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Reicht meine Milch - nimmt mein Baby genug zu?


In den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach der Geburt machen sich viele Mütter Gedanken um die Entwicklung ihres Babys. Tief in uns verwurzelt ist die Angst, dass ein Baby hungern oder nicht genug zunehmen könne. Die regelmäßigen Gewichtskontrollen bei den U-Untersuchungen führen gelegentlich zu Besorgnis - insbesondere stillende Mütter wissen nie, wie viel das Kind wirklich trinkt und fragen sich daher: 

Habe ich genug Milch? 


Wahrscheinlich hat sich jede Stillmutter schon mal gefragt, ob sie vielleicht zu wenig Milch hat. Eigentlich müsste es die Natur ja so eingerichtet haben, dass Nahrung in jedem Falle ausreichend zur Verfügung stehen müsste. Tatsächlich gibt es nur sehr, sehr wenige Fälle, in denen Frauen aus körperlichen Gründen zu wenig oder keine Milch haben. Wie kommt es dennoch dazu, dass man immer wieder hört: "Ich musste zufüttern, weil ich nicht genug Milch hatte".  

Es gibt verschiedene Situationen, in denen man zu der Vermutung kommen könnte, dass das Kind nicht satt wird.

Psychische Belastung


Die Milchproduktion ist bei einigen Frauen sehr stark abhängig von der psychischen Belastung. Es kann tatsächlich passieren, dass der Wunsch zu stillen so sehr stresst, dass die Milch nicht mehr zum Sattwerden ausreicht. Leo schreibt uns dazu in den Kommentaren:
"Ich hatte nie genug Milch. Trotz dauerstillen, zusätzlich bis zu 20x abpumpen (und ja, MSR wurde ausgelöst), Einnahme sämtlicher legaler und halblegaler Mittel zur Milchmengensteigerung, der Bescheinigung von zwei Ärzten, dass die körperlichen Voraussetzungen fürs Stillen gegeben seien, und persönlicher Beratung durch zwei Stillberaterinnen (ja, teuer …). Nach zehnwöchigem Kampf musste ich den Traum vom Vollstillen aufgeben. Eine sehr erfahrene Stillberaterin sagte mir, dass ich zu gestresst sei und der Versuch, die Milchproduktion zu steigern, weiteren Stress bedeute und daher nicht fruchten könne. Ich glaubte ihr nur halb, konnte aber eh nichts anderes tun als aufhören (alle 10 Minuten abpumpen verträgt sich nicht mit leben, und ich hatte alle Methoden, die ich oder die Stillberaterinnen finden konnten, durch).

Als mein Sohn acht Monate alt war, hatte ich ein Erlebnis, das mir die Augen öffnete: Mein Mann nahm ihn für ein paar Nächte, so dass ich, statt nachts stündlich zu stillen, wie von Geburt an, nur alle vier Stunden stillen musste. Das Ausgeschlafensein hob meine Stimmung beträchtlich – und plötzlich floss die Milch. Zuerst konnte ich es kaum glauben, aber es ging die ganzen vier Tage so. Ich wagte zu hoffen, dass es vielleicht doch mit dem Vollstillen klappen könnte, doch sobald ich wieder die nächtliche Verantwortung hatte, ging die Milch zurück (Mann, hab ich geweint …)."
 
Die Lösung für das Problem klingt sehr viel einfacher, als es die Umsetzung ist: Entspannung. Das Thema Zufüttern ist relativ schwierig, weil es zum schnellen Abstillen oder zu einer Saugverwirrung führen kann - aber wenn die Alternative der Umstieg auf Flaschennahrung wäre, ist es definitiv einen Versuch wert, zunächst auf Teilstillen umzusteigen. Allein das nimmt schon den Druck, genug produzieren "zu müssen". 

Schreien 


Bei meinem ersten Kind hatte ich schon im Vorfeld sowohl von meiner Mutter als auch aus dem übrigen Umfeld ständig gehört: "Also ich hatte ja nie genug Milch, ich musste ja die Flasche geben, das war viel besser". Irgendwie schienen alle den Gedanken an ein vollgestilltes Kind befremdlich zu finden - was mich schon verunsicherte und die Angst davor schürte, dass auch meine Milch nicht ausreichen könne. In diesem Artikel über das mütterliche Bauchgefühl hatte ich schon erzählt, wie meine Tochter nach der Geburt ununterbrochen wegen Hunger schrie, trotzdem sie stundenlang an der Brust lag und saugte. Nach dem Milcheinschuss erledigte sich das Problem des Schreienes vorübergehend - leider nur, bis sie etwa 2 Wochen alt war. Ab diesem Zeitpunkt tritt bei vielen Kindern das unspezifische abendliche Schreien auf. Ich hatte davon noch nie etwas gehört und stand ratlos mit einem schreienden Kind im Arm da. Es war gestillt worden, es hatte eine frische Windel um, es wurde liebevoll im Arm gehalten - warum also schrie es? Dass Kinder wegen Müdigkeit oder Reizüberflutung schreien könnten - auf die Idee kam ich gar nicht - schließlich müsste das Kind ja dann einfach nur schlafen.

