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Trotzphase - Umgang mit Wutanfällen in der Autonomiephase

Hilfe, mein Kind trotzt - wie lernt es mit seiner Wut umzugehen?


Wütendes KleinkindIch weiß noch, dass der erste Wutanfall einer meiner Töchter mich unvorbereitet traf wie ein Schlag aus dem Nichts. Mein Kind war 14 Monate alt, wir hatten im Bio-Laden gerade eingekauft und sie gebärdete "Keks!". Ich gab ihr einen Keks und .... "WUUUUÄÄÄÄÄÄÄHHHHHHHH!!!!!!!". Wie vom Donner gerührt stand ich da und guckte ungläubig auf mein bis dato liebes Kleinkind. Wie jetzt, "Wuäh?" Ich habe dir doch deinen erbetenen "Keks" gegeben? Aber nein, das Kind schrie und stampfte und wurde immer wütender, weil ich nur Bahnhof verstand. Nach langem mühevollen Ausprobieren mehrerer Optionen, bei dem ich im Übrigen tierisch ins Schwitzen und ziemlich in Panik geriet, wurde klar: Das Kind will keinen Keks, das Kind will die gerade eingekaufte Banane! Sie konnte aber Banane noch nicht gebärden. Ach herrjemine, dachte ich, das kann ja lustig werden mit der Trotzphase in den nächsten Monaten! 

Entwicklungsmodell der Stressregulation 


Wenn Kinder größer werden und feststellen, dass ihre Wünsche und Vorlieben nicht immer mit denen ihrer Mitmenschen übereinstimmen und es deshalb vorkommt, dass sie nicht erfüllt werden, werden sie unvermeidlich mit den Gefühlen Wut, Trauer, Enttäuschung und Angst konfrontiert - sie kommen in Trotzphase. Es ist wichtig, dass sie lernen, diese Gefühle zu regulieren und zu tolerieren und den dabei entstehenden Stress auszuhalten. Einen Grundstock an Fähigkeiten bringen sie bereits aus dem Mutterleib mit, der Rest ist angenommenes Verhalten und wird maßgeblich durch die Hilfe der Eltern (oder anderer feinfühlig reagierender Personen) erlernt.

Das nun folgende Entwicklungsmodell von Band, Weisz und Koop beschreibt diesen Lernprozess wie folgt (vgl. Band, Weisz, 1988; Koop, 1989):
0 - 3 Monate: Kinder drehen sich von unangenehmen Reizen weg und lutschen am Daumen, um sich selbst zu beruhigen, wenn sie in Stress geraten. Das schaffen sie aber nur bei leicht unangenehmen Reizen, zu starker Stress kann noch nicht selbst reguliert werden. Das bedeutet, Eltern müssen zunächst ihre Kinder unbedingt durch Körperkontakt, möglichst sogar Hautkontakt, fremdregulieren.

3 - 9 Monate
: Nun sind unsere Kinder bereits in der Lage, sich an etwas zu erinnern, das sie in der Vergangenheit beruhigt hat. Sie werden leiser und entspannen sich, bevor der antizipierte Reiz ausgeführt wird, da sie das Ergebnis gedanklich bereits vorweg nehmen können. Wenn unsere Töchter sehr, sehr hungrig waren und weinten, hörten sie zum Beispiel sofort auf, sobald ich mich mit ihnen und dem Stillkissen in unseren Stillstuhl setzte. Ich hatte noch nicht einmal meine Brust freigelegt - sie wussten trotzdem schon,
dass sie nun gleich stillen durften. Andere Mütter beobachten, dass das Kind zu weinen aufhört und lächelt, sobald sie mit dem Pucksack vor ihm auftauchen. Auch in diesem Alter gilt: Die Kinder sind noch sehr leicht überfordert von Stressoren und benötigen weiterhin stark die Unterstützung der Eltern, um sich zu regulieren, auch hier ist Fremdregulation noch die Haupttechnik.

1 - 4 Jahre:
Dies ist der intensivste und wichtigste Abschnitt des Erlernens von Stressbewältigung (Coping). "Primäres Coping" setzt voraus, dass eine Situation bewusst als stressauslösend erkannt wird und beinhaltet eine Abfolge von Handlungen, die auf die Veränderung der äußeren Situation gerichtet sind. Wenn wir zum Beispiel Besuch bekommen - ein Vorkommnis, das eine unserer Töchter unter starken Stress setzt - geht ebendiese Tochter gezielt in ein anderes Zimmer, um dort eine Spieltätigkeit aufzunehmen, bei der andere nicht mitmachen können. Schafft sie es nicht, an der fremden Person vorbeizukommen, wirft sie sich schnellstmöglich in unsere Arme, dreht dem Besucher bewusst den Rücken zu und erstarrt solange in dieser Position, bis dieser wieder geht. In diesem Entwicklungsalter nutzen Kinder gern sogenannte Übergangsobjekte wie Kuscheltiere oder Kuscheldecken, um Stress abzubauen. Leider haben unsere Töchter nie wirklich ihre Liebe zu einem Kuschelobkjekt entdeckt, so dass ihnen diese Stressabbau-Strategie nicht zur Verfügung steht. Zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr haben Wutanfälle ihren Höhepunkt. Sie sind ein Ausdruck primären Copings und ein Versuch, die stressauslösende Situation durch Schreien zu verhindern. Viele Eltern lassen ihre Kinder in diesen Situationen allein wüten, weil sie meinen, dass die Kinder damit selbst fertig werden müssen bzw. können. Das ist jedoch nicht der Fall. Gerade in diesem Alter ist eine feinfühlige Unterstützung bei Wut und Stress, d.h. eine Fremdregulation durch die Eltern, noch sehr wichtig!

4 - 7 Jahre:
In diesem Alter entwickelt sich das sekundäre Coping. Sie bezeichnet die Änderung der inneren Situation, d. h. die Fähigkeit, sich an bestehende äußere Umstände anzupassen. Das primäre Coping bleibt allerdings noch einige Zeit die bevorzugte Strategie. Nur in Situationen, in denen Kinder das Gefühl haben, wenig Kontrolle über die Umstände zu haben, wird das sekundäre Coping eingesetzt, z. B. wenn sie eine Spritze bekommen oder sich an Gepflogenheiten und Regeln im Kindergarten und in der Schule anpassen müssen. Es ist dann so, dass sie z. B. im Kindergarten gut "funktionieren" und dort ohne Murren ihre Sachen selbst anziehen, jegliches Essen probieren und ohne Probleme beim Mittagschlaf einschlafen - also Dinge, die sie bei ihren Eltern zuhause nicht so ohne Weiteres tun. Wenn sie dann abgeholt werden, fallen sie manchmal in den Armen der Eltern in sich zusammen und bewältigen den Stress der stundenlangen Anpassung durch ...na? Genau, einen Wutanfall. Das ist gut und richtig so, unsere Kinder sollten darin von ihren Eltern unterstützt werden. Der bewusste Umgang mit Ärger und Wut stellt eine sekundäre Coping-Strategie dar. Es wird davon ausgegangen, dass unsere Kinder diese erst im Grundschulalter wirklich beherrschen.


8 - 12 Jahre: Mehr und mehr greifen die Kinder nun auf sekundäres Coping zurück, mit 12 Jahren wird es zur Hauptstrategie. Beim Umgang mit Ärger und Wut dient das laute Denken und das Selbstgespräch der Verhaltenssteuerung. (vgl. Band, Weisz, 1988; Koop, 1989).

Neuronale Grundlagen: Wütende Kleinkinder verstehen 


Nach Dr. Harvey Karp, Autor des Buches Das glücklichste Kleinkind der Welt, dominiert im Gehirn eines Kleinkindes - anders als bei Erwachsenen oder älteren Kindern - die rechte Gehirnhälfte. Diese ist besonders "gut" darin, kreativ und gefühlvoll zu sein, sie lässt das Kind intuitiv und spontan entscheiden, hilft ihm dabei, Gesichter zu erkennen und ist ein Experte für die Entschlüsselung von Bildersprache/Gebärden.
 
Der linken Gehirnhälfte werden Funktionen wie logisches Denken, Sprache und analytisches Denken zugeschrieben, d. h. sie hilft unseren Kindern, beim Sprechen das richtige Wort auszuwählen, sich beim Gummibärchen-Aufteilen für den größeren Anteil zu entscheiden und den Schlüpfer vor der Hose anzuziehen und nicht anders herum. Im Gegensatz zur strukturierten linken Hälfte, ist laut Karp die rechte Seite leicht ablenkbar, impulsiv und emotional - und unsere Kinder somit auch (vgl. Karp, 2010: 30). Tritt nun noch ein Stresserlebnis während der Autonomiephase ein, z. B. wenn ein Erwachsener etwas verbietet, wird die vernünftige, geduldige linke Gehirnhälfte unserer Kinder sogar komplett ausgeschaltet und die rechte Seite trifft alle Entscheidungen und duldet keinen Widerspruch. Das Kind wütet. Es wirft sich auf den Boden, schreit, tritt, spuckt, haut und ist ganz allgemein gesagt völlig außer sich. Wer da mit Worten das Kind erreichen möchte, hat schlechte Karten - die linke Gehirnhälfte ist gerade im Urlaub. Das Kind hört eigentlich nur "Blablablabla, Paul, blablablabla." Kein Wunder, dass unsere üblichen Beruhigungsversuche so destaströs fehlschlagen - sie verstehen uns einfach nicht! Sie können uns nicht verstehen. 

Fremdregulation: Wütende Kleinkinder beruhigen 


Nun ist also die linke Gehirnhälfte so gut wie ausgeschaltet und die rechte Gehirnhälfte wütet und wütet und wütet und die Eltern stehen verloren und unschlüssig vor dem Kind und wissen nicht weiter. Ansprache funktioniert nicht. Anfassen macht alles noch schlimmer. Uns gehen die Optionen aus. Kind allein wüten lassen und abwarten, bis es vorbei ist? Klar, kann man machen, das dauert aber für alle Beteiligten gefühlt ewig und hinterlässt eine völlig verausgabte Familie. Der Vater ist fertig, weil er es nicht ertragen kann, dass es dem Kind so schlecht geht, die Mutter ist erledigt, weil das Geschrei in ihr negative Gefühle ihrer eigenen Kindheit getriggert hat, das Kind ist durchgeschwitzt und emotional am Ende, weil es gerade von den heftigsten Gefühlen aller Zeiten geschüttelt wurde. Das kann doch nicht die Lösung sein? Hier kommt die wirklich spektakuläre Fähigkeit der rechten Gehirnhälfte ins Spiel, die uns in solchen Wutmomenten im wahrsten Sinne des Wortes viel Leid erspart: sie kann nach Karp nonverbale Kommunikation ganz wunderbar entschlüsseln. Mimik, Gestik, Tonfall, all das kommt im Gehirn auch während eines Wutanfalls an! Heureka! (vgl. Karp, 2010: 31).

Wenn man also mithilfe von Stimme und Körpersprache das aufgebrachte Kleinkind anspricht und seine Gefühle widerspiegelt, kann man ihm helfen, sich schnell zu beruhigen (vgl. ebd., 2010: 32). Das klingt jetzt erst mal seltsam, klappt aber wirklich ganz hervorragend bei allen trotzigen Kindern, bei denen ich es bisher ausprobiert habe. Ich muss sagen, je jünger man damit beginnt (ab 12 Monate), desto einfacher wird es natürlich in der Hochzeit der Autonomiephase. Aber auch, wenn das Kind jetzt schon 2 oder 3 Jahre alt ist, kann man noch damit beginnen. Dann werden die Erfolge erst mal nicht so schnell eintreten, aber sie werden kommen. 

1. Schritt: Respektvoll Kontakt aufnehmen 


Der Schlüssel zur Kommunikation mit aufgebrachten Kleinkindern ist nach Dr. Karp die respektvolle Kontaktaufnahme. Er nennt das die "Fast-Food-Regel" (vgl. ebd., 2010: 69). Es ist klar, dass dabei der Aufgebrachtere zuerst spricht - im Falle unserer Kinder hört sich das dann etwa so an: "WWWUUUÄÄÄÄHHH!!!! NEIN! NEIN! AAAARRRGGGGGHH. GGGGRRRAAAHHHH. WWWUUUÄÄÄÄHH!"

