Wie entstehen "Arschlochkinder" und "Tyrannen" wirklich?


Es gibt nichts, das Eltern so sehr stresst, wie der Gedanke, ihre Erziehung könnte in irgendeiner Weise scheitern und ihre Kinder könnten egoistische Arschlöcher werden. Es gibt auch nichts, das Eltern so oft unheilvoll prophezeit wird, wie die Aussicht darauf, ihre Art der Erziehung würde egozentrische Tyrannen hervorbringen. Es gibt in den Regalen der Buchhandlungen etliche Ratgeber, die genau in diese Kerbe hauen und meist eine Rückkehr zur guten alten Erziehung als Allheilmittel anpreisen. Die Autoren dieser Bücher verorten den Grund für die neue Generation der "Tyrannen" in einer zu bedürfnisorientierten Erziehung.


Ich selbst arbeite als Sonderpädagogin und erlebe dort durchaus auch Kinder, die vorwiegend auf ihren eignen Vorteil bedacht sind und wenig Mitgefühl mit anderen haben. Man könnte sie "Arschlochkinder" nennen. Ihre Eltern erziehen jedoch definitiv nicht bedürfnisorientiert, sondern klassisch mit Lob und Tadel. Diese Beobachtung ließ mich darüber nachdenken, welche Faktoren denn nun eigentlich wirklich egoistisches, unempathisches und rücksichtsloses Verhalten begünstigen.

Warum französische Kinder keine Nervensägen sind

Unsere Leserin Daniela fragte mich vor einiger Zeit auf Facebook, ob ich schon das Buch "Warum französische Kinder keine Nervensägen sind: Erziehungsgeheimnisse aus Paris" von Pamela Druckerman gelesen hätte. Sie würde gerne wissen, was ich davon hielte. Das Buch stand schon eine ganze Weile auf meiner Leseliste, weil ich sehr gespannt war, wie man es schafft, nicht-nervende Kinder zu erziehen. 

Zugegeben - es ist eine sehr subjektive Wahrnehmung - aber auf einer Skala von 1 (nie nervig) bis 10 (nerven ständig) würde ich meine Kinder im Moment locker zwischen 7 und 8 einsortieren. Ehrlich gesagt hielt ich das bisher für einen relativ normalen Zustand und habe mich dran gewöhnt und das als gegeben hingenommen - aber wenn mir hier exklusive "Erziehungsgeheimnisse aus Paris" angeboten werden, werde ich natürlich sehr neugierig.

"Doch! Erziehen kann leicht sein" - Uta Allgaier

Ich lese ja so ziemlich alles, was mir an Ratgebern in die Hände kommt. Das Buch "Doch, erziehen kann leicht sein!" wäre jedoch ziemlich sicher an mir vorbei gegangen, wenn mir nicht der Ellert & Richter Verlag freundlicherweise ein Rezensionsexemplar geschickt hätte. Und das wäre wirklich ein außerordentlich bedauerlicher Umstand gewesen, denn um es gleich vorweg zu nehmen: Dieses Buch ist absolut großartig!

Geschrieben wurde es von der Journalistin und Elterntrainerin Uta Allgaier, die den mir unverständlicherweise bisher völlig unbekannten Blog Wer ist eigentlich dran mit Katzenklo? schreibt. Dass Uta Journalistin ist, merkt man sofort - das Buch liest sich außerordentlich flüssig und unterhaltsam. Ich hätte es vermutlich in einem Rutsch durchgelesen.... wenn, ja, wenn mir nicht ständig Tränen in den Augen gestanden hätten. 



Normalerweise lese ich Bücher auf meinem Weg ins Büro in der Bahn - dieses musste ich jedoch nach ein paar Seiten immer mal wieder zuklappen und einstecken, weil ich plötzlich anfing zu weinen. Ich schob das auf den Anstieg des Hormons LH (PMS und Prä-Eisprungs-Sentimentalität und so) - aber in der darauf folgenden Woche wurde das kein Stück besser. Wann immer ich zum Buch griff, kullerten ein paar Tränen, so dass ich es am Ende abends auf dem Sofa lesen musste. 