Nach dem Ausschlussverfahren kam ich zum vermeintlich einzig möglichen Schluss: Das Kind muss Hunger leiden. Warum sonst schreit es? Also habe ich begonnen zwischendurch, wie wild Milch abzupumpen (um ja keine Flaschen-Nahrung geben zu müssen) und hektisch zu verfüttern. Ich dachte wirklich, meine Milch reicht nicht. Weil ich so unerfahren war, gab ich ihr dann doch tatsächlich auch Pre-Milch - glücklicherweise trank sie die auch nicht, so dass ich die Ursachenforschung vertiefen musste und letztendlich dem tatsächlichen Grund für das Schreien auf die Spur kam. Ein in den ersten 3 Monaten schreiendes Baby lässt in der Regel also keinen Rückschluss zu, dass die Milch nicht ausreicht. Vor allem dann nicht, wenn die Schreiperioden vor allem in den späten Nachmittag oder Abend fallen. 

Clusterfeeding 


Gelegentlich glauben Mütter, dass ihre Milch nicht ausreicht, wenn die Babys wenige Tage nach der Geburt besonders in den Abendstunden zum Teil ununterbrochen für 2 bis 3 Stunden an der Brust trinken. Sie scheinen dann nicht wirklich satt und zufrieden zu sein, schlummern ständig ein und wachen dann wegen Hungers wieder auf. Dieses Trinkverhalten ist normal - man nennt es "Clusterfeeding". Das Clusterfeeding tritt vor allem in den ersten Tagen nach der Geburt und während der Wachstums- bzw. Entwicklungssprünge auf.

Anfangs ist der Magen des Baby noch sehr klein - sein Energieverbrauch enorm hoch und das Saugen sehr anstrengend - daher ist das Stillen von vielen kleinen Pausen begleitet in denen sich das Kind ausruht. Häufiges An- und Abdocken fördert die Ausschüttung des Hormones Prolaktin, das die Milchproduktion anregt. Das Prolaktin wird nach 5 Minuten Stillen bereits ausgeschüttet, die höchsten Werte werden jedoch erst nach 20 bis 30 Minuten erreicht, daher ist es sinnvoll, wenn das Kind mindestens so lange saugt. Die volle Wirkung entfaltet sich erst 8 bis 16 Stunden später - mit den abendlichen Stillmarathons regt das Baby also die Langzeitproduktion der Milch an und sorgt für reichlich Nachschub am nächsten Tag. Daher sollte dieser komplexe Vorgang nicht durch Zufüttern gestört werden - Clusterfeeding ist notwendig, um die Produktionsmenge der Milch zu regulieren - es heißt nicht, dass das Baby zu wenig Milch bekommt.

Das lange Saugen beim Clusterfeeding verursacht beim Kind die Ausschüttung von Cholezystokinin - ein Hormon, das ein Sättigungsgefühl auslöst, auch wenn die Milchmenge im Magen dazu eigentlich nicht ausreicht. Nach 10 bis 20 Minuten fällt der Hormonspiegel wieder - das Kind realisiert, dass es eigentlich noch gar nicht satt war und trinkt wieder weiter. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis der Magen ausreichend gefüllt ist und das Baby in eine längere Schlafperiode fallen kann. Wird dem Baby - weil man der Meinung ist, es könne gar keinen Hunger mehr haben - dann beim Clusterfeeding ein Schnuller angeboten, kann es passieren, dass das Saugen dadurch ein Sättigungsgefühl auslöst und das Kind weniger zunimmt.

In Clusterfeeding-Zeiten sollte man sich möglichst zurück lehnen und versuchen, die innige Zeit zu genießen - bald schon wird sich das Baby in 5 bis 10 Minuten satt trinken und die ausgedehnten Stillperioden werden deutlich kürzer. Wenn einem die Zeit zu lang wird, spricht auch nichts dagegen, sich in dieser Zeit einem guten Buch zu widmen. Man sollte einfach darauf vertrauen, dass das, was gerade geschieht wichtig und notwendig ist und keinesfalls bedeutet, dass die Milch nicht ausreicht. Selbst wenn die Milch vorübergehend zu wenig sein sollte - das häufige Saugen des Babys wird die Produktion anregen. 

Entwicklungssprünge/Wachstumsschübe 


Häufig haben Mütter zu Zeiten der Entwicklungs- oder Wachstumsschübe (im ersten halben Jahr um die 5., 8., 12., 19. und 26. Woche), die Befürchtung, dass ihre Milch nicht ausreicht. Die Entwicklung des Kindes erfordert vorübergehend mehr Energie und entsprechend mehr Nahrung. Um dem Körper zu signalisieren, dass mehr Milch produziert werden muss, ist es erforderlich, dass das Kind häufiger saugt um die Prolaktinausschüttung zu erhöhen. Grundsätzlich ist Stillen ein Vorgang, bei der sich das Angebot durch die Nachfrage reguliert - je häufiger und mehr ein Kind trinkt, umso mehr Milch wird produziert. Das häufige Trinken ist also eine Maßnahme des Babys, die Milchmenge zu erhöhen - kein Zeichen für Milchmangel. Auch hier: Füttert man zu, dann wird der Kreislauf "höhere Nachfrage -> höheres Angebot" gestört und die Milch kann tatsächlich (dann aber auch nur vorübergehend) nicht ausreichen. 

