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Mein Kind läuft ständig weg - was kann ich dagegen tun?


Eine der gefährlichsten unkooperativen Verhaltensweisen ist das Weglaufen. In klassischen Ratgebern wird dazu meist geraten, konsequent zu sein und das Kind bei Regelverstoß an die Hand zu nehmen bzw. in den Buggy zu setzen. Wem man nicht vertrauen kann, der büßt eben mit Freiheitsentzug. Ich möchte diese Lösung nicht verurteilen, weil sie ultimativ ja das Kind schützt - und das ist natürlich das Wichtigste. Ich denke aber, dass es auch hier freundlichere Alternativen gibt, die das Zusammenleben in der Familie vielleicht nicht so zum Kampf machen. Denn selbstverständlich wehren sich die meisten Kinder dagegen, zwangsweise an der Hand laufen oder im Buggy sitzen zu müssen. Oft sehen sie gar nicht ein, dass sie etwas "falsch" gemacht haben. Doch schauen wir zunächst auf mögliche Gründe, warum ein Kind wegläuft.
 

Gründe für das Verhalten

 
Viele Kinder sehen das Weglaufen als Spiel an. Man sieht sie dann kichernd vor den besorgten Erwachsenen fortlaufen, die warnenden Rufe nicht hörend. Sie sind im Spielmodus und sehen keine Gefahr. Andere Kinder haben einen sehr ausgeprägten Jagdinstinkt - vielleicht ein Überbleibsel unserer Vergangenheit als Jäger und Sammler. Wenn diese Kinder eine Katze sehen oder auch eine Taube, einen tollen Fußball etc., dann rennen sie ohne Rücksicht auf Verluste einfach los und jagen hinterher. Dabei sind sie so fokussiert, dass auch sie keine Rufe der Erwachsenen mehr hören. Sie sind kleine Raubtiere und sehen nur noch ihre Beute.  

Hinzu kommt, dass die menschliche Ohrmuschel eher nach vorn gerichtet ist. Wir hören von vorn und von der Seite gut, nicht jedoch von hinten. Rufen die Erwachsenen also von hinten und aus einer relativ großen Entfernung, dann erreichen die Schallwellen kaum noch das Ohr - das Kind hört tatsächlich nur wenig. Ist es dann noch auf etwas anderes konzentriert, filtert das Gehirn dieses Geräusch als nebensächlich weg - und das Kind hört gar nichts mehr von unseren Rufen. Denn so ist unser Gehirn aufgebaut. Unsere Ohren nehmen tagtäglich sehr viel mehr Geräusche auf, als das Gehirn dann verarbeitet. Zu unserem Schutz filtert es in wichtig und unwichtig - dabei passieren eben leider auch Fehler. (Es gibt auch Kinder, deren Gehirn nicht richtig filtert, diese sind dann permanent überreizt, weil sie zu vielen Dingen Aufmerksamkeit geben müssen. Zu viele Reize erreichen sie.)
 
Als letzter Grund für ein Weglaufen von Kindern sei noch genannt, dass Erwachsene sich oft (unbewusst) nicht präzise genug ausdrücken. Oft sagen sie zum Beispiel: "Lauf nur so weit, wie ich dich noch sehen kann." Doch wie weit ist das denn genau? Wie soll das Kind einschätzen, wie weit ein Erwachsener sehen kann, zumal in einem Alter, in dem es kognitiv noch nicht eine Situation aus den Augen eines anderen betrachten kann? Für unsere Kinder sind wir in dem Alter, in dem sie normalerweise weglaufen, doch noch Superhelden, die ALLES können. Sie können einfach noch nicht einschätzen, dass wir sie durch die Hecke oder hinter den Autos nicht mehr sehen können! Damit ist das Weglaufen dorthin, wo die Eltern es nicht mehr sehen können, keine böse Absicht, sondern schlicht und einfach das Ergebnis der Annahme, dass wir Eltern unfehlbar sind. Sie denken, wir können kilometerweit und um die Ecke gucken - dass dem nicht so ist, ist unseren Kindern nicht bewusst.

 

Lösungen für das Verhalten

 

1. Fange spielen vermeiden

 
Meine Töchter sind mittlerweile 5 Jahre alt und ich spiele mit ihnen gerne Fange. Auf dem Spielplatz rase ich ihnen hinterher und bin das große Krümelmonster, dass die beiden kleinen leckeren Kekse da vor mir essen will. Dabei wird ausgiebig gekichert und ich komme mit meinen fast 40 Jahren ziemlich aus der Puste. Hallo Körper? Du warst doch mal echt sportlich? Tja nun... Wenn ihr uns so auf der Wiese beobachten könntet, würdet ihr euch vielleicht wundern, wenn ich euch erzähle, dass ich, bis die Mädchen 3 Jahre alt wurden, niemals, wirklich nie Fange gespielt habe. Ganz bewusst habe ich speziell dieses Spiel gemieden. Und auch bei meinem eineinhalbjährigen Sohn vermeide ich tunlichst, ihm hinterherzurennen.
 
Das liegt daran, dass ich nicht möchte, dass er dieses Spiel mir im Straßenverkehr spielt und vor mir wegrennt, wenn es gefährlich ist. Denn er kann noch nicht zwischen den Situationen "Fange spielen erlaubt", "Fange spielen gefährlich" unterscheiden. Für ihn ist der Ort egal, an dem er kichernd davontorkelt, um sich wieder einfangen zu lassen. Für ihn ist es ein Spiel, egal, ob er dabei auf die Straße rennt, oder auf dem sicheren Spielplatz. Es wäre eine Überforderung, von ihm zu verlangen, erst abzuwägen, ob das Fangespiel gerade situativ und ortstechnisch passend ist.
 
Ich renne ihm also niemals hinterher, und ich greife ihn auch nicht von hinten am Arm oder der Jacke. Wenn es vorkommt, dass er einen anderen Weg einschlägt, als ich, renne ich zwar manchmal schnell hinter ihm her, solange er sich nicht umsieht, schlendere aber sofort betont langsam, wenn ich in sein Blickfeld gerate. Ich überhole ihn dann mit großen Schritten, aber nicht hektisch, drehe mich zu ihm um und beuge mich herunter, um ihn von vorn zum Stoppen zu bewegen. So kommt bei ihm niemals das Gejagt-werden-Gefühl auf, das ja bekanntlich der Initialzünder für das spielerische Weglaufen ist. Ich jage ihm nicht hinterher - ich stelle mich ihm von vorn in dem Weg und habe dann auch gleich seinen Augenkontakt, um seine Aufmerksamkeit und sein Zuhören zu sichern.
 
Es mag euch schade vorkommen, das schöne Fange-Spielen zu unterlassen und ich kann das verstehen. Aber es ist ja nicht für immer verboten, sondern schlicht nach hinten verschoben. Ab etwa drei Jahren (das kann von Kind zu Kind variieren - entschiedet das für euer Kind selbst) sind unsere Kinder kognitiv in der Lage zu verstehen, dass Fange-Spielen auf dem Spielplatz prima ist, aber im Straßenverkehr nicht. Dann könnt ihr immer noch so viel hinter euren Kindern herrennen, wie eure Puste zulässt.
 