Das ist vor allem deswegen wirklich seltsam, weil es sich bei dem Buch um einen unterhaltsamen Erziehungsratgeber handelt, der wirklich alles andere als traurig ist. Genau genommen ist er sogar außerordentlich lustig. Und dennoch rührte er mich immer wieder zu Tränen.

Das Buch


Das Buch enthält insgesamt 60 kurze Episoden aus dem Familienalltag von Uta - jeweils vier bis fünf findet man zu den Themen
  • Fundament für das Glück: Bindung
  • Stressfrei mit Kleinkindern
  • Mehr Frieden in der Familie
  • Fröhlich sei das Abendessen...
  • Reifen dürfen
  • Die Schule leichter nehmen
  • Sich versöhnen mit Medien
  • Das Leben mit Teenagern genießen
  • Mädchen stärken
  • Die wilden Kerle verstehen
  • Hilfe im Haushalt
  • Sich locker gut benehmen
  • Für ein starkes Selbstgefühl
  • Zeit für das Wesentliche

Meine Meinung zum Buch


Ich habe mittlerweile wirklich jede Menge Bücher über Kinder gelesen. Manche fand ich ganz furchtbar, wie Winterhoffs "Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden" oder das Trotzbuch von Frau Kast-Zahn. Manche haben mein Leben verändert (Alfie Kohns "Liebe und Eigenständigkeit" - für mich das beste Buch über Kinder überhaupt), manche mein Leben außerordentlich bereichert (Herbert Renz-Polsters "Kinder verstehen"), aber dieses Buch über Kinder ist einzigartig in Bezug darauf, dass es mich gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen brachte und mich wirklich zutiefst bewegte. (Nur das kurze Kapitel "Strafe oder logische Konsequenzen" hat mich etwas irritiert - darüber hatte ich ja vor einiger Zeit schon sehr ausführlich bei uns geschrieben).

Utas Kinder sind mittlerweile 14 und 18 Jahre alt - sie ist also quasi am Ende ihres (aktiven) Erziehenden-Daseins angekommen. Ihr grundlegendes Fazit "Bleib einfach gelassen!" ist so wunderbar und bestärkt mich auf meinem eigenen Weg. Denn da ist eine Mutter, die mit ihren Kindern so umgeht, wie ich - sie lässt sie zum größtmöglichen Teil selbst entscheiden und legt großen Wert auf Beziehung statt Erziehung - und kann nach zwei Kindern voller Überzeugung sagen: Dieser Weg tut Kindern gut!

Es gibt viele bindungs- und beziehungsorientierte Bücher für Babys - z. B. Nora Imlaus "Das Geheimnis zufriedener Babys" oder Sears "Attachment Parenting Buch" - aber Bücher, die einen von der klassischen Erziehung abweichenden Weg auch für ältere Kinder zeigen, gibt nur sehr wenige. Und das wirklich wunderbare an diesem Buch ist: Man kann es einfach als witzige Unterhaltungsliteratur verschenken mit dem Hinweis, dass da ganz lustige Geschichten enthalten sind. Für eher klassisch erziehende Eltern (denen Strafen, Lobe und Drohungen nicht ganz so viel Unbehagen bereiten, wie mir) enthält dieses Buch so wunderbare Denkansätze, die, ohne belehrend zu sein, direkt ins Herz gehen und die Ansichten über Erziehung sehr positiv beeinflussen können.

Das Buch "Doch, erziehen kann leicht sein!" ist definitiv eines der besten Bücher über Kinder - es ist außerordentlich unterhaltsam geschrieben, stellenweise sehr witzig und schafft es, dass man sich auf das Wesentliche besinnt: Kinder Kinder sein zu lassen einfach viel mehr zu genießen. 

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Wir freuen uns sehr, wenn Ihr uns nach dem Lesen ein kurzes Feedback in Form eines Kommentars unter diesem Artikel hinterlasst. Hat Euch das Buch auch so gut gefallen?