Einfluss der Umwelt


Nicht zu unterschätzen ist darüber hinaus der Einfluss der Umwelt. In Teil 2 der Artikelreihe "Die Erziehung unserer Großeltern" haben wir ausführlich darüber geschrieben, warum das Stillen bei unseren Eltern und Großeltern so problembehaftet war. Das führt leider dazu, dass sie uns insbesondere beim Stillen mit Bedenken und Vorschlägen überhäufen und immer wieder die Befürchtung äußern, das Baby könne von der Muttermilch nicht ausreichend satt sein. Jede Unmutsregung seiten des Kindes wird gerne als "Der hat doch Hunger!" interpretiert. Davon sollte man sich - so schwer das insbesondere bei der eigenen Mutter fällt - nicht beirren lassen! Muttermilch ist und bleibt das Beste für das Kind und die Natur hat es so eingerichtet, dass Babys allein durch Muttermilch viele Monate ausreichend ernährt werden können! Aussagen wie "Mein Arzt hat unbedingt mindestens vier Monate Vollstillen ohne Wasser und Möhrensaft empfohlen" bringt wenigstens ein paar der Skeptiker zur Ruhe.  

Zustand der Brust


Auch dass die Brust nicht mehr so prall und gespannt ist, wie in den ersten Wochen oder beim Stillen aus der Brustwarze, an der das Baby nicht liegt, keine Milch mehr tropft, sind keine Zeichen von zu wenig Milch - anfangs produziert die Brust Milch im Überfluss und passt sich allmählich dem Bedarf an. Idealerweise tut sie es, in dem sie zunächst ein Zuviel herstellt und sich dann langsam herunter reguliert - es ist vollkommen normal, dass sich ihr dabei Zustand ändert. 

Saugverhalten


Ebenso ist es unbedenklich, wenn die Kinder allmählich kürzer an der Brust saugen - mit der Zeit wird der Vorgang immer effektiver, so dass sie schneller mehr Milch zu sich nehmen. Ein Kind, das nach 5 Minuten fertig ist, saugt in der Regel viel kräftiger, als in den ersten Tagen und Wochen - das heißt aber nicht, dass die Milch nach der Zeit "alle" ist. Dies ist im Grunde auch nicht möglich - der größte Teil der Milch wird erst beim Stillen produziert - so lange das Kind saugt, so lange wird produziert. 

Abpumpmenge 


Handmilchpumpe von AventHäufig verzweifeln Mütter beim Gebrauch von Milchpumpen - gelegentlich liest man in Foren "Meine Milch ist zurück gegangen - ich konnte gerade mal 20 ml abpumpen und dann kam nichts mehr!". Ursache dafür ist meist jedoch kein Milchmangel, sondern dass die Pumpe es nicht geschafft hat, den Milchspendereflex auszulösen - ohne fließt die Milch nur tröpfchenweise. Dazu kommt: Das Baby ist effektiver, als jede Pumpe - aus vermeintlich leer gepumpten Brüsten saugen Babys noch jede Menge Milch. 

Wird mein Kind von der Muttermilch satt? 


Relativ sicher davon ausgehen, dass ein Neugeborenes ausreichend Nahrung bekommt, kann man, wenn Folgendes zutrifft:

  • ab dem 3. Lebenstag bis zur 4. bis 6. Lebenswoche hat das Kind mehrmals täglich (mindestens dreimal) Stuhlgang,
  • ab dem 3. Lebenstag hat das Kind täglich etwa 4 - 6 nasse Windeln - nass meint dabei, dass sie ca. 50 - 75 ml Urin enthalten, also insgesamt ca. 300 ml am Tag (wenn man unsicher ist, kann man die volle Windel nachwiegen und mit dem Gewicht einer leeren vergleichen )
  • spätestens am 14. Tag nach der Geburt ist das Geburtsgewicht wieder erreicht.

Das heißt jedoch nicht zwangsläufig, dass ein Baby hungert, wenn es weniger oft Stuhlgang hat oder seltener nasse Windeln.  In den ersten 48 Stunden nach der Geburt wird das Kind kaum nasse Windeln haben - es besteht kein Grund zur Sorge!

Dass sich das Baby weiterhin gut entwickelt erkennt man daran, dass

  • sich das Kind entlang seiner Perzentilkurve entwickelt,
  • das Kind 4 bis 6 nasse Windeln am Tag hat, 
  • seine Haut rosig ist, 
  • es zufrieden wirkt und die Umgebung aufmerksam betrachtet und 
  • es nach dem Stillen Sättigungszeichen wie Loslassen der Brust, körperliche Entspannung und zufriedenes Einschlafen zeigt.

Zeichen, dass die Nahrung nicht ausreichend sein könnte sind

  • das Kind nimmt wenig, unregelmäßig oder gar nicht zu, 
  • die Augen sind eingesunken, 
  • die Schleimhäute sind trocken, 
  • Hautfalten bleiben stehen 
  • das Baby ballt die Fäuste
  • es ist dauerhaft unzufrieden,
  • es schläft sehr viel,
  • es wirkt apathisch, bewegt sich wenig, 
  • seltener Stuhlgang, 
  • der Haut fehlt Spannung, sie ist blass und 
  • der Urin ist nicht blass oder leicht gelb sondern dunkelgelb bis orange und riecht stark.

Alle diese Zeichen können darauf hindeuten, dass das Kind nicht satt wird - jedes einzelne kann jedoch auch harmlos sein (seltener Stuhlgang ist bspw. bei Stillkindern häufig). ´

Man geht üblicherweise eigentlich zurecht davon aus, dass sich ein hungriges Kind bemerkbar macht - die Natur hat es so eingerichtet, dass hungrige Kinder ihr Bedüfnis lautstark kund tun. Im Hinterkopf sollte man jedoch behalten, dass nicht alle Kinder derart vehement Nahrung einfordern. Einige schalten bei nicht ausreichender Nahrungszufuhr in den Energiesparmodus, sie schlafen dann viel und sind sehr, sehr ruhig. Ein ruhiges, viel schlafendes nicht schreiendes Kind kann also durchaus hungern! Bei diesen Kinder sollte man die Gewichtszunahme im Auge behalten - liegt die im Rahmen, hat man offenbar einfach ein besonders pflegeleichtes Kind bekommen. 


