben nicht. LG, snowqueen

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  7. Vielen Dank für die Artikelreihe und speziell diesen Artikel! Meine Tochter ist 22 Monate alt und wiegt ca. 15 Kilo. Leider wohnen wir in der 3. Etage. Ich trag sie eigentlich immer die Treppe hoch, weil sie grundsätzlich eher lauffaul ist. Wenn ich noch ein Paket etc. hochtragen muss, trage ich immer abwechselnd das Paket und sie eine Treppe hoch, so dass sie mich immer sehen kann, auch wenn sie kurz warten muss.
    Langsam wird sie mir aber zu schwer. Mein Plan ist es, sie nach und nach immer ein Stück weiter alleine laufen zu lassen. Gestern habe ich damit angefangen: "Komm, du läufst alleine bis dahin, wo der Martin wohnt (1. Etage), und dann trage ich dich den Rest." Das hat gut geklappt. Das mit den Schmetterlingen oder ähnlichen Dingen werde ich auch mal ausprobieren.

    Viele Grüße
    M.

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  8. Hallo,
    Erstmal herzlichen Dank für diese Artikel Serie.
    Ich bin gerade in einem ziemlichen Gefühlschaos.
    Nachdem ich die Artikel gelesen habe, bekomme ich ein schlechtes Gewissen.
    Meine Tochter (25 Monate ) ist seit dem Wochenende wie ausgewechselt.
    Sie macht gerade genau die Dinge, die du hier beschreibst und mich macht es ratlos.
    Bis letzte Woche hat sie so toll kooperiert und jetzt?
    Sie wirft ihre Spielsachen einfach durch das Wohnzimmer, schmeißt ihren Becher und Teller vom Tisch und spuckt das Essen auf den Boden. Sie zerpflückt meine Dekoration und leckt die Fensterscheibe ab und zu guter Letzt, hat sie heute versucht in die Steckdose zu packen. Letzte Woche, hatte ich ein anderes Mädchen hier.
    Ich versuche ruhig zu bleiben und ihr alles zu erklären. Doch heute bei den Steckdosen konnte ich nicht mehr ruhig bleiben. Was kann es sein, dass sie auf einmal so agiert? Hier bei uns hat sich nichts geändert. Der Tagesablauf ist gleich,ich habe seit einem Jahr zwei Tageskinder Vormittags hier. Will sie damit vielleicht doch mehr Aufmerksamkeit? Ich bin wirklich sehr ratlos und über meine eigene heutige Reaktion traurig. .
    Wenn ich eure Artikel lese habe ich gleich ein schlechtes Gewissen. Vielleicht habt ihr ja einen Ratschlag für mich. Ich würde mich freuen.
    Liebe Grüße K.

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    1. Liebe K., weißt du was, du brauchst es ihr gar nicht so oft erklären. Sie weiß das alles schon, denke ich. Du hast ihr doch bestimmt schon mal gesagt, dass man nicht in Steckdosen greifen darf? Spar dir die Worte. Wir "neuen" Eltern erklären viel zu viel, das wäscht als Gelaber einfach über unsere Kinder drüber hinweg und sie hören uns nicht mehr zu. Sag ihr: "Steckdosen sind gefährlich. Stopp!" und nimm sie auf den Arm und trag sie von der Gefahrenquelle weg. Nur, wenn sie etwas macht, was du ihr noch nie erklärt hast, kannst du natürlich erklären.

      Zu deiner Frage: Ja, es klingt schon so, als hätte sie ein Aufmerksamkeitsdefizit und müsste das dringend aufgefüllt bekommen. Kennst du unseren Artikel zu den verschiedenen Aufmerksamkeitstypen? Lies den mal. Und gib ihr im Alltag immer wieder mal 5 Minuten Mama-Zeit. Das hilft ungemein.