2. Verkehrstraining

 
In dem Moment, in dem eure Kinder Laufen lernen, sind sie bereit für Verkehrstraining. Das fängt zunächst sehr simpel an. Wenn ihr mit euren Einjährigen an eine Straße kommt, haltet ganz bewusst an, zeigt auf den Bordstein und sagt: "Stopp! Das ist eine Straße. Hier darfst du nur mit Mama oder Papa rüber". Dann nehmt ihr euer Kind an die Hand. Immer. (Es sei denn, natürlich, es sitzt im Buggy oder in der Trage.) Kommt ihr an eine Ampel, dann zeigt auf die Ampelfarbe und sagt: "Die Ampel ist rot. Wir müssen anhalten. Stopp!, sagt die Ampel." Ich mache dabei auch immer eine Stopp-Gebärde und singe die erste Strophe des Ampellieds. Wenn die Ampel auf Grün umspringt, sage ich betont erfreut: "Daaaa! Die Ampel ist grün! Nun können wir gehen. Nun halten die Autos an". 

Der Sinn hinter diesem sehr frühen Verkehrstraining ist, dass unsere Kinder mit etwa 12 Monaten noch nicht in Frage stellen, was wir ihnen sagen. Die Autonomiephase hat noch nicht begonnen. Sie orientieren sich stark an uns, um die Welt überhaupt einmal zu begreifen und imitieren uns deshalb gern. Was wir sagen, wird von ihnen als unumstößliche Gegebenheit angenommen. Wird ihnen von uns in diesem Alter gezeigt, dass es wichtig ist, an Straßen zuverlässig anzuhalten, bei Rot nicht über die Straße zu gehen und auf die elterliche Hand zur Überquerung zu warten, dann prägt sich das so fest ein, dass es auch später, wenn sie ihre eigenen Wege gehen wollen, abgerufen wird. Sie werden auch mit 2 oder 3 Jahren an der Straße anhalten. Weil sie es immer schon so gemacht haben.
 
Zum Verkehrstraining gehört übrigens auch, euren (auch etwas älteren) Kindern nicht alle Entscheidungen abzunehmen. Ein Kind, dass immer nur mitläuft, fängt nämlich irgendwann an zu träumen. Es ist nicht mehr konzentriert auf die Gefahren der Straße. Das mag an eurer Seite nicht schlimm sein, denn ihr passt ja auf - aber wenn es das immer so macht, dann gewöhnt sich das Gehirn daran, dass es im Straßenverkehr in den Tagtraummodus gehen kann und das könnte bedeuten, dass das Kind, wenn es allein zur Schule unterwegs ist, auch träumt, statt aufzupassen. Ich sage nicht, dass ihr ständig und überall eure Kinder auf Gefahren aufmerksam machen sollt. Was ich meine ist, sie an kleineren Straßen entscheiden zu lassen, wann ihr alle hinübergehen könnt oder sie zu bitten, euch den Weg vom Kindergarten nach Hause oder von zuhause zum Spielplatz zu zeigen. Besprecht mit ihnen, in welcher U-Bahn ihr fahrt, an welcher Station ihr normalerweise aussteigt usw. Zeigt ihnen einfach, dass es wichtig ist, im Verkehr aufmerksam zu bleiben - dann fängt ihr Gehirn nicht an, in wichtigen Situationen zu träumen.
 

3. Klare Absprachen treffen - vorher

 
Wie ich oben bereits erklärte, denken unsere Kinder, dass wir Superhelden mit Superkräften sind. Ihnen ist einfach nicht klar, wie weit wir gucken können und wie weit "so, dass ich dich noch sehen kann" ist. Deshalb ist es wichtig, mit Kindern klare Absprachen zu treffen, und zwar bevor sie losrennen, denn sonst hören sie uns nicht mehr gut. Ihr könntet zum Beispiel sagen: "Du darfst bis zur nächsten Laterne laufen". Im Park eignen sich Kurven als Markierung: "Du kannst bis zur nächsten Kurve rennen. Dahinter sehe ich dich nicht mehr, also bleib stehen". Auf dem Spielplatz ist es sinnvoll, eine imaginäre Linie mit den Kindern abzulaufen: "Im Gebüsch kann ich dich nicht sehen - du darfst bis hier spielen, damit ich dich immer im Blick habe. Hier vor dem Gebüsch ist die Linie, ja?"
 
Oft werde ich von verzweifelten Zweifachmüttern angesprochen, wie sie das denn machen sollen, wenn ihr großes Kind mit dem Laufrad vorfahren will, sie aber mit dem Kleinkind oder Baby nicht schnell genug hinterher können. Die Großen würden dann anfangen, sich zu langweilen und dann doch schon weiter wegfahren (also weglaufen...). Die Antwort ist so einfach, dass sich die meisten Mütter dann an die Stirn klatschen, wenn ich sie ihnen vorschlage. Sagt zu eurem großen Kind: "Du darfst bis zum .... vorfahren. Wenn dir langweilig ist, weil wir zu langsam sind, dann fahr wieder zu mir zurück, ok? Du kannst immer hin und her fahren, bis ich mit dem Baby den Weg auch geschafft habe". Normalerweise ist das eine Lösung, die alle Beteiligten gut gefällt und deswegen problemlos klappt. Langeweile ist ein großer Risikofaktor fürs Weglaufen, deshalb werde ich weiter unten noch etwas ausführlicher darüber schreiben.
 

4. Im Notfall: Leinenrucksack

 
Es gibt, wie ich oben schon schrieb, Kinder mit ausgeprägtem Jagdinstinkt, bei denen der Impuls, loszurennen, jegliche antrainierte Verhaltensweisen überschreibt. Selbst, wenn sie ausgiebiges Verkehrstraining hatten, kann es sein, dass diese Kinder nicht anhalten, wenn eine Straße kommt oder sie viel zu weit weg von den Eltern sind. Auch bei Zwillingen gibt es manchmal das Problem, dass Eltern, die allein mit den beiden unterwegs sind, mächtig ins Schwitzen kommen, weil der eine hierhin und der andere dorthin strebt. Wem sollen sie folgen? Und warum rennen die nicht mal in eine Richtung?!
 
Für solche Notfälle würde ich einen Leinenrucksack nutzen. Ich weiß, dass diese umstritten sind und selbstverständlich sind unsere Kinder keine Hunde. Aber ganz ehrlich? Ich möchte lieber in der Lage sein, mein Kind an der Leine von der Straße zu reißen, als mit ansehen zu müssen, wie es unter ein Auto gerät, weil ich nicht schnell genug hinterher konnte.

Liebe imaginäre Leserin, die du jetzt gern einen bissigen Kommentar schreiben willst, wie schlimm Leinenrucksäcke für ein Kind sind: Ich finde es bewundernswert, dass du es bei deinen acht Kindern ohne geschafft hast. Und dass sie immer ganz brav im Straßenverkehr gehört haben. Und doch - lauf doch erst einmal selbst in den Schuhen von Zwillingseltern oder kleinen Jägern, bevor du dir ein Urteil erlaubst. Ein Leinenrucksack ist kein Foltermittel und auch nicht demütigend (also zumindest nicht, wenn das Kind nicht schon 5 Jahre alt ist), sondern eine zusätzliche Sicherheit, wenn Kinder sich rigoros weigern, an der Hand zu laufen oder sich in den Buggy setzen zu lassen. Punkt.
 
Normalerweise nehmen die Kinder diese Rucksäcke nicht als Leine wahr. Für sie ist es ein lustiges Tier mit langem Schwanz, das sie da auf dem Rücken tragen. Anders als Mamas Hand oder der Buggy bewerten sie den Rucksack auch nicht als Einschränkung ihrer Freiheit, es sei denn, er wird zu oft genutzt. Die Eltern sollten wirklich nur an viel befahrenen Straßen den Leinenschwanz in die Hand nehmen und das Kind ansonsten frei mit Rucksack laufen lassen. Wichtig ist, auch trotz der Sicherung das Verkehrstraining mit den Kindern durchzuführen.
 

