Wenn jede Aufforderung zum Konflikt führt - PDA verstehen

Manche Kinder geraten schon bei Dingen in Stress, die für andere völlig selbstverständlich wirken. Sie möchten sich anziehen und schaffen es trotzdem nicht. Sie wollen eigentlich auf den Spielplatz und weigern sich plötzlich, die Schuhe anzuziehen. Eine scheinbar harmlose Bitte löst einen heftigen Wutausbruch aus. Für Eltern wirkt dieses Verhalten oft widersprüchlich und kaum nachvollziehbar.

In dieser Podcastfolge sprechen wir mit Mark Leonard über das PDA-Autismusprofil. Mark hat darüber das Buch "Mein einzigartiges PANDA-Kind"* geschrieben. PDA steht für Pathological Demand Avoidance beziehungsweise Pervasive Drive for Autonomy. Dahinter verbirgt sich ein noch wenig bekanntes Autismusprofil, bei dem Anforderungen als massive Bedrohung erlebt werden können. Das verändert den Blick auf viele Situationen im Familienalltag grundlegend.

Wenn Alltag zur Überforderung wird

Für viele Familien beginnt die Suche nach Antworten lange bevor sie den Begriff PDA überhaupt hören. Sie erleben ein Kind, das auf vieles ganz anders reagiert als Gleichaltrige. Anziehen, Zähneputzen, Hausaufgaben oder der Weg in die Kita können jeden Tag zu einer enormen Belastung werden. Trotzdem funktioniert das Kind außerhalb der Familie manchmal nahezu unauffällig, sodass Eltern häufig auf Unverständnis stoßen.

Mark erklärt, warum gerade diese Widersprüche typisch sein können und weshalb viele Eltern zunächst glauben, sie hätten in ihrer Erziehung etwas falsch gemacht.

Warum schon kleine Anforderungen zu groß werden können

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Folge lautet: Für Kinder mit PDA können Anforderungen weit mehr sein als direkte Aufforderungen.

Auch Fragen, Erwartungen, körperliche Bedürfnisse oder Veränderungen können das Nervensystem unter Druck setzen. Das erklärt, weshalb selbst Situationen eskalieren können, die für Außenstehende völlig belanglos erscheinen.

Wir sprechen darüber,

  • warum Kontrolle und Autonomie für diese Kinder eine so große Rolle spielen,
  • weshalb Widerstand oft keine bewusste Entscheidung ist,
  • was während eines Meltdowns im Kind passiert und
  • warum "klassische Erziehungsmethoden" vor allem bei diesen Kindern nicht funktionieren.

Was Eltern im Alltag helfen kann

Natürlich geht es nicht nur um das Verständnis des Verhaltens, sondern auch um den Familienalltag. Mark beschreibt, welche Haltung Eltern entlasten kann, warum Beziehung wichtiger ist als Kontrolle und welche Strategien helfen können, Konflikte zu entschärfen. Dabei wird deutlich, dass es keine Patentrezepte gibt, wohl aber einen Perspektivwechsel, der vieles verständlicher macht.

Kita, Schule und Diagnostik

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist der Blick auf das Leben außerhalb der Familie. Wir sprechen darüber, warum viele Kinder erst in Kita oder Schule auffallen, welche Rolle eine Diagnostik spielen kann und weshalb betroffene Familien oft einen langen Weg hinter sich haben, bevor sie passende Unterstützung finden. Auch das Thema autistisches Burnout kommt zur Sprache, ebenso wie die Frage, welche Bedingungen Kinder mit PDA brauchen, um sich gut entwickeln zu können.

Mehr über Mark erfahrt ihr auf seiner Homepage und bei Instagram.

Mehr Entspannung am Familientisch - kindliches Essverhalten besser verstehen

Wer mit Kindern zusammenlebt, weiß: Essen kann viele widersprüchliche Gefühle auslösen. Da ist die Sorge, ob das Kind genug Gemüse isst, ausreichend Nährstoffe bekommt oder vielleicht viel zu einseitig isst. Oder es kommt zu Diskussionen über Probierhäppchen, liegen gelassene Mahlzeiten und Kinder, die scheinbar wochenlang von Nudeln, Toast oder einer Handvoll ausgewählter Lebensmittel leben könnten. Und oft schleicht sich irgendwann die Frage ein: Mache ich etwas falsch?

In unserer Podcastfolge sprechen wir mit der Ernährungspsychologin Ronia Schiftan darüber, warum Essen in Familien so häufig zum Konfliktthema wird und weshalb viele Herausforderungen am Esstisch sehr viel verständlicher sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Ronia hat darüber das Buch "Wie Kinder essen"* geschrieben.

Dabei beginnt die Geschichte schon viel früher als bei der Frage, ob ein Kind Brokkoli mag oder nicht. Kinder kommen mit der Fähigkeit zur Welt, Hunger und Sättigung wahrzunehmen. Sie können grundsätzlich spüren, wann sie etwas brauchen und wann sie genug haben. Sie lernen aber auch von Anfang an in einem sozialen Umfeld. Sie erleben Vorbilder, Regeln, Gewohnheiten und Erwartungen. Aus dem ursprünglich sehr intuitiven Essen wird nach und nach ein komplexes Zusammenspiel aus Körperwahrnehmung, Erfahrungen und sozialen Einflüssen.

Deshalb sollten wir kindliches Essverhalten nicht vorschnell bewerten. Was für Erwachsene oft wie Verweigerung, Undankbarkeit oder Trotz aussieht, kann viele andere Ursachen haben. Vielleicht ist das Kind müde, überfordert oder schlicht nicht hungrig. Oder es spielt eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen, Konsistenzen oder Geschmäckern eine Rolle. Möglicherweise befindet es sich auch einfach in einer Entwicklungsphase, in der Vertrautes Sicherheit vermittelt und Neues erst langsam akzeptiert wird.

Auch die Erfahrungen der Eltern spielen eine Rolle. Denn Essen ist niemals nur eine Frage von Nährstoffen. Fast alle von uns bringen Erinnerungen, Überzeugungen und Gefühle aus der eigenen Kindheit mit an den Familientisch. Manche erinnern sich an strenge Regeln, andere an Kommentare über Gewicht oder daran, dass bestimmte Lebensmittel als besonders gesund oder besonders problematisch galten. Diese Erfahrungen beeinflussen oft unbewusst, wie wir heute auf das Essverhalten unserer Kinder reagieren.

Ronia erklärt, warum Druck selten zu einem entspannteren Essverhalten führt, weshalb Belohnungen und Bestechungsversuche häufig nach hinten losgehen und wie Eltern unterscheiden können, wann Gelassenheit angebracht ist und wann es sinnvoll sein kann, genauer hinzuschauen.

Wir werfen außerdem einen Blick auf Kinder, die sehr wählerisch essen oder auf bestimmte Geschmäcker und Konsistenzen empfindlich reagieren. Auch neurodivergente Kinder, beispielsweise mit ADHS oder Autismus, bringen häufig besondere Herausforderungen rund ums Essen mit, die sich nicht durch mehr Konsequenz oder bessere Argumente lösen lassen.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis, die viele Eltern vermutlich entlasten kann: Kinder lernen beim Essen nicht nur etwas über Lebensmittel. Sie lernen auch etwas über ihren Körper, über Bedürfnisse, über Genuss und über Beziehungen. Deshalb ist nicht nur wichtig, was auf dem Teller liegt, sondern auch, welche Atmosphäre am Tisch entsteht.

Reisen mit Kindern - praktische Tipps für entspannte Urlaube

Für viele Eltern beginnt die Urlaubsplanung mit Vorfreude und endet erst einmal bei einer langen Liste von Fragen. Wohin fahren wir? Was brauchen wir wirklich? Wie anstrengend wird die Anreise? Und lohnt sich das alles überhaupt, wenn die Kinder vor Ort vielleicht genauso lieber auf dem Spielplatz als vor einer Sehenswürdigkeit stehen?

In dieser Podcastfolge sprechen wir mit der Reisejournalistin und Autorin Christine Jaschek über das Reisen mit Kindern. Christine ist regelmäßig mit ihrer Familie unterwegs, von Städtetrips in Europa bis zu Fernreisen in Nordamerika. Dabei hat sie die Erfahrung gemacht, dass Reisen mit Kindern oft viel einfacher sein kann, als viele Eltern zunächst vermuten. Sie hat das Buch "Städtetrips mit Kids"* geschrieben.


Christine erklärt, warum Reisen für Kinder so wertvoll sind. Sie lernen unterwegs nicht nur neue Orte kennen, sondern erleben andere Sprachen, Gewohnheiten und Lebensweisen, müssen sich auf ungewohnte Situationen einstellen und sammeln Erfahrungen, die weit über das hinausgehen, was sie in Büchern oder im Schulunterricht erfahren können. Reisen erweitert den Horizont, und das oft ganz nebenbei.