Die normale Gewichtsentwicklung von Stillkindern 


In den ersten drei Tagen nach der Geburt verlieren fast alle Kinder zunächst an Gewicht, da der sich Stoffwechsel und Wasserhaushalt von der Nabelschnurernährung auf die orale Ernährung umstellen, die Nahrungszufuhr zunächst begrenzt ist (Kolostrum) und das Kindspech ausgeschieden wird. Mehr als 7% des Geburtsgewichtes sollte dieser Gewichtsverlust jedoch nicht betragen - bei einer Abnahme von über 10% und Anzeichen einer Dehydrierung oder von Krankheitssymptomen ist das Zufüttern von zusätzlicher Muttermilch oder Säuglingsmilch erforderlich.

Ab dem vierten Tag sollte das Kind wieder zunehmen. Das Geburtsgewicht ist üblicherweise nach 7 Tagen erreicht, auch eine Dauer von bis zu 14 Tagen ist noch normal. Kritisch wird es, wenn das Geburtsgewicht nach 3 Wochen noch immer nicht erreicht ist - dies erfordert ärztliche Begleitung.
  
Ein vollgestilltes, normalgewichtiges, gesundes Baby sollte pro Woche mindestens zunehmen:

  • 0-3 Monate                         140 g (das entspricht 20 g pro Tag)
  • 3-6 Monate                           70 g
  • 6-12 Monate                         40 g.

Die tatsächliche durchschnittliche Zunahme pro Woche liegt meist höher:

  • bis 2 Monate             170 - 330 g
  • bis 4 Monate             110 - 330 g
  • bis 6 Monate               70 - 140 g
  • bis 12 Monate             40 - 110 g.

Als grobe Richtlinie gilt: Das Geburtsgewicht verdoppelt sich mit etwa 6 Monaten, nach 12 Monaten ist es verdreifacht und mit 2 Jahren vervierfacht.

Man muss dabei immer bedenken: Kinder nehmen nicht gleichmäßig zu - das kann durchaus sprunghaft passieren. Daher sollte man das Gewicht längerfristig beobachten, ohne dabei die Waage überzustrapazieren. Kein Kind wird ernsthaft Schaden nehmen, wenn es mal drei Wochen nicht zugenommen hat, wenn es sonst keine Anzeichen von Unzufriedenheit oder Austrocknung zeigt.

Beim Wiegen ist darauf zu achten, dass die Wiegesituation möglichst immer gleich ist, damit die Ergebnisse vergleichbar sind. Das Wiegen sollte entweder nackt oder mit ähnlicher Bekleidung (allein diese kann das Ergebnis ordentlich verfälschen) und immer ohne oder mit (alter) Windel erfolgen - auch hier ergeben sich sonst erhebliche Differenzen. Das Wiegen birgt die Gefahr, Sorgen zu potenzieren, daher sollte man es auf ein Mindestmaß (sinnvoll: ein- bis zweimal die Woche) begrenzen. Denke immer daran: Windel-, Magen-, Darm- und Blaseninhalt können zu nicht unerheblichen Differenzen führen. Daher ist es empfehlenswert, keine Einzelwerte zu vergleichen (womöglich noch tagesbezogen) sondern Tendenzen zu beobachten. 

Ab wann spricht man von einer Gedeihstörung? 


Als Gedeihstörung bezeichnet man das Abknicken von der ursprünglichen Perzentile (oft verbunden mit auch geringerem Längen- und Kopfumfangswachstum), insbesondere bei Unterschreitung der 3er-Perzentile. Aber auch das Verlassen der Perzentile kann normal sein. Mein Sohn war so ein Fall - er wurde mit propperen 4370 g geboren und in den ersten Lebensmonaten voll gestillt. Er nahm innerhalb einer Woche nach der Geburt 570 Gramm zu und ich fragte mich, ob das denn normal sein könne. Gesorgt, dass er unterversorgt sein konnte, habe ich mich natürlich nicht. Als das nächste Mal 11 Wochen später gewogen wurde, war das Ergebnis, dass er bis dahin gerade mal 87 g pro Woche zugenommen hat. Die Zunahme bleib danach auch weiter über lange Zeit so - er war dabei aber nie unzufrieden.

Bis heute ist er ein absoluter Wenigesser. Er war also schlicht ein Langsamzunehmer. Für mich beunruhigend war, dass er in den ersten 4 Monaten durch die Perzentilkurven wanderte - in den ersten zwei Wochen auf der 90er-Perzentile rutschte er nach und nach auf die 40-er Perzentile - wo er allerdings seitdem dauerhaft blieb. Zurückblickend kann ich also bestätigen, dass auch solche Entwicklungen offenbar vollkommen normal sein können - doch dies ist eher ungewöhnlich. Ein Verlassen der Perzentilen sollte immer kritisch betrachtet werden.

Neben dem Durchwandern der Perzentilen ist der Zustand Unterernährung ein Anhaltspunkt für eine Gedeihstörung. Ob eine Unterernährung vorliegt, kann mit folgender Berechnung ermittelt werden.

