Warum man Kinder immer trösten sollte


weinendes Kind Kinder brauchen bei Kummer Trost und Zuwendung

 
Dass Schreien lassen die Lungen gar nicht stärkt oder Stillen und Füttern nach Zeitplan nicht kindgerecht ist und dass man durch Tragen Babys nicht verwöhnt, hat sich erfreulicherweise mittlerweile herumgesprochen. Leider gibt es jedoch noch ein kleines, sehr hartnäckiges Überbleibsel aus der Erziehung unserer Eltern und Großeltern, das immer noch weit verbreitet ist: Der Unwille, Kindern Trost zu spenden.
 
Immer wieder hört man, wie bitterlich weinenden Kindern (oft leicht genervt) entgegnet wird:
 
  • "Nun stell dich nicht so an!"
  • "Hab dich nicht so!"
  • "Hör doch endlich mal auf zu weinen!"
  • "Immer dieses Gejammere!"
  • "Was soll das ständige Geschrei!"
  • "Was du immer für einen Aufstand machst!" 

Im Alltag sind auch immer wieder unbewegte Erwachsene zu beobachten, die neben vollkommen aufgelösten Kindern stehen und minutenlang nicht darauf reagieren oder sie sogar einfach stehen lassen. Offenbar fällt es einigen Eltern unheimlich schwer, ihre Kinder zu trösten.
 
Auch für mich ist es manchmal sehr schwierig, in Situationen, in denen ganz eindeutig übertrieben wird, mitfühlend Trost zu spenden - vor allem, wenn ein Konflikt vorherging und ich gerade in ärgerlicher Grundstimmung bin. Auch wenn ich es mittlerweile schaffe, solche Sätze wie die obigen bewusst nicht zu sagen, möchte ich dann doch am liebsten weit weg rennen und mein Kind mit seiner für meine Begriffe unangemessenen Trauer allein stehen lassen.
 
 

Warum Eltern manchmal so schlecht trösten können

 
Meine eingeschränkte Fähigkeit, in emotional geladenen Situationen Trost zu spenden, ist ein Relikt meiner eigenen Erziehung. Ganz offenbar ist mein Bauchgefühl leider maßgeblich davon geprägt, wie ich selbst erzogen wurde. Immer wieder entdecke ich Verhaltensweisen, die ich unbewusst von meinen Eltern übernommen habe, weil sie mir jahrelang vorgelebt wurden. Vor wenigen Jahren noch war meine erste gedankliche Reaktion auf ein trotziges Kleinkind: "Das soll sich ruhig ausbocken - wenn man dem Verhalten zu viel Beachtung schenkt, wird es sich immer wieder so benehmen, um seinen Willen durchzusetzen. Bald schon tanzt einem das Kind dann auf der Nase rum". So habe ich tatsächlich gedacht - und so denken heutzutage noch sehr viele.
 
Wir haben auf unserer Seite bereits ausführlich darüber geschrieben, wovon die Erziehung unserer Eltern und Großeltern maßgeblich beeinflusst war und was sie davon wie an uns weitergegeben haben. Bis zum Ende der 80er-Jahre war das Buch "Die (deutsche) Mutter und ihr erstes Kind" mit über 1,2 Mio. verkauften Exemplaren das Standardwerk für die Erziehung von Kindern - geschrieben wurde es von Johanna Haarer in der Zeit des Nationalsozialismus. Aber auch lange Zeit danach stand es in nur leicht abgewandelter Form in vielen elterlichen Bücherregalen und prägte die Erziehung von Kindern nachhaltig.
 
Das Erziehungsziel der Zeit, in der es geschrieben wurde, war ganz eindeutig: Kinder sollen nicht verweichlicht werden - sie sollen stattdessen schnell selbständig und unabhängig sein, um dem Führer selbstlos zu dienen. Sie sollten nicht jammern, nicht weinen, keine Gefühle zeigen, sondern einfach nur tun, was man ihnen sagt und keinerlei Schwäche zeigen. Haarer schreibt in ihrem Buch ganz klar:
"Eine deutsche Mutter kennt keinen  Fehler außer dem einen, ihre Kinder zu verzärteln."
So gibt sie klar vor, wie mit Kindern umzugehen ist, denen es offenkundig an nichts fehlt:
"[....] Fange nur ja nicht an, das Kind aus dem Bett herauszuheben, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf dem Schoß zu halten, es gar zu stillen. Das Kind begreift unglaublich rasch, daß es nur zu schreien braucht, um eine mitleidige Seele herbeizurufen und Gegenstand solcher Fürsorge zu werden" (Haarer, 1939: 170). 
Auf keinen Fall also soll ein Kind getröstet werden, weil es sonst so lernen würde, dass es seine Wünsche durch unangemessenes Verhalten durchsetzen kann. Diese Annahme basiert auf den Theorien des Behaviorismus, in denen davon ausgegangen wird, dass Belohnungen (hier Trost und Zuwendung) verstärkend auf ein Verhalten wirken. Diese Annahme ist bis heute weit verbreitet - und das, obwohl Studien mittlerweile eindeutig ergeben haben, dass Kinder weniger schreien, wenn man sich ihnen zuverlässig zuwendet. 

Haarer sah das jedoch anders. Auf "eigensinniges Geschrei" solle man laut ihrem Buch wie folgt reagieren:
"Mit ruhiger Bestimmtheit setzt [die Mutter] ihren Willen weiter durch [...]. Auch das schreiende und widerstrebende Kind muss tun, was die Mutter für nötig hält und wird, falls es sich weiterhin ungezogen aufführt, gewissermaßen "kaltgestellt", in einem Raum verbracht, wo es allein sein kann und so lange nicht beachtet, bis es sein Verhalten ändert. Man glaubt gar nicht, wie früh und wie rasch ein Kind solches Vorgehen begreift" (Haarer, 1939: 265). 
Diese Auszeiten - gerne in Form des "stillen Stuhls" oder der "stillen Treppe" werden ebenfalls heute noch gerne empfohlen. Trost für weinende Kinder ist bei Haarer jedenfalls nicht vorgesehen - selbst bei Schmerzen soll nicht getröstet werden: 
"Nicht einmal aus etwaigen Äußerungen des Schmerzes mache man unnötig viel Wesens, selbstverständlich fällt das Kind, das stehen und gehen lernt, viel, stößt sich des Öfteren und schreit und weint dann" (Haarer, 1939: 266).  
weinendes Kind
Es wurde also im Standard-Erziehungsratgeber viele Jahrzehnte generell davon abgeraten, einem Kind Trost zu spenden, weil es das Kind verwöhne und verziehe. Übrig geblieben ist dieses Gedankengut bis heute in Form von "Nun hab dich nicht so!", "Indianer kennen keinen Schmerz" und "Reiß dich mal zusammen!"

Solche und ähnliche Sätze haben die meisten von uns immer und immer wieder in ihrer Kindheit gehört und verinnerlicht. Manchmal möglicher- und glücklicherweise nicht von den eigenen Eltern, aber im alltäglichen Umfeld sind solche Sätze seit Jahrzehnten gang und gäbe, so dass das Bauchgefühl vieler Eltern dagegen nicht rebelliert.
 
 

Festzulegen, wie sehr ein Kind leidet, macht uns trostunfähig

 
Erfolglose Tröstversuche führen oft dazu, dass wir uns hilflos fühlen. Da uns das nicht selten wütend macht, versuchen wir Situationen, in denen Trost erforderlich ist, kleinzureden, um sie schnellstmöglich zu beenden. Ein nicht unerheblichen Einfluss auf unser Handeln hat dabei unser Umfeld. Uns ist (oft nur ganz) unterbewusst klar, dass es noch immer allgemeine Meinung ist, dass Kinder nicht "verweichlicht" werden sollten. Jeder kennt Kinder, besonders sensibel sind und ihren Gefühlen freien Lauf lassen - leider sind diese oft als "Heulsusen" oder "Weicheier" verschrien. Das möchten wir unseren Kindern ersparen und wirken daher darauf hin, dass sie vor allem in der Öffentlichkeit möglichst nicht ihre Gefühle wie Wut und Trauer ausleben.

Wir haben zudem auch eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie sehr ein Kind in einer bestimmten Situation leiden "darf". Fällt es hin und schrammt sich leicht das Knie auf, sind wir durchaus gewillt, es ein bis zwei Minuten zu trösten. Weint es weiter, finden wir immer mehr, dass es jetzt eigentlich langsam gut sein müsste. Wenn unser Kind schmerzhaft auf den Kopf fällt, dann beurteilen wir die Situation als schlimmer - unsere Tröstbereitschaft steigt und damit auch der Zeitraum, den wir unserem Kind zum Traurigsein zu gestehen. Bricht sich das Kind ein Bein, würden wir es wohl den ganzen Tag trösten, ohne dessen überdrüssig zu sein.  
 
Bei Situationen, in denen Kinder Wut oder Trauer empfinden, haben wir also eine festgelegte Skala, nach der wir dann bereit sind, Trost zu spenden. Das Problem dabei ist, dass wir den Kummer unseres Kindes klassifizieren. Nur, wenn wir Dauer und Intensität der Traurigkeit angemessen finden, können wir relativ problemlos trösten. Allerdings liegen zwischen unserer (vermeintlich) sachlichen Einschätzung und dem Empfinden des Kindes manchmal ganze Welten. Für unsere Kinder entlädt sich der komplette Weltschmerz bei für uns vollkommen trivialen Dingen - sei es eine zerbrochene Banane oder der falsche Löffel. Manchmal sind das jedoch einfach nur Auslöser für Kummer und den wahren Grund kennen wir überhaupt nicht. Wie wollen wir denn dann einschätzen, wie schlimm es wirklich ist? Oder gar, dass es gar nicht schlimm ist? Wir ziehen dabei unseren (erwachsenen) Maßstab zur Beurteilung heran - ohne ansatzweise zu wissen, was unser Kind genau empfindet. Und das ist für Kinder verwirrend und enttäuschend.

Besonders gut beobachten lässt sich das automatische Klassifizieren bei Stürzen. Fällt ein Kind irgendwo hin, wird in den meisten Fällen sofort ein Erwachsener rufen: "Nichts passiert! Steh auf!" Auch hierbei handelt es sich um erlerntes Verhalten, das seit Jahrzehnten von Generation zu Generation weiter gegeben und kaum hinterfragt wird. Dabei steht es uns nicht zu, darüber zu urteilen, dass "nichts passiert ist" - denn es ist etwas passiert. Wie schlimm es letztendlich ist, kann nur unser Kind einschätzen. Wir sollten uns dieses Automatismus unbedingt bewusst werden. Es hilft unserem Kind überhaupt nicht, wenn wir ihm sagen, es sei doch alles nicht so schlimm oder es solle sich nicht so haben - in dem Moment ist es für das Kind aber schlimm - ganz schlimm - genau deswegen weint es ja. 
 
 

Trösten als Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu bekommen

 
Manche Eltern sagen: Mein Kind übertreibt aber wirklich ständig. Es jammert rum und ich habe irgendwann einfach keine Lust mehr, darauf einzugehen, weil es immer Lappalien sind. Offenbar scheint das Nichtreagieren jedoch das Problem auch nicht zu beseitigen - man muss Kinder schon sehr dauerhaft vorsätzlich frustrieren, um sie zum Resignieren zu bringen. Warum also sind manche Kinder so offenkundig übertrieben wehleidig? Ich habe die Motivation dahinter durch meine Tochter erkannt. Auch sie ist eine kleine Übertreiberin, was körperliche Verletzungen angeht. Bei der kleinsten Schramme macht sie einiges Brimborium und ergeht sich gerne in Selbstmitleid. Nun könnte man diese Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten:
 
Die verbreitetste Reaktion auf so ein "kindisches" Verhalten ist: "Nun stell dich doch nicht so an, da ist doch gar nichts. Das kann doch überhaupt nicht weh tun!" - das war ehrlicherweise auch mein erster Impuls, als ich erkannte, dass sie ziemlich übertrieb. Ich hatte ja schon erklärt, warum wir auf Gejammere so reagieren (insbesondere bei größeren Kindern) - es ist gesellschaftlich einfach nicht akzeptiert, dass Kinder traurig sind. Noch immer wird Weinen und Leiden als ein Ausdruck von Schwäche gesehen. Dazu kommt, dass viele Erwachsene oft nicht in der Lage sind, Trost zu spenden und empathisch Zuzuhören - wie denn auch, sie haben es ja auch gar nicht gelernt, weil sie in aller Regel selbst nicht getröstet wurden. Das was unsere Generation gelernt hat ist kurz gesagt: "Hab dich doch nicht so" und "Heul doch!" Also ignorieren wir den Schmerz, weil wir nicht wissen, wie viel Trost richtig ist und hoffen einfach diffus, dass das Kind "härter im Nehmen" wird und aufhört zu übertreiben.
 