Natürlich sprechen wir auch über die praktischen Herausforderungen. Wie plant man eine Städtereise mit Kindern so, dass sie für alle Beteiligten Spaß macht? Worauf sollte man bei der Auswahl von Aktivitäten achten? Und wie viel Programm ist eigentlich sinnvoll, bevor aus einem Urlaub eine anstrengende To-do-Liste wird?

Ein weiterer Schwerpunkt sind Fernreisen mit Kindern. Viele Eltern haben Respekt vor langen Flügen, Zeitverschiebungen und unbekannten Reisezielen. Christine erklärt, wie Familien sich auf lange Reisen vorbereiten können, was bei Jetlag hilft und warum manche Sorgen in der Praxis deutlich kleiner ausfallen als erwartet.

Auch die Kosten spielen eine wichtige Rolle. Reisen gilt als teuer, insbesondere für Familien. Christine berichtet, wie ihre Familie reist, ohne das Budget zu sprengen, welche Spartipps sich bewährt haben und an welchen Stellen es sich lohnt, bewusst Geld auszugeben.

Besonders spannend ist ihr Ansatz, möglichst nur mit Handgepäck zu reisen. Selbst bei mehrwöchigen Reisen kommt die Familie oft mit erstaunlich wenig Gepäck aus. Wir sprechen darüber, wie das funktioniert, warum weniger Gepäck oft mehr Freiheit bedeutet und welche Dinge sich unterwegs problemlos ersetzen lassen.

Außerdem geht es um die Frage, ob es eigentlich ein ideales Alter zum Reisen gibt. Sind Kleinkinder tatsächlich unkomplizierter als Schulkinder? Werden Reisen mit zunehmendem Alter der Kinder einfacher oder entstehen einfach nur neue Herausforderungen? Christine teilt ihre Erfahrungen aus verschiedenen Familienphasen und zeigt, dass jede Altersstufe ihre eigenen Vorzüge und Schwierigkeiten mit sich bringt.

Natürlich werfen wir auch einen Blick auf unterschiedliche Reiseformen. Ob Roadtrip, Campingurlaub, Flugreise oder Kreuzfahrt – jede Variante hat ihre Besonderheiten. Dabei sprechen wir auch über die kontroverse Diskussion rund um Kreuzfahrten, über Umweltaspekte, Vorurteile und die Frage, welche Faktoren Familien bei der Entscheidung für oder gegen diese Reiseform berücksichtigen sollten.

Mehr über Christine erfährst Du auf ihrer Homepage und auf Instagram.

Schwimmen lernen ohne Druck

Schwimmen gehört zu den Fähigkeiten, die wir unseren Kindern unbedingt mitgeben möchten. Schließlich geht es dabei nicht nur um Freizeitspaß, sondern auch um Sicherheit. Häufig wird das Schwimmenlernen zu einem überraschend emotionalen Thema. Während manche Kinder voller Begeisterung ins Wasser springen, reagieren andere mit Unsicherheit, Angst oder Widerstand. Eltern stehen dann oft vor der Frage: Soll ich motivieren, mehr üben, einen anderen Kurs suchen oder einfach abwarten?

Dabei richtet sich der Blick häufig sehr schnell auf das eigentliche Schwimmen. Auf Techniken, Abzeichen und die Frage, wann ein Kind endlich ohne Hilfe durchs Wasser kommt. Warum andere Fragen viel wichtiger sind, erklärt uns Anja Kerkow von Rochenkinder in dieser Podcastfolge.

Bevor Kinder schwimmen lernen, müssen sie sich im Wasser sicher fühlen. Sie müssen erleben, wie sich ihr Körper im Wasser bewegt, wie sich Auftrieb anfühlt und wie sie mit neuen Situationen umgehen können. Für manche Kinder geschieht das ganz selbstverständlich. Andere brauchen deutlich mehr Zeit. Beides ist normal.

Problematisch wird es oft dann, wenn Erwachsene den nächsten Entwicklungsschritt stärker im Blick haben als das Kind selbst. Wer große Angst vor dem Wasser hat, profitiert meist nicht davon, häufiger ins tiefe Becken geschickt zu werden. Angst verschwindet selten durch Druck. Viel häufiger braucht es positive Erfahrungen, Vertrauen und das Gefühl, die eigenen Grenzen respektieren zu dürfen.

Gerade beim Schwimmenlernen geraten Eltern schnell in einen Zwiespalt. Einerseits möchten sie ihr Kind schützen und ihm Sicherheit vermitteln. Andererseits wissen sie, dass Schwimmen eine wichtige Kompetenz ist. Hinzu kommen Vergleiche mit anderen Kindern. Das Nachbarskind hat bereits das Seepferdchen, die Klassenkameradin besucht schon den nächsten Kurs und plötzlich entsteht das Gefühl, das eigene Kind müsse ebenfalls weiter sein.

Kinder entwickeln sich jedoch nicht nach einem festen Zeitplan. Das gilt für das Laufen, das Sprechen und genauso für das Schwimmenlernen. Manche Kinder stürzen sich neugierig in jede neue Erfahrung. Andere beobachten zunächst lange, bevor sie den nächsten Schritt wagen. Beides sagt wenig darüber aus, wie sicher sie später schwimmen werden.

Ein weiterer Punkt, der häufig unterschätzt wird, ist die Rolle der Eltern. Viele glauben, sie könnten ihr Kind nur unterstützen, wenn sie selbst genau wissen, wie Schwimmtechniken vermittelt werden. Tatsächlich brauchen Kinder zunächst oft etwas anderes: eine vertraute Bezugsperson, die Sicherheit vermittelt, ihre Signale wahrnimmt und sie begleitet, ohne ständig zu korrigieren oder anzutreiben.

Schwimmkurse sind nicht grundsätzlich problematisch. Viele Kinder profitieren davon. Entscheidend ist jedoch, wie sie gestaltet werden. Fühlt sich ein Kind gesehen? Darf es in seinem Tempo lernen? Wird mit Ermutigung gearbeitet oder mit Druck? Gute Kurse vermitteln nicht nur Bewegungsabläufe, sondern schaffen einen Rahmen, in dem Kinder Vertrauen entwickeln können.

Auch die Frage nach Schwimmhilfen beschäftigt viele Familien. Sie vermitteln häufig das Gefühl von Sicherheit und ermöglichen Kindern erste Erfahrungen im Wasser. Gleichzeitig können sie dazu führen, dass Kinder sich sicherer fühlen, als sie tatsächlich sind. Deshalb ersetzen Schwimmhilfen nie die Aufsicht durch Erwachsene und auch nicht die Erfahrung, den eigenen Körper im Wasser kennenzulernen.

Vielleicht ist das Wichtigste beim Schwimmenlernen deshalb eine Erkenntnis, die weit über das Wasser hinausgeht: Kinder lernen nachhaltiger, wenn sie sich sicher fühlen. Sie lernen besser, wenn sie neugierig sein dürfen. Und sie entwickeln Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nicht dadurch, dass wir sie ständig antreiben, sondern dadurch, dass sie erleben, wie sie Herausforderungen Schritt für Schritt bewältigen können.

Schwimmenlernen ist kein Wettlauf. Es geht nicht darum, möglichst schnell ein Abzeichen zu erreichen. Es geht darum, dass Kinder sich im Wasser wohlfühlen, Risiken einschätzen lernen und langfristig sicher unterwegs sind. Der Weg dorthin darf so unterschiedlich sein wie die Kinder selbst.

Wie zu frühe Verantwortung Kinder prägt und bis ins Erwachsenenleben nachwirkt

Kinder, die früh Verantwortung übernehmen, gelten oft als besonders vernünftig, hilfsbereit und selbstständig. Sie denken mit, kümmern sich um andere und machen wenig Probleme. Viele Eltern erleben das als etwas Positives, doch manchmal steckt hinter dieser frühen Reife eine Belastung, die lange unbemerkt bleibt.

In dieser Podcastfolge sprechen wir mit der Psychologin und Autorin Jana Hauschild darüber, was passiert, wenn Kinder zu viel Verantwortung übernehmen und warum sich diese Erfahrungen oft bis weit ins Erwachsenenleben hinein auswirken. Im Mittelpunkt steht das Phänomen der Parentifizierung, also eine Rollenumkehr innerhalb der Familie, bei der Kinder Aufgaben und Verantwortlichkeiten übernehmen, die eigentlich Erwachsenen zustehen. Jana hat darüber das Buch "Das ewig hilfreiche Kind"* geschrieben.


Es geht nicht darum, dass Kinder im Haushalt helfen oder gelegentlich Verantwortung übernehmen, das gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu. Problematisch wird es dann, wenn Kinder dauerhaft Aufgaben übernehmen, die sie überfordern, wenn sie sich für die Stimmung ihrer Eltern verantwortlich fühlen, Trost spenden müssen, Konflikte schlichten oder das Gefühl entwickeln, für das Funktionieren der Familie zuständig zu sein.