© Danielle

Café Royal - Vielfalt in Geschmack und Zubereitung

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Sortiment von Café Royal"Kaffee und Liebe sind heiß am besten", sagt ein Sprichwort. Snowqueen und ich trinken über den Tag verteilt wirklich sehr, sehr, sehr viel Kaffee - ein guter Kaffee ist für uns ein großes Stück Lebensqualität. In dem Unternehmen, in dem ich arbeite, stehen in der Küche  seit jeher zwei 2-Liter-Thermoskannen mit seit gefühlt 15 Jahren immer der selben Sorte Kaffee. Irgendwann hatte ich den immer gleichen, meist nur lauwarmen  Kaffee einfach satt - Kaffee muss einfach heiß sein. Als ich dann vor einiger Zeit bei meiner Freundin einen frischen Kapselkaffee serviert bekam, war es um mich geschehen. Ich war so begeistert, dass wenige Tage später eine Nespresso®-Kaffeemaschine Einzug in mein Büro hielt. Ich bin in den Kommentaren berechtigterweise darauf hingewiesen worden, dass die Kapseln nicht sehr umweltfreundlich seien. Aber gerade im Büro mangelt es mir an praktischen Alternativen, so dass ich mir in meinem sonst eher plastikarmen Leben die kleine Sünde gönne, hier auf Kapseln zurück zu greifen.

Die Abende im Hause Snowqueen - Wie viel freie Entscheidung und wieviel Verantwortung brauchen Kinder (Teil 2)

Freitag


Es ist 15 Uhr. Die bessere Hälfte und ich haben freitags gleichzeitig Feierabend, treffen uns unterwegs und laufen gemeinsam zur Kita. Es ist heute so heiß, puh! Die Kinder sind im Kita-Garten und kugeln einen kleinen Berg runter. Sie sind voller Erde, die an den Klamotten und der schweißnassen Haut klebt. Während die bessere Hälfte zur Garderobe hoch geht, um die Sachen aus den Fächern zu sammeln, bespreche ich mit den Kindern unten, was sie heute machen wollen. Alle drei haben keine Lust auf den Spielplatz, sondern wollen lieber in unseren Garten, um auf dem Trampolin zu springen und mit Wasser zu planschen. Das ist mir sehr recht, denn dann können wir gleich auch grillen und ich liebe, liebe, liebe Grillen!

Wir laufen alle gemeinsam nach Hause. Fräulein Ordnung rennt vor und schließt die Tür auf. Im Hinterhof angekommen, teilen wir uns. Die bessere Hälfte läuft mit den Mädchen nach oben, um das Grillfleisch, Gemüse und die Meerschweinchen zu holen und ich laufe mit Herrn Friedlich durch den Keller des Hinterhauses, um dort im 2. Hinterhof in unseren Garten zu gelangen. Wir haben wirklich ein großes Glück, dass wir so nah und mitten in der Stadt ein kleines Fleckchen Grün mieten konnten. Besonders oft nutzen wir ihn zwar nicht - meist bleiben wir im ersten Hinterhof, weil dort auch die anderen Kinder des Mietshauses spielen. Doch bei heißem Wetter ist der Garten schöner - dort ist es so geschützt von allen Seiten, dass die Kinder nackt herumrennen können. 

Die Abende im Hause Snowqueen - Wie viel freie Entscheidung und wieviel Verantwortung brauchen Kinder (Teil 1)


In diesem Artikel werde ich drei Nachmittage und Abende aus unserem Familienleben beschreiben. Es hier nicht darum, was wir als Familie richtig oder falsch machen. Ihr werdet lesen, dass wir Eltern, sobald wir die Kinder aus dem Kindergarten abgeholt haben, ihnen fast für die gesamte Zeit Aufmerksamkeit geben. Das ist natürlich kein Muss für jede Familie. Es ist sehr anstrengend und ich kann jeden verstehen, der nicht andauernd zum Spielen zur Verfügung stehen möchte. Wir haben es uns aber so ausgesucht - für uns fühlt sich das genau so richtig an.