Knie mit PflasterEin anderer Blickwinkel auf diese Situation wäre, das Jammern als Signal zu sehen, dass sich der Aufmerksamkeitsspeicher des Kindes offenbar dem Ende neigt und ihm eine Extraportion davon sehr gut täte. Auf diesen Gedanken kam ich, als ich bemerkte, wie unterschiedlich mein Kind auf Verletzungen reagierte. Manchmal zog sie sich im Spiel eine größere Verletzung zu und war so abgelenkt, dass sie diese nicht mal erwähnte und manchmal kam sie zu mir, um mir eine mikroskopisch kleine aufgekratzte Stelle zu zeigen. Sie weiß genau, dass ich ihren Schmerz ernst nehme und genießt meine Zuwendung, die tröstenden Worte und das liebevoll auf den Minikratzer geklebte Pflaster in vollen Zügen. Auch die winzigste Blessur ernst zu nehmen hat dazu geführt, dass sie ein zuverlässigen Weg hat, ihren Wunsch nach Aufmerksamkeit auszudrücken. Dieser Weg ist für mich deutlich angenehmer, als lautes, wütendes und unangemessenes Verhalten, mit dem unter Umständen sonst das Aufmerksamkeitsbedürfnis geäußert wird. Und ist ihr Speicher voll, werden auch größere Blessuren ignoriert - von "Verweichlichung" durch zuverlässiges Trösten ist also keine Spur erkennbar.
 
Natürlich wollen Kinder mit übermäßigem Gejammere unserer Aufmerksamkeit erregen! Nur spricht rein gar nichts dagegen, ihnen diese einfach zu geben - auch wenn ihnen offenkundig rein gar nichts fehlt. Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit verschwindet ja nicht dadurch, dass wir es ignorieren, sondern nur, wenn wir es erfüllen. Und das können wir in solchen Situationen mit einem Kuss, einem Streicheln oder einem liebevollen Trösten ganz einfach tun.
 
 

Warum Kinder unseren Trost benötigen


Zuverlässige Zuwendung durch Trösten ist zudem dringend erforderlich, damit unsere Kinder zu psychisch gesunden Erwachsenen heranzureifen. Babys kommen mit einem extrem unreifen Nervensystem auf die Welt. Ihre Fähigkeit, Gefühle zu regulieren, ist zunächst nur sehr schwach ausgebildet und entwickelt sich erst im Laufe der ersten Lebensjahre. Angst, Wut, Stress - all das kann unser Kind zunächst nur mit unserer Hilfe überwinden - erst nach und nach erlernt es Strategien, um unangenehme Zustände selbst zu regulieren.

Was passiert eigentlich in solchen Stresssituationen im Körper? Ist ein Kind aufgeregt, wird zunächst  Adrenalin ausgeschüttet, wodurch sich Blutdruck und die Herzfrequenz erhöhen. Die Atmung ist beschleunigt und die Muskeln angespannt - der Körper befindet sich in Alarmbereitschaft. Hilft einem Kind niemand dabei, sich zu beruhigen, produziert der Hypothalamus im Gehirn größere Mengen des Hormons Corticoliberin. Dieses setzt in der Hypophyse vermehrt Adrenocorticotropin frei, das in der Nebennierenrinde die Produktion von Cortisol anregt. Befinden sich davon über längere Zeit größere Mengen im Körper, wirkt dieses toxisch auf den Körper. 

Werden Kinder nicht ausreichend getröstet, kann das dazu führen, dass Kinder ihr ganzes Leben daran zu knabbern haben, sagt der Psychologe Ulrich Tiber Egle: „Es kommt zu ungünstigen Veränderungen im Gehirn, die das Stressempfinden lebenslang beeinflussen“. Fehlender Trost wirkt sich auch nachhaltig auf die Eltern-Kind-Bindung aus. Ist diese geschwächt, wird weniger Oxytocin ausgeschüttet. Dieses Hormon dient u. A. als Andockstelle für das stressbedingt ausgeschüttete Cortisol und "bindet" es sozusagen. Ist im Körper weniger Oxytocin vorhanden, ist der Cortisolspiegel dadurch dauerhaft höher. Die Folge davon kann ein sehr überempfindliches Stressreaktionssystem sein, was häufig zu Alkoholmissbrauch, Depressionen, Angststörungen und psychosomatischen Erkrankungen führt.

Oxytocin aktiviert darüber hinaus den Vagusnerv - unser körpereigenes Stressbewältigungssystem. Dieser reguliert die durch Stress ausgelöste Unordnung im Körper. Der Vagusnerv wird durch Trost stimuliert - er "lernt" quasi, wie man arbeitet, indem er immer wieder - zunächst von außen unterstützt - stimuliert wird. Im Laufe der Zeit kann er seine Arbeit dann immer besser auch ohne fremde Hilfe erledigen. Das Kind ist also zunehmend besser in der Lage, sich selbst zu beruhigen. Ein gut trainierter Vagusnerv führt zu mehr Ausgeglichenheit, besserem Denkvermögen  mit erhöhter Aufmerksamkeit, besserer Kommunikationsfähigkeit und sogar zu einem fitteren Immunsystem.
 
trauriges Kind mit TeddyGehirnscans von Kindern, bei denen über längere Zeit Kummer und Sorgen nicht weggetröstet wurden, zeigten, dass ihr Hippocampus schrumpft - dieser ist u. A. für das Langzeitgedächtnis zuständig. Das geschieht übrigens auch bei bestimmten Formen von Depressionen und schweren Traumata. 

Trösten und Mitfühlen sind wesentliche Faktoren des menschlichen Zusammenlebens. Trost signalisiert: Ich sehe, dass es dir schlecht geht - ich möchte dir dabei helfen, deine Trauer zu bewältigen. Kinder, die in ihrem Kummer liebevoll angenommen und getröstet werden, wachsen mit dem Gefühl emotionaler Sicherheit auf und sind viel offener für die Bedürfnisse anderer.

Wenn jedoch nicht auf ihre Trauer eingegangen wird und diese immer wieder ignoriert oder kleingeredet wird, werden Kinder lernen, ihre Gefühle zu unterdrücken, weil sie sie als nicht gewollt klassifizieren. Entsprechend werden sie auf die Gefühlsregungen anderer dieses Denken übernehmen und ihnen ebenso gegenübertreten - z. B. mit "Du bist ja vielleicht eine Heulsuse!" Leben Eltern Mitgefühl und Einfühlungsvermögen nicht vor, dann fällt es Kindern extrem schwer, diese Eigenschaften auszubilden.

Bestrafungen hingegen wirken sich zusätzlich negativ auf die Entwicklung der Empathiefähigkeit aus. Daher ist es sinnvoll, wenn man Kinder darauf aufmerksam macht, was ihr Verhalten bei anderen auslöst. "Schau, Ben weint, weil es ihm weh getan hat, als du ihn gehauen hast". Ältere Kinder kann man fragen: "Wie würdest du dich fühlen, wenn jemand dir so weh tut?" Mit dieser Technik der Induktion vermittelt man Kindern Mitgefühl und das Gefühl für Verantwortlichkeit. Strafen hingegen rufen beim Übeltäter nur Ärger und Wut hervor - es entwickelt kein Verständnis vom Leid des anderen. Außerdem handelt das Kind künftig nicht aus Einsicht (Ich haue lieber nicht, weil Max das weh tun könnte), sondern zur Vermeidung von Bestrafung (Ich haue nicht, weil ich sonst Ärger bekomme) - das jedoch nur dann, wenn die Gefahr besteht, ertappt zu werden. Zuverlässig getröstete Kinder sind besser in der Lage, anderen ebenfalls Trost zu spenden

Wir sollten uns daher zu eigen machen, jeden Kummer ernst zu nehmen und uns vornehmen, in solchen Situationen zu versuchen, immer so empathisch wie möglich zu sein und so viel Trost zu spenden, wie erforderlich ist - ohne Wertungen vorzunehmen. Dazu gehört auch, bei Stürzen und Verletzungen zu fragen, wie es dem Kind geht, statt ihm unsere Einschätzung vorab mitzuteilen.
 
 

"Richtig" Trost spenden

 

"Ist doch nicht schlimm!?"

 
Trost ist nicht gleich Trost - hört man mal aufmerksam hin, wird man bemerken, dass viele unbewusst dazu neigen, Kummer wegzureden. Sie wenden sich zwar ihrem Kind liebevoll zu, sagen dann jedoch Sätze wie:
 
  • "Ist doch überhaupt nicht schlimm!"
  • "Es gibt doch keinen Grund zu weinen!"
  • "Ist doch nichts passiert!"

Doch! Das Kind weint und ist unglücklich - es braucht gerade niemanden, der ihm sagt, dass die Situation nicht schlimm ist. Meist meinen wir eigentlich, dass es für uns nicht so schlimm ist - der herunter gefallene, in tausend Teile zersprungene Teller macht uns nichts aus - unser Kind ist jedoch offensichtlich untröstlich und erschrocken.
 
Daher ist es sinnvoller, beim Trösten die Situation zu Beschreiben. Für das Kind ist es sehr tröstlich, wenn es merkt, dass wir seinen Kummer erkennen und ernst nehmen. Statt "Ist doch nicht schlimm!" ist es besser zu sagen: "Oh, der Teller ist herunter gefallen! Du hast dich erschreckt und bist jetzt ganz traurig deswegen". Das bewertet die Situation nicht und dass es für uns nicht schlimm ist, erkennt das Kind an unserer ruhigen und besonnenen Reaktion.
 

Trösten begleitet Weinen


Trost sollte nicht dazu dienen, das Weinen zu beenden, er sollte vielmehr das Weinen begleiten. Um Traurigkeit zu überwinden, braucht es die liebevolle, zugewandte Nähe eines nahestehenden Menschen. Das Gefühl muss verarbeitet und ausgelebt werden und dazu sind Zeit und Zuwendung notwendig. Nur jemand, der sich wirklich angenommen fühlt, kann Trauer durchleben und gestärkt aus ihr hervorgehen. Wir müssen dabei nicht reden, wir müssen nicht beschwichtigen, keine Lösungen finden, wir müssen im Grunde gar nichts tun, außer zu signalisieren: "Ich bin hier und für dich da!" Ganz besonders tröstend ist Körperkontakt - ein Kind in die Arme zu nehmen und Haut an Haut kuscheln wirkt stark beruhigend. Auch monotones Streicheln oder Massieren beruhigt Kinder zusätzlich.

Auch wenn es verlockend ist und meistens gut funktioniert: Ablenken hilft unseren Kindern langfristig gesehen nicht. Denn es nimmt ihnen die Chance, ihre eigene Stressregulation aufzubauen. Außerdem signalisiert es ganz unterbewusst, dass wir den Kummer in dieser Situation nicht für angemessen halten - wie soll das Kind sich und seine Traurigkeit ernst genommen fühlen, wenn plötzlich ein vollkommen anderes Thema angesprochen wird? 
 

Trost bei Schmerzen


Cover Pusten, Trösten, Pflaster draufEtwas anders sieht es aus, wenn Kinder sich weh getan haben - manchen Kindern tut nach tröstenden Worten Ablenkung sehr gut, weil sie sich sonst sehr stark auf den Schmerz konzentrieren. Studien haben gezeigt, dass Schmerzen durch Ablenkung schneller vergehen. Wichtig ist dabei ist jedoch auch wieder, den Schmerz nicht zu bagatellisieren. "Beiß die Zähne zusammen!" ist also auch hier völlig fehl am Platz. Ein "Wollen wir ein Buch vorlesen, wenn es besser geworden ist?" gibt den Kindern ihr eigenes Tempo und ermöglicht ihnen, selbst zu entscheiden, ob es "es wieder gut" ist. Es gibt aber auch Kinder, die ihre Schmerzen gerne verarbeiten wollen, also genau rekapitulieren wollen, was genau geschehen ist und bei denen die Aufmerksamkeit eher dazu führt, dass der Schmerz abklingt.

Kleine Trostrituale helfen oft, dass Kinder sich schneller beruhigen. Trostverse oder auf die Wunde pusten mögen viele Kinder. Wenn es sich um Abschürfungen handelt, sollte man jedoch auf das Pusten verzichten - das fördert die Verbreitung von Bakterien. Viele Kinder tröstet es, wenn ihre Eltern ihnen etwas vorsingen. Im Kühlschrank sollte immer ein Kühlpad liegen - allein das Ritual, diesen auf eine Wunde zu legen, beruhigt viele Kinder. Sie haben damit das Gefühl, aktiv etwas gegen den Schmerz tun zu können.

Was ich immer wieder beobachte ist die Gabe von Trostsüßigkeiten. In der Hoffnung, das Kind abzulenken, werden Gummibärchen oder anderes Naschwerk angeboten. Auch dieses Ablenken führt dazu, dass das Kind nicht lernt, seine Trauer zu bewältigen, sondern sie zu unterdrücken, um die "Belohnung" zu erhalten. Außerdem ist die Verknüpfung "Mir geht es nicht gut" mit "Ich esse dann etwas Süßes" fatal, weil die Gefahr besteht, dass dieses Verhalten beibehalten wird und damit über kurz oder lang Kummerspeck droht. Außerdem kann Tröstnaschwerk natürlich die Tendenz zur Überdramatisierung erhöhen.