Für die betroffenen Kinder wird diese Situation häufig zur Normalität, sie kennen es ja nicht anders. Viele erleben sich sogar als besonders stark, kompetent und hilfsbereit. Gleichzeitig lernen sie oft, die eigenen Bedürfnisse zu übergehen. Was sie selbst fühlen, wünschen oder brauchen, tritt in den Hintergrund.Die Folgen zeigen sich häufig erst viele Jahre später.

Viele Erwachsene, die als Kinder zu viel Verantwortung übernommen haben, berichten davon, dass sie sich bis heute für andere zuständig fühlen. Sie kümmern sich um Freunde, Partner oder Kollegen, können schwer Nein sagen und stellen die eigenen Bedürfnisse oft hinten an. Manche fühlen sich schuldig, wenn sie Grenzen setzen. Andere haben Schwierigkeiten, Hilfe anzunehmen oder überhaupt wahrzunehmen, dass sie selbst Unterstützung brauchen.

Häufig entstehen solche Dynamiken in Familien, die ohnehin stark belastet sind. Psychische oder körperliche Erkrankungen, Trennungen, finanzielle Sorgen oder andere Krisen können dazu führen, dass Eltern zeitweise nicht ausreichend Kraft haben, um für ihre Kinder da zu sein. Kinder reagieren darauf oft mit Anpassung und Verantwortungsübernahme.

Jana erklärt, wie Parentifizierung entsteht, woran Eltern erkennen können, dass ein Kind zu viel Verantwortung übernimmt, und warum gerade die emotionale Verantwortung für Kinder so belastend sein kann. Außerdem sprechen wir darüber, weshalb viele Betroffene ihre Kindheit erst als Erwachsene neu einordnen und wie es gelingen kann, sich von alten Rollen zu lösen.

Mehr über Janas Arbeit erfährst Du auf Janas Homepage. Zu dieser Folge passend: "People Pleasing - wie wir der Harmoniefalle entkommen".

Wenn aus Liebe Alltag wird - wie Eltern als Paar verbunden bleiben

Wenn wir Eltern werden, verschiebt sich der Fokus im Alltag oft ganz automatisch. Kinder brauchen Aufmerksamkeit, Organisation und Präsenz, der Haushalt läuft weiter, Termine wollen koordiniert werden und dazwischen bleibt die Paarbeziehung häufig auf der Strecke, ohne dass es eine bewusste Entscheidung dafür gibt. Viele Paare erleben diesen Wandel nicht als Bruch, sondern eher als schleichende Veränderung.

In dieser Podcastfolge sprechen wir mit der Psychologin und Autorin Linda Marlen Leinweber darüber, wie Elternschaft die Paarbeziehung beeinflusst und warum genau diese Phase für viele Beziehungen herausfordernd ist. Sie hat darüber das Buch „Frei und trotzdem verbunden“* geschrieben.

Linda erklärt, warum sich Paare nach der Geburt eines Kindes oft in ähnlichen Dynamiken wiederfinden. Viele erkennen Muster aus früheren Beziehungserfahrungen wieder, etwa ein stärkeres Bedürfnis nach Nähe auf der einen Seite und ein Rückzugstendenz auf der anderen. Diese Unterschiede sind kein Zufall, sondern hängen häufig mit sogenannten Bindungsmustern zusammen, die in der eigenen Kindheit geprägt wurden.

Wir sprechen darüber, wie stark frühe Beziehungserfahrungen unser heutiges Bindungsverhalten beeinflussen können. Manche Menschen erleben in Beziehungen eher Angst vor Nähe, andere eher Angst vor Verlust. Wenn diese unterschiedlichen Bedürfnisse in einer Partnerschaft aufeinandertreffen, kann das zu wiederkehrenden Konflikten führen, die sich im Familienalltag oft noch verstärken.

Wir wollten außerdem wissen, wie sich Beziehungen über die Zeit verändern. Gerade in der Anfangsphase fühlen sich viele Partnerschaften leicht und stabil an. Mit dem Übergang in den Familienalltag verändert sich diese Dynamik jedoch häufig deutlich. Routinen entstehen, Belastung nimmt zu und emotionale Ressourcen werden knapper. Dadurch kann es schwieriger werden, bewusst in Verbindung zu bleiben.

Auch Kommunikation spielt eine zentrale Rolle. Viele Eltern beschreiben, dass sie im Alltag zwar viel sprechen, aber sich trotzdem nicht wirklich verstanden fühlen. Häufig entstehen Missverständnisse nicht durch fehlenden Austausch, sondern durch unterschiedliche Bedürfnisse, unausgesprochene Erwartungen oder alte Muster im Umgang mit Konflikten.

Neben Kommunikation geht es auch um Themen wie Konfliktverhalten, Intimität und Eifersucht. Konflikte werden in vielen Beziehungen als belastend erlebt, obwohl sie gleichzeitig Entwicklung ermöglichen können. Entscheidend ist dabei nicht, ob gestritten wird, sondern wie Paare im Kontakt bleiben, auch wenn es schwierig wird.

Besonders sensibel wird es oft im Bereich Intimität. Unterschiedliche Bedürfnisse, Erschöpfung und fehlende Zeit können dazu führen, dass körperliche Nähe in den Hintergrund rückt. Auch hier zeigt sich, wie stark Beziehung immer wieder aktiv gestaltet werden muss, gerade im Kontext von Elternschaft.

Am Ende steht die Frage, was Beziehungen langfristig stabil hält. Die Folge macht deutlich, dass es dabei weniger um perfekte Lösungen geht, sondern um die Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten, Muster zu erkennen und immer wieder in Verbindung zu gehen, auch wenn der Alltag herausfordernd ist. Elternschaft verändert die Beziehung. Die entscheidende Frage ist, wie es gelingen kann, sich in dieser Veränderung als Paar nicht zu verlieren, sondern neue Formen von Nähe und Verbindung zu entwickeln.

Mehr über Linda erfahrt ihr auf ihrer Homepage und bei Instagram. Linda erwähnte das Buch "Die fünf Sprachen der Liebe"* von Gary Chapman.

Mehr zum Thema hörst Du auch in Folge 61 "Trennung - wie komme ich zu einer Entscheidung?", Folge 150 "Konflikte nutzen statt vermeiden - Streit liebevoll lösen" und in Folge 204 "Bindungsorientierte Erziehung als Team - gemeinsam Konflikte bewältigen und als Elternpaar gestärkt aus ihnen hervorgehen".

Endgegner Großeltern?- Konflikte verstehen und besser damit umgehen

Wenn wir selbst Eltern werden, verändert sich oft nicht nur unser Alltag, sondern auch die Beziehung zu unseren eigenen Eltern. Plötzlich sind sie nicht mehr nur Mama und Papa, sondern Oma und Opa. Und das klingt erst einmal nach Unterstützung, nach Nähe, nach diesem oft zitierten „Dorf“, das wir alle brauchen. Doch viele Familien erleben in dieser Phase auch Spannungen, Missverständnisse und Konflikte, die sie so vorher nicht kannten.

Ein Treffen, das eigentlich schön sein sollte, endet mit einem unguten Gefühl. Ein Kommentar, ein Blick oder ein gut gemeinter Ratschlag reichen aus, und innerlich bist du plötzlich wieder in alten Mustern gefangen. Du ärgerst dich, fühlst dich nicht ernst genommen oder beginnst, an dir selbst zu zweifeln. Und oft bleibt nach solchen Begegnungen mehr Erschöpfung als Entlastung.

In dieser Podcastfolge sprechen wir genau über diese Dynamiken und orientieren uns dabei auch an zentralen Gedanken aus dem Buch „Endgegner Großeltern?“* von Kristina Weber und Johannes Molz, das sich intensiv mit den Spannungen zwischen den Generationen auseinandersetzt und gleichzeitig einen versöhnlichen Blick darauf ermöglicht.

Was viele überrascht: Diese Konflikte entstehen selten erst mit der Geburt der eigenen Kinder. Sie waren oft schon vorher da. Der Unterschied ist nur, dass wir ihnen früher leichter ausweichen konnten. Mit der eigenen Elternschaft ändert sich das. Plötzlich brauchen wir unsere Eltern wieder, sei es praktisch, emotional oder einfach als Teil des Familienlebens. Und genau dadurch kommen alte Themen wieder an die Oberfläche.

Hinzu kommt, dass sich die Rollen verschieben. Wir sind nicht mehr nur die Kinder, sondern selbst verantwortlich. Wir treffen Entscheidungen, setzen Prioritäten und entwickeln eigene Vorstellungen davon, wie wir unsere Kinder begleiten möchten. Für unsere Eltern bedeutet das gleichzeitig, einen Schritt zurückzutreten, was oft leichter gesagt ist als getan. Auch für sie ist diese neue Rolle ungewohnt. Niemand bereitet uns darauf vor, Eltern zu werden, und genauso wenig gibt es eine Anleitung dafür, Großeltern zu sein.