Wann nicht wegzulaufen zu viel verlangt ist

 
Ich bin von einer Mutter eines Zweijährigen gefragt worden, was sie machen solle. Ihr Sohn würde auf Spielplätzen immer nur kurz mit den Geräten spielen und dann einfach weglaufen, vom Spielplatz herunter. Sie würde sich gern einfach mal wie andere Eltern auf eine Bank setzen und ausruhen, während ihr Kind auf dem Spielplatz spielt. Aber das ginge bei ihrem Sohn gar nicht. Sie fragte mich, wie sie ihrem Sohn das Weglaufen abgewöhnen könne, denn das wäre ja ein wirklich problematisches Verhalten, weil er natürlich außerhalb des Spielplatzes auf eine Straße rennen könne.
 
Wenn wir uns diese Situation genauer angucken, dann kollidieren hier zwei Bedürfnisse miteinander: Das Bedürfnis des Jungen, zu laufen, und das Bedürfnis der Mutter, sich auszuruhen. Und so sehr ich die Mutter verstehen kann - ich denke, dass sie ihr Bedürfnis in diesem Moment zurückstecken muss. Problematisch das das Verhalten des Kindes nämlich ganz und gar nicht. Er ist eben ein Kind, das lieber läuft, als auf dem Spielplatz zu spielen. Problematisch ist nur das Umfeld, in dem er sich befindet: Der Spielplatz ohne Eingrenzung und die Straßen drum herum. Es muss sich also nicht das Kind ändern, sondern sein Umfeld! Wenn die Mutter mit ihrem Sohn in den Park geht, kann er so viel vorlaufen, wie er will, denn es kann ihm nichts passieren. Auch auf einem eingezäunten Spielplatz wäre das möglich, allerdings denke ich, dass es ihm dort schnell langweilig werden würde, da er nun einmal kein Spielplatzkind ist. Viel besser wären wilde, unbebaute Flächen mit vielen Steinen und Stöckern - ich denke, dass er dort genug zum Spielen finden würde und die Mutter sich vielleicht sogar mal kurz hinsetzen könnte.
 
Von diesem Läufer-Kind zu verlangen, auf einem Spielplatz nicht wegzurennen, ist eindeutig zu viel verlangt! Sein Bedürfnis spricht dagegen. Diesem wird er immer folgen. Bestehen wir als Eltern darauf, dass er auf dem Spielplatz zu bleiben hat und bringen ihm bei, dass er dort nicht wegzulaufen hat (indem wir mit ihm schimpfen, wenn er es tut z. B.) machen wir einen gravierenden Fehler. Denn dann suggerieren wir dem Kind, dass etwas an ihm nicht in Ordnung ist, dass er eigentlich in der Lage sein müsste, wie alle Kinder auf dem Spielplatz zu spielen. Wir prägen sein Selbstbild auf negative Weise. Denn eigentlich ist er ja vollkommen in Ordnung, so, wie er ist. Er ist halt ein anderer Spieltyp, als die anderen Kinder, aber das ist doch okay. Es müssen nur die äußeren Umstände stimmen, schon ist sein Spielverhalten nicht mehr problematisch, sondern toll. Er ist ein Entdecker und konzentriert sich dann am besten, wenn er durch den Park stiefelt und Steinchen sucht. Schafft es seine Mutter, auf sein Bedürfnis zu hören und die Spielbedingungen für ihn zu verändern, kann er mit einem anderen Selbstverständnis aufwachsen: Dass er gut so ist, wie er ist.
 
Es gibt noch eine zweite Situation, in der das Nicht-Weglaufen zu viel verlangt ist: Wenn Kinder warten sollen. Eine Freundin von mir war mit ihrer 4-Jährigen einmal im Hotel. Auf dem Hotelgang fiel ihr ein, dass sie etwas im Frühstücksraum vergessen hatte und sagte zu ihrem Kind: "Warte hier, ich bin gleich wieder da. Nicht weggehen!". Als sie nach etwa 10 Minuten wieder oben war, war ihre Tochter doch weg. Ihr könnt euch ihren gewaltigen Schreck vorstellen. Tausende Gedanken rasten in ihrem Kopf, sie hatte eine Höllenangst. Panisch rannte sie durch die Gänge, zu den Treppen und zum Fahrstuhl und rief immer wieder nach ihrer Tochter. Am Ende fand sie sie in der Lobby. Das Mädchen sagte: "Ich habe dich gesucht, Mama!" Was war geschehen? Warum hatte das Kind nicht einfach dort gewartet, wo ihre Mutter sie stehen gelassen hatte?
 
Zunächst einmal hatte die Tochter sehr wohl gewartet. Fünf Minuten hatte sie in etwa ausgehalten. Dann hatte sie die Angst gepackt in diesem Hotelflur und sie wollte ihre Mutter wieder sehen. Also lief sie ihr die Treppen hinunter entgegen, da sie wusste, dass die Mutter in den Frühstücksraum wollte. Damit verpasste sie ihre Mutter haarscharf, denn diese war mit dem Fahrstuhl nach oben gefahren.
 
Das Problem an der Situation war, dass die Mutter das Mädchen "in den Leerlauf" geschickt hatte. "Leerlauf" sind Zeitabschnitte, in denen Kinder keine andere Handlungsanweisung haben, außer "warten". Warten kann ein Kind aber nur sehr kurz, denn es hat keine gute Zeitvorstellung - manche Minuten kommen ihm vor wie Stunden, manche Stunden wie Minuten. Soll ein Kind also ohne Beschäftigung warten, passieren zwei Dinge: Entweder, es bekommt Angst und will zu seinen Eltern (in unbekannten Umgebungen) oder ihm wird langweilig und es sucht sich eine Beschäftigung (in bekannten Umgebungen). In beiden Fällen läuft das Kind scheinbar weg - es verlässt den Ort des Wartens.
 
Möchtet ihr, dass euer Kind irgendwo kurz wartet, dann vermeidet "Leerlauf" und gebt klare Handlungsanweisungen, bevor ihr geht. "Ich bin 5 Minuten weg. Du kannst hier im Hotelflur hoch und runter laufen und zählen, wie viele Schritte du brauchst. Ich komme gleich wieder mit dem Fahrstuhl hoch". "Warte hier, ich hole kurz Brötchen und bin gleich wieder draußen. Das dauert zwei Minuten. Du kannst hier auf der Wiese so lange Blumen pflücken". "Ich muss nochmal was aus der Wohnung holen. In fünf Minuten bin ich wieder da. Willst du in der Zeit vom Treppenabsatz springen? Du kannst mir dann zeigen, wie hoch du dich traust". Ganz wichtig ist natürlich, dass die vorgeschlagene Beschäftigung genauso lange anhält, wie ihr weg seid. Ist die Beschäftigung zu langweilig, gerät das Kind wieder in den Leerlauf und könnte auf die Idee kommen, sich etwas anderes zu suchen.
 
Für die Junglehrer unter euch gilt dieser Punkt übrigens auch - sobald eure Schüler in den Leerlauf geraten, weil sie keine Aufgaben haben, werden sie unruhig und es kommt zu Unterrichtsstörungen. Ihr müsst daher darauf achten, dass eure Schüler immer genau wissen, was sie als nächstes tun können, auch, wenn sie mal warten müssen, weil ihr zum Beispiel etwas an die Tafel schreibt....
 

Unsere Serie zur kindlichen Kooperation

 
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zur kindlichen Kooperation. Im ersten Teil dieser Serie haben wir erklärt, warum Kinder nicht kooperieren wollen. Im zweiten Teil gingen wir darauf ein, wie wir unsere Kinder ganz allgemein wieder zum kooperieren bringen können. Ergänzt wurde dieser Text mit Teil 3 der Serie, in der Snowqueen tagebuchartig verbloggte, wie viel sie und ihre Kinder am Morgen kooperieren.
 