Andere Familien haben andere Wege, die ebenso richtig sind. Es ist auch nicht mein Wunsch, euch dazu zu überreden, ebenso... nun ja ...chaotisch wie wir den Tagesabschluss zu verbringen - ihr werdet lesen, dass bei uns vieles eher spontan passiert. Vielmehr möchte ich aufzeigen, wie viele Situationen es im Alltag gibt, in denen unsere Kinder einen echten Beitrag zum Wohle der Familie leisten können - freiwillig! - und in welchen Bereichen wir unseren Kindern Entscheidungsfreiheit (Autonomie) lassen.

Wenn dein Kind abends nicht einschlafen kann - warum das passiert und wie ihr wieder zu ruhigeren Abenden findet

Viele Eltern kennen das: Der Tag ist eigentlich vorbei, das Licht ist gedimmt, alles wäre bereit für Ruhe und Schlaf, und trotzdem liegt das Kind noch lange wach. Es wälzt sich im Bett, ruft immer wieder oder wirkt einfach nicht müde genug, obwohl die Uhr schon längst eine eigentlich „vernünftige“ Schlafenszeit zeigt. Wenn Kinder abends spät einschlafen, kann das für die ganze Familie belastend werden, vor allem wenn sich diese Situation über Wochen oder Monate wiederholt.

Häufig steckt hinter dem späten Einschlafen keine einzelne Ursache, sondern ein Zusammenspiel aus innerer Unruhe, einem noch nicht passenden Schlafrhythmus, zu wenig Struktur am Abend oder auch einer Übermüdung, die paradoxerweise das Einschlafen erschwert. Kinder brauchen Zeit, um vom aktiven Tagesmodus in die Ruhe zu finden, und genau dieser Übergang gelingt nicht immer von allein.

In diesem Artikel schauen wir uns an, warum Kinder abends oft so spät zur Ruhe kommen und welche typischen Auslöser dahinterstecken können. Außerdem bekommst du alltagstaugliche Impulse, wie du die Einschlafsituation Schritt für Schritt entspannen und eure Abende wieder vorhersehbarer und ruhiger gestalten kannst.

In der letzten Zeit bekommen wir vermehrt Anfragen von verzweifelten Eltern, weil ihre kleinen Kinder plötzlich nicht mehr vor 21 Uhr ins Bett gehen wollen. Einige schlafen sogar erst 22 Uhr oder noch später ein. Bei vielen scheint der Start der Schlecht-Einschlaf-Serie die Zeitumstellung zum Sommer gewesen zu sein, bei manchen Kindern begann es, als sie den Nuckel zum Schlafen abgelegt haben. Interessant ist auch, dass viele der Kinder etwa im selben Alter sind. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber die meisten Nachrichten bekommen wir von Eltern, deren Kinder aktuell zwischen 3 und 4 Jahre alt sind. Die meisten haben das Gefühl, sie seien die einzige Familie auf der Welt, die von diesem ultra-späten Einschlafen betroffen sind, doch dem ist nicht so. Möglicherweise gibt es Kinder, die auch jetzt noch problemlos um 18 Uhr nach dem Sandmännchen wegschlummern, doch es gibt genauso viele, wenn nicht sogar mehr, die das nicht tun. Ihr seid also nicht allein da draußen mit eurem Problem. Wir haben euch in diesem Artikel aufgeschrieben, was ihr tun könnt, um das Drama vielleicht ein wenig zu lindern. Hier nun unsere Top 5 an Einschlaftipps im Sommer.

1. Mittagsschlaf weglassen


Ha! Schon gleich als erstes ein Punkt, den ihr vermutlich nicht umsetzen könnt. Es tut mir leid. Aber hört mich erst einmal an. Es ist kein Wunder, dass das schlechte abendliche Einschlafen vor allem Kinder einer bestimmten Alterstruktur betrifft. Meist sind das die, deren Schlafbedarf sich verändert hat, d. h. die eigentlich keinen Mittagsschlaf mehr brauchen. Könntet ihr den Mittagsschlaf abschaffen, würden sie abends sofort ins Bett fallen und in Nullkommanix schlummern. Leider spielen da viele Kitas nicht mit. Der Mittagsschlaf ist meist gekoppelt mit der Mittagspause der Erzieherinnen, die natürlich wichtig ist. So kommt es, dass sich die meisten Kitas dagegen stemmen, wenn die Eltern darum bitten, das Kind nicht mehr hinzulegen. Ich kann das einerseits gut nachvollziehen, andererseits bedeutet das aber eine enorme Belastung für die Familie, denn die Eltern brauchen abends eben auch eine Pause.