Zwei Generationen mit unterschiedlichen Prägungen treffen aufeinandertreffen. Viele Großeltern sind mit ganz anderen Erziehungsvorstellungen groß geworden. Themen wie Nähe, Bedürfnisse, Schlafbegleitung oder emotionale Entwicklung wurden früher oft anders bewertet als heute. Während wir versuchen, unsere Kinder möglichst feinfühlig und bedürfnisorientiert zu begleiten, stoßen wir manchmal auf Unverständnis oder Kritik. Sätze wie „Das hat dir doch auch nicht geschadet“ oder „Früher haben wir das anders gemacht“ sind für viele Eltern sehr präsent.

Gleichzeitig lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen und zu schauen, was hinter solchen Aussagen steckt. Oft sind es keine bewussten Abwertungen, sondern Ausdruck der eigenen Erfahrungen. Unsere Eltern haben mit dem Wissen und den Möglichkeiten gehandelt, die sie damals hatten. Im Rückblick entsteht daraus leicht die Überzeugung, dass der eigene Weg der richtige war. Psychologisch spricht man hier vom sogenannten Rückschaufehler: Wir neigen dazu, vergangene Entscheidungen im Nachhinein als logisch und richtig zu bewerten.

Das macht Gespräche nicht unbedingt leichter. Beide Seiten fühlen sich im Recht und gleichzeitig schnell angegriffen. Für uns als Eltern kommt noch etwas dazu: In vielen Situationen reagieren wir nicht nur auf das, was gerade passiert, sondern auch auf das, was wir selbst als Kinder erlebt haben. Alte Gefühle können plötzlich wieder sehr präsent sein. Das erklärt, warum uns bestimmte Kommentare oder Verhaltensweisen so stark treffen.

Deshalb ist es wichtig, diese Dynamiken zu erkennen. Zu verstehen, dass es nicht nur um die aktuelle Situation geht, sondern oft um viel mehr. Das bedeutet nicht, dass wir alles akzeptieren müssen. Im Gegenteil. Eigene Grenzen wahrzunehmen und zu setzen, ist ein zentraler Teil dieser Entwicklung. Es geht darum, einen Weg zu finden, der Beziehung möglich macht, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Das ist ein Balanceakt. Klar zu kommunizieren, was sich für uns richtig anfühlt, und gleichzeitig offen zu bleiben für die Perspektive der anderen Seite. Das gelingt nicht immer und auch nicht sofort. Aber es kann helfen, aus festgefahrenen Mustern auszusteigen.

Vielleicht ist eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Auseinandersetzung, dass Konflikte nicht automatisch etwas Negatives sind. Sie zeigen oft, dass sich etwas verändert, dass wir uns weiterentwickeln und dass wir beginnen, Dinge bewusster zu gestalten. Gerade in der Beziehung zu den eigenen Eltern liegt darin auch eine Chance: alte Muster zu hinterfragen, sich neu zu positionieren und die Beziehung auf eine andere Ebene zu bringen. Das bedeutet nicht, dass alles harmonisch wird. Aber es kann dazu führen, dass Begegnungen weniger von unausgesprochenen Erwartungen geprägt sind und mehr von Klarheit darüber, was für alle Beteiligten möglich ist. 

Du darfst deinen eigenen Weg gehen. Du darfst Entscheidungen treffen, die sich für dich und dein Kind richtig anfühlen. Und du darfst gleichzeitig schauen, wie viel Nähe, wie viel Austausch und wie viel Abgrenzung sich für dich gut und stimmig anfühlt. Denn am Ende geht es nicht darum, wer recht hat. Sondern darum, wie Zusammenleben in einer Familie gelingen kann, in der mehrere Generationen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Bedürfnissen und Vorstellungen aufeinandertreffen.

Mit Bildern schreiben - wie kleine Symbole den Familien-Alltag erleichtern

Hast Du auch das Gefühl, ständig erklären, erinnern und organisieren zu müssen? „Zieh bitte deine Schuhe an“, „Was war heute nochmal geplant?“, „Räum deine Sachen weg“, „Wie geht es dir eigentlich gerade?“. Der Familienalltag besteht meist aus unglaublich viel Sprache. Familien erleben aber auch, dass Worte allein manchmal nicht ausreichen, besonders dann, wenn Kinder überfordert, müde, gestresst oder noch sehr jung sind.

In dieser Podcastfolge sprechen wir deshalb mit Anna Lena Wollny über die Frage, wie Visualisierung den Familienalltag erleichtern kann. Also, wie kleine Zeichnungen, Symbole, Skizzen oder einfache visuelle Hilfen dabei unterstützen können, Struktur, Orientierung und Verständnis zu schaffen, ganz ohne großen Aufwand.

Anna Lena Wollny ist Visualisierungsexpertin, Autorin und Workshopleiterin und beschäftigt sich seit vielen Jahren damit, wie Bilder Kommunikation vereinfachen können. In ihrem Buch „Mit Bildern schreiben“* zeigt sie anhand vieler konkreter Beispiele, wie sich einfache Symbole und Sketchnotes im Alltag mit Kindern einsetzen lassen. 

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, besonders schön zeichnen zu können. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie Informationen sichtbar gemacht werden können, damit Kinder sie leichter verstehen und verarbeiten können. Denn viele verbinden Sketchnotes erstmal mit aufwendig gestalteten Notizen oder kreativem Talent und denken sofort: „Das kann ich nicht.“ Anna erklärt sehr anschaulich, warum dieser Gedanke oft im Weg steht und weshalb schon einfache Strichzeichnungen oder kleine Symbole im Alltag einen großen Unterschied machen können.

Wir sprechen darüber, warum Visualisierung Kindern oft mehr Sicherheit gibt, wie sie helfen kann, Gefühle und Bedürfnisse greifbarer zu machen und weshalb visuelle Orientierung gerade in stressigen Situationen entlastend sein kann. Außerdem geht es um ganz konkrete Einsatzmöglichkeiten im Familienalltag: Wochenpläne, Morgen und Abendroutinen, Ablaufkarten, Familienkonferenzen, To Do Karten, kleine Erinnerungshilfen im Haushalt oder visuelle Anker für Eltern selbst.

Auch das Thema Schule spielt eine Rolle. Anna erzählt, wie Kinder schon früh davon profitieren können, Inhalte visuell aufzubereiten, zum Beispiel beim Lernen oder bei ersten Vorträgen. Gleichzeitig sprechen wir darüber, warum gemeinsames Zeichnen Verbindung schaffen kann und weshalb es oft hilfreich ist, Symbole zusammen mit Kindern zu entwickeln statt perfekte Vorlagen zu suchen.

Anna erzählt außerdem, wie sie selbst überhaupt zu diesem Thema gekommen ist. Während der Pandemie war sie mit Baby und Kleinkind plötzlich ohne viele äußere Strukturen zu Hause und begann, über Visualisierung mehr Orientierung und Entlastung in den eigenen Alltag zu bringen.

Mehr über Anna Lena erfährst Du auf ihrer Homepage und bei Instagram. Die Vorlage mit den 20 Symbolen findest Du hier.

ADHS und Autismus - was neurodivergente Mütter entlastet und stärkt

Manchmal fühlt sich Alltag einfach schwer an. Du kümmerst dich, organisierst, funktionierst. Und rotzdem bleibt das Gefühl, irgendwie nicht hinterherzukommen. Dinge gehen unter, Termine werden vergessen, Geräusche werden zu viel. Am Ende des Tages fragst du dich, warum alles so viel Kraft kostet. Viele Eltern kennen das. Und oft kommt dann schnell der Gedanke, dass man sich einfach besser organisieren müsste. Aber was, wenn es gar nicht daran liegt?

In dieser Podcastfolge sprechen wir über Neurodivergenz im Familienalltag. Über ADHS, Autismus und Mischformen. Und darüber, warum viele Frauen erst durch die Mutterschaft merken, dass ihr Gehirn anders funktioniert. Im Gespräch greifen wir auch das Buch „Chaos, Kinder und Konfetti“* von Natalia Lamotte auf, das genau diese Erfahrungen sichtbar macht und einordnet.

Denn häufig ist es nicht so, dass etwas plötzlich neu entsteht. Vielmehr verändern sich die Bedingungen. Der Alltag mit Kindern ist unvorhersehbar, laut und voller Unterbrechungen. Gewohnte Strategien greifen nicht mehr. Pausen fehlen. Die Anforderungen steigen. Und genau dann wird spürbar, wie viel Energie es vorher gekostet hat, alles auszugleichen. Viele Frauen haben über Jahre gelernt, sich anzupassen. Sie beobachten, strukturieren, gleichen aus. Nach außen wirkt das oft stabil und organisiert. Innerlich sieht es oft anders aus. Anspannung, Erschöpfung und das Gefühl, nicht richtig zu sein, bleiben lange unsichtbar.