Der andere hört zu und wiederholt zunächst, was der Aufgeregte sagt. Dabei ist weniger wichtig, was man sagt, sondern wie man es sagt (man muss ja damit die rechte, nicht die linke Gehirnhälfte ansprechen). Die Mutter spiegelt also mit etwas aufgeregter Stimme und empathischer Mimik und Gestik: "Du bist wütend! Wütend! Du sagst: "Nein! Nein! Nein!" Der wirklich alles entscheidende Punkt dabei ist, den richtigen emotionalen Ton zu treffen. Man darf die kindliche Emotion in Stimme und Körpersprache nicht zu stark wiederspiegeln oder gar lächerlich überziehen - dann fühlt es sich unverstanden und nicht ernst genommen. Man darf aber auch nicht angenervt oder nur halbherzig spiegeln so nach dem Motto "Jaaaa, schon klar, du bist wütend, hab ich verstanden...". Sagen wir, das Kind brüllt mit 100%er Stärke "Wuäh! Nein!", dann sollten die Eltern ungefähr mit 30%-50% spiegeln "Du bist wütend! So wütend! Du sagst Nein!" und - ganz wichtig - die Gefühle des Kindes eben auch durch Mimik und Gestik und kindlich aufgeregter Stimmlage wiedergeben (vgl. ebd., 2010: 70ff). 

Cover Buch Gewaltfreie KommunikationDas, was ich an dieser "Fastfood-Regel" so angenehm finde ist, dass ich meinem Kind nicht nur mit Liebe, sondern vor allem mit Respekt begegne. Ich respektiere seine Gefühle, denn sie haben immer einen für das Kind guten Grund und ich zeige meinem Kind durch das Spiegeln, dass ich verstanden habe, wie es sich fühlt und das es okay ist, sich so zu fühlen. Das bedeutet nicht, dass ich ihm keine Grenzen setze. Es bedeutet nur, dass ich ihm sage, dass alle Gefühle richtig und wichtig sind und dass ich ein offenes Ohr für seine Emotionen habe (vgl. ebd., 2010: 88f). Im Übrigens ist das keine radikal neue Idee, sondern einfach eine Abwandlung von aktivem Zuhören und gewaltfeier Kommunikation auf dem Niveau von Kleinkindern.

Es ist gar nicht so schwer, respektvoll Kontakt aufzunehmen, wenn man im Hinterkopf behält, dass die linke Gehirnhälfte während eines Trotzanfalls momentan außer Betrieb ist. Drei Punkte sollten wir dabei beachten:
  1. Gefühle wiederspiegeln: Wir sollten leiser als das Kind sprechen, aber mit der Stimme ungefähr den selben emotionalen Level der Aufgebrachtheit anstreben. Das Kind ist wütend, also sollten wir etwas von der Frustration, der Wut und Angst in unsere Stimme, unserem Gesicht und der Körpersprache übernehmen (daher der Begriff "Spiegeln"). Es ist wichtig, dabei wirklich ausdrucksstark zu sein, damit unsere Botschaft ankommt. Die Augenbrauen heben, die Augen aufreißen, die Stirn runzeln, den Kopf schütteln, mit den Achseln zucken, mit den Füßen aufstampfen, mit den Armen fuchteln - all das ist wichtig (vgl. ebd, 2010: 108f)! Auf keinen Fall jedoch sollte sich so über das Kind lustig gemacht werden, es also nachgeäfft werden. Das Spiegeln ist eine aufrichtige, liebevolle Methode und dient nicht dazu, den Wutanfall ins Lächerliche zu ziehen. Und nochmal: unsere Spiegelung ist in ihrer Intensität geringer, als die Emotion des Kindes
  2. Kurze Sätze: Statt "Ja, Paul, ich weiß, dass du vor dem Hund Angst hattest, aber er ist ja nun weg." sollten wir versuchen, mit prägnanten Schlagworten vorzudringen: "Angst! Angst! Großer Hund! Weg, sagst du, weg! Weg!"
  3. Wiederholungen: Damit die Worte im wütenden Gehirn überhaupt ankommen, müssen sie oft wiederholt werden. Bei leichten oder anfänglichen Trotzreaktionen genügen 1 - 2 mal. Hat sich das Kind bereits so richtig in Rage geschrien, kann es sein, dass man die Gefühle 6 - 8 Mal spiegeln muss, bevor das Kind sich einem zuwendet und fragend guckt: "Moment mal, redest du mit mir?" (vgl. ebd., 2010: 107).
Es ist kaum zu glauben, aber schon nach dieser einfachen Maßnahme des respektvollen Kontakaufnehmens durch Spiegeln der Gefühle beruhigen sich die meisten Kinder soweit, dass man sie wieder normal ansprechen kann. Das heißt zwar nicht, dass der Wutanfall schon ausgestanden ist, aber immerhin hat man jetzt eine Basis auf der man mit dem Kind normal verbal in Kontakt treten kann. Das Kind liegt nicht mehr schreiend und strampelnd auf dem Boden, sondern guckt die Eltern erwartungsvoll an, als wolle es sagen: "Okay, ihr habt mein Problem erkannt. Was machen wir nun?" 

2. Schritt: Elterliche Botschaft "....., aber...." 


Nun da unsere Kleinkinder ihr Problem ausgedrückt und sich durch das Verstanden fühlen halbwegs beruhigt haben, sind wir mit unserer Botschaft an der Reihe. Der Sturm der Gefühle hat sich ein wenig gelegt, die linke Gehirnhälfte nimmt ihre Arbeit wieder auf und wir können anfangen, in normaler Sprache zu erklären, warum jetzt gerade nicht geht, was das Kind gerne möchte. "Du möchtest so gerne noch weiterspielen, aber wir müssen nun los zum Kindergarten. Ich komme sonst zu spät zur Arbeit".
Natürlich wird das "berühmte elterliche "Aber" (Karp, 2010: 86) von unseren Kindern nicht mit Freude aufgenommen. Das seelische Gleichgewicht ist immer noch fragil, es kann sein, dass der Wutanfall in diesem Augenblick nochmal aufflammt. Er ist aber in der Regel schwächer. Wir sollten ihm noch einmal mit dem respektvollen Spiegeln der Emotionen ("Fast-Food-Regel") begegnen, so, wie wir es gerade schon gemacht haben. Wenn das Kind dann wieder ruhiger wird, bieten wir ihm einen Kompromiss an. 

3. Schritt: Lösung des Problems anbieten 


Ich persönlich finde diesen Punkt den schwierigsten, denn nicht immer fällt mir so auf die Schnelle ein, wie mein Kind und ich beide als Gewinner aus dem Konflikt herausgehen können. Ich suche einen win-win Kompromiss oder biete Wahlmöglichkeiten an. "Du möchtest so gern noch weiterspielen, aber wir müssen los. Du kannst deine Puppe im Rucksack mitnehmen und sie wartet dann in der Kindergarten-Garderobe auf dich". "Du möchtest so gerne noch weiterrutschen, aber der Papa wartet mit dem Abendbrot auf uns. Möchtest du noch einmal oder zweimal rutschen, bevor wir gehen?" "Du willst so gern die Gummistiefel anziehen, aber draußen ist es soooo heiß. Pass auf, du kannst die Gummistiefel anziehen und wir nehmen deine Sandalen mit und tauschen sie später".

Manchmal, wenn etwas wirklich überhaupt nicht geht, erfülle ich den Wunsch in der Fantasie (vgl. Karp, 2010: 85): "Du möchtest sooo gern jetzt ein Kugeleis essen, aber es ist Winter draußen und der Laden hat zu. Ich wünschte, ich könnte all den Schnee wegpusten. Das wäre schön! Ich würde die Sonne hinter den Wolken hervorholen und es warm werden lassen. Dann könnten wir ein Eis essen. Ich freue mich schon wirklich auf den Sommer, wenn der Laden wieder offen ist. Wollen wir dann ein Schoko- oder ein Erdbeereis essen?" Erstaunlicherweise klappt das sehr gut und lenkt die Aufmerksamkeit meiner Töchter auch in heiklen Situationen (Quengelware beim Einkaufen) gut um. Die Bedürfnisbefriedigung in der Fantasie hat auch den Vorteil, dass sie Geduld und eine aufgeschobene Bedürfnisbefriedigung lehrt. 

Wenn das Beruhigen nicht funktioniert 


Die Methode ist natürlich nicht unfehlbar. Nicht immer zu jeder Zeit und bei jedem Kind kann man sie anwenden. Sie hilft nicht in allen Situationen gleich gut und manchmal hilft sie gar nicht. Aber - es schadet auch nicht, sie während eines Wutanfalls auszuprobieren. Man hat eigentlich nichts zu verlieren. Entweder es klappt und das Kind beruhigt sich oder es klappt nicht und man ist in der gleichen Situation wie vorher. Natürlich ist es, nun ja, sagen wir, gewöhnungsbedürftig, als Erwachsener im Einkaufszentrum in Kleinkindsprache mit einem sich wütend auf dem Boden wälzenden Kind zu reden. Ist mir das unangenehm? Klar. Mir ist aber auch unangenehm, wenn mein lautes Kind so viel Aufmerksamkeit in dem Laden auf sich zieht. Die Blicke der anderen, das Kopfschütteln, das gemurmelte "Früher hätte es das nicht gegeben..."- ist mir furchtbar unangenehm. Wenn ich das Szenario also abkürzen kann, ohne das wild um sich schlagende Kind unter dem Arm geklemmt aus dem Laden tragen zu müssen, dann mache ich das! 

Manchmal klappt es aber einfach nicht. Woran kann das liegen? 


Zu viel oder zu wenig gespiegelt 


Es kommt beim Spiegeln wirklich vornehmlich darauf an, den richtigen Ton zu finden, also die richtige Intensität der Wut auszudrücken. Lebhafte Kinder sind gefühlsbetonter, deshalb brauchen sie vielleicht 50% Spiegelung. Schüchterne Kinder wiederum könnten sich durch eine solch intensive Spiegelung unwohl fühlen, bei ihnen muss man als Elternteil viel "tiefer" ansetzen, vielleicht bei 30%. Auch bei älteren Kindern sollte das Spiegeln weniger theatralisch ausfallen, damit sie nicht das Gefühl haben, wir machen uns über sie lustig (vgl. ebd., 2010, 110f). Wenn das Spiegeln also nicht klappt, sollte man als Eltern zunächst versuchen, die Intensität zu variieren - vielleicht klappt es dann. 

In die falsche Richtung gespiegelt 


Wenn man als Elternteil spiegelt: "Du bist wütend! Wütend! Du sagst: Keks, Mama, Keks! Keks!" und das Kind beruhigt sich nicht, sondern heult eher noch stärker auf und wütet mehr, hat man vermutlich den Grund für die Wut des Kindes nicht richtig verstanden und das Kind versucht einem das durch noch stärkeres Weinen mitzuteilen. Dann muss man schnell umdenken und überlegen, was es stattdessen sein könnte. Dieser Punkt ist, finde ich, nicht immer leicht zu erreichen, denn manchmal ist es für einen Erwachsenen einfach nicht nachvollziehbar, warum ein Kind nun weint. Es scheint, es wütet ohne Grund. Ich habe aber festgestellt, dass man "Ohne-Grund-Wüten" sehr wohl entschlüsseln kann, allerdings muss man sein Kind gut kennen. Gründe könnten sein:

  • Kind will etwas alleine machen und ist wütend darüber, dass Mama oder Papa es ihm abnehmen wollen
  • Kind will etwas Bestimmtes haben und Mama versteht nicht, was genau, weil das Kind sich noch nicht gut genug ausdrücken kann
  • Kind will etwas Bestimmtes nicht tun, aber die Eltern sagen, es soll das tun
  • Kind will etwas selber machen, aber es klappt nicht so, wie es möchte
  • Kind hat etwas in der Hand und es geht aus Versehen kaputt
  • Kind denkt, die Mutter will ihm etwas Bestimmtes nicht geben und weint schon los, bevor sie überhaupt darüber geredet haben (das sind die besonders kniffligen Fälle)
  • Kind denkt, die Eltern machen mit Absicht etwas falsch/anders, als es das möchte

Ich denke, jede Mutter kennt solche Situationen, aber ich möchte trotzdem noch zwei Beispiele geben. Das erste Beispiel bezieht sich auf den letzten Punkt: Das Kind denkt, die Eltern machen mit Absicht etwas falsch. Als meine Töchter ca. 16 Monate alt waren, lag viel Schnee und wir fuhren mit dem Schlitten aus. Eine Tochter wollte irgendwie auf spezielle Art auf dem Schlitten sitzen, ich konnte aber nicht herausfinden, wie genau. Ich probierte alle möglichen Positionen, aber sie wurde immer noch wütender mit mir. Das Problem: Da sie selbst noch keinen
Perspektivenwechsel einnehmen konnte, kam ihr nicht in den Sinn, dass ich nicht wissen könnte, was genau sie meint. In ihrem Kopf war ja die Sitzposition ganz klar aufgezeigt! Dass ich nicht in ihren Kopf reingucken konnte, bzw. wir nicht die exakt selben Gedanken haben, konnte sie in ihrem Alter natürlich nicht nachvollziehen. Natürlich wurde sie deshalb sauer mit mir - in ihren Augen benahm ich mich absichtlich unkooperativ, ich enthielt ihr in ihren Augen die richtige Sitzhaltung vor.