      LG, snowqueen

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  9. Liebe snowqueen,
    erstmal vielen, vielen Dank für die tolle Kooperationsserie!
    Ich habe ebenfalls Zwillingsmädchen, mittlerweile 2 Jahre 4 Monate alt. Beide haben auch öfters das Bedürfnis nicht alleine zu laufen bzw. die Treppe hochzugehen. Auch wir wohnen im 2. OG. Besonders nach der Kita oder einem langen Tag ist das der Fall. Im Grunde wäre das gar nicht so ein Problem, würden sie nicht beide gleichzeitig getragen werden wollen. Beide abwechselnd erst die eine dann die andere geht auf keinen Fall. Immer wollen beide gleichzeitig zur Mama und getragen werden. Als sie kleiner waren, war das auch kein Problem, nur wiegen beide zusammen jetzt ca. 26 kg und das schaffe ich bei aller Liebe nicht mehr die ganze Strecke bzw. bekomme beide auch gar nicht gleichzeitig hochgehoben. Wenn ich dann auf das Laufen bestehe heulen / schreien beide, wenn ich die nehme, die als erste (zufällig) gefragt hat, schreit natürlich die andere und mir bricht das Herz, weil ich natürlich beiden gerecht werden möchte und natürlich nicht eine benachteiligen will. Eine Manduca o.ä. löst das Problem nicht, da 1. das Gewichtsproblem weiterhin besteht und 2. dann beide in die Manduca wollen. Da ist es dann auch wieder schwierig einen Kompromiss zu finden. Abwechseln, wie gesagt, funktioniert in dem Fall auch nicht. Ich glaube, da ist die Situation einfach zu stressig für beide oder sie sind zu kaputt, so dass sie das in diesem Moment nicht hinbekommmen. Abwechseln klappt sonst ganz gut. Es ist zum verrückt werden.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn du einen Tipp für mich hast aus deiner Erfahrung als Zwillingsmama!!
    Generell fände ich es persönlich prima, wenn du bei deinen Tipps manchmal einen Hinweis geben könntest, was man bei Zwillingen machen könnte in bestimmten Situationen. Meistens ist es ja gleich oder ähnlich wie mit einem Einling aber manchmal halt nicht, denn es sind ja ZWEI im GLEICHEN Alter mit denen man gleichzeitig 'zurechtkommen' muss. Du weißt was ich meine?! ;)
    Liebe Grüße Nora

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    1. Liebe Nora, oh ja, ich weiß, was du meinst ;-). Dieses Ding, dass beide gleichzeitig etwas wollen oder als erstes die Treppe hochgetragen werden wollen, hatten wir auch. Ich habe versucht, so oft es ging, sie tatsächlich gleichzeitig hochzutragen, allerdings vor allem deshalb, weil ich keinen Bock auf den Streit und das Geweine hatte. Allerdings machten das meine Knie nicht so gern mit - die haben dann immer sehr geschmerzt.

      Was bis heute gut funktioniert ist, ihnen die Lösungsfindung zu überlassen: "Ihr wollt beide gleichzeitig hochgetragen werden. Das kann ich nicht. Sprecht miteinander. Findet einen Kompromiss." Das geht natürlich besser, je älter sie sind, aber ich glaube, ich habe schon mit 2,5 Jahren damit angefangen (sie konnten früh schon gut sprechen.). Eine Zeit lang hat dann immer nur die eine nachgegeben, was ich auf lange Sicht nicht so toll fand, aber es hat sich dann auch gewandelt und dann hat eher die andere nachgegeben. Mittlerweile erinnern sie sich daran, wer als letztes seinen Willen durchsetzen konnte, oder sie versprechen sich Süßigkeiten, damit der andere nachgibt, es gibt aber auch Situationen, da stellen sie gemeinsam fest, dass es ihnen doch nicht so wichtig ist und wollen dann gar nichts mehr von mir, sondern laufen gemeinsam los. Ich kann diese Vorgehensweise nur empfehlen. Sie ist sicherlich sehr anstrengend zu Beginn, weil man die Kompromissfindung manchmal moderieren muss, aber auf lange Sicht lohnt sich der Einsatz am Anfang doppelt und dreifach.