In dieser Folge geht es darum, warum gerade Frauen so lange unerkannt bleiben, welche Rolle Erwartungen an Mütter spielen ud warum Überforderung nichts mit persönlichem Versagen zu tun hat. Wir sprechen darüber, wie sich Reizüberflutung im Alltag zeigt, warum Unterbrechungen so anstrengend sind und weshalb klassische Tipps oft nicht helfen. Und wir schauen auch auf das, was häufig übersehen wird. Stärken wie Kreativität, Empathie und die Fähigkeit, neue Lösungen zu finden. Vor allem geht es darum, sich selbst besser zu verstehen. Nicht, um sich einzuordnen, sondern um Wege zu finden, die wirklich zum eigenen Alltag passen.

Wenn du dich also öfter fragst, warum dir vieles schwerer fällt als anderen, wenn du schnell überfordert bist oder das Gefühl hast, ständig gegen dich selbst zu arbeiten, dann lohnt sich diese Folge. Du bist damit nicht allein. Und es gibt gute Gründe dafür, dass sich dein Alltag so anfühlt, wie er sich anfühlt.

Mehr über Natalia erfährst Du auf Instagram und auf ihrer Homepage schwesterherzen doulas.

Kommunikation nach Gordon - für mehr Verständnis und Verbundenheit

Missverständnisse, Streit und festgefahrene Konflikte gehören zum Familienalltag dazu. Trotzdem wünschen sich die meisten Eltern eine Kommunikation, die verbindet statt trennt. Doch warum gelingt das oft nicht, obwohl wir uns so viel Mühe geben?

In dieser Podcastfolge sprechen wir mit Anne Sophia-Hardt über das Kommunikationsmodell nach Thomas Gordon und darüber, wie Kommunikation in Familien gelingen kann. Anne erzählt, wie sie selbst zu diesem Ansatz gefunden hat und warum sich durch die Beschäftigung mit Gordon vor allem ihre innere Haltung verändert hat.

Im Gespräch geht es um die Grundidee des Modells und um die Frage, warum viele Konflikte entstehen, obwohl eigentlich niemand etwas Böses möchte. Wir sprechen darüber, welche Rolle Bedürfnisse spielen, weshalb Verhalten häufig ein Hinweis auf ungelöste innere Konflikte ist und warum Eltern in schwierigen Situationen oft unbewusst zuerst ihre eigenen Bedürfnisse in den Blick nehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist das aktive Zuhören. Anne erklärt, was darunter verstanden wird, woran wir erkennen können, ob wir wirklich zuhören und wie sich diese Form der Kommunikation im oft hektischen Familienalltag umsetzen lässt.

Außerdem beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Möglichkeiten der Konfliktlösung nach Gordon. Dabei wird deutlich, warum Machtkämpfe zwar kurzfristig funktionieren können, langfristig aber häufig Beziehungen belasten. Stattdessen geht es darum, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, mit denen die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt werden.

Kommunikation wird dabei nicht als Technik verstanden, die man einmal lernt und anschließend beherrscht. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie wir unserem Gegenüber begegnen, wie wir Bedürfnisse wahrnehmen und wie Lösungen entstehen können, ohne dass jemand gewinnt und jemand verliert. Gleichzeitig sprechen wir auch darüber, warum gerade Eltern in stressigen Situationen immer wieder an eigene Grenzen stoßen und weshalb das selbst dann passiert, wenn man die theoretischen Grundlagen gut kennt.
Mehr über Anne-Sophias Arbeit erfahrt ihr auf ihrer Homepage und auf Instagram. Mehr über das Gordon-Kommunikationsmodell gibt es hier. Bei uns im Blog gibt es einen Artikel über Aktives Zuhören.

Sei mutig, gerade jetzt - Kinder unsicheren Zeiten stark machen

In dieser Podcastfolge geht es um Mut im Alltag und um die Frage, warum es vielen Menschen so schwerfällt, ins Handeln zu kommen, obwohl innerlich oft ziemlich klar ist, was eigentlich dran wäre. Dieses Auseinanderfallen zwischen Erkenntnis und Umsetzung zieht sich durch viele Lebensbereiche, von kleinen Entscheidungen bis hin zu grundlegenden Haltungen im Leben. Wir haben Nathalie Klüver eingeladen, die das Buch "Sei mutig, gerade jetzt"* darüber geschrieben hat.


Ein besonderer Fokus der Folge liegt auf der Frage, wie wir unsere Kinder, und hier vor allem unsere Töchter, durch eine Zeit begleiten, die von Krisen, Unsicherheit und dauernder Reizüberflutung geprägt ist. Wie vermittelt man Orientierung, wenn man selbst nicht durchgehend sicher ist? Und was bedeutet es, Kindern Mut mitzugeben, ohne ihnen eine Welt zu versprechen, die stabiler wirkt, als sie tatsächlich ist?

Im Gespräch wird deutlich, dass viele Eltern heute in einem Spannungsfeld stehen. Einerseits besteht der Wunsch, Kinder stark, selbstbewusst und handlungsfähig zu erziehen. Andererseits erleben viele Erwachsene selbst Phasen von Überforderung, Zweifel oder innerer Lähmung angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen. Genau diese Diskrepanz prägt die Frage, wie Vorbildsein heute überhaupt funktionieren kann.

Ein zentraler Aspekt ist der Blick auf innere Muster und Glaubenssätze. Oft sind es nicht äußere Hindernisse, die uns bremsen, sondern verinnerlichte Erwartungen, Ansprüche oder kritische innere Stimmen. Diese wirken subtil, aber konstant und beeinflussen, wie viel Handlungsspielraum wir uns selbst zutrauen. In der Folge wird herausgearbeitet, wie stark solche Muster auch an Kinder weitergegeben werden können, oft ohne bewusste Entscheidung.

Eng damit verbunden ist das Thema weibliche Wut. Statt sie zu verdrängen, wird sie als mögliche Kraftquelle betrachtet, die Hinweise darauf geben kann, wo Grenzen überschritten werden oder Bedürfnisse nicht gesehen werden. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie diese Energie so genutzt werden kann, dass daraus Orientierung und Klarheit entsteht, statt Eskalation oder Rückzug.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Übersetzung von gesellschaftlichen Krisen in den familiären Alltag. Kinder bekommen sehr viel mehr mit, als Erwachsene oft annehmen. Gleichzeitig brauchen sie keine vollständigen Analysen, sondern Einordnung, Sicherheit und emotionale Begleitung. Die Folge greift die Frage auf, wie sich schwierige Themen so vermitteln lassen, dass sie verstehbar bleiben, ohne zu überfordern.

Im Verlauf des Gesprächs wird außerdem deutlich, dass Zuversicht weniger ein Zustand ist, der einfach vorhanden ist, sondern eher eine Praxis, die im Alltag entsteht. Kleine Entscheidungen, wiederholte Handlungen und bewusste Unterbrechungen automatisierter Reaktionen spielen dabei eine größere Rolle als große Veränderungen.

Mehr über Nathalie erfahrt ihr auf ihrer Homepage, ihrem Blog und bei Instagram. Sie war auch in Folge Folge 96 "Wie kinderfeindlich ist Deutschland?" und Folge 193 "Loslassen lernen: Eltern zwischen Wehmut und Freiheit" bei uns zu Gast. 

Zum Thema Loben findet ihr bei uns auch diesen Artikel "Warum wir unsere Kinder nicht loben sollten".

Meine Familie, der Krebs und ich - Podcast mit Alu Kitzerow

Wenn in einer Familie plötzlich eine schwere Krankheit auftaucht, verändert sich nicht nur der Alltag, sondern oft das gesamte Gefüge. Routinen, die vorher selbstverständlich waren, müssen neu gedacht werden, Zuständigkeiten verschieben sich, und gleichzeitig laufen viele Dinge einfach weiter. Kinder wollen versorgt werden, Termine stehen an, Entscheidungen müssen getroffen werden. Genau in dieser Gleichzeitigkeit aus Ausnahmezustand und Alltag bewegt sich das, worüber wir in unserer aktuellen Podcastfolge sprechen.

In dieser Podcastfolge ist Alu Kitzerow, dreifache Mutter und Autorin des Buches "Meine Familie, der Krebs und ich"* zu Gast. Sie beschreibt darin sehr offen, was passiert, wenn eine Krebsdiagnose mitten ins Familienleben fällt. Nicht als abstrakte Erfahrung, sondern als etwas, das ganz konkret in Küche, Kinderzimmer und Partnerschaft stattfindet.