                                                                         Körpergewicht x 100
Längensollgewicht (in %) =  ----------------------------------------------------------------------------
                                                 Gewichtsmedian (50er-Perzentile) für die Körpergröße

Das Längesollgewicht sollte bei einem Wert zwischen 90 und 110% liegen - ein Wert von unter 90 % lässt auf eine Unterernährung schließen.

Die Perzentilkurven in den U-Heften sind übrigens auf Basis von flaschenernährten Kindern erstellt - bei Stillkindern ist es häufig so, dass diese anfangs sehr schnell zunehmen und die Zunahme danach im Verlauf des ersten Lebensjahres abflacht. Die aktuellen WHO-Kurven, die auf Stillen basieren findest Du hier:



                                 Mädchen                                          Jungen

                  




 


Wie schon ausgeführt, ist die Gewichtsentwicklung zwar ein wichtiger Indikator, sollte jedoch nicht als alleinigen Faktor für die gesunde Entwicklung eines Kindes betrachtet werden. Maßgeblich sind viel mehr das Erscheinungsbild und das Verhalten des Kindes. Ist die Haut rosig, die Windeln gefüllt und das Kind zufrieden und aktiv, besteht trotz geringer Zunahme kein Grund zur Sorge.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, ob das Kind zu wenig Milch bekommt - beispielsweise wegen einer allgemeine Saugschwäche (z. B. durch Frühgeburtlichkeit) oder wirklich eingeschränkter mütterlicher Milchproduktion - oder ob die Milch schlecht verwertet wird oder der Grundenergieumsatz wegen einer Erkrankung zu hoch ist. Wie viel das Kind trinkt, kann durch eine Stillprobe festgestellt werden - dabei wird das Kind unter gleichen Bedingungen (mit Windel) vor und nach dem Stillen gewogen. Die Differenz gibt Auskunft über die Trinkmenge (Gewicht in Gramm entspricht dabei Milliliter Milch).

Folgende Einschränkungen bzw. Erkrankungen führen u. A. zu Gedeihstörungen:
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit wie Laktoseintoleranz bei Stillkindern, Kuhmilch bei Flaschenkindern oder Zöliakie (gehen oft einher mit Trinkverweigerung, Bauchschmerzen, Blähungen, abnormen Stühlen oder Ekzemen)
  • Refluxösophagitis - Entzündung der Speiserühre am Magenausgang (die Kinder spucken in der Regel - aber nicht immer! - vermehrt und überstrecken sich häufig beim Trinken, schreien schon beim Trinken, haben blutige Fäden im Erbrochenen)
  • Stoffwechselerkrankungen,
  • Herzerkrankungen,
  • Nieren- oder Lebererkrankung oder
  • angeborene Syndrome (wie z. B. Williams-Beuren-Syndrom oder Silver-Russel-Syndrom).

Während Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Reflux häufiger auftreten, sind die übrigen genannten Fälle sind jedoch nur sehr selten und bleiben nicht lange unentdeckt, da sie sich mit zahlreichen weiteren Symptomen bemerkbar machen. 

Zusammenfassung 


Ein vollgestilltes Kind bekommt in der Regel genügend Muttermilch. Die Trinkmengen nehmen phasenweise oder dauerhaft zu, weswegen es notwendig ist, dass das Kind entsprechend durch häufiges Saugen einen höheren Bedarf signalisiert, den die Brust dann mit ein bis zwei Tagen Verzögerung erfüllt. Dies ist kein Zeichen, dass ein Milchmangel vorliegt. So lange sich das Gewicht normal entwickelt und das Kind meist zufrieden ist, besteht kein Grund zu Sorge.

Werden Auffälligkeiten wie Erbrechen, Blähungen, Überstrecken oder merkwürdiger Stuhl beobachtet oder ist das Kind häufig unzufrieden, sehr schläfrig, blass usw. (siehe oben) sollte durch eine Stillprobe geprüft werden, ob es genügend Nahrung zu sich nimmt.

© Danielle 




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Kommentare:

  1. Liebe Danielle,
    Danke für den Artikel!
    Er hat mich jetzt wieder etwas in meiner Sorge beruhigt. Bei der U6 meiner 13 Monate alten Tochter waren die Werte unter der untersten Perzentile. Größe 71cm und nur 7,5kg. Sie ist wirklich sehr zart, aber ich und mein Mann und mein Sohn (jetzt drei Jahre) waren und sind auch ehre zart gewesen, als Baby und Kleinkind.
    Sie wird auch die meiste Zeit gestillt. BLW wollte ich dieses mal gleich von Beginn an machen, weil ich bei meinem Sohn ziemlich gedrängt wurde von den Großeltern, dass ich immer wieder Brei geben soll. Obwohl er sich immer gewehrt hat. Gewürgt, gespuckt und doll geweint. Es fühlte sich so falsch an, dass ich ihn dann später hab entscheiden lassen und jetzt isst er ganz normal.
    Meine Tochter ist jetzt aber vergleichsweise noch langsamer mit dem richtigem Essen. Was mich eigentlich nicht stört, weil ich wirklich gerne Stille. Aber jetzt wird natürlich wieder meine Umwelt nervös.
    Was mich aber schon und trotzdem etwas verunsichert, ist die Tatsache, dass sie wirklich Interesse am Essen hat und auch alles probiert, aber alles zerhexelt wieder ausspuckt. Kommt dann überhaupt was an, also der Stuhl hat sich schon verändert, aber wie gesagt, sie nimmt ja eher schlecht zu.
    Wahrscheinlich sollte ich weiter entspannt sein, aber vielleicht ist es doch ein Problem der Motorik richtig zu schlucken?
    Ansonsten entwickelt sie sich prächtig, erzählt, läuft an der Hand (ließ sich leider nicht vermeiden..) und macht einen fröhlichen Gesamteindruck.
    Macht bitte weiter so! Hab schon so viel von Euch gelernt!!!! Danke