      Wenn meine Kinder nach der Kita zu müde waren, um selbst Kompromisse zu finden, habe ich erst die eine, dann die andere hochgetragen und das Weinen der zweiten Tochter dann begleitet und sie getröstet. (Im Kopf habe ich mir seeeehr gut gemerkt, wer zuletzt als Erstes getragen wurde) Es ist ja durchaus ein Vorteil des Zwillingsdaseins, dass sie von Beginn an lernen, auch mal warten zu müssen, oder zurückzustecken oder zu teilen. Daraus resultiert eine hohe Sozialkompetenz, die im späteren Leben weiterhilft. Insofern muss man das gar nicht so akribisch vermeiden. Es muss nur irgendwie gerecht verteilt sein, wer wie oft zurückstecken muss.

      Liebe Grüße, snowqueen

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    2. Liebe snowqueen,

      tausend Dank für deine wirklich hilfreiche Antwort!! Ich werde das demnächst mal langsam angehen und versuchen, das die beiden sich eine Lösung suchen. Sie sind ja noch keine 2,5 Jahre, daher glaube ich, wird das noch nicht wirklich funktionieren. Jedoch sprechen sie auch schon sehr gut und manchmal 'verhandeln' sie auch schon ein bisschen miteinander. Zumindest scheint das so. :)
      Vielen Dank nochmal und macht bitte weiterso! Ihr macht einen ganz tollen Job und habt mir schon bei vielen Sachen sehr geholfen!
      Liebe Grüße,
      Nora

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  10. Wir haben auch lange im dritten OG ohne Fahrstuhl gewohnt.. meine Tochter, damals ab lauflernalter bis zwei Jahre ist mal mehrmals weniger gern die Treppen hoch. Manchmal wenn sIE nicht mehr wollte habe ich eine abgewandelte Form von zukowskys Lied "ich schaff das schon..." gesungen. Also "du schaffst das schon". Irgendwie hat sie das angespornt

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  11. Wenn es um Strecken und nicht um Treppen geht, nehme ich meinen Zwerg manchmal hoch, sobald er will, bleibe dann aber stehen. Gerade wenn der KiWa dabei ist, ist es mir nämlich zu anstrengend, den zu schieben, während ich den 13 Kilo Zwerg auf dem Arm habe. Das reicht manchmal schon, sein Bedürfnis zu stillen und dann mit ihm laufend oder im Kiwa weiterzukommen. Wenn ich aber dringend weiter möchte, sage ich immer schon direkt, wie weit ich ihn tragen werde. (z.B. Bis zu dem Baum da vorne. oder: Bis zu dem blauen Schild. es muss etwas gut sichtbares sein) Dann kann er sich drauf einstellen, wieder abgesetzt zu werden. Klappt aber auch nur, wenn er nicht übermüdet ist. In so einem Fall hilft noch der Sling, den er zwar auch nicht mag und der dadurch nicht bequem für mich ist, der aber irgendwie für beide zum kleineren Übel geworden ist.

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  12. Liebe snowqueen,
    ich bin froh und dankbar für euren Blog und habe schon viele Artikel in unserem Leben umsetzen können, sie als Bestärkung gesehen oder zum Blickwechsel genutzt. Vielen Dank dafür. Mich würde noch die Situation des "Gehens" interessieren. Insbesondere wenn wir los müssen egal ob vom Spielplatz nach Hause, in die Kita, von der Kita nach Hause etc. Immer wenn es um Abschied von einer bestimmten Situation oder Person geht, erscheint die Kooperation am Ende zu sein. Ich versuche nicht zuviel Druck aufzubauen, Verabredungen zu treffen, erklären, aber oftmals endet es im Streit oder Wutausbruch. Hättet ihr zu solchen Situationen noch ein paar Anregungen?

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    1. Ich glaube, das ist dann ein Problem des "Phasenwechsels" bzw. Situationswechsels, darüber schreibe ich gerade! LG, snowqueen

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    2. Toll. Dann freue ich mich auf den Artikel. Vielen herzlichen Dank für die Antwort.