Ebenso kritisch sehe ich die Gabe von Globuli, da sie im Grunde genauso funktionieren, wie Trostgummibären. Für unsere Kinder ist es wichtig, zu lernen, mit der Trauer umzugehen - und nicht, dass für jedes Problem ein Mittelchen im Medizinschrank steht. Kinder wachsen an ihrer Traurigkeit und Entwickeln ganz von allein Bewältigungsstrategien aus sich heraus. Sind diese stabil ausgebildet, ist die Gefahr, später zu Alkohol oder Drogen zu greifen um Kummer und Sorgen zu ertränken, deutlich geringer.
 
© Danielle
  
 

 

Quellen







 

Kommentare:

  1. Ein toller und umfassender Beitrag. Mein Kind ist nun in einem Alter, wo sie viel weint, weil ihr viel passiert oder sich auch vieles zu Herzen nimmt. Oft bin ich unsicher, wie ich, gerade bei "Böcken" mit ihr umgehen soll. Aber eines habe ich bisher nie gemacht: sie mit sich und ihrem Kummer allein gelassen. Denn zu gut weiß ich, wie sich das anfühlt, sich "nicht so anstellen" zu müssen. Die Idee mit dem Buch finde ich gut, das werde ich uns mal besorgen. Was bei meinen Nichten funktioniert ist, ein Pflaster zu kleben, auch wenn es nicht blutet. Dann sind sie im Nachgang fast stolz, wenn sie abends dem Papa ihre "Kriegsverletzung" zeigen können.

    LG Bella

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    1. Liebe Bella,

      mein Sohn ist auch gerade im klassischen Trotzalter und bei ihm nehme ich einfach jedes Unglücklichsein ernst. Kinder in dem Alter fehlt es ja noch an Empathie, so dass es ihnen fast unmöglich ist, mit Trauer und Wut zu manipulieren. Mit dem Wissen sage ich mir einfach: Jede Trauer, jede Wut hat eine Daseinsberechtigung. Interessanterweise ist es mittlerweile so, dass es meinem Sohn meist völlig ausreicht, wenn ich sage: "Ich verstehe, dass du über XYZ wütend bist! Das ist auch wirklich blöd!" - nach einem kurzen Kuscheln ist meist alles wieder gut. Und Pflaster funktionieren bei meiner Tochter ähnlich, wie bei Deinen Nichten - als Trophäe und sichtbarer Trost. Sie verarztet auch alle Kuscheltiere (die man mit Pflaster nicht waschen sollte, sonst kriegt man die u. U. nieeeee wieder ab...).

      Viele Grüße!
      Danielle

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  2. Ich mag mich irren aber in bestimmten Situationen, gerade wenn das Kind aus Wut weint, kann ich nicht trösten. Beispiel:
    Als meine ältere Tochter 2,5 Jahre alt war, ging sie furchtbar gern in die Kita. Unterwegs konnte ich sie gut ablenken. Sobald wir aber das Haus betraten fing sie an hysterisch zu werden, schreiben toben, um sich schlagen, sich selbst beißen und kneifen, bis hin zu Kopf gegen den Schrank donnern.
    JEGLICHE Versuche ihr beizustehen, ihr zu vermitteln oder sie abzulenken, missglückte. Ich konnte nichts anderes tun als abzuwarten und sie mit ihrem Zorn allein zu lassen. Ich saß da und wartete, bis sich ihr Ton veränderte. Ansprechen, anfassen oder gar angucken, hat sie nur noch wütender gemacht.
    Ich erreichte sie immer erst wenn sich ihr Ton veränderte. dann wurde sie zugänglich und man konnte sie wie gewohnt trösten und ansprechen.

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    1. Liebe Katzenflieder,

      es stimmt - es gibt Situationen, in denen Kinder durch Trost nicht erreicht werden sollen. Mir geht es eher um Situationen, in denen Eltern keinen Trost spenden wollen. Wichtig finde ich bei solchen Wutanfällen, dass man dabei bleibt und zumindest signalisiert: Wenn du möchtest, dann tröste ich dich sofort. Manche Eltern gehen dann ja einfach in der Hoffnung, den Wutanfall so zu beenden.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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    2. Ja stimmt.
      Ich habe mal eine Frau beobachtet, deren Kind(ca. 1,5 J.) den Hund mit der Leine hauen wollte. Die Mutter nahm die Arme des Kindes, schüttelte mit ihnen (als ob es dann fliegen könne), meckerte und ging dann weg. Das Kind weinte und ging ihr nach. Sie stand dann mit den Armen verschränkt und Blick in die andere Richtung vor ihrem Kind. Das Kind wollte hoch, weinte. Ich war schon kurz davor etwas zu sagen, aber irgendwie wollte ich die Frau vor versammelter Babygruppenmanschaft nicht bloßstellen. Wahrscheinlich haben die anderen ähnlich gedacht? Jedenfalls hat niemand etwas dazu gesagt. Ich schrieb der Mutter später daraufhin eine SMS und bot ihr an zuzuhören, wenn sie Probleme mit dem Kind und dem Hund hat, denn ich kenne das aus eigener Erfahrung, wenn sie kleine Kids keine Empathie haben und dem Hund weh tun (wollen).

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  3. Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel. Was ich allerdings nicht völlig in Einklang mit meinem Wissen und Gefühl in Einklang bringen kann, ist die Sache mit dem Ablenken bei Schmerzen. Ich habe da tatsächlich nicht den Eindruck, dass mein Sohn in (den meisten?) Situationen, in denen er sich wehgetan hat, abgelenkt werden mag. Meistens läuft das so ab, dass er zunächst weint und dann das Geschehen mit meiner Hilfe 'rekonstruiert', also zeigt, wo er sich 'Aua' gemacht hat, wie er sich 'Aua' gemacht hat oder eifrig die Geste wiederholt, wenn ich z.B. leicht auf die Kante haue, an der er sich gestoßen hat und dabei "Aua" sage. Auch das Aufkleben von Pflastern oder das Kühlen ist ja im Grunde kein 'Ablenken', sondern ein Zeichen dafür, dass man dem Geschehenen Aufmerksamkeit schenkt.

    Und es mag zwar sein, dass man bewusst weniger Schmerzen spürt, wenn man sich davon ablenkt, aber es gibt eben auch (zugegebenermaßen ältere) Studien, die belegen, dass die Heilung durch einen bewussten Umgang gegenüber Ablenkung oder Unterdrückung begünstigt wird (http://psycnet.apa.org/journals/psp/64/2/274/).

    Liebe Grüße,
    Julia

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    1. Liebe Julia,

      vielen Dank - diesen Aspekt habe ich gleich mal ergänzt. Der Link funktioniert leider nicht und ich finde beim googeln leider auch nichts - kannst Du mal schauen, ob Du mir die Inhalte irgendwie anders übermitteln kannst?

      Herzlichen Dank!
      Danielle

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    2. Das Paper wurde von Delia Cioffi und James Holloway verfasst und heißt "Delayed costs of suppressed pain." Ich zitiere aus dem Abstract:
      "During a cold-pressor pain induction, 63 Ss were instructed either to concentrate on their room at home (distraction), to pay close attention to their hand sensations (monitoring), or to remove awareness of those sensations from mind (suppression). Two minutes of postpressor pain ratings showed that monitoring produced the most rapid recovery from the pain and that suppression produced the slowest."

      Ich erinnere mich leider nicht mehr an die Details der Studie und habe auch mittlerweile keinen Zugriff mehr dazu. Aber davon abgesehen finde ich den Eltern-Artikel nicht überzeugend. In "Umgekehrt führten mitfühlende und aufmunternde Worte zu vermehrtem Jammern und geringerer Schmerztoleranz." schwingt eine negative Bewertung des 'Jammerns' mit, wo ich hingegen einen positiv zu betrachtenden Prozess der Wahrnehmung und Kommunikation sehe. Und ob es wirklich so gut ist, dass man durch Ablenkung die Signale des Körpers überhört und die Hand länger ins kalten Wasser hält, als es eigentlich gut ist...

      Mag sein, dass es etwas anderes wäre, wenn es tatsächlich um starke länger andauernde oder gar chronische Schmerzen ginge (wobei ich auch da Gutes über Achtsamkeit und Meditation gelesen habe), aber bislang hatte ich zumindest bei meinem Sohn den Eindruck, dass er entweder nicht abgelenkt werden möchte oder er sich gegebenenfalls selbst ablenkt (z.B. wenn wir gerade unter Fremden sind).

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    3. Vielen Dank für Deine Antwort. Ich denke, dass es da verschiedene Typen gibt. Bei meinen Kindern habe ich den Eindruck, dass es ihnen gut tut, wenn man Ablenkung anbietet, weil sie die auch dankbar annehmen. Da sollte man sich auf sein Gefühl verlassen und einfach mal beide austesten.

      Viele Grüße!
      Danielle

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  4. Hmmm. Der Artikel setzt mich ganz schön unter Druck finde ich. Es passiert nämlich durchaus, dass ich es nicht schaffe eines meiner drei Kinder zu Trösten. Aber ehrlich gesagt passiert das weniger aus den oben genannten taktischen Gründen, nicht aus einer erzieherischen Maßnahme heraus. Sondern schlicht und einfach weil ich selbst nichts mehr zu geben habe. Weil mein Alltag so herausfordernd ist, dass da wo das Mitgefühl sein sollte nur noch innere Leere ist. Nothing more to give. Nein, ich bin wirklich keine perfekte Mutter. Aber die beste die meine Kinder kriegen können.

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    1. Liebe Spitz Passauf,

      erst einmal danke für Deinen Kommentar. Ich verstehe, dass der Text Dich bewegt - denn das Thema wird für viele von einer etwas anderen Seite beleuchtet. Er soll Dich aber nicht unter Druck setzen - manchmal ist man einfach nicht in der Lage zu trösten - sei es aus Zeitgründen (ich muss auch manchmal das Haus verlassen, obwohl mein Sohn gerade unglücklich darüber ist, aber mein Zug fährt leider nur einmal in der Stunde), manchmal ist man selbst so wütend, dass sich keinerlei Empathie einstellen will. Das ist normal und das können Kinder ist auch bis zum einem gewissen Maß tolerieren. Es geht mir vor allem darum. für die Situationen zu sensibilisieren, wo man meint, Kinder würden durch Zuwendung verweichlicht - dieses Bild wird ja noch immer von der Gesellschaft gezeichnet.

      Man muss keine perfekte Mutter sein - dazu ist schlicht niemand in der Lage. Aber man sollte zumindest wissen, wie man es anders machen kann, damit man sich öfter mal besinnt und möglicherweise seine Kräfte bündelt, um doch anders, als erlernt zu reagieren. Nach meinen Erfahrungen lohnt sich dieser kleine Mehraufwand, weil das Zusammenleben mit unseren Kinder umso harmonischer und damit weniger anstrengend wird, je mehr sie sich angenommen und wertgeschätzt fühlen.

      Herzliche Grüße
      Danielle

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  5. Ich finde deinen letzten Abschnitt ganz toll!
    Ich beobachte schon seit 10 Jahren wie Eltern, die auf gesunde Ernährung, und möglichst wenig Schulmedizin und dergleichen achten, nahezu um sich werfen mit Globuli, sobald ein Kind auch nur irgendeine Kleinigkeit hat.
    Dabei lernt ein Kind eben nix anderes als das, was es bei Gummibärchen und co als Tröster auch lernt: Mein Körper/ich schaff das nicht alleine. Ich muss etwas zu mir nehmen, das mir hilft.

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    1. Liebe Melanie,

      danke für Deinen Kommentar! Ich bin kein großer Freund von Homöopathie - meine Kinder bekommen auch ohne die Gabe von Arnica keine Beulen... Aber ich kann die grundlegende Motivation hinter der Gabe nachvollziehen.

      Liebe Grüße!
      Danielle

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    2. Genau!!!
      Und dass Du, Danielle, der Homöopathie kritisch gegenüberstehst, macht mich zu einem noch größeren "Fan" eurer Seite! So viel gesunder Menschenverstand!!
      Liebe Grüße, Hanni

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  6. Liebe Snowqueen, liebe Danielle,

    welch ein wunderbarer Artikel! Meine Kindern sind schon groß, 15, 16, 19, 20, aber trösten ist auch jetzt noch unglaublich wichtig. Geht uns doch selbst genauso!

    Ich wünsche mir, dass ganz viele Menschen Euren Artikel lesen und dass die alten Erziehungsmethoden endlich aussterben.
    Für mich ist Empathie und Liebe das wichtigste, und auch mit seinen Kindern auf Augenhöhe zu stehen, auch wenn sie ganz klein sind, sind sie schon so unglaublich groß!

    Bin zufällig auf den Artikel gestoßen und hätte mir früher solche inspirierenden Gedanken gewünscht. Ich kann mich gut an zwei Bücher erinnern: „Warum Baby weinen“ und noch ein Ähnliches aus dieser Reihe, sie passen ganz wunderbar zu dem Thema.