Das zweite Beispiel bezieht sich auf den zweiten und den vorletzten Punkt: Das Kind kann sich nicht gut genug ausdrücken und das Kind denkt, die Mutter will ihr etwas Bestimmtes nicht geben und weint schon los, bevor es das Bedürfnis nach diesem Gegenstand überhaupt geäußert hat. Meine Töchter haben spezielle kleine Glasbecher zum Safttrinken. Einer Tochter war dieser Glasbecher am Vortag heruntergefallen, deshalb hatte ich, um gerecht zu sein, zum Abendbrot zwei andere identische Gläser herausgesucht, die jedoch ein bisschen kleiner waren. Als ich nun mit den Gläsern zum Tisch kam, fing die Tochter, deren Originalglas eigentlich noch ganz war, wütend an zu rufen: "Mehr, mehr!" Ich sagte: "Puppe, das Glas ist doch randvoll? Ich kann da gar nichts mehr eingießen." Sie wurde immer aufgeregter, zappelte herum und rief weiterhin: "Nein, nein, mehr!" (Man beachte hier: Sie war 24 Monate alt und konnte eigentlich schon in ganzen Sätzen sprechen. Durch ihre innerliche Aufgewühltheit kamen aber nur noch Wortbrocken raus und sie konnte ihr "mehr" auch nicht durch ein anderes Wort, das vielleicht besser erklärt hätte, ersetzen. Ihre linke Gehirnhälfte war schon blockiert.) Ich antwortete: "Du kannst mehr Saft haben, aber trink doch erst mal diesen hier aus!" In diesem Moment fing sie fürchterlich an zu weinen und ich konnte absehen, dass das in einem Wutanfall enden würde. Also fing ich an zu spiegeln, erst mal ins Blaue hinein, denn ich wusste wirklich nicht, was sie von mir will: "Du willst mehr! Mehr! Du sagst.... (an dieser Stelle hatte ich einen Geistesblitz) ....anderes Glas! Größeres Glas! Du willst dein anderes Glas haben!" Sofort zeigte sich Erleichterung, verstanden zu werden, auf dem Gesicht meiner Tochter und sie antwortete: "Ja, anneres Glas." Sie wollte ihr Originalglas haben - verständlich, oder? Nur weil ich es fair finde, dass beide Kinder die gleichen Gläser haben, ist das in den Augen meiner Töchter nicht ebenso. 

Kind ist zu müde 


Eigentlich der Klassiker: wenn ein Kind zu müde ist, ist es nichts und niemandem mehr zugänglich. Dann kann man verstehen wollen, wie man will und spiegeln, bis einem die Zunge abfällt, das Kind wird trotzdem weiterwüten. Hier gibts nur eine Lösung: Ab ins Bettchen und mit Mama oder Papa einschlafkuscheln. 

Einer dieser Tage 


Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Kinder weiterhin Entwicklungssprünge haben, auch, wenn sie aus den Schüben, die in Oje ich wachse aufgelistet werden, herausgewachsen sind. Man kann im Alltag gut erkennen, dass Kinder eine schwierige Phase um den 2. und 3. und 4. Geburtstag herum haben, ebenso mit 2,5, 3,5 und 4,5. Leider hat sich noch kein Wissenschaftler die Mühe gemacht, darüber ein Buch zu schreiben.

Mir ist bei meinen Töchtern außerdem aufgefallen, dass es immer mal einen Tag gibt, an dem sie von morgens bis abends in sogenannten Wut-Ketten gefangen sind. Solche Tage erkennt man gut daran, dass das Kind nicht wie gewöhnt glücklich plappernd aufwacht, sondern schon auf das Wecken mit Jammern und Maulen reagiert. Dann gibt es beim Zähneputzen schon den ersten Wutanfall, weil die Zahnpasta falsch aus der Tube gekommen ist, die Lieblingsstrumpfhose ist heute ganz schrecklich und möchte auf gar keinen Fall angezogen werden, beim Frühstück gibt es einen Nervenzusammenbruch, weil die Milch weiß ist und das geht immer so weiter. Hat man das Kind aus einer Krise erfolgreich herausgebracht und es scheint halbwegs stabil, kündigt sich schon der nächste Wutanfall wegen einer Nichtigkeit an. Solche Tage sind ganz, ganz schwer auszuhalten für die Eltern - sicher fühlen sich auch die Kinder darin nicht besonders wohl. Ich habe das letzte halbe Jahr mal mitgeschrieben, wann "diese Tage" bei meinen Töchtern auftreten und überraschenderweise ist das relativ gut vorhersehbar einmal alle vier Wochen. Ich vermute, dass das Gehirn sich an solchen Tagen irgendwie neu vernetzt oder, wie bei einem Computer, eine Säuberung der Festplatte vonstatten geht und sich unsere Kinder daher an diesem Tag so fühlen, wie unsere Babys in den Sprungzeiten: seltsam. An "einem dieser Tage" kann man eigentlich nichts weiter tun, als das Kind liebevoll begleiten, auch, wenn es schwer fällt. Das Gute daran: morgen ist es vorbei. 

Selbstregulation: Kindern Stressregulations-Techniken beibringen 


Wie ich am Beginn meiner Ausführungen bereits erwähnte, werden Kinder immer wieder mit Stresssituationen konfrontiert werden. Es ist daher unabdingbar, dass sie Techniken lernen, um ihre Gefühle in unangenehmen Situationen zu regulieren, denn in Kindergarten, Schule oder im Arbeitsalltag ist es wenig förderlich, bei Kleinigkeiten förmlich zu explodieren. Solche Techniken zu erlernen bedeutet jedoch nicht, diese Gefühle zu unterdrücken!
Das Gefühl der Wut hat nach Cierpka durchaus konstruktive Seiten. Es ist ein wichtiges Signal an andere, dass man sich gerade gedemütigt, gekränkt oder unangemessen von anderen "beherrscht" fühlt. Ganz automatisch hält man den Gegenüber durch einen Wutausbruch auf Abstand - man strahlt Gefahr aus (vgl. Cierpka, 2005: 88f). Daher ist gerade in der Ablösungsphase (veraltet auch "Trotzphase" genannt) wichtig, dass unsere Kinder ihre Wut über unsere Regeln und Grenzen ausdrücken dürfen. Sie sollen und müssen sich von uns abgrenzen und lösen, gleichzeitig aber auch lernen, dass unterschiedliche Bedürfnisse in einem Konflikt von allen beteiligten Personen besprochen werden sollten, um eine für alle annehmbare Lösung zu finden. Sie müssen auch lernen, dass es manchmal eben nicht anders geht, als sich der Situation und dem "Nein" zu fügen. Dass das ein schwieriger Balanceakt ist, brauche ich sicher nicht erwähnen.
1 - 2 Jahre: Das Kind kann lernen, bei Wut mit dem Fuß aufzustampfen, den Kopf zu schütteln und laut "Nein!" zu sagen. Auch wenn das anstrengend für uns Eltern ist - das alles sind Entspannungstechniken bei Wut, die dem Kind dabei helfen, sich selbst zu beruhigen. Auch lautes Schreien gehört dazu. Da ich es selbst sehr unangenehm finde, wenn meine Töchter laut schreien, habe ich ihnen beigebracht, dies in ihre Armbeuge oder in ein Wutkissen zu tun. Der Stoff des Pullovers oder des Kissens dämpft die Lautstärke zuverlässig. Das Buch "Wenn kleine Tiere wütend sind" war übrigens sehr hilfreich in diesem Alter - es zeigt verschiedene Möglichkeiten auf, wie jemand seine Wut auf sichere Art und Weise loswerden kann.
2 - 4 Jahre: Neben den oben genannten Techniken können unsere Kinder nun lernen, Gefühle bei sich selbst und anderen zu identifizieren. Ich habe das im Artikel über Empathie schon näher erklärt. Wenn das Kind also gut gelaunt ist, kann man mit ihm Gesichtsausdrücke vor dem Spiegel üben. Wie siehst du aus, wenn du zornig bist? Zeig mir dein ängstliches Gesicht! Siehst du, wie groß deine Augen werden, wenn du dich freust?
Hat das Kind Freude daran, kann man Fotos von verschiedenen Gesichtsausdrücken machen und ein Gefühle-Buch erstellen oder ein Gefühle-Memory basteln. Wichtig ist, nach Wut-, Angst- oder anderen Gefühlsausbrüchen darüber zu reden, wie sich das Kind im Inneren angefühlt hat. Meine Töchter wippten neulich auf dem Spielplatz, als eine von beiden laut lachend rief: "Mein Bauch tut so weh!" Ich war etwas irritiert, weil sie nicht so aussah, als hätte sie Schmerzen, sie war sichtlich vergnügt auf der Wippe. Also fragte ich nach: "Kribbelt es in deinem Bauch?" - "Ja!" - "Ja, das ist ein schönes Gefühl, oder? Dieses Kribbeln entsteht beim Wippen und fühlt sich gut an". "Ja, es kribbelt schön!" Meine Tochter hatte einfach noch nicht gewusst, wie sie dieses schöne Gefühl im Bauch in Worte fassen sollte. Doch je mehr Wortschatz wir unseren Kindern zur Verfügung stellen, desto besser lassen sich Gefühle einordnen und - ja - beherrschen.
Laut Karp kann man bereits ab 2 Jahren mit Atemübungen zur Selbstberuhigung beginnen, er nennt diese "Zauberatem" (vgl. Karp, 2010: 172 ff). Ich habe es versucht, muss aber sagen, dass ich bisher grandios gescheitert bin. Das kann aber daran liegen, dass ich selbst kein gutes Vorbild bin. Ich denke, dass Mütter, die selbst Yoga oder Pilates machen, hier viel mehr Erfolg haben werden, als ich. Dennoch gebe ich nicht auf - ich werde jetzt, da meine Töchter fast 3 sind, wieder mit dem Zauberatem beginnen. 
Man setzt sich dabei als Mama bequem auf den Boden oder auf einen Stuhl, Hände im Schoß, Schultern entspannt hängen lassen, gerader Rücken. Dann atmet man langsam durch die Nase ein, zählt dabei im Kopf bis fünf, und atmet mit einem zischenden Geräusch durch den Mund aus (dabei auch wieder bis fünf zählen). Beim Einatmen nimmt man die Hände aus dem Schoß und hebt sie gemächlich nach oben, beim Ausatmen lässt man sie wieder sinken. Wird das Kind neugierig und möchte mitmachen, kann man es einladen, mitzuatmen. Dabei wird die Handbewegung der Mutter wichtiger, denn gehen die Hände nach oben, atmet das Kind ein (auch durch den Mund, wenn es es anders nicht schafft), sinken sie nach unten, atmet das Kind aus. Zunächst gibt man also den Atemrhythmus vor, schnell lernt das Kind aber, diese Technik selbst einzusetzen (vgl. ebd., 2010: 173f).