Alu erzählt, dass Krankheit nie nur die eine Person betrifft. Kinder nehmen Veränderungen wahr, auch wenn sie nicht alle Details kennen. Sie reagieren auf Unsicherheiten, auf Stimmungen, auf das, was zwischen den Zeilen passiert. Gleichzeitig stehen Eltern vor der Frage, wie sie mit ihren Kindern darüber sprechen können. Wie ehrlich darf oder sollte man sein, ohne zu überfordern. Und was hilft Kindern tatsächlich, mit so einer Situation umzugehen.

Alu spricht außerdem über ihren Alltag, der neu organisiert werden musste. Wenn ein Elternteil durch Behandlungen eingeschränkt ist, entstehen ganz praktische Fragen. Wer übernimmt welche Aufgaben. Welche Strukturen tragen durch den Tag. Und wie viel Flexibilität braucht es, wenn Planbarkeit plötzlich nicht mehr gegeben ist.

Auch das Thema Mental Load spielt eine zentrale Rolle. Denn die Verantwortung im Kopf verschwindet nicht automatisch mit der Diagnose. Im Gegenteil, oft kommt noch mehr dazu. Termine, Informationen, Entscheidungen rund um die Behandlung, aber auch die Organisation des Familienlebens. Wir sprechen darüber, warum gerade diese unsichtbare Belastung so herausfordernd ist und was in dieser Situation wirklich entlasten kann.

Neben dem Familienalltag geht es auch um die Auswirkungen auf die Partnerschaft. Eine schwere Erkrankung bringt oft neue Rollen mit sich. Unterstützung, Rückzug, Nähe und Distanz verändern sich. Dinge, die vorher funktioniert haben, müssen neu ausgehandelt werden. Gleichzeitig entsteht ein Druck, der wenig Raum für klassische Paardynamiken lässt.

Ein Thema, das oft zu wenig besprochen wird, ist die berufliche Perspektive. Krankheit bedeutet nicht nur eine gesundheitliche Herausforderung, sondern kann auch massive Auswirkungen auf die eigene Erwerbsbiografie haben. Fragen nach Ausfallzeiten, beruflicher Zukunft und finanzieller Sicherheit werden plötzlich sehr konkret. Wir sprechen darüber, ob und inwiefern Krankheit tatsächlich zum Karrierekiller werden kann und wie Familien mit dieser Unsicherheit umgehen.

Daran schließt sich das Thema Finanzen an. Wenn Einkommen wegfällt oder sich verändert, gleichzeitig aber zusätzliche Belastungen entstehen, braucht es neue Strategien. Auch hier wird deutlich, wie wenig viele Familien auf solche Situationen vorbereitet sind und wie groß der Bedarf an klaren Informationen und Unterstützung wäre.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Umgang mit medizinischen Entscheidungen. Ein Behandlungsverlauf ist selten geradlinig, oft gibt es verschiedene Möglichkeiten, unterschiedliche Empfehlungen und die Notwendigkeit, sich selbst zu positionieren. Wir sprechen darüber, wie sich Orientierung finden lässt, wenn man sich gleichzeitig in einer emotionalen Ausnahmesituation befindet.

Und immer wieder geht es um die Frage, wie man sich selbst in all dem nicht verliert. Zwischen Elternrolle, Organisation, Behandlung und emotionaler Belastung bleibt oft wenig Raum für die eigene Wahrnehmung. Was hilft, trotzdem in Kontakt mit sich selbst zu bleiben. Und warum genau das langfristig so wichtig ist, nicht nur für die betroffene Person, sondern für das gesamte Familiensystem.

Mehr über Alu erfährst Du auf ihrem Blog und bei Instagram.

In unserem Archiv kannst Du außerdem Folge 18 hören, in der wir mit Mandy Falke über ihre Brustkrebs-Erkrankung sprachen.

Abstillen - wie ein sanfter Übergang vom Stillen gelingen kann

Abstillen ist für viele Familien ein bedeutsamer Schritt. Stillen bedeutet für Kinder weit mehr als Nahrung. Es ist Nähe, Trost und ein Ritual, das oft beim Einschlafen oder in stressigen Momenten des Tages für Sicherheit sorgt. Gleichzeitig kommt irgendwann der Moment, an dem Eltern sich fragen, wie und wann sie den Übergang zum Abstillen gestalten sollen.

Viele Eltern wünschen sich ein sanftes Abstillen, also einen Übergang, der das Kind nicht überfordert und die Bindung aufrechterhält. Sanftes Abstillen kann unterschiedlich aussehen: Für manche Familien bedeutet es, Mahlzeiten nach und nach zu ersetzen, für andere, das Stillen nur noch auf bestimmte Situationen wie das Einschlafen zu begrenzen. Wichtig ist, dass das Kind in diesem Prozess verstanden und begleitet wird und dass die Bedürfnisse von Eltern und Kind miteinander in Einklang gebracht werden. Darüner spricht Danielle in der dieser Podcastfolge mit Elternberaterin und Autorin Mildi Karin Sand, die das Buch "Meine Milch - Das sanfte Abstillbüchlein"* geschrieben hat.

Es gibt keine festen Regeln dafür, wann Kinder abstillen. Manche Kinder verlieren von selbst das Interesse, andere bleiben länger beim Stillen, weil sie die Nähe oder den Trost brauchen. Eltern müssen nicht aktiv abstillen, wenn das Kind von selbst weniger stillt, aber oft ist ein bewusster Übergang hilfreich, besonders wenn das Stillen stark in den Alltag integriert ist.

Typische Stolperfallen beim Abstillen sind ein zu schneller Umstieg, einseitiger Druck auf das Kind oder das Übergehen der eigenen Gefühle. Für Eltern kann dieser Abschied ebenso emotional sein wie für Kinder. Gefühle von Erleichterung, Wehmut oder Unsicherheit sind normal und Teil des Prozesses. Gerade nachts oder beim Einschlafen zeigt sich oft, wie stark das Stillen mit Trost und Sicherheit verbunden ist.

Kinderbücher zum Abstillen können in dieser Phase eine wertvolle Unterstützung sein. Geschichten helfen Kindern, Veränderungen besser zu verstehen und sich auf neue Routinen einzulassen. Eltern können sie nutzen, um das Thema spielerisch und verständlich anzusprechen, Ängste abzubauen und das Kind aktiv in den Übergang einzubinden.

Abstillen ist kein Abbruch der Bindung, sondern ein natürlicher Schritt in der Entwicklung. Kinder lernen, ihre Bedürfnisse anders auszudrücken, Eltern finden neue Wege, Nähe und Trost zu geben, und beide Seiten entwickeln Vertrauen in den neuen Alltag. Ein bewusster, sanfter Übergang gibt Familien die Chance, diesen Schritt gemeinsam und liebevoll zu gestalten.

Mehr über Mildi und ihre Arbeit erfährst Du auf InstagramFacebook und ihrer Homepage. In unserem Blog findest Du noch diesen Artikel zum Thema: "Nächtliches Dauerstillen - Abstillen während der Nacht". Mildi war übrigens auch in Folge 105 zu Gast: "Gefühksstarke Kinder begleiten".

Zwischen Nein und Nähe: Wie wir in stressigen Momenten mit unseren Kindern verbunden bleiben

Im Familienalltag gibt es diese Momente, die uns besonders herausfordern. Momente, in denen die Geduld aufgebraucht ist, die Nerven blank liegen und wir plötzlich ganz anders reagieren, als wir es uns eigentlich vorgenommen hatten. Vielleicht wirst du laut, obwohl du ruhig bleiben wolltest. Vielleicht sagst du Ja, obwohl du Nein meinst. Oder du merkst, wie alte Muster durchbrechen, die du doch eigentlich hinter dir lassen wolltest.

Genau darüber sprechen wir in dieser Podcastfolge mit Romina Alberti. Sie ist Diplom-Soziologin, Eltern- und Familienberaterin und begleitet seit vielen Jahren Familien dabei, aus dem Gefühl von Hilflosigkeit herauszufinden und neue Wege im Miteinander zu entwickeln. Sie hat darüber das Buch "Zwischen Nein und Nähe"* geschrieben.

Im Gespräch geht es um eine Frage, die viele Eltern beschäftigt: Wie schaffen wir es, auch dann in Verbindung mit unserem Kind zu bleiben, wenn es im Alltag schwierig wird?

Wir schauen uns an, warum gerade in stressigen Situationen alte Prägungen wieder auftauchen und weshalb der Anspruch, es „besser machen zu wollen“, oft zusätzlichen Druck erzeugt. Es geht um typische Missverständnisse rund um Bedürfnisse und darum, warum es so wichtig ist, zwischen einem Bedürfnis und einem Wunsch zu unterscheiden.