    Macht weiter so, ihr seid toll <3

    Liebe Grüße, Mara

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    1. Liebe Mara,

      ganz herzlichen Dank für Dein Feedback - ich freue mich sehr, wenn eine Mutter schon älterer Kinder sagt, dass der liebevolle und empathische Weg Kinder nicht "verwöhnt". Wir wünschen uns auch, dass die alten Erziehungsmethoden aussterben und hoffen, mit unserer Seite einen kleinen Beitrag dazu zu leisten.

      Viele Grüße!
      Danielle

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    2. Liebe Mara,
      "Warum Babys weinen" ist für mich das großartigste Buch, das ich zum Thema Erziehung gelesen habe und ich freue mich, von jemandem zu lesen, der es ebenfalls kennt. Ich finde es unbglaublich beeindruckend, dass ein Buch, das bereits 1984 veröffentlicht wurde, bereits Tips fürs Familienbett, eine Beschreibung von Baby-Led-Weaning, ein Plädoyer fürs Tragen, eine Anleitung für den achtbaren Umgang mit Emotionen und vieles, vieles mehr enthält, was heute als relativ 'neu' empfunden wird. (Und es deckt einige Mythen auf, die sich bis heute hartnäckig halten).

      Das Buch mich vorm Zusammenbruch gerettet und meine Beziehung zu meinem Kind nachhaltig verändert und bereichert (auch wenn manches dadurch ein wenig komplizierter geworden ist) und ich würde mir sehr wünschen, dass es noch mehr Beachtung findet.

      Liebe Grüße,
      Julia

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  7. Mit einem Buch das 1939 geschrieben wurde zu vergleichen....naja!!

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    1. Hallo,

      ich verstehe Deine Kritik nicht. Was genau meinst Du mit "vergleichen"? Wir zeigen in diesem Artikel, dass die heutigen, Erziehungsmethoden Überbleibsel aus dem Dritten Reich sind, als es vollkommen andere Erziehungsziele gab, als (hoffentlich) heute.

      Manchmal tun wir Dinge und wissen nicht genau warum - immer lohnt es sich, das zu hinterfragen :-).

      Viele Grüße!
      Danielle

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    2. Indem du aus dem buch beispiele nimmst die heutzutage in keinem ratgeber mehr zu lesen sind.

      Ich bin ein fan von einem gesunden mittelmaß. Man kann in beide richtungen übertreiben. Extreme strenge sowie auch übertriebene weichmacherei.
      Ihr vergesst dabei alle auf eure wirkliche intuition zu achten. Eine mutter die aus einem bauchgefühl heraus handelt...wird immer richtig handeln. Egal was irgendwer meint zu schreiben.

      (Am rande: ich kann und will mein kind nicht den ganzen tag tragen...das hat gar nichts mit verwöhnen zu tun...den erstens ist mein kreuz total im eimer und zweitens bin ich noch eine eigenständige persönlichkeit. Ich kenne genug eltern die nur jammern weil sie ständig ihre kinder huppa müssen weil sie den drang haben alles richtig zu machen. Ja aber das bringt dem kind auch nicht viel trost wenn du als mutter deinem kind dann dein leid aufzwängst oder?
      Liebe sollte an erster stelle stehn und man sollte sich selbst wieder mehr vertrauen schenken!

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    3. Ich hoffe doch sehr, das sowas nicht mehr in Ratgebern steht. Das Problem ist nur: Die Menschen handeln immer noch danach - und es ist ihnen kaum bewusst.

      Zum Thema "Bauchgefühl" und "Intuition" stimme ich Dir überhaupt nicht zu - warum, das steht ausführlich in diesem Artikel: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/08/reichen-das-bauchgefuehl-und-der-mutterinstinkt-bei-der-erziehung.html

      Ganz vielen Eltern fehlt das Bauchgefühl und viele haben auch stellenweise einfach ein "falsches". Das erkennt man u. A. bei diesem Thema ganz eindeutig: "Ist doch nichts passiert" fühlt sich für ganz viele völlig normal und richtig an - warum es das nicht ist, darüber habe ich in diesem Artikel ja ausführlich geschrieben.

      Viele Grüße!
      Danielle

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    4. Meine mutter hat sicher unzählige male gesagt das nichts passiert ist ;-) ich habe weder ein alkoholproblem oder sonstige zustände...
      Ich bitte darum mich nicht falsch zu verstehen...ich finde den artikel an und für sich super...
      Mein problem ist es das viele handeln weil sie es irgendwo lesen das es gut ist...und dabei vergessen auf ihre kinder einzugehen wo jedes auf seine eigene art und weise anderst ist...
      Ich sage auch zu meiner mama heute....wenn er sich weh tut nimm ihn und sag nicht es is ja nix passiert.
      Ich will nicht das mein kind irgendwann seine gefühle unterdrückt...jedoch muss ich zugeben...das ich das intuitiv so mache...! Sowie ich ihm globoli gebe wenn ihn seine zähne extrem plagen :'( ...ich will nicht das er sich quält! Ich bin aba auch ein gegner die was ihre kinder alles reinstopfen bei den kleinsten wehwehchen...
      Habe den artikel gelesen den du mir empfohlen hast... ich glaube ja das viele gar nicht mehr wissen was ein bauchgefühl überhaupt ist oder?
      Welcher ratgeber ist gut und welcher schlecht? Am ende will jeder das beste aber was ist das beste?

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    5. Es steht doch auch nicht im Artikel, dass Kinder, denen gesagt wird "Nichts passiert", automatisch Alkoholiker werden ;-).

      Ich finde, dass es bestimmte Dinge gibt, die für jedes Kind wichtig ist - und darüber schreiben wir. Es ist für jedes Kind wichtig, respektvoll behandelt, bedingungslos geliebt, getröstet, geachtet und umsorgt zu werden. Liebe und Zuwendung braucht jedes Kind.

      Ich kann verstehen, dass man - wenn man ein gutes Bauchgefühl hat - nicht versteht, warum andere nicht darüber verfügen - aber man sollte einfach tolerieren, dass es so ist. Und ja: Ich habe keines und musste mir anlesen, ob man Kinder loben soll oder ob logische Konsequenzen gut sind. Mein (schlechtes) Bauchgefühl sagte nämlich: Ja! Nachdem ich mich umfassend damit beschäftigt hab, sagt mein Bauchgefühl plötzlich: Nein!

      Herzliche Grüße!
      Danielle

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    6. Halte mich für bekloppt aba weist du was ich mir dachte als ich den von dir empfohlenen artikel las...
      Dein" bauchgefühl" oda bzw dein gefühl das dir sagte du musst etwas anders machen haben dich zu dem gemacht das du heute bist... deine intuition hat dich in diese richtung gelenkt...!

      Ich werde auf jeden fall die seite liken und weitere artikel lesen... ich bin immer froh etwas dazu zu lernen!

      Liebe grüsse nina und danke für die diskussion ;-)

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    7. Ja - so gesehen hast Du natürlich recht. Aber mein Bauchgefühl hat mir bis zu einem gewissen Grad auch gesagt: Alles ist gut, obwohl es das rückblickend nicht war.

      Ich freue mich, wenn Du Dich etwas ausführlicher bei uns umschaust - vielen Dank für den sachlichen Austausch.

      Viele Grüße!
      Danielle

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  8. Wieder mal ein toller Artikel bei dem wohl alle Eltern Emotionen empfinden. Ich bin leider auch nicht immer perfekt in solchen Situationen, aber mir hilft es ungeim wenn ich Artikel wie diesen hier lese. Es ist aufbauend, ermutigend und richtungsweisend. Genau das brauche ich immer mal wieder.
    Das viele trösten hat aus unserem Sohn der anfangs bei allem geweint hat mittlerweile ein sehr starkes Kind gemacht, das nun mit 3,5 nur noch weint wenn es wirklich weh getan hat, er sich ärgert dass es passiert ist oder er gerade wie du schreibst seinen Speicher aufgefüllt benötigt. Pflaster helfen bei uns übrigens gar nicht. Er weigert sich strikt irgendetwas auf seiner Haut zu haben. Selbst Kühlpads sind nur ca.. 2 Sekunden erlaubt. Globuli setze ich manchmal ein, habe aber auch schon gemerkt, dass die keinen so richtig guten Einfluss auf ihn haben. Er erfindet danach oftmals kleine Schmerzen um wieder welche zu bekommen. Insofern kan ich deinen Artikel nur bestätigen. Danke dafür.

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    1. Liebe Victoria,

      niemand, absolut niemand ist perfekt in solchen Situationen. Ich auch nicht. Meiner Meinung nach ist es am wichtigsten zu wissen, wie es besser wäre und sich stets zu Bemühen. Kinder erwarten keine Perfektion von uns, nur eine grundsätzlich positive Einstellung ihnen gegenüber.

      Danke für Deinen Erfahrungsbericht - ich bin sicher, dass Trösten genau dazu führt: Dass Kinder nicht verweichlichen und sich angenommen fühlen.

      Ganz herzliche Grüße!
      Danielle

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  9. Danke für euren, wie immer, lesenswerten Beitrag. Ich selbst habe mit Kummer und Jammern nicht so die Probleme, eher mit Wut (und da habe ich von euch schon jede Menge lernen können). Mir fällt immer wieder auf (in diversen Foren oder auch in meinem eigenen Umfeld), dass es viele Menschen gibt, denen es schwerfällt, andere _wirklich_ zu beobachten. Verständnis und Verstehen braucht aber die (wertfreie) Beobachtung (wie im Bsp hier in den Kommentaren: Mein Sohn braucht das und das ..."). Gerade im Umgang mit unseren Kindern ist die Beobachtung wirklich wichtig, weil wir einfach nicht wissen (können), wie es unseren Kindern geht, wenn wir sie nicht beobachten. Bei Maria Montessori hat die Beobachtung ja auch einen ganz zentralen Stellenwert (zB Für was interessiert sich das Kind im Moment? Wie genau geht es mit Dinge um?), obwohl ich mich da auch nicht sonderlich gut auskenne, was Montessori Pädagogik betrifft. Auch für die GFK ist es ja zB wichtig eine Situation zu beobachten und sie wertfrei beschreiben zu können. Lange Rede: Eigentlich wollte ich euch hiermit ein neues Thema vorschlagen, dass mich strukturiert ausgearbeitet selbst interessieren würde und vom, glaube ich, auch viele profitieren könnten. So was wie: Was muss ich wissen, um mein Kind _wirklich_ zu beobachten (statt einfach nur zu "glauben" oder zu "denken" das es meinem Kind so und so geht)? Wie geht das? Wozu ist das wichtig? Ist das überhaupt möglich, mich von eigenen Vorurteilen so weit zu befreien, dass ich wirklich nur "sehe"? Klingt irgendwie ein bisschen eso vielleicht, aber ein Maler schaut auch ganz genau hin, wenn er einen Baum oder Himmel malt und dann sieht er die vielen Farben die darin eine Rolle spielen, während man im normalen Alltag den begrünten Baum eben als "grün" wahrnimmt. Es gibt auch in der Achtsamkeitspraxis Übungen, in denen man zB lernt, wert- oder meinungsfrei zu beschreiben und zB eben nicht sagt: Das Auto fährt langsam und das da schnell, sondern "Das rote Auto fährt schneller als das grüne.", ob es nun als schnell oder langsam empfunden wird, ist indivudell verschieden und damit eben eine Bewertung.

    Keine Ahnung, ob das ein Thema für euch wäre. Mir fällt das jedenfalls immer mal wieder vor/auf die Füße, insbesondere weil ich einen eher achtsamen Umgang damit pflege und mir umso mehr auffällt, wie krass bewertend Menschen manchmal sind ohne dass es ihnen überhaupt bewusst ist.

    Viele Grüße jedenfalls :-)

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    1. Liebe Petra,

      herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Das vorgeschlagene Thema ist sehr interessant, ich werde mir darüber definitiv mal Gedanken machen. Das, was Du schreibst, macht mich nachdenklich - bisher habe ich darauf noch nicht achtgegeben...

      Herzliche Grüße!
      Danielle

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    2. Liebe Petra,

      ich fände das Thema ebenfalls sehr spannend und beschäftige mich schon sehr lange damit. Auf der einen Seite fand ich das sehr befreiend und hat mir geholfen, in schwierigen Situation gelassener und aufmerksamer zu bleiben, auf der anderen hadere ich aber auch manchmal damit. Denn der Anspruch, jede Situation so vollständig und objektiv wie möglich zu betrachten, hat mich manchmal auch schon an den Rand der Handlungsunfähigkeit gebracht, worauf ich schließlich für mich zu dem Schluss gekommen bin, dass es in Ordnung ist, auf vorgefertigte Vorurtile und (Handlungs)muster zuzugreifen, solange ich bereit bin, diese zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren.

      Oder anders gesagt: in manchen Situationen hilft es mir, einen Baum zu sehen, solange ich irgendwo im Hinterkopf behalte, dass es in Wirklichkeit nur Flächen aus blauer, grüner und brauner Farbe auf einer Leinwand sind.