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  13. Liebe snowqueen,
    erstmal möchte ich mich auch für die tolle Serie über Kooperation bedanken, die hat meinen Blick auf einige Situationen schon sehr verändert. Ich würde nur gerne wissen, wie ich denn den Unterschied erkennen kann zwischen notwendigem "Ausbruch" zur Psychohygiene und einem Aufmerksamkeitsdefizit.

    Hier bei uns verändert sich gerade sehr viel (Haus gekauft, renovieren, und neue Arbeitsstelle mit mehr Stunden), und meine Tochter (26 Monate) reagiert ganz offensichtlich darauf. Sie ist sehr (Mama-)anhänglich, Papa darf nicht viel machen, und auf scheinbare Kleinigkeiten reagiert sie fast sofort mit weinen und schreien, so dass sie meist nicht mal mehr richtig sagen kann was sie eigentlich will - was die Situation dann natürlich noch verstärkt.

    Dazu kommt, dass sie in täglich wiederkehrenden Situationen garnicht mehr kooperiert: essen (falsches Essen, falscher Teller), anziehen lassen (falsche Kleidung, falscher Ort), Windel wechseln (selber machen, Mama machen, garnicht machen), ins Auto steigen (einfach "Nein!"), .... Wenn sie nein sagt, sage ich meist "Ok, dann später/anders" (wenn möglich), was bisher immer gut funktioniert hat.
    Nur seit ein paar Wochen sagt sie dann sofort "Jetzt schon!" und weint, und dann wieder "Nein" und weint, und so weiter. Ich tröste dann natürlich, aber Alternativen lässt sie nicht zu.

    Ich schaffe es auch meist recht gut, ihr jeden Tag immer wieder exklusive Aufmerksamkeit zu geben, doch im Moment scheint ihr das nie genug zu sein. Ich weiß leider noch nicht, welcher "Aufmerksamkeitstyp" sie ist, daher streue ich da ein bisschen :)
    Aber wenn sie nun mit all dem nach Reibung sucht, um Stress abzubauen, wäre es vielleicht besser, nicht auszuweichen? Nach weinen und schreien geht es ihr meist in Sekunden wieder blendend, aber die nächste Situation kommt danach recht schnell.

    Bisher habe ich in diesem Blog immer gute Hinweise gefunden, warum sie tut was sie tut, und das hat mir die nötige Geduld gegeben, sie so gut es geht zu begleiten. Leider bin ich momentan einfach ratlos - und abends emotional ziemlich ausgelaugt. (Und so Kommentare wie "Sie macht das doch, um dich zu ärgern" und "Bloß nicht nachgeben, sonst macht sie das immer wieder" finde ich gerade wenig hilfreich.)
    Vielleicht hast du ja einen klugen Rat?

    Liebe Grüße - Heimke

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    1. Hui Heimke, das klingt ja echt seeeehr anstrengend. Ihr Armen! Es ist nur eine Phase, nur eine Phase, wirklich nur eine Phase. Geht vorbei, wirklich!

      Also zunächst einmal: Die Unterscheidung zwischen Aufmerksamkeitsdefizit und Psychohygiene ist das Absurde der Forderung. Dein Beispiel, wo du schreibst, sie sagt: "Nein!" und du "Okay, später." (gute Reaktion!) und sie dann "Nein, jetzt!" - das klingt für mich nach Blitzableitersituation. Da kannst du es ihr nicht recht machen, was vermuten lässt, dass sie Reibung braucht und dir unbewusst keine Lösungsmöglichkeit lässt, damit sie explodieren kann.