Ich persönlich bin ganz begeistert von einer Wut-Technik namens "Schieben", das ich in dem Buch Interaktionsspiele für Kinder Teil 2 (siehe Bild) entdeckt habe. Eine meiner Töchter war einmal so wütend mit mir, dass sie mich hauen wollte, an meinem Pullover zerrte und versuchte, mich wegzuschubsen. Sie war ganz und gar außer sich vor Wut, sie war wütend mit mir. Ich ließ sie ein wenig wüten und mir zeigen, dass sie mit meiner Entscheidung nicht einverstanden war. Als sie anfing, mich wegzuschubsen, sagte ich freundlich: "Oh, du willst mich wohl schieben? Ja, das ist eine gute Idee! Komm, nimm meine Hände und schiebe mich weg so fest du kannst!" Sie nahm mein Angebot ein wenig verwirrt an und da sie weiterhin wütend war, schob sie mit aller Kraft. Ich kommentierte das mit: "Oh, du bist ja sehr wütend! Du schiebst wirklich doll." Sie schob eine Minute und wurde zusehends ruhiger. Nicht nur, dass ihre Kräfte nachließen, meine Worte drangen zu ihr durch, sie konnte hören, dass ich verstanden hatte, dass sie gerade sehr, sehr wütend mit mir war. Als sie mit dem Schieben aufhörte, konnte ich sie gleich in den Arm nehmen und ausgiebig bekuscheln.
Beim Schieben stehen sich die zwei Kontrahenten also gegenüber und fassen sich an den Händen an. Ein Schiedsrichter gibt normalerweise den Startschuss, beide Kinder (oder der Erwachsene und das Kind) dürfen nun so stark schieben, wie sie können. Sie sollen durch die Intensität des Schiebens ihre Wut ausdrücken. Dabei darf aber nichts anderes als geschoben werden. Kein Hauen, kein Stoßen, kein Treten. Es soll auch vermieden werden, dass einer der beiden wirklich weggeschoben wird. Das Schieben geschieht nur an einer Stelle im Raum. Schieben ist ein sicheres Spiel, und sollte wirklich nur nach den Regeln angewandt werden. Nach ein bis zwei Minuten ist Schiebestopp, nach dieser Zeit müsste die größte Wut aus dem Körper heraus sein. Dann können die beiden Streithähne miteinander sprechen. Wie habe ich mich beim Schieben gefühlt? Geht es mir jetzt besser? Fühle ich mich erleichtert? Warum war ich wütend? Was kann ich beim nächsten mal anders machen? etc. (vgl. Vopel, 2008, 53ff)

Ich werde von Müttern, denen ich das Schieben ans Herz lege, übrigens immer seltsam angeguckt: "Das ist nichts für uns..." Ich weiß, dass es sich erstmal komisch anhört. Aber ich praktiziere das Spiel nun schon seit Jahren erfolgreich an der Grundschule und es trägt wirklich immer dazu bei, dass sich die Wogen zwischen den streitenden Parteien ersteinmal soweit glätten, dass hinterher darüber geredet werden kann. Insofern: Probiert es ruhig mal aus.
Cover ANleitung zum Unglücklichseinab 5 Jahren: Wie ich oben schon ausführte, entwickelt sich ab diesem Alter die sekundäre Coping-Strategie im Umgang mit Ärger und Wut (vgl. Band & Weisz, 1988, Koop, 1989). Das nun folgende Konzept des Ärger-Managements versucht, den spiralförmigen Kreislauf von Ärgereskalation zu unterbrechen. Ärgereskalation meint hier: Wenn ein Kind eine Stresssituation erlebt und physisch erregt wird (heiß, angespannt, erhöhte Herzfrequenz) und sich innerlich immer stärker darauf konzentriert ("Das macht mich so wütend! Der ist so blöd! Dem werde ich es zeigen!") führt das zu noch stärkerer Erregung und die Wut wird größer (vgl. Novaco, 1979). Dass das nicht nur Kindern so geht, kann man übrigens prima in Paul Watzlawicks Buch "Anleitung zum Unglücklichsein" in der Geschichte mit dem Hammer nachlesen. Durch lautes Denken und positive Selbstgespräche soll dieses Erregungsmuster durchbrochen werden. Das passiert in vier Schritten:
1. Beobachte: Wie fühlt sich dein Körper an?
2. Beruhige dich selbst: Hole dreimal tief Luft./ Zähle langsam rückwärts. / Denke an etwas Schönes. / Sage: "Beruhige dich!" zu dir selbst.
3. Denke laut über die Lösung des Problems nach.
4. Denke später noch einmal darüber nach: Warum hast du dich geärgert? Was hast du dann gemacht? Was hat funktioniert? Was hat nicht funktioniert? Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?
Vor allem, wenn das Kind immer wiederkehrende Konflikte hat, bietet es sich an, diese in Rollenspielen mit ihm nachzuspielen und es durch die Fragen (Was hat funktioniert, was nicht? Was würde ich anders machen?) auf neue Verhaltensmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Können Kinder das in sicherem Rahmen üben, fällt es ihnen leichter, aus destruktiven Spiralen auszusteigen und Konflikte anders zu lösen bzw. mit stressigen Situationen anders umzugehen. Das muss natürlich immer altersadäquat geschehen (bitte das Kind nicht überfordern!)

Fazit


Der Auslöser jedes Wutanfalls - sei es der eines Kleinkindes, eines Schulkindes oder auch eines Erwachsenen - ist ein Bedürfnis, das nicht erfüllt ist. So kann Wut für uns sehr wertvoll sein, da sie uns zeigt, dass wir die Grenze unseres Gegenübers nicht wahrgenommen haben. Wir sollten uns daher (wenn wir dazu gerade in der Lage sind) bei jedem Wutanfall unserer Kinder zunächst einmal zurücknehmen und überlegen, was gerade schief läuft und ob es sich mit einfachen Mitteln beheben lässt. Das bedeutet ganz und gar nicht, unseren Kindern keine Grenzen aufzuzeigen. Es bedeutet auch nicht, in lebensgefährlichen Situationen eine Diskussion darüber anzufangen, ob das Kind jetzt selbstbestimmt auf die Straße laufen darf. Es bedeutet einfach nur, die oftmals berechtigten (wütenden) Gefühle des anderen anzuerkennen und auszuhalten und ihm dann im richtigen Augenblick eine Hand anzubieten, um aus dem Wutanfall herauszufinden. 

Unser Buch


Die Autonomiephase ist für alle Eltern eine besondere Herausforderung. Wir haben diesem Thema ein ausführliches Buch gewidmet: "Der entspannte Weg durch Trotzphasen".

© Snowqueen  

Quellen 


Band, E.B. & Weisz, J. R. (1988). "How to feel better when it feels bad: Children's persepectives on coping with everyday stress. ", Developmental Psychology, 24, S. 247 - 253

Karp, H. (2010), "Das glücklichste Kleinkind der Welt. Wie Sie Ihr Kind liebevoll durch die Trotzphase begleiten.", Goldmann Verlag, München

Koop, C. B. (1989), "Regulation of distress an negative emotions: A developmental view." Developmenteal Psychology, 25, S. 343 - 354

Novaco, R. W. (1979), "The cognitive regulation of anger and stress." In: P.C. Kendall & S. P. Hallon (Eds.), "Cognitive-behavioral interventions." Orlando: Academic Press 
Vopel. K. W. (2008), "Interaktionsspiele für Kinder Teil 2", Iskopress, Salzhausen
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Kommentare:

  1. Liebe Blogger,

    ich habe diesen Artikel geradezu verschlungen. Meine Kleine hatte vorhin einen für mich unzubändigenden Wutanfall. Wie ihr prophezeit habt, kam ich mit meinem tröstenden Gerede nicht weit. Jetzt weiß ich zumindest, wie ich nächstes Mal besser an sie ran kommen kann. Vielen Dank!

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    1. Dann drücke ich die Daumen, dass es beim nächsten Mal klappt!

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  2. Stefanie Stork22. Mai 2013 um 21:06

    Ich bin begeistert von diesem Artikel. Wirklich. Ich bin fast schon gespannt wann Noah morgen (und ich bin sicher, es wird morgen mehrmals sein :-P) seinen ersten Trotzanfall hat und ich das testen kann.

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    1. Ich danke dir für dein positives Feedback! Lass uns hören, ob es bei euch funktioniert hat, ja?

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  3. Hi, bin begeistert von deinem Blogg. Ich möchte nicht so viel Literatur verschlingen, aber manchmal reicht die Intuition nicht aus und man sucht Sicherheit in solchen lebhaften Berichten.

    Nach einem anstrengenden Vormittag warte ich jetzt auf den nächsten Wutanfall, damit ich testen kann, ob es wirklich geht..

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  4. Vielen Dank für diesen Artikel. Spiegeln habe ich mittlerweile aufgegeben, werde es aber nochmal versuchen. Ich befürchte, ich habe einfach den wirklichen Grund der Wut nicht getroffen.
    Ebenso werde ich verstärker auf "Welches Gesicht machst Du?" gehen und Schieben probieren. (Sofern das Würen zu Hause geschieht. Unterwegs finde ich es doch etwas schwierig...)
    Lieben Dank und liebe Grüße, Mama-notes (die seit Tagen an einem Artikel über die Trotzphase sitzt..;))

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  5. Super, vielen Dank für diesen Artikel! Sohnemann ist noch nicht mal zwei, aber erprobt seine Autonomie schon ziemlich heftig. Bislang haben wir es einfach ausgesessen, aber der Tipp mit dem Spiegeln hat (zumindest jetzt anfänglich) sehr gut funktioniert! Bin mal gespannt, ob sich das hält oder ob wir auf weitere Tipps aus der gut gefüllten "Trickkiste" zurück greifen müssen.

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  6. Ganz toller Beitrag, danke dass du ihn mir empfohlen hast! Die Literatur werde ich mir beizeiten mal kaufen und lesen... Ich hab echt mehr verstanden und hoffe dass es klappt beim nächsten Wutanfall :) Liebe Grüße, Janina

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  7. Ich danke dir für neue Sichtweisen. Es ist ein großartiger Bericht. Das Spiegeln in der Form, also mit dem Tonfall, habe ich noch nicht in Betracht gezogen. Ich rede immer beruhigend... "ja, ich weiß, du hast/willst/bist...." Oder ich bin irgendwann selbst gereizt und streng. Das ist natürlich der falsche Weg. Es wird sicher nicht einfach, den richtigen Ton zu finden. Schnell.wirkt es tatsächlich veralbernd.
    Und ja, ich bin überzeugt davon, dass es einmal im Monat etwa so einen Tag gibt, an denen die Kinder einfach irgendwas durchmachen. Ein Update im Kopf vielleicht...

    Liebe Grüße
    Tanja

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  8. Hallo Snowqueen,

    Danke für diesen tollen Beitrag. Er hat mir geholfen so manches anders zu sehen.
    Wir haben es probiert mit dem spiegeln, es ist nicht so einfach, hatten aber auch schon Erfolge. Ich werde dran bleiben und hoffe das es uns helfen wird.

    Nur bin ich zur Zeit echt am verzweifeln.
    Seit dem er 14 Monate alt ist hat er sich völlig gewandelt, nicht mehr das zurückhaltende liebe Kleinkind, das keinem aufgefallen ist.
    Er ist total mürrisch, nölt bei vielen Dingen rum, das können die kleinsten Dinge sein, er möchte etwas haben, ich trage es ihm in die Wohnung weil es zb gerade noch draußen im Haus stand vom Einkauf und er fängt sofort an tierisch laut zu ningeln und wird richtig wutig, das treibt mir nicht nur den Schweiß auf die Stirn, alle gucken gleich als ob ich da wohl in der Erziehung alles falsch gemacht hätte.
    Verwöhnt halt heißt es dann.
    Er ist auch so laut beim einkaufen, schreit so rum , quiekt wie verrückt, es kann ihn keiner überhören. Und die Blicke kannst du dir sicher vorstellen.
    Bekommt er was nicht zusammen gestapelt zb flippt echt voll aus und wird zum Tier.
    Beim Windeln und anziehen Katastrophe pur, da haben wir das spiegeln versucht und auch schon Erfolg gehabt,
    Nur wie reagiert man auf diese kürzeren "Aussetzer" richtig.
    Redet man ruhig weiter? Wird man lauter und meckert ( du musst da mal richtig auf den Tisch hauen, dann macht er das auch nicht mehr heißt es dann )
    Oder soll man diese Nölereien auch spiegeln ?

