Warum Babys nicht alleine einschlafen wollen


Wenig bewegt Eltern in den ersten beiden Lebensjahren (im schlechtesten Falle auch darüber hinaus) so intensiv, wie das Thema "Schlafen". Es soll sie ja geben - diese Kinder, die schon immer super eingeschlafen sind und früh unproblematisch durchschliefen. Ich selbst habe Kinder erlebt, die in Krabbelgruppen während des Spielens einfach eingeschlummert sind. 

So etwas habe ich stets fassungslos beobachtet - vollkommen irritiert und ganz leider auch sehr neidisch. Denn "solche" Kinder waren mir leider nicht vergönnt. Meine Kinder konnten lange nicht alleine einschlafen. Während ich nach dem ersten Kind noch vermutete, dass das eigene Verhalten einen maßgeblichen Einfluss auf das Schlafverhalten von Kindern hat, lehrte mich mein zweites Kind: Trotz allem, was ich theoretisch über das Schlafverhalten weiß und egal wie man sein Verhalten optimiert: Es gibt einfach extreme Schlechtschläfer. Das ist anstrengend, aber es sollte tröstlich sein zu wissen, dass es vollkommen normal ist.

Baby will nicht allein einschlafen

 

Alleine schlafen macht Babys Angst


Menschenkinder sind Traglinge, sie sind lange Zeit vollkommen hilflos nachdem sie geboren wurden. Ohne die Betreuung Erwachsener würde ein Baby innerhalb kürzester Zeit sterben. Man stelle sich ein zu Urzeiten zurück gelassenes Neugeborenes vor - innerhalb kürzester Zeit würde es von wilden Tieren gefressen werden. Daher haben Babys einen einfachen Plan entwickelt, um ihr Überleben zu sichern. Sie agieren stets nach dem Motto "Sorge dafür, dass Du niemals alleine bist!". Zwar umgeben seit Jahrhunderten schützende Mauern die Häuser von Kind und Eltern, doch die evolutionäre Entwicklung hat sich in dieser kurzen Zeit nicht auf die nunmehr vorhandene Sicherheit angepasst. Neugeborene empfinden noch immer die selben Todesängste, wie vor 5.000 Jahren, wenn sie allein gelassen werden.

Während es im wachen Zustand vergleichsweise einfach ist, dafür zu sorgen, auf Mamas oder Papas Arm in Sicherheit zu sein (und sei es, indem man das durch pausenloses Geschrei einfordert), ist die Einschlafphase eine für das Baby "gefährliche" Zeit. Es ist müde, es möchte schlafen und es möchte sicher sein. Einschlafen bedeutet Trennung, es bedeutet allein sein - deswegen fällt es vielen Kinder unglaublich schwer, in den Schlaf zu finden. Es gibt aber Methoden, die das Kind beim Einschlafen aktiv unterstützen. In den ersten Lebensmonaten fallen Kinder zunächst in einen sehr leichten Schlaf, so dass sie, wenn sie abgelegt werden, sofort wieder aufwachen. Erst mit etwa 3 bis 4 Monaten beginnt der erste Schlafzyklus mit einer Tiefschlafphase.

Viele Eltern stellen fest, dass das Kind am besten einschläft, wenn es bewegt wird - sei es im Tragetuch, im Kinderwagen oder im Auto. Das ist leicht erklärbar: Die Gattung des Homo gibt es seit 200.000 Jahren, erst seit ca. 6.000 Jahren gibt es Räder, seit 400 Jahren sich aus fremden Antrieb bewegende Fahrzeuge. Da Babys noch urzeitlich geprägt sind, setzen sie Bewegung auch von Maschinen mit körperlicher Nähe gleich und körperliche Nähe bedeutet: "Ich bin in Sicherheit". Weil das so ist, erwachen Kinder auch gerne mal so umgehend (wenn sie nicht gerade in der tiefsten Tiefschlafphase sind), wenn der Kinderwagen sich nicht mehr bewegt oder das Auto stehen bleibt. Findige Erfindungen sorgen für Abhilfe - Rüttelplatten wie der Robopax, Federwiegen, die sich bei Bewegungen des Kindes in sanfte Schwingungen versetzen (Schlummerli, Nonomo oder Lullababy), Bed Rocker die das Babybett hin und her wiegen oder das Lolaloo, welches den Kinderwagen sanft schaukeln lässt, ohne dass man selbst tätig werden muss. Durch die konstante Bewegung wird der Gleichgewichtssinn des Kindes ständig angesprochen, es fühlt sich wohl und geborgen.