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    1. Liebe Steffi,

      wenn sie zart ist, dann ist Muttermilch das Beste für sie - die enthält die meisten Kalorien. In dem Alter kannst Du das noch völlig entspannt sehen - wenn sie zufrieden und fit und agil ist, dann ist eine Mangelernährung extrem unwahrscheinlich.

      Es kann schon sein, dass sie da noch motorische Probleme hat, aber die verwachsen sich ganz sicher in den nächsten Monaten. Es ist gut und wichtig, dass sie probiert - dem Ausspucken würde ich nicht viel Aufmerksamkeit und Bedeutung schenken. Man kann aber auch mal Brei probieren - manche Kinder mögen kein BLW - so wie manche nichts mit Brei anfangen können. Wenn sie Brei besser essen würde, würde ich ihr den auch geben.

      Meist kommt der Sprung des besser/mehr Essens noch vor dem 15. Monat - bis dahin würde ich das noch entspannt sehen. Danach kann man schon mal schauen, ob es ein Mundmotorikproblem geben könnte. Das Zungenbändchen ist okay?

      Liebe Grüße und vielen Dank!
      Danielle

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    2. Das kann ich Dir gar nicht genau sagen, hat zumindest noch kein Kinderarzt beanstandet.
      Brei hat sie bis jetzt auch nicht so wirklich genommen, aber vielleicht war es ja auch einfach nicht ihr Geschmack ;) sie lutscht nämlich voll gerne an Salami.. muss also wohl deftig sein ;)
      Ich werde es nochmal probieren!

      Vielen lieben Dank für Deine schnelle Antwort!! Bin jetzt wieder viel gelassener..

      Liebe Grüße Steffi

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  2. Vielen Dank! Mein Kind (Geburtsgewicht 4400g) ist auch ein "Langsamzunehmer" - dabei übraus agil und flink, wir gehen natürlich ständig zur Kontrolle... Du nimmst mir Sorgenpakete von den Schultern!

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    1. Das freut mich sehr! Bei meinem Sohn ist es übrigens in den letzten vier Jahren dabei geblieben, dass er sehr langsam zunimmt und sehr wenig isst. Aber er ist fit und fröhlich dabei - das wäre für mich mittlerweile immer der wichtigste Indikator.

      Herzliche Grüße
      Danielle

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  3. Mein Sohn hatte bis zum 5. Monat nir 2 mal pro Woche Stuhlgang, manchmal sogar weniger. Er hatte innerhalb von 3 Monaten sein Geburtsgewicht verdoppelt und wiegt heute 11kg! Sind mindestens dreimal Stuhlgang pro Tag am Anfang wirklich ausschlaggebend? Meine Stillbraterin sagt, das haenge von der Ernaehrung der Mutter ab; davon, wie gut die Naehrstoffe verwertet werden... Petra

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    1. Liebe Petra,

      die Angabe "mindestens 3 mal Stuhlgang" bezieht sich ausschließlich auf die ersten 6 Wochen. Es gibt (wenige) Kinder, die auch seltener Stuhlgang haben, aber zumindest eine dreimal volle Windel am Tag deutet darauf hin, dass das Kind satt wird.

      Viele Grüße!
      Danielle

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  4. Die Aussage, dass jede Frau genug Milch hätte, findet sich ja wirklich zuhauf im Internet – und geht an der Lebenswirklichkeit vieler Frauen total vorbei. Eine Tatsache wird fast immer außer Acht gelassen: Stress ist einer der Haupteinflussfaktoren für die Milchmenge. Bei manchen Frauen reagiert die Milch nicht auf Stress, bei anderen sehr stark. Unter extremem Stress (z. B. Folter) kann die Milch vollends versiegen. Was als stressend wahrgenommen wird, ist unterschiedlich: Manche Frauen sind gelassen trotz zwanzig schreiender Kinder, andere setzt allein die Befürchtung, nicht genug MIlch zu haben, unter so großen Stress, dass die Milch dadurch weniger werden kann.

    Das bildet sich in Studien natürlich nicht ab: Eine Frau, die so gestresst ist, würde vermutlich a) gar nicht an einer Studie teilnehmen, b) in die Drop-out-rate fallen, weil sie zwischendurch den Anschluss verliert, oder c) wenn sie in der Nachbefragung erzählt, dass sie täglich weint, Schlafprobleme und Ängste hat, aus den Ergebnissen ausgeschlossen werden, weil sie nicht der Norm entspricht.

    Stress können einige Mütter aber nicht vermeiden – sei es aus substantiellen Gründen wie finanzieller oder familiärer Not, oder weil sie von vornherein anfällig sind. 10-15% der Mütter bekommen eine postpartale Depression und fühlen sich der Herausforderung, ein Kind zu betreuen, psychisch nicht gewachsen. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine frühere psychische Störung erneut auftritt, ist hoch. Immerhin haben 20% der Bevölkerung zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben eine behandlungsbedürftige psychische Störung.
    Wie gesagt, das wirkt sich nicht bei allen Frauen auf die Milchmenge aus – aber bei mehr als den von Dir beschriebenen „sehr, sehr, sehr, sehr seltenen Ausnahmen“ oder den anderswo häufig genannten 2%.