    Und Opa hat ihn draußen zwei dreimal sehr flott vom Boden aufgehoben als er hingefallen war, das habe ich nie gemacht wenn ich sah er könnte es alleine.
    Nun bleibt er sitzen und wartet bis ihn jemand aufhebt und ruft permanent AUFSTEHEN ( natürlich bissl in Kindsprache) egal wie lange er sitzen muss.
    Obwohl er so lauffreudig ist und die Bewegung auch braucht, er sitzt es aus.

    Bin gerade echt überfragt und möchte auch nix falsch machen.
    Aber das raubt mir derzeit den letzten Nerv diese Art.
    Vielleicht hast du ja einen Tip für mich, dafür wäre ich dir sehr dankbar.

    LG

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  9. Ich finde den Artikel großartig, möchte aber irgendwie schon ergänzen dass das nicht bei jedem Kind funktionieren KANN. Weil einfach nicht jedes Kind gleich tickt.

    Ich habe bei meinem Kind (14m) alles versucht - auch obiges - und das einzige was wirklich hilft wenn mein Kind da steht/sitzt/liegt und schreit weil ihr was missfällt ist tatsächlich daneben zu sitzen, verständnisvoll zu sagen, dass ich verstehe, dass sie das wütend macht und ihr anzubieten, dass sie zu Mama kommt um sich auszuweinen. Angreifen, spiegeln und ähnliches hat nur den Effekt, dass sie noch intensiver leidet/wütet.

    Ich muss dazu sagen ich bin von ähnlichem Gemüt. Wenn ich wütend / traurig bin dann muss ich mich selbst regulieren. Wenn da jemand versucht dazwischen zu funken, mich in den Arm zu nehmen und ähnliches dann werde ich noch aufgelöster bzw. wütender. Ich muss meinen Ärger verbal los werden aber meine Gefühle selbst regulieren.

    Lustigerweise entdecke ich genau das selbe bei meiner Tochter - und das obwohl selbst noch nie so eine Situation erlebt hat / also an mir gesehen hat. Auch nicht wirklich in der Schwangerschaft, höchstens in abgeschwächter Form.

    Ich frage mich nun ob ich meinem Kind schade wenn ich ihr das zugestehe, sich in meinem Beisein, alleine zu beruhigen. Es ist einfach der absolut schnellste Weg für sie!

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    1. Danke für deinen Kommentar. Ja, ich hatte ja auch im Artikel geschrieben, dass diese Methode nicht unfehlbar ist und sie nicht bei allen Kindern funktioniert. Wenn deine Tochter sich am besten allein in deinem Beisein beruhigt, dann mach das so. Du allein kennst dein Kind am besten und weißt, was gut für sie ist. Da brauchst du gar kein schlechtes Gewissen haben, schaden tust du ihr ganz sicher nicht.

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  10. Ehrlich gesagt habe ich nicht viel erwartet und es mehr zum Spaß mal ausprobiert. Aber es hat tatsächlich gefruchtet. Ich benutze dieses emotionale sprechen jetzt auch um beispielsweise zu verdeutlichen wie schlimm es ist andere zu schubsen und habe das Gefühl, meine Botschaft kommt besser durch. Danke!

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  11. Hallo,
    meine Kleine ist 16 Monate alt und heut hatten wir wohl mal wieder einen dieser Tage... Ich versuche es z.T. mit dem Spiegeln, aber so richtig erfolgreich scheint das noch nicht. Besser funktioniert bei uns aufheben, trösten und ggf. mit etwas anderem ablenken. Ich bin jetzt aber verunsichert, ob das so gut ist. So lernt sie ja nicht, mit ihrer Wut umzugehen und auch nicht, dass sie nicht alles auf der Welt haben kann.
    Die Sprache ist noch nicht so ihre Sache und so sind wir häufig am Rätseln, was sie möchte. Und auch ein Nicken muss noch lange nicht "Ja" bedeuten. Die Gebärden funktionieren hier leider auch gar nicht.
    Vielen Dank für euren tollen Blog

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    1. Ablenken würde ich nicht, aber trösten finde ich okay. Letzten Endes sind sie ja mit 16 Monaten einfach nur wütend darüber, etwas nicht zu dürfen oder zu können oder zu bekommen. Das kann man als Elternteil ja empathisch nachvollziehen - ist doch ärgerlich, so eine Situation. Deshalb bleibe ich meist bei meinem Kind und verbalisiere die Wut: "Du bist wütend" Wütend! Du willst das Eis! Eis! Eis! Du sagst: Eis, Mama! Eis!" (das ist das Spiegeln) Dann warte ich ab, bis die Wut einigermaßen raus ist und sage: "Aber nein, für Eis ist es zu kalt. Kein Eis. Es tut mir leid." und warte den neuen Wutanafall ab (wieder mit begleitendem Spiegeln). Erst gaaaanz am Schluss, wenn die Gefühle schon durchlebt wurden, biete ich eine Alternative an, also ich lenke das Kind weg von der frustrierenden Situation: "Möchtest du rutschen oder schaukeln?"
      Übe das ruhig noch weiter, auch, wenn es jetzt scheinbar nicht gut klappt. Es lohnt sich! Die Autonomiephase ist nämlich wirklich furchtbar lang.
      LG, snowqueen

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  12. Nachdem meine Große gerade seit 3 Tagen nur noch nölt und bockt, bin ich - mal wieder - auf diesen Artikel gestoßen.

    Mit 4, 5 Jahren ist also noch mal eine schwierige Phase? Gibt es allgemeine Gründe, woran das liegen könnte? Kann man dazu irgendwo noch mehr nachlesen?

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    1. Nein, leider gibt es kein Buch, in dem man das genauer nachlesen könnte... Der Grund für die schwierige Phase ist der gleiche, wie bei den Babys: ein Entwicklungssprung. Deine Große fühlt sich gerade komisch, kann das schlecht einordnen und nölt deshalb ihre Verwirrung nach draußen.. Ist sie durch die Phase durch, wird sie etwas Neues können. Kompromisse schließen vielleicht, oder ruhig abwarten, oder lesen. Das ist von Kind zu Kind individuell verschieden. Eigentlich ist 4,5 ein sehr schönes Alter. Genieße das mal - es fängt nämlich bald die Vorschulpubertät an. ;-)

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  13. Dummy weil ich das Häkchen bei den Folgekommentaren vergessen habe. ;-)

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  14. Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Ich liebe Euren Blog und lese ihn regelmäßig.
    Ich habe hierzu eine Frage: mein Sohn ist 20 Monate und im Moment sehr oft sehr zornig....
    Wenn er einen Wutanfall bekommt weil er etwas nicht darf, kann oder möchte kann ich ihm mit Verständnis und spiegeln meist ziemlich schnell raushelfen.
    Allerdings macht er manchmal absichtlich (?) Dinge, die wir verbieten (z.B. vom Spielplatz schnell in Richtung Straße laufen, andere Kinder oder uns mit Gegenständen bewerfen, Geschirr vom Tisch auf den Boden schubsen etc etc).
    Wenn wir dann eingreifen, rennt er schnell weg und lacht oder er wird richtig wütend und schreit und schlägt nach uns.
    Ich weiß dann nicht, wie ich mich am besten verhalten soll. Habt Ihr da einen Tipp für mich?
    Macht er diese Dinge mit Absicht um zu sehen wie wir reagieren? Wir verbieten schon nur Dinge die gefährlich sind oder wirklich nicht gehen aber er macht es immer wieder.
    Anscheinend habe ich ein sehr temperamentvolles Kind ;-)
    Vielen Dank schon mal - auch für alle anderen Beiträge

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    1. Das ist ein bisschen schwer zu beantworten, weil ich bei euren Situationen nicht dabei bin und sein Gesicht dabei nicht sehen kann etc. Ich versuche es aber trotzdem mal. Ich vermute, dass die ersten Male, in denen er einen Teller runterwarf oder in Richtung Straße rannte, es einfach nur Neugier war - Lust auf die Welt. Er hat halt ausprobiert, was passiert und fand das spannend. Noch spannender aber waren - vermute ich - eure Reaktionen. Sicher habt ihr um ihn Angst gehabt, als er in Richtung Straße lief und ihr seid schnell hinter ihm her gerannt und habt ihn eingefangen, vielleicht mit besorgtem Gesicht, vielleicht seid ihr vor lauter Angst auch lauter geworden. Da er selbst diese Gefühle noch nicht kennt (er hat ja noch keinen Sohn, um den er sich ängstigen muss und er weiß auch nicht um die Gefahr von Autos), ist eure Reaktion für ihn äußerst spannend. Ihr seid sein Anschauungsobjekt im Experiment Leben. Im Moment befindet er sich in der Ursache-Wirkungs-Phase, in der er vermehrt Dinge sucht, bei denen er Ursache und Wirkung studieren kann. Wenn ich den Teller vom Tisch fege, klirrt es laut, er geht zu Bruch und Mama und Papa reden sehr laut und gucken so. Dass dieses "so", wie ihr guckt, bedeutet, dass ihr sauer seid, weiß er noch nicht. Er lernt es gerade. Sehr, sehr langsam. Es ist so, als würde in einer fremden Sprache auf ihn eingesprochen werden und er müsste durch hunderte Male ausprobieren herausfinden, was die Wörter bedeuten. Nur, dass es keine Fremdsprache ist, sondern eure Mimik und Gestik. Er muss sie erst entschlüsseln lernen. Dafür braucht er Situationen, in denen ihr Mimik und Gestik zeigt. Diese führt er herbei, indem er verschiedene Dinge macht. Lässt er den Teller auf dem Tisch stehen, erfolgt von euch aber keine mimische Reaktion - für ihn ist das langweilig, weil er dabei nichts lernen kann. Wirft er den Teller aber runter, zeigt ihr Mimik! Wie spannend! Dass das eine böse Mimik ist und er eigentlich ausgeschimpft wird, versteht er noch nicht, da seine kognitiven Verknüpfungen noch nicht so weit sind. Deshalb stört es ihn auch nicht, wenn ihr schimpft (allenfalls weint er, wenn es ihm zu laut wird) - er bezieht es einfach nicht auf sich. Er KANN es noch nicht auf sich beziehen, dazu fehlt ihm ein wichtiger kognitiver Meilenstein. Für ihn ist das einfach ein spannendes Experiment, das er interessiert beobachtet. Er lernt eure Mimik und Gestik kennen, er lernt die Fremdsprache "Mensch".

      Dass er manchmal sauer wird und nach euch schlägt ist auch erklärbar, denn ihr stört ja sein Experimentieren. Stellen wir uns vor, er wirft Bausteine nach euch und ihr schimpft - er findet das spannend und macht weiter. "Wird Mama wieder so laut? Wie sehen ihre Augen aus, wenn ich noch einen Baustein werfe? Sie schüttelt den Kopf hin und her - was das wohl bedeutet? Ich werfe nochmal, macht sie es wieder? Ja, sie schüttelt, diesmal doller. Mhhh. Ich werfe mal zwei Bausteine..." Dann nehmt ihr ihm die Bausteine weg, weil ihr ihm aus eurer Sicht ja nun oft genug gesagt habt, dass er aufhören soll - und er wird wütend und haut. Ganz klar, er ist sauer, schließlich ist er noch nicht fertig mit seinem Experiment. Er hat doch noch nicht rausgefunden, ob Mama wieder den Kopf schüttelt, wenn er zwei Bausteine wirft! Aus seiner Sicht ist eure Handlung total unfair, denn er hat ja (aus seiner Sicht) nichts falsches gemacht, er hat einfach nur versucht, die Fremdsprache Mensch zu entschlüsseln. Verstehst du?