In den weiteren Artikeln haben wir alltägliche Situationen betrachtet, die früher oder später in fast allen Familien zu Konflikten führen:
 
 
 
© Snowqueen

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Kommentare:

  1. Hallo, vielen Dank für eure tolle Serie zur Kooperation! Ich habe schon sehr viel daraus mitnehmen können, vor allem den Blick dafür, wie viel meine Tochter tatsächlich kooperiert. Ein Thema, das mir noch unter den Nägeln brennt, ist das Aufräumen. Meine Tochter (genau 2 Jahre) spielt oft schon schön allein. Ich würde ihr gern beibringen, das alte Spielzeug aufzuräumen, bevor sie ein neues herausholt. Ich merke aber, dass ich sie in ihrem Flow störe, wenn ich sie unterbrechen und zum aufräumen anhalte. Wenn sie allerdings "fertig" gespielt hat, ist es auch schwierig, dass sie aufräume, da sie dann schön wieder andere Bedürfnisse hat, z.B. müde ist und mit mir kuscheln möchte. Selbst wenn wir zusammen aufräumen, möchte sie eigentlich nur auf meinem schoß sitzen und mich die Arbeit machen lassen, oder sie hängt an meinem arm und wird bockig, wenn ich sie auffordere mitzumachen. Habt ihr eine Idee dazu? Erwarte ich zu viel von ihr? Liebe Grüße, Leila

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    1. Liebe Leila, eigentlich war zum Aufräumen kein Artikel geplant. Aber ich denke mal intrensiv drüber nach, vielleicht fällt mir doch was ein. LG, snowqueen

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  2. Hihi, der Absatz über die imaginäre Leinengegnerin war sehr lustig. ;)

    auch sonst ein sehr schöner Artikel - wie immer vielen Dank!

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  3. Hallo, eine ganz tolle Serie!
    Wir haben seit längerem Probleme mit Windeln wechseln. Mein Kleiner ist 1,5 und mag das Windeln wechseln überhaupt nicht. Ich muss mir immer ein besonderes Unterhaltungsprogramm ausdenken (Buch anschauen etc.), damit wir im Stehen wickeln können.
    Hast Du dafür auch eine praktikable Empfehlung?

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    1. Mist - meinen "Geheimtipp" zum Wickeln kennst du damit schon. Ich würde raten, im Stehen zu wickeln. Ich habe den Artikel schon angefangen zu schreiben, jetzt bin ich aber erst einmal an "Medikamente nehmen" dran. Danach schreibe ich den Windelartikel fertig. LG, snowqueen

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    2. Als Ergänzung zu meinem untenstehenden Wickeln-Artikelwunsch ;-): Im Stehen wickeln macht bei uns leider auch keinen Unterschied. Er bekommt schon die Krise, wenn das Thema aufkommt. Auf die Toilette gehen wird grad erst so interessant, aber nur schleichend...

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    3. Eine tolle Artikelserie!

      Meine Tipps zum Wickeln:
      Wenn die Kinder schon nicht selbst bestimmen können, OB sie gewickelt werden, lasst sie bestimmen, WO sie gewickelt werden. Wenn meine Tochter (23 Monate) gerade spielt, möchte sie nicht auf den Wickeltisch. Sie darf sich dann aussuchen, ob sie auf dem Boden, auf dem Teppich, auf dem Sofa oder auf dem Couchtisch gewickelt wird. Das klappt ganz gut.
      Manchmal hilft es auch, das Spielzeug mitzunehmen, was gerade bespielt wurde (jedenfalls bei Duplo-Steinen geht das ganz gut; die Kinderküche kann man natürlich nicht mitnehmen ;-)).
      Wenn sie sich beim Wickeln windet und keine Lust mehr hat, sage ich "aber dein Popo ist ganz dreckig, schau mal" und ich zeige ihr das dreckige Feuchttuch. Das findet sie lustig und lässt mich dann auch den Rest sauber machen.

      Vielleicht helfen die Tipps ja irgendwem!

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  4. Schöner Artikel. Ich wohne in Frankreich und als mein Sohn mit zwei von seinem kleinen Bruder aus dem Kinderwagen 'verdrängt' wurde, haben wir auch eine Leine angeschafft und in erst kleinen und dann immer größeren Runden das Verhalten im Straßenverkehr geübt. Nach sieben Monaten brauchte ich die Leine fast gar nicht mehr. Er läuft jetzt lieb am Kinderwagen mit und bleibt an meiner Seite. Habe hier eher positives Feedback bekommen. Viele tagesmütter machen es auch so.
    Wir haben weder buggyboard noch geschwisterwagen. Er ist ein sehr guter Läufer und ich bin froh, dass wir die Leine benutzt haben. Meiner Meinung nach hat ein Kind so trotzdem mehr Bewegungsfreiheit als einfach in den buggy geschnallt zu werden. Da sind sie schließlich auch angeschnallt. Und ab dem zweiten Kind geht für mich im Straßenverkehr einfach die Sicherheit vor.....
    Man kann es vielleicht auch fast so sehen, dass die Leine der Mutter die Sicherheit gibt, die sie braucht, um sich rauszutrauen ...:)
    Schönen abend

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  5. Hach, ist das mal schön, einen Text über ein Problem zu lesen, das wir NICHT haben;) Beide Kinder haben das nie gemacht, obwohl sie beide so gut wie nie an der Hand laufen. Ich kann mir vorstellen, welche Ängste solche Weglauf-Kinder in ihren Eltern auslösen. Der beste Freund meines Sohnes war ein Weglaufkind. Mittlerweile mit 4 1/2 ist alles wieder normal. Kann man eigentlich sagen, dass solche Kinder kaum Probleme mit Trennungen haben? Ich hatte immer das Gefühl, dass, so wie meine Kinder mich nicht weit von sich weg ließen, sie sich auch selbst nicht weit von mir weg bewegten, weil sie so trennungsschmerzgeplagt waren/sind. Oder ist das bei uns eher Zufall?
    Liebe Grüße!

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    1. Es ist einfach Charaktersache, glaub ich. Ich habe zwei Jäger-Kinder im Freundeskreis (einer in München, einer in Hamburg), die hielt auf dem Spielplatz nichts, wenn sie "Witterung" aufgenommen hatten. Aber beide brauchten eine sehr behutsame, langsame Eingewöhnung im Kindergarten und mögen es immer noch, einschlafbegleitet zu werden bzw. nachts bei den Eltern zu schlafen.
      LG, snowqueen

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  6. Vielen vielen Dank für diesen tollen Artikel! Als Mami eines freiheitsliebenden Kindes kommen mir sehr viele beschrieben Situationen bekannt vor. Als ich den Absatz über's Fangen spielen gelesen habe, habe ich mir an die Stirn gefasst. So eine simple Idee, die so viel bewirkt! Ich wünschte ich hätte das früher gewusst! Jetzt ist unsere Maus schon dreieinhalb und kommt im Straßenverkehr ganz gut zurecht und ich kann ihr mehr vertrauen.
    Sehr schön fand ich auch den Absatz über den Leinenrucksack. Sowas hatten wir zwar nie, aber ich finde es gut, dass man andere nicht verurteilt bevor man nicht selbst in der Situation steckte. Das gilt in vielen Lebenslagen. :)
    Vielen Dank für die tollen Tipps und die liebevolle Betrachtung und Blickwinkel der Kinder!