Es entspinnt sich dann meist ein unglücklicher Schlaf-Kreislauf: Die Kinder halten Mittagsschlaf und sind dementsprechend lange abends wach. Wenn sie dann morgens geweckt werden, sind sie noch müde, weswegen sie dann natürlich in der Kita zur Mittagszeit auch einschlafen, was wiederum für die Erzieherinnen das Zeichen ist, dass "die Kinder es ja noch brauchen". Werden sie dann um 14 Uhr oder 14:30 Uhr geweckt, haben sie wieder Energie, um bis in die späten Abendstunden durch die Wohnung zu toben.... Einen Ausweg aus dem Dilemma habe ich übrigens damals auch nicht gefunden. Ich habe versucht, mit unseren Erzieherinnen darüber zu sprechen, wurde aber komplett abgeblockt. Es gab keinen Weg am Mittagsschlaf vorbei. Aus Gesprächen mit anderen Eltern habe ich erfahren, dass jeder einzelne auch schon so ein Gespräch mit ihnen geführt hatte und dass auch sie abgebügelt wurden. Ich kann, wie gesagt, das Bedürfnis der Erzieherinnen nach Erholung gut nachvollziehen. Aber wenn so viele Familien das gleiche Problem haben, wäre es dann nicht die Aufgabe der Kita, irgendwie personell so umzustellen, dass eine Betreuung der wachen Kinder über die Mittagszeit gewährleistet wäre? Seufz. Vielleicht könnt ihr ja einen gemeinschaftlichen Vorstoß wagen. Es fällt wesentlich leichter, einzelne Eltern abzuweisen, als eine größere Gruppe. Wenn das nicht hilft, könnte man noch darum bitten, dass das eigene Kind möglichst spät hingelegt wird und gleich geweckt wird, wenn die ersten zu rascheln beginnen.

2. Zimmer abdunkeln


Unser Biorhythmus ist vom Tageslicht abhängig. Es gibt für die Winterzeit extra Tageslichtwecker, die morgens ab einer bestimmten Zeit immer heller werden, um dem Körper vorzugaukeln, dass die Sonne aufgeht und so das Aufwachen zu erleichtern. Wenn es im Sommer abends so lange hell bleibt, ist unser Körper darauf eingestellt, wach zu bleiben. Die vorherigen Generationen mussten nämlich die Zeit nutzen, um Vorräte für den Winter zu sammeln und zu verarbeiten. Wir müssen das nicht mehr - unsere Körper sind aber noch darauf ausgelegt. Um den Biorhythmus zu überlisten, könnt ihr versuchen, das Zimmer so abzudunkeln, dass die Gehirne eurer Kinder denken, es sei schon Nacht. Am besten funktionieren natürlich von außen ans Haus angebrachte Jalousien, aber es gibt auch Verdunklungsrollos (wir haben sehr gute Erfahrungen mit diesen gemacht, zusätzlich haben wir auch noch Verdunklungsvorhänge angebracht - beides zusammen macht wirklich richtig dunkel). Es gibt sogar Rollos, die man mitnehmen kann, so dass auch bei Oma und Opa oder im Urlaub das Zimmer verdunkelt werden kann. 