      Liebe Grüße,
      Julia

      P.S. neben Maria Montessori sind auch Magda Gerber und Aletha Solter Namen, die ich spontan mit dem achtsamen Umgang mit Kindern in Verbindung bringe... auch wenn sie sich interessanterweise in manchen Punkten deutlich widersprechen.

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    3. Liebe Julia,

      ja, nach dem Abschicken kam mir auch der Gedanke, dass der Post so klingt als wären Bewertungen oder das Denken in Schubladen generell schlecht und zu vermeiden. Dabei sehe ich es genauso wie du, ich muss nicht jedesmal wenn ich aus dem Haus gehe, die Eiche gegenüber ganz genau anschauen. Wenn ich aber vor einer Situation stehe, in der andere meine Hilfe erbitten (siehe Frage nach Trost) oder die irgendwie konfliktbehaftet ist, dann ist es mMn für alle Beteiligten förderlich, wenn ich in der Lage bin, die Situation objektiv zu beschreiben (das mein Erleben subjektiv ist, ist ja klar). Bei Kindern setzt das aber (wertfreie) Beobachtung voraus (weil Kinder eben vieles noch nicht verbalisieren können), d.h. ich muss genau hinschauen, ob mein Kind z.B. wütend oder traurig ist. Nur weil ich immer wütend werde, wenn man mir dies und das antut, heißt das eben nicht, dass das bei meinem Kind genauso ist. Vielleicht wird es stattdessen traurig oder es ist ihm egal. Nur weil mir Globuli helfen, braucht mein Kind die vielleicht noch lange nicht, um mit irgendetwas umzugehen. Ich meine nur, dass es manchmal gut und wichtig ist, _genau_ hinzusehen, bevor man eine Situation bewertet. Und da hab ich den Eindruck, dass es gerade in Konfliktsituationen einigen Leuten schwerfällt und da meinte ich, dass man das einfach außerhalb dieser Konfliktsituationen üben kann. Wie gesagt, muss man nicht den ganzen Tag alles genau betrachten und versuchen objektiv zu beschreiben, aber es gibt ein paar Übungen, die man hin und wieder mal im Alltag durchführen kann, um eben die Fähigkeit allgemein zu verbessern, sodass möglicherweise Konfliktsituationen leichter zu bewältigen sind und auch unsere Kinder sich vielleicht darin besser verstanden fühlen. Wenn die Kinder älter sind, haben sie ja auch oft Konflikte, in die man nicht involviert ist. Auch da ist die Frage: Versteht man wirklich, was los ist, worum es geht, was der andere denkt etc. oder glaubt man zu verstehen, weil man es z.B. von sich selbst kennt?

      Und, um noch mal möglicherweise aufgebauten Druck zu reduzieren, hier noch ein Satz, den man eigentlich an alle solche theoretischen Ausführungen anhängen sollte, nämlich: Winzige Veränderungen bewirken über Generationen hinweg große Veränderungen; d.h. wir müssen nicht alles perfekt machen, winzig kleine Veränderungen sind die Saat, die wir heute säen, die unsere Kinder gießen und der Kindeskinder schließlich irgendwann (hoffentlich) mal ernten.

      Danke für deinen Post und liebe Grüße
      Petra

      PS Die beiden Namen habe ich noch nie gehört, muss ich mich erst mal belesen :-)

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  10. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Kinder sehr gut mit ihrem Schmerz gut umgehen können, wenn sie damit ernst genommen werden.

    Andere Frage, die mich brennend interessiert:
    Was tun, wenn es Ärger mit einem Elternteil gibt. Darf der andere trösten? Wie seht ihr das?

    M

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    1. Liebe M,

      meiner Meinung nach: JA! Trösten heißt ja nicht zwangsläufig, dass man gut findet, was das Kind getan hat oder es billigt. Man kann sagen: "Ich stehe dir in deiner Traurigkeit bei, aber dein Verhalten ist für mich trotzdem problematisch". Ich finde es sogar überaus wichtig, dass Kinder ihren Kummer bei einer Bindungsperson ausleben können, gerade wenn sie mit der anderen im Konflikt sind.

      Herzliche Grüße!
      Danielle

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    2. Wo ich schon mal da bin: Such doch mal im Netz nach Raben und Trost :-)
      In meiner Welt ;-) ist es nicht nur so, dass ein Elternteil Trost spenden darf, sondern sogar sollte, ganz unbedingt. Es kann einfach nicht falsch sein, empathisch zu sein (und als selbst verärgerter Elternteil ist das ja eben dann gerade schwierig empathisch zu sein, da wünscht man sich ja dann eher Empathie für sich selbst). Zum Trost spenden gehört für mich dann aber meist auch noch das Besprechen der Situation. Und ich glaube außerdem, das die Fähigkeit Trost zu empfangen, anzunehmen und als positive Emotionsregulation nutzen zu können, eine Fähigkeit ist, die eben genau über solche Momente erlernt wird.

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  11. Ja also ich einfach manchmal keine Lust auf das Geplärre, weil ich a mit was anderem beschäftigt bin oder b es mir auf die Nerven geht. Oft genug will ich das Geheule einfach nur abstellen. Verrat mir doch mal, wie ich das Kind tröste, wenn's mir tierisch auf die Nerven geht! Und komm jetzt nicht mit da muss ich mich halt zusammen reißen. Ich finde nämlich durchaus, dass ich das auch nicht immer nur muss.

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    1. Liebe Rosalie,

      aus den Erfahrungen der letzten Diskussionen mit Dir beantworte ich Deine rhetorische Frage nicht und weise nur darauf hin, dass der Artikel nicht heißt "Warum man sein Kind immer trösten MUSS".

      Aber ich danke Dir für Dein Feedback ;-).

      Viele Grüße!
      Danielle

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  12. Vielen Dank für diesen Artikel.

    Ich möchte dazu eine kurze Geschichte erzählen: Wir waren bei einer Spielgruppe, alle Kinder hatten ihren Spaß. Irgendwann ging es ans Aufräumen und ein kleines Mädchen von vier Jahren begann zu weinen. Ihre Mutter wandte sich ihr zu und sagte: "Schatz, du musst nicht immer anfangen zu weinen nur weil etwas schönes zu Ende ist."

    Ich habe diese Worte zunächst nur gehört, aber irgendwie hallten sie noch tagelang in meinem Kopf nach. Ich wusste erst nicht wieso, bis ich begriff, dass mir dieses kleine Mädchen leid tat, weil ihre Trauer so klein geredet wurde. Wieso durfte sie nicht weinen? Sie hatte doch so viel Spaß und der sollte jetzt vorbei sein. Da muss man doch weinen! Und dann noch der Zusatz "immer".

    Die Mutter meinte es gar nicht böse. Sie war sehr liebevoll zu dem Mädchen, aus ihrer Sicht hatte sie vielleicht sogar getröstet. Es waren ganz typische "Mutter-Worte".

    Durch diese Situation ist mir bewusst geworden, wie oft man etwas einfach so dahin sagt, was im schlimmsten Fall wirklich Schaden anrichtet. Denn im Grunde wurde dem Kind gesagt, dass sein Schmerz unberechtigt ist.

    Ich hab mich dann natürlich auch gefragt, wie man es besser machen könnte. Nach eurem Artikel ist mir klar geworden, dass es im Grunde reicht, einfach zu sagen: "Du bist traurig, weil du Spaß hattest und wir jetzt gehen. Das kann ich gut verstehen." Und dann einfach in den Arm zu nehmen. Ein Zusatz wie: "Aber wir können doch nächste Woche wieder kommen" oder ähnliches ist gar nicht nötig. Viel wichtiger ist, dass die Trauer, die für das Kind jetzt gerade ja nun mal faktisch da ist, ernst genommen wird.

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    1. Vielen herzlichen Dank für Deinen Erfahrungsbericht und Deinen Kommentar!

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  13. Hallo Danielle,
    Das ist ein klasse Artikel. Und Du hast absolut recht. Bei Deinen Beispielsätzen finde ich mich wieder! Ohje....Ich werde versuchen das Trösten mit anderes Sätzen zu gestalten.
    Letztens habe ich auch den Artikel über das Loben gelesen und seitdem versuche ich wertfrei Situationen zu kommentieren, aber es gelingt mir in den seltensten Fällen. Schwubs ist ein Lob, wie super, prima...aus meinem Mund raus. Ich versuche danach zu reflektieren, aber mir fällt nichts anderes ein. Da möchte ich wirklich an mir arbeiten.

    Ganz liebe Grüße und herzlichen Dank für die vielen tollen Artikel!

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    1. Danke für Deinen Kommentar - ich freue mich, dass der Artikel Dich ein bisschen inspiriert hat.

      Es ist niemals leicht, die eingetretenen Pfade zu verlassen, aber es wird mit jedem Schritt ein bisschen leichter. Beim Loben beschreibe ich einfach die Situation oder sage einfach: "Hey, du hast das geschafft!"

      Liebe Grüße
      Danielle

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    2. Super, toll oder Prima können doch auch als Ausdruck der Freude gesagt werden. Ich sehe einen großen Unterschied, ob ich sage: "toll wie du das gemacht hast" und "toll, dass es geklappt hat." Oder wenn mein Kind auf etwas stolz ist und ich ein strahlendes "super" erwidere.

      M

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    3. Ich persönlich finde solche Worte immer wertend. Denn die Langfassung von "Toll" ist: "Mir gefällt, was Du gemacht hast" - es ist eine persönliche Einschätzung. Daher sind diese Formulierungen mir zu sehr klassisch "lobend", so dass ich sie bewusst vermeide.

      Viele Grüße!

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  14. Das jemand nicht tröstet, wen das Kind weint, erlebe ich weniger. Bzw hauptsächlich von Vätern.

    Sehr häufig ist aber vertreten, dass, solange das Kind noch nicht weint, viele Eltern dem Unfall dann möglichst keine Beachtung schenken, weil das Kind nämlich sonst genau dann, wenn es merkt, dass Mama schaut, anfängt zu weinen. Und dann kommt sofort, "ach, das war doch nichts"
    Das wurde uns auch gesagt, dass man das zunächst nicht beachten soll, weil das Kind quasi interpretiert, wenn Mama erschrocken schaut, muss es ja schlimm sein, oder aber eben als 2. Fall, einen Aufmerksamkeitsmoment nutzt.

    Wie interpretierst du das? Wäre es ein Ruf nach Aufmerksamkeit , sollte man ja auf jeden Fall reagieren und so dem Kind die Gelegenheit für eine Extraportion geben, aber wenn das Kind tatsächlich anfängt zu weinen, weil es interpretiert, wen Mama schaut, oder ruft, muss ich mir ja wehgetan haben, sowas möchte man für sein Kind ja auch nicht, wärs ja tatsächlich besser, bei solchen Unfällen, wo Kind zunächst nicht aus der Fassung gerät , ein lapidares " und schnell wieder aufstehen" von sich zu geben. Bzw ist dann ein hey, war doch nicht so schlimm, wenn das weinen eben verspätet erfolgt, nicht dann doch richtig interpretiert?

    Weißt du, welche Situation ich meine? Also Kind fällt, schaut mich an, ich schaue zurück, dann fängt Kind an zu weinen.

    LG

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    1. Hallo,

      ich habe darüber beim Verfassen des Artikels nachgedacht. Es ist schon so, dass Kinder häufig erst einmal die Reaktion der Erwachsenen abwarten um dann entsprechend zu reagieren.

      Das ist aber in meinen Augen vielmehr der Effekt des Herunterspielens. Offenbar sind die Kinder es gewohnt, dass jemand anderes ihnen sagt, wie schlimm es denn nun ist - sie scheinen sich teilweise gar nicht zu trauen, diese Einschätzung selbst vorzunehmen.

      Ich denke, es ist sinnvoll, immer wenn etwas passiert ist, das auch wahrzunehmen und zu fragen: "Hast du dir weh getan?" Denn Kinder merken durchaus, wenn man absichtlich wegschaut und das sendet m. E. die falschen Signale.

      Herzliche Grüße!
      Danielle

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  15. Ihr habt wirklich interessante Artikel immer wieder. Auch die Quellenangaben sind toll. Weiter so! Im deutssprachigen Raum gibts eh zu wenig "Erziehungsblogs" :) (mit den "richtigen" Anschauungen^^)

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  16. Liebe Danielle!

    Vielen herzlichen Dank für deine tollen Artikel. Durch Zufall habe ich diesen Blog durch eine Verlinkung auf einem anderen Blog gefunden und lese seitdem begeistert die Artikel .. Sie helfen mir ungemein und geben mir eine Sicherheit, dass ich lernen kann, wie ich meiner Tochter am Besten durchs Leben helfen kann. Sie ist erst 3 Monate alt, aber ich habe schon jetzt Vieles hier entdeckt, das mich bei meiner Erziehung unterstützt. Besonders der Artikel "Die Erziehung unserer Eltern und Großeltern" hat mir die Augen geöffnet. So hat mich zum Beispiel meine Omi schon mehrmals angesprochen, wieso ich meiner Tochter noch keinen Obstbrei gebe oder dass ich nicht immer füttern oder reagieren muss, wenn "das Kind nur einmal quaaa macht" .. :-) darum noch einmal: DANKE, dass ihr mir hier die Augen geöffnet habt .. nicht nur für das Verhalten anderer sondern auch für das, was unbewusst durch Erziehung meiner Eltern bei mir hängen geblieben ist. Ich fühle mich hier sehr gut aufgenommen.