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  7. Ich wünschte ich hätte diesen Artikel vor Jahren gelesen! Mein Sohn war zwischen 10 Monaten und 3 das größte Weglaufkind und die Erzieher in der Unikrippe haben mir immer eingeredet, dass er nicht normal sei und ich ihn besser erziehen und in einen Integrationskindergarten geben soll. Als junge Studentenmutter war ich leider extrem verunsichert und bin dann total ins straucheln gekommen und dachte ich würde alles falsch machen. Jetzt mit 4 ist er immer noch ein Entdecker. Aber er ist jetzt in einem ganz tollen Kindergarten in dem sie auf die Kinder ganz individuell eingehen und akzeptieren wie sie sind. Und siehe da. Seither weiß er besser Bescheid als die meisten Erwachsenen und ist echt selbstständig im Straßenverkehr, so dass ich mich ohne Probleme auf meine kleine frisch laufende Tochter konzentrieren kann, die auch wieder eine neugierige Weltentdeckerin ist und mich auf Trab hält. Aber jetzt habe ich ja viele Tipps an der Hand wie ich damit richtig umgehen kann ohne ihre Integrität zu verletzen! In die Krippe geb ich sie nach dieser Erfahrung nicht mehr. Da muss dss letzten Studienemester warten. Danke für diesen tollen Artikel! :)

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    1. Das ist etwas, was ich sehr schlimm finde - dass Kindern in unserer Gesellschaft oft eingeredet wird, mit ihnen würde etwas nicht stimmen, nur weil sie mit den äußeren Umständen inkompatibel sind. Da wird dann am Kind herumerzogen, statt das Umfeld zu ändern. Seufz. Wie gut, dass dein Sohn nun eine liebevolle, unterstützende Kita gefunden hat!
      LG, snowqueen

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  8. Hier auch: Bitte gerne noch mal das Thema "Wickeln" behandeln!
    Eure Artikel sind wirklich immer gut recherchiert und wirklich anregend (auch dazu, das ein oder andere neue Buch anzuschaffen)! Im Zuge des Lesens reflektiere ich immer wieder und immer mehr unseren täglichen Umgang miteinander, und das hat schon einiges positiv verschoben. An ein paar Punkten bin ich aber auch noch ziemlich ratlos: Mein Sohn ist 22 Monate alt, und er hat schon sehr früh deutlich gemacht, was ihm nicht gefällt. Wickeln gehört schon lange dazu (und Zähneputzen, Waschen, Anziehen... die Klassiker). Ich fand den Artikel zu den beispielhaften morgendlichen Tagesabläufen super und habe gleich mal versucht, auch ein bisschen Druck aus den Dingen zu nehmen - mit dem Pulli einfach nochmal wiederkommen, Zahnbürste bereitlegen und abwarten, ob er meiner Aufforderung zum Putzen vielleicht gleich doch von selbst nachkommt... ich bin schon oft positiv überrascht vom Ergebnis gewesen! Aber es macht mich manchmal WAHNSINNIG, wenn er sich trotz übervoller Windel nicht wickeln lässt und ich denke "die muss aber JETZT ab, weil keine Zeit mehr/riecht gemein/wird wund...". Und er findet Wickeln eigentlich immer doof (das meiste ist ja grad sowieso erstmal "nein" ;-) ). Und ich finde es doof, ihn zu zwingen und festzuhalten. Ablenken funktioniert kaum. Tipps?!

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  9. Wiedermal mal ganz prima Artikel�� Mich würde nochmals das Thema Tragen interessieren. Meine Tochter ist 2 Jahre. Sobald es an der Haustür klingelt will sie auf meinen Arm....als hätte sie Angst. Auch wenn Besuch kommt weicht sie kein Stück von meiner Seiten. Wenn wir bei Freunden sind das gleiche, auch wenn noch so interessantes Spielzeug da ist, bewegt sie sich nicht einen Millimeter von mir weg. Wenn andere Kinder bei uns sind, bringt sie schnell ihr Spielzeug in Sicherheit...weil ja alles weggenommen wird. Den Artikel zum Thema Teilen habe ich gelesen....das gibt sich ja noch aber diese Scheu vor anderen Menschen macht mir etwas Sorgen. Gibt sich das noch oder ist sie einfach ne Einzelgängerin? Sie sieht dann immer so traurig aus...das tut mir leid:'(

    LG

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  10. Hallo,
    auch von mir vielen Dank für die sehr hilfreichen Artikel zur Serie.
    Was ich sehr interessant fände, wären die Themen 'Kooperation in der fremdbetreuung, wenn die Tagesmutter in alten Erziehungsmustern steckt' und der beste Umgang mit einem andauernden quietschen sobald eine Kleinigkeit nicht passt.

    Unser Sohn geht seit einem Jahr als er ein Jahr alt wurde zur Tagesmutter. Eingewöhnung ging sehr lang, aber da hat sie gut mit gemacht und uns die Zeit gegeben.
    Seit ein paar Wochen ist ein Mädchen mit 11 Monaten neu bei der Tagesmutter dabei. Er hat gleich immer von ihr erzählt. Ich glaube er mag sie sehr. Jetzt hat er mir erzählt, dass er sie auf den Kopf gehauen hat. (von der Tagesmutter habe ich dazu nichts erzählt bekommen).
    Ich habe dann die Tagesmutter angesprochen und sie hat auf mehre Nachfragen dann erzählt was war.
    Er sucht das Mädchen im Raum, geht hin und haut zu. Ich denke, das ist eine Art Kontaktaufnahme. (Hat er mit seinem 1 Monat alten Bruder auch schon versucht.)
    mein Problem an der Sache ist die Reaktion der Tagesmutter. Sie spricht ihn streng an und nach 3-4 mal muss er nach Vorwarnung raus auf einen Stuhl und darf nicht mehr mitspielen.
    Das bestrafen für etwas, was er ja eigentlich sogar nett meint tut mir echt weh. und ich finde auch, dass sie nicht zuschauen dürfte und er 4 mal die Gelegenheit hat sie zu hauen. Da müsste sie doch einfach besser aufpassen. oder ist das falsch gedacht?
    Habe schon versucht mit ihr zu reden und auch drei Artikel von euch habe ich ihr gegeben. aber so recht will sie nicht von ihrer Methode Liebes - und Freiheitsentzug abrücken.
    Im Prinzip stelle ich ja auch durch meine Äußerungen ihre Erziehung und ihren Beruf in Frage.
    Wie ich da weiter vorgehen soll, weiß ich nicht. will sie ja nicht persönlich angreifen und schon gar nicht, dass am Ende mein Sohn darunter leiden muss. Aber ich kann auch nicht zusehen, wie er so bestraft wird und für meine Überzeugung falsch und schädlich behandelt wird.
    Habt ihr da Ideen? Ich denke das wird oft so passieren. und immer die Auswahl für eine passende Betreuung hat man auch nicht immer.
    Viele grüße
    Verena

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  11. Hallo,

    ein ganz toller Artikel! Ich bin eine dieser Mütter, die nach einem 8-Stunden-Tag im Büro immer ganz neidisch auf die anderen Mütter auf der Bank ist, während ich selbst dem Entdecker hinterher renne, der nur zu gerne mit mir fangen spielt. Was ich aber erst durch den Artikel so richtig verstanden habe. Schlimm, schlimm. Man denkt zu kompliziert... Und eigentlich tut uns beiden ja die Bewegung sehr gut. Ich werd mich bessern. ;-)

    Eine Anfrage zu einem Folgethema: Mein Sohn (knapp zwei) ist hart im Nehmen, weint fast nie nach einem Sturz usw. Er ist aber auch zu anderen recht grob. Könntest du dazu ein paar Hilfestellungen geben? Er streichelt sehr gern Tiere und andere Kinder, wirft sie aber auch genau so gern zu Boden und legt sich dann mit der Wange drauf.