3. Austoben lassen


Die heutige Kindergeneration bekommt im Alltag zu wenig Zeit, um sich richtig auszutoben. Wir sind von Natur aus auf körperliche Bewegung angelegt - eigentlich sollten wir 10-20 km am Tag (!) laufen - wer von uns tut das noch? Meine Kinder sind in der Kita am Vormittag etwa eine Stunde und am Nachmittag etwa 1,5 Stunden im Garten - bei Regen sogar noch weniger. Wenn ich sie dann abhole, mussten sie nicht nur einen ganzen Tag lang funktionieren und Regeln einhalten, sondern hatten auch noch wenig Gelegenheit, wirklich ihre Energie loszuwerden. Ich habe festgestellt, dass es ihnen gut tut, dann besonders viel körperlich zu spielen: auf Bäume klettern, Trampolin springen, einem Fußball hinterherjagen, um die Wette laufen, über Bäche und Gräben springen oder an einem Klettergerüst entlanghangeln. Wir sind meist bis zum Abendbrot draußen, oft essen wir sogar auf dem Spielplatz und bleiben noch länger.

Habe ich das Gefühl, sie sind noch gar nicht ausgepowert, weiß ich schon, dass ich das mit dem Einschlafen vergessen kann. Es ist deshalb schon vorgekommen, dass ich dann mit ihnen nach dem Abendbrot noch einmal runter auf den Hof zum Toben gegangen bin (ich mag es nämlich nicht, wenn sie in der Wohnung toben). Häufig bekommen Eltern den Tipp, mit ihren Kindern abends nur noch ruhig zu spielen, damit der Körper runterfahren kann - meist funktioniert das aber nicht besonders gut. Die Kinder sind trotzdem zu wuselig, um einzuschlafen. Nun, ich empfehle euch genau das Gegenteil. Tobt mit euren Kindern, kitzelt sie ab, werft sie in die Luft, ringt mit ihnen auf dem Bett. Tut alles, damit sie ihre Energie vollständig abbauen können. Danach noch eine kurze abkühlende Dusche und - BÄM! - werden eure Kinder einschlummern!

4. Zeitpunkt selbst bestimmen lassen


Habt ihr selbst schon mal im Bett gelegen und euch unruhig hin- und hergeworfen, weil ihr nicht einschlafen konntet? Ein ätzendes Gefühl, oder? Noch ätzender ist allerdings, als Erwachsener neben einem Kind zu liegen, um es in den Schlaf zu begleiten und dieses Kind wuselt dann ununterbrochen hin und her, weil es noch nicht einschlafen kann. Mich regt das innerlich soooo auf, wenn meine Kinder neben mir wurschteln, als sei das Bett mit Ameisen gefüllt. Argh! Da hilft nur eins: Wieder aufstehen lassen, wenn klar wird, sie sind noch nicht müde genug. Wir Erwachsenen stehen doch auch wieder auf, wenn wir merken, wir können noch nicht einschlafen.

Ihr könnt auch versuchen, sie gänzlich allein bestimmen zu lassen, wann sie schlafen gehen wollen. Wir machen das mit unseren drei Kindern so. Der Kleinste ist 2 Jahre alt und geht seit jeher selbstbestimmt ins Bett - er kennt seinen Körper sehr gut und bricht auch schöne Spiele ab, wenn er merkt, dass er müde wird. Es ist überhaupt kein Thema, ihn ins Bett "zu kriegen" - er geht ganz freiwillig. Im Winter ist das zwischen 17 und 19 Uhr, jetzt im Sommer zwischen 19 und 21 Uhr. Bei unseren beiden großen Töchtern haben wir das selbstbestimmte Einschlafen erst mit 3,5 Jahren eingeführt. Das Schwierigste an der Eingewöhnung war eigentlich, ihnen klar zu machen, dass wir nach dem Zähneputzen zwar noch (wenn gewünscht) zur Einschlafbegleitung zur Verfügung stehen, nicht aber zum Spielen, da wir unseren "Feierabend" brauchten. Sie dürfen also (leise) in ihren Zimmern spielen und natürlich auch dann und wann zu uns kommen, wenn sie Sehnsucht nach uns haben, aber wir spielen nicht mit, sondern machen unser eigenes Ding, bei dem wir auch nicht gestört werden wollen.