Ein zentraler Punkt der Folge ist das sogenannte Toleranzfenster. Es beschreibt den Bereich, in dem wir emotional stabil und handlungsfähig bleiben können. Viele Eltern bewegen sich im Alltag jedoch oft schon am Rand dieses Fensters oder sogar darüber hinaus, noch bevor überhaupt etwas „passiert“. Wir sprechen darüber, was dieses Fenster verengt, wie du erkennst, dass du es gerade verlässt und was dir helfen kann, wieder zurückzufinden.

Außerdem geht es um Grenzen im Familienalltag. Um die Situationen, in denen Eltern ihre eigenen Grenzen immer wieder übergehen und um die Frage, wie ein klares, authentisches Nein gelingen kann, ohne hart oder verletzend zu wirken.

Romina teilt viele Beispiele aus ihrer Arbeit mit Familien und zeigt, wie kleine Veränderungen im Alltag einen großen Unterschied machen können. Es geht nicht darum, perfekt zu reagieren, sondern darum, sich selbst besser zu verstehen und wieder handlungsfähig zu werden.

Wenn du dich im Alltag manchmal allein fühlst mit deinen Herausforderungen oder dich fragst, warum es bei anderen scheinbar leichter läuft, wirst du in dieser Folge viele entlastende und gleichzeitig konkrete Impulse finden.

Mehr über Romina erfahrt ihr auf ihrer Homepage und auf Instagram.

Hör auf dein Herz, dein Kopf ist ein Arschloch - was passiert, wenn der Körper nicht mehr mitmacht

In unserer dieser Podcastfolge von sprechen wir mit Christian Behr über einen Moment, den viele Menschen kennen, über den aber kaum jemand offen spricht: den Punkt, an dem scheinbar alles funktioniert, innerlich aber nichts mehr geht. Christian erzählt von einem Zusammenbruch kurz vor einem Langstreckenflug, als Leistungsdruck, Verantwortung und innere Antreiber auf einmal ihren Tribut forderten. Um diesen zu verarbeiten, hat er das Buch "Hör auf dein Herz, dein Kopf ist ein Arschloch" geschrieben.

Christian erzählt, warum gerade Menschen, die nach außen stark und stabil wirken, besonders anfällig für solche Krisen sind. Viele entwickeln früh Glaubenssätze wie Ich darf keine Schwäche zeigen oder Mein Wert hängt davon ab, dass ich funktioniere. Solche Überzeugungen begleiten oft ein Leben lang und können körperlich und psychisch an die Grenzen führen, ohne dass man es sofort merkt.

Christian spricht auch über prägende Erfahrungen aus seiner Kindheit, von einem schweren Fahrradunfall bis zu jahrelangem Mobbing, und wie diese Erlebnisse sein Verhalten, seine Anpassungsstrategien und sein Verhältnis zu sich selbst geprägt haben. Dabei wird deutlich, wie alte Verletzungen und ungelöste Konflikte im Erwachsenenalter plötzlich sichtbar werden, wenn der Körper streikt.

Ein zentraler Punkt der Folge ist, dass Zusammenbrüche nicht das Ende bedeuten müssen. Im Gegenteil: Christians Erfahrung zeigt, dass solche Momente der Wendepunkt sein können, um innezuhalten, Hilfe zu suchen und die Beziehung zu sich selbst zu verändern. Durch Therapie, Klinikaufenthalte und bewusste Auseinandersetzung mit eigenen Glaubenssätzen hat er gelernt, Leistungsdruck, Erwartungen und Selbstansprüche anders zu betrachten.

Wir sprechen außerdem darüber, wie wichtig Offenheit und Transparenz sein können. Christian zeigt, dass es Mut erfordert, Schwäche zu zeigen, aber dass diese Ehrlichkeit oft auch positive Resonanz bringt und andere inspiriert.

Mehr über ihn und seine Familie findest Du auch auf Instagram, Tiktok, Facebook und seiner Homepage. Christian hat auch einen tollen Podcast "Wer ist denn nun die Mama?"

Mit Kindern durch die Trennung - Gespräche, Gefühle und neue Strukturen - Podcast mit Ute Steffens

Wenn Eltern sich trennen, betrifft das nicht nur die Beziehung zwischen zwei Erwachsenen, sondern das gesamte Familiensystem. Für Kinder bedeutet eine Trennung oft, dass sich vieles gleichzeitig verändert, ihr Zuhause, ihre Alltagsstruktur, ihre Bezugspersonen und das Gefühl von Sicherheit. Auch wenn Eltern sich sicher sind, dass die Trennung die richtige Entscheidung ist, bleibt häufig die Sorge, wie das eigene Kind diese Zeit erlebt und verarbeitet.

In dieser Podcastfolge sprechen wir mit Ute Steffens darüber, was Kinder in Trennungssituationen wirklich brauchen und worauf Eltern in dieser sensiblen Phase achten können. Ute hat zum Thema verschiedene Bücher geschrieben, z. B. „Mit Kindern durch die Trennung“*, "Trenungskinder begleiten"* und das Kinderbuch "Jakob kann zaubern"*.



Wir sprechen mit Ute darüber, dass nicht die Trennung an sich das größte Risiko für Kinder darstellt, sondern vor allem der Umgang damit. Kinder orientieren sich stark daran, wie ihre Eltern die Situation gestalten, wie sie miteinander sprechen und ob es ihnen gelingt, trotz aller Konflikte weiterhin verlässlich für ihr Kind da zu sein.

Ein zentraler Punkt ist die Frage, wie Eltern mit ihrem Kind über die Trennung sprechen können. Viele möchten ihr Kind schützen und neigen dazu, Informationen zurückzuhalten oder sehr vorsichtig zu formulieren. Gleichzeitig brauchen Kinder ehrliche, klare und altersgerechte Erklärungen, um das Geschehen einordnen zu können. Dabei geht es nicht darum, alle Details zu teilen, sondern darum, Orientierung zu geben und vor allem eines deutlich zu machen, dass das Kind keine Schuld an der Trennung trägt und weiterhin von beiden Eltern geliebt wird.

Auch die Reaktionen von Kindern sind ein wichtiges Thema. Kinder verarbeiten eine Trennung sehr unterschiedlich. Manche zeigen ihre Gefühle offen, wirken traurig oder suchen verstärkt Nähe. Andere reagieren mit Wut, Rückzug oder scheinbarer Gleichgültigkeit. In der Folge sprechen wir darüber, warum all diese Reaktionen Ausdruck von Verarbeitung sind und wie Eltern ihr Kind begleiten können, ohne vorschnell einzugreifen oder Gefühle zu bewerten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Loyalitätskonflikten. Viele Kinder geraten innerlich unter Druck, wenn sie das Gefühl haben, sich zwischen ihren Eltern positionieren zu müssen. Schon kleine Bemerkungen oder unausgesprochene Spannungen können dazu führen, dass Kinder versuchen, es beiden recht zu machen oder ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen. Wir schauen darauf, wie solche Konflikte entstehen und was Eltern konkret tun können, um ihr Kind daraus herauszuhalten.

Auch der Alltag nach der Trennung wird thematisiert. Zwei Zuhause, neue Abläufe und organisatorische Veränderungen können für Kinder herausfordernd sein. Gerade in dieser Phase sind klare Strukturen, verlässliche Absprachen und wiederkehrende Routinen besonders wichtig. Sie geben Kindern Halt und helfen ihnen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden.

Gleichzeitig richtet sich der Blick auch auf die Eltern selbst. Eine Trennung ist emotional belastend und fordert viel Kraft. Umso wichtiger ist es, dass Eltern nicht nur auf ihr Kind schauen, sondern auch die eigene Situation im Blick behalten. Denn Kinder profitieren davon, wenn ihre Eltern sich stabilisieren und Wege finden, mit den eigenen Gefühlen umzugehen.

Mehr über Ute über Ute erfahrt ihr auf ihrer Homepage und bei Instagram, Threads und Facebook.

Jugend unter Druck - wie Eltern bei Überforderung, Ängsten und Belastungen unterstützen können

Jugendliche stehen heute unter enormem Druck. Schule, soziale Medien, Zukunftsängste, all das kann schnell überfordern. In dieser Podcastfolge sprechen wir mit Caroline Culen und Golli Marboe, den Autorinnen des Buchs "Jugend unter Druck"*, über die psychischen Herausforderungen, denen junge Menschen heute ausgesetzt sind, und wie wir sie unterstützen können.

Wir tauchen gemeinsam mit den beiden Autoren in die Lebenswelt der Jugendlichen ein. Welche Belastungen erleben sie täglich? Wie wirkt sich der Leistungsdruck aus? Welche Rolle spielen soziale Medien und Vergleichsdynamiken? Caroline Culen und Golli Marboe geben Einblicke, die nicht nur nachdenklich machen, sondern auch ganz konkrete Wege aufzeigen, wie Eltern und Schule Jugendliche stärken können.