Babys brauchen zum Schlafen oft Körperkontakt 


In den meisten Ratgebern wird empfohlen, dass Babys alleine in ihrem Bett einschlafen sollen, damit sie beim Aufwachen zwischen den Schlafphasen gleiche Bedingungen wie beim Einschlafen vorfinden und beruhigt weiter schlummern können. Das ist eine großartige Theorie und sicher einen Versuch wert. Es gibt Kinder, die lassen sich tatsächlich unproblematisch in ein Bett legen und schlafen vom ersten Tag an dort friedlich ein. Der Normalfall ist das leider nicht - in der Regel wollen die Kinder (insbesondere in den ersten Lebenswochen) ausschließlich an und auf den Eltern einschlafen, nicht wenige möchten die gesamte Nacht über Körperkontakt. Leider wird noch oft empfohlen, das Baby einfach mal eine Weile schreien zu lassen - das sollte man jedoch auf keinen Fall tun. Wenn man das Bestreben hat, dass ein Kind sehr früh alleine im eigenen Bett einschläft, sollte die im Folgenden unter "sanftes Ablösen" beschriebene Methode versucht werden.

Man muss aber ganz klar sagen: Für Säuglinge in diesem Alter ist das im Arm einschlafen wollen und die Nacht in der Nähe der Eltern verbringen zu wollen, ein ganz natürliches Verhalten, es besteht absolut keine Gefahr, ein Baby damit zu verwöhnen. Genau genommen genießen es die meisten Eltern sogar, weil ihnen ihr Bauchgefühl sagt "So ist es richtig! Das braucht mein Kind offenbar". Doch leider gibt es immer noch viele Verwandte und Bekannte, die kritisch unken, dass das Baby damit konditioniert werde. Um es ganz deutlich zu sagen: Das ist UNSINN. Ein Kind in den Schlaf zu tragen ist keine Unsitte, sondern die Erfüllung elementarer Bedürfnisse. In den letzten 200.000 Jahren hat kein Kind in einem abgeschlossenen Zimmer gelegen und sollte alleine einschlafen - seit Urzeiten sind Babys eng bei ihren Eltern gewesen und sind mit dem seligen Gefühl der Sicherheit eingeschlummert.

In den meisten Fällen hält das Bedürfnis nach Körpernähe etwa 6 bis 12 Monate an - alle Kinder schlafen über kurz oder lang auch ein, ohne dass man sie im Arm hält. Selbst wenn sie das nicht freiwillig tun werden: Eine sanfte Gewöhnung ist auch später noch ohne weiteres möglich. Ich möchte an dieser Stelle wirklich von Herzen empfehlen, Kinder, die nicht alleine einschlafen können, zu begleiten, aktiv und passiv - vorzugsweise so lange sie es einfordern.

Baby schläft nur bei Mama im Arm

Sanftes Ablösen 


Eine klassische Situation: Das Neugeborene wird erkennbar müde - Mama und Papa beschließen, dass es an der Zeit ist, dass das Baby auch mal alleine im Kinderbett einschläft. Sie machen es bettfertig, legen es hin und stehen neben dem Kinderbett in der Erwartung, dass das Kind nun ruhig einschläft. Das Kind hingegen ist zutiefst irritiert, war es doch bisher in den Wachphasen die meiste Zeit im Arm und schlief dort ein und plötzlich wird es in einer für das Baby sensiblen Phase, wo es müde ist und Schutz und Nähe zum Einschlafen sucht, einfach in ein kaltes Bett gelegt. Eltern sind oft überrascht, wie vehement das Baby sich wehrt, wenn abgelegt wird - dabei ist es doch augenscheinlich so müde und müsste eigentlich schnell einschlafen. Doch das Baby - vollkommen übermüdet - merkt, dass es fast wegschlummert und zwingt sich mit aller Kraft, wach zu bleiben um Schutz zu fordern. Das ist der Moment, in dem die meisten Eltern (nachhaltig bewegt von der Intensität des Schreiens) beginnen, das Kind dauerhaft in den Schlaf zu tragen. Wie bereits erwähnt spricht grundsätzlich nichts dagegen, das so lange zu praktizieren wie Eltern und Kind das wollen.