    Ich hatte nie genug Milch. Trotz dauerstillen, zusätzlich bis zu 20x abpumpen (und ja, MSR wurde ausgelöst), Einnahme sämtlicher legaler und halblegaler Mittel zur Milchmengensteigerung, der Bescheinigung von zwei Ärzten, dass die körperlichen Voraussetzungen fürs Stillen gegeben seien, und persönlicher Beratung durch zwei Stillberaterinnen (ja, teuer …). Nach zehnwöchigem Kampf musste ich den Traum vom Vollstillen aufgeben. Eine sehr erfahrene Stillberaterin sagte mir, dass ich zu gestresst sei und der Versuch, die Milchproduktion zu steigern, weiteren Stress bedeute und daher nicht fruchten könne. Ich glaubte ihr nur halb, konnte aber eh nichts anderes tun als aufhören (alle 10 Minuten abpumpen verträgt sich nicht mit leben, und ich hatte alle Methoden, die ich oder die Stillberaterinnen finden konnten, durch).
    Als mein Sohn acht Monate alt war, hatte ich ein Erlebnis, das mir die Augen öffnete: Mein Mann nahm ihn für ein paar Nächte, so dass ich, statt nachts stündlich zu stillen, wie von Geburt an, nur alle vier Stunden stillen musste. Das Ausgeschlafensein hob meine Stimmung beträchtlich – und plötzlich floss die Milch. Zuerst konnte ich es kaum glauben, aber es ging die ganzen vier Tage so. Ich wagte zu hoffen, dass es vielleicht doch mit dem Vollstillen klappen könnte, doch sobald ich wieder die nächtliche Verantwortung hatte, ging die Milch zurück (Mann, hab ich geweint …).

    Das WIRKLICH Schlimme aber ist, dass aufgrund solcher ideologischer Artikel ständig im Raum steht, Frauen, die zu wenig Milch produzieren, würden etwas falsch machen; sie hätten es nicht richtig oder nicht lang genug probiert; sie wären irgendwie „besonders“. Frauen ohne Probleme mit der Milchmenge haben für Frauen, die zu wenig Milch produzieren, häufig statt Bedauern und Empathie bestenfalls skeptische Blicke und schon längst versuchte Tipps, schlimmstenfalls wirklich Verachtung übrig. Ich würde mir wünschen, dass es bei stillenden Frauen mehr Offenheit für diese Probleme gibt – und dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Stillen oder Nichtstillen manchmal keine Frage des Wollens ist, sondern dass etwas, was theoretisch unter den besten Bedingungen ginge, praktisch trotzdem unmöglich sein kann, weil keine besseren Bedingungen hergestellt werden können.

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    1. Liebe Leo,

      ganz herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Das ist in der Tat ein leider zu unbeachteter Aspekt - ich werde den Artikel diesbezüglich überarbeiten. Trotzdem finde ich den Artikel nicht ideologisch ;-) - er richtet sich an die Frauen, die gerne stillen wollen und nicht gegen Flaschennahrung.

      Viele Grüße!
      Danielle

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    2. Du hast Recht, der Artikel ist nicht ideologisch, sondern sehr fundiert. Deswegen hab ich meinen Kommentar hierhin gesetzt und nicht unter einen der 1.000.000 anderen Artikel zu dem Thema (: Aber die Aussage, jede Frau könne stillen, empfinde ich als ideologisch. Insbesondere da sie von einigen Frauen leider unwissenderweise recht kämpferisch verfochten wird. Wobei ... Es KANN ja jede Frau stillen, nur manche vielleicht in manchen Situationen nicht voll. Vertrackt ist nur, dass das richtige Zufüttern nicht so einfach ist und viele davon nicht mehr weg kommen oder allmählich immer mehr geben. Darüber könntet Ihr sogar einen Artikel schreiben - ich habe nämlich fast nichts im Internet gefunden dazu, wie man vernünftig die Zufütterungsmenge reduziert.

      PS: Danke für die sofortige Aufnahme des Themas - hätte nicht damit gerechnet, dass es SO persönlich wird^^

      Löschen
  5. Danke für euren Artikel, der mich rückblickend zum Nachdenken bringt. Mein Sohn ist jetzt 8 Monate alt, voll gestillt habe ich ihn leider nur wenige Wochen. Sein Geburtsgewicht hatte er schnell wieder erreicht, danach aber pro Woche nur 60g zugenommen und laut diverser stillproben über die Wochen auch immer viel zu wenig getrunken. So habe ich auf drängen der Hebamme recht schnell angefangen, abzupumpen und zuzufüttern, als das immer noch nichts brachte, auch pre-nahrung zu geben. Die Milch wurde immer weniger, trotz Stillberaterin und Gegenmaßnahmen, und mit 3 Monaten hat er die Brust nur noch angeschrien, sodass an Stillen gar nicht mehr zu denken war.
    Mittlerweile kommt mir das alles etwas überflüssig und übereilt vor, auch wenn ich keine Ahnung habe, was ich hätte anders machen können. Im Nachhinein habe ich ein schlechtes Gefühl dabei, so schnell aufgegeben zu haben, auch wenn ich es damals nicht so empfunden habe und mich die Situation extrem gestresst hat.
    Ich weiß, aus der Ferne und ohne die genauen Umstände zu kennen eine Bewertung abzugeben ist schwierig, aber meint ihr, man hätte das Ganze vielleicht anders angehen können oder würdet ihr die Situation anders deuten? Ich bin etwas ratlos, denn ich kenne niemanden sonst mit einem Stillproblem und würde das gern für mich aufarbeiten, gern auch mit Tipps von jemandem mit einer anderen als der üblichen pragmatischen Sicht(=kannst du nicht stillen, füttere halt zu), um es gegebenenfalls beim nächsten Kind besser anzugehen.