In der Folge erfahrt ihr unter anderem:

  • welche Warnsignale darauf hinweisen, dass Jugendliche unter Druck stehen,

  • welche Strategien junge Menschen nutzen, um mit Stress umzugehen und

  • wie Eltern und Lehrkräfte Unterstützung bieten können, ohne den Druck zu erhöhen.

Wir sprechen außerdem über gesellschaftliche Veränderungen, die notwendig sind, damit Jugendliche langfristig gesünder aufwachsen können, und über die zentrale Botschaft, die die Autoren Jugendlichen selbst mit auf den Weg geben möchten.

Wenn ihr wissen wollt, wie ihr eure Kinder in dieser herausfordernden Zeit begleiten könnt, hört unbedingt in unsere neue Folge rein. Caroline und Golli teilen wertvolle Einblicke, praktische Tipps und Erfahrungen, die Mut machen und Orientierung geben.

Mehr zum Thema erfahrt ihr auf der Seite mental health days und beim mental health radio. Die in der Folge erwähnte Studie findet ihr hier.

Hört auf zu streiten! - Konflikte im Familienalltag bewältigen - Podcast mit Christian Pröls-Geiger

Konflikte gehören zum Familienalltag dazu. Trotzdem erleben viele Eltern Streit als belastend, beschämend oder sogar beängstigend, vor allem dann, wenn Kinder dabei sind. In dieser Podcastfolge sprechen wir mit Christian Proels Geiger darüber, wie Konflikte entstehen, was sie mit Kindern machen und wie Eltern Wege finden können, anders damit umzugehen. Er hat das Buch "Hört auf zu streiten"* darüber geschrieben.

Ein zentraler Gedanke ist, dass es nicht darum geht, Streit komplett zu vermeiden. Entscheidend ist vielmehr, wie Konflikte ausgetragen werden. Kinder reagieren sehr sensibel auf Spannungen zwischen ihren Bezugspersonen. Auch wenn sie den Inhalt eines Streits nicht verstehen, spüren sie die emotionale Atmosphäre sehr genau. Lautstärke, Tonfall und die Stimmung im Raum reichen oft aus, um Unsicherheit oder Angst auszulösen. Das kann dazu führen, dass sich Kinder zurückziehen, sich verantwortlich fühlen oder versuchen, die Situation zu kontrollieren.

Besonders wichtig ist dabei das Sicherheitsgefühl. Kinder brauchen die Erfahrung, dass ihre Umgebung verlässlich und stabil ist. Wenn Konflikte häufig eskalieren oder unausgesprochen im Raum stehen, kann genau dieses Gefühl ins Wanken geraten. Eltern unterschätzen oft, wie stark sich das auf das Verhalten ihrer Kinder auswirkt. Konzentrationsprobleme, erhöhte Reizbarkeit oder Rückzug können Hinweise darauf sein, dass ein Kind innerlich stark beschäftigt ist.

Ein weiterer Aspekt ist die Frage, wie feinfühlig Eltern in stressigen Situationen noch reagieren können. Wenn Konflikte viel Raum einnehmen, sinkt oft die Fähigkeit, Signale des Kindes wahrzunehmen und richtig einzuordnen. Das ist kein individuelles Versagen, sondern eine ganz normale Reaktion auf Überforderung. Gleichzeitig lohnt es sich, genau hier anzusetzen, denn Kinder brauchen gerade in solchen Momenten Orientierung und emotionale Begleitung.

Hilfreich ist es, sich bewusst zu machen, was hinter dem Verhalten eines Kindes steckt. Oft sind es Bedürfnisse nach Nähe, Sicherheit oder Aufmerksamkeit, die sich in scheinbar schwierigen Reaktionen zeigen. Wenn Eltern beginnen, diese Bedürfnisse zu benennen und zu spiegeln, verändert sich die Dynamik häufig spürbar. Kinder fühlen sich verstanden und können sich schneller beruhigen.

Ein entscheidender Punkt ist auch der Umgang nach einem Streit. Situationen lassen sich nicht immer verhindern, aber sie lassen sich im Nachhinein einordnen und auffangen. Kinder brauchen Erklärungen, die zu ihrem Alter passen. Sie müssen verstehen, dass sie nicht verantwortlich für den Streit sind. Gleichzeitig hilft es, wenn Eltern Verantwortung übernehmen, eigene Fehler benennen und zeigen, dass Beziehungen wieder in einen guten Zustand gebracht werden können.

Viele Eltern fragen sich, wie viel ihre Kinder überhaupt mitbekommen sollten. Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Klar ist jedoch, dass Kinder nicht dauerhaft belastenden oder eskalierenden Konflikten ausgesetzt sein sollten. Gleichzeitig kann es auch hilfreich sein, wenn sie erleben, dass Meinungsverschiedenheiten respektvoll geklärt werden und dass Versöhnung möglich ist.

Im Gespräch wird auch deutlich, dass Konflikte oft wiederkehrenden Mustern folgen. Bestimmte Themen, Reaktionen oder Erwartungen führen immer wieder zu ähnlichen Eskalationen. Diese Muster zu erkennen, ist ein wichtiger erster Schritt. Erst dann wird es möglich, bewusst anders zu reagieren und neue Wege auszuprobieren.

Unterstützung zu suchen kann dabei ein wichtiger Schritt sein. Viele Eltern zögern, weil sie sich schämen oder das Gefühl haben, allein klarkommen zu müssen. Dabei kann ein Blick von außen helfen, festgefahrene Dynamiken zu verstehen und neue Perspektiven zu entwickeln.

Die Familienkonferenz - Podcast mit Julia Dibbern und Lou Elvarsdóttir

In dieser Podcastfolge geht es um ein Thema, das viele Familien beschäftigt, auch wenn sie es nicht immer so benennen würden: Wie können wir miteinander sprechen, wenn im Alltag immer wieder dieselben Konflikte auftauchen, wenn sich niemand richtig gehört fühlt oder Gespräche schneller eskalieren, als uns lieb ist?

Im Mittelpunkt steht die Familienkonferenz, ein strukturiertes Gesprächsformat, das Kindern und Erwachsenen einen festen Rahmen bietet, um Themen, Bedürfnisse und Konflikte gemeinsam zu besprechen. Anders als spontane Gespräche zwischen Tür und Angel schafft die Familienkonferenz einen geschützten Raum, in dem alle Stimmen gleichwertig zählen. Sie ist kein Ort für Belehrungen oder fertige Entscheidungen der Erwachsenen, sondern ein Werkzeug, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Zu Gast sind in dieser Folge Lou Elvarsdóttir und Julia Dibbern. Lou ist Diplom Psychologin und arbeitet seit vielen Jahren mit Familien in Konflikt, Krisen und Entwicklungsphasen. Julia ist Autorin und Fachjournalistin mit dem Schwerpunkt Familienleben. Gemeinsam haben sie das Buch "Lasst uns reden"* geschrieben, in dem sie die Methode praxisnah, alltagstauglich und ohne pädagogischen Zeigefinger vorstellen.

Im Gespräch wird deutlich, warum viele Familien trotz bester Absichten immer wieder aneinander vorbeireden. Unterschiedliche Erwartungen, alte Muster aus der eigenen Kindheit und fehlende Strukturen sorgen dafür, dass Konflikte sich aufschaukeln oder unter den Teppich gekehrt werden. Die Familienkonferenz setzt genau hier an. Sie gibt Gesprächen eine klare Form, mit festen Zeiten, überschaubaren Themen und verbindlichen Absprachen, die auch festgehalten werden.

Lou und Julia sprechen darüber, warum echte Gemeinschaft nicht automatisch entsteht, nur weil man zusammenlebt, und weshalb Zuhören eine Fähigkeit ist, die geübt werden kann. Sie erklären, wie Kinder durch die Familienkonferenz erleben, dass ihre Gedanken ernst genommen werden, und warum das langfristig Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl stärkt. Gleichzeitig geht es auch um die Erwachsenen, um ihre Bedürfnisse, ihre Grenzen und die Erlaubnis, nicht perfekt sein zu müssen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist die Haltung hinter der Methode. Die Familienkonferenz ist kein Erziehungsprogramm und keine Ideologie. Sie funktioniert nicht über Strafen oder Belohnungen, sondern über Beziehung, Klarheit und Humor. Fehler sind erlaubt, Lachen ausdrücklich erwünscht. Gerade das macht sie für viele Familien anschlussfähig, auch in herausfordernden Lebensphasen wie Trennung, Patchwork, Pubertät oder bei neurodivergenten Kindern.

In diesem Zusammenhang interessant sind auch die Bücher "Die Familienkonferenz"* von Thomas Gordon und "Miteinander reden"* von Friedemann Schulz von Thun.

Mehr über Julia erfahrt ihr bei Instagram und auf ihrer Homepage.