Es gibt jedoch eine Methode, die sich sowohl dazu eignet ein Kind grundsätzlich von Anfang an an das eigene Bett zu gewöhnen, als auch dafür ein Kind, das es gewöhnt ist, auf dem Arm einzuschlafen davon zu entwöhnen. Die meisten Kinder schlafen in den ersten Monaten in der Regel an der Brust oder Flasche ein (so lange die Milch fließt, ist jemand da und so lange ist das Kind in Sicherheit). Es gibt einen Punkt, an dem die Kinder einschlafen, selbst wenn das Gefühl der Sicherheit nicht mehr 100%ig vorhanden ist - einfach weil der Einschlafprozess schon zu weit fortgeschritten ist. Diesen "Point of no return" gilt es zu finden - er liegt etwa 5 bis 10 Sekunden vor dem tatsächlich Einschlafen. Da es schwierig ist, 10 Sekunden vor dem (endgültigen) Einschlafen zu wissen, dass in 10 Sekunden das (endgültige) Einschlafen erfolgt, muss man sich durch probieren dem Punkt nähern. Das Szenario spielt sich wie folgt ab:

Das Baby wird bettfertig gemacht und beginnt an der Brust/der Flasch zu trinken und schlummert dabei ein. Wenn man das Gefühl hat, dass es kurz vor dem Einschlafen ist, löst man es sanft von der Nahrungsquelle ab. Üblicherweise wacht das Kind auf, ist sofort hellwach und wird weinen, weil es übermüdet ist. Es sollte sofort wieder der Ursprungszustand hergestellt werden - Flasche oder Brust werden wieder angeboten. In der Regel setzt das Kind dann schnell beruhigt den Einschlafvorgang wieder fort. Kurz bevor es einschläft, wird wieder die die Flasche/Brust entzogen - das Kind wacht wieder auf und protestiert. Der Vorgang wird so oft wiederholt, bis das Kind zu müde ist, zu protestierten und gänzlich OHNE Brust oder Flasche einschläft. Wichtig dabei ist, dass die letzten 10 Sekunden in den Schlaf wirklich ohne Hilfe geschafft werden. So wird das Baby sanft daran gewöhnt, ohne Hilfe einzuschlafen. Alternativ kann man auch mal die "nervige Brustwarze" probieren - dabei wird die Brust/Flasche beim Einschlafen immer wieder hin- und herbewegt - viele Kinder nervt das so, dass sie sich dann kurz vor dem Einschlafen von alleine lösen.

Je nachdem, ob das Kind beim Einschlaftrinken im Arm gehalten wurde oder schon allein im Bett lag, kann es erforderlich sein, mit der selben Methode das Einschlafen ohne den elterlichen Arm zu "lernen". Dazu legt man das Baby im letzten wachen Moment vor dem Einschlafen sanft ab. Bei Protest wird es sofort wieder aufgenommen. Im besten Falle ist jeder Protest kürzer als der vorherige und das Kind schläft irgendwann tatsächlich ohne Unterstützung ein. Diese Methode verbessert im Übrigen auch die Fähigkeit, allein in die nächste Schlafphase zu finden und verringert damit häufig die nächtliche Aufwachfrequenz. Wenn das Kind auf die Methode anspricht, wird es innerhalb weniger Abende "erlernt" haben, dass auch das Einschlafen ohne Unterstützung möglich und sicher ist.

Man muss allerdings auch ganz deutlich sagen: Ob das so funktioniert ist in nicht unerheblichem Maße kind- und altersabhängig. Es gibt Kinder, die mit 4 Wochen allein durch die Methode einschlafen, andere schaffen das erst mit 6 oder 12 Monaten. In jedem Falle ist sie (falls es nicht gleich klappt auch immer mal wieder) einen Versuch wert! Die meisten Kinder schlafen irgendwann innerhalb des ersten Lebensjahres zumindest ohne "unterstützenden Maßnahmen" wie im Arm wiegen oder saugen ein - die meisten benötigen jedoch darüber hinaus die Anwesenheit von ihren Bezugspersonen.

In einem anderen Artikel unseres Blogs erfährst Du, wie man Kleinkinder beim alleine einschlafen unterstützen kann. Bestimmt auch interessant: Unsere Podcastfolge über Probleme beim Ein- und Durchschlafen.

© Danielle