    Ach ja .. und ich habe als Kind, wie ich mir den Arm gebrochen habe auch von meinem Vater gehört "A geh, das ist doch nichts .. ein Indianer kennt keinen Schmerz" :D .. so habe ich mir schon eine Liste von Sätzen und Phrasen zusammengeschrieben, die ich auf keinen Fall meiner Tochter sagen möchte - eben genau deswegen, weil ich weiß, wie man sich als Kind dabei fühlt.

    Ich geh jetzt mal weiter stöbern ;)

    Alles Liebe!

    Kathi

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    1. Liebe Kathi,

      vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, zu kommentieren - wir freuen uns über jeden Kommentar und auch immer besonders über diejenigen, die durch Zufall zu uns fanden und bleiben. Wir freuen uns, Euch in den weiteren Lebensphasen vielleicht dauerhaft zu begleiten :-).

      Viele Grüße!
      Danielle

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  17. Sehr schön geschrieben. Nur wie verhalte ich mich, wenn mein Kind weint weil es von einem anderen geärgert wurde. Man soll ja die Kinder unter sich die Konflikte lösen lassen. Trösten wäre ja c ein Eingriff, obwohl ich ihn immer nur zu gerne trösten will.

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    1. Die Idee hinter dem Nichteinmischen ist ja, dass Kinder die Konflikte untereinander lösen, ohne dass sie dabei auf Erwachsene zurück greifen, die ihnen Lösungen anbieten.

      Trost ist dabei für mich persönlich kein "einmischen", so lange die Situation nicht bewertet wird. Ihn daher in die Arme nehmen und sagen "Ich verstehe, dass du traurig bist" beeinflusst den Konflikt nicht.

      Viele Grüße!
      Danielle

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    2. Gerade bei kleineren Kindern (z.B. 3-4jährigen) halte ich es nicht für richtig, sich in ihre Konflikte auf keinen Fall einzumischen. Klar sollte man nicht sofort dazwischenfunken, sondern ihnen die Chance geben, ihr Problem selbst zu lösen. Nach meinem Eindruck ist es aber dann oft so, dass sich einfach der Stärkere oder Energischere durchsetzt. Dann mag der Konflikt beendet sein, aber sicher nicht in "sozial verträglicher" Weise; es gibt dann Gewinner und Verlierer. Kinder müssen meiner Meinung nach erst lernen, wie sie "sozial" mit Konflikten umgehen, und das lernen sie nicht einfach "von Natur aus".
      Der Sohn einer Freundin geht in einen Kindergarten mit dieser "Nicht-Einmischen-Philosophie" und wird dort gemobbt, weil er sich nicht wehrt. Das kann nicht gut sein!

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  18. Liebe Danielle, liebe Snowqueen,

    danke für diesen wieder sehr tollen Artikel. Mein Mutterinstinkt sagt mir genau dasselbe.

    Leider leidet meine Tochter (3) an einer chronischen Schmerzstörung (was erst nach einem halben Jahr erkannt wurde), und meine ständige prompte Zuneigung und der Trost haben den Schmerz immer weiter verstärkt ... Das kommt daher, dass der Schmerz ein gelernter ist (ausgehend von früheren starken, unbehandelten Schmerzen) und keine organische Ursache hat. In dem Fall konditioniert die Zuneigung (wirkt quasi als Belohnung) die immer wieder neue Schmerzmeldung im Gehirn :(

    Das Fatale ist: Sie bildet sich den Schmerz nicht ein, sondern empfindet ihn wirklich, weswegen ich sie natürlich trösten will. Unser Leben ist daher ein Drahtseilakt zwischen Zuwendung und dann ganz schnell Ablenkung. Der Schmerzkreislauf wird bei Stress angetriggert. Wie die Entthronung für sie war, ist daher nicht in Worte zu fassen.

    Ich finde es toll, dass Ihr so tolle, gut recherchierte Beiträge zu so wesentlichen Themen verfasst. Danke!

    Liebe Grüße
    Mo

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    1. Liebe Mo,

      oh, das ist natürlich eine Herausforderung. In dem verlinkten Artikel über das Ablenken bei Schmerzen wird ja auf eine Studie mit Kindern, die unter chronischen Schmerzen leiden, Bezug genommen. Das Ergebnis war, dass Ablenken in diesen Fällen tatsächlich schneller den Schmerz vergessen lässt, als intensiver Trost. Daher muss man natürlich immer den Einzelfall betrachten. Manche Dinge sind für einige Kinder nicht vorbehaltlos anwendbar.

      Ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar und alles Liebe für Euch!
      Viele Grüße
      Danielle

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  19. Vielen Dank für diesen Artikel. Viele Dinge habe ich noch gar nicht aus diesem Blickwinkel gesehen. Ich bin Jahrgang 1987 und habe Sätze wie "Ein echter Indianer kennt keinen Schmerz" und "ist nix passiert, komm, steh auf." auch immer wieder gehört und sie wie selbstverständlich an mein Kind weitergegeben, weil ich meine Eltern liebe und sie mir (bewusst und unbewusst) Vorbilder sind. Allerdings ist meine Tochter sehr emotional, (im Bockigen wie im Traurigsein wie im Lieben, sich Freuen... alles ist "eine Explosion" bei ihr.) und ich wünschte, ich könnte damit besser umgehen, als passiv daneben zu stehen oder ihr vor lauter eigener Wut nach einer halben Stunde Bocken den Trost zu verweigern, weil ich selbst so aufgebracht bin. Dein Artikel hat mich nachdenklich gemacht und ich möchte versuchen, mich in zukünftigen Situationen daran zu erinnern und öfter Trost zu spenden. Nicht bei "Wewehchen", da fällt es mir nicht schwer, für sie da zu sein. Aber gerade, wenn sie "psychisch" leidet, weil ich ihr den flasch-farbigen Teller gegeben habe oder kein roter Fruchtzwerg mehr da ist, sondern nur gelbe. Hilft es ihr da mehr, wenn ich sie "durch die Situation" tröste, als wenn ich ihr klar sage, dass es nunmal so ist und sie das akzeptieren soll? Ich möchte ja auch nicht, dass sie lernt, sie könne alles haben, wenn sie nur genug zetert. Ist es dann z.B. besser, ihr den andersfarbigen Teller zu geben oder zu sagen: "Den habe ich auf den Tisch gestellt und das ist heute dein Teller." ? Ich weiß, das klingt so banal, aber wir haben viele solche Situationen, in denen ich denke "du liebe Güte, ist doch egal..." aber sehe, dass es für sie ganz furchtbar ist. Wie gehe ich damit um?
    Viele liebe Grüße, Christiane

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    1. Liebe Christiane,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Nein, es ist ganz und gar nicht banal, sondern vielmehr essentiell. Ich würde mich freuen, wenn Du Dich ein bisschen durch unsere Kategorie Erziehung liest, wir haben einige interessante Artikel geschrieben, die Deine Fragen beantworten. Unbedingt ans Herz legen möchte ich Dir den über die Autonomiephase:

      http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/05/autonomiephase-trotzphase-warum-immer.html

      Genau dann, wenn Du Dir sagst: "Ist doch egal!" spricht absolut nichts dagegen, den Wunsch des Kindes zu erfüllen. Und wenn Du etwas nicht erfüllen kannst, dann hilft es Deinem Kind tatsächlich, wenn Du es tröstest. Es liebt die gelben Fruchtzwerge und es ist in seiner Welt vollkommen zurecht traurig, dass sie alle sind.

      Stell Dir vor, Du wärest super traurig, weil Deine Lieblingsschuhe kaputt sind (wenn Du frauuntypisch nicht so auf Schuhe stehst, wie ich, ersetze das durch etwas anderes, das Du wirklich magst). Du berichtest Deinem Mann traurig davon und er sagt völlig ungerührt "Ist doch völlig egal. Zieh halt andere an. Sind doch nur blöde Schuhe. Was machst Du deswegen so ein Drama? Albern das". Da fühlt man sich doch scheußlich, oder? Wenn er Dich in den Arm nähme und einfach nur sagen würde "Ach herrje, ich verstehe, dass dich das sehr traurig macht!" würde es Dir doch viel besser gehen, oder

      Unsere Kinder sehen die Welt mit anderen Augen - wir sollten einfach nicht darüber urteilen, wie schlimm etwas ist. Deine Trauer um die tollen Schuhe kann das Kind auch nicht verstehen... Jeder hat andere Maßstäbe für das was ihn bewegt.

      Und nein - es hilft einem Kind nicht, wenn man ihm sagt: "Ist so, musst du durch". Das lernen sie ganz von alleine, ohne dass wir ihnen das sagen. Du wirst sie nicht verwöhnen, wenn Du ihr gibst, was sie möchte (so lange es für Dich akzeptabel ist) - im Gegenteil - du erreichst eine hohe Kompromissbereitschaft dadurch.

      Probier´s aus ;-).

      Liebe Grüße!
      Danielle

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    2. Hallo Danielle,
      danke für deine rasche Antwort. Ich habe den von dir genannten - und viele weitere Artikel dieser Seite - gelesen und mich in vielen Dingern wiedererkannt. Vielen, vielen Dank für die Denkanstöße und Blickwinkel.
      Ich möchte mein Kind zu einem glücklichen Kind erziehen (welche Mutter möchte das nicht...), aber ich möchte eben auch, dass sie nicht irgendwann in einer Welt voller Regeln und Normen aufwacht, und nicht darin klarkommt, weil sie nicht gelernt hat, sich an Regeln zu halten. Wie kann ich ihr beibringen, dass manche Regeln einfach befolgt werden müssen, auch wenn man sie nicht gut findet? (Es gibt genügend deutsche Gesetze, die überarbeitet gehören - trotzdem lebe ich nunmal hier und muss mich daran halten...) Ab wann ist es Zeit, das Konzept "aus Prinzip" zu lernen?
      Ich bin von vielen Artikeln gerade sehr bewegt und verunsichert. Ich bin eine "Wenn... dann..."-Mami. Ich bin eine "Ich zähle bis 3"-Mami. Aber ich dachte, dass es der richtige Weg ist. Ihr zu zeigen, ein Teil der Gesellschaft zu werden, der sich an die Normen und Regeln hält. Schaffe ich das auch mit weniger "Nein"-Sagen, weniger Verboten? Im Artikel "Logische Konsequenzen" steht:

      "Durch die in Deutschland allgemein noch immer von der Erziehung unserer Eltern und Großeltern beeinflusste weit verbreitete Erziehung (und auch durch diese fürchterlichen Tyrannen-Bestseller), befürchten viele Eltern, dass durch einen hohen Grad an Selbstbestimmung und Kompromissbereitschaft vielleicht unerzogene Egomanen aufwachsen könnten."
      Genau davor habe ich Angst. Ich möchte nicht, dass mein Kind rücksichtslos ist und nur den eigenen Willen durchsetzt. Hier von einigen meiner bisherigen Ansichten loszulassen, fällt mir sehr schwer.

      In einem der Artikel (ich weiß gerade nicht welcher, ich habe wirklich viel gelesen) steht die Entwicklung von der Geburt bis zum 3. LJ, wenn ein Bruch erfolgt zwischen "bedingungslos rundum versorgen" und "erziehen wollen", auch im Zusammenhang mit einem Geschwisterchen. Darin erkenne ich meine Situation wieder und ich möchte gern versuchen, etwas zu ändern. Auf die Methode des "Fast Food" kann ich mich schon besser einlassen und möchte sie zukünftig anwenden, wenn wieder mal ein Wutsturm zu toben droht oder tobt. Und ja, ich habe verstanden, dass das kein Allheilmittel oder Sofort-Lösungs-Zauber ist. Aber ich möchte es versuchen.

      Ich könnte jetzt noch lange weiter zitieren, aber ich glaube, ich muss das alles erstmal sacken lassen und auch hören, was mein Mann dazu meint, dem ich gleich viele Links geschickt habe. Du (Ihr?) hast (habt) mich auf jeden fall heftig zum nachdenken gebracht, über meine Kindheit, über Erziehung, über unbewusstes und bewusstest verhalten von mir meiner Tochter gegenüber... Danke dafür.

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    3. Liebe Christiane,

      ich kann Deine Bedenken gut nachvollziehen, Dir aber versichern, dass sie unbegründet sind. Kinder erfahren recht schnell, dass es Grenzen und Regeln gibt, an die man sich halten muss. Nur weil ich so oft wie möglich "Ja!" sage, fordern sie das nicht überall ein. Sie wissen genau, dass es in der Kita andere Regeln gibt. Dort muss man am Tisch sitzen bleiben, bis die Mahlzeit zu Ende ist - zu Hause müssen sie das nicht. Es fällt ihnen nicht schwer, zwischen verschiedenen Situationen zu unterscheiden und ihr Verhalten anzupassen.