Sobald sie wirklich müde sind und schlafen wollen, signalisieren sie das und wir legen uns kurz zu ihnen. Es dauerte ein paar Wochen, bis sie nicht alle 5 Minuten bei uns im Wohnzimmer standen, und dies und das von uns wollten. Aber es klappte. Ich denke, an dieser Stelle hilft eine freundliche, aber glasklare Haltung bei den Erwachsenen und ein bisschen Geduld: "Jetzt ist Alleine-Spiel-Zeit. Ich möchte mich nun ausruhen und Erwachsenendinge erledigen. Ich komme, wenn du wirklich einschlafen möchtest". Es ist klar, dass ihr in der Einführungszeit nun nicht gerade "The Walking Dead" oder "Game of Thrones" guckt, während die Kinder noch wach sind, denn sie werden definitiv ein paar Mal zu euch gekleckert kommen. Auch werdet ihr Streits schlichten müssen, denn müde Kinder sind nicht mehr besonders geduldig oder kompromissbereit. Aber schon nach ein paar Wochen wird sich eure neue Routine etabliert haben und dann könnt ihr wieder gucken, was ihr wollt.

Kind schläft mit Teddy im Arm


5. Situation annehmen


"Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden". Selbst, wenn ihr nicht gläubig seid, hat dieser Spruch sehr viel Wahres inne. Denn wenn ihr die Schlafsituation mit eurem Kind, die euch jetzt so belastet, als gegeben hinnehmt und sie akzeptiert, als etwas, das ihr momentan nicht verändern könnt, dann nehmt ihr viel Druck aus der Sache. Unsere Kinder haben sehr, sehr feine Antennen. Sie spüren auch unbewussten Druck oder eine heimliche Agenda ihrer Eltern und stemmen unwillkürlich dagegen. Sobald ihr damit Frieden schließt, dass euer Kind im Moment erst so spät ins Bett geht, hat es die Möglichkeit, sich wirklich frei zu entscheiden, was es braucht und kann in Ruhe darauf hören, was sein Körper eigentlich will.

Schaut euch einfach noch einmal die Fakten an: Der Schlafbedarf eures Kindes hat sich geändert, aber es ist möglicherweise gezwungen, weiterhin Mittagschlaf zu halten. Seine innere Schlaf-Uhr ist auf Sommerzeit eingestellt. Es hat im Alltag weniger Bewegung, als es Energie hat - deshalb fällt es ihm schwer, zur Ruhe zu kommen. Mit diesen Fakten im Blick sollte es euch leichter fallen, die Situation anzunehmen. Ihr könnt ein wenig an den Parametern drehen und gucken, ob es besser klappt, aber an sich gibt es relativ wenig, was ihr tun könnt. Akzeptiert das - und nehmt den Druck raus. Haltet euch mit dem Gedanken über Wasser, dass es bald wieder früher dunkler wird, eure Kinder bald in der Kita zu den Großen gehören und nicht mehr schlafen müssen und ihr deshalb, spätestens im nächsten Jahr, zur gleichen Zeit vermutlich keinen Einschlafmarathon mehr habt...

Fazit

Wenn Kinder abends spät einschlafen, ist das selten ein Zeichen dafür, dass „etwas nicht stimmt“, sondern meist ein Hinweis darauf, dass ihr inneres System noch nicht ausreichend auf Ruhe eingestellt ist. Entscheidend ist weniger die einzelne Maßnahme als vielmehr die Kombination aus klarer Struktur, verlässlichen Ritualen und einem passenden Timing.

Viele Familien erleben bereits eine deutliche Veränderung, wenn der Abend bewusster entschleunigt wird und das Kind regelmäßig die gleiche Abfolge von Beruhigung, Nähe und Schlafvorbereitung erlebt. Wichtig ist dabei, realistische Erwartungen zu haben: Veränderungen im Schlafverhalten brauchen Zeit und entwickeln sich meist schrittweise.

Wenn du verstehst, welche Faktoren das Einschlafen deines Kindes beeinflussen, kannst du gezielter ansetzen und den Abend so gestalten, dass dein Kind leichter in die Ruhe findet. Das Ziel ist dabei nicht ein perfekter Ablauf, sondern ein Abend, der für alle Beteiligten vorhersehbarer, ruhiger und entspannter wird.

Gute Nacht, ihr Lieben!

© Snowqueen