    Viele Grüße
    Claudia

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  12. Hallo,
    ich lese schon länger bei eurem Blog mit, habe aber bislang noch nicht kommentiert.
    Was ich noch wichtig finde ist, dass Kinder nicht nur auf Stopp reagieren, sondern danach auch warten, bis der Erwachsene bei ihnen ist. Nach meiner Erfahrung bleiben Kinder sonst stehen, und wenn man sich auf sie zu bewegt, laufen sie gleich weiter. Deshalb habe ich mit meinen Kindern an einem sicheren Ort spielerisch geübt, wie sie auf mein Rufen reagieren sollen. Wenn ich "Stopp" rufe, sollen sie stehen bleiben, bis ich bei ihnen angekommen bin und sie berührt habe. So kann ich ihnen dann auch ruhig sagen, weshalb ich gerufen habe.
    Davor ist meine Große gerne stehen geblieben, hat sich umgesehen, warum ich rufe, und wenn sie die Gefahr nicht erkannt hat (oder ich etwas anderes wollte) ist sie einfach weiter gelaufen.

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  13. Hallo,
    vielen Dank für diese Serie!
    Ich habe keine direkte Frage zum Kooperieren, aber indirekt hat es damit zu tun: Es geht um das Vertrauen ins Kind. Wir trauen unserer 2-jährigen Tochter eigentlich recht viel zu, insbesondere alles, wo sie sich nicht verletzen kann. Allerdings kommt sie mir oft unkonzentriert vor. Eigentlich kann sie alleine Treppen steigen (mit Festhalten am Geländer), aber da blödelt sie oft rum. Ich hab schon das Gefühl, dass sie sich besser konzentriert, wenn ich sie machen lasse, aber ich will natürlich nicht die Gefahr eingehen, dass sie nen ganzen Absatz runtersegelt. Also nehm ich sie zunächst an die Hand (die sie uns oft schon freiwillig hinhält) und lass sie dann die letzten 3,4 Stufen alleine gehen. Leider ist mein Vertrauen dadurch noch nicht wesentlich gewachsen, weil sie weiterhin rumkaspert.
    Ähnlich verhält es sich mit Geschirr. Sie bekommt echtes, aber dann möchte ich auch, dass sie z.B. den Teller mit 2 Händen zum Tisch trägt. So halbwegs könnte sie das auch einhändig, aber dann soll vlt in die andere Hand noch ein Spielzeug und schon ist sie wieder unkonzentrierter.
    Sind wir zu ängstlich? Sollten wir es einfach mal in Kauf nehmen, dass ein Teller kaputt geht? Treppe runtersegeln möchte ich nur sehr ungern ausprobieren ;-)

    Zum Thema Kooperation beim Zähneputzen: bei uns half es, da zunächst einmal Druck rauszunehmen. Sie darf morgens alleine putzen (wobei das oft wegfällt, wenn wir sie halbschlafend zur Kita bringen), aber abends putzen wir. Teilweise macht sie da richtig gut mit, ansonsten hilft zum Lachen bringen. Wer lacht, hat nämlich den Mund auf und kann sich meist auch nicht mehr groß "wehren". Und die Tage, an denen sie vom Putzen nicht genug bekommt, werden natürlich so richtig doll ausgenutzt.

    Liebe Grüße,
    Julia

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    1. Liebe Julia,

      ich hatte ein ähnliches Problem mit meinem Fräulein Ordnung, als sie sehr klein war. Sie kletterte sehr gern und hoch, leider guckte sie dabei irgendwie gar nicht richtig hin. Ich hatte das Gefühl, sie träumt dabei, aber ich wollte natürlich, dass sie sich gut konzentriert. Tja. Mittlerweile weiß ich, dass sie sich damals sehr wohl konzentriert hat: Sie hat nämlich mit den Händen und Füßen gespürt, wo es sicher ist und war innerlich so darauf fokussiert, dass ihr Blick nach außen hin eben so abwesend wirkte....

      Ich denke, dass sie spürt, dass du unsicher bist und ihr nicht vertraust - deshalb verhält sie sich möglicherweise so (sie erfüllt deine unausgesprochenen Erwartungen). Vielleicht kannst du das Treppesteigen Schritt für Schritt lockern. Sie geht zwar nicht mehr an deiner Hand, aber du läufst vor ihr, damit sie nicht die gesamte Treppe runterpurzeln kann? So habe ich angefangen bei meinem Sohn. Er hatte die Verantwortung für sich, aber ich war das Sicherheitsseil.

      Und zum Tellertragen: Trägst du denn den Teller mit beiden Händen? Oder mit einer? Sie wird sich das vielleicht von euch abgeschaut haben? Wenn du es verschmerzen kannst, würde ich sie da ihre Erfahrungen machen lassen. Wenn sie den Teller mit einer Hand trägt, purzelt ja auch das Essen runter - eigentlich müsste sie dann automatisch die zweite Hand dazu nehmen, um das Essen zu retten.

      LG, snowqueen

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  14. Liebe snowqueen,

    Wie schon die ganze Kooperationsreihe ist auch dieser Artikel mal wieder ganz toll! Vielen Dank dafür!
    Nun zu meiner Frage, unsere 9 1/2 Monate alte Tochter krabbelt manchmal während wir spielen einfach aus dem Raum, oft setzt sie dich dann im Flur hinter die Tür und guckt uns an als wolle sie uns auffordern ihr hinter her zu kommen. Manchmal machen wir uns einen Spaß drauß und krabbeln ihr hinterher, gerne dann auch mit den Worten "gleich hab ich dich". Manchmal wartet sie einfach auf uns, manchmal krabbelt sie schnell weiter. Sind das schon erste Züge des "Fangen Spielens" ?? Sollten wir das lieber lassen oder ist das wirklich erst aktuell wenn sie läuft? Bin grade etwas verunsichert.

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    1. Ja, das sind schon die ersten Züge des Fange Spielens und ja, ich würde zumindest das "Gleich hab ich dich!" lassen. Wenn sie aus dem Zimmer krabbelt und dann hinter der Tür auf euch wartet bedeutet das einfach nur: "Komm mit, ich will dir etwas zeigen." oder "Komm mit, ich will woanders spielen." - dieser Aufforderung könnt ihr krabbelnd oder gehend nachkommen. Aber eben den Fang-Impuls weglassen. Was ich mit meinen Babys gern gespielt habe ist, VON VORN aus der Krabbelposition wie eine Löwenmama auf allen Vieren auf sie zuzuspringen und sie vorsichtig dabei umzukippen (nach hinten, aber in meine ausgestreckten Arme). Das ist der gleiche aufregende Reiz wie beim Fange-Spielen, aber aktiviert nicht den Weglauf-Impuls.
      LG, snowqueen