    LG, OktoberKind :-)

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    1. Liebe Oktoberkind,

      ich kann gut verstehen, dass es Dir schwer fällt, das zu verarbeiten. Es ist immer schwierig, wenn etwas nicht so lief, wie man sich das gewünscht hat.

      Ich weiß auch gut, wie man sich fühlt, wenn das Kind so schlecht zunimmt. Heute sehe ich das gelassen, damals habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht. Hat er denn mit der Pre schneller zugenommen? Hat er davon mehr getrunken?

      Es gibt einfach Kinder, für die Stillen wirklich schwierig ist und die tatsächlich deswegen zuwenig zunehmen - die sind aber dann auch oft sehr unzufrieden oder extrem ruhig. Es ist schwer zu sagen, ob Dein Sohn dazu zählte. Es kann auch gut sein, dass er durch das Zufüttern eine Saugverwirrung hatte - falls es wieder nötig ist, solltest Du lieber einen Fütterbecher nehmen.

      Wenn Dich die Situation extrem gestresst hat, dann war es richtig, abzustillen. Denn eine permanent gestresste Mutter ist für das Kind nicht gut. Dann lieber mit Flasche und (halbwegs) zufrieden.

      Was wichtig ist: Versuche Dich für das nächste Kind, von stressigen Gedanken zu lösen. Geh optimistisch ran und sag Dir, dass es dieses Mal super klappen wird.

      Liebe Grüße
      Danielle

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  6. Ach ja, die Sache mit dem Stuhlgang hat mich auch etwas irritiert;das erste mal hatte er ihn mit 10 Tagen (Dank Kümmelzäpfchen), die nächsten 4 Monate nur alle 3 Tage (da bekam er auch schon seit ner Weile nur die Flasche)

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  7. MINDESTENS! drei mal täglichen Stuhlgang als Anzeichen dafür zu sehen, dass das Kind wirklich durch das Stillen satt wird, halte ich als "generelle" Aussage für sehr verunsichernd, wenn nicht sogar so formuliert für falsch. Unser Sohn - vollgestillt - hatte in den ersten Lebenswochen "manchmal!" 2-3 mal am Tag Stuhlgang, manche Wochen aber auch nur ein bis zwei Mal pro Woche. Es lagen also gerne mal 3-4 Tage zwischen zwei Stuhlgängen, was bei gestillten Kindern auch vollkommen normal und für sich genommen - ohne weitere Auffälligkeiten - kein Grund zur Sorge ist.

    Man kann es also meinetwegen so formulieren, dass bei 3x Stuhlgang pro Woche von einem satten Baby ausgegangen werden kann/darf, aber bei deutlich weniger häufigem Stuhlgang nicht ein Mangel zwingend vorhanden sein muss.

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    1. Danke für den Hinweis - genau so war es auch gemeint. Da es offenbar nicht eindeutig verständlich formuliert war, werde ich das noch mal klarstellen.

      Gruß
      Danielle

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  8. Hallo ihr Lieben!
    Ich habe zwei Kinder, bei meinem Großen hatte ich nicht genug Milch, er war von Geburt an sehr schläfrig, das Kkh, obwohl als babyfreundlich zertifiziert, sehr schlecht in der Beratung und es war einfach nicht genug Anreiz da. Zum Schluss hab ich 1 1/2 Stunden pro Mahlzeit mit ihm gesessen, was ich einfach nicht mehr aushielt und hab dann angefangen, nach der Brust die Flasche zu geben. Das hab ich bis zum 7. Monat mit dem Nachmittagsbrei gemacht, danach war es innerhalb von ein paar Tagen mit der Milch vorbei. Er ist trotzdem gesund und munter. Bei meiner Tochter wusste ich ja wenigstens von Anfang an wie man es NICHT macht. Sie wird jetzt 10 Wochen, wird voll gestillt, ist propper und zufrieden. Wir haben grade den 2.Entwicklungsschub hinter uns, bei dem ich am Ende doch anfing zu zweifeln ob die Milch reicht, ich hab auch kleine Brüste.Euer Artikel hat mich wieder bestärkt dass alles in Ordnung ist, man muss sich, seinem Körper und dem Kind vertrauen, und Ruhe bewahren. Leider haben wir zur Zeit auch noch das abendliche Schreien, es ist aber auch schön wenn ich es schaffe sie zu beruhigen. Zum Glück ist mein Sohn ein ganz toller großer Bruder, nicht eifersüchtig und sehr um seine kleine Schwester besorgt. Ich lese euren Blog schon seit kurz nach seiner Geburt und ihr entsprecht meiner Ansicht von Erziehung (bzw Begleitung). Ich bin so froh euch gefunden zu haben, mein Großer ist wirklich toll und sehr verständlich für seine drei Jahre, er überrascht uns immer wieder. Ein ganz großes Lob an euch, macht weiter so.

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