      Ich hatte eine solche Situation gestern mit meinem Fräulein Ordnung. Sie hatte erwartet, dass Oma und Opa sie aus der Kita abholen, aber es war dann doch nur ich. Sie nahm sich ihre "Arbeit" aus dem Kindergartengarten mit auf den Spielplatz. Die "Arbeit" war ein Herbstblatt, darauf liegend mehrere von ihr per Hand zerkleinerte Herbstblätter. Sie wollte auf dem Spielplatz weiterarbeiten (also noch mehr Blätter zerschreddern und auf den Haufen legen). Dazu setzte sie sich oben an der Rutsche an den Anfang der Rutsche und wollte dort in Ruhe (!) mit den Blättern spielen. Tja, aber Ruhe gibt es oben auf der Rutsche natürlich nicht - ständig drängelten sich Kinder an ihr vorbei, um zu rutschen und ein Kind berührte dabei natürlich ihr Blatt mit den Blätterschnipseln und alles purzelte hinunter. Und da hatte sie dann ihre (unbewusst selbst hervorgerufene) Katastrophe, weswegen sie endlich explodieren konnte. Sie schrie und schrie und schrie und herrschte das arme Kind an, es möge ihr SOFORT alle Schnipsel wiederbringen. (Ich habe dem anderen Kind gesagt, das alles okay ist und es spielen gehen kann.) Diese Situation war so absurd (sich für eine ruhige Arbeit oben auf die Rutsche setzen ist keine gute Idee und das weiß eine 5-Jährige auch schon) und die Forderung war so absurd (Wie soll das Kind alle Schnipsel wiederfinden?), dass einfach klar war: Das ist ein Ausbruch für ihre Psychohygiene. Das konnte ich dann nur begleiten (hat bestimmt eine halbe Stunde gedauert) und danach war es wieder gut.

      Wenn es bei euch gerade viele Änderungen gibt und du nicht mehr so viel Zeit für sie hast, würde ich vermuten, dass ihr eher ein Aufmerksamkeitsdefizit habt. "Nie genug" kenne ich auch von meinen Kindern - dann ist der Liebestank einfach wirklich noch nicht voll. Erst, wenn der wieder voll ist, lösen sich die Kinder mehr und vertragen auch Zeiten, in denen man sagen muss "Jetzt nicht, ich muss erst noch..." oder sie mal aus Stress anmeckert. Ein Kind mit gut gefülltem Tank kann über gelegentliches Anmeckern hinwegsehen, ohne mit "Quatsch" darauf zu reagieren. Ein Kind, das angemeckert wird, ohne, dass der Aufmerksamkeitstank gefüllt ist, reagiert auf solche Situationen mit noch mehr absichtlichem Quatsch.

      Liebe Grüße, snowqueen

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  14. Toller Beitrag!
    Diese Einstellung hilft für's Leben, später vor allem dann mit Jugendlichen. Hier ist es auch ganz wichtig, über die Veränderungen im Gehirn zu wissen - es geht nämlich wesentlich weniger um Hormone als um die Umstellung im Gehirn.
    Werde sicher immer mal wieder reinlesen!

    LG
    Sh

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  15. Tolle Artikel, vielen Dank! Vieles kommt mir sehr bekannt vor und ich werde einiges anders machen als bislang. Wenn Du jetzt noch eine Lösung hast für das Thema "Finger-, Fußnägel schneiden" hast, freue ich mich. Einleuchtend ist ja schon mal die "Hergeben"-Info Super!
    Lieben Gruß,
    Yvonne

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  16. Hallo,

    leider ist der Link in diesem Artikel zu "Wutanfall empathisch begeilten" tot. Das Thema interessiert mich gerade. Gibt es diesen Artikel noch?

    Viele Grüße
    Stefan

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    1. Hallo Stefan,

      ich habe den Link gerade repariert. Danke für Deinen Kommentar!

      Viele Grüße
      Danielle

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    2. Dank euch für die schnelle Reaktion und den tollen Blog.