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  16. Hallo! Die Artikel finde ich wirklich gut und habe schon viel gelernt. Vielleicht habt ihr auch einen Tipp für die Schlafsituation unserer Tochter, 1,75. Bis vor kurzem war der Mittagsschlaf kein Problem. Wir gingen um elf und Bett, haben noch ein paar Kinderlieder angeschaut und dann ist sie kuscheln an mir eingeschlafen. Im Moment will sie nach den Liedern aber immer wieder aufstehen. Allerdings weiß ich, das sie müde ist, weil sie sofort einschläft, wenn ich Auto fahre. Und abends dasselbe, sie ist müde, will aber nicht ins Bett. Ich habe das Gefühl, dass sie ihre Müdigkeit nicht annehmen kann und sie wegschiebt. Wir haben feste Rituale, wir begleiten sie beim Einschlafen und sie schläft bei uns im Beistellbett. Sie wacht teilweise recht oft auf und weint manchmal auch sehr lange, bis die wieder einschlafen kann. Außerdem will sie keinen Schlafsack mehr, dann wirft sie sich aber meist noch mehr hin und her, bis sie endlich einschläft. Im Mai bekomme ich das zweite und es graut mir etwas vor der Schlafsituation. Außerdem könnte ich auch ganz konkrete Tipps gebrauchen: Um wen kümmere ich mich zuerst, wenn beide weinen? Was macht man, wenn sie sich nachts gegenseitig aufwecken? Wie reagiere ich, wenn die Große sagt, das Baby soll weg und ich soll es nicht halten? Ist ambulante Geburt besser, damit man so schnell wie möglich wieder daheim ist, oder soll man die ersten Tage die Ruhe vor dem Sturm mit Baby allein genießen? Ich denke, ihr könnt euch ein Bild machen. Vielen Dank für Anregungen, Ratschläge und Tipps!
    Viele liebe Grüße! Tanja

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  17. Hallo,
    Ich möchte dir erstmal ganz herzlich danken für diese tolle Serie zur Kooperation.
    Meine Tochter ist jetzt 1,5 Jahre und kooperiert wirklich sehr sehr häufig und im Grunde haben wir auch wenig reibungspunkte im Moment, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich ihr so viele Freiheiten wie möglich lasse. Bei ihrem Papa ist das ein wenig anders, die beiden bekommen sich auch öfter in die Haare.

    Mein einziges wirkliches Problem mit meiner Tochter ist im Moment das Verhalten auf der Straße.
    Ich versuche sie so oft wie möglich neben dem Kinderwagen laufen zu lassen, denn jetzt ist sie noch nicht so schnell, wenn sie anfängt zu rennen, dass ich nicht hinterher komme.
    Wir wohnen in der Innenstadt und sind immer wieder gezwungen an wirklich stark befahrenen Straßen entlang zu laufen.
    Meine Tochter weigert sich aber komplett an meiner Hand zu laufen. Ab und zu lässt sie es zu, dass ich ihre Hand kurz nehme, aber nach spätestens zehn Sekunden reißt sie sich wieder los.
    Auch wenn wir über die Straße gehen, will sie sich nicht an die Hand nehmen lassen. Sie versucht dann ihre Hand aus meiner zu reißen, lässt sich einfach nach hinten fallen ( wenn ich in den Momenten nicht so schnell reagieren würde, würde sie mit voller Wucht mit dem Hinterkopf aufs Pflaster knallen), kratzt mich, beißt mich, haut mich, versucht mich wegzuschieben.
    Ich finde das furchtbar, weil das eigentlich nicht unsere Art ist miteinander umzugehen. Häufig weiß ich mir nicht anders zu helfen (wenn sie nicht in den buggy will, bekomme ich sie da auch nicht hinein) als sie auf den Arm zunehmen und über die Straße zu tragen. Währenddessen schreit sie und wehrt sich, was ich ja auch nachvollziehen kann, aber ich weiß nicht, was ich sonst tun soll.
    So lernt sie natürlich überhaupt nicht, sich im Straßenverkehr zurecht zu finden.

    Ich habe auch schon versucht, ihr jedes Mal zu danken, wenn ich sie kurz an der Hand fassen darf, aber auch das hat bis jetzt keine Verbesserung gebracht.
    Eine Leine wäre aber auch nicht das richtige, weil sie nicht wegläuft, sie bleibt ja in meiner Nähe (so ca 2-3M vor mir), aber sie bleibt an Straßen ja natürlich nicht stehen. Selbst wenn gerade Autos ganz dicht an uns vorbei fahren, versucht sie trotzdem sich von mir loszureißen und auf die Straße zu rennen.

    Vielleicht hast du ja ein paar Tipps für mich, wie ich diese Situation besser lösen kann, als meine Tochter auf dem Arm zu tragen.

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  18. gestern ist meine 2 jährige Tochter auch das erste mal weggelaufen. Ich habe es genau so wie hier beschrieben eher als Spiel erkannt. Ich konnte sie einfangen und war doch echt erstaunt über ihr Tempo, welches sie jetzt bereits drauf hat. Hätte ich nicht mit gerechnet! Auf dem Heimweg spielen wir immer vor einer Garage Berg hochlaufen und runter rennen. Auf einmal rannt sie aber weiter auf die Straße. Und wie es der Zufall so will kam gerade ein Auto. Und das wo dort so gut wie nie ein Auto fährt. Ich habe so geschrien und andere Passanten auch, dass sie wohl vor Schreck stehen blieb, denn das Auto hätte sie nie und nimmer gesehen. Der Schock saß entsprechend tief! Klar habe ich geschimpft und klar hat sie geweint. Ein paar Meter weiter ist unsere Haustür. Dort habe ich sie zum Straßenrand geführt und ihr die Situation erklärt. Mit sehr strengen Ton. Sie hat mir auch alles nachgeplappert, das man das nicht darf, das Auto macht aua, stehen bleiben usw. In der Kita scheinen die das auch bereits intensiv besprochen zu haben, da von ihr selbst noch ein paar Ergänzungen zu meinen kamen. Und nun? Wir wohnen in Berlin. Hier sind mehr als genug Straßen. Sie ist noch zu klein um wirklich die Zusammenhänge oder Gefahren zu verstehen. Aber wie soll ich ihr das abgewöhnen oder bzw. was kann ich da anders machen?

    Heute kam es erneut zum weglaufen. Einmal im Supermarkt an der Kasse und dann davor. Dort waren unsere Bedürfnisse wirklich unterschiedlich: sie wollte auf den Spielplatz und ich nach Hause. Es war bereits 11:10 und um 11:30 gibt's bei uns Mittagessen. Sie rannte also Richtung Spielplatz und sagte mir sogar Tschüß. Unter Gebrüll und Huckepack brachte ich sie letztendlich Heim um 11:20 und sie setzte sich an Tisch und wollte sofort Essen. Na toll!

    Und jetzt schläft sie nicht einmal … meine armen Nerven!!!!

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  19. Danke für die tollen Artikel, wir finden auf eurem Blog super viele Anregungen.
    Wie ist das mit dem Fangen-Spielen wenn wir es tunlichst meiden, aber andere mit unserer 1Jährigen fangen spielen? Es kam z.B. neulich vor, dass die 10-Jährige von einer Freundin meine Kleine gejagt hat. Muss ich das dann auch vermeiden oder meinst du, dass unsere Tochter dann unterscheidet und weiß, dass wir das nicht spielen?

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  20. Ein ganz toller Artikel, wie alle anderen auch. Mein Sohn hat das glücklicherweise nie gemacht. Bis jetzt. Er ist jetzt 4 Jahre und 4 Monate und läuft seit einiger Zeit weg. Leider aus anderen Gründen, als aus Spaß oder Jagdinstinkten. Da müssen andere Strategien her. Aber ich vermute, dass das nicht mehr so ganz normal ist. Lustig ist es auf jeden Fall auch nicht.