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    2. Mein Sohn ist 15 Monate und wirft für sein Leben gern Dinge. Er wirft sehr gut und weit und er wirft alles, was ihm in die Hände gerät. Besonders gern wirft er gern die Duplosteine seiner Schwestern. Ich habe eine Bällekiste in jedem Zimmer stehen, extra für diese Situationen. Sobald er wirft, bringe ich ihm die Kiste und sage: "Nur mit Bällen werfen, Sohn." und gebe ihm einen Ball in die Hand. Dann wirft er alle Bälle durchs Zimmer und ich sitze daneben und strahle ihn an und dann ist sein Wurfdrang auch erst einmal durch und er wendet sich etwas Neuem zu. Ich musste nicht schimpfen, ich habe ihm eine positive Alternative geboten (ihm also gezeigt, was in unserer Gesellschaft üblich ist) und er konnte seine Wurftechnik verbessern. Beim Essen wirft er zwar den Teller nicht runter (noch nicht), aber er steht total gern auf und steht dann ganz oben auf seinem Stuhl ohne Sicherung. Er steht noch gar nicht sicher, geschweige denn kann er laufen, deshalb finde ich das echt beängstigend, wenn er da so steht. Ich schimpfe aber nicht - warum auch?-, sondern nehme ihn dann einfach auf den Arm, vom Stuhl runter. Ich habe sein Aufstehen einfach interpretiert als "Ich bin fertig mit Essen". Auf seine Ursache "auf dem Stuhl stehen" folgt also nun immer die Wirkung "von Mama auf den Arm genommen werden, Essen ist zu Ende." ohne irgendwelchen Streit oder Drama. Was das Weglaufen im Verkehr angeht: das ist schwierig. Mein Sohn läuft ja noch nicht, aber ich werde, wie bei meinen Töchtern, penibel darauf achten, nicht mit ihm Fange zu spielen, weil ich Angst habe, dass er das im Straßenverkehr mit mir spielen will und noch nicht abschätzen kann, dass das gefahrenvoll ist. Euch würde ich raten, zu versuchen, die Fluchtversuche schon ganz früh zu stoppen, und dann aber keine große Reaktion zu zeigen. Nicht wütend werden, nicht schimpfen oder so. Ihr könnt ruhig sagen: "Die Straße ist gefährlich!" und dann schaut ihr eine Weile den Autos zu. Aber eure Reaktion sollte möglichst unspannend sein.

      Als Leselektüre empfehle ich euch unseren Artikel zum "Nein!" und zum "Verkehrstraining", da stehen noch einige Infos drin, die euch weiterhelfen könnten.

      Liebe Grüße, snowqueen

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  15. Ich habe noch nie so hervorragende Texte zu Kindern und deren Verhalten gelesen. Ich konnte gar nicht aufhören. Vielen Dank für die einfachen und unkomplizierten Ratschläge und Hintergründe. Auch danke für die Buchvorschläge. Ich werde sicherlich auf die ein oder andere Quelle zurückgreifen. Es nimmt so viel Unsicherheit von einem! Und vor allem verstehe ich jetzt so vieles, weil es mir nun auch logisch erscheint. Besten Dank und weiter so. Diese Seite ist einfach nur zum Weiterempfehlen!

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  16. Vielen vielen Dank für diesen Text. Mein sonst so ausgeglichener Sohn (14 Monate) hatte gerade einen Wutanfall und dabei geschrien wie ein Tier. Ich konnte seine Wut nachvollziehen (wir haben ihm nicht noch mehr salzigen Räucherlachs gegeben obwohl er so schön "Fisch" gebärdet hat, aber ich wusste absolut nicht wie ich reagieren sollte. Das spiegeln klingt nach einer tollen Methode. Ich werde es auf jeden Fall versuchen. Hoffentlich treffe ich den richtigen Ton.
    Liebe Grüße, Steffi

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  17. Hallo, ich liebe euren Blog!!! Er hilft mir schon seit einem Jahr immer wieder sehr weiter!!!
    Dieser Artikel hat mir grad vor einer Woche besonders helfen können meine KLeine besser zu verstehen. Auf meinem Blog habe ich einen Artikel dazu geschrieben und diesen Artikel darin verlinkt. Ich hoffe das ist so ok, wie ich es gemacht haben. Ansonsten meldet euch gern, dann nehme ich den Link raus oder ändere die Verlinkung so wie es für euch passt. Alles Liebe, Nätty
    http://bilderbuchbaby.com/das-mami-dasein/wickeln-in-der-trotzphase-kann-ganz-einfach-sein

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    1. Liebe Nätty,

      wir freuen uns sehr über Deine Verlinkung und auch ganz besonders darüber, dass Dir das, was wir geschrieben haben, so gut weiter geholfen hat!

      Alles Gute für Dich, Deine Lieben und Deinen Blog!
      Liebe Grüße
      Danielle

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  18. Zuerst: Ich bin begeistert von diesem Blog!
    Im Zusammenhang mit Wut und Verzweiflung bei den Kleinen habe ich eine Frage:
    Ich kommentiere solche Anfälle oft mit der vermeintlichen Ursache. Also z. B.:
    M. möchte mithelfen Teig zu kneten. Er brüllt plötzlich wütend los hebt die Hände und ist nicht zu beruhigen. Auf Grund der erhobenen Hände vermute ich das der klebrige Teig ihn stört. Ich sage also: Oje, das ist ja schlimm, oller Teig, oller oller Klebe-Teig!!!
    Verklebt meinen M.!!! M. ist verdutzt und beruhigt sich nickend. Dann wasche ich seine Hände und erkläre ihm dass Teig nun mal so ist, meine Hände auch so aussehen und ect.
    Tut er sich weh, fällt über einen Stein/Wurzel und steigert sich ins Weinen beschimpfe ich den Stein. Oller Stein/Wurzel - hat M. weh getan! Dann ist meist sofort Ruhe (schnief, heftiges Nicken) und danach können wir die Situation noch einmal durchgehen. Erst dann kann ich ihm sagen, dass er auch ein wenig auf den Weg achten muss, auf dem er läuft.
    M. ist mein Enkel und ich habe das früher so bei meinen Kindern auch praktiziert. Aber bei anderen Eltern stieß auch damals diese Art damit umzugehen auf Unverständnis. Auch meine Schwiegertochter betrachtet das mit wenig Wohlwollen. Es wird mir gesagt dass er damit nicht lernt aus Fehlern klug zu werden indem ich DINGE personifiziere und ihnen die Schuld gebe.
    Mich beschäftigt das sehr, da ich aber das Gefühl habe ihn damit sehr schnell aus der Situation von Schmerz und Wut herauszuholen. Danach besprechen wir das ja.
    Was meinen Sie dazu?

    Margit

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    1. Liebe Margit,

      wir denken, dass sie das absolut ideal lösen. Der Erfolg gibt Ihnen ja auch erkennbar Recht.

      Ihr Enkel weiß sehr gut, dass nicht der Stein daran Schuld ist, dass er gestolpert ist. Im ist auch vollkommen klar, dass er besser auf den Weg achten muss. Das muss man ihm nicht sagen. Und das lernt er auch ganz alleine, nachdem es mehrfach passiert ist.

      Mit Ihrem Verhalten signalisieren sie Trost und Mitgefühl. Es ist wesentlich bedeutsamer, unseren Kindern das vorzuleben, als ihnen Dinge "beizubringen", die sie sich ganz alleine lernen.

      Herzliche Grüße
      Danielle

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    2. Ich habe mal irgendwo gelesen (ich weiß nur nicht mehr wo), dass man nicht Dingen die Schuld geben soll (also z.B. dem Stuhl, wenn man sich daran gestoßen hat), damit Kinder lernen, dass sie verantwortlich sind für ihr Handeln und eben nicht der Stuhl Schuld ist, was er ja auch als Gegenstand nicht sein kann. Ansonsten geben sie vielleicht später auch anderen Personen die Schuld an Ereignissen, die sie selber verursacht haben. Nur so als Überlegung.

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    3. Ja - ich habe mittlerweile auch noch mal nachgelesen, weil mich das interessiert hat und kann das so bestätigen. Es ist tatsächlich nicht sinnvoll, dem Gegenstand eine Schuld zuzuweisen, weil es das Kind entlastet, darüber nachzudenken, was es falsch gemacht haben könnte.

      Vielen Dank für den Kommentar!

      Liebe Grüße
      Danielle

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    4. Genau so meinte ich es, nur meine Formulierung war nicht ganz so präzise. Vielleicht hilft das Spiegeln bei M., statt den Gegenständen die Schuld zu geben. Vermutlich wird einfach nur ein Weg benötigt, M. in seiner Wut abzuholen. Danach folgt wie gehabt - und falls nötig - eine Erklärung.

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  19. Ihr Lieben!
    Vielen Dank für die wunderbaren Beiträge, zu jeder Geburtskarte kommt seit einem Jahr der Link zu Eurem Blog! Leider habe ich Euch erst ein paar Monate nach der Geburt unseres Sohnes gefunden.

    Ich habe eine Frage zur Wut und zu Agressionen. Unser Sohn ist jetzt 20 Monate und hat sehr,sehr ausgeprägte Wutanfälle.Das Spiegeln klappt oftmals nicht. Die starken Tegulationsstörungen

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  20. Regulationsstörungen zeigen sich von Geburt an auch beim Thema Schlaf, oder zu viele Reize etc. Wo ich mir oft nicht zu helfen weiß ist wenn er anfängt zu schlagen, beissen, kratzen. Er lässt sich dann auch nicht trösten oder beruhigen. Manchmal läuft er sogar aus dem Zimmer und wartet ob ich hinterher komme.
    Habt Ihr einen Tipp wie ich solche Situationen für uns beide besser lösen könnte?
    Herzlichen Dank!
    Carmen

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  21. Hallo ihr Lieben,

    Zunächst einmal vielen viiiiiiiielen lieben Dank für eure Arbeit und Wertschätzung aller Gefühle beim Kind und bei uns als Eltern. Ich bin begeisterte Leserin in eurem Blog es tut einfach so gut verstanden zu werden und Verständnis bzw. Handlungsmöglichleiten fernab von der klassischen Erziehung zu bekommen.

    Mein Kleiner ist 2 Jahre und 3 Monate es fällt ihm und mir gerade sehr schwer warum man manche Dinge (spielsachen Fahrzeuge die anderen gehören und draußen vor dem Spielplatz oder vor Eingängen stehen) nicht haben zu können.Ich möchten nicht, dass er lernt ich kann mir alles einfach nehmen egal ob es kaputt gehen könnte und manche Dinge könnten auch kaputt gehen, egal ob sie mir gehören... Dann kann sein es zu einem Wutanfall kommt. Ich möchte ihn nicht festhalten, wegschnappen, wegziehen,"anfassen" und mit ihm "körperlich" kämpfen. Wenn ich das aber nicht tu, dann geht er magnetisch und wütend dort hin wo er es nicht darf oder evtl.dann vor lauter "Gefühlschaos" auf die Straße. Und ich bin die, die ihn an dem hindert, was er möche und das auch noch "körperlich" Was soll ich machen, wie kann ich es lösen ohne anfassen in solchen Situationen? Jedes mal nehme ich mir vor mein Kind nicht zu schnappen außer bei Gefahr! In anderen Situationen kann ich aber doch nicht nur mit Worten und Hoffen auf Kooperation seinerseits warten bis doch was kaputt geht oder er wo runter fällt ect.? (er klopft auch gerne mit Gegenständen auf den Tisch oder Boden, das ist laut und gibt Macken... Dann nehme ich es ihm nach mehrmaligem bitte es zu lasse weg und wums... Genau so möchte ich nicht handeln.
    Ich habe vielleicht 2 Dinge vermischt. Ich wünsche mir eine Lösung für bzw. gegen das Festhalten und Wegnehmen.