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  17. Ein wirklich aufschlussreicher Artikel! Ich lese seit der Geburt unserer Zwillinge sehr viel hier und habe schon einige Tipps und Inspirationen mitgenommen. Vielen Dank dafür!!
    Ich habe es beim Thema Familienbett schon mal gelesen, dass Kinder nach dem 10,5 Monats-Sprung oft noch nicht in der Lage sind alleine aus dem Bett zu krabbeln. Die Zwillinge werden in 2 Wochen 1 Jahr alt und momentan sind Treppen sehr hoch im Kurs. Unsere Tochter krabbelt mehrere Stufen hoch. Runter klappt natürlich nicht. Ich bin hinter ihr und nehme sie dann wieder mit runter. Unser Sohn macht gerade die ersten Schritte. Da ist die Treppe nicht so interessant. Auf zwei Kinder gleichzeitig aufzupassen fände ich auch etwas schwierig!
    Jetzt frage ich mich aber, ob man sie noch irgendwie unterstützen kann und dabei meine ich gar nicht in erster Linie das Treppensteigen, sondern das Erklimmen von anderen Sachen. Das Sofa ist noch zu hoch, aber im Garten haben wir Gartenmöbel, die von der Höhe machbar sind. Momentan haben wir immer Polster drauf, auch wenn wir nicht dort sitzen, weil sie draußen eigentlich ausschließlich auf diese Möbel wollen. Mit Polster ist es halt wieder zu hoch. Wäre es sinnvoll die Polster auf den Boden zu legen, damit sie weich fallen und sie dann machen zu lassen oder würdest du sagen lieber noch weiter absichern und abwarten bis sie soweit sind und wann wird das ca. sein?
    Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass man mit Babys einfach gar nichts üben muss, weil alles von ganz alleine kommt, aber in dem Punkt bin ich unsicher. Gerade weil sie so viel Spaß dabei haben. So habe ich zum Beispiel die Polster in die Whg geholt und 2 übereinander gelegt und eins davor. So als mini Stufe. Da können die beiden sich den ganzen Tag mit beschäftigen, aber sie krabbeln halt immer vorwärts runter.
    Würde mich über deine Meinung freuen. Viele Grüße. Julia

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    1. Hallo Julia, doch, nach dem Sprung mit 10,5 Monaten können Kinder eigentlich lernen, vom Bett oder der Couch zu steigen, schau mal hier: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/06/der-entwicklungssprung-der-46-woche.html Ich würde an deiner Stelle die Polster runternehmen und die Gartenmöbel selbst festhalten, damit sie nicht umkippen (oder sind sie sehr standfest?). Ist unter den Möbeln Gras? Dann würde ich die Polster dort nicht hinlegen. Bei Beton würde ich vermutlich mit Polster sichern, weil du dich ja nicht zerreißen und auf beide gleichzeitig aufpassen kannst. Das ist mit Zwillingen wirklich schwierig....
      LG, Snowqueen

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  18. Hallo und danke für eure geniale Arbeit mit dem Blog! Gibt es was zum Thema Reibung/psychoHygiene auch noch in anderen Artikeln? Und evtl mit Kindern so um 6 Jahre? Als Hilfe für den besten Vater der Welt, der sich manchmal arg über den 'provozierenden' Sohn ärgert. Würde mich über Antwort sehr freuen! LG Franziska

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    1. Liebe Franziska, Provozieren als Psychohygiene wird in unserem neuen Buch ausführlich auftauchen. Allerdings hilft dir das jetzt für den Moment nicht weiter, denn es dauert noch, bis es fertig gedruckt ist. Am ehesten wird dir unser Artikel über den Unterschied zwischen Wünschen und Bedürfnissen helfen. Dort schreiben wir über zielführende oder nicht-zielführende Strategien, um Bedürfnisse (wie das Bedürfnis nach Psycho-Hygiene) zu befriedigen. Oft z.B. reden Kinder in sehr krassem Kommandoton mit ihren Eltern oder machen so lange Quatsch, bis die Eltern explodieren und schimpfen. Dann fängt das Kind an zu weinen, was wiederum den Stress im Inneren abbaut. Somit ist der Kommandoton oder das Quatsch machen, nicht weiter, als eine unbewusste Strategie, um die Eltern zum Schimpfen zu bringen, um dann einen legitimen Wunsch zum Weinen zu haben. Das ist ein schwieriger Kreislauf...
      LG, Snowqueen

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