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    1. Ach so, vielleicht hätte ich noch schreiben sollen, was ich mit meinem Sohn mache, wenn er wegläuft: Ich halte mich in dem räumlichen Abstand, den er braucht. Das signalisiert er mir. Komme ich ihm zu nahe, geht er weg. Also warte ich. Ich mache dann, je nach Thema Kompromissvorschläge wie wir weiter gemeinsam vorankommen und frage ihn, ob er auch Vorschläge und Ideen hat. Wenn er nicht bereit dazu ist, warte ich weiter. Und probiere es nach einiger Zeit wieder. Insgesamt dauerte es jedes Mal ewig bis die Situation sich löste, aber tatsächlich war es immer innerhalb von einer halben Stunde vorbei, oft deutlich darunter.
      Einmal hat der Papa ihn festgehalten, weil links die Straßenbahn fuhr und rechts eine stark befahrene Straße war. Er wehrte sich mit Händen und Füßen und der Papa ließ ihn dann langsam los, sodass er wieder den Abstand einnehmen konnte, den er brauchte. Er ging an die Ampel, wir blieben stehen. Er dann auch. Wir hatten eine Heidenangst um ihn. Aber ich bin mir sicher, dass er nicht über die Straße gegangen wäre. Und wieder machte ich Vorschläge, um das Problem zu lösen. Und es löste sich. Bisher jedes Mal. Danach reden wir darüber.

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    2. Ich verneige mich vor dir - das ist echt sehr wertschätzend und vertrauend deinem Sohn gegenüber. Wie toll, dass du das mit seinem Abstand herausgefunden hast und sein Bedürfnis erfüllst. Bei deinem Beispiel mit der Straße hätte ich z.B. weiterhin festgehalten, weil meine Angst viel zu groß gewesen wäre. Also: Hut ab!
      snowqueen

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  21. Habt ihr auch einen Tipp zu mein Kind will nicht spazierengehen? Mein Sohn 27 Monate hat einen extremen Bewegungsdrang (zuhause fetzen, fangen spielen usw.) aber sobald wir spazierengehen wollen oder einen Ausflug machen (z.B. Tierpark) will er getragen werden (im Buggy sitzen mag er auch nicht gerne). Sobald er dann zuhause seinen Mittagsschlaf gemacht hat, will er wieder rumfetzen. Was kann ich da machen. Würde so gerne mal wieder spazierengehen ohne ihn dabei tragen zu müssen, zumal es ja für ihn auch wichtig wäre sich dabei auszutoben.

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  22. Hallo :) mich würde es interessieren, wie es bei 4 jährigen Mädchen aussieht, das einfach davon überzeugt ist, wegfahren (Fahrrad) und weggehen zu können, wann immer es will. Auch konkret mit dieser Begründung... ich will das doch Mama. Jedes sprechen und erklären hilft nichts, dauerhaft werden auch fremde angesprochen, damit man den Hund streicheln kann und vielleicht auch mit dem Fremden und dem Hund gassi gehen kann. Natürlich ohne Bescheid sagen... das Kind zeigt kein Verständnis für Erklärungen und auch keine Einsicht...

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  23. Vielen dank für den Artikel. Mein Sohn ist nun bald 3 und läuft seit ca einem halben jahr andauernd weg. Ich muss dazu sagen das er erst sehr spät anfing, zu gehen und immer noch nicht spricht. Wir können ihm zwar alles erklären, aber das interessiert ihn leider noch nicht. Das mit dem fangen ist eine sehr gute Idee. Haben wir bis jetzt natürlich falsch gemacht. Er hält an der Straße zwar kurz an und schaut auch, aber rennt dann trotzdem weiter. Wir werden wohl tatsächlich zu einem Leinenrucksack greifen, denn ich weiß mir nicht mehr anders zu helfen. Ich habe einfach unglaubliche Angst, das er unter ein Auto gerät oder von einem Fahrradfahrer angefahren wird. Wir wohnen an einer vielbefahrenden Straße und er reagiert überhaupt nicht aufs rufen. Es ist auch schön zu lesen, das ich nicht die einzige bin mit diesem Problem. Mit meiner Tochter hatte ich solche Probleme nicht. Die ist vom Charakter aber auch das genaue gegenteil von meinem Sohn.

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  24. Hallo!
    Meine Tochter, fast 4, läuft seit gut 2 Wochen an der Straße weg. Vorher war das selten, jetzt regelmäßig. Sie hört mich auch, wenn ich Stopp rufe, schaut, lacht und rennt weiter.
    Erst gehe ich noch langsam und rufe, aber dann ist sie mir zu weit weg und ich sprinte - mit Kinderwagen oder Baby im Tragetuch - hinterher um sie zu schnappen. Wenn ich sie dann an die Hand nehme, reißt sie sich auch teilweise los und rennt wieder! Überholen und von vorn stoppen geht nicht. Einmal ist sie dann auch ohne zu schauen über die Straße gerannt. Und es kam ein Auto. Gott sei Dank, war das ganz langsam und hat sie wahrscheinlich schon gesehen. Vor einem Monat ist sie noch schön neben mir und dem Kinderwagen gelaufen, teilweise ohne Hand halten. Und wenn sie doch vorgelaufen ist, hat Rufen gereicht.

    Eigentlich ist sie ganz schlau.
    Ich denke, dass es etwas mit der kleinen Schwester, 4 Monate, zu tun hat. Sie ist derzeit auch vermehrt aggressiv und haut mich.
    Ich habe schon viel mit ihr gesprochen, über die Angst wenn sie wegläuft, meinen Ärger,der dann entsteht, von Unfall und "überall Aua", heute sogar mal von der überfahrenen Taube und Tod.
    Ich versuche auch trotz Baby ganz viel Zeit mit ihr zu verbringen mit Sachen die sie mag.

    Gibt es noch irgendwelche Tipps?
    Ich überlege mir ersthaft eine Leine, tu mich aber bisschen schwer damit. Denn eigentlich kann sie es ja und sie ist ja keine 2 Jahre mehr... Seufz.
    Danke für die Tipps!

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  25. Hallo!
    Meine Tochter, fast 4, rennt seit gut 2 Wochen an der Straße weg. Teils reißt sie sich von der Hand los, läuft, schaut zurück, wenn ich Stopp rufe, lacht, rennt weiter. Ich warte kurz im Glauben, sie dreht gleich um, und sprinte dann hinterher -mit Kinderwagen oder Baby in der Trage. Dann Pack ich sie an der Jacke oder halte die Hand fest und idR gehen wir dann heim. Einmal ist sie auch ohne zu schauen über die Straße gerannt. Gott sei Dank, hat der Autofahrer sie schon gesehen und war langsam.
    Zuvor hat sie es ganz gut gemacht, ist immer wieder auch ohne Hand gelaufen.
    Ich denke, es liegt großteils am Geschwisterchen, 4 Monate.
    Sie ist auch zunehmend aggressiv und haut besonders mich vermehrt, ich denke, das hängt auch damit zusammen.

    Ich hab schon viel geredet mit ihr, von meiner Angst, dem Ärger, wenn sie das macht, vom Unfall und zuletzt auch von der überfahrenen Taube und Tod. In der Situation und noch einmal später daheim. Wenn sie mal nicht wegrennt, sag ich ihr, dass das gut war.

    Gibt es noch Tipps, was ich tun kann? Ich denke über eine Leine nach, aber sie ist ja auch keine 2 mehr... Und eigentlich auch ein schlaues Mädchen.
    Ich versuche auch trotz Baby möglichst viel Zeit mit ihr zu verbringen usw.
    Danke

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  26. Schöner Artikel, leider hilft er uns nicht weiter... Alle Sachen oben beachten wir schon. Bisher war es auch nie ein großes Problem wenn sie mal vorgelaufen ist, da sie an Straßen anhält und wenn Gefahr droht rufe ich stopp und sie hält an.

    Im Moment häuft sich aber das absichtliche weglaufen (wird jetzt 2) und heute hat sie das erste mal nicht auf mein stopp reagiert. Bin etwas ratlos, da sie gestern schon mal so weggelaufen ist und das nur durch einen Sturz gestoppt wurde. (gestern aber ohne "stopp", das nutze ich wirklich nur bei Gefahr)

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