      Alfie Kohn (dessen "Liebe und Eigenständigkeit" ich Dir wirklich ans Herz lege - er schafft es viel eindrucksvoller, unserer Ängste zu skizzieren und vor allem zu nehmen, als ich es je können werde) hat geschrieben:

      "Das verbreitetste Erziehungsproblem in unserer Gesellschaft ist nicht die zu große Toleranz, sondern die Angst vor zu großer Toleranz. Wir fürchten uns so davor, Kinder zu verwöhnen, dass wir sie im Endeffekt oft übertrieben kontrollieren"

      Und das trifft den Nagel auf den Kopf. Die Kinder, die in unserer Welt herum laufen und machen was sie wollen und nicht auf ihre Eltern hören sind ganz sicher nicht diejenigen, die in einer bedürfnisorientierten Familie aufwuchsen. Das schlechte Benehmen ist viel mehr das Ergebnis von zu viel Kontrolle, zu viel Erpressung und zu viel Zwang. Die Kinder brechen aus, sie haben ein hohes Autonomiebestreben - wenn man sie ständig bevormundet, rebellieren sie - und hören am Ende gar nicht mehr. Die Eltern sind resigniert - sie wissen, dass sie ihre Kinder nicht mehr "im Griff" haben und stehen ratlos und tatlos daneben. Dadurch entsteht leider der Eindruck, den Kindern werden keine Grenzen gesetzt - stattdessen wurden ihnen zu viele gesetzt.

      Die Regeln, die für Dich zwingend notwendig sind, müssen durch liebevolle Konsequenz durchgesetzt werden. Je weniger das sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Dein Kind Dir zuliebe auch Dinge macht, die es vielleicht nicht möchte. Wenn es spürt, dass Du oft Kompromisse eingehst, wird es das auch verstärkt tun. Das berichten fast alle Eltern, die bedürfnisorientierte Erziehung praktizieren.

      Kinder sind von Natur aus gut - sie wollen mit uns kooperieren - nur wenn wir zu sehr auf ihr Verhalten einwirken in der Absicht es zu ändern - hören wir damit auf.

      Ich finde es großartig, dass Du Dich so reflektierst! Ich stand selbst an der Schwelle und war auch völlig erschlagen, von diesem Ansatz. Aber ich habe unser Zusammenleben Schritt für Schritt geändert und bin mittlerweile so zufrieden, dass ich von Herzen jedem empfehlen kann: Probier es aus! Wenn es nicht klappt, kann man immer noch zurück... wobei das m. W. noch niemand getan hat.

      Nein - wir leben nicht auf der Insel der Glücksseeligen, bei uns gibt es auch mal Streit, Konflikte und laute Worte (ich schaffe auch nicht alles, von dem ich weiß, dass es ideal wäre, umzusetzen) - aber ich bin sicher, dass meine Kinder wirklich glücklich sind.

      Herzliche Grüße!
      Danielle

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  20. Sehr schöner Artikel und ich wünsche, sehr viele Menschen werden ihn lesen.
    Ich war diese Woche mit meinem Zwerg in der Notaufnahme nach einem Fieberkrampf.
    Es geht ihm wieder gut. Aber die Menschen, die dort geholfen haben, haben mich teilweise echt aufgeregt. Er wurde regelrecht aufgeregt, weil er panisch schrie, während ihm ein Zugang gelegt wurde. Mit solchen Schmerzen kann mancher Erwachsene nicht umgehen. Aber einem Kind wird suggeriert, dass es albern ist, in einer solchen Situation Schmerz zu empfinden. Ähnliches auf der Station beim regelmäßigen Fiebermessen. Ich hätte die Leute am liebsten ausgeschimpft, war aber zu sehr damit beschäftigt, den Zwerg zu trösten. Was gar nicht so einfach ist, wenn man ihn selbst festhält und genau das sein größtes Problem ist. Ich bin nur froh, dass er mit 14 Monaten noch zu jung ist, um sich das alles bewusst zu merken.

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich kann gut nachfühlen, wie schlimm so eine Situation ist. Es gibt viele sehr unempathische Ärzte... ich habe da auch schon Erfahrungen gesammelt...

      Herzliche Grüße!
      Danielle

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  21. Danke für den Artikel. Das hat mich in manchen Bereichen doch nochmal zum Grübeln gebracht :) Denkanstöße sind ja immer gut!
    Ich habe auch diesen "Ist ja nichts passiert"-Reflex, krass oder? Aber inzwischen bin ich ganz bewusst dazu übergegangen, bei einem Sturz etc zu fragen "Hast du dir weh getan?" und dann entsprechend der Reaktion meiner Tochter zu trösten oder auch nicht. Sie ist jetzt 3,5 und hat quasi jeden Tag neue blaue Flecken und Schrammen :)
    Klar fällt es auch mir schwer zu trösten, wenn ich mich über sie ärgere oder sogar richtig wütend bin. Aber das klappt irgendwie trotzdem ganz gut. Ich sage ihr oft, dass ich sie immer lieb habe und für sie da bin, auch wenn ich mal schimpfe und fast immer gelingt es mir auch, sie in den Arm zu nehmen und zu trösten, obwohl ich sauer bin. Sie fragt dann auch schluchzend, ob ich noch sauer bin und ich antworte dann ehrlich, sage aber dazu, dass ich sie trotzdem trösten will.. drolligerweise sagt meine Tochter manchmal auf meine Äußerung "Oh tut mir leid, dass du dir weh getan hast", "Nicht so schlimm, das war ich ja selber". (Woraufhin ich aber immer sage, dass ich als ihre Mama trotzdem nicht will, dass sie ein Aua hat und sie in den Arm nehmen möchte).
    Es gibt immer irgendwie Verbesserungspotenzial und wie eingangs gesagt, sind Denkanstöß immer zu begrüßen. Danke nochmal für den Artikel.
    P.S.: Da meine Mutter Heilpraktikerin ist und ich von kleinauf mit Homöopathie aufgewachsen bin, spricht mich der letzte Teil des Artikels nicht so an. Meist weiß ich gar nicht, wo die Arnika-Globuli sind oder wir vergessen es einfach, also wird auch bei uns trotz Homöopathie-Vorprägung etc keineswegs mit Kügelchen geworfen ;)

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  22. Huhu,

    Erst mal: danke für diesen Artikel. Er hilft mir sehr im Alltag zu meiner überzeugung zu stehen, dass Kinder kontinuierlich getröstet werden sollten! Nun habe ich hierüber mit einer Kollegin diskutiert, die mir erklärte wenn ein Kind sich in der Toilette einschließt um zu weinen, möchte es doch auch mal alleine sein. Alleine für sich traurig sein dürfen. Sie kenne das auch von sich. Das es Momente in ihrem Leben gibt, in denen sie traurig ist und niemanden sehen und hören möchte. Ich würde gerne eure Meinung dazu wissen. Können wir es als Erwachsene irgendwann nicht mehr ertragen getröstet zu werden, weil wir es als Kind nicht oft erfahren haben?

    LG

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    1. Hallo,

      das ist eine sehr interessante Frage, die ich spontan mit "Ja!" beantworten würde. Ich denke, dass es uns zu einem großen Teil anerzogen ist, mit Kummer allein zurecht kommen zu wollen, da es mit einem gewissen Schamgefühl behaftet ist. Dadurch, dass wir als Kinder immer aufgefordert wurden, uns "nicht so zu haben" oder "tapfer sein" zu sollen, ist Kummer für uns etwas geworden, das nicht zu sehen erwünscht ist.

      Unabhängig davon kann es dennoch gut sein, das Kinder das Bedürfnis haben, in Wut/Ärger/Trauer einfach auch allein zu sein. Um Gedanken zu sortieren, um sich zu beruhigen, um das auch einfach mal mit sich auszumachen. Das ist auch nicht schlimm - Kinder können ja sehr gut signalisieren, was sie gerne wollen. So lange sie sich sicher sind, dass wir sie jederzeit auffangen, wenn sie das möchten, sehe ich da kein Problem.

      Liebe Grüße
      Danielle

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    2. Oh, das beruhigt mich. Wenn sich mein Sohn richtig heftig wehgetan hat, ist er schon öfter weggerannt oder hat sich in der Ecke verkrochen wie es Katzen tun... Mir hat das oft wehgetan, weil ich ihn doch trösten wollte... das ging dann auch irgendwann, aber nicht im ersten Moment.
      Aber noch eine Frage zum Thema Schmerz: wie gehe ich mit selbstverletzendem Verhalten um? Mein Sohn wird jetzt bald 6 und hat das lange nicht mehr gemacht, aber es kam früher öfter vor; schon mit 1 oder 2 Jahren ist er mal zum Türrahmen und hat seinen Kopf dagegen gedonnert (ich dachte beim 1.Mal, ich sehe nicht richtig!). Er hat das als "Höhepunkt" von Zornanfällen gemacht, aber auch, wenn jemand anderes sich wehgetan hatte: dann hat er versucht, sich auf dieselbe Weise zu verletzen! Er wollte fühlen, wie das ist! (Das hat er mir selbst so gesagt!) Einmal bin ich fast hysterisch geworden, als er sich unbedingt den spitzen Schwanz einer Dinofigur ins Auge rammen wollte, weil er zuvor seinem Freund (aus Versehen oder im Übermut) mit dem Ding am Auge wehgetan hatte. Ich musste ihn mit aller Kraft festhalten! Ich hab ihn bei solchen Aktionen, wenn er sich tatsächlich wehgetan hatte, schon getröstet, aber auch geschimpft, dass das Blödsinn ist und übel ausgehen kann! Meinst Du, das war richtig so?
      Übrigens- das mit dem Schimpfen ist mir auch sonst leider manchmal passiert, wenn er sich aus Versehen wehgetan hatte - ich bin einfach so erschrocken über den Unfall! Aber das war ganz sicher keine gute Reaktion und ich bemühe mich, diesen Impuls zu unterdrücken.
      Vielen Dank für Eure Texte!! Hanni

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  23. Huhu,

    danke für den tollen Artikel. Ich habe euch schon während meiner Schwangerschaft entdeckt und lese den Blog nach wie vor gerne (die Maus wird Ende des Monats ein Jahr alt).
    Der Artikel bestärkt mich darin, so mit unserer Tochter umzugehen, wie wir es von Anfang an tun (und wofür wir zum Teil schon zu hören bekamen, sie müsse auch mal quengeln und wir würden ja bei jedem Mucks springen - ja, tun wir, und wir tun es gerne.)

    Was soll ich sagen? Unsere Maus ist ein extrem freundliches, fröhliches und ausgeglichenes Baby.
    Ein Baby, das - auch das hören wir ständig - fast immer gut gelaunt ist und praktisch kaum schreit und wenn, sich auch schnell wieder beruhigt. Sicherlich ist das auch auch eine Frage der Persönlichkeit - aber ich bin mir sicher, dass auch das zuverlässige Trösten, Dasein, Hochnehmen, Herumtragen (und ich habe das alles unheimlich genossen, auch wenn mir manchmal fast die Arme abgefallen sind :-)) seinen Teil dazu beigetragen hat.

    Ich sehe und höre oft bei Bekannten, dass die Kinder erstmal quengeln gelassen werden oder eben das unsägliche "Ist doch nicht schlimm", nach dem Hinfallen/Kopf gestoßen/was auch immer - und es regt mich jedes Mal auf. Auch ich wurde als Kind zuverlässig getröstet und weiß noch, wie gut es tat, einfach in diesem Kummer verstanden zu werden, auch wenn aus Sicht eines Erwachsenen ein angeschlagenes Schienbein nicht das größte Drama der Welt ist.

    Und ich finde es toll, wenn Blogs wir eurer dazu beitragen, die leider immer noch viel zu oft praktizierten Johanna-Haarer-"Erziehungs"methoden aussterben zu lassen.

    Liebste Grüße und bitte weiter so, N

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    1. Liebe N.,

      herzlichen Dank für dieses tolle Feedback, über das wir uns wirklich sehr gefreut haben! Es ist immer schön zu lesen, dass das tatsächlich alles so funktioniert :-).