    Lieben Dank und Grüße von mir
    Angena

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    1. Liebe Angena, ich lese heraus, dass du einige Dinge beschränkst, weil du nicht möchtest, dass er "lernt", dass er einfach alles nehmen kann auf einem Spielplatz. Ich verstehe den Gedanken dahinter, den ich für richtig halte, aber ich denke, dass du deinen Kleinen in diesem Alter noch damit überforderst. Kennst du unser Buch zur Trotzphase? Darin kannst du lesen, welche Dinge kognitiv noch nicht möglich sind und warum. Ich denke, es würde dir helfen, die Grundlagen zur neuronalen Entwicklung von Kindern zu kennen. Hier in aller Schnelle: Wenn er sich jetzt Spielzeuge ausleiht, die nicht seine sind, heißt das noch lange nicht, dass er das für immer tun wird. er "lernt" es also nicht, wenn du es jetzt zulässt. Er wird größer werden und den Untrerschied zwischen "Dein" und "Mein" lernen und dann wird für ihn ganz klar sein, dass er manche Dinge benutzen darf und manche noch nicht. Jetzt ist für ihn diese Unterscheidung noch zu schwer. Aber deine Angst bezüglich der Zukunft kannst du getrost ablegen.

      Auf dem Spielplatz: hast du die anderen Kinder/Eltern denn gefragt, ob es nicht möglich ist, dass dein Kleiner mit den Sachen mitspielt? Wenn sie Nein sagen, kannst du ihn immer noch davon abhalten, aber möglicherweise sagen sie ja "Ja"?

      Dinge zuhause, die kaputt gehen können, wenn er sie auf en Tisch klopft: Leg sie erst einmal weg. Alles, was dir lieb und teuer ist solltest du außer Reichweite legen. Dann können sie nicht kaputt gehen und du brauchst nicht andauernd "nein" zu sagen. Ist dein Sohn ein bisschen älter und verständiger, kannst du die Sachen wieder an ihren normalen Platz legen.

      Zum festhalten, wegnehmen etc.: Das ist der schwierigste Punkt, zugegeben. Bei akuten gefahren musst du ihn natürlich festhalten, egal, ob er das mag oder nicht. Rennt er auf eine Straße zu, musst d ihn einfangen, klar. Aber in vielen, vielen anderen Situationen kannst du sehr präsent neben ihm sein und ihm mit Worten begreiflich machen, dass du das Ding in seiner Hand wieder haben willst, ohne, dass du ihm es aus der Hand nimmst. Das braucht ein bisschen Übung. Hast du unsere Kooperationsserie im Blog (oder auch im Buch) gelesen? Da steht recht ausführlich drin, was es braucht, damit ein Kind freiwillig mitarbeitet, d.h. Dinge freiwillig wieder rausrückt etc.

      Zum Wutanfall: Wenn dir etwas sehr wichtig ist und du musst deswegen Nein sagen und er weint dann, dann bist du zum Trösten da. Nicht mehr, nicht weniger. Die Wut hält er mit dir gemeinsam aus (nicht allein lassen damit) und wenn er soweit ist, wirst du ihn in den Arm nehmen können. (Das steht auch alles im Buch drin...). Es ist nicht schlimm, dass er "wegen dir" weint! Manche Dinge müssen halt sein, nicht? Aber wichtig ist, dass du in nicht allein lässt mit seiner Wut und Trauer.

      LG, Snowqueen

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  22. Ps. Wir sprechen darüber warum manches einfach nicht geht, überlegen zusammen eine Lösung zB. fragen ob man sich etwas ausleihen darf? wir schauen uns die Gesichter im Gegenüber an und üben auch das Akzeptieren eines Nein's. Vor allem auch das Akzeptieren wenn niemand da ist den man fragen kann usw. Ein wenig versteht er das aber ich darf nicht zu viel Verständnis erwarten was er noch nicht können kann, so wie wir das manchmal glauben.

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  23. Ps. Wir sprechen danach auch drüber wie es ihm und mir in der Situation ergangen ist. Warum er und ich so gehandelt haben. Manchmal entschuldige ich mich auch dafür und sage ihm, dass ich das Festhalten nicht machen möchte aber...Was da mit uns und dem "Anderen" gefühlsmäßig passiert ist...Wir versuchen in den Gesichtern des Gegenübers festzutellen wie es dem Anderen dabei geht/ging. Wir überlegen was wir tun könnten, zB den anderen fragen,ob man sich was ausleihen darf. Wir üben ein Nein zu akzeptieren und es auszuhalten, zB. auch dann wenn niemand da ist, den man fragen kann. Ich versuche Verständnis bei ihm zu wecken. Ich glaube er versteht schon recht viel und dennoch manches kann er nicht können.

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  24. Liebe Snowqueen,

    Herzlichen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort. Doch wir fragen und bekommen meistens ein Ja. Aber es gibt auch Situation in denen das andere Kind Nein sagt.
    Ich habe eure Artikel zur Kooperation gelesen und es stimmt es funktioniert oft und ich bekomme seine Kooperation. Manchmal ist es aber schwierig auf seine Kooperation mit Worten zu warten, bevor die Schublade in der er gerade gern sitzt doch kracht :-) oder etwas draußen kaputt geht.
    Du meinst also ich kann ihn mit den Fahrgeschäften und Dekorationen die vor fremden Eingängen stehen "noch" Spielen lassen obwohl wir nicht fragen können? Statt einen Wutanfall zu "provozieren" da er es noch nicht können kann, zu verstehen warum man sich nicht einfach alles nehmen kann.

    Ja der "Druck von der Gesellschaft" irgendwie kommt man nicht drum rum. Sie finden meine Art Erziehung doch teilweise sehr fraglich. Auch mein Mann sagt ab und an: "Dein Sohn tanzt dir doch jetzt schon auf der Nase herum".
    Trotzdem ich sehe es wie ihr und dennoch beschleicht einen das Gefühl von Angst sich evtl. doch den "Tyrannen" heran zu ziehen. Ich hoffe ich kann gaaaanz viel von eurem Buch mitnehmen und umsetzen. Es ist heute in meinem Briefkasten gelandet. Mein Mann es mir "trotzdem" 😀 bestellt. Ich wünsche mir den Mut hinter mir stehen bleiben zu können und mit eurer Hilfe das nötige Selbstbewusstsein und Vertrauen im Hinblick auf diese Art von Erziehung erlangen zu können.
    Ihr schreibt Wutanfälle und Trotzen ist richtig und wichtig um die Gefühle kennen zu lernen und damit umgehen zu können. Es bedeutet Entwicklung. Behindere ich nun die Entwicklung, wenn ich den Trotzanfall zu vermeiden versuche aus Wissen darüber, dass er es noch nicht können kann. Oder bin ich damit die einfühlsame Mama, die mit Respekt die Dinge mit "Kinder Augen" sehen kann?
    Zum klopfen: Er klopft auch gerne mit dem Besteck auf/in den Tisch und dann rutsch ich in die "wenn du jetzt nicht aufhören kannst zu klopfen, dann ist die Gabel vorläufig weg Falle." Der Tisch hat schon viiiiiele Macken was ist die Alternative? Ich zeige ihm wo er klopfen kann und wo nicht, allerdings sind wir aber ja am gemeinsamen Essen.

    Schreibt weiter egal ob hier oder weitere Bücher. Es sollte ein Umdenken in der Gesellschaft erreicht werden. Das wäre schön! Danke für eure Arbeit.
    SORRY für den langen Text und allen ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße
    Angena

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  25. Ein wunderbarer Bericht und ein herrlicher Blog, auf den ich leider jetzt erst gestoßen bin. Ich habe eine Frage, wobei ich nicht sicher bin, ob es zu dem Beitrag "Trotzphase" richtig einzuordnen ist, ich aber nicht weiß, wo es besser hingehört:

    Meine Kleine (12 Monate) hat in unregelmäßigen Abständen (mal mehrfach pro Woche, mal alle zwei Wochen) Schreianfälle und lässt sich dann nicht beruhigen. Auslöser sind meist nichtige Situationen (heute wollte ich ihr die Schuhe anziehen zum Spazieren gehen), so dass ich es oft nicht kommen sehe. Sie steigert sich in ihr Weinen/Schreien dann wahnsinnig rein und ist sehr laut/impulsiv. Bislang halte ich sie und versuche zu trösten (oh, ich sehe, du bist wütend/verzweifelt...), aber es hilft nicht. Sie tritt mich und strampelt auf meinem Arm, windet sich und schlägt um sich. Das Ganze hört auch nicht auf, sie hat so eine Energie, dass es dann so eine Stunde gehen kann, ich bin völlig verzweifelt und weine irgendwann nur noch mit. Ich verlagere uns manchmal in dieser Situation (auch, weil ich es körperlich irgendwann nicht mehr stemmen kann) auf den Boden, aber auch da weint sie und windet sich, strampelt und ist völlig außer sich. Ihre Anfälle kommen, wenn sie nach 30-40 Minuten selbst völlig fertig ist, dann in Wellen und sie kann nur noch schluchzen und ist völlig verschwitzt, es hört aber nicht auf. Was kann ich tun? Was mache ich falsch? Ein klassischer Trotzanfall scheint das nicht zu sein? Ich habe das Gefühl, sie hat Schwierigkeiten, aus einer solchen Situation wieder herauszukommen. Sie hatte schon immer Schreiphasen und selten hat sie sich "einfach so" beruhigt. Bislang halte ich sie auf meinem Arm, aber mit zunehmendem Alter und zunehmender Kraft wird das mehr und mehr zu einem Kampf zwischen uns, so wie sie sich windet und strampelt. Auf dem Boden will sie aber auch nicht alleine sein, sondern kommt völlig aufgelöst wieder zu mir, nur um sich dann sofort wieder von mir runter zu winden...

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    1. Liebe Anonym, nee, das klingt eher nach Psychohygiene. Also sie hat den Anfall dann, weil sich in ihrem inneren Stress angestaut hat und sie sucht dann einen nichtigen Anlass, um diesen Stress loszuwerden. Tatsächlich ist es wichtig, dass dann alles raus darf, gern auch windend auf dem Boden. Vermutlich will sie in dem Moment nicht, dass du sie anfasst (bei meinem Sohn ist das so), also bleibt einfach in der Nähe hocken und biete Kuscheln an, wann immer es gewünscht wird und lass sie gehen, wenn sie wieder runter vom Schoß will.
      Liebe Grüße, Snowqueen

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  26. Liebe Danielle, liebe Snowqueen,
    Herzlichen Dank für diesen Artikel und auch für euer Buch! Ihr leistet so tolle Arbeit und helft nicht nur mir jeden Tag neu, meine Tochter und ihr Verhalten mit einem liebevolleren Blick zu betrachten als die Brille, die mir meine eigene Erziehung mitgegeben hat!
    Allerdings habe ich auch noch eine Frage zu Umgang mit den Wutanfällen. Ich komme ich mit dem Spiegeln bei meiner Tochter bisher nicht durch. Anfängliche Wutanfälle kann ich oft abwenden durch Ablenkung oder indem ich von vornherein einen Kompromiss anbiete, weil ich schon weiß, was sie möchte. Problematisch sind bei ihr vor allem Situationen, in denen ich ihr etwas wegnehmen muss! Habe ich euch richtig verstanden im Buch, dass ich eben gerade NICHT ablenken sollte, indem ich ihr ein Ersatzobjekt anbiete. Puh, wenn ich das nicht tue, müsste ich 10-20 Wutanfälle am Tag ertragen. Unsere Kleine (1 Jahr) hat ein ausgeprägtes Temperament (das hat sie von mir - ich hab also viel Verständnis) und eine gewaltige Stimme!!! Egal, wie kinderfreundlich unsere Wohnung ist, sie findet immer irgendwas, das man grade Vergessen hat. Und wenn ich ihr etwas wegnehme, schreit sich dann so in Rage, dass ich am Ende nur noch mitheule! Das einzige, was wenn überhaupt dann noch hilft, ist Stillen. Aber wäre das auch Ersatzbefriedigung? Ich möchte ja gern, dass meine Tochter lernt mit ihrer Wut umzugehen (im Gegensatz zu mir - in meiner Herkunftsfamilie ist Wut leider ein großes Thema), aber ich schaffe es nicht das immer auszuhalten. Darf man nicht auch manchmal ablenken? :-)

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    1. Liebe Tschains,

      gute Frage. Ich glaube, in so kleinere alltäglichen Situationen mit einer Einjährigen würde ich auch noch Tauschobjekte anbieten. Also: Sie hat dein Handy, das sie nicht nehmen soll, und du bietest ihr die Fernbedienung an und alle sind glücklich - das finde ich legitim. Man muss sich ja den Alltag nicht schwerer machen, als er eh schon ist. Es gibt so einige wenige Schlüsselmomente, die man aushalten und durchstehen muss - bei uns war das eben eine zerbrochene Banane und einmal ein Moment, als ich meinen Sohn von der Kita abholte und er Würstchen wollte und ich natürlich keine dabei hatte. Die Banane habe ich nicht ersetzt, und nicht schnell Würstchen im nahen Laden eingekauft, sondern den Wutanfall begleitet. Aber ob das ein Schlüsselmoment ist, merkt man dann schon automatisch. 10-20 Schlüsselmomente am Tag gibt es jedenfalls nicht. ;-D
      Also lenke ruhig ab und zu ab!
      Liebe Grüße, Snowqueen

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  27. Liebe Danielle, liebe Snowqueen!
    Erstmal herzlichen Dank für diesen tollen Blog und auch für euer Buch. Ihr leistet so tolle Arbeit und ihr helft mir (und vielen anderen auch glaube ich) einen liebevolleren Blick auf meine Tochter zu haben als die Brille meiner eigenen Erziehung es mir erlaubt.
    Allerdings habe ich noch eine Frage zum Umgang mit den Wutanfällen. Meine Tochter (1Jahr) hat ein ausgeprägtes Temperament und eine gewaltige Stimme. Die ersten Wutanfälle, weil etwas mit ihr gemacht wurde, was sie nicht wollte haben übrigens schon VIEL früher angefangen! Heute weiß ich, dass das damals Wut war. Problematisch ist vor allem, wenn ich ihr etwas wegnehmen muss oder sie mit anderen um Spielzeug kämpft. Im Moment versuche ich es noch mit Ablenkung bei beginnenden Wutanfällen oder indem ich ihr von vornherein einen Kompromiss anbiete. Aber habe ich euch richtig verstanden im Buch, dass das nicht die richtige Strategie ist und nur eine Ersatzbefriedigung? Puh, mit dem Spiegeln komme ich bei ihr nicht durch bisher und sie schreit sich dann so in Rage, dass ich am Ende nur noch mitweinen kann, weil sie mir so leid tut! In solchen Fällen hilft manchmal noch stillen. Aber wäre das auch ne Ersatzbefriedigung? Ich kann mir leider nicht vorstellen, ihre Wutanfälle auszuhalten. Wenn sie einmal einen hatte, ist die Stimmung so labil, dass sie den ganzen Tag keicht kippt. Und 10-20 Anfälle am Tag halte ich nicht aus!!! Ich will ihr ja gerne helfen zu lernen, mit ihrer Wut umzugehen (andere als ich - in meiner Herkunftsfamilie ist Wut ein sehr großes Problem und ich wurde mit meinem Kopf auf den Boden schlagen allein gelassen). Aber ich fühle mich im Moment noch damit überfordert, ihre Anfälle immer auszuhalten. Darf man denn nie ablenken?

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    1. Liebe Tschains,

      es gibt Kinder, die sind wirlich sehr emotional - andere hingegen wüten weniger. Du hast ein Exemplar mit viel Temperament, das ist wirklich anstrengend. Kompromisse anbieten ist grundsätzlich ein guter Weg - damit lassen sich einige Wutanfälle tatsächlich vermeiden und das ist auch vollkommen in Ordnung. So lernen sie, dass Kooperation gewinnbringend ist und Mama bemüht ist, eine Lösung zu finden.

      Benutzt Du beim Spiegeln möglichst kurze Sätze mit sehr einfachen Worten, die sich wiederholen? Es funktioniert nicht bei allen Kindern gleich gut - vermutlich hängt das auch ein bisschen mit dem Temperament zusammen.

      Vielleicht tröstet Dich der Gedanke, dass die Anfälle in ihrere Intensität immer schwächer werden? Ich kann mich erinnern, dass der Gedanke "Oh gott, jetzt geht das für immer SO weiter" mich wirklich in Panik versetzt hat. Hätte mir jemand gesagt, dass es nur ein paar Monate sind, die anstrengend werden.

      Im Grunde ist es wie das Laufenlernen - bis zu den ersten Schritte dauert es ewig, aber wenn das Kind dann mal losgelaufen ist, dann wird es ganz schnell immer besser. Und jeder Wutanfall führt dazu, dass Dein Kind den Umgang damit besser lernt. Und sich zunehmend auch besser selbst regulieren kann.

      Und doch - ablenken ist erlaubt. Du musst immer abwägen, wie gut Du das gerade aushalten kannst. Allein zu Hause, wenn Du relativ entspannt bist, dann ist das einfacher, als im Supermarkt. Es sollte nur nicht als Dauerlösung praktiziert werden, weil es einfach falsche Signale sendet.

      Liebe Grüße
      Danielle




      Manchmal klappt das aber nicht und die Wut bahnt sich ihren Weg.

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  28. Hallo Tschains,ich wollte exakt die gleiche Frage stellen:))) Mein Sohn ist erst 9 Monaten alt, aber G-tt behüte mich, wenn ich etwas gegen seine Willen unternehme..Er schlägt mich und schreit... Mein Sohn!Mein Engelchen...Hilfe!!!
    Und Danke für das Buch!Es ist schon bestellt!

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  29. Hallo,
    Ich kenne ihr Buch und weiß, wie ich eigentlich mit meiner Tochter durch einen Wutanfall durchkomme. Gerade hab ich total versagt. Sie wollte einen Nucki. Den gibt's nur zum schlafen. Drama, Geschrei, Gebettel bis hin zum schlagen ( sie mich ins Gesicht). Sie wirft sich hin, tut sich dabei weh. Ich versuch es abzuwehren. Ende von Lied: sie schläft, mit Kampf zwischen und beim Zähne putzen... Fühl mich nur ganz schlecht, weil ich es nicht geschafft habe sie so zu beruhigen... :-( ich hab das Gefühl es wird immer schlimmer...

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    1. Liebe Anonym, wir sind Menschen, keine Roboter, d.h. wir machen mit unseren Kindern tagtäglich Fehler. Das ist auch nicht so schlimm. Wie furchtbar wäre, es, würden wir immer nur "perfekt" reagieren.

      Gestern schien es so eine Situation bei Ihnen gegeben zu haben. Sie wollten nicht, dass Ihre Tochter den Nucki außerhalb des Bettes nimmt, sie wollte ihn unbedingt. Ergebnis war ein großer Kampf zwischen Ihnen. Ich kann gut verstehen, warum Sie ihrer Tochter den Nucki nicht geben wollten - so eine Phase hatte ich mit meinen Töchtern auch. Tatsächlich gibt es bei fast allen Nuckelkindern eine bestimmte Zeit, in denen sie den Nucki plötzlich wieder überall und immer haben wollen. Mittlerweile würde ich sagen: Wenn ein Kind so vehement dafür kämpft, dann steckt dahinter ein wichtiges Bedürfnis, das es zu beachten gilt. Also sollte man ihm den Nuckel geben. Andererseits besteht da die Angst, dass das Kind nie vom Nuckel los kommt... Eine pauschale Lösung für alle Familien gibt es nicht. Horchen sie in sich hinein, ob sie ihrem Kind dieses Bedürfnis erfüllen wollen.
      Was den großen Kampf angeht: Ich denke nicht, dass Sie eine realistische Chance hatten, Ihr Kind da zu beruhigen. Manchmal braucht das Gehirn des Kindes einen großen Knall (Blitzableitertage). Dann müssen wir Eltern die Reibung aushalten. Das haben sie getan. Heute ist ein neuer Tag, eine neue Chance, bedürfnisorientiert zu agieren. Viel Glück! Snowqueen

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  30. Ich habe mal eine Frage zum Thema nächtliche Wutanfälle im Familienbett..meine Grosse ist 3.5, die Kleine gerade 13 Monate alt und seit ein paar Wochen haben wir fast jede Nacht ein nächtliches Drama. Die Grosse wacht auf (meistens, weil die Kleine nachts gerade eher unruhig ist oder ab und zu wacht sie auch einfach so auf) und dann gehts los. Sie fängt an zu jammern und steigert sich rasend schnell in einen zünftigen Wutanfall. Ich brauche oft ewig lange, bis ich herausgefunden habe was sie will (etwas trinken, Lied singen, Bauch streicheln etcetc). Natürlich wird davon die Kleine wach und schreit auch wie am Spiess. Es dauert oft lange, bis sich alles wieder beruhigt und wir weiter schlafen können (und unsere Nachbarn auch :-)
    Eigentlich dachte ich, das wäre alterstypisch, dieses nächtliche Aufwachen, aber nun habe ich den Input bekommen, dass nächtliche Wutanfälle immer Ausdruck davon sind, das etwas im Alltag nicht stimmt. Wie seht ihr das? Wir hatten schon einen eher schwierigen Jahresabschluss und -start (ständig war jemand krank, Grossvater überraschend verstorben).
    Wäre es allenfalls sinnvoll, der Grossen eine Schlaf-Alternative anzubieten (sie hat noch kein Kinderzimmer mit eigenem Bett - sie kann also nur im Familienbett schlafen)?
    Was habt ihr für Tips zum Thema?
    Liebe Grüsse, Bettina

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    1. Liebe Bettina, es kann sicherlich an der stressigen Zeit liegen, die ihr als Familie hattet. Andererseits gibt es wirklich viele Kinder, die nachts mit Wutanfall aufwachen. Der präfrontale Kortex schläft dann halt noch, so dass alle Emotionen ungefiltert und sehr aggressiv rauskommen. Fräulein Chaos hatte das und es war furchtbar anstrengend. Auch, wenn sie zu früh aus dem Mittagschlaf aufwachte, gab es erstmal einen handfesten Anfall. Letzten Endes hilft nur Zeit und liebevolle Zuwendung. Sie können da nichts für und sie können es auch nicht willentlich ändern.
      LG, Snowqueen

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    2. P.S. Klar, Schlafalternative könntet ihr anbieten, aber an dem Wutanfall wird es nichts ändern. Wir haben es so gemacht, dass Elternteil 1 mit Kind1 in einem Zimmer schliefen und Elternteil 2 mit Kind 2 im anderen. So konnten wenigstens 2 Familienmitglieder besser schlafen.

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    3. Liebe Snowqueen, vielen Dank für die Antwort! Das hilft mir schon weiter, zu wissen, dass das viele Kinder haben. Es hat sicher auch etwas mit unserem Alltag zu tun - diese Woche hatten wir alle Ferien - bis anhin kein einziger Wutanfall nachts. Die kleine Schwester war auch nicht mehr krank und somit nachts ruhig. Das mit dem Wutanfall nach dem Mittagsschlaf war hier genau so - Thema ist allerdings erledigt, da sie keinen Mittagsschlaf mehr macht. So oder so brauchen wir ein Kinderzimmer, wo sich auch mal jemand zurückziehen kann (und auch schlafen). LG Bettina

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  31. Hallo liebe Autorinnen des Buches, welches ich seit letzter Woche habe. Ich bin ganz begeistert und habe es fast schon verschlungen, es liest sich sehr flüssig und an einigen Stellen habe ich mich selbst erkannt :-) Wenn ich demnächst mit dem Buch fertig bin, hoffe ich auch eine Lösung zu finden, damit unser Sohn (3) entspannt in den Kindergarten geht. Ich bin mit den Nerven völlig am Ende und konnte mich heute morgen gerade noch so zusammen reißen, dass ich vor den Erzieherinnen nicht in Tränen ausbreche...seit 5 Wochen geht das jetzt so! Da ich aus dem Buch schon etwas gelernt habe, frage ich ihn was los ist und als Antwort bekomme ich nur "aber ich will nicht in den Kindergarten" und alle Erklärung, dass er doch hier mit seinen Kumpels spielen kann bis der Papa ihn dann abholt bringen nichts, er würde sogar lieber mit mir zur Arbeit gehen - aber wenn ich dann weg bin, ist er kurze Zeit später total cool...er ist das einzige Kind, das so einen Alarm macht...naja, mal schauen wie es wird...

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