      Liebe Grüße
      Danielle

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  24. Hi. DANKE! Danke, dass es Menschen gibt die sich die Zeit nehmen so etwas tolles zu schreiben! Alle Artikel die ich bisher von euch gelesen habe sind super,wobei es hin und wieder fragen gibt... Meine Situation ist folgende bzw alles hier zu erwähnen wäre unmöglich. Wie fange ich an, ich bin auf eure Seite gestoßen nachdem ich wieder einmal einen heftigen Wutausbruch hatte,dazu muss ich sagen das ich unter Depressionen leide und meine Mutter auch (Alkohol abhängig) ich mir aber diese Diagnose selbst gestellt habe wobei ich der Meinung bin eine durch Eisen Mangel hervorgerufene Depression habe. Ich bin ausgeflippt,weil mein Sohn 5 nicht ins Bett wollte, ich aber krampfhaft versuche seinen Rhythmus umzustellen nun gut, da er mit mir im Bett schläft und ich total müde war. Und er nach zwei Stunden immer noch nicht schlief. Ich ihm gedroht habe mit einem wenn,dann Satz. Er hat sich durch Papa aus der Situation befreien können und ich habe eben Schlafstörungen ok. Jedenfalls habe ich darauf nach Antworten gesucht und eben nicht ihm sondern mir die Schuld gegeben und somit euch gefunden. Am nächsten Tag hat er ( durch gewisse Umsetzungen meiner Seite) ganz oft liebe mami gesagt und ernst
    Gemeint. Ich merke nach Stunden schon einen Unterschied, heftig. Ich muss aber sagen er bekommt viel Aufmerksamkeit von mir und Papa. Papa ist immer da und weiß das alles was ihr schreibt nur ich.kann es von ihm nicht so annehmen wie von euch! Ich werde evtl nochmals schreiben danke lesen.
    Es ist nie zu spät sich selbst zu reflektieren, vielen Dank! Liebe grüße Lilly

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    1. Liebe Lilly,

      vielen Dank für Dein Feedback!

      Bist Du wegen der Depressionen in Behandlung? Es ist wichtig, sich bei dieser Krankheit schnell kompetente Hilfe zu holen. Aber auch ohne diese Erkrankung ist es nicht ungewöhnlich, wenn man auch mal die Nerven verliert. Mütter sind keine Maschinen und man handelt nicht immer pädagogisch perfekt. Wichtig ist es, dass man wenigstens merkt, wenn etwas schief läuft und sich dann zumindest entschuldigt oder das Kind trösten kann.

      Ich finde es ganz toll, dass Dein Mann Dich da so unterstützt - aber es ist immer etwas anderes, das auch noch mal von einer anderen Seite zu hören/lesen.

      ich wünsche Dir alles Gute!
      Liebe Grüße
      Danielle

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  25. Wenn unsere Tochter (3) hinfällt oder sich stößt, warten wir auch erst einmal ab, wie ihre eigene Einschätzung der Situation ist, bevor wir hinlaufen (es sei denn, es sah sehr dramatisch aus oder sie weint schon, da ist das Hinlaufen einfach ein Reflex). Oft steht sie von alleine auf und sagt: "Nichts passiert." oder "Gar nicht schlimm." Wenn sie aber Trost möchte, bekommt sie ihn so lange, wie sie ihn braucht. Pflaster gibt es auch bei Mini-Wunden oder ein Kühlpack auf Wunsch. Das ist ja auch eine Form der Ablenkung bzw. Aufmerksamkeit und das Gefühl, dass man an der Situation was ändert. Aber oft geht der Schmerz so schnell vorbei, dass ich staune. Dann rennt sie einfach weg und spielt weiter. Wenn ich sie tröste, nehme ich sie in den Arm und sage häufig: "Es wird gleich wieder besser." (z.B. durch Kühlen mit Wasser oder einem Kühlpack). Damit nehme ich den Schmerz ernst, versuche sie aber auch zu beruhigen. Ich glaube, sie ist manchmal echt hart im Nehmen und kann schon selber gut einschätzen, wann sie Trost braucht und wann nicht. Aber bei Bedarf bekommt sie ihn auch bedingungslos.
    Neulich mussten wir ihr leider was verbieten bzw. absagen, weil sie so herumgetrödelt hatte, dass es sich nicht mehr gelohnt hat loszufahren. Da haben wir dann gesagt, dass wir nun zu Hause bleiben (aber auch nach mehrmaliger Ankündigung and vielen Chancen). Sie bekam natürchlich einen Wutanfall, als sie begriff, dass nun wirklich Schluss war, und war sehr traurig. Obwohl ich vorher auch sehr wütend war und selber gerne fahren wollte, habe ich trotzdem versucht zu trösten, weil ich gut verstehen konnte, dass sie nun traurig war. Aber in dem Moment wollte sie gar nicht getröstet werden. Ich habe sie dann in Ruhe gelassen, und sie hat sich von selbst beruhigt.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich denke, dass es gut ist, wenn man Empathie zeigt und tröstet, aber auch den Kindern Zeit lässt, erst einmal selber einzuschätzen, ob etwas schlimm war oder nicht, bevor man hinrennt. Sie kommen schon von selber, wenn sie Trost brauchen.

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    1. Das sehe ich ganz genau so. Kinder wissen am besten "wie" schlimm es wirklich ist und es wäre absolut kontraproduktiv, sofort entsetzt schreiend das Kind hochzureißen und mit Küssen zu überschütten :-).

      Es ging mir im Artikel vornehmlich darum, Kindern zuverlässig Trost zu bieten, wenn sie es selbst möchten.

      Herzliche Grüße
      Danielle

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  26. Vorab danke für diesen Beitrag zum Trösten. Es hat mich zum Nachdenken gebracht und mir auch gezeigt, dass ich durch das Trösten meines Kindes, mein Kind nicht zu sehr verwöhnen kann, so dass es mir dann auf der Nase rum tanzt
    (So ist nämlich die Sichtweise meiner eng vertrauten Verwandtschaft).

    Mein Sohn ist 21 Monate alt. Und ich möchte ihn immer trösten, aus eigenem Reflex oder Instinkt oder Bauchgefühl.... Mein Herz kann da bisher nicht anders.
    Nun ist es bei uns irgendwie mit dem Trösten so eine Sache.

    Ich möchte ihn gerne trösten, aber mein Sohn lässt es nicht zu (mit 21 Monaten).
    Ein Beispiel: Er hat gestern eine Schaukel vor sein Gesicht bekommen, weil ein Junge diese Schaukel gerade leicht anschob und er sich davor gestellt hat ( ich hoffe ihr könnt mir folgen). Mein Sohn ist dann auch auf die Knie gefallen, hat mich angeschaut und fing an zu weinen. Ich bin dann sofort hin, wollte ihn hoch nehmen, doch er flippte total aus, zog an meinen Haaren, worauf ich ihn dann etwas weiter von mir wegnahm ihn aber trotzdem noch in meinen Händen hielt.
    Ich sagte ihm dann ( nachdem er an meinen Haaren gerissen hatte):
    Das der Junge das nicht absichtlich gemacht hat, und nicht wissen konnte, dass mein Sohn sich gleich davor stellt... Dann fing er wider an Wild zu schreien....
    Dann hab ich ihn erstmal nur gehalten.... Als er nicht mehr so wild schrie, sondern weinte...sagte ich ihm: ja das hat bestimmt weh getan, zeig mal her.
    Ja da fing er wieder an an meinen Haaren zu ziehen.
    So laufen meine Trostversuche meistens ab. Er kommt auch nie zu mir, um sich trösten zu lassen, ich komme immer zu ihm hin.
    Manchmal wehrt er sich so sehr gegen meinen Trostversuch, dass ich ihn erst einmal lasse und er wütet dann mit seinen Beinen auf dem Boden und ich sitze daneben...aber wahrscheinlich warte ich nicht zu Ende und möchte ihn zu schnell zu mir nehmen und es fängt von vorne an...Irgendwie habe ich da noch keinen Weg gefunden....
    Er lässt sich nicht trösten wenn er sich wehgetan hat, ihm andere Wehgetan haben
    oder ihm wurde etwas nicht erlaubt, weil es einfach zu gefährlich ist.
    Oft schlägt er sich dann auch selbst, was aber schon viel weniger geworden ist.
    Ich verzweifel langsam, dass ich einfach nicht weiß, wie ich damit umgehen soll.
    Für Ratschläge wäre ich sehr dankbar.

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    1. Hallo,

      ich habe schon mehrfach von solch einem Verhalten gelesen, es ist also nicht unbedingt sehr ungewöhnlich und ich vermute, dass es sich im Laufe der Zeit auch noch ändern wird.

      Ich persönlich vermute, dass vor allem die noch sehr kleinen Kinder sehr damit beschäftigt sind, ihre Empfindungen zu sortieren und ihre Emotionen zu regulieren. Dafür entwickeln sie sehr verschiedene Strategien - die meisten beruhigen sich am schnellsten, wenn durch Körperkontakt Oxytocin ausgeschüttet wird. Andere sind einfach erst mal überfordert von der Welle der Gefühle und es stört sie beim Sortieren der Gedanken/Empfindungen, wenn man sie berührt.

      Es bleibt Dir letztlich ohnehin nicht viel mehr übrig, als das so zu akzeptieren. Alles was Du tun kannst ist Körperkontakt anbieten und ihm zuhören und verbal trösten. Ich würde aber weniger vertrösten ("War ja keine Absicht" (wobei man das im Nachhinein tatsächlich erwähnen sollte, wenn die Situation schon etwas ruhiger ist) und eher "beschreiben" ("Das hat dir weh getan!").

      Liebe Grüße
      Danielle

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  27. Unsere Tochter (3) möchte manchmal auch nicht getröstet werden oder nur von einer bestimmten Person, die von mal zu mal auch eine andere sein kann. Insbesondere wenn ihr etwas nicht erlaubt wurde, schreit sie oder versucht Sachen durch die Gegend zu werfen. Ich denke, dass man aufpassen muss, dass das Kind nicht sich oder andere verletzt.Ansonsten sollte man Ruhe bewahren (ja, das ist manchmal verdammt schwer!), Trost anbietet und ansonsten dem Kind die Gelegenheit gibt, sich selbst zu beruhigen, es also einfach einen Moment ihn Ruhe lässt.

    Vielleicht kann auch eine andere Person trösten, also nicht die, die das Verbot ausgesprochen hat. Wenn also die Mutter etwas verbietet und der Vater auch gerade da ist (oder wer auch immer), kann dieser fragen, was los ist und worüber sich das Kind ärgert. Dann kann sich das Kind "alles von der Seele" reden und muss nicht mit der Person sprechen, über die es sich gerade ärgert.

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  28. Hallo erstmal vielen Dank für Deinen Beitrag.
    Ich habe direkt eine Frage und hoffe Du findest Zeit für eine Einschätzung. Meine Tochter ist jetzt 15 Monate alt und bekommt in 2 Wochen ein Geschwisterchen. Ich dachte es liegt daran das sie die Veränderungen spürt das sie ganz furchtbar anfängt zu weinen wenn ich sie in der Spielgruppe abgebe. Die Erzieherinnen sagen ich soll mich verabschieden, einfach gehen und wenn sie sich nicht beruhigt melden sie sich. Heute hat sie jedoch richtig hysterisch geschrieen und mein Bauchgefühl sagt mir das das so nicht richtig sein kann.

    Etwas anderes habe ich zum Thema trösten. Wenn sie gerade nicht die Aufmerksamkeit bekommt die sie will, tut sie sich selber weh um Aufmerksamkeit zu bekommen. Zum Beispiel haut sie ihren Kopf irgendwo gegen. Nicht allzu feste aber genug das es weh tut. Ich weiß mir dann nicht zu helfen... soll ich trösten, schimpfen, ignorieren????

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    1. Es gibt immer wieder Phasen, in denen die Kinder anhänglicher sind. Bei uns war es u.a. mit knapp zwei Jahren. Ich habe sie dann auch einfach abgegeben, weil ich wusste, dass es nicht besser wird, so lange ich da bleibe. Es zieht sich dann nur in die Länge und wird noch schlimmer. Mir wurde hinterher auch immer bestätigt, dass sie sich schnell wieder beruhigt hat, sobald ich weg war.

      Im zweiten Fall würde ich weder trösten, noch schimpfen noch ignorieren, sondern darauf hinweisen, dass es mit Absicht war und sie sich bitte nicht selber weh tun soll, aber dafür ist sie evt. auch noch zu klein, um es zu verstehen. Das kam bei uns erst später, in einem Alter, wo unsere Tochter es schon verstehen konnte.

      Vermutlich ist es sinnvoll, ihr die Aufmerksamkeit auf andere Weise zu geben, wenn sie gerade nicht genug bekommt. Vielleicht nutzt du die Zeit, bis das Geschwisterchen kommt, noch ganz intensiv mit ihr, wenn es körperlich noch geht. Und dann bezieh sie soweit es geht mit ein, z.B. mit einer neuen Puppe, die sie dann auch füttern und wickeln kann, wenn du das mit dem Baby machst.

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    2. Hallo,

      ich würde ganz spontan nicht unbedingt vermuten, dass das nahende Geschwisterchen diese Situation verursacht. Versuch mal herauszufinden, ob etwas vorgefallen ist, das sie vielleicht bekümmern könnte. Das ist natürlich recht schwierig, weil die Erzieherinnen vermutlich nichts bemerkt haben. Es gibt aber bei allen Kindern immer mal wieder Phasen, in denen sie etwas mehr oder heftiger weinen.

      Ich persönlich würde darum bitten, ein paar Tage die Ablösung etwas sanfter gestalten zu dürfen (also eine Art kleine Eingewöhnung machen).

      Wenn sie sich selbst weh tut, würde ich ihr die Aufmerksamkeit geben, die sie sich wünscht, ihr aber auch Wege zeigen, wie man dieses Bedürfnis sinnvoller artikulieren kann.

      Herzliche Grüße
      Danielle

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